Archiv für den Monat: September 2021

Ricos Reiseberichte 2021

23.8.2021
Moin aus Nizza! Es sind schon wieder 30 Grad und es ist etwas gewittrig.
Heute wird das Schiff weiter vorbereitet und die letzten Einkäufe werden in Kürze via Lieferservice gebracht.
Morgen geht es dann los.
Leider ist beim Einbau des Plotters irgendetwas schief gegangen.
Das Gerät funktioniert nicht mehr und wir müssen via Internet ein neues Gerät beschaffen.

24.8.2021
Heute sind heute nach einem turbulenten Segeltörn von drei Windstärken bis Gewitter mit Böen bis zu 34 Knoten in einer kleinen beschaulichen Marina in La Figueirette angekommen.
Unterwegs waren die Küste und sämtliche Ankerplätze voll mit Luxus-Yachten. Vom Flughafen Nizza flogen pausenlos Privat-Hubschrauber über unsere Köpfe zu ihren Anwesen oder Schiffen.
Der Reichtum in dieser Gegend im Vergleich zu der Hungersnot in anderen Gebieten macht einem schon etwas nachdenklich.
Jetzt wird erstmal gekocht. Es gibt Steak mit Blumenkohl.

25.08.2021
Salut! Wir sind heute nach einem sehr ruhigen Segeltag in den Hafen von Les Issambres eingelaufen.
Das ist ein kleiner Ort in der Nähe von Saint Tropez.
Das Wetter hat sich wieder beruhigt, die Sonne scheint bei 27 Grad und das Wasser hat noch super 25 Grad.
Wir trinken jetzt ein Hafenbier und dann gehe ich erstmal baden.

26.08.2021
bonne soirée, so kann sich das Blatt wenden….
Wir sind heute nach einem turbulenten Segeltag in Grande Plage du Lavandou angekommen.
Bei Gewitter-Böen bis 39 Knoten stampfte die Yssabeau schwer in der See.
Es wurden zwei Reffs am Großsegel und eins am Genuasegel fällig.
Die Gangway ist durch die Welle zerbrochen und wir treten mit dem Schiff bei um Ordnung an Deck zu schaffen.
Unter Deck sah es aus als wäre eine Horde Wildschweine durchgelaufen.
Wir müssen uns nun eine neue Bohle besorgen denn die alte ist nicht mehr zu reparieren.
Außerdem wurde am Mast der Einfädler durch den enormen Druck der Segellatte beschädigt und muss ersetzt werden.

27.8.2021
Bonsoir aus dem schönen Süd-Frankreich!
In Anbetracht der Segler-Ereignisse ist nun auch mal wieder ein kleiner Reisebericht fällig.
Nach den ersten Starkwind-Törns beruhigt sich das Wetter langsam wieder und es gibt sehr angenehme Temperaturen und den zugehörigen Segelwind.
Wir sind heute von Hyeres nach Saint Mandriersur – Mer … gegenüber von Toulon gesegelt.
Hyeres ist ein sehr schönes Segel-Revier auf dem auch die legendären 12er und andere wunderschöne Segel-Klassiker zu Hause sind.
Es ist faszinierend diese Schiffe unter Segeln zu beobachten, auch wenn sie ziemlich langsam sind.
Jetzt liegen wir mit der Yssabeau in Saint Mandriersur Mer, einem herrlichen, französisch-typischen Hafenort.
Wir haben lecker mediterran gegessen (außer Jörg) und genießen den schönen Abend.

Eine 12er
Leider hat sich vor dem beschriebenen erlebten eine Katastrophe im Hafen von Hyeres  ereignet.
Während unseren Reparaturen am Mast im Hafen flog, vermutlich durch eine Gasflasche ausgelöst, ein Motorboot nicht weit von uns in die Luft.
Der Knall war unbeschreiblich laut und erinnerte irgendwie an die Explosion einer Weltkriegsbombe.
Die Trümmer flogen einige hundert Meter durch die Luft und es waren Schreie zu hören.
Was dann folgte kann sich wohl nur ein Feuerwehrmann vorstellen…
Das Motorboot brannte in sehr kurzer Zeit lichterloh und entzündete auch die nebenliegenden Segler.
Die GFK-Bootskörper und auch die Segel entzündeten sich in unglaublich kurzer Zeit.
Nachdem die Feuerwehr den Brand nicht mehr unter Kontrolle bekam, wurde das brennende Boot schließlich auf das offene Meer geschleppt, wo es dann unterging.
Das zeigte mir das mit Propangas aber nicht wirklich zu spaßen ist…

30.8.2021
Wir befinden uns nun in einem wunderschönen Stadthafen in La Ciotat und haben auf unserer Strecke Nizza, Saint Tropez, Cannes und Toulon hinter uns gelassen.
In Toulon liegt die legendäre Westwind-Flotte der Französischen Marine mit imposanten Flugzeugträgern und Fregatten.
Das Segeln gegen die hier vorherrschenden Mistral-Winde ist zeitweise knackig – gegenan und mit nur mit Reff machbar.
Ab Marseille wird sich der Wind aber dann erwartungsgemäß drehen und achterlich uns voranschieben.
Die Temperaturen werden auch hier nun langsam moderat und man muss Abends und beim Segeln was überziehen.
Aber wir genießen die schöne Landschaft, die sehr netten Leute und die vielen kleinen Hafenstädtchen…
Jörg treibt etwas Sport …

Toulon


La Ciotat

31.08.2021
Salut, heute wieder ein kleiner Reisebericht vom Segel-Törn an der Mittelmeerküste in Frankreich!
Wir haben nun so langsam das Gebiet um die Cote d’Azur verlassen und sind gestern in einem kleinen Hafen gegenüber von Marseille in Port du Friol eingelaufen.
Leider müssen wir zunächst einen ca, 24 x25 cm großen Flicken beidseitig auf das Großsegel nähen.
Die letzten Törns waren zu vie für das Material.
Aber ich habe auch Material für den Bau einer neuen Gangway gefunden und werde diese in den nächsten Tagen zusammenbauen.
Vor Marseille wird man neben der imposanten Großstadt mit dem Station und den vielen Kreuzfahrern zuerst auf das berüchtigte Gefängnis Château d’If, eine Festung auf der Insel Île d’If vor der Küste von Marseille, aufmerksam.
Hier soll der Graf von Monte Christo eingesperrt gewesen sein nachdem er als Seemann am Tage seiner Verlobung verhaftet wurde.
Von dieser Stelle sind wir heute mit angenehmen halben Wind weiter Richtung Carro – sozusagen in die Provence gesegelt.

Château d’If

04.09.2021
Nachdem wir uns von Marseille entfernten lies auch der Mistral nach und es dominierte halber- oder achterlicher Wind der uns in zwei Tagen 50 Seemeilen voran brachte.
Dabei ging es immer an den Mündungsarmen der Rhone im respektvollen Abstand entlang.
Die Rhone schwemmt Unmengen von Sedimenten in das Mittelmeer und daraus entstehen riesige Sandbänke.
Eine Navigation entlang der vielen Untiefen-Tonnen mit Seekarten, GPS und Tiefenmesser waren unbedingt notwendig um nicht auf Grund zu laufen.
In der Camargue findet man noch Wildpferde und auch Flamingos.
Zwei von diesen schönen Flamingos habe ich auch zum ersten Mal fliegen sehen.
Beim diesem Anblick stellte sich bei mir eine Gänsehaut auf.
Auf unserer letzten Etappe nach Montpellier wurden wir von einem großen Gewitter-Gebiet mitten auf See überrascht.
Nach unserer schlechten Erfahrung wurden die Segel diesmal sofort eingeholt beziehungsweise auf kleinste Stufe gerefft.
Der Wind verhielt sich diesmal jedoch moderat aber es regnete in Strömen, blitzte und donnerte und unsere Ölzeug wurde so langsam auch innen nass.
Jetzt liegen wir erstmal bis Montag in Montpellier, reparieren ein paar Sachen an der Yssabeau und machen auch mal Reinschiff, denn am Montag kommen die Mädels an Bord.
Ich liege am herrlichen Sandstrand und schaue mir das Meer mal von der anderen Seite an…

8.9.2021
Nach dem Crew-Wechsel in Montpellier wurden zunächst neben einigen kleineren Reparaturen am Schiff die Vorräte aufgefüllt, neues Frischwasser an Bord genommen und dann ging es am Dienstag los Richtung Cap d’ Agde.
Die 30 Seemeilen bis dahin waren für unsere Mädels gleich eine erste Herausforderung.
Wir teilten uns die Aufgaben wie Navigation, Steuern gut untereinander ein und erlebten bei halben Wind einen sehr schönen Segeltag.
Abends erkundeten wir den tollen Strand der mich irgendwie an den Atlantik erinnert und gingen natürlich auch baden.
An Bord wurde von der restlichen Crew ein leckeres Abendessen zubereitet und es wurde ein schöner Abend mit viel Spaß und dem dazugehörigen französischen Wein.
Am nächsten Morgen schliefen alle erstmal richtig aus, und gegen Mittag machten wir uns auf Richtung Gruissan.
Wir entschieden uns bei den vorherrschenden Winden nur das Genua-Segel gerefft zu setzen und waren damit auf der richtigen Seite.
Die Winde gingen achterlich bis auf 20 Knoten und die Welle baute sich gerade in den geringeren Tiefen mächtig auf.
Nachdem wir die schmale Hafeneinfahrt von Gruissan mit Maschine und Genua-Segel sowie seitlicher Welle gut passierten, konnten wir im gut geschützten Hafen direkt längs neben einigen Hafenkneipen fest machen.
Leider ist für heute Nacht und auch morgen Sturm und Gewitter angesagt und es blitzt bereits rund um uns.
Wir haben noch das Schiff mit zusätzlichen Leinen – den Springs – gesichert und gehen so langsam in die Kojen.
Ich habe mich über die Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung informiert und hoffe das wir dazu morgen etwas Zeit und gutes Wetter finden …

Die Bucht von Cap d’ Agde


Die Altstadt von Gruissan mit ihren davor gelagerten Salz-Lagunen.

12.09.2021
Wir verlassen nun morgen das mir so an das Herz gewachsene Frankreich und werden planmäßig den ersten Hafen in Spanien erreichen.
Vorher haben wir jedoch den Ort Gruissan mit seiner wunderschönen in Schnecken-Form angelegten Altstadt um die Burgruine, der Meeres-Salz-Gewinnung und Banyuls, eine noch schönere alte Hafenstadt mit einem direkt angrenzenden Uni-Meeres-Forschungsinstitut kennengelernt.
Hier gefällt es mir auf unserer Reise besonders gut.
Die Mischung aus Meer, den hier beginnenden Pyrenäen, den freundlichen Menschen, dem herrlichen Wein sowie der Meeres-Forschung begeistern mich.
Ich konnte mir nicht die Gedanken unterdrücken hier zu bleiben.
Das gemeinsame heutige Muschel-Abendessen an Bord passte gut zu diesem Gedanken.
Wir zirkelten noch einmal unsere bevorstehenden Seemeilen auf den Seekarten ab und beschlossen, dass noch genügend Zeit für einen Besuch der Meeres-Aquarien in Banyuls drin ist.
Auch das Segel-Wetter passte in die schönen Erlebnisse der letzten Tage mit halben Wind ohne Welle ganz gut als Urlaubs-Segel-Wetter…

Banyuls mit seinem Viadukt

19.09.2021
Adios Spanien … nachdem wir den Golf von Leon bis zur Costa Brava durchsegelten, endet nun die abenteuerliche Reise für mich nach 483 Seemeilen – das sind ca. 895 Kilometern in Barcelona.
Dabei habe ich von wunderbaren Seegeltagen, Starkregen, Windböen bis 39 Knoten alles erlebt was man sich im Wassersport vorstellen kann.
Wir haben Spanien mit seinen sehr sauberen und gepflegten Marinas sowie der herrlichen Landschaften entlang Port de la Selva, L’Escala Port d’Aro bis Port Balis kennengelernt.
Lediglich die stellenweise Betonklotz-artigen Hotelanlagen an einigen Küsten trübten die ansonsten wunderschönen Eindrücke.
In Barcelona angekommen gönnten wir uns noch einige Stunden am Strand bis zu unseren gestrigen Abflug in die doch ziemlich kalte Heimat …