Reise ins Südland 1. Teil: 29.05.2014 bis 26.10.2014

Von Kiel nach Torrevieja (Alicante), Spanien.

Ausrüstung des Bootes

Schon lange, um es genau zu sagen bereits seit mehreren Jahren trug ich mich mit dem Gedanken, mich mit meinem Segelboot in wärmere Gefilde – sprich: ins Mittelmeer – zu verabschieden, zumal ein Ende meines Berufslebens absehbar war.

Nun endlich, mit Eintritt in den Ruhestand, konnte ich meinen Traum verwirklichen.

Nachdem ich über mehrere Jahre hinweg mein Boot vom Typ Sigma 362 auf- und hochgerüstet und viele Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten hatte durchführen lassen, bestand der Endspurt im Frühjahr 2014 noch aus einer Reihe weiterer Maßnahmen.

Das Rigg wurde durch ein Kutterstag mit Backstagen verstärkt, eine Windsteueranlage wurde am Heck montiert und ich ließ mir von einem Schlosser einen multifunktionellen Geräteträger bauen, auf dem dann nicht nur zwei Davids für mein Schlauchboot und ein Gestänge für ein Bimini, sondern auch ein Solarpaneel und ein Windgenerator angebracht wurden.

Neben vielen weiteren Ausrüstungsgegenständen die ich beschaffte, wie einen 21 kg schweren CQR-Anker nebst 100 Meter verzinkter 8 mm Ankerkette und einem Kartenplotter, um nur diese zu nennen, wurde die vorhandene Segelgarderobe noch um eine Sturmfock und eine reffbare Genua ergänzt.

Schlußendlich wurden noch jede Menge Ersatz- und Zubehörteile beschafft, wie beispielsweise Reparaturmaterial für die Segel, Teile für den Motor, Schrauben, Schäkel, Blöcke und vieles mehr, was hier auf zu zählen wohl den Rahmen sprengen würde.

Das nautische Material

Verwendet wurden im Wesentlichen Admirality Sportbootkarten und Imray Kartensätze und für die Elbe und die Deutsche Bucht der entsprechende Sportbootkartensatz des BSH.

Ergänzend zu den Karten beschaffte ich die für das geplante Fahrtgebiet angebotenen Handbücher der RCC Pilotage Foundation, „Atlantic, Spain and Portugal“, „Mediterranean, Spain, Costas del Sol and Blanca“ sowie „Costas del Azahar, Dorada and Brava“, die sich als gute zusätzliche Informationsquellen zu den Imray Karten und zum außerdem von mir beschafften „Reeds Nautical Almanac“ erwiesen.

Im Verlauf der Reise musste ich allerdings feststellen, dass die Bücher der RCC Pilotage Foundation oftmals detailliertere und aktuellere Informationen hergaben, als der angeblich aktuelle „Reeds“.

Für das Mittelmeer kam dann noch der „Mediterranean Almanac 2013-14 hinzu, der sich ebenfalls als nützliche Ergänzung erwies, enden die Informationen des „Reeds“ doch bei Gibraltar.

Letztendlich wurde das ganze Papiermaterial noch durch den passenden Navionics-Chip für meinen Raymarine C120 Kartenplotter ergänzt, der das gesamte Fahrtgebiet von Kiel bis weit in das westliche Mittelmeer abdeckt.

Kiel – Helgoland

Am 29. Mai 2014 starteten wir vom Liegeplatz beim Post und Telekom Segel Verein (PTSV) in der Schwentinemündung in Richtung Holtenauer Schleuse. Neben der Crew, bestehend aus Inga Jeske, Peter Haslbeck, Michael Bringmann und mir, war noch ein Freund von mir mit seiner Frau und seinem Sohn mit an Bord , die allerdings nur die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal mit machten und die uns dann in Brunsbüttel verließen.

Die Kanalfahrt verlief ohne nennenswerte Ereignisse.

Da wir keine Lust hatten, am nächsten Tag morgens um vier Uhr mit der Tide aus zu laufen, starteten wir erst nachmittags, was zur Folge hatte, dass wir Helgoland nicht mehr bei Tageslicht würden erreichen können und wir deshalb in Cuxhaven Station machten.

Bei einem kräftigen Nordwest durften wir dann am kommenden Tag nach Helgoland kreuzen, wozu wir dann auch den ganzen Tag brauchten.

Noch im Hellen konnten wir so die “Annehmlichkeiten” des “Spritfelsens” gleich kennnenlernen. Es war ja das “Himmelfahrtswochenende” und der Hafen war recht gut mit Booten gefüllt. Man lag bereits in dreier, vierer oder gar fünfer Päckchen.

Um so erfreuter waren wir, dass uns gleich von mehreren Schiffen rote Schilder mit weißer Aufschrift – oder umgekehrt – “ NICHT ANLEGEN” entgegen leuchteten und dass wir gleich beim ersten Versuch, bei einem Schiff ohne entsprechendem Schild längsseits zugehen, von der Bordfrau abgewiesen wurden.

Was denken diese Leute sich eigentlich? Gehört der Hafen allein denen? Derartiges Verhalten empfinde ich als äußerst unseemännisch und unkameradschaftlich, so dass ich mir wünschen würde, dass man denen Hafenverbot erteilt. Wenn die nicht wollen, dass man über ihr Schiff trampelt, dann sollen sie doch ganz außen als letzte im Päckchen festmachen, um selber einmal zu erleben, wie es ist, über zehn Schiffe hinweg steigen zu müssen, um auf’s Klo zu gehen.

Ich hatte keine Lust auf Streit und wir fanden schließlich einen Platz neben netten Leuten als vierte im Päckchen und wir hatten unsere Ruhe.

Im Laufe des nächsten Tages, den wir zum Hafentag erklärten, rutschten wir dann direkt an den Schwimmsteg, da unsere Nachbarn sich alle nach und nach davon machten.

Wir erledigten noch eine ganze Reihe von Restarbeiten am Schiff und bunkerten außer den noch fehlenden Lebensmitteln natürlich auch noch Getränke. Einige Paletten Bier, ein paar Flaschen Sherry, ein paar Flaschen Campari und zwei Flaschen caribischen Mount Gay Rum, was, wie sich später herausstellte, viel zu wenig war.

Helgoland – Gosport

Den Tank mit steuerfreiem Diesel gefüllt ging es dann tags darauf hinaus auf die Nordsee in Richtung Holland.

Bei moderaten 2 bis 3 Windstärken in Richtung Tonne 2 a, die das Verkehrstrennungsgebiet von der Inshore Traffic Zone abgrenzt.

Entlang der ostfriesischen und niederländischen Küste ging es nach Ijmuiden, von wo aus wir uns einen Tag in Amsterdam gönnten. Wir setzten Michael Bringman wie geplant in den Zug nach Hause und durchstreiften die Stadt.

Wie hatte Amsterdam sich verändert! Das war nicht mehr die Stadt meiner Jugend, in der wir hippiemäßig auf den Stufen des Denkmals auf dem „Dam“ „gegammelt“ hatten. Mir schien, als sei die gesamte Altstadt fest in ausländischer Hand. Es gab Pizza-, Döner-, Asia- und Steakläden, aber eine „Frikandel-Special“ , wie ich sie von früher her kannte, war nirgendwo zu bekommen.

Dafür gab es jede Menge „Coffee-Shops“ in denen es alles zu erwerben gab, was des Kiffers Herz höher schlagen läßt.

Amsterdam, was ist aus Dir geworden?

Von Ijmuiden ging es dann zu Dritt am nächsten Tag innerhalb der „Inshore Traffic Zone“ weiter an der niederländischen, belgischen und französischen Küste entlang.

Das Wetter bot alles auf, was man sich so denken kann. Flaute wechselte mit Starkwind, die Windrichtungen änderten sich mitunter im Zweistundentakt, da kam keine Langeweile auf. Auf den nicht unerheblichen Schiffsverkehr mußte man ja auch noch ein Auge haben.

Kurz vor Calais querten wir das Verkehrstrennungsgebiet im englischen Kanal und erreichten dann nach ca. siebenunddreißig stündiger Segelei den Hafen von Dover, wo wir von einem „Pilot“-Boot in Empfang genommen und zum Yachthafen geleitet wurden.

Über UKW-Funk wurde uns von der Marinaverwaltung ein Liegeplatz zugewiesen, alles sehr freundlich und britisch korrekt.

So oder ähnlich erging es uns in allen englischen Häfen.

Alles in Allem verlief die Fahrt entlang der englischen Südküste eher unspektakulär. Bei moderaten zwei bis vier Windstärken, manchmal auch bei Flaute und unter Motor und unter Berücksichtigung der Tidenverhältnisse hangelten wir uns über Eastbourne und Shoreham in den Solent und dann gegenüber Portsmouth in die Gosport Marina, wo wir von einem Mitarbeiter in Empfang genommen wurden, der uns dann einen Liegeplatz zuwies.

Kurz bevor wir unter Maschine in den Solent einliefen, gab der Autopilot seinen Geist auf. Obwohl ich die Mechanik der Steuerung vor zwei Jahren hatte überholen lassen, stellte sich heraus, dass sich das Innenleben des Steuerkranzes mehr oder weniger vollkommen zerlegt hatte, was uns zu einem dann doch etwas längeren Aufenthalt als geplant in Gosport verhalf und mich um satte 2000,- Britische Pfund ärmer machte.

Ersatzteile für die alte Autohelm Anlage gab es natürlich nicht mehr und so war ich froh, dass ich eine Firma, bestehend aus Vater und Sohn, fand, die mir an einem Wochenende unter wirklich vollem Einsatz eine neue Steuereinheit von Raymarine einbauten.

Inga hatte uns inzwischen wie geplant verlassen und war von London aus nach Hause geflogen und nun waren Peter und ich nur noch zu Zweit. Den Zwangsaufenthalt in Gosport empfanden wir aber keinesfalls als Übel; es gab genug zu tun und wenn es nur der Besuch eines Pubs oder einer Fish and Chips Bude war.

Etwas zum gucken gab es auch. Uns direkt gegenüber am Steg lag ein „Open Sixty“, eine echte Hochseerennmaschine, auf der wir seit unserer Ankunft diverse Aktivitäten beobachten konnten. Da wurde Ausrüstung von und an Bord geschafft, Segel hoch und wieder heruntergezogen, von und an Bord getragen, etc.

Dirigiert wurden diese Aktivitäten von einem älteren Herrn, über den wir dann erfuhren, dass es sich hier um Sir Robin Knox-Johnston handelte, jene Segellegende, die als erste 1968/69 im Rahmen des „Sunday Times Golden Globe Race“ einhand ohne Zwischenstopp die Welt umrundete und der dafür von der Queen geadelt wurde.

Irgendwann legte das Boot mit einer offenbar kompletten Mannschaft ab, um am nächsten Tag wieder anzulegen. Es wurden Unmengen von Weinkartons vom Boot auf die Pier geladen und abtransportiert. Offenbar waren die Jungs ‚mal eben nach Frankreich gesegelt, um Wein einzukaufen.

(Nebenbei bemerkt: Der Mann, Sir Robin Knox-Johnston, ist jetzt 75 Jahre alt und hat soeben (22.11.2014) mit dem oben beschriebenen Boot als Dritter die Einhandregatta „Route de Rhum“ von San Malo nach Guadaloupe beendet!)

Die sieben Tage Aufenthalt in Gosport wurden dann noch gekrönt durch einen Besuch des Marinemuseums in Portsmouth, was aus meiner Sicht ein absolutes „Muß“ ist.

Obwohl die „Victory“, das Flaggschiff Lord Nelsons in der Schlacht von Trafalgar, wegen Restaurierung nur noch mit einem rudimentär vorhandenen Rigg zu besichtigen war, hinterließ das Schiff doch einen tiefen Eindruck. Sein Inneres ist schon weitgehend instand gesetzt und die einzelnen Ausstellungen sind hochgradig informativ und interessant, finde ich jedenfalls.

Ganz anders das „Mary Rose“ Museum, in dem die Überreste des Kriegsschiffes Heinrich VIII, das im Juli 1545 in einer Schlacht gegen die Franzosen im Solent sank und die 1982 geborgen wurden, in einem modernen Gebäude und nach neuesten museumspädagogischen Erkenntnissen ausgestellt sind.

Zum guten Schluß dann noch die Besichtigung der „Warrior“, dem ersten aus Stahl gebauten Kriegsschiff, welches aber nie in einer Seeschlacht zum Einsatz kam, weil die Feinde bei seinem Anblick schon gleich die Flagge strichen. Beeindruckend, aber ganz anders als das vorher Gesehene.

Der Rest des Museums war für uns nicht mehr machbar, die Füße waren platt und die Zeit fortgeschritten. Gelohnt hat es sich allemal.

Gosport – Guernsey

Wir wollten noch unbedingt nach Cowes auf der Isle of Wight. In Gosport hatte man uns schon vorgewarnt, dass es zu dem von uns angepeilten Wochenende keine Liegeplätze mehr geben würde, weil sich dort alle Teilnehmer am „Round the Island Race“ versammeln würden.

So war es dann auch. Telefonisch konnten wir noch für Mittwoch und Donnerstag einen Liegeplatz in der Cowes Yacht Haven Marina reservieren, Freitagmorgen um 10:00 h mußten wir dann dort weg sein. Da war nichts zu machen.

Mit entsprechender Tide starteten wir von Gosport in den Solent und kreuzten bei mäßigem Wind aus südlichen Richtungen in Richtung Cowes.

Das Segelmekka stellt sich eigentlich als typisch englische Kleinstadt mit Einkaufsstraße und jeder Menge kleiner Geschäfte und Kneipen dar, nicht ohne ein gewisses Flair.

Am Ende der Einkaufsmeile dann das alt-ehrwürdige Gebäude der Royal Yacht Squadron mit seinen 22 auf Hochglanz polierten bronzenen Kanonen auf der Promenadenmole davor. Unsereiner geht da nicht ohne eine gewisse „Ehrfurcht“ längs.

Unseren geplanten Hafentag nutzten wir noch zu einer Inselrundfahrt mit dem ganz normalen Linienbus. Wir machten einen Stopp in Sandown, einem typisch englischen Badeort, der aber wohl auch seine besten Zeiten so hinter sich hat, wirkt doch so manche aus dem elisabethanischen Zeitalter stammende Häuserfassade etwas bröckelig oder schreit nach Farbe.

Wie so häufig in diesen Tidengewässern ging es am Freitagmorgen, dem 20.06., zu einer für mich unchristlichen Stunde mit ablaufendem Wasser hinaus auf den Solent. Kaum Wind und der auch noch aus Nordwest. Was blieb uns also anderes übrig, als zu motoren.

Kurz hinter den Needles briste es dann ein wenig auf, so dass wir Segel setzen konnten und wir Kurs auf Guernsey nahmen.

Erstmalig auf dieser Reise probierte ich die Windsteueranlage aus. Bisher hatten wir gar keinen Bedarf gehabt, sie zum Einsatz zu bringen, da wir ja immer genügend Crew waren und jeder Lust und Spaß am Steuern hatte oder wir nutzten eben den Autopiloten.

Jetzt wollte ich es wissen. Ich probierte alles Mögliche aus, aber es gelang mir nicht die Anlage so einzustellen, dass das Schiff auch nur halbwegs Kurs hielt. Da mußte man wohl doch tiefer in die Bedienungsanleitung einsteigen.

Nach einer Stunde herumprobieren, in der selbst Peter mit seinen Justierungsversuchen erfolglos war, gaben wir auf. Wir wollten schließlich irgendwann auch auf Guernsey ankommen und Kreise fahren war diesem Ziel wenig förderlich.

Irgendwann war klar, dass wir Guernsey bei Tageslicht nicht mehr erreichen würden, zumal uns die Strömungsverhältnisse weder in „The Swinge“, der Passage zwischen Alderney und Burhou, noch in der „Little Roussel“ genannten Passage zwischen Guernsey und Herm bekannt waren.

Da mochten wir bei Nacht dann doch nicht durchfahren und wir entschlossen uns, Alderney an zu laufen.

Deutlich nach 21:00 h ergatterten wir noch einen Mooringplatz in Braye Harbour, anlegen an irgendeiner Pier oder gar an einem Steg ist hier nicht möglich.

So kam dann auch am nächsten Tag erstmalig unser Schlauchboot nebst Außenborder zum Einsatz. Die Tide war vormittags ohnehin gegen uns und ein wenig wollten wir von der Insel dann doch noch sehen.

Nach einigen Startversuchen sprang unser Außenbordmotor auch problemlos an und wir tuckerten zu dem kleinen Anlegesteg in dem inneren Hafenbecken, der eigens für die Beiboote der Mooringlieger dort installiert war und an dem schon etliche Dingis lagen.

Braye Harbour ist nicht sehr groß und wir beendeten unseren Rundgang mit einem Bier im Garten des einzigen Restaurants, das geöffnet hatte.

Peter hatte ausgerechnet, dass es am günstigsten und vor allem am schnellsten gehen würde, wenn wir uns am späten Nachmittag auf den etwa 20 Meilen langen Weg nach Guernsey machen würden. Dies stimmte auch mit der Aussage des Hafenmeisters überein, den wir am Morgen, als er uns mit seinem Motorboot an der Mooring besuchte, um das Hafengeld zu kassieren, dahingehend befragten.

In der Hoffnung, dass der Tidenstrom uns kräftig durch „The Swinge“ schieben würde, starteten wir gegen 17:00 h bei moderaten zwei bis drei Windstärken.

So richtig voran kamen wir jedoch nicht, es strömte noch kräftig gegen uns. Wir konnten gar nicht glauben, dass sowohl Peter als auch der Hafenmeister sich hinsichtlich der Gezeiten geirrt haben sollten. Erneutes hin- und her Rechnen brachte auch keine neuen Erkenntnisse.

Irgendwann kenterte der Strom dann doch zu unseren Gunsten und schob uns mit sieben Knoten gen Guernsey, wo wir dann gegen 22:00 h in Saint Peter Port vom Hafenmeister an den Schwimmponton gelotst wurden, der allerdings keine Landverbindung hatte. Gut das es um diese Jahreszeit noch so lange hell ist.

Wir gönnten uns vier Hafentage auf der Insel, nicht zuletzt aufgrund des Angebotes, dass man nach drei Nächten einen weiteren Tag dort kostenfrei liegen konnte.

Nachdem der Hafenmeister uns gleich am ersten Tag angeboten hatte, an einen anderen Steg mit Landverbindung zu verholen, erkundeten wir erst einmal Hafen und Umgebung, kleiner Stadtbummel mit einem kühlen Bier in einem Pub mit Dachterrasse und herrlichem Ausblick über den Hafen, um dann später, nachdem wir einen kleinen Abstecher zum „Castle Cornet“ am Ende der südlichen Hafenmole unternommen hatten, in einem direkt am Wasser gelegenen Bistro den Tag bei Fish and Chips zu beschließen.

Den zweiten Tag verbrachten wir wieder mit eiem Stadtbummel und einer eineinhalb stündigen Inselrundfahrt bei 25 ° C und strahlendem Sonnenschein vorbei an schroffen Felsenklippen, blühendem Oleander, Palmen und mediteranen Dörfern, einfach umwerfend. Und das alles für 1 £ mit dem öffentlichen Bus.

Der dritte Tag diente der Vorbereitung für die Überfahrt nach Spanien.

Wir rechneten mit vier bis fünf Tagen für die Fahrt über die Biscaya nach La Coruna. Bei einem Wachturnus alle vier Stunden kochten wir lieber vor.

Koteletts, Frikadellen und Hähnchenschenkel wurden gebraten, Kartoffelsalat selbst hergestellt, frisches Gemüse und Obst eingekauft.

Eine Waschmaschine wurde auch noch angeschmissen und da wir keinen Strom auf dem Ponton hatten, Handy und Laptop an die Steckdose im Vorraum des „Waschsalons“ angeschlossen und der Windfinder konsultiert. Das Wetter sollte gut werden.

Wir waren gerüstet, Biscaya wir kommen!

Guernsey – La Coruna

Nachdem wir an der Bootstankstelle unsere letzten Britischen Pfunde in steuerfreien Dieseltreibstoff umgesetzt hatten, ging es am Morgen des 25. Juni los in Richtung Biscaya.

Der Wind wehte mit drei, mitunter auch einmal fünf Beaufort aus Südosten, um dann in der Nacht und den ganzen folgenden Tag über wenig konstant aus allen möglichen südlichen Richtungen mit zwei bis vier Beaufort zu blasen. Soweit eigentlich recht kommodes Segeln, wenn man einmal von den hin und wieder niedergehenden Regenschauern ab sah.

Letztendlich entschied der Wind sich gegen uns. Von Südost über Süd, dann auf Südwest und später dann auf West drehend, wurde aus unserem anfänglichen bequemen Raumwindkurs eine volle Kreuz in Richtung Spanien.

Bei drei bis vier Windstärken kamen wir auch gegen die Gezeitenströmung nicht mehr so richtig voran, so dass wir ziemlich lange in den Genuß des Anblicks der „Ile de Quessant“ und ihres Leuchtfeuers kamen. Auf dem doch relativ großmaßstäbigen Übersegler für die Biscaya lagen die Kreuzchen, die unsere Positionen markierten, für einige Zeit doch recht dicht beieinander.

Peter und ich wechselten uns im vier Stundentakt ab. Der neue Autopilot erwies sich hier als wahrer Segen, konnte man das Schiff durchaus einmal für längere Zeit sich selbst überlassen, ohne dass man immer selber am Rad drehen mußte.

Irgendwann verabschiedete sich das Widerlager der Steuerung des Autopiloten von der Kompassäule, was bedeutete, dass die nächsten Stunden von Hand gesteuert werden mußte, da wir ja die Windpilotanlage noch nicht so richtig einsatzfähig gemacht hatten. Strafe muß sein!

Schließlich gelang uns eine provisorische Reparatur mitttels eines Stückes Zaundrahtes (man staune, so etwas hatte ich an Bord).

Die Wind und Wetterverhältnisse während unserer Überfahrt über die Biscaya gestalteten sich sehr wechselhaft. Nicht nur, dass sich die Stärke des Windes zwischen zwei und fünf Beaufort bewegte, auch die Windrichtungen veränderten sich häufig von vornehmlich Südwest über West bis hin zum Nordwind und wieder zurück auf Südwest.

Zeitweilig fuhren wir sogar unter Genua III mit dem zweiten Reff im Großsegel hoch am Wind. Der Himmel war meistens bedeckt, hin und wieder wurden wir auch einmal von einem Regenschauer beglückt, wahrlich, da kam keine so rechte Freude mehr auf und man fragte sich, warum man sich das eigentlich noch an tat.

Die Antwort ergab sich dann am fünften Tag der Überfahrt, als die nordspanische Küste grau am Horizont auftauchte, der Wind nach ließ und sogar die Bewölkung ein wenig aufriß und wir nach runden des Cabo Prior in die Bucht von La Coruna einliefen, begrüßt von der imposanten Erscheinung des noch aus römischer Zeit stammenden Herkulesturmes.

Um 17:30 nach 102 h und 450 sm nonstop hatten wir die Biskaya bezwungen und machten in La Coruna in der „Darsena de la Marina“ fest.

Erstmalig erlebten wir einen spanischen „Marinero“, der uns beim Einlaufen in die Marina mit seinem kleinen Motorboot in Empfang nahm, uns einen Liegeplatz zu wies und der uns dann beim Anlegen und Festmachen half.

Wir beschlossen, das Angebot der Hafenverwaltung, fünf Tage zu bleiben und nur vier zu bezahlen, anzunehmen. Diese 5 Tage verbringen wir mit Erkunden der schönen Altstadt, die engen verwinkelten Gassen nach Tappa-Bars abzusuchen, Meeresfrüchte bzw. galizische Rindersteaks (ca. 500 – 700 g) zu essen, alles total lecker, und natürlich den Rotwein zu genießen. Zwischendurch, Siesta auf der Yssabeau, abhängen in der Marinabar und die Seele baumeln lassen. So können die Tage vergehen.

La Coruna – Lissabon

Am Freitag, dem 04.07. ging es wieder auf See. Von nun an segelten wir immer an der Küste entlang. Anders als vom Wetterbericht vorher gesagt, blies der Wind allerdings aus der Richtung, in die wir wollten. Also wieder einmal gegenan, volle Kreuz. Von wegen, „portugisischer Norder“!

Bei Windstärke 5, später 6 Bft , hart am Wind, schafften wir gerade das Kap Pta del Roncudo, um die Einfahrt in die Ria de Corme y Laxe zu nehmen.

In dem kleinen Fischerort Corme kam dann zum ersten Mal unser neues Ankergeschirr zum Einsatz. Es gab nur eine Fischerpier hinter der Mole und man bedeutete uns, dass wir dort nicht anlegen dürften.

Es lagen bereits drei Yachten dort vor Anker, umgeben von der Hafenanlage auf der einen Seite, auf der anderen die schwimmenden Holzkonstruktionen der Muschelzuchtanlagen und achtern eine Strand- und Felsenformation, also eine typische Legerwallsituation.

Nach mehreren Versuchen , bei denen wir feststellen durften, dass die Elektrik der Ankerwinde nur teilweise funktionierte, faßte unser Anker dann auch und wir konnten uns einigermaßen beruhigt unter Deck begeben, um die kräftigen Windböen und Regenschauer ab zu wettern. Das dauerte dann auch noch den nächsten Tag, den wir dann mit kleineren Reparaturen und klar Schiff machen verbrachten.

Die tief in die galizische Küstenlandschaft hinein ragenden „Rias“, fjordähnliche Einschnitte, in die ein Fluß oder auch mehrere münden, hatten wir bei unserer Reiseplanung so gar nicht auf dem Zettel.

Konnten wir die Schönheit unserer ersten Ria, der Ria de Corme y Laxe, wegen des schlechten Wetters noch gar nicht so richtig genießen, so sollte dies sich bei den folgenden ändern.

Am folgenden Tag lag schönstes Segeln vor uns. Blauer Himmel, Sonnenschein, wieder drei Windstärken, allerdings aus Südwest.

Am Nachmittag des 07. Juli passierten wir das Cabo de Finisterre. Die alten Seefahrer dachten früher, daß hier die Welt zu Ende sei: finis = Ende und terrae = Erde.

Vor uns lag die Ria de Muros. Fantastisch. Hätte ich nie gedacht. Herrliche Landschaft, eine schöne, fjordähnliche Bucht mit einer modernen Marina indem gleichnamigen Ort Muros und mit einem unheimlich freundlichen Hafenmeister (da kann sich ‘mal so mancher Deutsche Hafenmeister dran orientieren!), allerdings, auch nicht so ganz billig.

Von hier aus fuhren wir mit dem Bus nach Santiago de Compostela, der Hauptstadt Galiziens.

Die eindrucksvolle Kathedrale beherbergt angeblich die Gebeine des Apostels Jakobus, eines Jüngers Jesu, und ist allein schon die Reise hierher wert.

Sehr sehenswert ist die gesamte, von der UNESCO geschützte Altstadt, die mit der Kathedrale und dem Jakobsweg als Weltkulturerbe ausgewiesen ist.

Man(n) hat Buße getan :-). Kirchentreppen ‘rauf und ‘runter, den rucksackbepackten und mit Pflastern an der Achillessehne versehenen Pilgern und Pilgerinnen (vor allem letzteren!) hinterhergeschaut, dabei ein kaltes Bier genossen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Es gibt Schlimmeres

Nach drei Tagen in Muros war unser nächstes Ziel die Ria de Arosa, die, wie sich dann herausstellte, wohl die schönste und interessanteste der Rias war.

Mit 6 bis 7 Windstärken, in Böen auch 8, segelten wir ohne Großsegel, nur mit der Genua III und vor dem Wind, mit „Schiebewelle“; die Yssabeau machte sieben Knoten, manchmal mehr. Der „Nordado“ trieb uns voran, es brachte unheimlich Spaß.

Wir verbrachten mehrere Tage in der Ria de Arosa, segelten zwischen schärenartigen Felseninseln und Muschelzuchtanlagen zu verschiedenen Orten, uns trieb ja keiner.

Wir machen keinen Streß. Da, wo es uns gefiel, blieben wir auch ‘mal ein, zwei

Tage.

In Vilagarcia wurden „wir“ Fußballweltmeister, das Spiel haben wir im Restaurant der Marina im Fernsehen angeschaut, beglückwünscht von den dort anwesenden Spaniern.

Das Wetter war sehr wechselhaft. Wir hatten herrliche Segeltage, aber auch Tage mit Regen und Starkwind. Die Temperaturen waren jedoch recht moderat.

In die letzte der Rias, die Ria de Vigo, kreuzten wir bei Starkwind aus Süden und Regenschauern durch den Canal del Norte, der auf der einen Seite durch die Halbinsel von Morrazo und auf der anderen Seite den Illas Cies gebildet wird.

Schöne Landschaft, die wir allerdings wegen des schlechten Wetters nicht wirklich genießen konnten.

Durchfroren und durchnäßt legten wir in der kleinen Marina von Cangas, direkt gegenüber von Vigo an, um am nächsten Tag, bei deutlich schönerem Wetter, mit der Fähre hinüber zu fahren und auf Besichtigungstour zu gehen.

Vigo ist sicherlich eine interessante Stadt, aber auch hier finden sich viele Gegensätze. Viele der im elisabethanischen Baustil errichteten Gebäude sind wunderschön restauriert, andere sind dem Verfall preisgegeben.

Ein Nachmittag durch die hügeligen, teils steilen und Engen Gassen der Altstadt reichte uns.

Mit der Fähre ging es wieder zurück nach Cangas zu unserem Boot, der nächste Tag sollte uns dann nach Baiona bringen.

Die zwölf Seemeilen nach Baiona legten wir dann bei traumhaftem Wetter zurück. Drei Windstärken aus westlicher Richtung, strahlender Himmel und eine Landschaft, die ein wenig an Südnorwegen erinnerte, nur wärmer.

Beim Einlaufen in die Bucht wurden wir von der auf der Halbinsel Montereal vor dem Hafen gelegenen großen Festung „Castillo de Monte Real“ begrüßt, deren Zinnen schon einen maurischen Stil erkennen ließen.

Der Yachthafen liegt quasi innerhalb der Festungsmauern. Einer der ältesten Yachtclubs Spaniens. Dementsprechend sind die Preise

Wir blieben zwei Tage in Baiona. erkundeten die Stadt und die maurische Festung, von der allerdings nur noch im Original die alten Tore und Mauern erhalten sind.

Im Inneren der Festungsmauern wurden von der Parador – Hotelkette neue Gebäude errichtet, die dem maurischen Baustil ziemlich angeglichen sind und die sich gut in die Gesamtanlage einfügen, umgeben von einem Garten mit Palmen und Hortensien und an einen Kiefernwald grenzend. Von hier aus genießt man eine traumhafte Aussicht über den Atlantik und die Felsenküste.

Alleine der Besuch dieser Anlage dauerte einen halben Tag, hat sich aber gelohnt.

Dies war vorerst unsere letzte Station in Spanien. Bei moderaten Windverhältnissen segelten wir entlang der Küste und überschritten die Grenze nach Portugal.

Dies war vorerst unsere letzte Station in Spanien. Bei moderaten Windverhältnissen segelten wir entlang der Küste und überschritten die Grenze nach Portugal.

Hier hieß es „Uhren umstellen“ und zwar um eine Stunde zurück auf UT.

Nach knapp vierzig Seemeilen passierten wir die Hafenmole von „Viana de Castelo“ und liefen den Rio Lima hinauf, in die Einfahrt zur Marina die vom Fluß durch eine etwas futuristisch anmutende Schwenkbrücke getrennt wird.

Ein Hafentag um die Stadt kennen zu lernen. Interassant, die Ende des 20. Jahrhunderts auf einem Berg über der Stadt erbaute Kathedrale zur heiligen Lucia, zu der man mit einer auf Schienen fahrenden Seilbahn gelangt, um den wahrhaft lohnenswerten Ausblick über das Meer, die Stadt und die Landschaft zu genießen.

Bei raumem Wind mit 3 – 4 Beaufort surften wir am nächsten Tag die lange Atlantikwelle hinab in Richtung Porto, wo wir dann in der Douro Marina von Vila Nova De Gaia, welches auf der anderen Seite des Rio Douro, gegenüber von Porto liegt, anlegten.

Wir absolvierten das übliche touristische Programm, Stadtrundfahrt mit dem Doppeldeckerbus, Besichtigung einer Portweinkellerei mit Verkostung edelster Portweine, zu Fuß durch die Stadt und abends Sardinha-Festival inklusive Folkloreprogramm in Gaia.

Zum ersten Mal wurden wir Opfer des für die portugiesische Atlantikküste so berüchtigten Nebels, der am Morgen so dicht war, das man Porto auf der gegenüber liegenden Seite des Yachthafens nicht erkennen konnte und der sich erst gegen Nachmittag lichtete. An ein Auslaufen war da nicht zu denken.

Am dritten Tag unseres Aufenthaltes lichtet sich der Nebel und wir segeln mit einem moderaten „Nordado“ im Rücken die Küste entlang in Richtung Lissabon.

Wir machen jeweils Station in Aveiro, Figuera da Foz, Nazare und Peniche. Überall treffen wir auf nette, hilfsbereite Leute, von einer Offenheit, wie man sie in Deutschland wohl selten erlebt.

In Peniche geraten wir in ein Sardinha-Festival, wo wir herzlich eingeladen werden, teilzunehmen. Zum Dank an den heiligen Antonius, dass er sie mit reichen Fängen gesegnet hat, spendieren die Fischer hier jedes Jahr der Bevölkerung ein kostenloses Sardinenessen.

Auf dem großen Platz am Hafen wurden jede Menge Holzkohlegrills aufgebaut und Buden, in denen Brot und Wein verkauft wurden. Brot und Wein mussten bezahlt werden (ein Brot kostete 30 Cent, ein Liter Wein kostet 1,50 Euro!!!), die Sardinen gab’s umsonst.

Dazu Fadomusik aus dem Lautsprecher und Volksfeststimmung. Wir haben es genossen.

Zum Abschluß dann noch in der Dunkelheit eine Prozession mit Heiligenfiguren, die unter Absingen irgendwelcher frommer Gesänge auf die mit Lichterketten geschmückten Fischerboote getragen werden, um von denen dann durch den Hafen geschippert zu werden. Beeindruckend schön das Ganze. Zum krönenden Abschluß dann noch ein Feuerwerk.

Am 03.08.2014 erreichten wir Lissabon, die aus meiner Sicht schönste Stadt der Welt (von allen, die ich kenne).

Es war herrlichstes Segeln von unserem letzten Hafen “Peniche” aus. Der “Nordado” blies uns mit 3, dann zunehmend bis zu 6 Windstärken an der portugiesischen Küste entlang und den Tejo hinauf, strahlender Himmel, Sonnenschein, ein Gläschen Portwein, um’s Schiff spielende Delphine – schöner konnte das Leben nicht sein.

Auf Empfehlung von Willi Kollex, eines ASVers und alten Bekannten, der in Lissabon lebt, machten wir im “Doca de Alcantara” fest. Der von Willi empfohlene Hafen liegt sehr verkehrsgünstig nahe der Altstadt, ist dadurch aber auch laut. An die Tag und Nacht nicht enden wollenden Fahrgeräusche von der nicht weit entfernten berühmten Tejobrücke und an den vom frühen Morgen bis in die späte Nacht dauernden Lärm der ein- und ausfliegenden Flugzeuge – man liegt direkt in der Einflugschneise des Lissabonner Flughafens – kann man sich ja irgendwie noch gewöhnen, nicht jedoch an das Wummern einer Discothek, welches pünktlich um 23:00 Uhr nachts einsetzt und das bis morgens um 07:00 Uhr andauert. Wer, zum Teufel, hält das jede Nacht aus?

Insgesamt blieben wir sechzehn Tage in Lissabon, erkundeten jeden Tag die Stadt, mit S-Bahn, Bus und Straßenbahn. Herrliches Wetter, 27 – 32 Grad, nette, hilfsbereite Leute, aber auch Tourismus ohne Ende, mit den entsprechenden Begleiterscheinungen. Belem, Al Fama, Baixa, Cascais und vieles mehr, alles mit einem 2 Tagesticket gültig für die “Yellow Touri Busse” und alle öffentlichen Verkehrsmittel. Dazwischen, auch ein wenig Ersatzteilbeschaffung und Bastelei am Boot.

Beim Durchchecken der Ankerwinde gab diese nun vollständig ihren Geist auf. Die Reparatur dauerte zwei Tage, aber ich denke, die Jungs von der Yachtservicefirma haben einen guten Job gemacht. Der Motor der Winde ist erst ein Jahr alt, aber trotzdem war schon innen drin alles vergammelt und verrostet und sogar reichlich Salz eingelagert. Man muß sich wirklich die Frage stellen, ob der Einbau einer so wasserempfindlichen elektrischen Anlage an einer derartig dem Seewasser exponierten Stelle wie dem Bug und dem Ankerkasten überhaupt Sinn macht. Eine Alternative habe ich allerdings auch noch nicht gefunden.

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes in Lissabon erhielten wir noch Besuch von Willi Kollex, der sein Boot im „Doca de Alcantara“ liegen hat und der uns mit Tipps und Empfehlungen für unsere Reise versorgte. Ein netter Abschluß des Kapitels Lissabon.

Lissabon -Lagos

Wir segelten weiter gen Süden. Über Sesimbra, wo wir ein deutsches Ehepaar trafen, die seit Jahren die portugiesische Küste mit Ihrem Segelboot bereisen und die uns mit vielen guten Ratschlägen und Tipps versorgten, ging es weiter nach Sines, wo wir drei Tage blieben. Bislang der billigste Hafen auf unserer Reise in Spanien und Portugal.

Hier lernten wir Simone und Mario kennen, ein deutsches Außsteigerehepaar, die mit ihrer Bavaria 37 auch auf dem Weg ins Mittelmeer waren.

Peter, als gelernter Schlosser, half den Beiden bei der Lösung eines Problems mit ihrer Ruderanlage und reparierte auch noch den Beschlag der Klotür ihres Schiffes, was dazu führte, dass im Folgenden viele gemeinsame Aktivitäten wie Schnorchelausflüge oder Caffee- und Restaurantbesuche stattfanden.

Wir verbrachten einen wahnsinnig netten Abend gemeinsam in einer typisch portugiesischen Kneipe und haben dort super lecker und vor allem preiswert gegessen. Tintenfisch (Sepia) und Vinho tinto de la casa. für alle vier 60,- Euro. Da konnte man nicht meckern.

Die beiden, Mario und Simone, sollten wir noch öfter treffen; sie wurden mehr oder weniger unsere ständigen Begleiter, wenn auch nicht in jedem Hafen. Der Kontakt besteht bis heute.

Hier, in Sines, trafen wir auch Michael und seine Frau, die mit einer sechzehn Meter langen Stahl-Motiva-Ketch auf dem Weg nach Madeira waren und die auf ein für sie passendes Wetterfenster für die Überfahrt warteten. Bei mehr als drei Meter hohen Wellen wollten die nicht mehr segeln. Man hatte ja Zeit.

Die beiden waren Biscaya geschädigt, hat doch bei der Überfahrt bei acht Windstärken Starkwind eine Welle die Fahne ihrer Windpilotanlage zerstört, was dazu führte, dass sich ihr Schiff quer zur Welle auf die Seite legte, der Mast unterschnitt und eine weitere Welle Ihnen das Großsegel zerfetzte.

Da hatten wir bei unserer Biscayaüberfahrt ja geradezu Glück.

Wir nutzten die Gelegenheit und holten Michael an Bord, um mittels seines Know-hows uns die Windsteueranlage erklären und justieren zu lassen, so, dass wir sie jetzt auch richtig begriffen haben. An und für sich ganz einfach, wenn man weiß wie es geht.

Trotzdem bedurfte es später noch etlicher Versuche, bis wir das Ding dann halbwegs dazu brachten, Kurs zu halten. Perfekt ist das alles nicht, da werden wohl noch etliche Versuchsstunden benötigt.

Der Sprung um die Ecke der iberischen Halbinsel nach Lagos erfolgte von Sines aus.

Wir entschlossen uns, abends um 22:00 Uhr los zu segeln. Von Sines nach Lagos sind es 85 sm, kein Hafen dazwischen, was bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 5 kn 17 h Segelzeit bedeutete.

Nach unseren Erfahrungen schläft der “Nordado”, der portugiesische Nordwind, der für gewöhnlich an der Küste von Nord nach Süd entlang bläst, Nachts ein, um dann langsam am Tage zu zu nehmen, manchmal auf 6, 7 Windstärken. Dies der Grund, Nachts zu fahren.

Wir starteten bei moderaten 4 Windstärken, sternklarer Nacht und von schräg von hinten heranrollender Atlantikwelle. Mit gesetztem “Bullenstander” lassen wir uns mit achterlichem Wind auf die Südspitze Portugals zuwehen.

Herrliches Segeln. Allerdings nur so lange, bis – entgegen unseren bisherigen Erfahrungen – der Wind auf über 20 Knoten, zeitweilig 23 Knoten, zu genommen hatte und wir zu allem Überfluß auch noch in eine Nebelbank gerieten, für die hiesigen Verhältnisse eine durchaus als normal an zu sehende Erscheinung. Es war absolut nichts mehr zu sehen. Wir rauschten mit 8 bis 9 Knoten Fahrt dahin, die unter dem Schiff brechenden Wellen schoben uns in dieses, im wahrsten Sinne, “gräuliches” Nichts. Blindflug!!!

Was für ein Glück, dass die Verkehrssituation hier nicht der auf der Kieler Förde entsprach.

Zu allem Überfluß näherten wir uns auch noch der Hauptschifffahrtsroute, auf der die Großschifffahrt einige Meilen vor der Küste ihren Weg von Norden nach Süden oder umgekehrt ihren Weg nimmt. Da wollten wir keinesfalls hineingeraten, AIS hin oder her.

Also halsen. Während ich so sorgfälltig wie es nur ging steuerte, kroch Peter aufs Vorschiff und baute den Bullenstander von der einen Seite auf die andere um, das alles bei stockfinsterer Nacht und schietendickem Nebel.

Nach ca. 1 1/2 Stunden war der Spuk vorbei. Es klarte auf, der Sternenhimmel wich der Morgendämmerung und gegen 07:00 h rundeten wir das Cabo de Sao Vincente, so zu sagen die Einfahrt in die Straße von Gibraltar.

Der Sonnenaufgang ließ eine schroffe Felsküste in rötlichen, ockerfarbigen, schwarzen und allen möglichen anderen Schattierungen erstrahlen, ein faszinierender Anblick. Das Meer hatte tiefe Höhlen in den steil abfallenden Felsen gewaschen, obendrauf der Leuchtturm, der den Seefahrern die Einfahrt in die Straße von Gibraltar weist.

Für die alten Griechen und Phönizier war die Welt hier zu Ende, für uns begann ein neuer Abschnitt unserer Reise. Wir waren an der Algarveküste angelangt.

Wind und Wellen ließen nach, wir waren schließlich in der Abdeckung der Steilküste. Anders, als man es uns prophezeit hatte, keine brausenden Fallwinde, die Schiff und Besatzung beuteln, eher wieder moderates Dahinsegeln vor malerischer Kulisse.

Wir segelten am Cabo de Sao Vincente vorbei. Jetzt lag die Küste das erste Mal seit Wochen nicht mehr im Osten, sondern im Norden. Schweigend genossen wir diesen Anblick.

Um 12:00 Uhr werden wir von Simone und Mario am Anleger in Lagos begrüßt. Sie wollten einkaufen gehen, und sahen uns gerade einlaufen.

Lagos war der bis dato absolut teuerste Hafen in Portugal; 46,13 Euro die Nacht für mein im Vergleich zu manch anderem hier herum schwimmenden Untersatz kleines “Mickerschiffchen”!

Hier hielt uns nichts, obwohl es von hier aus einiges zu sehen geben sollte.

Außerdem würde am 30. August Ruth, eine neue Mitseglerin, in Albufeira zu uns stoßen, so dass wir dieses Mal entgegen unserer Entschleunigungstheorie doch terminlich eingebunden waren.

Mario und Simone blieben noch in Lagos, um das Touri-Programm zu absolvieren.

Lagos – Gibraltar

Nach Albufeira sind es von Lagos aus nur 20 sm. Bei einem lauen Halbwindkurs und strahlender Sonne bei 28° Lufttemperatur ging es die eigentlich recht malerische Algarveküste entlang. Malerisch jedoch nur dort, wo sie nicht gerade mit Hotel- und Ferienwohnungsbetonbauten zugepflastert ist.

Albufeiras Hafeneinfahrt ist in den Fels gesprengt und das rechteckige Hafenbecken ist im Stil der „Art Deko“ umbaut, was man aber erst auf den zweiten Blick so richtig erkennt, was aber dem Hafenviertel zumindest einen gewissen Charme verleiht und es interessant macht. Im Gegensatz zu den auf den Hügeln über dem Hafen stehenden Bauruinen, die mit Ihren unverglasten Fenstern aussehen wie Steinzeithöhlen.

Wie geplant kam Ruth Irene Meyer am 30.08. an. Damit waren wir zu Dritt an Bord.

Unsere Vorstellung war, gemütlich an der Algarve entlang, mal hier hin, mal da hin zu segeln, um dann am 08. September Sabine, eine weitere Mitseglerin, in Cadiz auf zu nehmen.

Ein erster Versuch, das ca. 12 Seemeilen westlich gelegene Portimao an zu laufen scheiterte mangels Wind und führte zu zwei weiteren flautebedingten Hafentagen in Albufeira.

Wir hatten Kontakt zu sehr netten englischen Stegnachbarn, die über ein Auto verfügten und uns halfen, unsere Vorräte in einem weit entfernten Supermarkt auf zu füllen.

Arthur lebt mit seiner Frau fast ganzjährig auf seinem Schiff, fliegt alle sechs Wochen nach England zu seinem Job, den er dann sechs Wochen lang ausübt, um dann wieder für sechs Wochen nach Portugal zu fliegen usw.. So geht’s auch!

Den Abstecher nach Portimao haben wir uns dann doch noch gegönnt, sind sozusagen zurück gesegelt (20 sm gekreuzt!!!), nach Westen, um diese malerische Küste noch einmal zu genießen.

Wir segelten an steilen Felsküsten entlang, durchzogen von Höhlen, in welche ganze Fischerboote passen würden. Immer wieder unterbrochen von kleinen Sandstränden, oft eingesäumt von kleinen Häuseransammlungen und Dörfern. Von See aus eine traumhafte Küste. Bis auf die Betonburgen s.o.

Portimao kann man vergessen. Wir kamen abends nach 19:00 h an, das Hafenbüro war bereits geschlossen. Ein freundlicher Portugiese telefonierte uns den “Marinero” herbei, der uns bedeutete, dass wir die Nacht am Receptionssteg verbringen sollten und uns den Code für die Sanitäranlagen mitteilte und das alles für satte 42,80 Euro. Kein Strom, kein Wasser, dafür Schwell von der vorbei fahrenden Berufsschifffahrt.

Die Kunststadt mit ihren Betonburgen reizte uns nicht. Am nächsten Morgen ging’s ab gen Osten, um vom Regen in die Traufe zu kommen.

Vilamoura!!! Beton, Beton Beton !!! Ein riesiger Yachthafen, bestens durchorganisiert, rund herum Restaurants, Geschäfte und alle möglichen touristischen Attraktionen, laut (die Disco dröhnt des nachts), künstlich, steril, geschäftemacherisch und vor allem: TEUER!!!!!!!

52,28 Euro für eine Nacht. Das ist bisher die Krönung. Selbst den Adapter für den Stromanschluß mußten wir mit 1,28 Euro Leihgebühr vergüten.

Zu unserer Freude haben wir wenigstens Simone und Mario wiedergetroffen. Wir haben den gleichen Weg.

Auf unserem Weg nach Osten ankerten wir in der Bucht von Faro. Der Ort Faro selbst hat keinen geeigneten Hafen für Segelschiffe. Die Bucht war mit ankernden Yachten recht voll, aber auch groß. Das Ankermanöver klappte gleich beim ersten Mal, kein Wunder bei diesem schlammigen Grund.

Nach einer ruhigen und idyllischen Nacht vor Anker ging es erst unter Motor, dann unter Spinnaker nach Masagon. Zum ersten Mal auf der ganzen Reise kam das 100 qm große Segel zum Einsatz und brachte uns mit zum Teil acht Knoten Geschwindigkeit früher ins Ziel, als in der errechneten Zeit.

Einen Hafentag in Masagon nutzten wir zum einkaufen, abhängen und faulenzen.

Und dann entdeckten wir sie wieder, Simone und Mario. So ist das bei Langfahrten. Man trifft sich immer wieder. Den Tag beschlossen wir alle zusammen in der am Hafen gelegenen Tappasbar bei leckerem Essen und reichlich Bier und Wein.

Statt wie geplant in Cadiz, entschieden wir uns, Sabine in Rota aufzunehmen, einer kleinen, alten, befestigten Stadt aus der Maurenzeit auf einer Landzunge an der westlichen Seite der Bucht von Cadiz.

Auf dem Weg dorthin hatten wir zum ersten Mal seit Vigo Regen. Zwei kurze Schauer, das war’s. Ansonsten herrliches Segeln unter Spi.

Das Städtchen ist wirklich sehenswert. Der Tag wurde mit großer Wäsche und einem kombinierten Einkaufsbummel mit Sightseeing verbracht.

Abends ergänzte dann planmäßig Sabine Böttcher unsere Crew, so dass wir nun zu Viert weiter segelten.

Da Ruth einen Rückflug von Malaga aus gebucht hatte, beschlioß der Crewrat, die nächsten 4 Tage keinen Hafentag einzulegen und eventuell nach Gibraltar zurück zu segeln, nachdem Ruth ausgestiegen war.

Mit Zwischenstopp in Barbate ging es unter Spinnaker in Richtung Gibraltar.

Kurz vor Tarifa retteten wir einen marokkanischen Flüchtling aus dem Wasser. Der junge Mann war bei 19 Grad Wassertemperatur dabei, auf einem aufgeblasenen Autoreifenschlauch, nur mit Schwimmflossen an den Füßen und in kurzer Hose und T-Shirt, die Straße von Gibraltar zu überqueren und das bei 19 Grad Wassertemperatur. Er war noch ungefähr drei Meilen von der spanischen Küste entfernt, als wir ihn auffischten. Völlig unterkühlt und fertig. Wir haben dann über UKW die spanischen Behörden in Tarifa benachrichtigt, die dann einen Rettungskreuzer geschickt haben, der den Mann dann von uns übernahm. Entgegen meinen Befürchtungen völlig unkompliziert. Ich hatte uns schon wegen “Menschenschmuggels” in einem spanischen Gefängnis gesehen.

Im Gegenteil! Kurze Zeit später wurde die „Yssabeau“ angefunkt und die Küstenwache gratulierte uns zu der Rettung. So kann man sich in den Behörden täuschen, schön.

Jetzt erst realisierte ich, dass wir einem Menschen wahrscheinlich das Leben gerettet hatten. Wie verzweifelt muß ein Mensch sein, um sein Leben aufs Spiel zu setzen und 14 km über eine von Großschiffen befahrene Wasserstraße schwimmend zu queren? Wir sollten dankbar sein, in einem Land wie Deutschland leben zu können………!

Wir setzten die Genua und haben nach 3 h Gibraltar vor Augen. Gewaltig. Ein riesiger Fels erhebt sich aus dem Meer. Leider waren die 2 Häfen auf der englischen Seite voll, wie man uns bei unserer Anfrage über UKW mitteilte, so dass wir den spanischen Hafen La Linea anlaufen mussten. Abends erschien der angestrahlte Felsen von Gibraltar als gigantische Kullisse vor dem nächtlichen Sternenhimmel.

Gibraltar – Benalmadena – Malaga

Es gab nur eine Nacht in Gibraltar, nun waren wir im Mittelmeer! Ziel erreicht!

Die nächste Station, Marbella, konnte man vergessen. Wir ergatterten den angeblich letzten Platz in einer etwas ungepflegt wirkenden Marina, die Sanitäranlagen waren etwas rudimentär und zu allem Überfluß fiel auch noch der Strom aus. Und das alles in dem angeblichen Nobelort, Treffpunkt der Schickeria.

Im nächsten Hafen, Benalmadena, nahmen wir uns einen Tag Auszeit vom Segeln. Ruth mußte von hier aus zum Flughafen Malaga, um nach Hause zu fliegen.

Die ganze Costa del Sol ist zu betoniert, eine Bettenburg neben der anderen – wer macht hier Urlaub?

Benalmadena ist auch nicht anders, man hat sich aber wenigstens um die Marina herum architektonisch etwas einfallen lassen. Über Geschmack läßt sich streiten, aber die auf maurischen Stil getrimmten Gebäude (ein bisschen “zuckerbäckerisch”) heben sich wenigstens von den viereckigen Betonhochhäusern entlang der Küste ab. Außerdem war das Liegegeld im Vergleich zu dem, was wir bisher so bezahlt haben, verhältnismäßig moderat.

Malaga selbst ist laut Handbuch für auswärtige Yachten nicht anlaufbar, warum auch immer. Deshalb fuhren wir die ca. 8 km mit dem Bus dort hin. Der Weg führte uns über belebte Straßen durch Häuserschluchten mit Bettenburgen und Wohnhäusern.

Die Altstadt von Malaga ist allerdings einen Besuch wert. Arabisch-spanische Mischung. Verspielte, türmchenverzierte Mehrfamilienhäuser wechseln sich mit typisch spanischen, mit Eisengittern versperrten Fenstern und Balkonen ab. Sehr enge angenehm kühle Gassen, in welche wahrscheinlich nie ein Sonnenstrahl dringt.

Die Kathedrale, das Picasso Museum, vor dem eine Menschenmasse auf Einlass wartete, kleine, verwinkelte Gassen mit Bodegas und Läden, die alte maurische Festung, die breiten Einkaufsstraßen mit ihren vielen Geschäften und Restaurants, alles sehr sehenswert aber auch von reichlich Touristen bevölkert

Besonders sehenswert ist die alte Bodega, “El Pimpi”. Mit ihren verwinkelten Räumen, die sich über mehrere Gebäude erstrecken. Überall Bilder und alte Plakate von Stierkämpfern und Flamencotänzerinnen an den Wänden. Eine Wand ist voller Fotos von Prominenten, u.a. Paola Picasso, Tonio Banderas, Placido Domingo, etc., die sich dann auch noch mit einem Spruch und ihren Autogrammen auf alten Weinfässern verewigt haben, die an den Wänden gestapelt sind.

Der Ausflug nach Malaga hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Benalmadena – Gibraltar

Wie schon früher angedacht, sind wir mit einem Stopp in Bajadilla, einem kleinen Hafen kurz vor Marbella, nach Gibraltar zurück gesegelt und wir haben es nicht bereut! Wir hatten uns zwei Tage vorher einen Platz in der „Queensway Qay Marina“ per E-Mail reservieren lassen, mitten in der Stadt und man glaubt es kaum, sogar recht preiswert. Das Ambiente würde man wohl als etwas”Snobby” bezeichnen, eben “very British”.

Der Affenfelsen hat doch Einiges zu bieten und die zwei Tage dort haben wir mit “Sightseeing” und “Easy-Going” verbracht. Einmal an der südlichsten Stelle Europas zu stehen und nach Afrika ‘rüber zu schauen, hat schon ‘was.

Natürlich mußten wir auch die Affen auf dem Felsen besuchen, per Seilbahn, das war mir die 10,50 BP wert. In der Mittagshitze da hoch zu kraxeln wäre doch etwas mühselig gewesen. Die Viecher sind wirklich dreist und frech – füttern kostet übrigens 4.000,- BP !!! Strafe!

Gibraltar – Fuengirola

Nach zwei Tagen ging’s wieder gen Osten, ganz langsam, kein Wind, mit Zwischenstopps in Puerto de la Duquesa, Puerto de Estepona und nochmals Bajadilla.

Die Touristenhochburgen und ihre Marinas gleichen sich mehr oder weniger. Die Landschaft ist im Küstenbereich zu betoniert. Nur im Hintergrund erkennt man noch ihre Ursprünglichkeit anhand des Gebirges. Die Urlauberheerscharen, die wohl im Sommer diese Stätten bevölkern, sind auch schon stark reduziert. Es wird Herbst, die Tage kürzer und die Abende kühler.

Auf unserem Weg gen Osten herrschten vornehmlich schwache Windverhältnisse.

Das Mittelmeer scheint ein Motormeer zu sein, zumindest zu dieser Jahreszeit.

Im Verlauf der Reise hatten wir zunehmend mehr Wasser in der Bilge, was sich nach eingehenden Forschungen auf die undichte Stopfbuchse des Wellenlagers zurückführen ließ. Nun mußten wir feststellen, dass die Kontermutter der Stopfbuchse gebrochen war und sich die Dichtung auch nicht mehr weiter zusammen pressen ließ. Vorerst nichts Dramatisches, außer, dass wir täglich mehrere Liter Wasser aus der Bilge entfernen mußten. Diese Reparatur war jedenfalls Programm für das Winterlager.

Kurz vor Malaga, in Fuengirola. verließen Sabine und Peter planmäßig das Schiff um nach Hause zu fliegen.

Ein Hafen, wie überall an der andalusischen Küste. Zubetoniert, aber guter Yachthafenservice und relativ preiswert. WiFi funktionierte auf dem Boot, mehr oder weniger.

Ab dem 25.09.2014 war ich alleine an Bord. Erwin Gruber, der nächste Mitsegler, hatte vom 27. 09. auf den 04.10. umdisponiert. Da mußte ich mit leben und nun einhand weiter in Richtung Osten segeln.

Ich beschloß, den Freitag noch in Fuengirola zu verbringen. Auch wenn’s hier nicht traumhaft idyllisch war, aber die Infrastruktur stimmte.

Samstagmorgen paßte gar nichts mehr. Der Himmel war grau, totale Windstille und, wie ich es erwartet hatte, es begann zu regnen. Regen in Andalusien, da kam wenig Freude auf, schon gar nicht beim Segeln. Ich verzichtete auf selbiges, bei Flaute im Regen zu motoren, nur um von A nach B zu kommen, mußte ich nicht haben. Ich blieb da, machte mir einen schlaffen Tag.

Die Nacht von Samstag auf Sonntag wurde grauslich. Gegen vier Uhr morgens zog ein Gewittersturm vorbei. Ich wurde vom Heulen des Windes und von den Schiffsbewegungen geweckt. Die Mooringleine quiekte dermaßen, dass ich kein Auge mehr zu machen konnte (schwerhörig genug, bin ich dafür noch nicht!)

Irgendjemand goß Tonnen von Wasser über’s Schiff. In weiser Voraussicht hatte ich alle Luken dicht gemacht.

Auch am Sonntag kein Wind, nichts, Null, Nada. Ich blieb einen weiteren Tag!

Fuengirola – Almeria

Am Montag hatte ich die Nase voll, von dieser Touristenbetonburgidylle. Der Windfinder versprach ab Mittag 6 bis 7 Knoten Wind. Ich motorte los. Langweilig! Nach einer Stunde immer noch kein Wind. Da hatte ich keine Lust drauf. Ich beschloß, nach Benalmadena ein zu laufen. Ich klarierte ein und erhielt den selben Liegeplatz, den wir damals hatten. Die Anlage war nun deutlich ruhiger, sehr viel weniger Touristen vor Ort, als bei unserem ersten Besuch. Das Hafenwasser roch nun modderig und nachts wurde ich von Mücken geplagt. Die Alandinseln lassen Grüßen, denkt man sich den Beton weg.

Grund genug, sich am nächsten Morgen trotz Flaute von dieser Idylle zu verbschieden.

Nach fünf Stunden motoren über die Bucht von Malaga legte ich in Puerto Caleta de Velez an. Wie überall, half mir ein freundlicher “Marinero” beim Anlegen, nachdem ich mich über UKW-Funk angemeldet hatte.

Diese kleine Stadt ist nicht so zu betoniert, wie weite Teile der Costa del Sol. Und, die Infrastruktur stimmte. Ab dem 01. Oktober galten Wintertarife, man zahlte nur noch knapp 15 Euro pro Tag. Der Ort hatte alles, was man sich so wünschte: Der Bäcker, 5 Minuten vom Hafen entfernt zwischen zwei kleineren Supermärkten gelegen, ALDI und LIDL machten sich am jeweils entgegen gesetzten Ende der Stadt Konkurrenz und WiFi gab’s in der Kneipe direkt am Hafen. Was wollte man mehr.

Caleta de Velez war klasse. Nicht so zu betoniert, eher spanisch ursprünglich, die Häuser entlang der Promenade sind vermutlich noch original andalusisch, Zwei- bis maximal dreigeschossig, mit Kacheln schön verziert und mit direktem Blick aufs Meer. Leider auch mit einigen vom Verfall gezeichneten Leerständen. Und ruhig war es hier. Es gab zwar auch Touristen im Ort (oder waren das ständige Residenten?), im Aldi und im Lidl hörte man doch sehr häufig Deutsch, meistens von etwas älteren Herrschaften gesprochen.

Am Samstagnachmittag gab es “Mucke” in der Hafenkneipe. Es spielte eine Fünf-Mann-Band und zwar hauptsächlich alte Beatles-Songs. Die fingen um 14:00 h an zu spielen, um 16:00 h war auch der letzte Stuhl besetzt, die Leute saßen und standen rundherum auf der Straße und dem Platz und es wurde sogar getanzt und zwar nicht nur von irgendwelchen “Youngstern”, sondern deutlich gestandenere Herrschaften bewegten sich im Stil der 60er und 70er. Rock’n Roll!!!

Das mit den Beatles hatten die wirklich drauf. Manchmal klappte es nicht so ganz mit der Intonierung (ist für einen Sänger auch schwer, Paul Mc. Cartney oder John Lennon nach zu eifern), aber im Großen und Ganzen waren die Darbietungen gelungen. Ich saß auf meinem Boot, vielleicht 50 Meter davon entfernt und hatte einen unterhaltsamen Nachmittag mit etwas billigerem Dosenbier.

Als die Jungs dann um 18:00 h aufhören wollten, nötigte das Publikum denen noch drei Zugaben ab, wirklich stehende Ovationen.

Am Sonntagnachmittag traf dann Erwin Gruber ein. Abends sind wir noch ins “Städele”, um ‘was zu essen und am Montag ging’s dann los, nachdem wir uns beim Lidl verproviantiert hatten. Zum Angewöhnen gerade ‘mal 10 Meilen nach Marina del Este.

Überraschung! Ein wunderschön gelegener, in die Berglandschaft eingebetteter kleiner Hafen, klar, touristisch, aber wirklich mit Charme. Zur Begrüßung gab’s von der Capitania eine Flasche Wein. Service und Infrastruktur stimmten, nicht ganz billig, aber wirklich o.k.. Wie es hier in der Hochsaison aus sieht, wagte ich mir allerdings nicht vor zu stellen.

Weiter ging’s nach Motril, ein Industriehafen, wie er im Buche steht. Der Club Nautico empfing uns sehr freundlich, alles ist entspannt, die sanitären Einrichtungen sind wirklich gut, Bueno!

Weiter, ca. 34 sm nach Almerimar. Großer Hafen, perfekte Organisation. Zum ersten Mal wurden wir in der Capitania auf Deutsch begrüßt. Da staunte man nicht schlecht. Und dann die Liegegebühren: Das hier war der billigste Hafen an der ganzen spanischen Küste. Strom und WiFi mussten zwar extra bezahlt werden, aber trotzdem, unschlagbar billig.

Dafür gab’s auf dem Klo auch kein Klopapier und auch keine Seife – nicht etwa, dass das vergessen worden wäre, es gab einfach keine Einrichtungen dafür – aber alles war sauber und entsprach durchaus den Anforderungen.

Almerimar ist offenbar DER Hafen für die Langzeitsegler zum überwintern. Gleich im Hafenbüro wurden wir darauf hingewiesen, 1. wie preisgünstig man hier im Winter liegen kann, sowohl im Wasser, als auch an Land und 2. dass auch im Winter die Infrastruktur mit allem, was man so braucht, vorhanden ist, inklusive der „Community“. Offenbar überwintern hier nicht nur die Segler, sondern auch jede Menge andere Menschen aus Nordeuropa, die dem nordischen Winter entfliehen wollen. Aus meiner Sicht, keine schlechte Idee, das Ambiente stimmt. Für Erwin gab’s sogar direkt gegenüber unseres Liegeplatzes einen englischen Pub, in dem es Guinness vom Faß gab. Die Welt war in Ordnung!

Morgens trafen wir Alex, eine Deutsche, die direkt gegenüber von unserem Liegeplatz eine Wäscherei betreibt. Sie beschrieb uns alle Vorzüge dieses Hafens in schillernden Farben, dies sei DER Platz zum überwintern und überhaupt, was Besseres würden wir an der ganzen spanischen Küste nicht finden. Wir unterhielten uns darüber, dass ich durchaus erwäge, hier zu überwintern, nicht zuletzt deswegen, weil ich die Stopfbuchse reparieren lassen muß und schon stand nach einer halben Stunde Frank aus Deutschland mit seinem Servicewagen auf der Pier und schaute sich meine Stopfbuchse an. Alles noch im grünen Bereich. Gemacht werden mußte das trotzdem, wie gesagt, der Fall für’s Winterlager. Frank lebt hier in Almerimar und betreibt einen Motoren und Bootsservice, auch er pries das hier als das Non Plus Ultra an.

Während Erwin Gewaltmärsche um und durch den Ort unternahm, schaute ich mir den Land-Winterlagerplatz an. Riesig, es standen dort schon jede Menge Yachten aufgepallt, aber Platz war dort immer noch.

Auch der Supermarkt hier war unschlagbar. Wir verproviantierten uns mit allem, was wir benötigten und starteten dann am nächsten Morgen nach Aquadulce und dann von dort aus weiter nach Almeria zu segeln, wo dann am Sonntag Werner Lange zu uns stoßen würde.

Aguadulce ist von Almerimar nur 17 sm entfernt. Immerhin wehte der Wind aus SW und trieb uns in drei Stunden dorthin. Malerische Küstenlandschaft, aber zum Teil auch wieder zu betoniert.

Der Hafen von Aguadulce war deutlich kleiner als Almerimar und versprühte einen etwas mondänen Charme, allerdings wirkte alles ein wenig ungepflegt, verfallen, es herrschte ein gewisser Instandhaltungsrückstau.

Auch hier war das Liegegeld moderat und die Dame an der Rezeption sprach sogar recht gut Deutsch. Ein Landliegeplatz über den Winter wäre hier sogar günstiger als in Almerimar. Die Werft machte einen ganz passablen Eindruck, auch wenn die Landlagerfläche deutlich kleiner ist, als dort.

Zu unserem nächsten Hafen – Almeria – waren es nur 5 sm und so bummelten wir vor dem Ablegen noch einmal die Hafenmeile entlang und warfen einen Blick auf das Werftgelände.

In den Kneipen rund um den Yachthafen war nicht mehr viel los, man merkte, die Saison neigte sich dem Ende zu.

Die fünf Seemeilen nach Almeria bewältigten wir bei schwül-warmer Flaute unter Maschine.

Der Hafen von Almeria ist zwar ein großer Handels- und Fährhafen, die Marina ist aber verhältnismäßig klein. Sie wird vom dortigen Club Nautico betrieben und ist überraschend preiswert – Wintertarif!

Am Sonntag kam, wie geplant, Werner Lange an Bord. Wir gingen abends in die Stadt, um irgendwo in einer Kneipe zu essen. Nachdem wir anfangs ein wenig planlos durch die Straßen und Gassen geirrt sind, fanden wir dann doch in das richtige Viertel, wo es eine Bodega neben der Anderen gab.

Wir wurden von einem Mitarbeiter eines Fischrestaurants überredet dort ein zu kehren, in dem er uns anbot, eine für zwei Personen gedachte Fischplatte auf drei Personen zu erweitern, uns aber nur den Preis für die Zweipersonenplatte in Rechnung zu stellen.

Das Ambiente dieses Restaurants mutete eher etwas modern-minimalistisch an, alles in schwarz-weiß gehalten, gar nicht so, wie eine typisch spanische Bodega.

Was das Essen anging, war ich eher skeptisch, waren wir doch in dem Laden zuerst fast die einzigen Besucher.

Aber dann: Die Fischplatte war eine Wucht! Sie nahm einen Gutteil des Tisches ein und es war darauf wohl fast alles an Meergetier aufgetürmt, was man sich so vorstellen konnte. Große und kleine Fische, Muscheln, Garnelen, Tintenfische, einfach alles, was das Herz begehrte und davon reichlich.

Nachdem wir schlussendlich die Platte “niedergekämpft” hatten, hatte sich auch der Laden mit Menschen gefüllt. Da war kein freier Platz mehr. Offenbar war dieses Restaurant für Fischspezialitäten auch bei den Einheimischen sehr beliebt. Wir waren wohl einfach nur zu früh gekommen.

Der Abend endete dann doch noch in einer richtig typischen spanischen Tapperia, wo wir, vollgefressen wie wir waren, allerdings nur etliche preiswerte Biere zu uns nahmen.

Der Montag war für die Spanier ein Feiertag. Wir beschlossen, noch in Almeria zu bleiben und die alte maurische Festung “La Alcazaba” zu besichtigen, die hoch über der Stadt errichtet worden war und von der man einen herrlichen Blick auf Almeria und die Umgebung hatte. Ich kann nur sagen: Der Fußmarsch da oben ‘rauf hat sich gelohnt!

Almeria – Torrevieja

Unser nächster Hafen, San Jose, war nur knapp 22 sm entfernt. Ein kleiner, idyllisch in einer Bucht gelegener, privat betriebener Hafen mit entsprechenden Preisen.

Auch hier hatten offenbar auch jahreszeitlich bedingt die Touristenbesuche abgeflaut. Die Restaurantbesitzer buhlten um Gäste. Da Erwin uns am nächsten Tag verlassen wiollte, entschieden wir uns für ein Restaurant und zelebrierten ein Abschiedsessen.

Erwin fuhr plangemäß mit dem Bus nach Malaga und wir segelten weiter nach Garrucha.

Was für eine Marina, riesig und leer. Es lagen nur wenige Yachten im Hafen, einige sogar längsseits an den Schwimmstegen, die offenbar aber für ein Mooringsystem vorbereitet waren.

Statt eines Marineros empfing uns die Crew einer deutschen Yacht, was dazu führte, dass wir als letzte Yacht längsseits hinter denen am Steg lagen und der Weg zu den sanitären Anlagen entsprechend weit war.

Diese waren ohnehin nicht so toll, bestanden selbige doch nur aus einem Container mit zwei Toiletten und einer Dusche. Dafür war das Hafengeld wieder einmal günstig.

Hier hielt uns nichts. Auf ging’s nach Anguillas. Die etwa 18 Meilen mussten wir weitgehend motoren. Kein Wind.

Als sich das Motorgeräusch plötzlich veränderte und starke Vibrationen das Schiff erschütterten, befürchtete ich das Schlimmste. Sollte die Stopfbuchse ihren Geist aufgegeben haben?

Bei genauer Inspektion, vorwärts-rückwärtsfahren, Gas geben im Leerlauf und allerlei anderer Experimente konnte ich an Welle und Stopfbuchse nichts außergewöhnliches erkennen. Innerhalb des Rumpfes rappelte nichts.

Wieder an Deck wurde Vollgas gegeben, dass Schiff fuhr allerdings nur 4,8 Knoten und die Motordrehzahl bewegte sich bei etwas über 2000 Umdrehungen. Schlussfolgerung: Wir hatten uns irgendetwas mit dem Propeller eingefangen.

Also Motor aus. Ich fragte Werner, ob er Lust auf ein Bad habe und erntete im ersten Moment verständnislose Blicke, bis ich ihm erklärte hatte, worum es ging.

Während Werner sich die Badehose anzog, holte ich die Taucherbrille und klarierte die Badeleiter.

Nach einigen Tauchversuchen zog Werner ein großes Stück dicke Plastikplane vom Propeller. Damit war das Problem behoben.

Es war diese Art Plane, mit der die Gemüsefelder hier an der Costa Blanca überall abgedeckt werden und die, wenn es vom Gebirge her stürmt, häufig zerreissen und dann ins Meer geweht werden, wo sie dann versinken.

Unter den Seglern wird kolportiert, dass es in manchen Buchten unmöglich sei, einen Anker in den Grund zu fahren, weil dieser mit Plastikplanen überzogen sei.

Da kümmert sich offenbar kein Mensch drum, aber mit dem Plastikmüll auf, im und unter Wasser nehmen die Spanier es ohnehin nicht so genau.

Ein mäßiger Windhauch trieb uns nach Aguilas, wo wir uns von den zwei möglichen Häfen für den Puerto Deportivo Juan de Montiel, einen kleinen, von einem Hotel betriebenen Yachthafen entschieden, der dann auch dementsprechend teuer war. Überfüllt war der auch nicht gerade, aber dafür stimmte die Infrastruktur.

Wir entschieden uns, die etwas über 30 Meilen direkt nach Cartagena zu fahren. Da der Wind diesmal aus östlichen Richtungen kam, anfangs unter Motor mit gesetztem Großsegel bis zum Cabo Cope und dann unter voller Besegelung.

Die Einfahrt nach Cartagena war schon beeindruckend. An Backbord das hohe Felsmassiv des Cabo Tinoso mit seiner Festung obendrauf und gegenüber, vor einem Felsmassiv, eine große Raffinerie, dazwischen etliche vor Anker liegende Tanker.

Der Hafen ist entsprechend groß, auch der Yachthafen, von denen es eigentlich zwei gibt, die aber direkt nebeneinander liegen. Wir entschieden uns für den nördlichen und ein hilfsbereiter Marinero wis uns wunschgemäß einen Liegeplatz nicht all zu weit von den Sanitäranlagen und sogar längsseits der Pier zu.

Cartagena ist eine wirklich schöne und interessante geschichtsträchtige Stadt. Hier trotzten die spanischen Republikaner als Letzte bis 1939 dem faschistischen Francoregime. Wir beschlossen, zwei Tage hier zu bleiben.

Den ersten Tag verbrachten wir mit einem ausgiebigen Stadtbummel, bewunderten die alten schönen Häuser und Plätze mit ihrem alten Bestand an riesigen Gummibäumen und hohen Palmen, schlenderten die geschäftige Haupteinkaufsstraße ‘rauf und ‘runter und natürlich auch die “Hafenmeile” entlang, wo an der Pier ein großer Zweimaster mit der Aufschrift “Sailling for Jesus” festgemacht hatte. Die hatte ich irgendwann schon einmal auf der Ostsee getroffen; kommentieren will ich das weiter nicht.

Am zweiten Tag unternahmen wir eine Stadtrundfahrt mit einem dieser doppelstöckigen Touristenbusse mit offenem Dach. Ich finde, auf diese Art und Weise erhält man sehr schnell einen guten Überblick, wie eine Stadt so aussieht und erhält auch gleichzeitig viele Informationen, die man sich ansonsten anderswie mehr oder weniger mühsam besorgen muß.

Der nächste Tag bescherte uns Wind aus Nordost. Anfangs moderat, in der Abdeckung des Höhenzuges um den Hafen und noch ein ganzes Stück weiter östlich, dann, kaum am Cabo de Agua vorbei, brieste es auf fünf Windstärken auf. Die Genua wird gerefft, volle Kreuz gegenan.

Unser angepeiltes Ziel, Puerto de Tomas Maestre, sozusagen die Einfahrt zum Mar Menor, rückte in weite Ferne.

Der einzige noch bei Tageslicht erreichbare Hafen war Puerto de Cabo de Palos, ein kleiner Ort mit einer laut Hafenhandbuch zur Versandung neigenden und zudem auch noch verwinkelten Einfahrt mit wenig Liegemöglichkeiten für Gäste.

Bei der Einfahrt hatten wir dann auch nur noch 0,90 bis 0,70 Meter unter dem Kiel. Es ging S-förmig um mehrere Ecken in den Sportboothafen, dieser war proppenvoll und ganz klar, Gäste waren hier nicht vorgesehen.

Wie im Handbuch empfohlen, legten wir längsseits an der Mole gegenüber eines Restaurants an. Der Wirt rieb sich schon die Hände ob der potentiellen neuen Kundschaft, denn viel war hier nicht los.

Ein Ruf an die Capitania über UKW-Funk war ebenso erfolglos, wie die Suche nach irgendwelchen öffentlichen sanitären Einrichtungen. Hier gab es einfach nichts – noch nicht einmal Strom und Wasser – außer den paar Restaurants entlang der Hafenmeile.

Nachdem wir schon beschlossen hatten, in dem gegenüber liegenden Restaurant essen zu gehen, halfen wir einer mit zwei Spaniern besetzten einlaufenden Segelyacht beim Anlegen.

Die beiden Spanier sprachen leidlich Englisch und nach ein wenig Small-Talk wird die Frage an uns gerichtet, ob wir auch an Bord kochen würden. Etwas verwundert bejahten wir die Frage, worauf einer der Spanier in eine auf dem Cockpitboden stehende Styroporkiste griff und zwei in Aluminiumfolie eingewickelte Fische herauszog.

Es waren – ohne Kopf – ca. 30 cm lange Thunfische, sozusagen küchenfertig. Auf unsere Nachfrage hin, erhielten wir auch noch einen Tip für die Zubereitung und auch noch eine Dose Tomatensauce.

Damit hatte sich der Restaurantbesuch erledigt.

In Olivenöl mit der Tomatensauce, Knoblauch, Basilikum, Pfeffer und Zwiebeln und Kartoffelscheiben wurden die Fische im Backofen gedünstet und gerieten so zu einem Festmahl, das unsere Mägen an die Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit brachte.

Am nächsten Morgen, Werner war gerade auf der Suche nach einem Supermarkt, erschien ein blau uniformierter Mensch auf einem Fahrrad und überreichte mir einen Zettel, den ich ausfüllen sollte. Das Prozedere kennen wir ja schon. Nur, es wurden weder Pass noch Schiffspapiere noch Versicherungsnachweis verlangt und auch kein Liegegeld (wofür auch?). So kann es also auch gehen.

Unsere spanischen Freunde waren bereits weg und als Werner vom Einkaufen zurück kam legten wir auch ab, um dann doch noch nach Puerto de Tomas Maestre zu fahren.

Ein Segelversuch scheiterte am mangelnden Wind. Der markante Leuchtturm auf dem Cabo de Palos wanderte nur ganz langsam achteraus.

Es waren zwar nur knapp 9 sm nach Puerto de Tomas Maestre, aber die Einfahrt dorthin wird durch einen Kanal gebildet, der von einer Klappbrücke überspannt wird. Wir wollten möglichst zur nächsten Öffnungszeit um 14:00 h dort sein, also wurde motort.

Die Einfahrt in den Kanal ist betonnt, das Fahrwasser ist relativ unproblematisch und der Kanal ist ausreichend breit und tief.

Vor uns war eine Yacht ebenfalls in den Kanal eingelaufen und steuerte mit langsamer Fahrt auf die noch geschlossene Brücke zu. Im Näherkommen erkannten wir unsere spanischen Anglerfreunde vom Vortag und diese erkannten uns auch wieder. Großes Hallo!

Der Mann am Ruder bückte sich und hielt einen großen Thunfisch in die Höhe, geschätzt sicher einen Meter lang. Wir fuhren noch näher an das andere Schiff heran, fotografierten und wurden gefragt, ob wir noch Fisch haben wollten.

Zwei in Alufolie eingewickelte Thunfische von in etwa gleicher Größe wie gestern flogen durch die Luft von einem Boot zum anderen und wurden von Werner aufgefangen. Wieder war das Abendessen gesichert.

Die Brücke öffnete pünktlich zur vorgesehenen Zeit und wir passierten sie gemeinsam. Bevor die beiden Spanier mit ihrer Yacht ins Mar Menor weiter fuhren, erklären sie uns noch, dass man vor dem Restaurant an der Rezeptionspier eine Nacht kostenlos liegen könnten, wenn man außerhalb der gelben Markierungen an der Pier fest machen würde. Dort legten wir erst einmal an.

Allerdings, besonders einladend war es hier nicht. Vom Restaurant her wurden wir mit lauter Musik beschallt, von öffentlichen sanitären Einrichtungen war weit und breit auch nichts zu sehen und wir lagen jenseits des Zaunes der eigentlichen Marina, so dass wir erst einmal keine Möglichkeit sahen, in den Genuß einer Dusche oder eines WC zu gelangen.

Nach einiger Zeit Beschallung und einem Bier beschlossen wir, doch in der Marina einzuklarieren und uns ein wenig Luxus zu gönnen, zumal wir uns ja bereits im vorherigen Hafen mit den spartanischen Bootseinrichtungen bescheiden mußten.

Der Entschluß kam uns dann doch relativ teuer zu stehen, dafür hatten wir dann eben ein fast kostenloses Abendessen.

Für unseren letzten Segeltag in diesem Jahr hatten die Wettergötter beschlossen, uns den Abschied so richtig schwer zu machen.

Bei strahlendem Sonnenschein und fünf Windstärken aus Nordost segelten wir nur unter Genua I die etwa 16 sm nach Torrevieja, von wo aus dann Werner die Heimreise antrat.

Nach gelogten rund 2.600 Seemeilen endete der erste Teil meiner Südlandreise hier in Torrevieja, ca. 40 Kilometer südlich von Alicante.

Die „Yssabeau“ liegt nun in Torrevieja hoch und trocken auf der dortigen Werft und wird von einem Deutschen betreut, der dort eine Yachtservicefirma betreibt. Der repariert dann hoffentlich auch die Stopfbuchse.

Ende April soll es dann weiter gehen, mit meiner Reise ins Südland, über die Balearen, Sardinien und Sizilien in Richtung Griechenland