Archiv für den Monat: Juni 2017

Juttas Reisebericht 2017

Urlaub 2017, 10 Tage „Segelleben“ vom 01. bis zum 10. Juni

Prolog

Segeln ist nicht meine Welt. Petroleum- und Dieselgeruch, die Enge von Koje und Kajüte, die ständige Angst vorm Untergang bei Schräglage des Schiffes unter Segeln und die gefühlte Klammheit aller Klamotten haben nichts Attraktives für mich. Zudem ist mir der Seglerjargon völlig fremd, und von Knoten und Segeln habe ich nicht die geringste Ahnung. Dennoch möchte ich mich auf 10 Tage „Segelleben“ einlassen, und zwar auf dem Boot meines alten Freundes Jörg, Eigner und Skipper einer Sigma 362, einem 36 Fuß Schiff, auf dem er mit wechselnder Crew den Sommer auf dem Mittelmeer verbringt. Geplant ist eine Tour in der nördlichen Ägäis von Thessaloniki vorbei an den nördlichen Sporaden bis Nea Artakis auf Euböa, wo ich das Segelschiff verlassen werde, um im Anschluss eine Woche Strandurlaub zu machen. Dies ist für mich ein echtes Abenteuer, von dem ich hier berichten möchte in einer Art Tagebuch aus der Sicht einer absoluten Laiin in Sachen Segeln. Wer es gerne professioneller hätte sollte sich die Berichte von Peter und Jörg für denselben Zeitraum ansehen.

 

Donnerstag, 01. Juni 2017

Seit Neuestem bietet Ryanair recht preiswert einen Direktflug von Dortmund nach Tessaloniki an. Also machen wir, Vera und ich, uns am frühen Morgen mit ÖPNV auf zum
Flughafen in Dortmund. Boarding und Flug verlaufen reibungslos, an Wegzehrung haben wir auch gedacht, Thessaloniki erreichen wir so satt und zufrieden nach ca 3 Stunden gegen 14:15 h. Die Marina Aretsou in Kalamaria ist dem Taxifahrer bekannt, und so kutschiert er uns für € 16 vom Flughafen direkt bis zum Hafenmeister. Nach kurzer Rückfrage wird uns die Richtung zum Liegeplatz 157 gewiesen.

Jörg und Peter haben aus einem gelben Bettlaken den perfekten Sonnenschutz gebaut, in
dessen Schatten sie uns sehr herzlich empfangen. Vera und ich sind von der Hitze (ca 25
Grad) so verschwitzt, dass wir ohne Umschweife gleich ins Badezeug schlüpfen und uns auf der Pier mit kaltem Wasser aus einem Wasserschlauch abkühlen. Erst dann sind wir in der Lage, das Begrüßungsbier zu genießen.

Nach einem ersten Austausch von Neuigkeiten und Einrichten unserer Klamotten in der
Vorschiffskoje stellen wir einen Essensplan für die nächsten 3 Tage auf. Mit der daraus
resultierenden Einkaufsliste ziehen Vera, Peter und ich los. Der erste Mini Market, den wir
anlaufen, hat zwar 24 Stunden geöffnet, ist aber wirklich mini. Obst, Gemüse und Fleisch gibt es dort nicht. Wir fragen uns also zu einem Supermarkt durch und haben Glück: 3 übervolle Einkaufskörbe mit fast allem Gewünschten werden uns sogar bis ans Schiff geliefert. Allein Fleisch muss in einer Metzgerei besorgt werden, was Vera und Peter übernehmen. Sie kommen mit derartig viel Fleisch zurück, dass wir den Vorsatz am heutigen Abend essen zu gehen fallen lassen, und Peter sich ans Kochen macht Das Menue besteht aus Salat, Spaghetti Bolo mit Parmesan und Wein und Bier.In der Abendsonne wird es auf dem Schiff serviert. Müde und erschöpft von den arbeitsreichen Tagen vor unserer Abfahrt und dem Krafttraining nach dem Abendessen (einige Gläser feinsten Ouzos, Marke Plomari, gilt es zu stemmen) sinken wir in unsere Koje.

 

Freitag, 02. Juni 2017

Die Nacht war ein wenig unruhig. Nicht wegen der Mücken (die hatten wir mittels einer Art
Gardine über der geöffneten Luke weitestgehend ausgesperrt), sondern wegen eines herumstreunenden Katers auf Veras Bettseite. Als sie den endlich erlegt hatte war es bis
Sonnenaufgang noch schön muckelig (warm) in der Koje. Nach einem üppigen Frühstück
erfolgt zunächst eine umfangreiche Sicherheitseinweisung und das Anpassen der
Rettungsweste durch den Skipper Jörg. Ich wähle das etwas schlichtere Modell einer Art
Gummikragen. Gegen 11:30 h heißt es Leinen los und mit dem Motor auf durch den
„Ententeich“ wie Peter das ruhige Meer bezeichnet. Vera wird eingewiesen am Steuer des
Schiffs und übernimmt unter Jörgs wachsamem Auge das Ruder. Nach ca. einer Stunde
frischt der Wind auf etwa Stärke 3 auf, so dass Segel gesetzt werden. Welch ein Gefühl! Die
Sonne scheint und die Sonnencreme klebt: das richtige Urlaubsfeeling stellt sich ein. Als
dann noch an backbord Delphine auftauchen ist der Tag perfekt. Den ersten sich
anbietenden Hafen (Limáni KÍTROUS) in 20 sm Entfernung lassen wir liegen, um als Tagesziel den zweiten (Lemenískos PARALÌA KATERÌNI) anzusteuern. Angekündigt als „one of the most touristic parts of Greece“ mit „good life“ scheint uns dieser als angemessen. Zu unserem Schrecken jedoch vereitelt Niedrigwasser unsere Einfahrt in den Hafen, wir laufen im Schlick auf. Seemännisch erfahren meistert Jörg die Situation mit Bravour, also soll´s Lemenískos LÌTORCHO werden. Allerdings stellt der Navigator Peter schnell fest, dass wir hier ähnliche Wassertiefen vorfinden werden wie soeben. Inzwischen ist es 17:00 h, und es wird entschieden, unter Motor doch die Marina Platamon anzufahren. Steuerbord grüßt der Olymp und wir schwadronieren ein wenig über den Schlawiner Zeus und phantasieren zum Leben der Götter. Fast halb neun erreichen wir den Hafen und werden zum Anlegen an
einen Pier direkt vor der Bar eingewiesen, Beschallung inklusive. Dies ist ein absoluter, gut
besuchter Touri-Ort. Jörg zaubert als Abendessen noch ein „Hähnchen süß-sauer“, und
geschafft von der Aufregung und dem anstrengenden Tag fallen Vera und ich ins Bett,
bewehrt mit Ohrstöpseln und Kopfhörer. Jörg und Peter nehmen noch ihren „night cup“ und genießen die Barmusik.

 

Samstag, 03. Juni

Nicht besonders früh, aber noch bevor das Städtchen und die Bar zu Leben erwachen, ist
Peter schon unterwegs zum Kaffeetrinken und Vera zum Schwimmen. Glockengeläut von der nahegelegenen Kirche spielt um 7:30 h und um 8:30 h eine helle Melodie, und etwas
zerknittert krabbel ich zum Cockpit des Schiffes. Eine Abkühlung im Meer ist unbedingt
nötig. Am Strand sind nur wenige „Frühaufsteher“ unterwegs, ein Fischer ordnet seine Netze und ein Angler träumt vor sich hin. Das Wasser ist angenehm kühl, so dass der Kreislauf langsam in Schwung kommt. Nach der Dusche im Gebäude der Bar sind auch alle wieder auf dem Boot und um den Frühstückstisch versammelt. Peter hat wie allmorgentlich alles vorbereitet (Kaffee, Tee, Wurst, Käse, Tomaten, leckeres Brot und alles was dazu gehört). Beim Frühstück erfahren wir, dass Vera mittels der an der Spitze der Koje befindlichen Fernbedienung in der Nacht das Fußende ihres Bettes höher stellen wollte. Jörg wird blass und fragt nach. Nein, es sei nichts passiert, nichts hätte sich bewegt, es habe nur ein lautes „Klock“ oder „ Klack“ gegeben. Kein gequältes „ouioiuuoioiooii“ ? fragt Jörg nach und ist beruhigt als dies verneint wird. Bei der Fernbedienung handelte es sich mitnichten um eine zum Verstellen des Bettes, sondern um die zur Bedienung der Ankerwinde. Und Weiteres lernen wir nach dem Frühstück, nämlich, dass „der Nüschel in der Backs“ läge. Es stellt sich heraus, dass Peter zum Befüllen des Wassertanks die Spritzdüse für den Wasserschlauch sucht und diese in der Backskiste liegt.

11:20 h legen wir ab mit Ziel Agiokampus ca. 20 sm südlich. Die Sonne ist uns hold, und ein
(sehr) leichter Wind weht. Wir können auch heute Segel setzen und setzen die Fahrt
gemächlich mit 2 bis 3 Knoten fort. Als der Wind zu einem Lüftchen abflaut gönnen wir,
Vera, Jutta und Peter, uns ein Bad im tiefen Meer. Nacktbaden ist in Griechenland eigentlich nicht erlaubt, aber hier, fern aller Zivilisation, genießen wir ein Stückchen Freikörperkultur. Das Wasser hat 21 Grad und ist angenehm erfrischend. Aus der Idee, sich am Fender hinter dem Boot herziehen zu lassen, wird leider nichts, denn es steht, weil der Wind sich gänzlich verflüchtigt hat. Also planschen wir ein wenig herum und genießen die Abkühlung. Nicht lange nachdem wir wieder an Bord und bekleidet sind frischt der Wind wieder auf, so dass es unter Segeln weitergeht. An Steuerbord begleiten uns Delphine, das Plätschern des Wassers ist einlullend, ein Mittagsschläfchen ist angesagt, und so kreuzen wir unserem Ziel entgegen. Um nicht erst in der Dunkelheit anzukommen, wirft Jörg gegen 17:30 h den Motor an und eine Stunde später erreichen wir unser Ziel Agiokampus. Der Hafen besteht aus einem Nord- und einem Südhafen, wobei der Nordhafen kleineren Booten vorbehalten ist. Im Südhafen legen wir längsseits an der Mole an. Unsere Nachbarn sind drei Fischkutter, die in den Augen einer Landratte wie ich es bin eher wie „Seelenverkäufer“ aussehen bestückt mit „Gerümpel“ und auf der Backbordseite mit großen Lampen. Auf den Booten sind die Männer mit dem Flicken von Netzen oder mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt. Es riecht nach Fisch, auf einem Schiff werden Eisblöcke angeliefert, und die „Hafenkneipe“ (bestehend aus einer Art Wohnwagenkiosk mit Tischen und Sonnenschirmen davor) ist gut besucht. Auf der Kaimauer hocken etliche Angler, die auf einen Fang hoffen. Auf unserem Boot bereitet Peter ein köstliches Lammgericht zu und serviert dazu Kartoffeln und Bohnen. Wir laden die Hafenpolizistin ein, die aus ihrem Auto steigt und um die Papiere sowie den Befähigungsnachweis des Kapitäns bittet. Sie lehnt dankend ab, alles ist in Ordnung, und wir verputzen die Köstlichkeiten bis auf den letzten Rest. Auch den Digestif, einen Ouzo, schaffen wir noch bevor das nahende Gewitter sich mit Regen entlädt.

 
 

 

Pfingstsonntag, 04. Juni

Die Nacht war kühl, und als ich mich um 7 Uhr im Cockpit niederlassen will sind Bänke und Boden nass, so dass ich mich zum Schreiben an den Navigationsplatz setzen muss. Die Kaimauer ist bereits besetzt von etlichen alten Männern, die wohl ausgesandt waren, den Fisch fürs Mittagessen aus dem Hafenbecken zu ziehen. Alle schlafen noch, und so setze ich mich auf den Navi-Platz und lasse den Vortag Revue passieren. Ich wandere auf der Kaimauer bis zum Nordhafen und sehe, dass die „Hafenkneipe“ bereits gut besetzt ist. Den Abfallcontainer finde ich auch. Sein Deckel ist zu Zweidritteln weggerostet, so dass mit einem Blick in die Tonne deren Zweck erst verifiziert werden muss. Auf meinem Weg zurück zum Boot vorbei an den Fischern werde ich fragend angeflüstert „fish?“ Ich gehe vorbei mit dem Hinweis der Kapitän sei zu fragen und komme rechtzeitig zum Frühstück beim Boot an. Peter hat in bewährter Weise alles vorbereitet, das Frühstück ist köstlich und insbesondere Jörgs liebevoll dekorierte Brote auf dem Frühstücksteller eine Augenweide, der Abwasch ist flott gemacht und die Reling klariert von Handtüchern und Wäsche. Vera ist mehr als tatendurstig, greift sich Gummihandschuhe, Eimer (Pütz!) und Schwamm und säubert die Bilge. Mehrfach entleert Jörg den Pütz über die Reling, es scheint sich einiges angesammelt zu haben. Bevor wir starten begeben Peter und ich uns derweil auf „Fischfang“ fürs Abendessen. Ein wenig warten müssen wir noch, denn so lange der Hafenpolizist auf dem Kai Patrouille fährt ist kein Handel möglich. Am ersten Kutter wird uns eine Plastiktüte mit einer Art Sardinen angeboten. So hatte ich mir eine Fischmahlzeit nicht vorgestellt. Also auf zum nächsten Schiff; auf dem dritten, der rostigsten dieser Rostlauben gibt es Makrelen, 5 für € 1 wie Peter verstanden hatte. Es stellt sich heraus, dass tatsächlich € 5 gemeint sind. 5 Fischlein zu diesem Preis sind uns zu wenig, weshalb wir um 8 bitten. 9 werden es dann, die aber wiederum € 7 kosten sollen. Das zu zahlen bin ich nicht bereit, also greife ich in die Tüte, um dem Fischer 1 Makrele zurückzugeben. Entnervt winkt dieser ab, und so ziehen wir mit unseren 9 Makrelen für € 5 von dannen. Um 10:40 h endlich legen wir ab. Totale Flaute zwingt uns zum Motoren. Wir laufen den ersten sich anbietenden Hafen Aigo Ioannis 20 sm südlich unseres Starthafens an. Es ist ein Winzding, und zu unserem Bedauern (?) schnappt uns eine Motoryacht den letzten verfügbaren Anlegeplatz vor den Nase weg. Nicht allzu traurig drehen wir ab, um weitere 18 sm bis Katigiorgis zurückzulegen. An Segel setzen ist nach wie vor nicht zu denken. Nach einer Runde Gerstenkaltschale und Kartoffelchips (Peter macht sich über den Rest Hähnchen süß-sauer her) erliegen alle bis auf den Steuermann dem postprandialen Erschlaffungssyndrom. In Katigioris angekommen liegen am Kai eine Reihe von Kleinmotor- und Schlauchbooten und zwei große Motoryachten. Die einzig freie Stelle scheint ein gelb markierter Bereich des Kais zu sein, der aber – wie sich herausstellte- für das Wassertaxi frei bleiben muss. Eine weitere Runde durch den kleinen Hafen lässt einen schmalen Spalt zwischen Motoryacht und Motorbötchen
erkennen. „Never“ denke ich, doch Jörg setzt beherzt zu Einparken an. Peter wirft auf Kommando den Anker ins Wasser und Vera und ich werden mit dem Werfen der Festmacherleinen beauftragt und damit, Abstand zu halten zu den Nachbarbooten. Leider ist niemand da, der die Leinen am Kai entgegennehmen kann. Also muss Vera an Land springen und sie selbst festmachen. Ein Mann mit Handy am Ohr erbarmt sich, legt das Mobiltelefon auf den Boden und greift sich die zweite Leine. Es ist vollbracht, die schmale Baubohle wird als Gangway ausgelegt, Vera und ich organisieren im Mini-Market eine Flasche Gin und an Bord gibt es nun den Anlegerdrink Gin-Tonic. Die Bucht diente vormals als Anlandeplatz für Fische, die für …. bestimmt waren. Aus dieser Zeit übrig geblieben ist eine berühmte Fischsuppe namens Kakaviar. Also beschließen wir, diese in einem der vier Restaurants am Strand als Abendessen einzunehmen. Der Nachbartisch ist belegt mit mehreren deutschen Familien mit ihren Kindern. Und so genießen wir „Zukunftsmusik“ und unser Essen. WiFi, das wir hier gern in Anspruch genommen hätten, ist derartig lahm, dass wir nach kurzer Zeit unsere Bemühungen aufgeben. Ein letzter Drink an Bord ist die Überleitung zur Nacht.

 

Pfingstmontag, der 05. Juni

In der Nacht hatte sich eine aufdringliche Fliege ins „Schlafzimmer“ verirrt mit dem Ergebnis, dass ich oft unvermittelt um mich schlug. Erholsamer Schlaf stellt sich erst am frühen Morgen ein. Alle, auch die Jungs, schlafen heute etwas länger. Um wach zu werden beschließt Peter, sich ins kühle Nass zu begeben und klettert über die Badeleiter ins Wasser. Mir ist das zu unheimlich zwischen den Booten hindurch ins Hafenbecken zu schwimmen, und so nehme ich den Weg über die Slipanlage. Hier muss ich aufpassen, unbeschadet an den Seeigeln vorbei zu kommen, doch es gelingt. Vera bevorzugt den Weg ins Wasser über den Strand, wo wir beiden uns dann treffen. Peter ist längst zurück auf dem Boot und kümmert sich in bewährter Weise um das Frühstück. Jörgs Stirn wird kraus und krauser ob des Sandes, den wir inzwischen alle an Bord geschleppt haben, doch Vera greift sofort zum Handfeger, um das Problem zu lösen. Peter und ich begeben uns mit den Makrelen an eine steinige Stelle des Ufer, wo wir die Fische ausnehmen und für die Zubereitung präparieren, um dies nicht auf dem Schiff erledigen zu müssen.

Bereit zum Auslaufen entscheiden wir uns für ein Ziel auf der Insel Evia, den Hafen von Oreoi, ca. 16 sm entfernt. Sonnenschein und eine Brise mit 3 Windstärken von hinten (achtern) garantieren eine „lady´s tour“. Die Segel werden gesetzt, Vorsegel und Großsegel in „Schmetterlings-Stellung“ gebracht, und mit einer Geschwindigkeit von ca. 6 Knoten gleiten wir zur Insel hinüber. Tiefe Zufriedenheit und Glücklichsein breiten sich auf dem Schiff aus. Mit Gerstensaft in der Rechten, dem Steuer in der Linken stimmt Jörg das Lied an von der Dame, die sein Herz am Band an der Taille trägt, an, nämlich die Kanaille (*). Vera wird überredet, das Steuer auch einmal unter Segeln zu übernehmen und erweist sich auch diesmal als sehr gelehrig, so dass Jörg und Peter sich zu einer kleinen Meditation zurückziehen können. Recht früh, so gegen halb vier, erreichen wir unser Ziel und finden einen wunderbaren Anlegeplatz direkt gegenüber dem Eingang zum Strand. Der Buganker hält, die Leinen sind fest, die Gangway ist ausgebracht, und dem Anlegerdrink steht nichts im Weg. Vera, Jörg und ich schlendern anschließend durch das Städtchen, um die Einkaufsmöglichkeiten auszubaldowern, während Peter auf dem Schiff Waschtag hat. Später treffen wir uns im Café am Anfang des Kais und setzen erste Mails ab, denn hier endlich gibt es mal vernünftiges WLan. Ein Bad im Meer schließt sich an mit einer schön warmen Dusche danach am Strand bevor es an die Zubereitung des Abendessens geht. Heute gibt es Makrele mit griechischem Salat und Brot. Drei Crewmitglieder genießen die Mahlzeit, während Jörg schon ein wenig säuerlich reagiert als der leckere Schafskäse im Salat unter Veras Rühren ziemlich zermanscht. Beratungsresistent lässt er sich nicht zeigen wie frau einen Fisch filetiert und die Gräten entfernt. Das Ergebnis ist ein Haufen total zerrissener Makrele auf dem Teller mit Gräten überall, die Jörg bei jedem Bissen aus den Zähnen pult. Nein, wenn überhaupt Fisch, dann nur grätenfreies Thunfischsteak oder Fischstäbchen! Dennoch findet der Abend ein versöhnliches Ende, denn sowohl der Retsina wie auch Rot- und Weißwein sind bekömmlich.

(*)
Refrain
Schön wie eine Blume war die Kanaille,
eine Kanaille als Blume getarnt.
Sie trug mein Herz am Band um die Taille,
ich armer Wicht, ich war nicht gewarnt.

 

Dienstag, der 06. Juni, Hafentag

Peter ist längst unterwegs als ich mich fürs morgendliche Bad im Meer rüste. Einige Nachbarschiffe sind bereits verschwunden und die ersten Neuankömmlinge steuern den Hafen an. Vera hat Kaffee und Tee gekocht und alles fürs Frühstück Notwendige in Position gebracht. Was fehlt ist Peter mit dem Brot. Wir bringen den genialen Sonnenschutz, das wunderbar gelbe, alte Betttuch an, damit wir im Schatten sitzen können. Wir trinken Tee und Kaffee und warten auf Peter. Um 10 h mache ich mich auf den Weg („der Herr, der schickt den Jockel aus,…“) und finde ihn im Café am Eingang zum Kai. Überrascht nimmt er zur Kenntnis, dass es bereits 10 h ist und verspricht sofort zu kommen. Das Frühstück mundet wie immer, Vera befürchtet, von den „alten“ Eiern Salmonellen zu bekommen, und im Übrigen wird es auch heute natürlich wieder gewittern 😉 (schmunzel). Nach dem Frühstück bastelt Vera einen Sonnenschutz in Verlängerung des Bimini (ein Sonnenverdeck, das aber nur dem Steuernden Schatten spendet). Ich nehme derweil eine Nachhilfestunde in Sachen Tauwerk. Ich lerne es gibt keine Stricke an Bord. Stattdessen haben wir Leinen, so zum Beispiel Reff- und Festmacherleinen, Schoten, Taue, Trosse, Fallen, Bensel, Zeisige und „Nursodas“. Besonders gefallen mir auch die Übungen zu den Seemannsknoten. Einen beherrsche ich ja schon ganz gut, den Webleinsteg. Damit bin ich geradezu dafür prädestiniert, die Fender anzubringen … . Einen anderen, den Palstek, liebe ich ganz besonders, weil ich auch hier wieder Überraschende lerne: ein „Öhrchen“ gibt es nicht dafür ein „Auge“. Das sieht zwar genauso aus wie das „Öhrchen“, heißt aber anders. Also: erst ein „Auge“, dann die „Schlange“, die eigentlich eine „Nursoda-Leine“ ist, von unten durch den
„Teich“ (der gerade noch Auge hieß). Die Schlange, die eigentlich die „Nursoda-Leine“ ist, sieht mich, bekommt Angst und läuft in einem großen Bogen, der später die Arbeitsschlaufe wird, weg vor mir (hahaha: die Leine sieht mich, bekommt Angst und läuft weg!). Dann schleicht sie von hinten unter Daumen und Zeigefinger durch und schlängelt sich von oben wieder in den Teich. Ich greife den Kopf der Schlange zusammen mit dem Ufer des Teiches und ziehe beides in die entgegengesetzte Richtung als den Schwanz der Schlange. Und schon habe ich die Arbeitsschlaufe, die ich nun um einen „Pal“ legen kann ohne dass sie sich zuzieht (im Ernstfall natürlich nicht die „Nursoda“-, sondern die Festmacherleine). So oder so ähnlich, der Palstek ist fertig.

Wir bleiben heute hier im Hafen und begeben uns in unser Lieblingscafé. Schreibzeit ist angesagt, zwischendurch ein Spaziergang zum Stier im Glaskasten, eine Postkarte für die Lieben daheim ohne Mailadresse erstehen wir auch. Die Wirtin des Cafés freute sich sehr über unsere Anwesenheit und sorgt für unser Wohlbefinden. Café Frappé, Eis, Baklava, Bier, Wasser mit Eis, Blätterteigtasche mit Füllung und alles, was das Herz begehrt verzehren wir während Peter, Jörg und ich Reiseberichte schreiben. Es ist heiß, 35 Grad, ich begebe mich zu einem Mittagsschlaf zum Boot, Peter und Vera gehen einkaufen und Jörg? Er bleibt noch ein wenig im Café. Kaum die richtige Schlafposition gefunden kommen die Einkäufer zurück, mit der Ruhe ist es vorbei. Die Einkäufe für die nächsten Tage werden angeliefert und müssen verstaut werden. Zur Abwechslung wird danach an Deck geduscht, Jörg zuerst (von Vera eingeseift, grins), dann Vera, und ich schließe mich an, nachdem ich mir das Vergnügen angesehen hatte. Steuerbord legen Bayern an, die sich das Schauspiel auf unserem Boot ansehen und dabei über Biersorten schwadronieren. Im Anschluss an das Duschvergnügen wird das Cockpit noch ausgepritzt, und nachdem die Sitzbänke wieder trocken sind wird Gemüse geschnitten für das Abendessen. Heute gibt es Aubergineneintopf mit Hackfleisch. Es sieht von der Menge her so aus als würde es die nächsten 3 Tage davon geben.

 

Mittwoch, 07. Juni

Ich wache auf und genieße wie die aufgehende Sonne das Vorstak mit der eingerollten Genua von der Spitze her mit goldenem Licht überzieht, was ich aus geschützter Position durch die Luke der Bugkajüte sehr schön beobachten kann. Alles ist ruhig, und so drehe ich mich noch einmal um. Wenig später wecken mich Regentropfen, die durch die weit geöffnete Luke fallen. Schnell sammle ich Sitzkissen, Handtücher, unser „Sonnensegelbetttuch“ und was sonst noch draußen herum liegt ein und bringe alles ins Trockene. Peter kommt vom Einkaufen zurück, muss aber sofort wieder los, weil er die Tüte mit der Wurst und den Käse in der Gemüseabteilung des Ladens hat liegen lassen. Inzwischen fallen nur noch ab und zu ein paar Tropfen, so dass wir beschließen, draußen im Cockpit zu frühstücken. Die Bänke und der Tisch sind schnell trocken gewischt, und alles ist aufgetischt. Um uns vor kleineren Regenschauern zu schützen, die ab und zu herunter kommen, bedienen Vera und ich uns zum Vergnügen der Jungs zweier Regenschirme. „Regenschirm auf einem Schiff, hahaha!“ Wir kümmern uns nicht darum was üblich ist und was nicht. Während wir lecker frühstücken legt unser Nachbarboot ab. Ein Ruck geht durchs Schiff. Sie haben unseren Anker „gefangen“. Jörg und Peter gehen nach vorn an die Bugspitze und beobachten das Manöver. Das Ende vom Lied ist, dass wir in aller Eile alles zusammenräumen und das Schiff zum Auslaufen klar machen müssen. Jörg hatte es geahnt: der, der unseren Anker anheben musste um freizukommen hat ihn über einen anderen gezogen und dann fallen lassen. So dürfen wir uns ebenfalls erst befreien bevor wir die Fahrt fortsetzen können. Jörg führt Vera und mir eindrucksvoll als Warnung vor Augen was er beabsichtigt mit Meuterinnen zu tun, die sich seinen Befehlen widersetzen würden, indem er einen Galgenstrick knotet, an dem selbige dann am Großmast hängen würden. Die Fahrt führt uns entlang der Küste von Euböa, mal unter Motor, zeitweise unter Segeln. Als (weit weg, ich geb´s ja zu) hinter uns eine Fähre ablegt, scheint mir, sie steuere direkt auf uns zu. Niemand beantwortet meine Frage nach den Vorfahrtsregeln. Beide Jungs grinsen sich eins, und ich verhalte mich wie der Strauss, der den Kopf in den Sand steckt, um nicht gesehen zu werden, indem ich meine Augen schließe und mich dem Schicksal ergebe. Natürlich steuert die Fähre weit hinter uns ihren Zielhafen an, aber wie ich im Prolog schon sagte: auf einem Segelboot wittere ich stets Untergang und Gefahr und fürchte mich dann.

Die Sonne scheint, und zu Jörgs Zufriedenheit können wir ein paar Meilen unter Segeln weiterschippern. Wieder wird ein Lied angestimmt von den Haien und den Walen, die sich an der Südpolachse aalen (*). Jörgs Laptop gibt dann noch den Song „Ich geh segeln“ und andere her, die Stimmung ist gelöst und sommerlich heiter. Eine Wassermelone wird verputzt, und Jörg übt sich im Kerneweitspucken. Wir müssen kreuzen, um unser heutiges Ziel LOUTRÁ AIDIPSOÙ anzusteuern. Der Hafen ist voll mit Fischkuttern und kleineren Fischerbooten. Wir loten die Wassertiefe an verschiedenen Stellen aus und ergattern den letzten freien Platz längsseits der Pier hinter einem Berliner. Gegenüber haben zwei große Fähren angelegt. Auf der Kaimauer befinden sich die üblichen Säulen für Strom und Wasser, die jedoch mit einer Geldkarte zu bedienen sind. In der Annahme, uns anmelden zu müssen, und mit der Absicht eine solche Karte zu kaufen, im Supermarkt noch fehlendes Gemüse zu erstehen sowie vielleicht irgendwo vorhandene Sanitäre Anlagen zu suchen, machen Vera und ich uns mit dem Päckchen der üblichen „Paper“ unterm Arm auf zur „Harbour Authority“. Einem Polizisten mit dürftigen Englischkenntnissen legen wir diese vor mit dem Hinweis wir hätten soeben angelegt. Zwei weitere Kollegen von ihm gesellen sich dazu, und nun beginnt eine Befragung nach woher und wohin und wohin danach, nach Crewliste und Passnummern, nach angeblich fehlenden Hafenstempeln usw. . All diesem fühlen Vera und ich uns nicht gewachsen, so dass Jörg übernehmen muss und die Angelegenheit zur Zufriedenheit aller regelt. Der Supermarkt ist schnell gefunden, auf die Karte für Wasser und Strom verzichten wir dankend (sie soll € 12 kosten und wäre nur dieses eine Mal zu verwenden), und die im Hafen vorhandenen WCs sind abgeschlossen. Nun denn,… Während Peter und Jörg das Abendessen vorbereiten sehen Vera und ich uns die Stadt an. Es handelt sich offenbar um eine Art Seebad mit warmer Heilquelle gegen Rheuma und sonstige Beschwerden. Wir verzichten auf das Bad im Mineralschlamm, suchen einen Schiffsausrüster und gehen zurück zum Boot. Heute gibt es Hähnchencurry mit scharfem Abgang, so dass mein Getränkebedarf zum Löschen des Feuers heute etwas höher ist. Irgendwie macht mich der Tag an frischer Meeresluft sehr müde, so dass ich mich trotz des Protestes der Jungs, die noch unterhalten werden möchten, früh in die Koje verabschiede.

(*)

Übers weite grüne Meer
Wo die Wasserkühe brüll´n
Wo die Nixen sich mit Well’ n
Und Schaum umhüll’ n
Wo die Haie mit den Walen
Sich an der Südpolachse aalen,
und wo der kleine Pinguin
einen Rollmops verdrückt,
oh, yeah, oh yeah

 

Donnerstag, der 08. Juni

Angesichts des Vollmondes und der Fische, die an der Wasseroberfläche im Hafen nach Insekten schnappten vermutete Peter gestern schon das Wetter würde umschlagen. In der Nacht hat es nun geregnet. Eine Mücke hatte sich trotz des Mückennetzes in unsere Koje eingeschlichen und sich an uns delektiert. Peter kommt, als wir dann wach sind, gut gelaunt mit frischem Brot zurück aus der Stadt. Er hatte auch bereits ein „Rheuma-Bad“ am Strand in der Nähe des Wellness Hotel genommen und gibt sich wie runderneuert. Vera wird von Jörg zum Kämmen „ihres güldenen Haars“ aufs Vorschiff verbannt, da Haare Gift für … (ja für was eigentlich?) sind. Ich suche derweil die Pier noch einmal nach einer Möglichkeit ab, Wasser zu bunkern und kann bei der Gelegenheit auch gleich den Fischern beim Flicken der Netze zusehen und ein paar Fotos machen.

Nach dem Frühstück gehen Peter und ich noch einmal in die Stadt zum Geldautomaten und um nach dem (nicht vorhandenen) Schiffsausrüster zu forschen. Wir könnten gut eine neue Klobrille gebrauchen, denn die alte war unter den Anforderungen einer Crew von vier Menschen mit ihren Bedürfnissen auch in Schräglage des Schiffes aus der Halterung gebrochen. Peter und ich sind allerdings nicht erfolgreich, und so müssen wir unverrichteter Dinge ablegen. Inzwischen lacht die Sonne auch wieder. Ich nerve Jörg so lange bis er mir tatsächlich noch einmal den Refrain des Liedes von der Kanaille vorsingt, das ich gern auf Video aufnehmen möchte. Er hat danach seine Ruhe und ich einen Ohrwurm.

Heute Abend möchten wir in einer Bucht ankern, schön einsam und ohne Lärm. So geht die Fahrt teils bei Sonne, teils bei Regen, teils unter Segeln, teils unter Motor entlang der Küste des Festlands. 27 sm südlich von Loutra Aidipsou soll die erste Anlaufstelle sein (Nsis lagonis). Peter macht Schnittchen, Vera übt sich weiter am Steuer . Bereits vor der Bucht reihen sich Fischfarmen eine nach der anderen. Unweit der Einfahrt sehen wir sogar eine Fischfabrik und, was uns abschreckt, am Ende der Bucht eine Industrieanlage, aus deren Schornstein grau-gelbe Wolken quellen. Was ist das? Auch ohne eine Antwort auf diese Frage zu finden entscheiden wir uns weitere 8 sm Richtung Süden zurückzulegen und Plan B umzusetzen. Da wir dort wohl etwas später eintreffen werden, bereiten Vera und ich die Bohnen und Kartoffeln für das für heute Abend vorgesehene Lammgericht schon einmal vor. Beim Einbiegen in O. Scorpon’eri sehen wir am gegenüber liegenden Hang verstreut einzelne Häuser oder Villen (wir vermuten Ferienhäuser, denn Menschen sind nicht zu sehen). Auch hier gibt es 2 kleine Fischzuchten. In der ihm eigenen Art erkundet der Skipper das Revier. Eine erste Möglichkeit zu ankern oder gar anzulegen an einem alten Pier bietet sich in einer Einbuchtung mit einem aufgegebenen Anwesen. Die Vermutung liegt nah es sei eine Kneipe gewesen mit benachbartem Wohnhaus, denn der Grill steht, nun verrostet, noch auf der ehemaligen Terrasse. Echolot und Peters scharfe Augen stellen fest, dass Felsen dicht unter der Wasseroberfläche ein Anlegen unmöglich machen. Also spähen wir weiter aus nach Anker- und Festmachermöglichkeiten. Vera ist das Geisterdorf ohnehin zu unheimlich. Windrichtung und Wassertiefe müssen wohl ebenfalls berücksichtigt werden, ein erster Versuch zu ankern scheitert, wir tasten uns weiter vor. Diese Stelle erweist sich, so attraktiv sie auch anfangs schien, als nicht geeignet für weitere Versuche. Unweit unserer jetzigen Position weist die Seekarte eine Einbuchtung zwischen einer kleinen Halbinsel und dem Festland als Ankerplatz aus, den wir nun ansteuern. Hier scheint alles zu passen, der Anker wird ausgeworfen und Peter macht sich bereit, an Land zu schwimmen und die Festmacherleinen (drei! Leinen müssen aneinander geknotet werden, um die passende Länge zu erreichen) dort um Steine zu legen. An Land zu kommen ist schwierig, denn die Steine sind hier scharfkantig und spitz, doch Peter bewältigt die Herausforderung zweimal mit Bravour, erklimmt nach der Aktion erschöpft die Badeleiter und braucht nun dringend ein Bier. Es dämmert bereits als wir unseren „Anleger“ (Gin Tonic) einnehmen. Während des Abendessens schütteln Wellen das Boot unerwartet durch. Ratlos rätseln wir herum woher dieser starke Schwell so plötzlich kommt. Wie dem auch sei: Digestif und ein Gläschen Wein genießen wir trotzdem, und eine Klönrunde beschießt den Tag in dieser einsamen Bucht.

 

Freitag, der 09. Juni

Während der Nacht hatte sich die Dünung gelegt, das Wasser ist wieder ruhig und Peter hechtet von der Bordwand beherzt mit einem Kopfsprung ins 22 Grad warme Nass. Wenig später sind wir anderen auch dabei und vergnügen uns beim Planschen um das Boot herum. So unbewohnt wie wir dachten scheinen die Häuser am Hang doch nicht zu sein denn drei Angler suchen Petri Heil bereits am Ufer als wir aufstehen. Nach unserem Badevergnügen trocknen wir in der Sonne, und wie am Vorabend setzt plötzlich wieder diese Dünung ein. Wir sind des Rätsels Lösung keinen Schritt näher gekommen. Vielleicht können wir der Sache bei nächster Gelegenheit mit Hilfe von Tante Google auf den Grund gehen. Während des Frühstücks beschließen wir, diesen Tag doch nicht hier in der Bucht zu verbringen, sondern das Endziel Nea Artaki 15 sm südlich schon anzusteuern. Der Hafen soll klein und von örtlichen Fischerbooten überlaufen sein. Wir hoffen, bei früher Ankunft doch irgendwie einen Liegeplatz zu ergattern. Wir legen ab, diesmal schwimmt Vera zum Ufer und löst die Festmacherleinen unter den zweifelnden Augen der Jungs. Wir lichten den Anker, setzen die Segel und prompt setzt Flaute ein. Wir dümpeln vor uns hin in Erwartung von viel Wind, wenn wir nur erst „um die eine Felsnase“ herum seien. Die Hoffnung erfüllt sich nicht, und so wird der Motor wieder angeworfen. Es ist die letzte Fahrt für Vera und mich, denn nach einer weiteren Nacht auf dem Boot im Hafen werden wir aussteigen und unsere gebuchte Ferienwohnung beziehen.

Gemütlich nähern wir uns unserem Reiseziel. In Erwartung eines überfüllten Hafens steht Peter am Bug bereits vor der Einfahrt einen möglichen Anlegeplatz auszumachen. Viele Masten sind allerdings nicht zu sehen, und, surprise, surprise, es gibt Platz ohne Ende. Der Hafen ist irgendwie zweigeteilt: im Becken zur Stadt hin liegen all die angekündigten kleinen Fischerboote und ein, zwei Kutter. Im anderen Teil haben wir die Qual der Wahl. Diese Überraschung schreiben wir zunächst unserer frühen Ankunft zu. Es stellt sich aber heraus, dass es auch später und während der Folgetage recht beschaulich zugeht. Das übliche Anlegemanöver wird gefahren, das Boot wird festgemacht, das „Sonnensegel“ ausgebracht, und wir suchen die nächste Taverne auf. Die mit der Bestellung des Frappés oder Bieres gekoppelte Frage nach dem WiFi-Code wird positiv entschieden, so dass wir eingegangene Mails beantworten und Reiseberichte schreiben können während wir auf den Hafenmeister warten, der irgendwann auftauchen soll.

Nun, da wir an unserem Urlaubsort angekommen sind, ist Vera neugierig auf die von uns bei air bnb gemietete Ferienwohnung und macht sich auf den Weg. Peter, Kavalier der er ist, begleitet sie, um ihr im Zweifelsfall in dieser fremden Stadt beizustehen. Jörg und ich suchen derweil nach günstigen Flügen von Deutschland nach Athen für denjenigen, der nach uns das Boot besteigen soll (Crewwechsel). So kurzfristig ist allerdings nichts Preiswertes mehr zu finden von der Rhein-Main-Schiene nach Athen. Was bin ich froh, dass wir uns trotz aller Unwegbarkeiten recht früh festgelegt und gebucht hatten! Vera und ich bezahlen für unseren Flug von Athen nach Düsseldorf (nonstop) zusammen € 514. Nun aber liegt der günstigste Preis für ein Einzelticket bei über € 400!

Vera und Peter kommen zurück, Vera etwas skeptisch weil die Vorderseite der Hauses, in dem unsere Ferienwohnung sein soll, an einer viel befahrenen Straße liegt, und Peter… – WOW! – gestylt mit einem gepflegten Bart! Das macht schon was her! Jörg ist an einem solchen Upgrading als Mann nicht interessiert, schade…

Appetit stellt sich ein, und der Wirt bietet an, uns unsere Wünsche zu erfüllen, eine Karte gibt es nicht. Wir ordern Sardinen, Meeresfrüchte und Salat und erhalten das schlechteste Essen des ganzen Törns. Der Hafenmeister ist immer noch nicht aufgetaucht, und wir lassen den Tag in der von allen geschätzten Weise an Bord ausklingen. 

 

Samstag, der 10. Juni, Sonntag, der 11. Juni

Time to say good bye.

Vera und ich räumen die Damenkabine und packen unsere Sachen zusammen. Da wir auf unsere schönen Hartschalenkoffer verzichten mussten und im Packen von Reisetaschen und Seesäcken nicht geübt sind, wird entsprechend chaotisch gestopft. Nächstes Mal werden wir uns mit Handgepäck begnügen, denn Standard in den letzten Tagen war sowieso immer dasselbe: Badeanzug oder Bikini, kurze oder Schlabberhose, T-Shirt, Pullover und Sandalen. Die Kultur lässt sich beschränken auf Zahnpflege, Duschgel und Sonnencreme. Eine Regenjacke für den Fall des Falles würde wohl auch noch passen. Fertig.

Vera und ich genießen noch einmal das Frühstück an Bord, dann lässt sich der Aufbruch nicht weiter hinaus schieben. Da sich in unserem Luxus-Appartement (das übrigens nicht zur Straße, sondern zum Meer hinaus geht) eine Waschmaschine befindet, beschließen wir einen Waschtag für die „Jungs“. Und so machen wir uns mit Sack und Pack auf den Weg. Bei den warmen Temperaturen trocknet die Wäsche auf dem Balkon sehr schnell, so dass alles trocken wieder an Bord geschafft werden kann.

Für den Abend hat Vera im Internet eine Restaurantempfehlung gefunden, der wir folgen. Die Terrasse ist gut besucht, und wir entern einen Tisch direkt am Wasser. Nicht einmal unsere Getränkebestellung versteht die Wirtin (man spricht nichts anderes als griechisch!), die uns eine Menuekarte (immerhin mit englischen Untertiteln…) dann auch mehr oder weniger gleichgültig auf den Tisch wirft. So bringt das alles nichts, scheint sie zu denken und spricht jemanden vom Nachbartisch an. Und siehe da: ein Deutscher, der der Landessprache mächtig ist (oder vielleicht ein Grieche, der sehr gut Deutsch spricht?) kommt auf ihr Geheiß an unseren Tisch und nun wird´s richtig familiär und wir fühlen uns willkommen und gut aufgehoben. Eine üppige Speisen- und Getränkebestellung wird aufgenommen, und der freundliche (sehr charmante  ) Gast erzählt uns, dass er und seine Freunde öfter eigens aus Athen in dieses Lokal zum Essen fahren. Er soll recht behalten mit seinen Empfehlungen, das Essen ist perfekt. Garnelen in zwei verschiedenen Soßen, Tintenfisch, Sardinen, legendäre Pommes, Wein, rot und weiß, Ouzo. Wir sind mehr als zufrieden.

Jörg und Peter werden noch einen Tag länger in Nea Artaki bleiben, um in Ruhe die Yacht zu wienern, was wir vom Balkon unserer Ferienwohnung mit dem Fernglas gut beobachten können. Wir schauen am Sonntag noch einmal bei ihnen vorbei und verabreden uns ein weiteres Mal zum Essen am Abend. Morgen, am Montag, werden die beiden ihre Fahrt fortsetzen und uns Wassertaxi-Dienste nach Chalkida leisten. Vera steht ein letztes Mal am Ruder. In Chalkida muss Jörg allerdings wieder ´ran und den Kampf mit dem „mad water“ (https://en.wikipedia.org/wiki/Trela_nera) aufnehmen, eine legendäre Strömung unter der alten Brücke hindurch, die wohl auch der Grund für den Schwell in unserer Bucht war. Die Brücke öffnet nur einmal am Tag um 23:00 h. Und hier winken wir unserm Skipper und seinem „ersten Offizier“ zu letzten Mal zu. Danke für 10 wunderbar entspannte, für uns abenteuerliche Tage, gute Fahrt, und stets eine Hand breit Wasser unterm Kiel!

 

Urlaub 2017, 10 Tage Segel-Leben

Fazit oder „bitte geben Sie eine Beurteilung ab“: highly recommended!

Wie eingangs betont bin ich was Segeln anbelangt eine totale Laiin mit „Schiss inne Büx“
vorm Untergehen. Diese Segeltour würde ich jedoch jederzeit wiederholen!

Sicher hatte ich großes Glück, dass das Wetter uns hold war und wir fast nur Sonne und wenig Wind hatten, was eine gemütliche Seefahrt garantierte. Ambitionierte Segler wären sicher vor Langeweile gestorben. Ich jedoch habe das „easy going“ richtig genossen.

Voraussetzung für ein solches Unterfangen war für mich auch, dem Skipper vertrauen zu können. Und hier muss ich Jörg ein riesiges Kompliment machen: es gab nicht eine einzige Situation, die er nicht mit Ruhe und Professionalität gemeistert hat, sei es das Festsitzen im Schlick oder „gefangene Anker“ oder Ausloten von Anlegemöglichkeiten, oder, oder, oder. Darüber hinaus erklärte er mit einer Engelsgeduld und ohne ein einziges Mal laut zu werden seine Kommandos, wiederholte zum x-ten Mal geduldig was zu tun sei und übersetzte unsere Alltagssprache wie links, rechts, Strick oder Leine, ziehen oder losbinden geduldig in den Seefahrerjargon auf dass wir es am Ende noch lernen würden. Bereitwillig überließ er Vera auf ihren Wunsch hin das Ruder, nachdem er sie ausführlich instruierte und jederzeit mit Support und Tipps zur Verfügung stand.

Ihm zur Seite stand mit Peter ein ebenfalls erfahrener Segler, der es neben der Unterstützung des Skippers zudem übernahm, uns mit Köstlichkeiten zu verwöhnen. Beide „Jungs“ haben uns wirklich entspannte Tage bereitet. Keine(r) der Crew war ein Erbsenzähler, der sein eines Wasser gegen drei Bier des anderen aufgerechnet hätte, niemand nörgelte herum, kein Kommandoton verdarb die Stimmung, es war einfach rundherum perfekt. Dafür noch einmal ganz herzlichen Dank. Ich hoffe, ich darf noch einmal wieder an Bord kommen, obwohl ich eine Klampe immer noch nicht belegen kann 😉 …