Gosport – Guernsey

In Gosport wird uns ein längerer Aufenthalt beschert. Inga verlässt uns planmäßig, um mit der Fähre nach Portsmouth zu fahren und dann mit dem Zug zum Flughafen.

Ab jetzt sind wir nur noch zu zweit und werden es wohl für lange Zeit auch bleiben.

Das Dreamteam

Das „Dreamteam“

Den ersten Tag nutzen wir, um das Städtchen ein wenig zu erkunden. Fußgängerzone, Einkaufsmöglichkeiten, Schiffsausrüster – wir haben einiges auf dem Zettel.

Das Wetter ist ausgesprochen schön, wir lassen es ruhig angehen – entschleunigt eben.

Wir kommen an einem Fisch und Chips Laden vorbei. Für 3 Britische Pfund (BP) gibt es eine ordentliche Portion. Peters Debüt in Sachen britischer Esskultur.

Fisch und Chips werden allerdings nicht mehr wie in früheren Zeiten in eine aus der „Morning Post“ oder dem „Daily Mirror“ gewickelte Tüte gesteckt, sondern die „Tüte“ ist eine aus Pappe bestehende Art „Box“, eher steril. Den obligaten Essig muß man selber aus einer auf dem Tresen stehenden Flasche über die Pommes gießen.

Immerhin konnten wir vor dem Laden auf Plastikstühlen sitzend an einem Tisch ganz in Ruhe unseren Fisch verzehren, der übrigens sehr lecker war.

Wir verbringen die nächsten Tage mit allen möglichen „Verrichtungen“. Das neue Kutterstag wird angeschlagen und die Sturmfock vorgehißt, um zu sehen wie das alles so paßt. Herrlich leuchtend rot dieses Segel, das Uli Münker da so hergestellt hat. Aus der alten Ankerleine werden zwei Schoten hergestellt, die permanent am Segel angeschlagen sind und gleich mit in den Sack wandern, damit sie bei Bedarf sofort zur Hand sind.

Der Schalter der Salonlampe an Backbord ist defekt. Passender Ersatz ist bei keinem der Schiffshändler auf zu treiben. Gleiches gilt für Leuchte der Decksbeleuchtung.

Ich ziehe Peter in den Mast, vermutlich ist die Glühlampe kaputt, Ersatz finden wir hier aber auch in keinem Laden.

Dafür erhalten wir bei gleich zwei Schiffsausrüstern die Sicherung für die Ankerwinde, also gleich zwei Stück als Reserve eingesackt.

Wir zerlegen die Antriebseinheit des Autopiloten, jedenfalls den auf dem Steuerrad montierten Plastikring, in dem sich ein Zahnriemen und einige Plastikrollen befinden, um festzustellen, daß einige dieser Rädchen eher oval als rund waren und der Zahnriemen ebenfalls nicht mehr unbedingt als solcher zu bezeichnen war.

Der direkt am Hafen ansässige Vertreiber von Schiffselektronik winkt gleich ab, als wir ihm das Teil zeigten. Immerhin telefonierte er mit irgend jemandem, was aber nur bestätigte, dass Ersatzteile für diesen „Methusalem“ unter den Autopiloten nirgendwo mehr zu bekommen waren.

Das Angebot für einen Raymarine Autopiloten der neuesten Generation inklusive Einbau, welches er uns dann später unterbreitete, belief sich dann auf knapp über 2.000 BP. Da musste ich erst einmal drüber nachdenken.

Irgendwie gingen die Tage dahin. Die Gosport Marina war ja auch kein schlechter Ort – sieht man einmal von den nicht gerade niedrigen Liegegeldern ab -, die sanitären Einrichtungen sind wirklich sehr gut, das Marinapersonal ist, wie nicht anders zu erwarten, ausgesprochen höflich und hilfsbereit – eben englisch „polite“.

Das einzige Manko war das Nichtvorhandensein eines Internetzuganges. Kein WiFi!

Es gab allerdings am Hafen ein kleines Bistro, das einen kostenlosen Internetzugang bot, jedoch nur in seiner unmittelbaren Umgebung. Somit mussten wir dort öfter ‚mal ein Bier trinken, natürlich mit Laptop und Smartphone.

So abhängig ist man mittlerweile von diesem Kram geworden!!!

Am Steg gegenüber unserem Heck lag ein „Open Sixty“ – Hochseerenner. Täglich machten sich irgendwelche Leute darauf zu schaffen, trugen Segel ‚rauf und ‚runter oder reparierten etwas.

Am Freitagmorgen tauchte dann eine ganze Truppe von Leuten auf, die das Segelboot mit irgendwelchen Ausrüstungsgegenständen und Proviant voll luden, dirigiert von einem älteren Herrn, von dem ich dann später erfuhr, das es sich bei selbigen um die berühmte Hochseesegellegende Sir Robin Knox-Jonston handelte.

 

Sir Robin Knox Jonston

Irgendwann legten die dann ab, um nach zwei Tagen wieder an ihrem Platz an zu legen. Allerdings, den Anleger hätte ich wohl besser gefahren. Es gab ein mehrfaches Hin und Her mit vielen Leuten auf dem Schiff und auf dem Steg, die das Schiff unter lautem Geschrei letztendlich mit den Leinen an den Steg zerrten. Auch Hochseesegellegenden werden wohl älter.

Etliche Kartons Wein wanderten aus dem Hochseerenner auf die Pier. Die Jungs waren so als kleines Training für das kommende „Rund The Island Race“ ‚mal eben nach Frankreich gesegelt.

Wir hatten in der Fußgängerzone einen Supermarkt entdeckt, der zwar über ein etwas eingeschränktes Sortiment verfügte, dafür aber recht preisgünstig war. Hier entdeckte ich auch etwas, was Peter auch nicht kannte: „Mint Sauce“ und das für einen Euro das Glas. Gemessen an den Preisen in dem englischen Laden „Sandy’s“ in Kiel, wo ich häufiger „Mint Sauce“ kaufe, geradezu ein Schnäppchen.

Somit wanderten gleich mehrere Gläser in den Einkaufswagen und es gab Lammkoteletts mit „Mint Sauce“ zum Abendessen, dazu in „Bacon“ gewickelte gebratene Bohnen und Kartoffeln. Auch wenn das nicht unbedingt jedermanns Sache ist, uns hat’s hervorragend geschmeckt.

An diesem sonnigen Tag, kamen wir voll beladen mit Plastiktüten dieses Supermarktes an einem Pub vorbei, wo wir dann einkehrten, um ein kühles Bier zu trinken. Peters erste Konfrontation mit britischer Pubkultur und dem, was man ein „Pint“ nennt.

Der Laden schien bei den Einheimischen recht beliebt zu sein. Es tummelten sich eine ganze Menge Leute dort, die es offensichtlich nicht nur bei einem Bier beließen.

Etwas zu Essen gab es dort auch, aber nachdem wir die Speisekarte studiert hatten, verzichteten wir darauf, typisch englisches „Pub-Grub“ zu verköstigen. Stattdessen gab’s ein Zweitbier.

Apropos Essen: Ich hatte Peter von einem typischen englischen Gericht, „Steak and Kidney Pie“ erzählt, das er unbedingt probieren wollte. Die Gelegenheit ergab sich, als wir einen Blick auf die Karte eines direkt dem Marinaausgang gegenüber liegenden Schnellimbisses warfen. Da gab’s das Zeug tatsächlich, also nichts wie ‚rein.

Das war natürlich nicht die gehobene Küche, der „Pie“, garniert mit Pommes und Erbsen; geschmeckt hat es aber einigermaßen und satt wurde man auch, jedenfalls war Peter ganz angetan.

Wir verbrachten die Zeit mit allem Möglichen, kleinere Basteleien am Schiff, herumschauen in irgendwelchen Läden, Kaffe oder Bier trinken in dem Hafenbistro und dabei E-Mails schreiben oder lesen etc.

Unser Problem mit dem Autopiloten war damit überhaupt nicht gelöst. Von einem Mitarbeiter der Marinaverwaltung erhielt ich die Telefonnummer von einem Menschen namens Craigh. Nachdem ich ihm am Telefon erklärt hatte, um was es ging, stand er auch nach kurzer Zeit bei uns am Segelboot und schaute sich den Steuerring und sein Innenleben an, um dann ebenfalls zu erklären, das er weder in der Lage sei, das Teil zu reparieren noch ein Neuteil heranzuschaffen. Das kannten wir ja schon.

Er bot aber an, von der Firma Raymarine eine komplett neue Anlage zu besorgen und die dann für 90,- BP ein zu bauen. Die Neue Anlage sollte 1.300,- BP kosten.

Ich entschied mich, in den sauren Apfel zu beißen und einen neuen Autopiloten einbauen zu lassen.

Craigh wollte allerdings das Geld im Voraus und so zog ich los, um das Geld zu beschaffen.