Mittwoch, 28. 05. 2014: Reisebeginn

Mittwoch, 28. 05. 2014: Reisebeginn

Der Vortag

Peter und Sabine trafen schon am Dienstagabend bei mir zu Hause ein. Obwohl Sabine erst im September an der Reise teilnehmen konnte, opferte sie ihren freien Mittwoch, um uns zu helfen.

Der kommende Mittwoch sollte einzig und allein der abschließenden Ausrüstung des Schiffes, der Erledigung einiger Restarbeiten und der Verproviantierung dienen.

Aber es gab noch viel zu tun. Abgesehen davon, dass ich kaum irgendeine meiner persönlichen Angelegenheiten erledigt hatte, waren auch noch etliche Arbeiten am Schiff zu erledigen.

Am Mittwochmorgen fuhren wir mit dem voll geladenen Auto von Peter zum Postsegelverein in die Schwentine und luden erst einmal den Proviant und die persönlichen Sachen von Peter und Sabine aus.

Während Sabine all die Sachen unter Deck verstaute, fuhren Peter und ich mit Nummernschildern und Fahrzeugpapieren bewaffnet zum Straßenverkehrsamt, um mein Auto ab zu melden. Das dauerte geschlagene zwei Stunden.

Das paßte aber insofern, dass wir Inga und Michael dann fast ohne Verzögerung vom Bahnhof abholen konnten, da deren Zug Verspätung hatte.

Nun war die Crew vollständig.

Es gab noch eine Menge von Restarbeiten zu erledigen. Peter und Michael erhielten diverse Arbeitsaufträge und Inga, Sabine und ich fuhren mit Peters Auto zurück in die Innenstadt, um ebenfalls noch etliches abzuarbeiten.

Bei der Fa. Zelt Haase mußte die Rechnung für das Bimini bezahlt werden. Die neuen Segel sollten bei der Segelmacherei Faber und Münker um 16:00 h fertig sein.

Als wir dort ankamen, konnten wir die neue Sturmfock mitnehmen, die Allroundgenua war noch nicht fertig. Die sollten wir dann später abholen.

Während wir Inga mit einer Einkaufsliste bewaffnet beim Aldi absetzten, fuhren Sabine und ich noch zu meiner Haus und Hof Apotheke, um noch die dort bestellten Medikamente für mich ab zu holen. Dann ging’s zum Bootshafen, wo wir eine Palette pfandfreies Dosenbier für die Fahrt bis nach Helgoland erstanden.

Wieder zurück zum Aldi, wo Inga schon mit zwei voll geladenen Einkaufswagen auf uns wartete. Alles ins Auto verstaut und ab ging’s zum Schiff.

Peter und Michael hatten zwischenzeitlich einige Dinge erledigt, Herr Kray hatte bereits das Solarpanel und den Halter für den Windgenerator montiert und der Herr Fach war auch schon da gewesen und hatte den Laderegler für Windgenerator und Solarpanel eingebaut.

Den Rest mußten dann wir irgendwie unterwegs erledigen.

Katrin war während meiner Abwesenheit auch da gewesen und hatte mir ein Abschiedsgeschenk hinterlassen. Schade, dass wir uns nicht mehr getroffen haben. Gefreut hat’s mich aber. Vielen Dank Katrin.

Das Gröbste war geschafft. Peter und Michael hatten die alte Ankerkette aus dem Ankerkasten herausgeholt und auf dem Steg deponiert. Diese und uns verluden wir nun in Peters Auto und fuhren zu meiner Garage, wo wir die alte gegen die neue Kette, die noch von meiner Sonntagsmalerei dort lag, tauschten.

Einhundert Meter Kette waren nicht einfach ins Auto zu hieven, aber wir schafften das dann doch. Das Auto merkte das auch und mit uns Fünfen an Bord änderte sich das Fahrverhalten dann doch eher zum Negativen, was Sabine nicht ohne Sorge kommentierte.

Nun noch die neue Genua von Faber und Münker abgeholt; die hatten natürlich längst Feierabend und so hatten sie das Segel auf dem Hof unter der Rampe deponiert. Dann ging es unserem Lieblingsthailänder, wo wir erst einmal ausgiebig und vor allem etwas entspannter zu Abend aßen.

Zurück zum Postsegelverein – es war bereits so abends gegen 10:00 h – verholten wir das Schiff mit dem Bug an die Pier, um die neue Ankerkette zu verladen. Unter Einsatz der Winde ging das relativ unproblematisch, bis diese ihren Geist auf gab. Ursache so auf Anhieb erst einmal nicht feststellbar. Der Rest wurde dann per Hand mit der Kurbel erledigt.

Nachdem das Boot wieder an seinen Liegenplatz zurück verholt war, überließen Peter und ich die Anderen ihrem Schicksal und fuhren zu mir nach Hause. Ich hatte ja kaum welche von meinen persönlichen Sachen an Bord.

Es war nicht besonders schwierig, meine Ausstattung für die Reise zusammen zu stellen. Ich verstaute einfach alle meine Jeanshosen, alle meine T-Shirts, Unterhosen und Socken in diversen Taschen, Bettlaken und Bezüge kamen hinzu, ein paar Hemden, Handtücher und Dies und Das, was man eben so braucht und so waren dann drei Taschen und ein Seesack verhältnismäßig schnell vollgestopft. Dank an Peter, der mir bei der ganzen Aktion geholfen hat, sonst hätte es schon noch länger gedauert.

Gegen halb drei waren wir wieder auf dem Boot, die anderen schliefen schon, und für uns war der Tag dann auch beendet.

29.05.2014: Tag 1

Die Nacht war kurz, wollten wir doch eigentlich um 07:00 h ablegen, um gegen 08:00 h durch die Holtenauer Schleuse in den Nordostseekanal zu gehen.

Selbstverständlich dauerte dann die gesamte Morgenprozedur dann doch länger und wir kamen erst gegen 08:00 h los.

Sabine verließ uns, da sie ja nur zum Helfen gekommen war.

Als Gäste für die Kanalfahrt hatte sich Dirk Trutnau mit Sohn und Lebensgefährtin Sandra eingebucht und die hatten dann auch frische Brötchen für’s Frühstück mitgebracht.

Wir motorten bei frischem nördlichen Wind in Richtung Schleuse, drehten im Vorhafen ein paar Kringel und gegen 09:00 h liefen wir in die alte Schleuse ein.

Die Fahrt durch den Kanal kostete 18,- Euro, die am Automaten bezahlt wurden und nach ca. 20 Minuten konnten wir die Schleuse verlassen.

Es begann eine völlig entspannte Fahrt durch den Nord-Ostseekanal.

Das Wetter meinte es gut mit uns – jedenfalls regnete es nicht und ein Sonnenstrahl beglückte uns auch hin und wieder – und wir genossen erst einmal Kaffee und Brötchen.

Irgendwie breitete sich eine gewisse Lethargie aus, jedenfalls all die vielen kleinen Arbeiten am Boot, die noch verblieben waren, wurden weitgehend nicht erledigt.

Mir war das erst einmal egal, die Anspannung der letzten Tage fiel langsam von mir ab, mein Abenteuer hatte begonnen.

In Rendsburg gingen Dirk und sein Sohn von Bord. Die wollten noch zu irgendeiner Auto-Motor-Cross oder sonst was Veranstaltung, Sandra blieb an Bord. Dirk würde sie dann in Brunsbüttel abholen.

Die Fahrt durch den Kanal verlief unspektakulär. Wir machten uns noch über Sandras selbstgebackenen Kuchen her, tranken das von Dirk mitgebrachte Flaschenbier aus und gegen 18:00 h erreichten wir Brunsbüttel, wo wir im Schleusenhafen fest machten. Das kostete dann 10, – Euro für die Nacht.

Nun hatten wir Zeit und vor allem auch Lust, uns um die nicht funktionierende Ankerwinde zu kümmern. Aber selbst der Elektroingenieur Dirk konnte, nachdem er alle Kabelverbindungen auseinander geschraubt hatte, den Fehler nicht finden.

Das war’s dann erst einmal. Dirk und seine Familie fuhren nach Kiel zurück und wir anderen verbrachten noch einen netten Abend.

30.05.2014: Tag 2

Wir hatten die Wahl: Entweder wegen der Tide nachts um 04:00 h aufstehen oder nachmittags gegen 03:00 h oder später auszulaufen.

Selbstverständlich entschieden wir uns für nachmittags, in der Hoffnung, das uns die Tide dann noch bis Helgoland vorwärts schieben würde.

Das hatte den Vorteil, dass wir uns noch weiter um die Ankerwinde kümmern konnten.

Peter hatte im Ort irgendeinen Handwerksbetrieb aufgetan, der nicht nur eine Kupferleitung unseres Petroleumkochers löten konnte – diese war aus irgendeinem Grund an der Verbindung zum Brennerkopf gerissen, was wir aber erst während der Kanalfahrt bemerkt hatten – sondern der auch gleich zwei Leute schickte, die sich um die Elektrik der Ankerwinde kümmerten.

Die probierten dann auch einiges hin und her und siehe da, der Fehler ward gefunden. Die von mir eigens für die Ankerwinde installierte (nebenbei bemerkt, sündhaft teure) Schmelzsicherung zwischen Ladegerät und Ankerwindenbatterie war durchgebrannt. Da hätten wir auch selber drauf kommen können, hätten wir doch im Dämmerlicht des Faches unter dem Kleiderschrankboden – da sitzt die Sicherung nun ‚mal – genauer hin geguckt.

Dummheit muß bezahlt werden und wie heißt es so schön bei dem geschätzten Dichter Joachim Ringelnatz: …. und er zahlte alles in englischen Pfund und in Gold!

Eine neue Sicherung hatten wir deshalb immer noch nicht!

Wir verließen die Schleuse in Brunsbüttel gegen 15:30 h, motorten ein ganzes Stück die Elbe hinab und setzten dann zum ersten Mal die neue reffbare Genua.

Bei westlichem Wind um die vier Windstärken ging’s flott voran, aber nicht flott genug. Wir würden erst zu nächtlicher Stunde auf Helgoland ankommen. Das wollte keiner von uns und so beschlossen wir, nach Cuxhaven ein zu laufen, was wir dann auch taten.

Für am Automaten bezahlte 18,- Euro durften wir dann auch dort übernachten.

Peter war der Meinung, dass man zu so fortgeschrittener Stunde nicht mehr selbst zu kochen bräuchte und die Fischrestaurants in Cuxhaven seien ohnehin unübertroffen und außerdem muß!!! man in Cuxhaven Fisch essen, und, und, und…..!

Der Weg vom Yachthafen bis zu der “Fischrestaurantmeile” erschien mir für einen Fußmarsch zu lang und so wurde ein Taxi geordert.

Peter nannte dem Taxifahrer dann auch den Namen seines (offenbar) Lieblingsrestaurants, vor dessen Tür wir dann auch abgesetzt wurden. Nur, der Laden hatte geschlossen und alle anderen Restaurants auf dieser besagten “Meile” waren gerade dabei, Tische und Stühle hoch zu stellen. Nix mit essen!!! Ab 21:00 h werden auf der “Fischmeile” in allen Läden gleichzeitig die Rolladen herunter gelassen. Das hätte der Taxifahrer eigentlich wissen müssen!

Da wir unbedingt etwas essen wollten, riefen wir die Taxizentrale nochmals an und siehe da, es erschien der selbe Taxifahrer noch einmal (die haben wohl nur ein Taxi!), um uns einzusammeln.

Der fuhr uns dann auch zu einem griechischen Restaurant und, nachdem wir uns bitterlich bei ihm beklagt hatten, dass er uns ja vorher hätte sagen können, dass es auf der “Fischmeile” ab 21:00 h keinen Fisch mehr gibt – er sei ja schließlich Cuxhavener und damit Insider – erließ er uns dann den Fahrpreis zu dem Griechen. Immerhin, der Mann hatte dann wohl doch ein schlechtes Gewissen.

Das Essen bei dem Griechen war o.k., eben griechisch.

31.05.2014: Tag  3

Aufstehen zu unchristlicher Stunde (für meine Verhältnisse). Ich werde nie ein Freund der Segelei in Tidengewässern werden.

Die Reise gen Helgoland verlief eigentlich unspektakulär, sieht man einmal davon ab, dass es mit mehr oder weniger als fünf Windstärken aus Nord-West wehte. Also volle Kreuz. Entsprechend spät erreichten wir auch die Insel.

Schön, dass es noch hell war. So konnten wir die “Annehmlichkeiten” des “Spritfelsens” gleich kennnenlernen. Es war ja das “Himmelfahrtswochenende” und der Hafen war recht gut mit Booten gefüllt. Man lag bereits in dreier, vierer oder gar fünfer Päckchen.

Um so erfreuter waren wir, dass uns gleich von mehreren Schiffen rote Schilder mit weißer Aufschrift – oder umgekehrt – “ NICHT ANLEGEN” entgegen leuchteten und dass wir gleich beim ersten Versuch, bei einem Schiff ohne entsprechendem Schild längsseits zugehen, von der Bordfrau abgewiesen wurden.

Was denken diese Leute sich eigentlich? Gehört der Hafen allein denen? Derartiges Verhalten empfinde ich als äußerst unseemännisch und unkameradschaftlich, so dass ich mir wünschen würde, dass man denen Hafenverbot erteilt. Wenn die nicht wollen, dass man über ihr Schiff trampelt, dann sollen sie doch ganz außen als letzte im Päckchen festmachen, um selber einmal zu erleben, wie es ist, über zehn Schiffe hinweg steigen zu müssen, um auf’s Klo zu gehen.

Ich hatte keine Lust auf Streit und wir fanden schließlich einen Platz neben netten Leuten als vierte im Päckchen und wir hatten unsere Ruhe.

Jedenfalls bis morgens um 07:00 h, da wollten die nämlich ablegen. Kein Problem. Wir hatten sowieso beschlossen, noch einen Tag auf der Insel zu verbringen.

Diesen Tag verbrachten wir mit emsiger Beschäftigung. Michael und Peter kümmerten sich um die elektrischen Anschlüsse von Windgenerator und Solarpanel an den Regler.

Problem: Es gab auf der ganzen Insel kein passendes Kabel mit dem vom Gerätehersteller vorgegebenen Querschnitten zu kaufen.

Aber es gab die Firma Siemens, die direkt am Hafen einen Containerpark unterhielt – nicht nur zu Wohnzwecken -, da sie die Insel wohl als Basis für ihre Windpark-Offshore-Aktivitäten auserkoren hatte.

Es gab “Abfallcontainer” in denen sich fast alles anfand, was unser Herz begehrte und Peter und Michael überredeten einen der Siemensmitarbeiter, auf einen Teil seines Mülls zu verzichten.

Neben uns hatte ein älteres Ehepaar mit einem alten, klassischen Stahlschiff festgemacht und, nicht nur das der Eigner Klaus auch noch das uns fehlende passende Werkzeug besaß, offenbar verstand Klaus auch einiges von Elektrotechnik. Mit seiner Unterstützung wurden dann die Kabel verlegt und auch richtig angeschlossen und siehe da, das Ganze funktionierte sogar.

Immerhin war es Sonntag und außer Insel besichtigen konnte man nicht so richtig was tun. Außer noch in einer netten Kneipe zu Abend zu essen.

Den Montagvormittag beschäftigten Inga und ich uns derweil mit anderen wichtigen Dingen. Es wurde eingekauft.

Außer den noch fehlenden Lebensmitteln natürlich auch noch Getränke. Einige Paletten Bier, ein paar Flaschen Sherry, ein paar Flaschen Campari und zwei Flaschen caribischen Mount Gay Rum, was, wie sich später herausstellte, viel zu wenig war.

Ich suchte noch den Schiffsausrüster auf, um noch eine holländische und eine belgische Gastlandsflagge zu besorgen und um nebenher zu erfahren, dass es vor 12:00 h noch viel zu flach vor der Tankstelle ist, um mit unserem Tiefgang dort zu bunkern.

Ursprünglich war ja nicht vorgesehen, an der niederländischen und belgischen Küste entlang zu segeln, sondern es war geplant, von Helgoland aus in einer “Rutsche” direkt an der englische Südküste zu landen.

Dafür war die Zeit aber zu knapp. Michael mußte ja wieder pünktlich am Donnerstag in Richtung Heimat fahren und da war es sinniger, ihn in irgendeinem Hafen an der niederländischen oder belgischen Küste ab zu setzen.

Um 12:30 h waren wir am Ponton der Tankstelle und bunkerten den steuerfreien Diesel.

Und dann ging’s los. Bei moderaten 2 bis 3 Windstärken in Richtung Tonne 2 a, die das Verkehrstrennungsgebiet von der Inshore Traffic Zone abgrenzt.

Nun hatte unsere Reise so richtig begonnen.