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Peters Reisebericht 2019

 

Dieser Reisebericht beschreibt den Segeltörn wie ich ihn erlebt habe von Korfu, über Albanien, Montenegro und endet in Zadar in Kroatien. Es geht vom 13.07.2019. bis 07.09.2019

Wir liegen seit drei Tagen in Korfu bei Regen und werden wohl morgen nach Albanien segeln. 

Von da kann ich mich nur noch melden, wenn ich WLAN habe. In Albanien kostet die Minute telefonieren 5 €.

Sind am 13.07 nach einem guten Segeltag bei 3 Bft in Albanien angekommen. Sehr freundlicher Empfang und jetzt in die Stadt Sarande und Fisch essen.

 

Moin.

haben gestern abend fantastisch gegessen, Fisch im benachbarten Fischgeschäft ausgesucht, gegrillt, eine Fischsuppe, gegessen, lecker Bierchen, sehr zuvorkommende Bedienung, Trester und Nachtisch aufs Haus, zwischendurch noch eine Portion lecker Muscheln durch drei geteilt, Espresso und nach drei Stunden zurück aufs Schiff 55 € für alle, was möchte der Segler mehr? 

Am nächsten morgen früh durch die Straßen geschlendert und danach zum Frühstück aufs Schiff, um weiter bei bestem Segelwetter an der Küste gen Norden zu Segeln. 

 

Moin,

Wir sind gerade in der Marina Oricum (der einzigen Marina in Albanien) angekommen. Wollen morgen einen Tag ein Auto mieten und die Gegend erkunden. Das Land und die Leute sind einfach klasse, nur mit ihrem Englisch ist es oft schwierig. 

Während der ganzen 120 SM an der Albanischen Küste sehen wir immer wieder Bunker. Während der Zeit unter Enva Hoxha wurden über 700.000 Bunker gebaut, weil man sich gegen eine Invasion wehren wollte. Paranoia gibt es bis in die höchsten Kreise.

Diese Bunker nenne ich inzwischen Hoxhas, sie gibt es hier zu Hauf. Gefühlt alle 50 m.  Mir gefällt das Land aber sehr gut.

 

Moin, an alle.

Albanien ist ein super Land. Allerdings in allen Häfen (zwei haben wir angelaufen, einmal geankert) müssen wir mit einem Agenten immer wieder einklarieren und das kostet zwischen 50 und 70 €. Das grenzt schon an Wegelagerei. Keine Duschen, kein Wasser und heute liegen wir unter Entladungskränen und die Pier ist gut 2 m hoch, aber die Menschen in den Städten sind überaus freundlich und Fremden gegenüber sehr aufgeschlossen. Die Landschaft klasse.

Haben gestern Fisch gegessen. Werner und ich eine Platte für zwei für 27 € mit Beilagen und Getränken.

Kaffee auf meinen morgendlichen Entdeckungstouren zwischen 40 und 80 Cent. Sind zur Zeit in Durres und kreuzen heute weiter Richtung Montenegro. Müssen für Wifi immer in ein Café gehen. Melde mich im nächsten Café.

Peter

 

Die letzten 5 Tage in Albanien 

Waren sehr abenteuerlich in den Häfen. Seglerisch ist Albanien noch in den 20ger Jahren. Keine Duschen, WC, anlegen nur in Industrie Häfen. Riesen Schiffe beanspruchen unseren Liegeplatz, Boot verholen (umlegen ) neuer Platz, wieder ein großes Schiff, verholen und morgens das selbe, diesmal kein verholen.

Er liegt direkt neben uns. Ein Fischtrawler. Dass so ein Schrottkahn überhaupt noch schwimmt und es stinkt nach Fisch. Also ablegen und raus auf die See. Motoren, da kein Wind, Wind kommt auf aber aus der falschen Richtung, also volle Kreuz usw. und so fort, ab Richtung Montenegro.

 

24.07.2019

Wir sind in Bar. Hier können wir einklarieren, sprich uns  im Land anmelden.

Werden wohl erst einmal hier bleiben da die Ruderanlage spinnt.

Es gibt hier gute Duschen, WC und Strom. Klasse. Mache jetzt meine Morgenrunde und melde mich.

Wir legen einen Hafentag ein, um die Ruderanlage reparieren zu lassen, was Dank eines russischen Monteurs auch gut gelungen ist.

Der Wind läßt leider zu wünschen übrig, zu schwach.

Liegen jetzt 13 SM nördlich von Sv. Stefan in einer kleinen lieblichen Ankerbucht. Montenegro ist sehr gut erschlossen und auch hier sind die Menschen sehr freundlich. Haben ein neuseeländisches Segler Ehepaar wieder getroffen, welche schon in Albanien neben uns lagen. Sie haben uns mit ihrem Dingi mitgenommen und wir sitzen jetzt in einer Taverne und werden Essen.

 

Moin.

Wir sind jetzt in Herceg Novi am Eingang des Golfes von Kotova in einem kleinen sehr netten Stadthafen.

Haben Samstag und Sonntag einen Sturm an einer Muringboje abgewettert. Es hat die letzten 2 Tage fürchterlich geregnet. Jetzt scheint die Sonne und alles kann trocken werden. Werden die nächsten Tage den Golf von Kotova erkunden. Es soll hier traumhafte Ankerbuchten geben. Danach geht es nach Kroatien. Ausklarieren, einklarieren und Werner in der Nähe von Dubrovnik absetzen. Dann mit Jörg 3 Wochen allein Richtung Split. 

Ich sitze mal wieder in einem kleinen Kaffee und genieße die erwachende Stadt.

Grüße
Peter

 

Moin 

Wir sind jetzt in Kotor ganz am Ende des Kotova Golfes. Eine traumhafte Altstadt. Weltkulturerbe.

Werden heute in Montenegro ausklarieren und morgen in Kroatien einklarieren.

Die Kreuzfahrer Überfluten die Altstadt täglich. Wenn Sie am Nachmittag weg sind, ist die Stadt richtig gemütlich. 

Melde mich beim nächsten WiFi.

Peter

 

Moin, an alle,

Einklarieren heißt, sich in einem nicht dem Schengen Abkommen beigetreten Land anzumelden, ausklarieren eben abmelden. Das würde uns erwarten, wenn die EU zerbricht. Unsere Kinder kennen nur grenzenlosen Verkehr. Es wäre, meiner Ansicht nach, schön wenn sich die Grenzen zumindest in Europa noch mehr öffnen würden.

Wir sind jetzt in Dubrovnik. Werner ist jetzt abgestiegenen und Jörg und ich werden heute Dubrovnik erkunden und morgen die teure Marina (208 € inklusive Wochenendaufschlag für 2 Tage) verlassen. Ja, Kroatien ist für Segler kein Billigland! 

Gestern beim Einlaufen mussten wir einer brennenden Yacht ausweichen. Das Schlimmste, was auf See passieren kann. Zum Glück war es im Fjord. Und die Feuerwehr war schon da.

Die Marina ist klasse, was den Service betrifft. 

Sind heute mit dem Bus nach Dubrovnik rein und haben die Altstadt besichtigt. Sehenswert! Die Masse Mensch muß aber auch bewältigt werden. Versuch hier, über den Preis. 28 €, um auf der gut restaurierten Mauer die Altstadt zu Umrunden. Hab ich gemacht, bei 33 Grad, hat sich gelohnt. Siehe Fotos. Ich bin jetzt kaputt .

 

Moin.

Sind jetzt in Ston, 500 Einwohner. Ein befestigter Außenposten der Republik Dubrovnik (um 1500) im Jugoslawischen Krieg zerstört und klasse wieder aufgebaut. Liegt am Ende eines Fjords sehr idyllisch.

Gestern haben wir in einer Ankerbucht gelegen und waren des Nachts das einzige Schiff, was möchte man mehr. Ankern ist hier recht gut. Am Tage viele Motorbratzen, oft überfüllt, aber abends verziehen sie sich und es wird ruhig.

Sind in einer kleinen Bucht gelandet. Der Steg gehört zu Luca und seiner kleinen Taverne. Jörg hat Übelkeit und eben um 15:00 h von Luca heute das erste gegessen, Rinderbrühe. Diese Übelkeit hatte ich vor drei Tagen auch.

Werden auch morgen hier bleiben.

Im Mittelmeer macht man oft an Mooringleinen fest. Das sind mehr oder weniger dicke Taue, die an schweren Betonblöcken ca 30-40m vorm Kai versenkt sind. Ihr anderes Ende ist mit einer Hilfsleine am Kai festgebunden. Wenn wir rückwärts an den Kai ranfahren, müssen wir die Hilfsleine mit dem Bootshaken aufnehmen, damit schnell zum Bug gehen, dabei die Leine dicht holen und am Bug auf der Klampe belegen, um dann am Heck die bootseigenen Festmacherleinen am Kai zu belegen (festzurren). So läuft das.

 

Moin. 

Werde mich in den nächsten Tagen wohl nicht melden, da wir wahrscheinlich um die Mittagszeit ablegen werden und die nächsten Tage in Ankerbuchten schwimmen werden. 

Sitze wie so oft in einer kleinen Taverne bei meinem ersten Morgenkaffe, nachdem ich den kleinen 10? Seelenort in der Morgenfrische  (ca 24 Grad) erkundet habe.

Eine kleine Kapelle welche ich auf meinem Morgenspaziergang entdeckt habe.

 

Moin!

Bin wieder online. Haben 2 Tage in traumhaften Buchten verbracht. Man muss sich nur nachmittags trauen in einer Badeanstalt zu ankern. Um 19:00 h verabschieden sich alle Badegäste inkl. Motorboote und du bist völlig allein. Hier gibt es so viele Inseln und Buchten in der Nähe von Touristenzentren, dass diese am Tage sehr gut besucht sind. Leider ist die Adria aber sehr schlecht mit Wind ausgerüstet. Nur motort. Liegen jetzt nach zwei Abweisungen in einem kleinen Stadthafen. Sehr schön.

Essen zur Zeit Oktopussalat und Dorade. Natürlich bei einem Gläschen Wein.

Peter

Eines möchte ich noch erzählen!

In Bar, wo wir nach Kroatien einklariert haben, haben wir Marko mit seiner Familie auf seiner Segeyjacht Wisky kennengelernt. Ein Glücksfall!!!  Bei Luca haben wir in wieder getroffen. Er hat uns stundenlang Tips gegeben. Wo die besten Ankerplätze sind, wie der Kroatische Hafenmeister tickt, wo die Bojenragazzis sind etc.. Er hat sich stundenlang Zeit genommen. Die Tips segeln wir jetzt ab. Man kann nämlich in Kroatien mal eben gute 60-80€ dafür bezahlen, um in einer Bucht zu ankern; haben wir  bisher jedoch noch nicht erfahren müssen. Danke Marko.

Bojen Ragazzis sind Menschen, die teils lizensiert, teils unlizensiert Geld für Mooringbojen in Buchten verlangen.

 

Moin.

Bin wieder mal durch die erwachende Stadt geschlendert. Jetzt sitze ich in einem Kaffee und genieße den aufkommenden Wind. Es wird gleich Gewitter geben. Ich hoffe, dass dann die Schwüle der letzten zwei Tage vorbei ist. Werden heute wohl einen Hafentag einlegen und das Schiff vom Regen waschen lassen.

 

Moin.

wir sind jetzt in Vela Luca. Haben unsere Ankerbuchten verlassen, da der Kühlschrank seinen Geist aufgegeben hat. Scheiße. Verpflegung wird warm und Bier auch. Reparatur scheint sich schwierig zu gestalten, da kein Fachmann hier ist. Mal sehen. Jetzt habe ich meinen morgendlichen Spaziergang hinter mir, sitze beim Käffchen am Hafen und genieße die erwachende Stadt.

Haben die letzten zwei Nächte in sehr idyllischen Ankerbuchten verbracht. Tagsüber ist der Wind auf unserer Seite und wir konnten  traumhaft segeln. Gestern sind wir mit achterlichem Wind in den Hafen hier eingelaufen. Segel auf Schmetterling gestellt (heißt: Die Genua zur einen Seite und das Großsegel zur anderen Seite). Ist immer wieder für den Rudergänger, Peter, eine schöne Herausforderung da Mann den Kurs genau halten muss. Klasse. Dann hat uns auch noch ein anderer Segler unter Spinnacker (großes buntes Vorwindsegel) langsam im Fjord (hier Luke genannt) überholt.

Das ist Segelromantik.

 

Bis dann

Peter

 

Die Ausfahrt.

 

Eine der vielen Lucas (Ankerbuchten)

 

Unsere Yssabeau die zweite von links.

 

 

18.08.19, 08:20 – Peter Haslbeck:

Moin.

Sitze in einem Eiskaffee bei einer Tasse Kaffee. Haben gestern einen Hafentag eingelegt um einen Kältetechniker zu finden. Waren aber nicht erfolgreich.

Müssen wohl nach Split. Werden 4 Tage brauchen. Wir behelfen uns zur Zeit mit Eiswürfeln, welche wir zum kühlen in den Kühlschrank legen. Bedeutet: 24 Stunden Kälte, dann wieder Eiswürfel. Da wir die Eiswürfel aber in Ankerbuchten schlecht bekommen werden, müssen wir unsere Tour und den Essenplan anpassen.

Vorm Ablegen Lebensmittel kaufen, in einem Hotel um Eis bitten, da es hier kein Eis zu kaufen gibt, heute Abend aufessen und morgen abend wieder in einem Hafen Eis bunkern. Das selbe von Mittwoch auf Donnerstag und in Split auf eine Reparatur hoffen.

Da Sabine am Samstag in Split aufsteigen wird und Sie die Stadt auch gerne anschauen möchte haben wir dann 3-4 Tage für die Beseitigung dieses Ärgernisses. Wird schon klappen!

Euch eine schöne Zeit und bis zum nächsten Wifi.

Peter

 

19.08.19, 21:06 – Peter Haslbeck:

Moin.

Was es in der Welt so alles gibt, man glaubt es ja nicht!!!!

Man segelt in der schönsten Natur und dann fällt eine Flottille von 6 (Segelschiffe, die gemeinsam chartern) ein und beballern die ganze Bucht stundenlang mit Diskotheken Musik. Passiert gestern Abend. Ich um 22:00 h ins Bett, was sollst du machen. Jörg hat gemacht.

Gegen 23:00 h werde ich durch ein Geräusch, welches von Außenbords kommt, wach. Nachsehen, Jörg nicht mehr an Bord. Im Wasser Bewegungen eines Schwimmers.

Jörg hatte vorher schon erzählt, dass man denen die Landleinen kappen müsste dann haben die zu tun und es wird ruhig. Er tut es wirklich. 10 Minuten später großer Alarm bei der Flottille. Ich höre Stimmen, Geschrei, Taschenlampen und die Disko ist aus.

10 Minuten später kommt Jörg geschwommen und erzählt mir völlig euphorisch „jetzt hat’s a Ruha“. Er hat 5 Landleinen gekappt.

Das macht man nicht, aber die Situation hat es gefordert! Haben ruhig geschlafen.

Morgens werde ich geweckt von einer Stimme Außenbords. „Kapitän der Yssabeau kommen Sie bitte an Deck“. Jörg pennt, ich an Deck.

Wir sind von drei Flottillen Booten umstellt. Er erklärt mir das heute Nacht ein Schwimmer bei Ihnen war und versucht hat einen seiner Leute „ fast zu ermorden“ und sie die Polizei eingeschaltet haben. Ich, völlig überrascht, wie innerhalb von Stunden aus Leinen kappen ein Mordversuch wird, antwortete ihm, dass ich mir das gar nicht vorstellen kann, und er mich gerade geweckt hat.

Er beteuert mir dass das so war, entschuldigt sich für die Störung und fährt zum nächsten Schiff.

Das war die Erste Flottillen Geschichte.

  1.  Paul Webers Lithografie „ Das Gerücht“ fällt mir dazu ein.

Eine Stunde später. Eine Flottille von 50 (in Worten: Fünfzig) Schiffen beansprucht den Buchtabschnitt von uns und zwei weiteren Schiffen.

Ein Katamaran mit einer mindestens 1000 W Anlage beschallt die Bucht und fährt bis auf 20m an uns heran.

Laut schlägt leise.

Anker auf und in der nächsten Bucht ein ruhiges Frühstücken.

Morgen mehr.

Peter

 

 

20.08.19, 07:28 – Peter Haslbeck:

Moin

sind nach einem schönen Segeltag in Stari Grad auf der Insel Hvar. Älteste Stadt in Kroatien, Weltkulturerbe.

Sehr, sehr schön. Viele Touristen aber abends für einen Stadthafen ruhig. Kein Ballermann. Werden uns heute eine kleine Bucht suchen und dann morgen in der Marina Split einen Kältetechniker besorgen.

Bis dann

Peter

Gestern Abend unser Restaurante. Beim Lamm, klasse

 

22.08.19, 08:45 – Peter Haslbeck:

Moin

Haben vorgestern in einer kleinen Ankerbucht gelegen. Anker raus, 30 m Kette gesteckt, achtern zwei Leinen an Land geschwommen und an Steinen befestigt, Reste warm gemacht und eine sehr ruhige Nacht verbracht.

Ausgeschlafen, gefrühstückt und mit 0 Wind nach Split in die Marina Kastela motort.

Zur Zeit schwüle 34 Grad. Dann war Wäsche waschen angesagt. Die Yssabeau ist mit Bettwäsche, Unterhosen und T-Shirts beflaggt.

Unsere Ankerbucht

 

22.08.19, 08:50 – Peter Haslbeck

Marina Kastela, Fotografiert aus unserem, mit einem Sonnen Segel geschützten Cockpit.

 

23.08.19, 09:10 – Peter Haslbeck: ‎

Moin.

Der Kühlschrank läuft wieder, klasse. War gerade Einkaufen und hab ihn gefüllt.

Morgen kommt Sabine und übermorgen werden wir Split erkunden, freue mich schon sehr. Bis dann.

Peter

 

23.08.19, 09:10 – Peter Haslbeck:

 

23.08.19, 09:10 – Peter Haslbeck:

Das Wäsche Schiff

 

24.08.19, 08:21 – Peter Haslbeck

Das waren dann doch keine kleinen Fische…. Sondern ein ein ausgewachsener Schaden….. Man gut, dass es noch richtige Handwerker gibt und nicht nur Teiletauscher….

Dann man Prost… mit KALTEM  Bier!

 

 24.08.19, 08:21 – Peter Haslbeck:

Moin.

Hatten einen schönen Abend bei gegrillter Dorade und Wein auf dem Schiff von Lothar und Ruth. Mitsegler von Jörg, die zur Zeit mit ihrem Schiff auch hier unterwegs sind. War sehr nett.Werden uns bestimmt noch in den nächsten 14 Tagen nochmals irgendwo wieder treffen.

Der Defekt am Kühlschrank war folgender: Er hat in den letzten Tagen Jahren langsam Kühlflüssigkeit verloren. Dadurch stimmte das Mischungsverhältnis zwischen dem Öl aus dem Generator und der Kühlflüssigkeit nicht mehr und hat das System dicht gesetzt.

Die Fachleute haben einen klasse Job gemacht. Zwei Monteure haben 3 h lang das halbe Schiff zerlegt, um den Generator und die Leitungen frei zu legen, die Kühlelemente in dem Kühlschrank auszutauschen und den Thermostat zu wechseln. Gelötet, neue Kühlelemente mit einer speziellen Biegevorrichtung  angepasst, läuft.

Werde jetzt meinen Kaffee zu Ende trinken und dann Brot kaufen, um auf dem Schiff zu frühstücken.

Dobre Jutro

Peter

 

Teil 6: Segeln im Mittelmeer

14.07.2019

Am Sonntag, den 21.06. kamen dann planmäßig Dieter Mühlhausen und seine Freundin Ingrid an Bord. Ingrid war segelerisch ein völliger Neuling und darauf mußten wir uns einstellen. Dieter war bereits früher schon auf der Ostsee mit mir gesegelt und verfügte über entsprechende Segelerfahrungen.

Wie üblich wurde am Montag noch eingekauft und wir motorten dann durch den Kanal von Lefkas in Richtung Ionische Inselwelt. Eigentlich hatte ich Nidri als ersten Etappenort eingeplant, aber der Wind blies so verlockend, so dass wir bei der Insel Skorpios beschlossen, noch weiter zu segeln. Letztendlich landeten wir auf der Insel Meganisi und klapperten dort die Ankerbuchten unter Motor ab. Die guten Plätze waren natürlich alle schon von irgendwelchen Ankerliegern belegt. Man merkt, dass die Hauptsaison für die Charterer begonnen hat. 

Letztendlich ergatterten wir einen passablen Ankerplatz in der Bucht Ormos Abelike auf 15 Meter Grund und zwei Heckleinen zum Ufer. Ganz nett.

Bei eher schlappem Wind versuchten wir weiter in Richtung Zakynthos zu segeln, wo der nächste Crewwechsel stattfinden sollte. Letztendlich landeten wir aufgrund von widrigen Winden und mit viel motoren in Eufemia auf der Insel Kefalonia. 

Hier schafften wir gerade noch mit Mühe und Not ein Ankermanöver, bevor die Ankerwinde endgültig ihren Geist aufgab. Ein Aufholen der Ankerkette war nicht mehr möglich, die Winde drehte einfach durch.

Dieter und ich versuchten uns erst einmal an der Reparatur, um dann fest zu stellen, dass wir damit wohl ein wenig überfordert waren. Der Hafenmeister konnte helfen. Ein Mechaniker war auf einem anderen Schiff beschäftigt und würde sich dann später um uns kümmern, wenn er dort fertig sei. So warteten wir denn.

Nachdem wir beim Hafenmeister nochmals nachfragten kamen dann auch zwei freundliche Griechen und nahmen sich des Problems an.

Die erste Horrormeldung war, nachdem der Mechaniker die Winde betätigte, Zitat “You need a new Gearbox“ (Du brauchst ein neues Getriebe!). Er fummelte aber weiter.

Letztendlich – den Göttern sei’s gepriesen – stellte sich heraus, dass die Winde wohl nicht richtig zusammen geschraubt war und die Feder, die in die Antriebswelle greift, die die Kettennuß über den Motor antreibt, irgendwie verloren gegangen war.

Problem erkannt, morgen um 12:00 h sei man wieder da.

Der nächste Tag begann mit warten. Nachdem auf unsere Nachfrage hin der Hafenmeister den Mechaniker telefonisch kontaktet hatte, erschienen nach einiger Zeit auch zwei Leute, machten sich über die Ankerwinde her und nach einer halben Stunde war die Reparatur vollzogen. Kosten: 120,- € bar auf die Kralle. Kein Schnäppchen, aber angesichts der Situation durchaus noch akzeptabel, zumal das Ganze bis heute (07.07.) tadellos funktioniert.

Gegen 14:00 h konnten wir dann endlich ablegen, mußten allerdings dann mangels Wind entlang der Küste Kefalonias nach Poros motoren.

Der nächste Tag brachte uns nach anfänglich schwachem Wind, bei dem wir bis an die Südspitze Kefalonias motorten, noch eine schöne Brise aus NW, mit der wir – sehr zur Freude von Ingrid – dann nach Zakynthos segelten, wo wir dann im dortigen Yacht Club fest machten.

Hier fand dann auch der nächste Crewwechsel statt. 

Dieter und Ingrid hatten noch für eine Woche eine Ferienwohnung und ein Auto auf Zakynthos gemietet und Dieter holte die Nachfolgecrew, einen Teil meiner „Mädelstruppe“, mit dem Auto vom Flughafen ab.

Und den Einkaufsservice zum „Lidl“ gab’s auch noch.

Nun hatte ich also Ina, Chris und Susanne an Bord und es ging wieder nach Norden. 

Anfangs mit erstem Reff und Genua III (man staune) und voller Kreuz in Richtung Kefalonia, später dann mit voller Besegelung nach Poros.

Bei mäßigem Wind segelten wir dann am nächsten Tag weiter nach Norden, erst entlang der Küste von Kefalonia, dann nach Ithaka, wo wir zwischen der Insel Pegadhi und Ithaka ankern wollten. 

Bei der Erkundung der Durchfahrt zwischen den beiden Inseln mußten wir leider feststellen, dass hier irgend ein Idiot seinen Fäkalientank gelenzt hattte. Die Sauerei trieb zwar von dem Ankerplatz weg, motivierte uns aber nicht unbedingt gerade dort zu ankern. Andere bereits dort liegende Ankerlieger hatten das wohl gar nicht mit bekommen.

Wir starteten trotzdem einen Ankerversuch weiter in Luv von diesem Schweinkram, aber als wir beim Überbringen der Landleine sahen, wie Ina am Ufer gegen sie umzingelnde Wespen kämpfte und wir selber auf dem Schiff auch von Wespen umschwirrt wurden, gaben wir auf und zogen den Anker wieder hoch. 

Nachdem wir auf der Suche nach Alternativen ein paar Kreise durch die Bucht gezogen hatten – die infrage kommenden Ankerplätze waren natürlich alle belegt – motorten wir an der Küste Ithakas entlang und fanden schließlich einen passablen Ankerplatz mit Landleinen zum Ufer in einer netten Bucht weiter nördlich. Alleine waren wir dort natürlich auch nicht.

Der nächste Tag brachte mäßigen Wind, mit dem wir anfangs nach Norden trieben, um dann die letzten Meilen unter Motor nach Kioni zurück zu legen.

Ich hatte es schon befürchtet: Obwohl wir zeitig zur Mittagsstunde dort einliefen, war der kleine Hafen rappelvoll. Nicht eine einzige Lücke an der Pier und auch der Anleger, an dem wir beim letzten Besuch von Kioni am Kopfende gelegen hatten, war von Touri-Ausflugsbooten belegt und ein dickes-fettes Schild wies darauf hin, dass diese Mole für die Ausflugsdampfer reserviert sei. 

Also, keine Chance auf einen vernünftigen landzugänglichen Liegeplatz und so beschlossen wir, rüber nach Kalamos zu segeln, in der Hoffnung, dort aufgrund der Größe des Hafens noch einen Liegeplatz zu ergattern.

Aeolus hatte ein Einsehen mit uns und bei satten drei Windstärken aus NW segelten wir mit halbem Wind bis kurz vor die Hafeneinfahrt von Kalamos, wo uns George, der selbsternannte Hafenmeister mit seinem Motorboot in Empfang nahm und wie alte Bekannte begrüßte. Selbstverständlich fand er auch noch eine Lücke zwischen den bereits in langer Reihe an der Pier liegenden Yachten, in die er uns hinein dirigierte. 

Dafür gingen wir dann abends auch in seinem Restaurant essen.

Meine Mädelstruppe in „George’s Restaurant“ auf Kalamos

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag nach Vathi auf der Insel Meganisi in die dortige Marina, aber nachdem wir dort telefonisch nach einem Liegeplatz gefragt hatten und negativ beschieden wurden, erinnerte ich mich an meine Zeit in Nidri auf der Insel Lefkas, wo ich 2015 vierzehn Tage am Steg von Skorpios Yachtcharter gelegen hatte.

Ich hatte noch die Telefonnummer von damals und so konnte ich zu dem neuen Stegmanager – Conny – Kontakt aufnehmen und einen Liegeplatz für uns buchen. 

Richard, der Stegmanager von damals, mit dem ich so manches Bier in George’s Taverne „Ola Kala“ getrunken hatte, war offenbar nicht mehr da.

Fortsetzung gibt’s demnächst.

18.06.2019

Am Freitag, den 14.06. endlich hatte die Not ein Ende. Michael Bringmann und Erwin Gruber kamen plangemäß an Bord. Man glaubt es kaum, aber die vierzehn Tage alleine an Bord habe ich ohne größere Schäden an Leib und Seele überstanden. Die Zeit verging eigentlich recht schnell, ich hatte genug zu tun. Alleine die Einkauferei kostete mich schon einen Haufen Zeit.

Am Schiff gab es natürlich auch einiges zu tun: Ausgefranste Tauerwerksenden mit dem Lötkolben neu verschweißen, Schrumpfschläuche auf die Tauwerksenden schrumpfen, Niro putzen, die Bilge trocken legen – wo kommt eigentlich immer das Wasser her? – und, als Krönung des Ganzen, die Markierungen an der Ankerkette erneuern. Die Leute von HDM haben zwar die Kettenabstände im Winterlager irgendwie markiert, aber aus dem System bin ich nicht schlau geworden. Auch durch nachmessen wurde ich nicht schlauer. Also ergänzte ich die vorhandenen gelben und roten Markierungen noch durch blaue, so dass man zumindest die 10 Meter Abstände ausmachen kann.100 Meter Ankerkette per Hand aus dem Ankerkasten zu hieven, ist schon eine Tat.

Bevor meine beiden Mitsegler an Bord erschienen, galt es noch das Schiff zu putzen. Und schon waren die vierzehn Tage um.

Am Freitagabend gingen wir in der nahe gelegenen Taverne essen und beschlossen, am Samstag noch einzukaufen und aus Patras aus zu laufen. So haben wir das dann auch gemacht. Während die beiden den ortsansässigen „Lidl“ ausplünderten, klarte ich das Schiff auf, bunkerte noch `mal Wasser und ging ins Hafenmeisterbüro, um das Liegegeld für meinen sechzehntägigen Aufenthalt zu bezahlen. Insgesamt 162,35 € inklusive Strom und Wasser scheinen mir da durchaus noch moderat.

Viele Optionen hatten wir ja nicht, also ging es – für mich wieder einmal – nach Mesolonghi. Selbstverständlich war die Marina immer noch nicht in Betrieb; also ging’s an die Stadthafenpier, wieder ohne Strom.

Kanal von Mesolonghi

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich nach Astakos, aber Aeolus (für diejenigen, die`s nicht wissen: Der griechische Gott der Winde) war komplett gegen uns. Es wehte mäßig bis gar nicht aus der Richtung, in die wir wollten. 

Nachdem wir eine kurze Gewitterboe überstanden hatten, bei der wir kurzzeitg die Genua eingerollt haben, entschlossen wir uns in der Bucht von Petala zu ankern. Wirklich schöner Ankerplatz.Natürlich waren wir dort nicht allein, aber die Belegung hielt sich in Grenzen.

Erwin und Michael meinten, an dem steilen Ufer, vor dem wir ankerten, eine Höhle entdeckt zu haben. Die wollten sie am nächsten Tag erkunden.

Auf meinen Rat hin mit Schuhen an den Füßen und mit meinem wasserdichten Notfallbehälter, in dem sich Handy, Kamera, Taschenlampe u.a. befanden, im Schlepptau, schwammen die beiden dann los. 

Das ganze Unterfangen erwies sich als recht ambitioniert, wurde die zu schwimmende Strecke doch deutlich unterschätzt, das Ufer war von spitzen Muscheln und Steinen gesäumt und auf dem Weg zur Höhle wurde den beiden das Leben nicht nur von pieksigem Bewuchs schwer gemacht, sondern sie wurden auch von diversem Insekten-Viehzeug gepiesackt. Die Höhle haben sie dann auch nicht mehr gefunden. Dafür gibt es ein schönes Foto von der „Yssabeau“ und einem anderen Ankerlieger.

Bucht von Petala

Diese Aktion konnten wir uns leisten, weil wir danach nur noch knapp 12 Meilen bis Astakos hatten.

Noch in der Bucht von Petala zogen wir nach dem Ankeraufgehen das Großsegel hoch – das war’s dann aber auch erst einmal. Null Wind, so daß wir den größten Teil der Strecke motorten.

Die letzten Meilen hatte Aeolus dann doch noch Erbarmen und sandte uns einen „flotten Dreier“ mit dem wir halbwinds bis vor den Hafen von Astakos segelten.

Ankermanöver rückwärts an die Pier, es gab wieder helfende Hände, Strom und Wasser gab’s auch, alles o.k., „Olla Kalla“, wie der Grieche sagt.

Angesichts der eher flauen Wetterlage entschlossen wir uns möglichst rasch nach Norden zu kommen, was sich auch als richtig erwies. Wir motorten nach Kalamos, der Hauptstadt der gleichnamigen Insel. Kaum ein Windhauch, dafür knallte die Sonne.

George, der selbsternannte Hafenmeister und „Mooring Man“, aber in erster Linie der Betreiber des ersten Restaurants am Ende der Hafenmole, half uns professionell beim anlegen, sicherlich nicht ganz uneigennützig. Wir sind dann auch bei ihm eingekehrt und haben dort recht gut und auch nicht überteuert gegessen.

Kalamos ist ein wirklich netter Ort, noch relativ ursprünglich, aber leider haben dies auch andere Segler erkannt. Der Hafen war am Abend rappelvoll. Allerdings mußten wir auch kein Hafengeld bezahlen, Wasser und Strom gab’s aber auch nicht.

Hafen von Kalamos

Der nächste Tag bescherte uns dann Segelwetter vom Feinsten. Moderate zwei Windstärken brachten uns mit einigen Kreuzschlägen durch den Stenon Kalamon und dann halbwinds in Richtung der Insel Meganisi, wo wir dann allerdings mangels Wind in die Bucht von Vathi unter Motor einliefen.

Zum Anlegen gibt es dort mehrere Optionen. Wir entschieden uns für die Marina. Ein wenig Luxus war angesagt. Freundliche, hilfsbereite und kompetente Marineros empfingen uns mit dem Schlauchboot, wiesen uns einen Liegeplatz zu, halfen beim Festmachen, die junge Frau im Hafenbüro war locker drauf, alles in allem herrschte eine entspannte Atmosphäre und wir genossen einen ebenso entspannten Nachmittag bei Kaffee und Bier auf der Bistroterrasse der Marina, inklusive Hafenkino.

Die sanitären Einrichtungen sind allerdings, wie fast überall in den griechischen Marinas, für meine Begriffe eher bescheiden.

Zwei Klos und eine Duschkabine scheint mir etwas mager, obwohl alles sauber und gepflegt ist. Für mich sind diese Einrichtungen aber unbrauchbar. Eine Dusche ohne Sitzgelegenheit, vernünftige Ablage- oder Abhängemöglichkeiten für die Klamotten muß ich gar nicht erst konsultieren. Da komme ich ‚raus, wie ich ‚reingekommen bin. Schweißgebadet. Nur dass das T-Shirt nicht mehr so stinkt, weil ich mir ein frisches gegönnt habe. Da lobe ich mir meine Borddusche, alles an Deck, sitzen, frische Luft und Bewegungsfreiheit.

Für Erwin und Michael war das wohl in Ordnung, die haben’s genutzt und wohl auch genossen.

Letztendlich haben wir 36,- € für diese eine Nacht bezahlt, inklusive Strom (Wasser haben wir nicht benötigt), was ich angesichts des Ambientes auch nicht so ganz schrecklich überteuert finde, zumal man das dann durch drei teilt. Offenbar gewöhnt man sich im Laufe der Zeit an die Preise hier und wird da irgendwie schmerzfrei.

Michael und Erwin hatten ihren Flieger nach Hause am Samstag, den 22.06 von Korfu aus gebucht. Die Nachfolgecrew sollte in Lefkas zu steigen. Das war auch alles so abgestimmt.

Wir mußten jetzt nur noch entscheiden, wann wir in Lefkas einlaufen wollten. 

In Vathi hatten wir ein gut funktionierendes Internet und wir versuchten alle möglichen Reiseverbindungen von Lefkas nach Korfu heraus zu finden. Das war gar nicht so einfach und wenig ergiebig. Wir beschlossen, schon Donnerstagabend in Lefkas ein zu laufen, so dass die beiden den ganzen Freitag Zeit haben würden, um Ihre Reisemöglichkeiten zu erkunden.

Im Nachhinein aus meiner Sicht eine gute Entscheidung.

Bei Totenflaute legten wir in Vathi ab und ich startete erst einmal eine ordentliche Duschorgie an Deck.

Kaum war ich damit durch, gab’s auch schon ein wenig Wind, nicht ganz so aus der Richtung, in die wir wollten, aber ein paar Kreuzschläge brachten uns dann in die Einfahrt des Kanals von Lefkas. Ab da, war dann motoren angesagt.

Offenbar wurde der Kanal in den letzten Jahren irgendwie auf Vordermann gebracht. Es gibt eine rechtskonforme Betonnung (rot an BB, grün an Stb) und die Wassertiefe hat auch die Solltiefe von sechs Metern.

Auf der Hinfahrt in die Ägäis im Jahr 2015 sind wir ja dort noch im Schlick stecken geblieben.

Schöne Fahrt unter Motor durch den Kanal. Aber dann: Liegeplatzsuche. 

Wir hatten im Internet die Liegepreise der Lefkas Marina eruiert. 55,- €/Tag waren uns dann doch etwas zu happig, zumal es von der Marina in die Stadt noch ein kräftiger Fußmarsch ist. Also Stadthafen.

Ich hatte das schon geahnt: Lefkas ist Basis von diversen Charterfirmen und die belegen ein Gutteil der Stadthafenpier.

Mooringleinen kreuz und quer, Ankerketten dazwischen, wir quetschten uns irgendwie in ein freies Loch und kaum hatten wir, wie kann es anders sein, vor Buganker festgemacht, aufgeräumt, unser großes Sonnensegel aufgespannt, kam wieder einmal ein Grieche angelaufen und meinte, dass wir auf einem Platz einer Charterfirma liegen würden und dass wir morgen, also am Freitag dort weg müßten. Für die Nacht von Donnerstag auf Freitag sei das in Ordnung. Der Typ half uns auch noch das Stromkabel zu verlegen.

Wir beschlossen, erst einmal da liegen zu bleiben. Michael und Erwin erkundeten ihre Reisemöglichkeiten.

Ich hatte keine Lust, mich am nächsten Tag mit irgendwelchen Leuten anzulegen. Nach einem ausgiebigen Frühstück bauten wir unser Sonnensegel ab und gingen Anker auf, was auch problemlos klappte und suchten uns einen anderen Liegeplatz weiter nördlich, aber immer noch an der Stadthafenpier.

Nun werden wir ab abends um 23:00 h von einer Schicki-Micki-Disco beschallt, mit „0pen End“.

Die beiden sind dann am Samstagmorgen mit dem Taxi nach Igoumenitsa gefahren, um dann mit der Fähre nach Korfu über zu setzen. 

….. und ich lasse mich hier weiter beschallen, grauslich!

04.06.2019

Kaum hatten wir in Sami an der Pier hinter einem Deutschen Motorsegler festgemacht, kam auch schon ein Grieche auf seinem Moped angeknattert und lamentierte herum, dass wir hier nicht bleiben könnten. Dieser Platz sei nur für Motoryachten reserviert und demnächst (?) würde eine große Yacht kommen.

Der Typ vermittelte nicht den Eindruck einer Autoritätsperson und so beschlossen wir, erst einmal zu bleiben, worin uns der Deutsche auf dem Motorsegler vor uns auch noch bestätigte. War der etwa eine große Motoryacht?

Und wieder einmal passierte NICHTS! Mittlerweile habe ich ziemlich die Nase voll von sich aufplusternden Griechischen Möchtegernhafenbewachern, Liegeplatzorganisatoren oder Leinenanehmern, die von Nichts eine Ahnung haben, aber den Schlauen machen. Es nervt!

Am Donnerstag, den 23.05., segelten Dietmar und ich bei wirklich moderaten Winden zwischen 2 und 4 Bft. aus erst SW-licher Richtung, später dann W nach Kyllini, einem ziemlich grauslichen Fähr- und Fischereihafen an der Südwestspitze des Golf von Patras. Den kannte ich ja bereits und ich wußte genau, wo ich anlegen wollte, da es der einzige Platz war, wo es Strom und Wasser gab.

Mit uns zeitgleich war eine Dänische Yacht eingelaufen, die nach meiner Auffassung etwas ziellos im Hafen herumfuhr. Kaum hatte ich den von mir ausgeguckten Liegeplatz auf’s Korn genommen, kam diese Yacht mit einem Ehepaar besetzt, angerauscht und drängelte sich zwischen mich und die Pier. Ich verzichtete auf irgendwelche Aktionen und legte ein Stückchen weiter vor denen an. Meine Laune wurde dadurch aber nicht besser!

Wie bereits während unserer bis dahin gemeinsamen Segelzeit und in den vorherigen Häfen erwies sich Dietmar als wirklich kompetenter und vorausschauender Segler, auf den ich mich bei allen Aktionen verlassen konnte, auch wenn es manchmal unvorhergesehene Situationen gab, bei denen schnelles Reagieren angesagt war. Das war schon gut.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich hier seine Qualitäten als Handwerker, sprich Elektriker. Während einer Flautenfahrt unter Motor fummelte er die Anschlüsse des Autopiloten in der grauen Steuerungsbox (oder wie immer das Ding auch heißt) in dem Schapp hinter meiner Koje wieder zusammen. Da fiel immer wieder ein Stecker ab, so dass der Automat nicht funktionierte. Ich hatte es noch nicht einmal geschafft, den Deckel von der Kiste ab zu kriegen. So wie Dietmar das dann dargestellt hat, hat er alles nun mit Kabelbinderstrapsen fixiert und nichts kann mehr auseinanderfallen. Das hätten diejenigen, die in der Vergangenheit mehrmals an dieser Kiste herumgefummelt haben auch leisten sollen, haben sie aber nicht. Eben griechisch.

Wie geplant kamen am Abend Volker und Felix an Bord. Gemeinsam hatten wir das „Vergnügen“ zu beobachten, wie hinter uns ein großer Fischtrawler vor zwei Bugankern rückwärts an der Pier fest machte. Das Schiff war keine drei Meter von uns entfernt. Hut ab, die Jungs haben es drauf. Mir war ja dann doch etwas mulmig, ob sie mein Schiff während ihrer Rangiererei nicht doch vielleicht etwas platt machen würden.

Wir fanden noch eine Taverne mit preiswertem und leckerem Essen nicht weit vom Hafen entfernt und hatten noch einen netten Abend mit der neuen Crew.

Volker und Felix Siegert und ich

Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen noch im Supermarkt einkaufen gehen. Aber ein Beamter der Port Police forderte uns auf, unseren Liegeplatz schnellstmöglich zu verlassen, da weitere Trawler erwartet wurden. Flexibel, wie wir sind, beschlossen wir, nach Mesolonghi zu segeln und dort einzukaufen. Die vor uns liegenden Dänen waren nicht an Bord! Die sollten auch weg. (Hoffentlich hat ein Fischtrawler die beim Anlegen plattgemacht 😁)

Gesagt, getan, wir segelten ganz gemütlich nach Mesolonghi. Ein paar Schiffe lagen schon längs der Pier, kein Strom, kein Wasser, kein Hafengeld, nur der Weg in die Stadt zum Einkaufen war denn doch etwas weit. Meine drei Mitsegler haben es heldenhaft gemeistert.

Wir hatten alles, was wir brauchten und starteten am nächsten Tag (25.05.) bei achterlichem Wind in Richtung Navpaktos. Ich ließ mich “breit schlagen“, den Spinnaker zu setzen, was auch mit einigen kleinen Schwierigkeiten gelang. Dank des Einsatzes von Dietmar bekamen wir das Ding dann unvertörnt hoch und konnten ca. eineinhalb Stunden Spi-segeln vom Feinsten genießen. Leider mußten wir den Spi noch vor der Durchfahrt der Rion-Andirrion Brücke bergen, da wir sonst hätten shiften müssen. Das war mir dann doch zu aufwändig und wie sich im Nachhinein dann auch herausstellte, gut so, da der Wind auf fünf Bft. zulegte.

Dietmar Köhn unter Spinnaker Richtung Rion-Andirrion Brücke im Golf von Patras

Nur unter Großsegel unterquerten wir die Brücke, die Kommunikation mit der Traffic Control verlief diesmal problemlos, aber wir mußten dann bei fünf Windstärken und entsprechender Welle an dem Schwimmsteg von Navpaktos festmachen. Die Crew war eingespielt. Es klappte makellos.

Wir unterqueren die Riron-Andirrion Brücke, Dietmar am Ruder

Plangemäß verließ uns Dietmar am nächsten Morgen, um nach Hause zu fliegen. Wir, Volker, Felix und ich segelten nach Trizonia – kenne ich ja schon. Nichts aufregendes, außer, dass der Wind wieder einmal gegen uns war. Also kreuzen. Trotzdem waren wir früh dort, fanden einen guten Liegeplatz längsseits der Pier (selbstverständlich ohne Strom und Wasser, aber auch ohne Hafengeld), so dass Volker und Felix noch einem Badevergnügen? (Wassertemperatur 18 Grad) nachgehen konnten.

Am nächsten Tag (27.05.) ging es wieder einmal nach Galaxidhi. Drehende zu- und abnehmende Winde aus erst SE lichen, dann NE lichen Winden machten einige Segelmanöver notwendig, bis wir dann bei Flaute unter Motor in den Hafen von Galaxidhi einliefen und wie schon einmal gehabt, an der Außenseite der Pier längsseits festmachten, weil der Hafen selbstverständlich `mal wieder rappel voll war. 

Und, wie kann es anders sein: Schon wieder tauchte ein Grieche auf, der meinte, er müßte uns sagen, wo wir denn gefälligst festzumachen hätten, weil ja wieder ein großes Motorboot an der Stelle anlegen würde, an der wir gerade lagen. Es gab aber kaum eine andere Möglichkeit außer mit Buganker und Heckleinen außen an der Pier, längsseits einer Yacht mit Australischer Flagge, wobei der einhandsegelnde Australier sich durchaus als hilfsbereit und nett erwies.

Dem Griechen beschied ich erst einmal ein klares „No, I don’t move“, worauf dieser sich von dannen machte und sich auf einer Bank ein paar Meter weiter niederließ. Es stellte sich heraus, dass der Typ eigentlich der Besitzer des Tankwagens war, der die Yachten mit Diesel versorgen wollte, nichts anderes.

Draußen in der Bucht ankerte eine große Motoryacht vom Typ „Gin-Palast“ deren Crew bereits vor unserem Anlegemanöver an der Pier mit ihrem 300 PS Dingi festgemacht hatte. Die warteten wohl auf ihre Chartergäste, die sich auf Landgang befanden, um sich dann mit denen wieder an Bord zu begeben. So kam es dann auch.

Volker und Felix hatten sich zum Einkaufen in den Ort begeben. Ich saß allein an Bord und wie konnte es anders sein, zwei uniformierte Beamte der Port Police. tauchten auf und fragten in aller Höflichkeit, ob ich bereit sei, mein Boot anders wohin zu verholen. Die beiden Beamten erklärten, dass sie eigentlich gar nicht zuständig seien, aber sie seien von der Hafenverwaltung gebeten worden, mich zu fragen, ob ich bereit sei, Platz zu machen für die Motoryacht, die da kommen sollte. Das hatte ich so noch nie erlebt. Ich zeigte mich kooperativ und fragte, wo sie mich denn hin haben wollten. Ja, da war guter Rat teuer. Wir marschierten gemeinsam die voll belegte Hafenpier entlang, bis zu den Plätzen, wo die Fischerboote lagen, aber so richtig fündig wurden wir nicht.

Zwischenzeitlich hatte sich auch die Hafenmeisterin, oder was immer sie auch war, jedenfalls kassierte sie die Liegegebühren, dazugesellt und meinte, der Platz zwischen den Fischerbooten sei doch ideal. Diese Meinung konnte ich dann doch nicht teilen und wir einigten uns darauf, dass ich dann doch mittels Buganker und Heckleinen längsseits des Australiers am Molenkopf anlegen sollte.

Das Problem war allerdings, dass meine Crew nicht da war. Die waren einkaufen! Nun sollte ich die beiden über Handy anrufen, um sie zum Schiff zu beordern, um den Liegeplatz zu räumen. Dazu hatte ich allerdings nicht die geringste Neigung. Erstens, weil die beiden dadurch ohnehin nicht schneller am Schiff gewesen wären und zweitens zeichnete sich in keinster Weise ab, dass da irgendeine Eile notwendig gewesen wäre. So war’s auch. Während wir noch über telefonieren oder nicht telefonieren debattierten, tauchten die beiden vollbeladen mit ihren Einkäufen auf und, nachdem wir den ganzen Kram unter Deck gebracht hatten, fuhren wir das Manöver. Ablegen, Buganker fieren, rückwärts an den Molenkopf und mit Hilfe des netten Australiers lagen wir dann relativ gut. Alle waren’s zufrieden. Port Police, Hafenmeisterin und wir mehr oder weniger auch.

Wir gingen in der gegenüber liegenden Kneipe essen. 

Von hier aus durften wir dann auch das Anlegemanöver des Supertrumms von einer Motoryacht bewundern. Herumwuselnde Crew, dümmlich auf dem Achterdeck herumstehende Passagiere und an Land dienstbeflissene Helfer – wer braucht so `was? 

Zurück an Bord durften wir dann auch noch das sich ein Stockwerk über uns befindliche Gelage der offenbar der Sprache nach osteuropäischen Chartergäste genießen, welches bis ca. fünf Uhr morgens dauerte. Ich gebe es unumwunden zu: Meine Ressentiments gegen derartige Vertreter der menschlichen Gesellschaft wachsen zunehmend.

Warum diese Herrschaften nun umbedingt an der Pier anlegen mußten, ist mir immer noch nicht recht eingänglich. An Land waren sie schon vorher mit ihrem Dingi und die Hucke voll saufen hätten sie sich auch vor Anker draußen in der Bucht können.

Das Highlight gab’s dann noch am nächsten Morgen, wir saßen gerade beim Frühstück, als der erste von den Typen an Deck erschien und mit Hilfe einer Flasche Bier eine weitere Flasche öffnete, wie man das so macht, wenn man keinen Flaschenöffner hat, Kronkorken an Kronkorken, ein Schwall Bier ergißt sich über Deck, wen kümmerts. Offenbar ist an Bord dieser millionenschweren Luxusyacht ein Flaschenöffner ein unbekanntes Instrument oder nur für dahingehend ausgebildete Crew verfügbar.

Wie krank müssen solche Typen sein, um sich gleich nach dem Aufstehen morgens um 10 Uhr das erste Bier `rein zu zimmern?

Während unseres Frühstücks wurden wir dann auch noch mit deren Abgaswolke beglückt und Volker durfte dann auch noch an Land springen und deren letzte Landleine loswerfen. Ganz ohne fremde Hilfe geht’s bei „Millionärs“ dann wohl doch nicht.

Unser Start gestaltete sich erst einmal unspektakulär. Felix wollte unbedingt noch einmal ankern und so hatte ich eine – jedenfalls nach dem Handbuch – nette Ankerbucht etwas westlich des Kap Psaromita ausgeguckt. Kallithea.

Mit mäßigem Wind aus südöstlicher Richtung segelten wir ganz kommod Richtung Westen, bis sich eine umlaufende Flaute breit machte. Wir dümpelten in alle möglichen Richtungen dahin und sahen dann eine Yacht mit achterlichem Wind auf uns zu kommen, begleitet von weißen Schaumkronen auf den Wellen. Da kam was auf uns zu. So war’s auch. Schlagartig drehte der Wind auf West und legte auf sechs Windstärken zu.

Die Genua wurde verkleinert, das erste Reff ins Groß gebunden, dann das zweite. Zeitweilig wehte es mit bis zu 27 Knoten. Und natürlich volle Kreuz.

Als wir dann endlich abends um 19:00 h in der Bucht von Kallithea ankamen, waren wir froh, nach drei Ankerversuchen endlich einigermaßen ruhig zu liegen. 

Es gab zwar Fallwinde aus allen möglichen Richtungen und das Boot fuhr vor der Ankerkette hin und her, aber ich fühlte mich eigentlich ziemlich sicher. Felix verzichtete auf sein geplantes Badevergnügen.

Eine mit Öestereichern besetzte Charteryacht ankerte dann auch noch in einiger Entfernung und leistete uns dann auch noch Gesellschaft.

Der nächste Tag brachte dann zwar etwas weniger Wind, es waren aber immerhin noch fünf Windstärken aus WNW und natürlich volle Kreuz. Mit erstem Reff und auf Genua III Größe eingerolltem Vorsegel kreuzten wir den ganzen Tag über den Golf von Korinth auf, hin und her, bis wir dann um 18:30 h wieder am Schwimmsteg in Navpaktos festmachten. Das war schon etwas „heavy“, wie man so auf Neudeutsch sagt. Da frage ich mich, wieso ich eigentlich aus der Ägäis abgehauen bin, treffe ich doch hier auf die gleichen Windverhältnisse wie dort.

Der nächste Tag (30.05.) brachte dann etwas moderatere Windverhältnisse. Bei drei Windstärken aus SW hatten wir wenigstens ein „langes Bein“ – wie man so sagt – in Richtung Patras.

Wie ich schon an anderer Stelle erwähnte, sind die Schwimmstege, an denen die Gäste normalerweise anlegen, von einem Sturm zerstört und es gibt nur ganz wenige freie Plätze, die ansonsten von einheimischen Stammliegern belegt sind. Gut, dass ich mich bei meinem letzten Aufenthalt und dann noch einmal über Internet vorher angemeldet habe. 

Wie geplant verließen mich am Freitagmorgen nach dem Frühstück Volker und Felix, um zu ihrer Familienfeier nach Berlin zu fliegen.

Nun darf ich erst einmal die nächsten vierzehn Tage bis zum Eintreffen der neuen Crew hier alleine verbringen. Schau’n wir `mal, wie’s wird. Es gibt genug zu tun.

Ich werde berichten.

Mein „idyllischer“ Liegeplatz in der Patras Marina

10.05.2019

Weiter geht’s am Freitag, den 10.05., nach Kiato. Seglerisch nicht weiter aufregend. Ein typisch griechischer Fischereihafen, ohne irgendwelche Versorgungsmöglichkeiten was Strom und Wasser an der Pier an geht. 

Der Versuch, bei der Port Authority die TEPAI-Steuer zu bezahlen, war nicht erfolgreich. Stattdessen erklärte der Beamte uns, dass wir am nächsten Tag von unserem Liegeplatz verschwinden sollten, was wir natürlich nicht taten. Es passierte auch nichts weiter.

An diesem Tag kam wie geplant Claudia Nohle an Bord.

Da ja die Griechen behaupteten, dass die Bezahlung der TEPAI-Steuer nun übers Internet funktionieren würde, versuchten Johannes und ich uns daran. Irgendwie funktionierte das Internet im Hafen recht gut und siehe da, wir kamen auf die entsprechende Seite mit all dem Formularkram. Das klappte sogar. Auch die SEPA-Überweisung von meinem Konto an die Bank of Greece funktionierte. Nun bin ich mein Geld los, eine Bestätigung von den Griechen habe ich bis heute aber nicht. Geht man auf die entsprechende Internetseite erhält man die Nachricht „Under Construction“. Wenig hilfreich.

Am Sonntag, 12.05. machten wir uns dann bei mäßigem bis gar keinem Wind auf in Richtung Itea, einem Ort auf der gegenüber liegenden Seite des Peloponnes. Das ist der ehemalige Hafen des antiken Delfi. Die Stadt selbst, ist nicht der Hit, der Hafen ist o.k., es gibt Strom und Wasser, aber ansonsten ziemlich tot. Das Wetter war auch nicht so prickelnd und so beschlossen wir, uns ein Auto zu mieten und das Orakel von Delfi aufzusuchen. Gesagt, getan. Die 12 Euro Eintritt waren es wert. Das „Raufgekraxle“ durch die antiken Trümmer war für mich zwar wirklich mühsam, aber es hat sich gelohnt. Was die alten Griechen damals so gebaut hatten: Fantastisch. Und dann noch der Ausblick über das darunter liegende Tal und die umgebenden Berge: Grandios. Der Ausflug war’s wert. Und was hat uns die Pythia, das Orakel, geweissagt? …Nichts!

Das Theater von Delfi und die Tempelanlagen in grandioser Landschaft

Die fünf Meilen Fahrt nach Galaxidhi am nächsten Tag legten wir unter Motor zurück. Der Hafen war weitgehend von einer Flottille belegt, aber dennoch fanden wir einen Platz längsseits der Pier. 

Das sah alles nach ziemlicher Party aus, man baute eine kleine Bühne und Lautsprecherboxen auf. Aber als wir von unserem Tavernenbesuch zurückkamen, war alles wieder abgebaut und Friede, Freude, Eierkuchen.

Von Galaxidhi ging es nach Trizonia. Abgesehen davon, dass wir bei fünf Windstärken das erste Reff einbinden mußten, auch kein besonderes Ereignis. der Hafen war relativ leer, wir fanden einen Liegeplatz längsseits der Pier. Die alte Yacht, die seit ewigen Zeiten versunken im Hafen gelegen hatte, die Peter und Rico noch bei unserem letzten Besuch schnorchelnd erkundet hatten, war nicht mehr da. Ansonsten, das Übliche: Kein Strom, kein Wasser.

Der nächste Ort, den wir ansegelten, war Navpaktos, kurz vor der Brücke, die den Golf von Patras überspannt. Dahin mußten wir kreuzen, sogar mit einem Reff im Groß. Der alte, von den Venezianern erbaute Hafen ist so winzig, dass ich mich nicht getraut habe, dort an irgendeiner Anlegestelle an zu legen. Es gibt dort eigentlich nur drei Möglichkeiten, an einer Anlegestelle fest zu machen, die aber für ein Schiff, wie ich es habe, aus meiner Sicht ungeeignet sind, es sei denn, man versucht es mit Buganker und Heckleinen. Bei der vorgegebenen Windrichtung erschien mir das aber auch wenig sinnvoll, um ruhig schlafen zu können.

Navpaktos Hafen

Außerhalb der mittelalterlichen Hafenmolen gibt es mittlerweile einen Schwimmsteg, an dem wir dann festmachten. Diese Anlegemöglichkeit ist in den Handbüchern, die ich habe, nicht verzeichnet. Man liegt hier etwas unruhig, weil man dem Schwell bei Windrichtungen aus allen westlichen Richtungen ausgesetzt ist, aber Strom- und Wasserversorgung funktionierten.

„Yssabeau“ am Ponton außerhalb des Hafens von Navpaktos

Wir erkundeten den wirklich netten Ort, Claudia kletterte sogar den Berg zu der Venezianischen Festung hinauf, Michael, Johannes und ich zogen es allerdings vor, durch die kleine Innenstadt zu laufen, bei einem Bier das Flair der Altstadt zu genießen und noch ein paar Lebensmittel im Mini Market einzukaufen. 

Abends fanden wir eine wirklich nette Taverne in der Altstadt mit einem für Griechische Verhältnisse außergewöhnlichen Menüangebot. Sehr lecker und dabei auch noch preisgünstig. Wir waren umgeben von Einheimischen, das sprach für den Laden.

Johannes und Michael Harden, Claudia Kohle und ich n der netten Taverne in Navpaktos

Am nächsten Tag, Freitag den 17.05., gings dann unter der Rion – Andirrion Brücke hindurch nach Patras. Das Brückenbauwerk ist wirklich beeindruckend und gilt als die längste, an Tragseilen befestigte Brücke der Welt.

Laut Handbuch soll man die „Traffic Control“ über UKW fünf Meilen bevor man die Brücke passieren will, anrufen, was ich auch mehrmals versuchte. Außer einem unverständlichen Gebrabbel kam da keine Antwort. Ich wurde dann doch ein wenig nervös. Wir passierten die Brücke und das war`s.

Der Hafenmeister in Patras wies uns einen Liegeplatz zu, der konnte sich offenbar noch von meinem letzten Besuch im Jahr 2017 an mich erinnern. Sehr freundlich, sehr hilfsbereit und nett. Allerdings mußten wir gleich für zwei Nächte im Voraus bezahlen, unabhängig davon, ob man wirklich zwei Nächte blieb.

Wir waren bereits mittags in der Marina Patras angekommen, das Schiff wurde aufgeklart und geputzt und Michael und Johannes beschlossen, angesichts der verbliebenen Zeit, doch schon abzumustern, um noch einen Tag in Athen mit Sightseeing zu verbringen.

Unser neuer Mitsegler, Dietmar Köhn, war bereits auf dem Weg und Claudia und ich suchten das nahegelegenste Restaurant auf, um auf ihn zu warten. Das klappte auch per Whatsapp und Google-Earth. Um 21:00 h saß Dietmar bei uns am Tisch.

Claudia verließ uns plangemäß am Samstag nach dem Frühstück und Dietmar und ich gingen erst einmal einkaufen. Es gab sogar in fußläufiger Entfernung einen Lidl.

Nachdem wir unsere Einkäufe aufs Schiff geschleppt und verstaut hatten, beschlossen wir, doch noch nach Mesolonghi, auf der anderen Seite des Golfes von Patras zu segeln. Wir mußten dort zwar hin kreuzen, aber angesichts von drei Windstärken war das ein ziemlich entspanntes Segeln. 

In Mesolonghi gibt es eine Marina, in der ich 2015 auch schon einmal gewesen bin. Nach einschlägigen Informationen wurde dem Betreiber in den letzten Jahren allerdings die Betriebserlaubnis entzogen. Warum auch immer. Es gab in diesem Jahr unterschiedliche Informationen, ob die Marina nun wieder in Betrieb sei oder nicht. 

Während wir durch den Kanal von Mesolonghi motorten kontaktete ich die Marina über UKW und erhielt sogar eine Antwort: „It is not possible to enter the Marina!.“

Also fuhren wir an der Marina vorbei und legten an der Stadthafenpier (oder was immer das auch ist) längsseits an. Kein Strom, kein Wasser aber auch kein Hafengeld.

Bei anfänglichen moderaten Windverhältnissen legten wir am nächsten Morgen in Mesolonghi ab, motorten durch den Kanal und nahmen Kurs auf Astakos, einem Hafen auf der Festlandsseite. Der Wind brieste mehr und mehr auf und letztendlich liefen wir nur unter Großsegel vor dem Wind in die Bucht von Astakos ein.

Wie im Handbuch beschrieben, war dieser Hafen bei der vorhandenen südlichen Windrichtung sicherlich nicht die erste Wahl. Aber es gab keine andere. 

Wir mußten mit Buganker rückwärts zur Pier anlegen und das bei sechs Windstärken Seitenwind und entsprechender Welle. Das erste Mal in dieser Saison.

Es lagen schon mehrere Yachten an der Pier und wir boten ein ziemliches Hafenkino.

Der erste Versuch, den Anker aus zu bringen, scheiterte schon daran, das die Ankerwinsch die Kette nicht aufholen konnte und diese somit immer wieder über die „Nuß“ abslippte. Bis ich erkannt hatte, dass die Bremse des Ankerspills nicht fest genug angezogen war, verging einige Zeit, in der wir ein wenig hilflos mit hängendem Anker im Hafen trieben. 

Ich erklärte Dietmar, wie er mit der im Ankerkastendeckel befestigten Kurbel die Bremse des Ankerspills festsetzen konnte und nach zwei weiteren Ankerversuchen lagen wir dann, Dank vieler helfender Hände der umliegenden Segler, sicher vertäut an der Pier.

Einem in einer roten Weste herumwuselnden Griechen, der natürlich kaum Englisch verstand und der versuchte meine Leinen irgendwie und irgendwo völlig unsachgemäß festzubinden, machte ich erst einmal klar, wer hier das Sagen hatte und dass er abhauen sollte, was er dann auch tat.

Wir lagen sehr unruhig an der Pier aber im Laufe des Abends flaute der Wind zusehends ab und wir hatten eine ruhige Nacht. Strom und Wasser gab es auch.

Von hier aus ging`s rüber nach Kioni auf der Insel Ithaka. Der Hafen war rappelvoll. Eine Flotille hatte sich breit gemacht. Die einzige Chance auf einen Landzugang war vor Buganker rückwärts an den Molenkopf zu gehen, was nach drei Anläufen auch gelang. Das Schild mit der Aufforderung, man solle diesen Platz spätestens morgens um 11:00 h verlassen haben, da dort angeblich Ausflugsboote festmachen würden, entdeckten wir erst sehr viel später.

Als wir am nächsten Morgen um zehn nach elf Anker auf gingen, war von einem Ausflugsboot weit und breit nichts zu sehen.

Bei schwachem Wind segelten wir die Küste Ithakas entlang in Richtung Vathi. Da wir aber mitbekommen hatten, das die Flotille auch nach Vathi segelte, fuhren wir einfach weiter und machten in Sami an der Pier längsseits fest. 

14.05.2019

Von Lavrion nach Korinth

Michael Harden und sein Sohn Johannes trafen wie geplant am Samstag den 04.05. auf dem Boot ein. Die Leute von HDM Sailing waren immer noch mit diversen Reparaturen beschäftigt, vor allem die Elektrik machte Probleme. Irgendwann bekamen die das aber wohl in den Griff.

Wir gingen erst einmal im Supermarkt einkaufen, da Sonntags die Läden geschlossen hatten. Nachdem die Handwerker auf dem Schiff fertig waren, konnten wir unseren vom Supermarkt angelieferten Proviant auch stauen. Zum Abendessen ging’s in die Taverne. 

Für Sonntag war Starkwind angesagt und so kam es dann auch. Wir blieben im Hafen, was auch gut so war. Selbst im Hafen baute sich eine Welle auf, so dass das Schiff am Steg ganz schön zu Kehr ging. Weise Entscheidung.

Am Montag, den 06.05. ging`s dann los Richtung Äegina. Bei anfänglich moderatem Wind querten wir die Traffic Route nach Athen. Der Wind nahm ständig ab und drehte auf SW, also genau in die Richtung, in die wir wollten, um dann wieder zuzulegen. An kreuzen war nicht zu denken. Wir rollten die Genua ein und motorten gegen immer mehr zunehmenden Wind und Wellen. Das war kein Spaß! Unter der Südküste Äginas blies es dann mit 17 bis 25 Knoten, so dass wir uns entschlossen, auch das Großsegel wegzunehmen.

Nach einer Weile Bolzerei gegenan, wobei wir kaum voran kamen, entschlossen wir uns, nach Methana ab zu laufen. Das hatte den Vorteil, dass wir mit Genua III segeln konnten.

Das letzte Stück nach Methana mußten wir dann doch noch gegenan motoren und wir wurden ordentlich naß.

Das war schon ein starker Auftakt der Segelsaison, vor allem für Johannes, der ja noch nie vorher gesegelt war. Er hat sich aber tapfer geschlagen.

Michael und Johannes Harden

Am nächsten Tag, dem 07.05. sollte es nach Nea Epidauros gehen. Ich startete den Motor, der ein paar Sekunden lief, um dann gleich wieder auszugehen. Nach einigen vergeblichen Startversuchen war klar, das die Maschine keinen Treibstoff bekam. Ein Blick in den Motorraum und ein wenig pumpen an der Kraftstoffpumpe bestätigte das, spritzte der Diesel doch aus dem Schlauch dierekt vor der Pumpe. Der Schaden war schnell behoben. Gut dass das nicht gestern unterwegs passiert ist.

Unter moderaten Bedingungen segelten wir dann nach Nea Epidauros in einen fast leeren Hafen.

Für den darauf folgenden Tag war die Durchfahrt durch den Kanal von Korinth angesagt. Anfänglich hatten wir noch guten Wind zum segeln, der aber nach und nach abflaute, so dass wir die letzten Meilen zur Kanaleinfahrt motorten, um nicht all zu spät in Korinth an zu kommen.

Das Einklarierungsprozedere verlief unkompliziert, 155,67 € bezahlt, und nach einer Stunde warten, konnten wir den Kanal durchqueren. Für mich nun das dritte Mal, aber doch immer wieder faszinierend. Vom Kanalausgang motorten wir das kurze Stück zum Hafen von Korinth.

Warten auf die Freigabe zur Einfahrt in den „Mythos“ Kanal von Korinth
Kanal von Korinth

Vor uns lief gerade eine Flotille ein und auf dem Molenkopf stand ein wild gestikulierender Grieche, der uns bedeutete, nicht ein zu fahren. Das ineressierte mich aber nicht, da mir klar war, dass der Typ nichts zu sagen hatte. Ich hatte mir bereits überlegt, an der mittleren Innenpier des Hafens an zu legen, da ich den Platz ja von früher her kannte. 

Der Typ rannte um den ganzen Hafen herum, um unsere Leinen an zu nehmen, hatte aber offensichtlich keine Ahnung, wie man ein Segelboot anbindet. Mir war klar, dass das einer der im Hafen herumlungernden Existenzen war, die fürs Leinenannehmen ein Trinkgeld erwarteten. 

Ich war mit dem Platz nicht so richtig glücklich, da wir immer wieder leicht mit dem Kiel auf Grund aufsetzten.

Ich wollte da wieder weg aber der Typ beteuerte in miserablen Englisch immer wieder, dass dies ein guter Platz sei und das Schiff sicher sei. 

Da ich an der Kaimauer sehen konnte, dass das Wasser wieder steigen würde, entschloß ich mich, erst einmal dort zu bleiben, da es hier Strom und Wasser gab, was im anderen Teil des Hafens nicht der Fall war.

Mit einer Penetranz ohnegleichen redete der Typ auf uns ein, bis Michael ihm fünf Euro gab. Dann war er erst einmal weg, um nach einiger Zeit, bei der er sich bei der Flottille herumgetrieben hatte, mit einer weiteren, ebenso dubiosen Gestalt wieder zu kommen.

Keiner von denen konnte vernünftig Englisch aber sie versuchten uns klar zu machen, dass sie zu der Flotille gehörten und wir gut und sicher liegen würden. Denen glaubte ich kein Wort. 

Als sie merkten, dass bei uns nichts mehr zu holen war, zogen die beiden ab. Später stellte sich heraus, dass zumindest einer von denen sich auf einem kleinen Fischerboot, das im inneren Teil des Hafens lag, zu schaffen machte. Von wegen Flottilenmitarbeiter. Die haben uns die Hucke voll gelogen.

Einer von denen kam dann nochmals vorbei, um uns ein Bier ab zu schwatzen, welches er dann auch bekam, nur um ihn endlich los zu werden.

Einer derartige Dreistigkeit, wie sie diese beiden Typen an den Tag legten, war mir bisher noch nicht untergekommen.

Wegen der Entfernung zur Stromversorgungssäule mußten wir unsere beiden Kabel auslegen und mit einem Adapterkabel verbinden, um an die Steckdose zu kommen. 

Am nächsten Morgen dann die böse Überraschung. Unser erstes Kabel nebst Adapterkabel war weg. Geklaut! Das erste Mal in Griechenland, dass ich bestohlen wurde. Der Verdacht fiel natürlich sofort auf die beiden Typen, die wieder im Hafen herumlungerten; zu beweisen war das nicht.

Wir beschlossen in Korinth zu bleiben, da an diesem Tag das Bezahlsystem für die neue Steuer (TEPAI) funktionsfähig sein sollte und ich diese bei der Port Authority bezahlen wollte. Ein neues Kabel nebst Steckern brauchten wir natürlich auch.

Den Diebstahl wollte ich natürlich zur Anzeige bringen, aber der Polizist, den wir vor der Polizeistation trafen, verwies uns an die Hafenpolizei.

Also wir dort hin. Da konnten wir gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche erschlagen, dachte ich.

Wir waren in Griechenland! Selbstverständlich funktionierte das Bezahlsystem nicht, von Barzahlung wollte der Beamte nichts wissen und für die Diebstahlsanzeige wurden wir, nachdem der Beamte ein längeres Telefongespräch geführt hatte, auf den Abend verwiesen. 

Bei einem Eiskaffe Frapé beschlossen wir, uns ein Taxi zu nehmen und das antike Korinth zu besichtigen, der der Elektroladen, in dem wir nach Kabel und Stecker fragten zwar elektrische Haushaltsgeräte verkaufte, aber keine dreißig Meter langen Stromkabel nebst Steckern.

Für zehn Euro brachte uns eine Taxifahrerin bis an die antike Stätte und wir vereinbarten, dass sie uns in zwei Stunden dort wieder abholen sollte. 

Die römische geprägte Tempelanlage war ganz nett anzusehen und der Rundgang bot interessante Fotomotive, aber es waren eben antike Trümmer und die sehen nunmal für einen Laien mehr oder weniger gleich aus.

Nach etwas über einer Stunde waren wir damit durch und hatten noch Zeit für ein hopfenhaltiges Kaltgetränk in einer Taverne.

Das antike Korinth

Die Taxifahrerin kam auch pünktlich und wir fragten sie, ob sie uns zu einem Marineshop fahren könnte, dessen Anschrift Johannes vorher gegoogled hatte. 

Nach längerer Fahrt stellte sich jedoch heraus, dass dieser Laden in Isthmia war, was offenbar vorher nicht klar war. Kabel und Stecker gab’s dort jedenfalls nicht.

Wir erklärten der Taxifahrerin was wir suchten und sie fuhr uns zurück nach Korinth zu einem offenbar speziellen Elektrofachhandel. Hier gab’s alles, was wir brauchten. Wir mußten das nur noch irgendwann zusammenbasteln.

Nettes – griechisches – Erlebnis nebenbei: Als wir vor dem Laden in das Taxi stiegen und die Fahrerin den Zündschlüssel umdrehte, ging die Alarmanlage des Autos an. Mehrere Versuche mit dem Schlüssel das Auto zu starten, ohne die Alarmanlage in Gang zu setzen, scheiterten. Nunsaßen wir da und warteten auf den Chef des Taxiunternehmens den die Fahrerin angerufen hatte, damit er einen neuen Schlüssel brachte. Der kam dann auch, brachte einen neuen Schlüssel und schon hörte das gehupe auf. Wir fuhren in Richtung Schiff, wurden aber durch eine Straßensperrung umgeleitet, so dass wir nicht bis vor die Hafenmole fahren konnten.

Dies wiederum hatte den Vorteil, dass ich es nicht mehr so weit zur Port Police hatte, wo ich ja meine Diebstahlsanzeige aufgeben wollte. 

Während Michael und Johannes unsere Einkäufe zum Schiff brachten, suchte ich die Port Police auf.

Zwei nette junge Beamte nahmen sich meiner an, wußten aber auch nicht so recht, was sie machen sollten, nachdem ich geschildert hatte, was ich wollte.

Nach deren Aussage gab es zwei Möglichkeiten: Die erste sei, dass ich eine Verlustanzeige aufgebe und ich einen Nachweis für die Versicherung bekäme – was in meinem Fall keinen Sinn machte, lag der Schaden doch unter 50,- Euro – und die zweite Variante sei, ich gäbe eine Anzeige auf, dafür müßte ich im vorhinein erst einmal 50,- Euro bezahlen, die Sache würde dann vor Gericht gehen, wo ich dann persöhnlich hätte erscheinen müssen, um überhaupt eine Strafverfolgung in Gang zu bringen. Dazu hatte ich erst recht keine Lust, hatte die Ersatzbeschaffung des Kabels doch gerade einmal 34,- Euro gekostet.

Ich schilderte den beiden Beamten noch den Vorfall mit den beiden Typen im Hafen ohne diese direkt des Diebstahls zu bezichtigen, was ein gewisses Maß an Heiterkeit hervorrief. Die beiden waren wohl Drogenabhängig und den Jungs von der Polizei bekannt.

Ich zog zwar unverrichteter Dinge von der Polizeistation ab, war aber doch irgendwie zufrieden, auf Gehör gestoßen zu sein.

Demnächst geht’s weiter.

Teil 5: Segeln im östlichen Mittelmeer

15.07.2018

Auch wenn dieser Text nicht mehr ganz aktuell ist. Ich hatte ihn bereits vor einiger Zeit geschrieben, aber hatte keine Gelegenheit mehr, ihn auf dieser Homepage einzustellen. Nun also jetzt:

07.07.2018

Nun habe ich ja gewaltig lange nichts mehr auf meiner Homepage eingestellt. Jetzt habe und nehme mir auch die Zeit, ein paar Sätze los zu werden. Meine für Naxos bestimmte Crew hat die Fähre verpaßt und kommt erst morgen an. Zeit für mich.

In Skopelos verbrachten wir vier Hafentage, nicht nur um Fußball zu gucken, sondern auch wegen des Wetters. Tagsüber war es schwül-warm und gegen Nachmittag oder frühen Abend gab es dann Gewitter mit reichlich Blitz und Donner und wolkenbruchartige Regenfälle. Da wäre beim Segeln wohl nicht die rechte Freude aufgekommen. Das Wasser stand im Cockpit Zentimer hoch, bevor es abfloß, was auch dazu führte, dass sich eine Undichtigkeit unter der Steuersäule zeigte, die mir in meiner Koje nasse Füße bescherte.

Ich hatte sowieso vor, Lavrion anzulaufen, da konnte George mit seiner Truppe gleich nachbessern.

Die Zeit in den Sporaden war leider viel zu kurz. In dem wirklich niedlichen Örtchen Elios an der Südküste der Insel Skorpelos gönnten wir uns einen relaxten Hafentag, um dann die zwei Meilen nur unter Genua I in die s.g. „Schwarzwaldbucht“ (Ormos Panormos) zu segeln, wo man wirklich – fast wie im Schwarzwald – in einer von Pinien umstandenen Bucht vor Anker geht. Leider waren andere Segler auch schon auf die Idee gekommen und so ankerten wir direkt neben einer deutschen Yacht, deren Eigner uns sogar freundlicher Weise mit seinem Dingi die Heckleine ans Ufer aus brachte. Er und seine Frau kamen aus Bremerhaven und segelten schon eine ganze Weile in dem Revier. Netter Kontakt.

Wir ankerten in wirklich schönen Ankerbuchten (wie gesagt: Ormos Panormos, Ormos Patitiri auf der Insel Alonisos oder Ormos Peristeri. Ein Highlight war sicherlich die Ankerbucht Ormos Kyra-Panagias auf der gleichnamigen Insel im Naturschutzgebiet). Ich denke, Andreas und Udo kamen mit ihren Schnorchelaktivitäten auf ihre Kosten.

Die vier Tage, die wir in Skopelos verbrachten, blieben allerdings auch nicht ohne Folgen. Nunmehr mußten wir uns sputen, um rechtzeitig zum geplanten Crewwechsel in Porto Rafti zu sein. Geplant hatte ich ursprünglich über die beiden südlich gelegenen Sporadeninseln Skantzoura und Skyros nach Kymi an der Ostküste Euböas zu segeln; dazu langte die Zeit nun nicht mehr.

Vier Tage `rumschlaffen auf Skopelos und ein verlorenes Fußballspiel mußten bestraft werden. Weil es sich gerade so ergab und es ohnehin fällig war, wurden von einem gerade auf der Pier vorbei fahrenden Tankwagen noch 70 Liter Diesel gebunkert. Zum sagenhaften Preis von 1,69 €/L, was sich im Nachhinein als wahrer Segen entpuppte (nicht der Preis!).

Wir starteten in Richtung Kymi bei Totenflaute. Zu allem Überfluß ging die Logge nicht. In den vier Hafentagen hatte wohl ein wenig Dreck den Impeller blockiert. Motoren war angesagt. Den ganzen Tag über rührte sich kein Lüftchen und so blieb uns nichts anderes übrig, als die vierzig Meilen nach Kymi zu motoren. Meine Welt!

Kymi erwies sich als ein ziemlich ausgestorbener Fischereihafen. Wir erwischten einen Platz an einer kahlen Betonpier, Strom und Wasser gab es nicht. Morgens um 09:00 h parkte allerdings dann eine nette Dame ihren Kleinwagen neben uns auf der Pier und stellte sich als Vertreterin der Port Authority vor und kassierte 09,32 €.

Die 16 Meilen zum nächsten Hafen Petries legten wir am nächsten Tag so zu sagen „auf einer Rasierklinge“ dahin. Der Wind wehte aus Nordost, beginnend mit 3 Bft und letztendlich mit 5 Bft.

Petries ist ein reiner Fischereihafen und der war voll. Ich versuchte, in alle möglichen Lücken hinein zu kommen, wurde aber entweder von unfreundlichen Fischern abgewiesen oder es ging einfach nicht, entweder weil es zu flach war oder zu eng oder, oder, oder. Nachdem wir ca. eine Stunde in dem Hafen herumgekurvt waren, bedeutete uns ein Fischer, dass wir neben einem offensichtlich nicht einsatzbereiten Fischtrawler festmachen könnten. Das war die einzige Chance auf einen Liegeplatz, die wir nutzten.

Strom und Wasser gab es nur über Chipkarte (hatten wir nicht), aber immerhin lagen wir einigermaßen komfortabel.

Mit zuerst vier, dann fünf Bft, von hinten ging es am nächsten Tag die ca. 45 Meilen in Richtung Karystos an der Südküste Euböas. Das kannte ich ja nun schon. Sechs Stunden Rauschefahrt, herrliches Segeln. Meine beiden Mitsegler empfanden das hoffentlich auch so, sicher bin ich mir da nicht. Positiver Effekt: Die Logge hatte sich wieder frei geschaufelt und zeigte die Geschwindigkeit wieder an.

Wir legten längsseits der Fischerpier an – ich hatte keine Lust auf Ankermanöver rückwärts zur Pier und es gab nur ein einziges Fischerboot, welches dort lag – und prompt kam auch ein Grieche und brabbelte etwas von „Fischboat“ und „go Anker“. Das war kein Hafenmeister, und obwohl er etwas von „Port Police“ brabbelte bedeutete ich ihm, dass ich dort bleiben würde, wo ich bin und dass er mich in Ruhe lassen sollte, was er dann auch tat. Interessant ist ja, dass solche Typen immer erst dann auftauchen, wenn man sich mit dem Boot weitgeh

end etabliert hat. Vor- Achter- und Springleinen gesetzt hat, das Elektrokabel angeschlossen hat, inklusive Buchung des zu zahlenden Geldkontingents von der Chipkarte, die am nahe gelegenen Kiosk zu erwerben ist. Da hat man wenig Neigung, noch einmal den Liegeplatz zu wechseln, nur weil irgendein Hayopei da `rumlamentiert.

Wir verbrachten eine ruhige Nacht, streßfrei. Das vor uns liegende Fischerboot war weg, eine andere, größere Yacht machte noch vor uns fest. Das war’s.

Zum Abschluss wollte ich meinen beiden Mitseglern noch eine nette Ankerbucht gönnen. Bis zum Crewwechsel hatten wir nun noch einen Tag Luft. Zwischen Karystos auf Euböa und Porto Rafti auf Attika gibt es die Insel Megalo und an deren Südküste die Ankerbucht Ormos Vasiliko. Bei nördlichen Winden liegt man dort wie in Abrahams Schoß. Das waren von Karystos aus ca.10 Meilen und wir verbrachten dort noch einen sehr geruhsamen Nachmittag, den meine beiden Mitsegler mit Schnorcheln und Inselerkundung verbrachten.

Am nächsten Tag segelten wir bei mäßigem Wind aus SSE nach Porto Rafti, wo wir dann an einem bis dato nicht vorhandenen Schwimmponton längsseits festmachten. Bei meinen vorherigen Aufenthalten gab`s diesen Ponton noch nicht. Dieser erwies sich als wahrer Segen, hätten wir sonst doch keinen Liegeplatz gefunden. Ein bisschen wackelig, aber o.k.

Hier, in Porto Rafti, verließen dann am Samstagmorgen Udo und Andreas das Schiff und plangemäß stieg Edwin Mang dann dazu. Perfekt.

17.06.2018

Segeln in den Sporaden? Heute ist Fußball angesagt – Deutschland gegen Mexiko. Meine Crew und ich sitzen in einer Kneipe vor der Glotze, erstere um Fußball zu gucken, ich, um E-Mails zu schreiben und ein paar Sätze auf der Homepage.

Um es kurz zu machen: Nochmals nach Norden zu segeln, war eine gute Entscheidung. Stellte sich der Golf von Volos schon als ein nettes Revier dar (sieht man einmal von Volos-Stadt ab) so entpuppten sich die Sporaden als echtes Kleinod.

Die Insel und der Hafen von Skyathos war unser erstes Anlaufziel. Wie kann es anders sein, im Hafen von Skyathos haben sich schon diverse Charterfirmen ausgebreitet, so dass für einzelne Segler kaum noch Platz ist. Wir hatten Glück. Nach einer etwas ausgedehnteren Hafenrundfahrt, bei der wir bei diversen Anlegeversuchen von irgendwelchen unfreundlichen Mitarbeitern von Charterfirmen abgewiesen wurden, erwischten wir eine Lücke zwischen den an der Pier liegenden Charteryachten und das auch nur, weil gerade eine Yacht diesen Platz verließ. Dies aber auch nur Dank meiner Hartnäckigkeit und viel Geschrei.

Die Mitarbeiter der Charterfirmen schließen jede frei werdende Lücke, indem sie die Boote auseinander ziehen und so die Pier derart großzügig belegen, dass kein anderes Schiff mehr dazwischen paßt.

Ich bin frech in die gerade entstandene Lücke hinein gefahren, so dass die Charterjungs keine Möglichkeit hatten, ihre Schiffe zusammen zu legen. Wir wurden nicht gerade Freunde!

So, Fußball ist zu Ende. Deutschland hat 1 zu 0 verloren. Meine Crew will auf’s Schiff. 

Mehr gibt’s später.

03.06.2018

Seit gestern sind wir in Volos, einem der größten Häfen Griechenlands. Die Verhältnisse sind eher bescheiden. Die Pier des riesigen Stadthafens ist entweder von heimischen Dauerliegern oder von Charterfirmen belegt. Obwohl zwischen den hier liegenden Yachten hier und da noch ein Plätzchen frei wäre, werden wir bei unseren Anlegeversuchen mehrfach vertrieben. Nach einstündiger Hafenrundfahrt entdecken wir in einer Ecke eine Anlegemöglichkeit. Ein einziges Segelboot liegt an einem Piervorsprung und beim Näherkommen stellt sich heraus, das es die „Mentor“ von Wolfgang und Waltraud ist. Große Freude.

Der Hafen bietet nichts für uns, kein Strom, kein Wasser, aber dort, wo wir liegen, soll die Gästepier sein. Allerdings ist die Verkehrsanbindung nach Athen und Thessaloniki recht gut, also ideal für einen Crewwechsel.  Erwin und die beiden Michaels sind heute schon ausgestiegen, Jasmin, Udo und Andreas werden heute Abend ankommen.

Blick zurück: Nachdem Erwin und Michael in Nea Artaki zu uns gestoßen waren, segelten wir dann bei ständig wechselnden Windverhältnissen den Golf von Euböa entlang mit Stationen in Limni, einem sehr netten malerischen Dörfchen mit einem kleinen Hafen, dann über Loutra nach Oreos. Hier hat sich mittlerweile eine Charterbasis breit gemacht und dadurch war das Liegeplatzangebot  doch etwas knapp, auch wenn der Hafen recht groß ist.

Von Oreon aus segelten wir in den Golf von Volos zu der kleinen Insel Palaio Trikeri. Michael Bringmann hatte hier deutsche Freunde, die er aus Irland kannte und die wir treffen wollten. Wie sich herausstellte, hatten die beiden gerade auf der Insel ein Haus gekauft, um hier mehrere Wochen im Jahr zu verbringen. 

Wir trafen Peter und Marion mit ihrer Tochter und deren Freund und verbrachten einen sehr netten Abend in einem  von den  zwei in dem Örtchen vorhandenen Restaurants.

Mit achterlichen drei bis vier Windstärken ging es dann am nächsten Tag nach Volos, herrliches Segeln, so richtig zum „abgewöhnen“ für die dann scheidende Crew.

Saisonauftakt

27.05.2018

Endlich ist die „Yssabeau“ im Wasser. Natürlich mit entsprechender Verzögerung. Es waren noch reichlich „Restarbeiten“ zu erledigen.

Michael Harden kam planmäßig am Donnerstag an Bord, allerdings konnten wir erst am Samstag aus Lavrion lossegeln. Erste Station war Porto Rafti. Bei 3 bis 4 Bft. gerade richtig zum angewöhnen.

Auf dem Weg nach Karystos auf der Insel Euböa hat Michael die Vorschiffsluke nicht richtig geschlossen und das Vorschiff geflutet, inklusive seiner Tasche mit Wäsche. Das bescherte uns einen Hafentag zum Polster spülen und trocknen und Wäsche waschen.

Am Dienstag liefen wir bei moderaten 3 Bft. aus Karystos aus, aber kaum waren wir aus der Bucht heraus um die Ecke gebogen erwischte es uns mit vollen 6 Windstärken, natürlich aus der Richtung, in die wir wollten. Am Ende legte der Wind auf 26 bis 30 Knoten zu und wir rollten die Genua ein. Wir beschlossen in der Bucht Oreos Vasiliko auf der Insel Nisos Megalo Petali vor Anker zu gehen und befanden uns mit dieser Entscheidung in bester Gesellschaft.

Am nächsten Tag legten wir vorsichtshalber zwei Reffs ins Groß ein und setzten die Genua III, um dann in einer Flaute zu enden. Ausreifen half auch nicht so richtig, also mußte der Motor ran.Nach 1 1/2 Stunden motoren konnten wir wieder segeln und landeten dann in dem Hafen von Karavos/Euböa.

Nach einigem suchen trieben wir einen jungen Mann auf, der uns für 20,- € einen Chip verkaufte, mit dem wir an einer Servicesäule Strom und Wasser freischalten können sollten. Strom gabs dann auch, Wasser nicht.

Auf dem Weg nach Chalkis segelten wir erst bei moderaten 2 bis 3 Windstärken, um dann bei zunehmenden Wind auf die Genua III zu reffen. Das letzte Stück im Channel Steno Motoren wir dann und machten dann in der kleinen Marina südlich der Brücke von Chalkis fest.

Da wir ohnehin nicht am selben Abend durch die Brücke wollten, etablierten wir einen Stromanschluss und Michael suchte die Hafenbehörde auf, um die Brückenpassage für die nächste Nacht zu klären. Enttäuscht kam er wieder zurück, der Hafenbeamte wollte uns erst am nächsten Tag klarieren. Griechische Bürokratie!

Am nächsten Tag also noch einmal, 35,- € berappt und mit der Nachricht, dass die Brücke um 00:30 h öffnen würde konnten wir den Tag relaxt verbringen.

Um 00:15 h legten wir dann in der Marina ab, fuhren eine halbe Stunde vor der Brücke auf und ab, um selbige dann um 00:45 h mit etlichen anderen Yachten zu passieren. 

Den Rest der Nacht verbrachten wir längsseits der Pier nördlich der Brücke um uns dann am Freitag nach Nea Ataki drei Meilen nördlich von Chalkis zu verholen.

Und hier sind wir immer noch. Wir haben keine Lust gegen einen sehr wechselhaften und böigen Meltemi an zu kreuzen. Hier warten wir auch auf unsere beiden neuen Mitsegler Michael Bringmann und Erwin Gruber.

 

 

Juttas Reisebericht 2017

Urlaub 2017, 10 Tage „Segelleben“ vom 01. bis zum 10. Juni

Prolog

Segeln ist nicht meine Welt. Petroleum- und Dieselgeruch, die Enge von Koje und Kajüte, die ständige Angst vorm Untergang bei Schräglage des Schiffes unter Segeln und die gefühlte Klammheit aller Klamotten haben nichts Attraktives für mich. Zudem ist mir der Seglerjargon völlig fremd, und von Knoten und Segeln habe ich nicht die geringste Ahnung. Dennoch möchte ich mich auf 10 Tage „Segelleben“ einlassen, und zwar auf dem Boot meines alten Freundes Jörg, Eigner und Skipper einer Sigma 362, einem 36 Fuß Schiff, auf dem er mit wechselnder Crew den Sommer auf dem Mittelmeer verbringt. Geplant ist eine Tour in der nördlichen Ägäis von Thessaloniki vorbei an den nördlichen Sporaden bis Nea Artakis auf Euböa, wo ich das Segelschiff verlassen werde, um im Anschluss eine Woche Strandurlaub zu machen. Dies ist für mich ein echtes Abenteuer, von dem ich hier berichten möchte in einer Art Tagebuch aus der Sicht einer absoluten Laiin in Sachen Segeln. Wer es gerne professioneller hätte sollte sich die Berichte von Peter und Jörg für denselben Zeitraum ansehen.

 

Donnerstag, 01. Juni 2017

Seit Neuestem bietet Ryanair recht preiswert einen Direktflug von Dortmund nach Tessaloniki an. Also machen wir, Vera und ich, uns am frühen Morgen mit ÖPNV auf zum
Flughafen in Dortmund. Boarding und Flug verlaufen reibungslos, an Wegzehrung haben wir auch gedacht, Thessaloniki erreichen wir so satt und zufrieden nach ca 3 Stunden gegen 14:15 h. Die Marina Aretsou in Kalamaria ist dem Taxifahrer bekannt, und so kutschiert er uns für € 16 vom Flughafen direkt bis zum Hafenmeister. Nach kurzer Rückfrage wird uns die Richtung zum Liegeplatz 157 gewiesen.

Jörg und Peter haben aus einem gelben Bettlaken den perfekten Sonnenschutz gebaut, in
dessen Schatten sie uns sehr herzlich empfangen. Vera und ich sind von der Hitze (ca 25
Grad) so verschwitzt, dass wir ohne Umschweife gleich ins Badezeug schlüpfen und uns auf der Pier mit kaltem Wasser aus einem Wasserschlauch abkühlen. Erst dann sind wir in der Lage, das Begrüßungsbier zu genießen.

Nach einem ersten Austausch von Neuigkeiten und Einrichten unserer Klamotten in der
Vorschiffskoje stellen wir einen Essensplan für die nächsten 3 Tage auf. Mit der daraus
resultierenden Einkaufsliste ziehen Vera, Peter und ich los. Der erste Mini Market, den wir
anlaufen, hat zwar 24 Stunden geöffnet, ist aber wirklich mini. Obst, Gemüse und Fleisch gibt es dort nicht. Wir fragen uns also zu einem Supermarkt durch und haben Glück: 3 übervolle Einkaufskörbe mit fast allem Gewünschten werden uns sogar bis ans Schiff geliefert. Allein Fleisch muss in einer Metzgerei besorgt werden, was Vera und Peter übernehmen. Sie kommen mit derartig viel Fleisch zurück, dass wir den Vorsatz am heutigen Abend essen zu gehen fallen lassen, und Peter sich ans Kochen macht Das Menue besteht aus Salat, Spaghetti Bolo mit Parmesan und Wein und Bier.In der Abendsonne wird es auf dem Schiff serviert. Müde und erschöpft von den arbeitsreichen Tagen vor unserer Abfahrt und dem Krafttraining nach dem Abendessen (einige Gläser feinsten Ouzos, Marke Plomari, gilt es zu stemmen) sinken wir in unsere Koje.

 

Freitag, 02. Juni 2017

Die Nacht war ein wenig unruhig. Nicht wegen der Mücken (die hatten wir mittels einer Art
Gardine über der geöffneten Luke weitestgehend ausgesperrt), sondern wegen eines herumstreunenden Katers auf Veras Bettseite. Als sie den endlich erlegt hatte war es bis
Sonnenaufgang noch schön muckelig (warm) in der Koje. Nach einem üppigen Frühstück
erfolgt zunächst eine umfangreiche Sicherheitseinweisung und das Anpassen der
Rettungsweste durch den Skipper Jörg. Ich wähle das etwas schlichtere Modell einer Art
Gummikragen. Gegen 11:30 h heißt es Leinen los und mit dem Motor auf durch den
„Ententeich“ wie Peter das ruhige Meer bezeichnet. Vera wird eingewiesen am Steuer des
Schiffs und übernimmt unter Jörgs wachsamem Auge das Ruder. Nach ca. einer Stunde
frischt der Wind auf etwa Stärke 3 auf, so dass Segel gesetzt werden. Welch ein Gefühl! Die
Sonne scheint und die Sonnencreme klebt: das richtige Urlaubsfeeling stellt sich ein. Als
dann noch an backbord Delphine auftauchen ist der Tag perfekt. Den ersten sich
anbietenden Hafen (Limáni KÍTROUS) in 20 sm Entfernung lassen wir liegen, um als Tagesziel den zweiten (Lemenískos PARALÌA KATERÌNI) anzusteuern. Angekündigt als „one of the most touristic parts of Greece“ mit „good life“ scheint uns dieser als angemessen. Zu unserem Schrecken jedoch vereitelt Niedrigwasser unsere Einfahrt in den Hafen, wir laufen im Schlick auf. Seemännisch erfahren meistert Jörg die Situation mit Bravour, also soll´s Lemenískos LÌTORCHO werden. Allerdings stellt der Navigator Peter schnell fest, dass wir hier ähnliche Wassertiefen vorfinden werden wie soeben. Inzwischen ist es 17:00 h, und es wird entschieden, unter Motor doch die Marina Platamon anzufahren. Steuerbord grüßt der Olymp und wir schwadronieren ein wenig über den Schlawiner Zeus und phantasieren zum Leben der Götter. Fast halb neun erreichen wir den Hafen und werden zum Anlegen an
einen Pier direkt vor der Bar eingewiesen, Beschallung inklusive. Dies ist ein absoluter, gut
besuchter Touri-Ort. Jörg zaubert als Abendessen noch ein „Hähnchen süß-sauer“, und
geschafft von der Aufregung und dem anstrengenden Tag fallen Vera und ich ins Bett,
bewehrt mit Ohrstöpseln und Kopfhörer. Jörg und Peter nehmen noch ihren „night cup“ und genießen die Barmusik.

 

Samstag, 03. Juni

Nicht besonders früh, aber noch bevor das Städtchen und die Bar zu Leben erwachen, ist
Peter schon unterwegs zum Kaffeetrinken und Vera zum Schwimmen. Glockengeläut von der nahegelegenen Kirche spielt um 7:30 h und um 8:30 h eine helle Melodie, und etwas
zerknittert krabbel ich zum Cockpit des Schiffes. Eine Abkühlung im Meer ist unbedingt
nötig. Am Strand sind nur wenige „Frühaufsteher“ unterwegs, ein Fischer ordnet seine Netze und ein Angler träumt vor sich hin. Das Wasser ist angenehm kühl, so dass der Kreislauf langsam in Schwung kommt. Nach der Dusche im Gebäude der Bar sind auch alle wieder auf dem Boot und um den Frühstückstisch versammelt. Peter hat wie allmorgentlich alles vorbereitet (Kaffee, Tee, Wurst, Käse, Tomaten, leckeres Brot und alles was dazu gehört). Beim Frühstück erfahren wir, dass Vera mittels der an der Spitze der Koje befindlichen Fernbedienung in der Nacht das Fußende ihres Bettes höher stellen wollte. Jörg wird blass und fragt nach. Nein, es sei nichts passiert, nichts hätte sich bewegt, es habe nur ein lautes „Klock“ oder „ Klack“ gegeben. Kein gequältes „ouioiuuoioiooii“ ? fragt Jörg nach und ist beruhigt als dies verneint wird. Bei der Fernbedienung handelte es sich mitnichten um eine zum Verstellen des Bettes, sondern um die zur Bedienung der Ankerwinde. Und Weiteres lernen wir nach dem Frühstück, nämlich, dass „der Nüschel in der Backs“ läge. Es stellt sich heraus, dass Peter zum Befüllen des Wassertanks die Spritzdüse für den Wasserschlauch sucht und diese in der Backskiste liegt.

11:20 h legen wir ab mit Ziel Agiokampus ca. 20 sm südlich. Die Sonne ist uns hold, und ein
(sehr) leichter Wind weht. Wir können auch heute Segel setzen und setzen die Fahrt
gemächlich mit 2 bis 3 Knoten fort. Als der Wind zu einem Lüftchen abflaut gönnen wir,
Vera, Jutta und Peter, uns ein Bad im tiefen Meer. Nacktbaden ist in Griechenland eigentlich nicht erlaubt, aber hier, fern aller Zivilisation, genießen wir ein Stückchen Freikörperkultur. Das Wasser hat 21 Grad und ist angenehm erfrischend. Aus der Idee, sich am Fender hinter dem Boot herziehen zu lassen, wird leider nichts, denn es steht, weil der Wind sich gänzlich verflüchtigt hat. Also planschen wir ein wenig herum und genießen die Abkühlung. Nicht lange nachdem wir wieder an Bord und bekleidet sind frischt der Wind wieder auf, so dass es unter Segeln weitergeht. An Steuerbord begleiten uns Delphine, das Plätschern des Wassers ist einlullend, ein Mittagsschläfchen ist angesagt, und so kreuzen wir unserem Ziel entgegen. Um nicht erst in der Dunkelheit anzukommen, wirft Jörg gegen 17:30 h den Motor an und eine Stunde später erreichen wir unser Ziel Agiokampus. Der Hafen besteht aus einem Nord- und einem Südhafen, wobei der Nordhafen kleineren Booten vorbehalten ist. Im Südhafen legen wir längsseits an der Mole an. Unsere Nachbarn sind drei Fischkutter, die in den Augen einer Landratte wie ich es bin eher wie „Seelenverkäufer“ aussehen bestückt mit „Gerümpel“ und auf der Backbordseite mit großen Lampen. Auf den Booten sind die Männer mit dem Flicken von Netzen oder mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt. Es riecht nach Fisch, auf einem Schiff werden Eisblöcke angeliefert, und die „Hafenkneipe“ (bestehend aus einer Art Wohnwagenkiosk mit Tischen und Sonnenschirmen davor) ist gut besucht. Auf der Kaimauer hocken etliche Angler, die auf einen Fang hoffen. Auf unserem Boot bereitet Peter ein köstliches Lammgericht zu und serviert dazu Kartoffeln und Bohnen. Wir laden die Hafenpolizistin ein, die aus ihrem Auto steigt und um die Papiere sowie den Befähigungsnachweis des Kapitäns bittet. Sie lehnt dankend ab, alles ist in Ordnung, und wir verputzen die Köstlichkeiten bis auf den letzten Rest. Auch den Digestif, einen Ouzo, schaffen wir noch bevor das nahende Gewitter sich mit Regen entlädt.

 
 

 

Pfingstsonntag, 04. Juni

Die Nacht war kühl, und als ich mich um 7 Uhr im Cockpit niederlassen will sind Bänke und Boden nass, so dass ich mich zum Schreiben an den Navigationsplatz setzen muss. Die Kaimauer ist bereits besetzt von etlichen alten Männern, die wohl ausgesandt waren, den Fisch fürs Mittagessen aus dem Hafenbecken zu ziehen. Alle schlafen noch, und so setze ich mich auf den Navi-Platz und lasse den Vortag Revue passieren. Ich wandere auf der Kaimauer bis zum Nordhafen und sehe, dass die „Hafenkneipe“ bereits gut besetzt ist. Den Abfallcontainer finde ich auch. Sein Deckel ist zu Zweidritteln weggerostet, so dass mit einem Blick in die Tonne deren Zweck erst verifiziert werden muss. Auf meinem Weg zurück zum Boot vorbei an den Fischern werde ich fragend angeflüstert „fish?“ Ich gehe vorbei mit dem Hinweis der Kapitän sei zu fragen und komme rechtzeitig zum Frühstück beim Boot an. Peter hat in bewährter Weise alles vorbereitet, das Frühstück ist köstlich und insbesondere Jörgs liebevoll dekorierte Brote auf dem Frühstücksteller eine Augenweide, der Abwasch ist flott gemacht und die Reling klariert von Handtüchern und Wäsche. Vera ist mehr als tatendurstig, greift sich Gummihandschuhe, Eimer (Pütz!) und Schwamm und säubert die Bilge. Mehrfach entleert Jörg den Pütz über die Reling, es scheint sich einiges angesammelt zu haben. Bevor wir starten begeben Peter und ich uns derweil auf „Fischfang“ fürs Abendessen. Ein wenig warten müssen wir noch, denn so lange der Hafenpolizist auf dem Kai Patrouille fährt ist kein Handel möglich. Am ersten Kutter wird uns eine Plastiktüte mit einer Art Sardinen angeboten. So hatte ich mir eine Fischmahlzeit nicht vorgestellt. Also auf zum nächsten Schiff; auf dem dritten, der rostigsten dieser Rostlauben gibt es Makrelen, 5 für € 1 wie Peter verstanden hatte. Es stellt sich heraus, dass tatsächlich € 5 gemeint sind. 5 Fischlein zu diesem Preis sind uns zu wenig, weshalb wir um 8 bitten. 9 werden es dann, die aber wiederum € 7 kosten sollen. Das zu zahlen bin ich nicht bereit, also greife ich in die Tüte, um dem Fischer 1 Makrele zurückzugeben. Entnervt winkt dieser ab, und so ziehen wir mit unseren 9 Makrelen für € 5 von dannen. Um 10:40 h endlich legen wir ab. Totale Flaute zwingt uns zum Motoren. Wir laufen den ersten sich anbietenden Hafen Aigo Ioannis 20 sm südlich unseres Starthafens an. Es ist ein Winzding, und zu unserem Bedauern (?) schnappt uns eine Motoryacht den letzten verfügbaren Anlegeplatz vor den Nase weg. Nicht allzu traurig drehen wir ab, um weitere 18 sm bis Katigiorgis zurückzulegen. An Segel setzen ist nach wie vor nicht zu denken. Nach einer Runde Gerstenkaltschale und Kartoffelchips (Peter macht sich über den Rest Hähnchen süß-sauer her) erliegen alle bis auf den Steuermann dem postprandialen Erschlaffungssyndrom. In Katigioris angekommen liegen am Kai eine Reihe von Kleinmotor- und Schlauchbooten und zwei große Motoryachten. Die einzig freie Stelle scheint ein gelb markierter Bereich des Kais zu sein, der aber – wie sich herausstellte- für das Wassertaxi frei bleiben muss. Eine weitere Runde durch den kleinen Hafen lässt einen schmalen Spalt zwischen Motoryacht und Motorbötchen
erkennen. „Never“ denke ich, doch Jörg setzt beherzt zu Einparken an. Peter wirft auf Kommando den Anker ins Wasser und Vera und ich werden mit dem Werfen der Festmacherleinen beauftragt und damit, Abstand zu halten zu den Nachbarbooten. Leider ist niemand da, der die Leinen am Kai entgegennehmen kann. Also muss Vera an Land springen und sie selbst festmachen. Ein Mann mit Handy am Ohr erbarmt sich, legt das Mobiltelefon auf den Boden und greift sich die zweite Leine. Es ist vollbracht, die schmale Baubohle wird als Gangway ausgelegt, Vera und ich organisieren im Mini-Market eine Flasche Gin und an Bord gibt es nun den Anlegerdrink Gin-Tonic. Die Bucht diente vormals als Anlandeplatz für Fische, die für …. bestimmt waren. Aus dieser Zeit übrig geblieben ist eine berühmte Fischsuppe namens Kakaviar. Also beschließen wir, diese in einem der vier Restaurants am Strand als Abendessen einzunehmen. Der Nachbartisch ist belegt mit mehreren deutschen Familien mit ihren Kindern. Und so genießen wir „Zukunftsmusik“ und unser Essen. WiFi, das wir hier gern in Anspruch genommen hätten, ist derartig lahm, dass wir nach kurzer Zeit unsere Bemühungen aufgeben. Ein letzter Drink an Bord ist die Überleitung zur Nacht.

 

Pfingstmontag, der 05. Juni

In der Nacht hatte sich eine aufdringliche Fliege ins „Schlafzimmer“ verirrt mit dem Ergebnis, dass ich oft unvermittelt um mich schlug. Erholsamer Schlaf stellt sich erst am frühen Morgen ein. Alle, auch die Jungs, schlafen heute etwas länger. Um wach zu werden beschließt Peter, sich ins kühle Nass zu begeben und klettert über die Badeleiter ins Wasser. Mir ist das zu unheimlich zwischen den Booten hindurch ins Hafenbecken zu schwimmen, und so nehme ich den Weg über die Slipanlage. Hier muss ich aufpassen, unbeschadet an den Seeigeln vorbei zu kommen, doch es gelingt. Vera bevorzugt den Weg ins Wasser über den Strand, wo wir beiden uns dann treffen. Peter ist längst zurück auf dem Boot und kümmert sich in bewährter Weise um das Frühstück. Jörgs Stirn wird kraus und krauser ob des Sandes, den wir inzwischen alle an Bord geschleppt haben, doch Vera greift sofort zum Handfeger, um das Problem zu lösen. Peter und ich begeben uns mit den Makrelen an eine steinige Stelle des Ufer, wo wir die Fische ausnehmen und für die Zubereitung präparieren, um dies nicht auf dem Schiff erledigen zu müssen.

Bereit zum Auslaufen entscheiden wir uns für ein Ziel auf der Insel Evia, den Hafen von Oreoi, ca. 16 sm entfernt. Sonnenschein und eine Brise mit 3 Windstärken von hinten (achtern) garantieren eine „lady´s tour“. Die Segel werden gesetzt, Vorsegel und Großsegel in „Schmetterlings-Stellung“ gebracht, und mit einer Geschwindigkeit von ca. 6 Knoten gleiten wir zur Insel hinüber. Tiefe Zufriedenheit und Glücklichsein breiten sich auf dem Schiff aus. Mit Gerstensaft in der Rechten, dem Steuer in der Linken stimmt Jörg das Lied an von der Dame, die sein Herz am Band an der Taille trägt, an, nämlich die Kanaille (*). Vera wird überredet, das Steuer auch einmal unter Segeln zu übernehmen und erweist sich auch diesmal als sehr gelehrig, so dass Jörg und Peter sich zu einer kleinen Meditation zurückziehen können. Recht früh, so gegen halb vier, erreichen wir unser Ziel und finden einen wunderbaren Anlegeplatz direkt gegenüber dem Eingang zum Strand. Der Buganker hält, die Leinen sind fest, die Gangway ist ausgebracht, und dem Anlegerdrink steht nichts im Weg. Vera, Jörg und ich schlendern anschließend durch das Städtchen, um die Einkaufsmöglichkeiten auszubaldowern, während Peter auf dem Schiff Waschtag hat. Später treffen wir uns im Café am Anfang des Kais und setzen erste Mails ab, denn hier endlich gibt es mal vernünftiges WLan. Ein Bad im Meer schließt sich an mit einer schön warmen Dusche danach am Strand bevor es an die Zubereitung des Abendessens geht. Heute gibt es Makrele mit griechischem Salat und Brot. Drei Crewmitglieder genießen die Mahlzeit, während Jörg schon ein wenig säuerlich reagiert als der leckere Schafskäse im Salat unter Veras Rühren ziemlich zermanscht. Beratungsresistent lässt er sich nicht zeigen wie frau einen Fisch filetiert und die Gräten entfernt. Das Ergebnis ist ein Haufen total zerrissener Makrele auf dem Teller mit Gräten überall, die Jörg bei jedem Bissen aus den Zähnen pult. Nein, wenn überhaupt Fisch, dann nur grätenfreies Thunfischsteak oder Fischstäbchen! Dennoch findet der Abend ein versöhnliches Ende, denn sowohl der Retsina wie auch Rot- und Weißwein sind bekömmlich.

(*)
Refrain
Schön wie eine Blume war die Kanaille,
eine Kanaille als Blume getarnt.
Sie trug mein Herz am Band um die Taille,
ich armer Wicht, ich war nicht gewarnt.

 

Dienstag, der 06. Juni, Hafentag

Peter ist längst unterwegs als ich mich fürs morgendliche Bad im Meer rüste. Einige Nachbarschiffe sind bereits verschwunden und die ersten Neuankömmlinge steuern den Hafen an. Vera hat Kaffee und Tee gekocht und alles fürs Frühstück Notwendige in Position gebracht. Was fehlt ist Peter mit dem Brot. Wir bringen den genialen Sonnenschutz, das wunderbar gelbe, alte Betttuch an, damit wir im Schatten sitzen können. Wir trinken Tee und Kaffee und warten auf Peter. Um 10 h mache ich mich auf den Weg („der Herr, der schickt den Jockel aus,…“) und finde ihn im Café am Eingang zum Kai. Überrascht nimmt er zur Kenntnis, dass es bereits 10 h ist und verspricht sofort zu kommen. Das Frühstück mundet wie immer, Vera befürchtet, von den „alten“ Eiern Salmonellen zu bekommen, und im Übrigen wird es auch heute natürlich wieder gewittern 😉 (schmunzel). Nach dem Frühstück bastelt Vera einen Sonnenschutz in Verlängerung des Bimini (ein Sonnenverdeck, das aber nur dem Steuernden Schatten spendet). Ich nehme derweil eine Nachhilfestunde in Sachen Tauwerk. Ich lerne es gibt keine Stricke an Bord. Stattdessen haben wir Leinen, so zum Beispiel Reff- und Festmacherleinen, Schoten, Taue, Trosse, Fallen, Bensel, Zeisige und „Nursodas“. Besonders gefallen mir auch die Übungen zu den Seemannsknoten. Einen beherrsche ich ja schon ganz gut, den Webleinsteg. Damit bin ich geradezu dafür prädestiniert, die Fender anzubringen … . Einen anderen, den Palstek, liebe ich ganz besonders, weil ich auch hier wieder Überraschende lerne: ein „Öhrchen“ gibt es nicht dafür ein „Auge“. Das sieht zwar genauso aus wie das „Öhrchen“, heißt aber anders. Also: erst ein „Auge“, dann die „Schlange“, die eigentlich eine „Nursoda-Leine“ ist, von unten durch den
„Teich“ (der gerade noch Auge hieß). Die Schlange, die eigentlich die „Nursoda-Leine“ ist, sieht mich, bekommt Angst und läuft in einem großen Bogen, der später die Arbeitsschlaufe wird, weg vor mir (hahaha: die Leine sieht mich, bekommt Angst und läuft weg!). Dann schleicht sie von hinten unter Daumen und Zeigefinger durch und schlängelt sich von oben wieder in den Teich. Ich greife den Kopf der Schlange zusammen mit dem Ufer des Teiches und ziehe beides in die entgegengesetzte Richtung als den Schwanz der Schlange. Und schon habe ich die Arbeitsschlaufe, die ich nun um einen „Pal“ legen kann ohne dass sie sich zuzieht (im Ernstfall natürlich nicht die „Nursoda“-, sondern die Festmacherleine). So oder so ähnlich, der Palstek ist fertig.

Wir bleiben heute hier im Hafen und begeben uns in unser Lieblingscafé. Schreibzeit ist angesagt, zwischendurch ein Spaziergang zum Stier im Glaskasten, eine Postkarte für die Lieben daheim ohne Mailadresse erstehen wir auch. Die Wirtin des Cafés freute sich sehr über unsere Anwesenheit und sorgt für unser Wohlbefinden. Café Frappé, Eis, Baklava, Bier, Wasser mit Eis, Blätterteigtasche mit Füllung und alles, was das Herz begehrt verzehren wir während Peter, Jörg und ich Reiseberichte schreiben. Es ist heiß, 35 Grad, ich begebe mich zu einem Mittagsschlaf zum Boot, Peter und Vera gehen einkaufen und Jörg? Er bleibt noch ein wenig im Café. Kaum die richtige Schlafposition gefunden kommen die Einkäufer zurück, mit der Ruhe ist es vorbei. Die Einkäufe für die nächsten Tage werden angeliefert und müssen verstaut werden. Zur Abwechslung wird danach an Deck geduscht, Jörg zuerst (von Vera eingeseift, grins), dann Vera, und ich schließe mich an, nachdem ich mir das Vergnügen angesehen hatte. Steuerbord legen Bayern an, die sich das Schauspiel auf unserem Boot ansehen und dabei über Biersorten schwadronieren. Im Anschluss an das Duschvergnügen wird das Cockpit noch ausgepritzt, und nachdem die Sitzbänke wieder trocken sind wird Gemüse geschnitten für das Abendessen. Heute gibt es Aubergineneintopf mit Hackfleisch. Es sieht von der Menge her so aus als würde es die nächsten 3 Tage davon geben.

 

Mittwoch, 07. Juni

Ich wache auf und genieße wie die aufgehende Sonne das Vorstak mit der eingerollten Genua von der Spitze her mit goldenem Licht überzieht, was ich aus geschützter Position durch die Luke der Bugkajüte sehr schön beobachten kann. Alles ist ruhig, und so drehe ich mich noch einmal um. Wenig später wecken mich Regentropfen, die durch die weit geöffnete Luke fallen. Schnell sammle ich Sitzkissen, Handtücher, unser „Sonnensegelbetttuch“ und was sonst noch draußen herum liegt ein und bringe alles ins Trockene. Peter kommt vom Einkaufen zurück, muss aber sofort wieder los, weil er die Tüte mit der Wurst und den Käse in der Gemüseabteilung des Ladens hat liegen lassen. Inzwischen fallen nur noch ab und zu ein paar Tropfen, so dass wir beschließen, draußen im Cockpit zu frühstücken. Die Bänke und der Tisch sind schnell trocken gewischt, und alles ist aufgetischt. Um uns vor kleineren Regenschauern zu schützen, die ab und zu herunter kommen, bedienen Vera und ich uns zum Vergnügen der Jungs zweier Regenschirme. „Regenschirm auf einem Schiff, hahaha!“ Wir kümmern uns nicht darum was üblich ist und was nicht. Während wir lecker frühstücken legt unser Nachbarboot ab. Ein Ruck geht durchs Schiff. Sie haben unseren Anker „gefangen“. Jörg und Peter gehen nach vorn an die Bugspitze und beobachten das Manöver. Das Ende vom Lied ist, dass wir in aller Eile alles zusammenräumen und das Schiff zum Auslaufen klar machen müssen. Jörg hatte es geahnt: der, der unseren Anker anheben musste um freizukommen hat ihn über einen anderen gezogen und dann fallen lassen. So dürfen wir uns ebenfalls erst befreien bevor wir die Fahrt fortsetzen können. Jörg führt Vera und mir eindrucksvoll als Warnung vor Augen was er beabsichtigt mit Meuterinnen zu tun, die sich seinen Befehlen widersetzen würden, indem er einen Galgenstrick knotet, an dem selbige dann am Großmast hängen würden. Die Fahrt führt uns entlang der Küste von Euböa, mal unter Motor, zeitweise unter Segeln. Als (weit weg, ich geb´s ja zu) hinter uns eine Fähre ablegt, scheint mir, sie steuere direkt auf uns zu. Niemand beantwortet meine Frage nach den Vorfahrtsregeln. Beide Jungs grinsen sich eins, und ich verhalte mich wie der Strauss, der den Kopf in den Sand steckt, um nicht gesehen zu werden, indem ich meine Augen schließe und mich dem Schicksal ergebe. Natürlich steuert die Fähre weit hinter uns ihren Zielhafen an, aber wie ich im Prolog schon sagte: auf einem Segelboot wittere ich stets Untergang und Gefahr und fürchte mich dann.

Die Sonne scheint, und zu Jörgs Zufriedenheit können wir ein paar Meilen unter Segeln weiterschippern. Wieder wird ein Lied angestimmt von den Haien und den Walen, die sich an der Südpolachse aalen (*). Jörgs Laptop gibt dann noch den Song „Ich geh segeln“ und andere her, die Stimmung ist gelöst und sommerlich heiter. Eine Wassermelone wird verputzt, und Jörg übt sich im Kerneweitspucken. Wir müssen kreuzen, um unser heutiges Ziel LOUTRÁ AIDIPSOÙ anzusteuern. Der Hafen ist voll mit Fischkuttern und kleineren Fischerbooten. Wir loten die Wassertiefe an verschiedenen Stellen aus und ergattern den letzten freien Platz längsseits der Pier hinter einem Berliner. Gegenüber haben zwei große Fähren angelegt. Auf der Kaimauer befinden sich die üblichen Säulen für Strom und Wasser, die jedoch mit einer Geldkarte zu bedienen sind. In der Annahme, uns anmelden zu müssen, und mit der Absicht eine solche Karte zu kaufen, im Supermarkt noch fehlendes Gemüse zu erstehen sowie vielleicht irgendwo vorhandene Sanitäre Anlagen zu suchen, machen Vera und ich uns mit dem Päckchen der üblichen „Paper“ unterm Arm auf zur „Harbour Authority“. Einem Polizisten mit dürftigen Englischkenntnissen legen wir diese vor mit dem Hinweis wir hätten soeben angelegt. Zwei weitere Kollegen von ihm gesellen sich dazu, und nun beginnt eine Befragung nach woher und wohin und wohin danach, nach Crewliste und Passnummern, nach angeblich fehlenden Hafenstempeln usw. . All diesem fühlen Vera und ich uns nicht gewachsen, so dass Jörg übernehmen muss und die Angelegenheit zur Zufriedenheit aller regelt. Der Supermarkt ist schnell gefunden, auf die Karte für Wasser und Strom verzichten wir dankend (sie soll € 12 kosten und wäre nur dieses eine Mal zu verwenden), und die im Hafen vorhandenen WCs sind abgeschlossen. Nun denn,… Während Peter und Jörg das Abendessen vorbereiten sehen Vera und ich uns die Stadt an. Es handelt sich offenbar um eine Art Seebad mit warmer Heilquelle gegen Rheuma und sonstige Beschwerden. Wir verzichten auf das Bad im Mineralschlamm, suchen einen Schiffsausrüster und gehen zurück zum Boot. Heute gibt es Hähnchencurry mit scharfem Abgang, so dass mein Getränkebedarf zum Löschen des Feuers heute etwas höher ist. Irgendwie macht mich der Tag an frischer Meeresluft sehr müde, so dass ich mich trotz des Protestes der Jungs, die noch unterhalten werden möchten, früh in die Koje verabschiede.

(*)

Übers weite grüne Meer
Wo die Wasserkühe brüll´n
Wo die Nixen sich mit Well’ n
Und Schaum umhüll’ n
Wo die Haie mit den Walen
Sich an der Südpolachse aalen,
und wo der kleine Pinguin
einen Rollmops verdrückt,
oh, yeah, oh yeah

 

Donnerstag, der 08. Juni

Angesichts des Vollmondes und der Fische, die an der Wasseroberfläche im Hafen nach Insekten schnappten vermutete Peter gestern schon das Wetter würde umschlagen. In der Nacht hat es nun geregnet. Eine Mücke hatte sich trotz des Mückennetzes in unsere Koje eingeschlichen und sich an uns delektiert. Peter kommt, als wir dann wach sind, gut gelaunt mit frischem Brot zurück aus der Stadt. Er hatte auch bereits ein „Rheuma-Bad“ am Strand in der Nähe des Wellness Hotel genommen und gibt sich wie runderneuert. Vera wird von Jörg zum Kämmen „ihres güldenen Haars“ aufs Vorschiff verbannt, da Haare Gift für … (ja für was eigentlich?) sind. Ich suche derweil die Pier noch einmal nach einer Möglichkeit ab, Wasser zu bunkern und kann bei der Gelegenheit auch gleich den Fischern beim Flicken der Netze zusehen und ein paar Fotos machen.

Nach dem Frühstück gehen Peter und ich noch einmal in die Stadt zum Geldautomaten und um nach dem (nicht vorhandenen) Schiffsausrüster zu forschen. Wir könnten gut eine neue Klobrille gebrauchen, denn die alte war unter den Anforderungen einer Crew von vier Menschen mit ihren Bedürfnissen auch in Schräglage des Schiffes aus der Halterung gebrochen. Peter und ich sind allerdings nicht erfolgreich, und so müssen wir unverrichteter Dinge ablegen. Inzwischen lacht die Sonne auch wieder. Ich nerve Jörg so lange bis er mir tatsächlich noch einmal den Refrain des Liedes von der Kanaille vorsingt, das ich gern auf Video aufnehmen möchte. Er hat danach seine Ruhe und ich einen Ohrwurm.

Heute Abend möchten wir in einer Bucht ankern, schön einsam und ohne Lärm. So geht die Fahrt teils bei Sonne, teils bei Regen, teils unter Segeln, teils unter Motor entlang der Küste des Festlands. 27 sm südlich von Loutra Aidipsou soll die erste Anlaufstelle sein (Nsis lagonis). Peter macht Schnittchen, Vera übt sich weiter am Steuer . Bereits vor der Bucht reihen sich Fischfarmen eine nach der anderen. Unweit der Einfahrt sehen wir sogar eine Fischfabrik und, was uns abschreckt, am Ende der Bucht eine Industrieanlage, aus deren Schornstein grau-gelbe Wolken quellen. Was ist das? Auch ohne eine Antwort auf diese Frage zu finden entscheiden wir uns weitere 8 sm Richtung Süden zurückzulegen und Plan B umzusetzen. Da wir dort wohl etwas später eintreffen werden, bereiten Vera und ich die Bohnen und Kartoffeln für das für heute Abend vorgesehene Lammgericht schon einmal vor. Beim Einbiegen in O. Scorpon’eri sehen wir am gegenüber liegenden Hang verstreut einzelne Häuser oder Villen (wir vermuten Ferienhäuser, denn Menschen sind nicht zu sehen). Auch hier gibt es 2 kleine Fischzuchten. In der ihm eigenen Art erkundet der Skipper das Revier. Eine erste Möglichkeit zu ankern oder gar anzulegen an einem alten Pier bietet sich in einer Einbuchtung mit einem aufgegebenen Anwesen. Die Vermutung liegt nah es sei eine Kneipe gewesen mit benachbartem Wohnhaus, denn der Grill steht, nun verrostet, noch auf der ehemaligen Terrasse. Echolot und Peters scharfe Augen stellen fest, dass Felsen dicht unter der Wasseroberfläche ein Anlegen unmöglich machen. Also spähen wir weiter aus nach Anker- und Festmachermöglichkeiten. Vera ist das Geisterdorf ohnehin zu unheimlich. Windrichtung und Wassertiefe müssen wohl ebenfalls berücksichtigt werden, ein erster Versuch zu ankern scheitert, wir tasten uns weiter vor. Diese Stelle erweist sich, so attraktiv sie auch anfangs schien, als nicht geeignet für weitere Versuche. Unweit unserer jetzigen Position weist die Seekarte eine Einbuchtung zwischen einer kleinen Halbinsel und dem Festland als Ankerplatz aus, den wir nun ansteuern. Hier scheint alles zu passen, der Anker wird ausgeworfen und Peter macht sich bereit, an Land zu schwimmen und die Festmacherleinen (drei! Leinen müssen aneinander geknotet werden, um die passende Länge zu erreichen) dort um Steine zu legen. An Land zu kommen ist schwierig, denn die Steine sind hier scharfkantig und spitz, doch Peter bewältigt die Herausforderung zweimal mit Bravour, erklimmt nach der Aktion erschöpft die Badeleiter und braucht nun dringend ein Bier. Es dämmert bereits als wir unseren „Anleger“ (Gin Tonic) einnehmen. Während des Abendessens schütteln Wellen das Boot unerwartet durch. Ratlos rätseln wir herum woher dieser starke Schwell so plötzlich kommt. Wie dem auch sei: Digestif und ein Gläschen Wein genießen wir trotzdem, und eine Klönrunde beschießt den Tag in dieser einsamen Bucht.

 

Freitag, der 09. Juni

Während der Nacht hatte sich die Dünung gelegt, das Wasser ist wieder ruhig und Peter hechtet von der Bordwand beherzt mit einem Kopfsprung ins 22 Grad warme Nass. Wenig später sind wir anderen auch dabei und vergnügen uns beim Planschen um das Boot herum. So unbewohnt wie wir dachten scheinen die Häuser am Hang doch nicht zu sein denn drei Angler suchen Petri Heil bereits am Ufer als wir aufstehen. Nach unserem Badevergnügen trocknen wir in der Sonne, und wie am Vorabend setzt plötzlich wieder diese Dünung ein. Wir sind des Rätsels Lösung keinen Schritt näher gekommen. Vielleicht können wir der Sache bei nächster Gelegenheit mit Hilfe von Tante Google auf den Grund gehen. Während des Frühstücks beschließen wir, diesen Tag doch nicht hier in der Bucht zu verbringen, sondern das Endziel Nea Artaki 15 sm südlich schon anzusteuern. Der Hafen soll klein und von örtlichen Fischerbooten überlaufen sein. Wir hoffen, bei früher Ankunft doch irgendwie einen Liegeplatz zu ergattern. Wir legen ab, diesmal schwimmt Vera zum Ufer und löst die Festmacherleinen unter den zweifelnden Augen der Jungs. Wir lichten den Anker, setzen die Segel und prompt setzt Flaute ein. Wir dümpeln vor uns hin in Erwartung von viel Wind, wenn wir nur erst „um die eine Felsnase“ herum seien. Die Hoffnung erfüllt sich nicht, und so wird der Motor wieder angeworfen. Es ist die letzte Fahrt für Vera und mich, denn nach einer weiteren Nacht auf dem Boot im Hafen werden wir aussteigen und unsere gebuchte Ferienwohnung beziehen.

Gemütlich nähern wir uns unserem Reiseziel. In Erwartung eines überfüllten Hafens steht Peter am Bug bereits vor der Einfahrt einen möglichen Anlegeplatz auszumachen. Viele Masten sind allerdings nicht zu sehen, und, surprise, surprise, es gibt Platz ohne Ende. Der Hafen ist irgendwie zweigeteilt: im Becken zur Stadt hin liegen all die angekündigten kleinen Fischerboote und ein, zwei Kutter. Im anderen Teil haben wir die Qual der Wahl. Diese Überraschung schreiben wir zunächst unserer frühen Ankunft zu. Es stellt sich aber heraus, dass es auch später und während der Folgetage recht beschaulich zugeht. Das übliche Anlegemanöver wird gefahren, das Boot wird festgemacht, das „Sonnensegel“ ausgebracht, und wir suchen die nächste Taverne auf. Die mit der Bestellung des Frappés oder Bieres gekoppelte Frage nach dem WiFi-Code wird positiv entschieden, so dass wir eingegangene Mails beantworten und Reiseberichte schreiben können während wir auf den Hafenmeister warten, der irgendwann auftauchen soll.

Nun, da wir an unserem Urlaubsort angekommen sind, ist Vera neugierig auf die von uns bei air bnb gemietete Ferienwohnung und macht sich auf den Weg. Peter, Kavalier der er ist, begleitet sie, um ihr im Zweifelsfall in dieser fremden Stadt beizustehen. Jörg und ich suchen derweil nach günstigen Flügen von Deutschland nach Athen für denjenigen, der nach uns das Boot besteigen soll (Crewwechsel). So kurzfristig ist allerdings nichts Preiswertes mehr zu finden von der Rhein-Main-Schiene nach Athen. Was bin ich froh, dass wir uns trotz aller Unwegbarkeiten recht früh festgelegt und gebucht hatten! Vera und ich bezahlen für unseren Flug von Athen nach Düsseldorf (nonstop) zusammen € 514. Nun aber liegt der günstigste Preis für ein Einzelticket bei über € 400!

Vera und Peter kommen zurück, Vera etwas skeptisch weil die Vorderseite der Hauses, in dem unsere Ferienwohnung sein soll, an einer viel befahrenen Straße liegt, und Peter… – WOW! – gestylt mit einem gepflegten Bart! Das macht schon was her! Jörg ist an einem solchen Upgrading als Mann nicht interessiert, schade…

Appetit stellt sich ein, und der Wirt bietet an, uns unsere Wünsche zu erfüllen, eine Karte gibt es nicht. Wir ordern Sardinen, Meeresfrüchte und Salat und erhalten das schlechteste Essen des ganzen Törns. Der Hafenmeister ist immer noch nicht aufgetaucht, und wir lassen den Tag in der von allen geschätzten Weise an Bord ausklingen. 

 

Samstag, der 10. Juni, Sonntag, der 11. Juni

Time to say good bye.

Vera und ich räumen die Damenkabine und packen unsere Sachen zusammen. Da wir auf unsere schönen Hartschalenkoffer verzichten mussten und im Packen von Reisetaschen und Seesäcken nicht geübt sind, wird entsprechend chaotisch gestopft. Nächstes Mal werden wir uns mit Handgepäck begnügen, denn Standard in den letzten Tagen war sowieso immer dasselbe: Badeanzug oder Bikini, kurze oder Schlabberhose, T-Shirt, Pullover und Sandalen. Die Kultur lässt sich beschränken auf Zahnpflege, Duschgel und Sonnencreme. Eine Regenjacke für den Fall des Falles würde wohl auch noch passen. Fertig.

Vera und ich genießen noch einmal das Frühstück an Bord, dann lässt sich der Aufbruch nicht weiter hinaus schieben. Da sich in unserem Luxus-Appartement (das übrigens nicht zur Straße, sondern zum Meer hinaus geht) eine Waschmaschine befindet, beschließen wir einen Waschtag für die „Jungs“. Und so machen wir uns mit Sack und Pack auf den Weg. Bei den warmen Temperaturen trocknet die Wäsche auf dem Balkon sehr schnell, so dass alles trocken wieder an Bord geschafft werden kann.

Für den Abend hat Vera im Internet eine Restaurantempfehlung gefunden, der wir folgen. Die Terrasse ist gut besucht, und wir entern einen Tisch direkt am Wasser. Nicht einmal unsere Getränkebestellung versteht die Wirtin (man spricht nichts anderes als griechisch!), die uns eine Menuekarte (immerhin mit englischen Untertiteln…) dann auch mehr oder weniger gleichgültig auf den Tisch wirft. So bringt das alles nichts, scheint sie zu denken und spricht jemanden vom Nachbartisch an. Und siehe da: ein Deutscher, der der Landessprache mächtig ist (oder vielleicht ein Grieche, der sehr gut Deutsch spricht?) kommt auf ihr Geheiß an unseren Tisch und nun wird´s richtig familiär und wir fühlen uns willkommen und gut aufgehoben. Eine üppige Speisen- und Getränkebestellung wird aufgenommen, und der freundliche (sehr charmante  ) Gast erzählt uns, dass er und seine Freunde öfter eigens aus Athen in dieses Lokal zum Essen fahren. Er soll recht behalten mit seinen Empfehlungen, das Essen ist perfekt. Garnelen in zwei verschiedenen Soßen, Tintenfisch, Sardinen, legendäre Pommes, Wein, rot und weiß, Ouzo. Wir sind mehr als zufrieden.

Jörg und Peter werden noch einen Tag länger in Nea Artaki bleiben, um in Ruhe die Yacht zu wienern, was wir vom Balkon unserer Ferienwohnung mit dem Fernglas gut beobachten können. Wir schauen am Sonntag noch einmal bei ihnen vorbei und verabreden uns ein weiteres Mal zum Essen am Abend. Morgen, am Montag, werden die beiden ihre Fahrt fortsetzen und uns Wassertaxi-Dienste nach Chalkida leisten. Vera steht ein letztes Mal am Ruder. In Chalkida muss Jörg allerdings wieder ´ran und den Kampf mit dem „mad water“ (https://en.wikipedia.org/wiki/Trela_nera) aufnehmen, eine legendäre Strömung unter der alten Brücke hindurch, die wohl auch der Grund für den Schwell in unserer Bucht war. Die Brücke öffnet nur einmal am Tag um 23:00 h. Und hier winken wir unserm Skipper und seinem „ersten Offizier“ zu letzten Mal zu. Danke für 10 wunderbar entspannte, für uns abenteuerliche Tage, gute Fahrt, und stets eine Hand breit Wasser unterm Kiel!

 

Urlaub 2017, 10 Tage Segel-Leben

Fazit oder „bitte geben Sie eine Beurteilung ab“: highly recommended!

Wie eingangs betont bin ich was Segeln anbelangt eine totale Laiin mit „Schiss inne Büx“
vorm Untergehen. Diese Segeltour würde ich jedoch jederzeit wiederholen!

Sicher hatte ich großes Glück, dass das Wetter uns hold war und wir fast nur Sonne und wenig Wind hatten, was eine gemütliche Seefahrt garantierte. Ambitionierte Segler wären sicher vor Langeweile gestorben. Ich jedoch habe das „easy going“ richtig genossen.

Voraussetzung für ein solches Unterfangen war für mich auch, dem Skipper vertrauen zu können. Und hier muss ich Jörg ein riesiges Kompliment machen: es gab nicht eine einzige Situation, die er nicht mit Ruhe und Professionalität gemeistert hat, sei es das Festsitzen im Schlick oder „gefangene Anker“ oder Ausloten von Anlegemöglichkeiten, oder, oder, oder. Darüber hinaus erklärte er mit einer Engelsgeduld und ohne ein einziges Mal laut zu werden seine Kommandos, wiederholte zum x-ten Mal geduldig was zu tun sei und übersetzte unsere Alltagssprache wie links, rechts, Strick oder Leine, ziehen oder losbinden geduldig in den Seefahrerjargon auf dass wir es am Ende noch lernen würden. Bereitwillig überließ er Vera auf ihren Wunsch hin das Ruder, nachdem er sie ausführlich instruierte und jederzeit mit Support und Tipps zur Verfügung stand.

Ihm zur Seite stand mit Peter ein ebenfalls erfahrener Segler, der es neben der Unterstützung des Skippers zudem übernahm, uns mit Köstlichkeiten zu verwöhnen. Beide „Jungs“ haben uns wirklich entspannte Tage bereitet. Keine(r) der Crew war ein Erbsenzähler, der sein eines Wasser gegen drei Bier des anderen aufgerechnet hätte, niemand nörgelte herum, kein Kommandoton verdarb die Stimmung, es war einfach rundherum perfekt. Dafür noch einmal ganz herzlichen Dank. Ich hoffe, ich darf noch einmal wieder an Bord kommen, obwohl ich eine Klampe immer noch nicht belegen kann 😉 …

 

Peters Reisebericht 2017

Mo. 19.06.2017

Setze mich um 06:30 Uhr wieder in „meine“Taverne. Kaffee, Internet und ausgiebig mit Sabine telefonieren. Wir freuen uns schon aufeinander.

An Bord zurück, frühstücken wir wieder unter Deck. Diesmal nicht wegen des Regens, die Sonne strahlt. Nein, der Wind ist so stark, daß Jörg fast die Wurst vom Brot fliegt. Beim Frühstück taucht die Frage nach unserem heutigen Ziel auf. Ich schlage Vourkari auf der Insel Kea vor. Dann können wir uns vor den morgen blasenden Meltemi hängen und werden schnell voran gebracht. Gesagt, getan. Nur mit der Genua 3 (das kleine Vorsegel). Mit 6 Knoten kommen wir sehr schnell voran. Der Wind bläst konstant aus nördlicher Richtung. Das bedeutet aber auch Welle von schräg achtern. Die muss ausgesteuert werden. Bedeutet: Mann muß die Welle mit dem Arsch spüren, wenn sie rankommt und, je nach Druck am Ruder, entsprechend gegenhalten. Das bringt Spaß. Kannst du das nicht, fährst du der Seeschlange, die dich verfolgt, um dich zu fressen, einen Knoten in den Hals.

Die Sonne verschwindet hinter einer bösen Wolkenformation. Wir beschließen, dass der Regen, der in den Wolken steckt, uns nicht trifft. Und? Es klappt. Die Wolken ziehen an uns vorbei und die Sonne kommt wieder hervor. Der Wind schlafft etwas. Großsegel setzen, Genua 1 hoch und wir kommen zu einer moderaten Zeit in Vourkari an. Vor Buganker legen wir an der Pier an. Kleiner niedlicher Ort. In der Bucht liegen einige Yachten vor Anker. Wir gehen in eine Taverne direkt am Kai. Essen jeder einen Salat vorweg, in sauer eingelegten Pulpo. Ich Dorade, vorzüglich, Jörg, Baby Kallamari und jeder ein Bier. An den Preisen merkt man dann aber doch die Nähe zu Athen. 70, €. Da haben wir schon für die Hälfte genau so gut gegessen. was solls, gut gesättigt begeben wir uns an Bord, noch einen Retsina und um 22:00 Uhr liege ich in der Koje.

Di.20.06.2017

Stehe wieder früh auf und erkunde das Dorf. Es ist so klein, daß ich in 10 Minuten rum bin. Drei ziemlich teure Klamotten Läden, vier Kaffees, zwei Tavernen. Das wars. Nicht nur die Taverne gestern abend ist hochpreisig.

Ich beschließe, um die Bucht herum zu gehen. Sehr ländlich. Am Ende der Bucht gibt es wieder mal „alte Trümmer“, wie Jörg so schön sagt. Eine bronzezeitliche Ansiedlung liegt hinter einem Zaun geschützt.

Gehe weiter und mache ein paar Fotos. Zwei schwarz bunte Kühe verlassen eigenständig ihren Stall auf einem Berg und weiden. Gänse kreuzen meinen Weg. Setze mich auf eine Bank und genieße die Morgenstimmung. Es ist inzwischen 08:00 Uhr geworden und ich setze mich in eines der drei Kaffees, bestelle einen Kaffee, bekomme einen echten, griechischen, natürlich mit Wasser und diesmal Nichtmitglieder Kekse dazu, sondern auch noch selbst gebackenen Kuchen. Sehr schön.

Ein Deutscher Segler, der in Athen gechartert hat. Spricht mich an, wo es denn hier eine Absaugestation für den Fäkalientank gibt. Zur Erklärung: Es ist EU weit vorgeschrieben, das Fäkalien nicht in das Meer geleitet werden dürfen. So etwas gibt es aber im gesamten Mittelmeerraum nicht. Ich erkläre ihm das und sage ihm, daß es an Bord einen Schalter geben muss, mit dem er den Tank auf See abpumpen muss. So weit zu Theorie und Praxis. Auch unser 60 Liter Tank ist sehr schnell voll, Mann muss ja auch spülen.

Ich helfe ihm beim ablegen und begebe mich an Bord zum Frühstück. Wir beschließen, heute schon nach Lavrion in den Stadthafen zu segeln und morgen in die Lavrion Marina, wo Jörg die 14 Tage auf seine nächste Crew warten muss.

Bei guten Segelbedingungen schaffen wir es um 17:00 Uhr anzulegen. Alles OK, finden einem freien Platz und gehen nach dem Anleger in die Stadt.

Lavrion ist, wie hier alle Küstenorte, touristisch, aber doch dabei ursprünglich geblieben. Viele Tavernen, man wird auch angesprochen einzukehren, aber alles griechisch moderat. Wir gehen in ein Restaurant, welches Jörg noch vom letzten Jahr kennt. Die Portionen sind groß, aber meine Spaghetti Meeresfrüchte sind so, das ich die Muscheln aussortiere. Jörg schafft seine Portion nicht. Er bekommt eine Mail von der Marina, 56, € der Tag. Dafür kann Mann hier ein Hotel Zimmer bekommen. Inakzeptabel. Der Abend endet in der Suche nach einer anderen Marina. So kann es gehen. Kali Nichta.

Mi. 21.06.2017

Gehe in die erwachende Stadt. Auch in Lavrion merkt man die Krise. Viel Leerstand, Gebäude sind nicht fertig gebaut und es ist auch ungewöhnlich, das Griechen dich anbetteln.

Ich gehe einen Kaffee trinken und finde auch das Hafenbüro, hat aber noch geschlossen.

Nach dem Frühstück gehen Jörg und ich da hin und Jörg bekommt einen Liegeplatz für 20 ,€ am Tag. Er ist doch sehr erleichtert. Wir verholen die Yssabeau auf den Liegeplatz. Es ist sehr heiß und ich mache erst ein mal Siesta. Danach ab in eine Taverne und einen Frappé trinken. Weiter zum Supermarkt mit einem sehr guten Fleischer. Jörg möchte von mir nochmal Lamm. Es ist inzwischen nicht mehr so heiß, so dass Jörg mich mit dem Bootsmannstuhl in den Mast ziehen kann und ich das defekte Dampferlicht reparieren kann. Mann hat eine klasse Aussicht von hier oben auf den Hafen und die doch von hier sehr marode Stadt.

Lamm essen, abwaschen und den Abend an der Pier genießen. Morgen ist mein letzter Tag hier an Bord. Werde versuchen online ein zu checken.

Do. 22.06.2017

Dusche morgens in den doch gewöhnungsbedürftigen Sanitäranlagen. Aber es gibt sie. Gehe in die Stadt. Ein Markt wird aufgebaut. Richtig etwas los. Setze mich in ein Café gegenüber des Marktes und beobachte das Treiben. Sehe, wo der Bus abfährt, der mich morgen zum Flughafen nach Athen bringen wird und kaufe noch mal Lamm für heute abend, hat Jörg sich noch mal zum Abschied gewünscht.

Wir Frühstücken und ich mache mich langsam daran, die Klamotten in den Seesack zu verstauen und meine Kabine aufzuklaren.

Wieder einen Frappé in der Taverne, den letzten Tag dieser Reise genießend sitze ich, bei griechischen Klängen im leichtem Seewind, der die Hitze erträglich macht. Freue mich auf Sabine und unser Zuhause, in der Gewissheit, in 7 Wochen wieder an Bord zu sein. Dann mit Sabine.

So vergeht der Nachmittag. Abends essen wir bei angenehmen 24 Grad das letzte mal gemeinsam Lamm, ein Bierchen und ab in die Koje.

 

Fr. 23.06.2017

 

Habe doch nicht so gut geschlafen wie sonst. Stehe um 05:45 Uhr auf, packe noch mein Bettzeug in den Seesack, verabschiede mich vom verschlafenen Jörg und gehe zur Busstation. ich habe etwas Zeitpuffer, 1 1/2 Std., eingebaut, da ich nicht genau weiß, wo der Bus abfährt und wie lange er zum Flughafen braucht. Einen Kaffee, zwei belegte Baguette als Reiseproviant. Ich stelle mich da hin, wo viele Menschen stehen und siehe da, der Buss kommt. Airoport? der Fahrer nickt und ab gehts. Einmal umsteigen und schon bin ich nach 70 Minuten an dem mir, von der Hinreise wohlvertrauten Flughafen Athen. Der Flug findet statt, er startet pünktlich, er landet pünktlich, alles klar?

Nein!!!!!!!

Wir dürfen aus „Sicherheitsgründen“, wie der Kapitän selber verkündet, nicht aussteigen.

Nach ca. 10 Minuten kommen zwei Polizisten an Bord, zählen die Reihen ab und nehmen eine ca. 50jährige Frau mit von Bord. Jetzt dürfen wir auch und ich bin in meinem Hamburg.

Bis in 7 Wochen

Peter

 

Kali Mera wünsche ich.

Fr. 09.06.2017 Fortsetzung.

Die Taverne erweist sich als Wifi und Frappé tauglich. Bei 35 Grad sitzen wir im Schatten und werden die Welt nicht retten, aber den Reisebericht habe ich gleich abgeschickt. Angeblich soll der Hafenmeister heute abend kommen. Vera ist ganz unruhig, sie möchte sich ansehen, wo ihre Ferienwohnung liegt. Ich begleite sie. Es sind nur ein paar hundert Meter. Hausnummern sind hier in Griechenland nicht immer üblich, aber wir glauben es gefunden zu haben. Der Eingang liegt an einer viel befahrenen Straße, die Balkone gehen jedoch direkt zum Meer. Vera, unsere Bedenkenträgerin, hat Angst daß das Apartement zur Straße raus geht. Ich glaube nicht daran und versichere ihr, dass sie morgen ein Wunderschönes Apartement mit Meerblick bekommen wird.

Auf dem Rückweg zum Schiff spiegelt sich mein Gesicht in einer Scheibe. Was schaut mich denn da an? Mein Gesicht ist völlig zugewachsen. Ich habe meinen Rasierer gleich im ersten Hafen, auf dem Weg zur Dusche verloren und in den Spiegel auf der Yssabeau habe ich seit dem nicht mehr geschaut. Ich brauche eine Bartpflege. Der nächste Frisör ist meiner. Ein sehr stilistisches Friseurgeschäft spricht mich an und ich gehe rein. Fünf junge, sehr gut aussehende Frisörinnen, könnten gut meine Enkeltöchter sein, lächeln mich an und bitten mich, Platz zu nehmen. Ich erkläre, daß ich nur den Bart gestutzt haben möchte. Elfengleich umschweben mich gleich zwei von ihnen. Legen mir Schminkpads auf die Augen. Mit zarten Händen massieren sie mir gut riechende Flüssigkeiten ins Gesicht. Stutzen den Bart. Geben ihm noch mit dem Rasiermesser Form. Zwischendurch werden die entfernten Stoppeln mit einem weichen Pinsel von meinem Gesicht entfernt. Massieren nochmals mit zarter Hand eine gut riechende Paste ins Gesicht. Nehmen die Schminkpads von meinen Augen. Fragen mich, ob ich zufrieden sei und diese ganze Wellness Behandlung kostet mich gerade mal 5 €.

Bei meiner Rückkehr im Eiskaffee, wird mein formschöner Bart von den beiden Damen entsprechend gewürdigt. Ich schlage Jörg vor, doch auch so eine Wellnesskur zu machen. Seine Antwort: „Den Bart kann ich mir auch alleine schneiden. Jörg weiß gar nicht was ihm alles entgeht. Abends essen wir in der Taverne ganz ok. gehen auf einen Ouzo an Bord und ab in die Koje.

Sa. 10.06.2017

Stehe um 06:00 Uhr auf und schlendere wieder mal durch die erwachende Stadt. An der Hafenmeile ist alles noch ruhig. Vor einer kleinen Taverne sitzt ein alter Mann, Kalimera.

Ich setze mich an einen Tisch, bestelle einen Greec Kaffee und wir  beiden genießen die Ruhe. Wir beobachten einen Spatzen, wie er zwischen unseren Füßen Krümel aufpickt, wegfliegt, wiederkommt, immer wieder. Der alte Mann erklärt mir mit Händen und Füßen, dass der Spatz jeden Morgen kommt und die Krümel seinen Jungen ins Nest bringt.

Gelassenheit zwischen uns. Schreibe ein bisschen mein Tagebuch, schaue in meine Mails. A pro pro. Danke an Euch für Eure Rückmeldungen. Es freut mich immer, wenn ich merke, daß die Berichte gelesen werden und es ist natürlich auch schön, auf diesem Weg Verbindung in die Heimat zu haben.

Kaufe Brot und schlendere zur Yssabeau zurück. Da der Hafenmeister sich noch nicht blicken gelassen hat, er wird sich die ganzen 3 Tage nicht blicken lassen, so dass wir hier 3 Tage umsonst liegen, eben griechisch, teste ich die verschiedensten E.  Anschlüsse am Kai, und siehe da, einer geht, wir haben Strom. Sehr gut. Ein letztes gemeinsames Frühstück mit den Mädels, da sie heute um 12:00 Uhr ihre Ferienwohnung übernehmen. Sie packen ihre Sachen zusammen, ich befreie das Deck vom Salz. Jörg und ich packen unsere schmutzige Wäsche, um sie in der Wohnung zu waschen und wir ziehen alle zusammen los. Die Ferienwohnung ist spitze. Ca 80 Quadratmeter groß, komplett ausgestattet, Meerblick, riesiger Balkon. Die Waschmaschine arbeitet und wir verbringen den ganzenTag klönend und dösend, nur vom Aufhängen der Wäsche unterbrochen, auf demselben. Abends gehen wir in eine Fischtaverne am Hafen. Die Chefin ist ein Trude Herr Typ. Gewöhnungsbedürftig. Kann kein Englisch. Brummelt vor sich hin, macht komische Grimassen, spricht uns an, wedelt mit den Armen. Wir wissen nicht so recht, wo wir dran sind. Bestellen dann mit der Hilfe eines anderen Gastes, der sehr gut Deutsch spricht. Er ist, mit dem Auto und seiner Familie aus Athen hier her gefahren, um in dieser Taverne zu speisen, macht er öfter. Wir nehmen seine Empfehlungen aus der Speisekarte an. Salat, Sardinen, Shrimps und Feta in roter Sauce, Shrimps und Feta in Zitronensauce, Muscheln, eine Riesen Portion Pomesfrites  in Olivenöl gebraten und dem Hauswein. Habe selten so gut gegessen. Die Rechnung: 50 € für alles, kann man nicht meckern, oder? Wir verabschieden uns herzlich von den Mädels. Gehen an Bord, noch einen Ouzo, beschließen morgen noch hier zu bleiben, da wir planen müssen, wie es weiter geht. Nördliche Sporaden, oder gleich Richtung Athen.

So.11.06.2017

Schlafe bis um 10:00 Uhr!!!!! Bin ziemlich erschrocken. Frühstücken und dann an die Arbeit. Jörg in das so genannte “ Harnsteinzimmer“ und ich ziehe wieder in das Vorschiff.

Staubsauger an und die Polster saugen. An die Hausfrauen unter euch: Stellt euch vor, ihr habt eine Wohnung direkt am Strand und Tag und Nacht alle Fenster und Türen auf. Der Beutel im Staubsauger wurde ziemlich an seine Grenzen gebracht. Die Mädels kommen uns besuchen und testen das frisch gereinigte WC. Wir verabreden uns für den Abend in unserem Fisch Restaurant.

Jetzt an die Törn Planung.

Um die Insel Euböa herum, in die nördlichen Sporaden würde mindestens 6 Tage dauern. Richtung Athen wesentlich kürzer. Da Jörg, wenn ich absteige 14 Tage keine Crew hat, möchte er gerne in einen Hafen oder Marina liegen, wo er eine gute Versorgung hat. Wasser, Strom, Dusche, gut sortierter Supermarkt. Also nehmen wir die kürzere Strecke und erkunden gemütlich die Häfen. Gehen in eine Taverne, Frappé trinken und ich telefoniere lange mit Sabine über FaceTime. Wir freuen uns beide auf unser Wiedersehen.

Die Mädels rufen an und wir verabreden uns wieder in der „Trude Herr“ Taverne. Eben solch Spitzenessen wie gestern. Trude erkennt uns, freut sich und es wird ein entspannter, gemütlicher Abend, sogar noch mit Lachjoga am Ende. Am Nachbartisch sitzen drei sehr fröhliche junge Frauen. Eine von ihnen hat eine unwiderstehliche Lache. Wir fallen mit ein, und beim weggehen werden wir fröhlich verabschiedet.

Mo. 12.06.2017

Stehe um 05:45 Uhr auf, hab ausgeschlafen. Es kachelt draußen ganz schön. Der angesagte Meltemi bläst mit guten 6 Bft. Gehe mich am Strand duschen und schlendere durch die erwachende Stadt. Finde eine schon geöffnete Bäckerei, trinke einen Kaffee, schaue dem beginnenden Verkehr zu, kaufe um 08:00 Uhr noch etwas Proviant und kehre zur Yssabeau zurück. Werden heute die Negro Point Bridge passieren. Sie verbindet die Insel mit dem Festland, da liegen nur 30 m dazwischen. Wird nur 1 X am Tag geöffnet und zwar nachts. Machen die Yssabeau nach dem Frühstück klar und gehen noch einen Frappé trinken. Die Mädels werden mit uns, die drei sm nach Chalki mitfahren, wo wir am Kai festmachen, um auf die Öffnung der Brücke zu warten. Sie möchten sich die Stadt und vor allen Dingen die „mad Water“ ansehen. Ein Phänomen, über das schon Aristoteles geforscht hat und welches bis heute noch nicht erklärbar sei. Diese Wasser haben es wirklich in sich, steht auch im Hafenhandbuch. Und wir müssen da mit der Yssabeau durch. Aber davon im nächsten  Bericht

Von einer schönen Reise

Peter

Gesendet mit der WEB

 

So. 04.06.2017

Der Ort ist mir hier zu weit vom Hafen entfernt, gute 2 km. Also schlafe ich aus. Es hat einen gut Teil der Nacht geregnet. Das Cockpit ist noch etwas naß, aber die Sonne strahlt schon wieder und trocknet es im nu, so dass ich das Frühstücksgeschirr an Deck stelle und Kaffee kochen kann. Die Mädels haben gestern auf einem Fischkutter, der heute Nacht rausgefahren ist, Fisch geordert. Jutta und ich gehen zum Kutter. So wie der aussieht, wundert es mich, daß der überhaupt noch schwimmt. Wir möchten 5 kleine Makrelen. Pro Makrele 1 € das ist Jutta zu viel sie möchte mehr. Er packt noch 2 dazu und möchte 7 €. Jutta gibt im die Makrele zurück. Er packt noch eine dazu und so geht es hin und her bis wir mit 9 Makrelen für 5 € abziehen. Klasse Jutta. Da wir heute nur ca. 24 sm vor uns haben, lassen wir uns beim Frühstück Zeit. Auf dem Wasser verlässt uns der Wind völlig. Werden den ganzen Tag motoren müssen. Die Mädels werden immer besser und es sind ja auch 4 Hände mehr an Bord. Vera ist sehr oft am Ruder und somit kann ich dösen, die Landschaft entspannt an mir vorüber ziehen lassen und, wie sagen die jungen Leute? Abchillen. Als wir in Agioiannis einlaufen, stellt sich heraus, daß der Hafen voll ist. Kein Liegeplatz. Also weiter motoren bis nach Karigiorgis. Finden da auch noch einen Liegeplatz mit Buganker am kleinen Kai vor einem sehr kleinen Örtchen in einer Bucht. Sehr idyllisch. Wir haben zwar heute morgen frischen Fisch gekauft, werden jedoch von Vera und Jutta zum Essen eingeladen. Es soll hier eine vorzügliche Fischsuppe geben. Der Kühlschrank an Bord funktioniert sehr gut und so bleibt der Fisch eben bis morgen da drinnen.
Leider haben wir wohl das falsche Restaurant erwischt. Die Suppe schmeckt zwar sehr gut, aber meine Shrimps sind doch weit von vorzüglich entfernt. Trotzdem ist es ein gemütlicher Abend. Und wir genießen. Den schönen Blick über die Bucht, das laue Wetter und die nette Unterhaltung. Einen Ouzo und ab in die Koje.

Mo. 05.06.2017

Gehe nach dem Erwachen in das nette Dörfchen und setze mich in ein kleines Restaurant. Schreibe etwas und warte, bis die Besitzerin öffnet, trinke einen Kaffee, kaufe Brot und schlendere zum Schiff zurück. Gehe in dem türkiesfarbenen Wasser schwimmen und bereite uns dann das Frühstück.

Wir schauen was der Wind macht und entscheiden uns für die gemütliche Variante. Segeln mit achterlichem Wind nach Oreoi auf Evvoia, die zweitgrößte Insel Griechenlands. Zur Erklärung: Wir segeln seit die Mädels aufgestiegen sind von Thessaloniki immer Richtung Süden an dem griechischen Festland entlang und werden die beiden in Nea Artaki auf Evvoia absetzen, wo sie noch eine Woche Strandurlaub machen werden. Jörg und ich werden dann mal schauen, wo der Wind uns hin bläst.

Die Entscheidung uns vor den Wind zu hängen ist goldrichtig. Gute Fahrt im Schiff, kaum Welle, bedeutet kein Schaukeln im Schiff, so daß die Mädels auch unter Deck gehen können, ohne das Ihnen schlecht wird. Besonders Vera leidet unter Deck sonst immer. Sowie sie aber am Ruder oder auf Deck ist, geht es Ihr gut.
Gegen 15:30 machen wir in Oreoi fest.

Klasse. Wir liegen vor Buganker an der Kaimauer und schauen auf den direkt dahinter liegenden Strand. Nach dem Aufklaren der Yssabeau und dem obligatorischen Anleger gehen die Mädels und ich gleich schwimmen. Sehr erfrischend. Direkt am Strand befindet sich auch eine funktionierende Dusche, besser kann’s doch nicht werden, oder? Jörg geht mit den Mädels das Städtele erkunden, ich entsalze meine Klamotten, indem ich sie in der Spüle wasche. Danach gehe ich in ein 50 m vom Schiff entferntes Eiskaffee, wo der Rest der Crew sitzt. Es gibt da sogar schnelles WiFi, klasse. Wir sitzen und schauen. Genießen. Lassen das hier sehr sehr ruhige Leben an uns vorbeiziehen und beschließen, morgen hier zu bleiben und einen Hafentag einzulegen.

An Bord zurück, bereite ich die Makrelen in der Pfanne zu, Vera macht einen leckeren Salat und Brot haben wir auch noch. Bis auf Jörg, der lange Zähne bekommt und natürlich andauernd Gräten aus seinen Zähnen pult, schmeckt es allen vorzüglich. Jutta behauptet: Wer seinen Fisch so wie Jörg “ massakriert“, der muss ja Gräten im Mund haben. Weinchen und Plomary runden den Abend ab.

Di. 06.06.2017

Gehe früh in die Stadt und erkunde sie. Kaufe Brot und setze mich in das Eiscafé, um zu genießen. Mein Zeitgefühl geht dabei völlig verloren. Plötzlich klingt ein Gesang in meinen Ohren. „Wir haben Hunger, Hunger, Hunger, haben Hunger, Hunger, Hunger, haben Durst“.
Jutta steht vor mir. Es ist 10:00 Uhr.

Ich reiche ihr das Brot, gehe noch einmal in die Keramikabteilung des Kaffees und setze mich an den gedeckten Frühstückstisch. Danach machen Jörg und ich die Törnplanung für die nächsten 3 Tage bis die Mädels aussteigen. Welche Häfen können wir bei unserem Tiefgang von 2 m anlaufen? Wie weit liegen sie auseinander? Wenn zu weit, welche Ankerbuchten sind bei welcher Windrichtung sicher? In den Gewässern, in denen wir uns zur Zeit bewegen, gibt es Tide und der Strom setzt auch. Das scheint windabhängig zu sein, und deshalb gibt es keinen Tidenkalender und die Tiefenangaben in den Karten stimmen auch des öfteren nicht mit der Wirklichkeit überein. Also, Häfen unter 3 m werden nicht angelaufen.
Gehe danach baden und treffe die Crew wieder in der Eisbar, wo wir den ganzen Tag bei 35 Grad abhängen.

Frappé, zwischendurch Backlava, Kaffee, andere Schiffe kommen und gehen, ein Stückchen Gebäck gefüllt mit Schafskäse und Schinken. Es wird Nachmittag, ein Bierchen. Die Hitze wird etwas erträglicher und Vera und ich gehen einkaufen für die nächsten drei Tage.

Jörg duscht danach mit dem Schlauch an Deck. Die Mädels möchten ihm den Schlauch halten und es wird ein wildes Gespritzte und Gekreische daraus. Lachend und pudelnass, bis das Wasser in der Hitze verdampft ist, machen wir uns an die Vorbereitung für das Abendessen.

Vera bereitet uns einen vorzüglichen Zuchinieintopf. Der Abend wir etwas kühler und wir sitzen nach dem Abwasch Geschichten erzählend fröhlich bei Weinchen, Retsina und Ouzo im Cockpit.

Mi.07.06.2017

Heute geht’s weiter. Bade und dusche am Strand. Gehe Brot kaufen und einen Kaffee trinken in unserer Eisbar. Schreibe ein bisschen und hole noch frische Wurst und Käse ein, um danach, heute rechtzeitig, an Bord zum Frühstück zu erscheinen. Während des Frühstücks legen unsere Nachbarn ab und da haben wir das Maleur. Sie haben unsere Ankerkette erwischt. Bekommen sie aber nicht hoch. Einer der Besatzung taucht, kommt aber nicht bis zum Grund. Sie sind der Meinung es sei die Ankerkette eines anderen Schiffes, aber unsere Kette ruckelt eindeutig, sie glauben uns nicht, ok dann sollen sie zusehen, wie sie klar kommen.

Wir behalten Sie weiter im Auge und siehe da, sie haben nicht nur unse Kette sondern den ganzen Anker aus dem Grund gezogen. Schitt. Sie befreien sich aus unserem Anker und schmeißen unseren Anker einfach wieder auf den Grund. Da sie in der Zwischenzeit aber vertrieben sind, fällt der genau über die Kette eines englischen Schiffes. Nicht sehr seemännisch. Jetzt sollten wir aber schnell loskommen. Mädels runter zum Abwasch, Jörg und ich machen die Yssabeau an Deck klar und ablegen. Fender bleiben noch draußen, wer weiß, was noch passiert. Jörg am Ruder, ich an der Ankerwinsch. Ankertaue und? Ich merke wir haben die englische Ankerkette. Zum Glück schaft unsere Winsch es, die Kette über die Wasseroberfläche zu ziehen. Tauwerk von achtern holen, an der Klampe belegen, Palsteg ans andere Ende, mit Hilfe des Boothakens das Tau unter die englische Kette unter durch, Palsteg raus, das Ende auch auf der Klampe belegen, unseren Anker fieren (runterlassen) einen Augenblick später ist er frei. Anker aufholen und das belegte Tau lösen. Die englische Kette rauscht wieder auf den Grund. Wir sind nach 10 Minuten frei.

Die nördliche Ägäis ist, zumindest zur Zeit, kein gutes Revier zum segeln. Kaum Wind und wenn Wind, dann aus der falschen Richtung. So auch heute. Wir motoren 2 h, dann 2,5 h segeln und wieder 1 h motoren. Das macht uns aber gar nichts aus. Die Sonne scheint. Wir singen und lachen, erzählen uns Geschichten. Mittags gibt es aufgewärmte Reste von gestern. Vera ist, auch beim Motoren nicht vom Ruder weg zu bekommen.

Einige dösen, andere schreiben und so vergeht der Tag schnell.

Gegen 18:00h legen wir in Loutra Adiposi an. Jörg kocht Thai Huhn Die beiden Mädels kommen zum Abendessen von ihrem Gang durch Städtele zurück. Essen, Abwaschen, Weinchen und ab in die Koje.

Do. 08.06.2017

Stehe relativ früh auf und schlendere durch die erwachende Stadt. Hier soll es eine Therme geben, deren Wasser sehr gut gegen Rheuma helfen soll. Ich schlendere an der Promenade entlang und tatsächlich, am Ende steht ein sehr schönes Wellnesshotel und gleich dahinter sehe ich einen kleinen Strand, wo sich Menschen in meinem Alter im Wasser und in kleinen wassergefüllten Felsbecken tummeln. Hin, Badehose an, rein ins Becken. Aua! Das ist mir zu heiß. Also eine Stufe tiefer wo das heiße Wasser sich mit Meerwasser vermischt. Sehr angenehm. Unterhalte mich mit einem neben mir sitzenden Rumänen, der sehr gut Deutsch spricht.

Nach ca. 20 Minuten verlasse ich dieses warme Örtchen und suche einen Bäcker. Zwischendurch ein Käffchen, etwas Schreiben und ab zum Frühstück.

Gegen 11:00 Uhr legen wir ab, um in eine ca. 23 sm Ankerbucht zu Segeln. Etwas schwacher Wind, aber er dreht nach einer Stunde in unsere Richtung, so dass wir mit knappen 4 Kn ( 7 kmh ) gemütlich segeln. Vera steht wie immer am Ruder, sie hat richtig gefallen gefunden am Segeln. Möchte gerne mit Jörg und mir über den Atlantik in die Karibik segeln. Ich mache uns Schnittchen, essen gemütlich und genießen. Der Wind dreht so, daß wie wieder kreuzen müssen. Am Festland zieht ein Gewitter auf und wir bekommen einen Regenschauer ab. Aber das Gewitter bleibt über dem Festland.

Wir kommen der geplanten Ankerbucht näher. Motor an, Segel runter. Was ist das? Eine riesige Fabrik mit rauchenden Schloten beherrscht die ganze Bucht, ist aber auf der anderen Seite. Vor der von uns ausgewählten Bucht ist eine große Fischzuchtanlage und in der Bucht die dazugehörige Fischverarbeitung. Da möchten wir nicht Ankern.

Kurze Besprechung, Plan B, weiter zur nächsten Bucht.

10 sm motoren und nächster Versuch. Hier wird das Ufer von einer völlig verfallenen Taverne beherrscht, sonst nichts. Wir fahren die Bucht ab und entscheiden uns vor der Ruine zu ankern. Ziemlich Tiefer Grund also viel Kette. Anker fällt, mehr Kette, er greift nicht, fühlt sich wie Felsgrund an. Abbrechen, Anker auf und auf die andere Seite der Bucht. Der Grund besteht hier aus Sand und Bewuchs. Gut. Anker raus und mit dem Heck näher ans Ufer. Badehose und Schwimmflossen habe ich vorher bereitgelegt. Achterleinen um den Körper gelegt und ans Ufer schwimmen, um einen geeigneten Fels zum befestigen zu finden. Es erweist sich als schwierig die messerscharfen Felsen zu erklimmen, aber es ist nicht unmöglich. Wieder zum Schiff zurück, zweite Leine und alles noch einmal, diesmal weiter Steuerbord. Die Festmacherleinen liegen ziemlich parallel. Ideal währe ein gleichseitiges Dreieck, aber es ist ok. Anker straffen und jetzt wünsche ich mir ein Bier als Anleger, gegen das Salzwasser. Danach koche ich uns Lamm mit Bohnen auf dem Petroleumkocher und wir verspeisen alles in der einsamen Bucht.

Fr. 09.06.2017

Stehe um 07:00 Uhr auf und merke, so einsam ist diese Bucht gar nicht. Drei Angler waren schon vor mir auf. Springe ins Wasser, 22 Grad Wassertemperatur und schwimme ein wenig. Langsam wird auch der Rest der Crew wach. Macht seine Morgentoilette ebenfalls beim Baden und beim Frühstück entscheiden wir nach Nea Artaki zu Segeln, wo morgen die Mädels absteigen werden, um Ihre eine Woche Strandurlaub zu machen.
Aus dem Segeln wird nichts. Kein Wind kein Segeln. Also motoren wir die 15 sm und landen zufrieden in Nea Artaki. Festmachen, Anleger und danach in die Taverne.

 

Di. 30.05.2017

Das Örtchen stellt sich mir auch bei meinem morgendlichen Rundgang als sehr gemütlich dar. Müssten wir nicht am Donnerstag die beiden Frauen Jutta und Vera in Thessaloniki an Bord nehmen, könnte man ohne weiteres hier einige Hafentage verbringen, da Kassandra auch Landschaftlich bestimmt einiges zu bieten hat. So ist das aber nun mal. Rentner haben eben wenig Zeit. Aber im Ernst. In Griechenland könnte man ein Leben lang segeln und würde immer noch nicht alle schönen bzw. sehenswerten Fleckchen kennen. Nach meinem obligatorischen mit Olivenöl getränkten Brot mit Tomate, Zwiebel und Schafskäse belegt, legen wir in die Flaute ab. Wie so oft, setzen wir mehrfach Segel, wenn die Hoffnung auf Wind am Windanzeiger erscheint. Nützt aber wenig. Also weiter motoren. Die letzten 2 h fangen wir aber doch etwas Wind und segeln gemütlich Richtung Sani Marina. Riesiger künstlich angelegter Hotel Komplex mit einer Marina in der wir wieder mal der kürzeste Mast sind. Hier herrscht der Mammon. Ein Motorboot größer als das andere. Macht sich auch in den Liegegebühren bemerkbar. 70 € die Nacht. Dafür kann ich endlich mal wieder duschen. Herrlich. Habe in Nea Skioni Koteletts gekauft und die kommen nach dem Duschen in die Pfanne. Hatte, beim Kauf, anscheinend Hunger. Selbst Jörg wird nachher von dem großen Fre…. sprechen. Dazu gibt es viele Zwiebeln, Kartoffeln und, ist zu dieser Jahreszeit hier überall zu bekommen, einem Blumenkohl. Bekomme beim Gemüseputzen Besuch von zwei deutschen Kindern auf dem Steg. Drei und vier Jahre alt. Sind mit Opa und Mamma auf einem Eigner Schiff und haben auch schon mal Fender ins Wasser geworfen, wie sie mir berichten. Sie unterhalten mich und fragen mir Löcher in den Bauch. Ob ich eine Kapitänsmütze auf habe? Warum wir so viele Bänder an Bord haben? Wie wir aufs Schiff kommen? Usw. und so fort. Sehr angenehme und freundliche kleine Menschen. Da wir morgen 42 sm nach Thessaloniki vor uns haben, gehen wir nach dem Abwasch schon um 23:00 Uhr in die Koje.

Mi. 31.05.2017

Duschen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen, bei mir macht es eher die Gelenke gangbar. Haben mir früher immer die alten Leute erzählt. Heute erzähle ich es Euch. Wie sich die Zeiten doch ändern.
Frühstücken, Schiff klar machen und raus auf die große weite See. Um 12:30 Uhr kommt auch Wind auf und sogar aus der richtigen Richtung und wir ziehen die Segel auf, machen gute Fahrt und genießen die doch sehr ruhige See, das langsam vorbeiziehende Ufer und die Sonne. Außer uns wird uns bis Thessaloniki kein anderes Segelschiff begegnen. Das Segelrevier ist hier nicht so befahren. Ab und zu segeln wir, an von Fischern ausgelegten Bojen vorbei, wahrscheinlich mehrere hundert Meter lange Grundangeln, da immer Zwei gleich beflaggte Bojen in großem Abstand vorbei schwimmen. Nach einem erholsamen Segelttörn erreichen wir gegen 18:00 Uhr Marina Aretsou in Kalamaria bei Thessaloniki. Die Marina. Der Stadthafen ist der Berufsschifffahrt vorbehalten. Schiff aufklaren, duschen, und beim Essen (alles was noch da ist) an Deck den Joggern zusehen, die vor unserem Kai um einen kleinen Park ihre Runden laufen. Gefühlte Hunderte. Gehen früh ins Bett, da morgen das ganze Schiff aufgeklart werden soll. Die Mädels landen Nachmittags und steigen auf.

Do. 01.06.2017

Nach dem Duschen und „Restefrühstück“ geht’s an die Arbeit. Ich Deck schrubben, Jörg die Küche und das Klo einer Generalreinigung unterziehen. Pause. Dann, staubsaugen, mit meinen Sachen in den Salon umziehen und die Vorschiffs Kajüte gründlich aufklaren. Schon sind Jutta und Vera da. Die Duschen erst mal mi dem Wasserschlauch auf dem Kai. Es ist heiß geworden, um die 28 Grad. Ein willkommen Bierchen und erzählen. Gegen 18:00 Uhr besprechen wir den Einkauf. Verpflegung für die nächsten drei Tage und ab in die Stadt. Wir Finden nach mehreren Anläufen einen gut ausgestatteten Supermarkt, der alles hat, was wir brauchen, außer Fleisch. Jutta fährt mit dem Lieferservice und dem Einkauf zum Schiff und Vera und ich machen uns auf die Suche nach einem Schlachter. Sie kommt dabei nicht an dem fliegenden Händler mit frischen Kirschen vorbei. Da der Händler kein Wechselgeld hat, bekommt sie den Wechselbetrag in Aprikosen zurück. Wir fragen nach einem Schlachter. Es stellt sich heraus, dass die sehr freundliche Dame, die wir befragen, deutsch spricht. Das passiert hier des Öfteren. Das wir jedoch gleich auf einen Kaffee in die Wohnung eingeladen werden ist mir noch nicht passiert. Lehnen bedauernd ab, da wir ja an Bord erwartet werden. Sie erzählt uns, daß sie sich hier eine Eigentumswohnung von dem Geld, was sie in Deutschland verdient hat, gekauft hat. Freundlich plaudernd begleitet sie uns zur nächsten Ecke und weist uns den Weg.
Wir ordern Lammkotelett, Hühnerbrust und Hack. Der Schlachter packt noch eine undefiniert aussehende riesige Wurst als Geschenk dazu, freut sich über unsere erstaunten Gesichter und bekommt von uns auch noch zwei Aprikosen.
Beim Schiff angekommen entscheiden wir uns, von den 1 1/2 kg Hackfleisch die Hälfte zu. Spaghetti Bolo zu machen. Der Abend wird lang und der Ouzo trägt zum kennenlernen gut bei.

Fr. 02.06.2017

Erster Segeltag mit der neuen Crew. Haben uns nur 20 sm vorgenommen. Jörg macht mit den Damen eine Sicherheitseinweisung. Schwimmweste anlegen, wo befinden sich die Feuerlöscher, Handhabung der Seeventile etc. Einweisung in die Bordtoilette. Die Bucht vor Thessaloniki ist so spiegelglatt wie ein Ententeich. Nach einer Stunde briest es auf und wir kommen unter Segeln gut voran. Die beiden Mädels stellen sich sehr gut an. Und dann sind sie auch wieder da. 5 Delphine. Sie begleiten uns kurz und verschwinden wieder. Um kurz nach fünf erreichen wir die Hafeneinfahrt.
Segel runter, Fender raus, Festmacher Leinen bereitmachen und…………… Ein Ruck geht durch das Schiff. Wir sind mitten in der Hafeneinfahrt aufgelaufen. Ich glaub das nicht. Was Tun? Rückwärts Fahren. Nichts tut sich, die Yssabeau liegt fest. Jörg schickt uns alle auf die der Welle abgewandte Seite, die Yssabeau neigt sich etwas zur Seite, somit wird der Tiefgang etwas verringert und wir kommen frei. Puh. Noch mal gut gegangen. In den Hafen kommen wir jedenfalls nicht rein. Überlegen. Entscheidung treffen. In den nächsten 10 sm entfernten Hafen. Ich runter an die Navi, gleiche Hafentiefe angegeben wie hier. Schlecht. Nächster Hafen ist gut, aber 20sm entfernt. Würden gerne vorm dunkel werden anlegen, könnte knapp werden. Jörg und ich setzen uns kurz zusammen und entscheiden uns für die sichere Variante. Also Motor an, da der Wind genau von vorne kommt, und Strecke machen. Wir schaffen die 45 Sm gut vorm Dunkelwerden, und machen in der Marina von Platamon fest. Da ich schon auf See mit dem Gemüse putzen angefangen habe, kann Jörg sofort mit dem Kochen anfangen. Es gibt Huhn süß sauer. Mit dem Abwasch sind wir um 23:10 Uhr fertig und suchen dann auch die Koje auf.

Sa.03.06.2017

Gehe morgens wieder einmal in die erwachende Stadt. Trinke meinen obligatorischen Kaffe und fühle mich einfach nur wohl. Frühstück und ablegen. Wir versuchen auch zu segeln, kommen aber kaum voran. Irgendwann gar nicht mehr. Gute Gelegenheit zum BADEN. Also: Fender an eine Festmacherleine, auf der Klampe belegen, über Bord damit, Klamotten vom Leib und hinterher. Klasse, das Wasser hat 21 Grad und ist sehr erfrischend. Vera, Jutta und ich Baden eine halbe Stunde. Wieder an Bord sehen wir doch tatsächlich wieder Delfine. Sö schön kann Segeln im Mittelmeer sein. Etwas Wind kommt auf und wir kreuzen gegen den Wind. Ich stehe am Ruder, der Rest döst so vor sich hin, herrlich. Gegen 18:30 Uhr legen wir in dem kleinen Fischereihafen von Agiokampos längseits an der Pier neben drei Fischer Booten an und es gibt Lamm mit Bohnen. Allerdings müssen wir den obligatorischen Ouzo im Salon einnehmen, da das Wetterleuchten und die Blitze, welche schon seit einer Stunde zu sehen waren, sich in Regen entlädt. Ist auch Zeit für die Koje.

Ich habe gerade Internet
Liebe Grüße Peter

 

Fr. 26.05.2017

Stehen um 06:00 Uhr auf, um die 58 sm nach Myrina auf Limnos hoffentlich zu segeln. Machen bei gutem raumen Wind ( schräg von achtern) sehr gute Fahrt. Die Welle schiebt und läuft unter dem Schiff untendurch, kommen wir auf 7 kn. Klasse, so macht Segeln Spaß. Ich ärgere mich immer noch ein bisschen darüber, daß ich meinen Fuß nicht auf die Insel setzen konnte, von der mein Lieblingsouzo stammt. Was soll’s, wegpacken und genießen. Um 14:30 Uhr kommt eine, über den ganzen Horizont reichende waltzenartige Wolkenfront auf uns zu. Kein Regen, kein Gewitter. Ok. Unter der Wolke dreht der Wind und flaut völlig ab. Also, der interessierte Leser ahnt es schon, Motor an und die letzten 3 1/2 h Motoren. Legen dann an der Stadtpier vor Buganker an. Der Ort ist sehr beschaulich und wir beschließen einen Hafentag einzulegen. Abends gehen wir in einer Hafentaverne essen. Der Oktopus in Essig und meine 16! gegrillten Sardinen sind spitze, Jörgs Mixetgrillteller unter aller S… 1 kaltes Suflaki und 2 kleine Frikadellen mit 10? Pommes. Das sagen wir auch. Kein Trinkgeld. Auf dem Schiff gibt es noch einen Wein und schlafen.

Sa. 27.05.2017

Schlafen bis 10:00 Uhr. Ich wußte gar nicht, dass ich das noch kann, aber die letzten Tage waren auch anstrengend. Frühstücken und melden uns beim Hafenmeister an. Pro Tag kostet uns der ganze Spaß hier, 6 € Liefergebühren und 2,5 € Strom und Wasser, Griechenland ist günstig für uns. In so manch einem Hafen kommt aber auch gar keiner zum Kassieren. Bunkern Wasser und 60 Liter Diesel. Bei den Motorstrecken unumgänglich. Ich mache eine kleine Handwäsche und kaufe danach Lammfleisch beim Schlachter. Der holt ein ganzes Lamm aus der Kühlung und zerlegt es vor meinen Augen für 1 1/2 Kg 10€. Kann man nicht meckern. Auf der Yssabeau lege ich es in Öl und viel Gewürz mit Knoblauch ein. Danach durch die Stadt, die im Siestakoma liegt und um 15:45 Uhr habe ich einen Termin. Muß doch meinen obligatorischen Friseurbesuch machen. Der macht seine Sache inkl. Bartschneiden sehr, sehr gut. Den obligatorischen Frappé nehmen wir am Hafen ein. Natürlich mit Wifi Anschluss. Ich bereite Lamm mit Blumenkohl und Kartoffeln. Schmeckt allen Beteiligten gut, äußerst zart. Obwohl, oder besser, gerade weil es doch sehr viel Fett hatte. Zum Nachtisch einen Ouzo und ab in die Koje.

So. 28.05.2017

Der Wecker klingelt um 06:00 Uhr. Wollen heute nach Chalkidiki auf der mittleren Finge (Sithonia), sind gute 60 sm. Wir rechnen durchschnittlich 5 sm in der Stunde macht um und bei 12 h segeln. Da Anlegen bzw.. Ankern im dunkeln ziemlich schlecht ist, möchten wir im hellen ankommen. Das kann knapp werden da wir erst um 08:10 Uhr ablegen. Außer uns läuft heute, glaube ich, keiner aus. Der Wetterbericht sagt Meltemi, Wind bis zu 6 ktn und Regen voraus, aber eben aus der richtigen Richtung. Der Regen setzt schon mal kurz im Hafen ein. Wir setzen vorsichtshalber nur die Genua 3, also die Kleinste. Holen aber das Großsegel ohne ein Reff hoch. Wird sich später als nicht gut herausstellen. Kaum aus dem Lee der Insel heraus, geht der Windmesser hoch. Die Wellen nehmen auch zu. Ich sitze im Cockpit und schaue nach achtern. So manch eine Welle schaut über Jörgs Kopf gute 2 m hinaus. Sie rollen von achtern auf uns zu und unter der Yssabeau untendurch. Der Wind bläst zwar aus der richtigen Richtung, von schräg achtern, sogenannter raumer Wind, aber mit guten 6 Bft. Der Seemann spricht hier von Starkwind. Die Yssabeau ist bei der Welle schwer zu halten. Das heißt: wenn die Welle kommt muss der Rudergänger sie vorher spüren und das Ruder scharf gegenhalten, da die Welle, wenn sie unter dem Schiff durchläuft, das Schiff in eine andere, nichtgewollte, Richtung drückt. Wir hätten doch lieber das erste Reff ins Groß setzen sollen obwohl Jörg die Wellen sehr gut aussegelt. Der Wind nimmt zu, geht auf über 30 ktn. Windstärke 7. Hier spricht der Seemann, verniedlichend von steifem Wind. Mag auf großen Schiffen nicht so schlimm sein, aber bei der Besegelung ist das einfach zu viel. Der Baum pflügt schon das Wasser. reffen, nein zu schwierig. Das ganze Großsegel runterholen. Das wird nass für mich, da ich nach vorne an den Mast muss. Also Ölzeug, Schwimmweste und Lifebelt an. Das dauert gute 10 Min. Während sich der Windmesser um die 30 ktn einpendelt. Also: Manöver durchgehen, einpicken, sprich: mich mit zwei an meiner Schwimmweste befestigten Sicherheitsleinen am Schiff so festmachen, dass ich möglichst, wenn ich den Halt verliere, nicht über Bord gehe und mich gleichzeitig gut beim Manöver bewegen kann. Jörg bekommt das Großfall in die Hand. Langsam zum Mast kriechen, hinstellen, Jörg läßt das Groß fallen und ich versuche es an den Baum zu binden. Schwerstarbeit. Immer wieder reißt der Wind oder eine Welle mir das Segel aus der Hand. Nach einer schier unendlichen Zeit bringe ich es dann doch zu Wege. Hinsetzen, verschnaufen und langsam, mich immer wieder umpickend krieche ich zum Cockpit zurück. Ich fühle mich als hätte ich einen LKW einen Berg hinaufgeschoben. Das Schiff liegt aber jetzt ruhiger und reagiert auch besser aufs Ruder. Wir laufen unter der kleinen Genua gute 7 ktn. Nach gut einer viertel Stunde fühle ich mich wieder wie ein Mensch.

Der Wind flaut etwas ab, so um die 27 ktn aber die Wellen sind immer noch um die 2 m. Ich übernehme das Ruder und freue mich daran. Das bringt richtig Spaß. Die Wellen auszusteuern, auf ihnen zu reiten aber auch Anstrengend, das Ruder dabei zu halten, ganz schön Druck drauf und das über Stunden.

Langsam taucht Steuerbord voraus der Berg Arthos auf. Er begleitet uns über mehrere Stunden, wir kommen immer näher. Gigantisch. Ein steiler Fels der mehrere hundert Meter aus dem Wasser ragt. Die Spitze ist von einer Wolkenkappe bedeckt. Wie eine Mönchskappe. Passt zu den Bewohnern. Es gibt nirgends auf der Welt so viele Klöster so nahe beieinander. Außerdem gibt es viele von Einsiedler Mönchen bewohnte Höhlen an den steil zum Meer abfallenden Felsen. Oft ist für Sie die einzige Verbindung zur Außenwelt ein Seil, an dem die Kloster Mönche ihnen Essen und Trinken herunter lassen. Unvorstellbar für mich. Jahrelang alleine in einer Höhle. Langsam entschwindet der Berg -Achttausender – im Dunst.

3 1/2 h später kommen Delfine. Eine ganze Familie. Ich finde es immer wider faszinierend wie kraftvoll und gleichzeitig elegant sie in unserer Bugwelle schwimmen. Sie springen vor und neben dem Schiff. Es macht ihnen anscheinend richtig Spaß. Nach einer 1/2 h verschwinden sie wider um nach 1 1/4 h noch einmal mit der Yssabeau zu spielen. Der Wind „flaut“ Um 16:00 Uhr auf um die 16 ktn ab. Trotzdem machen wir mit der kleinen Genua gute 6,5 kn.

Um 18:45 Uhr machen wir in Porto Koufu auf Sithonia am letzten noch freien Liegeplatz fest. Geschaft, im Hellen angelegt, sicher angekommen und Spaß gehabt. In 10 h knappe 60 sm zurückgelegt.

Essen zu Abend noch mal Lamm und gehen dann aber doch rechtzeitig in die Koje.

Mo.29.05.2017

Heute haben wir nur 20 sm vor uns. Wollen nach Kassandra rüber, genauer nach Nea Skioni.

Sollte doch schnell gehen bei dem Wind. Denkste, heute genau das Gegenteil von gestern, null Wind. Wir motoren an der bewaldeten schönen Küste von Kassandra entlang und erfreuen uns an der herrlichen Landschaft. Kommen zu einer moderaten Zeit um 16:35 Uhr im Hafen an. Ein ursprünglicher Ort mit etwas Tourismus. Ich gehe in denselben und ergänze unsere Bordküche. Danach essen wir vegetarisch!!!!!!! Spaghetti mit viel Knoblauch in leckerem Olivenöl und dazu Salat. Einen Ploumari danach und ich verschwinde im Vorschiff zum Schlafen.

Soweit erst einmal.

Peter

 

Mo.22.05.2017

Um 06:30 Uhr geht ein heftiges Gewitter bei uns herrunter. Sitze gerade im Marina Café und schaue den Blitzen über dem Meer zu. Nach einer Dreiviertelstunde ist der Spuk vorbei und nach einer weiteren Stunde wieder alles trocken. Gehe Brötchen holen und aufs Schiff
Nach dem Frühstück kommt Slatko, der Motormensch. Er meint, dass der Auspuffkrümmer verstopft ist. Baut ihn in wenigen Minuten aus, und? Er hat recht! Er könnte einen Ersatz bekommen. Telefoniert und? Das Ersatzteil muß in England bestellt werden, Lieferzeit, 2 Wochen! Was tun? Slatko wird versuchen den Krümmer zu reinigen und ihn heute nachmittag einbauen.
Wir benutzen den Motor fast nie, sind ja Segler, aber beim an- und ablegen und im Notfall ist er, in der heutigen Zeit, unumgänglich. Wir nutzen die Zeit. Jörg poliert das Cockpit und ich die Relingsstützen. Zwischendurch ein Käffchen in der Taverne, die Sonne scheint bei 22 Grad. Ist doch schön.
Slatko kommt mit dem reparierten Teil zurück und baut es in kurzer Zeit ein. Er garantiert aber nur für 1 Jahr, dann sollte es doch dringend gewechselt werden. Da er mit Silikon gearbeitet hat, können wir erst morgen früh um 10:00 Uhr eine Testfahrt unternehmen. Also erst einmal Dusche und dann ganz gemütlich zu Fuß nach Pytagoreon, suchen uns eine Taverne in der zweiten Reihe und essen vorzüglich. Auf dem Weg zum Taxistand treffen wir ein Paar aus Schwaben, die auch einSchiff in der Marina liegen haben. Wir gehen noch mit Ihnen in ihre „Stamm“ Crepbar. Treffen da noch zwei weitere Schwaben, trinken dort noch ein Bierchen und haben alle zusammen noch einen lustigen und sehr unterhaltsamen Abend. Auch wenn es bei der Unterhaltung mit Schwaben oft, für uns Norddeutsche, an der Verständigung scheitert. Taxi, Schiff, Koje.

Di. 23.05.2017

Schlafe wieder bis um 08:00 Uhr. Jörg ist wieder vor mir wach. Um 10:00 Uhr ist Slatko an Bord, wir hatten vorher die Yssabeau startklar gemacht. Die Probefahrt verläuft zum Glück für uns alle sehr erfolgreich. Der Motor überhitzt nicht, alles ok. Slatko verläßt doppelt erleichtert die Yssabeau, er hatte schon eine Tablette gegen Seekrankheit genommen, ihm wurde aber doch bei spiegelglatter See schlecht.
Wir legen wieder ab und haben 40 sm nach Karlovasi vor uns. Ein ziemlich trostloser Fährhafen an der Nordseite von Samos. Letztes Jahr waren wir mit dem Auto da. Da wir aber morgen vor haben, nach Chios Stadt auf der Insel Chios zu segeln und das nochmals 45 sm sind, ist dieser Zwischenstop notwendig.
Endlich rauscht die Yssabeau unter Segeln durch das Wasser. Erst einmal ist der Wind uns günstig gesonnen, was sich aber nach einer Stunde abrupt ändert. Starke Fallböen bis zu 6 Bft aus immer wieder wechselnden Richtungen. Er dreht dabei um bis zu 180 Grad. Da das in den Handbüchern auch so beschrieben wurde, sind wir auch schon mit der kleinen Genua 1 und dem erstem Reff im Großsegel ausgelaufen, was für ein Glück. Allerdings hatte ich nicht mit so starken Drehungen gerechnet. Es geht weiter so. Als wir um die Westspitze von Samos zwischen Samos und einer vorgelagerten Insel segeln, kommt auch noch Welle von vorne. Wir haben gute 5 Bft aber die See kommt so stark von vorne, das die Yssabeau kaum noch Fahrt macht. Wenden und anderer Bug. Die Yssabeau kommt nicht durch den Wind. Ein Schiff reagiert auf das Ruder nur, wenn es auch fährt. Wir versuchen es immer wieder. Wenden, Halsen, geht alles nicht. Die Wellen schlagen alles kaputt. Wir treiben immer näher auf das Land zu. Was tun? So kommen wir erst morgen in Karlovasi an. Motor an, Fahrt aufnehmen, wende gelingt und auf dem anderen Bug kommt die Welle von der Seite und wir können wieder segeln. Schön. Ab jetzt läuft alles nach Plan. Wir kommen zu einer moderaten Zeit im Hafen an, legen uns längsseits an die Pier. Sind der einzige Segler im Hafen. Sonst nur Fischerboote. Ich mache uns Koteletts mit Broccoli und wir lassen den Tag bei einem Wein ausklingen.

Mi. 24.05.2017

Gehe heute das erste Mal in die erwachende Stadt. Bin schnell wieder an der Pier, nichts zu sehen. Setze mich auf einen Greec Koffe vor eine Taverne, WiFi vorhanden, Kaffee klasse und als ich die Bedienung nach einem Bäcker frage, hält sie kurze Zeit später einen zahnlosen alten Mann auf einem Moppet an und der zaubert ein Brot aus seinen diversen Plastiktüten hervor und verkauft es mir. Der Fährhafen ist zwar nicht sehenswert, aber die Menschen, wie fast überall in Griechenland, sehr freundlich und hilfsbereit.
Nach dem Frühstück legen wir ab und erleben genau das Gegenteil von gestern. Null Wind. Das habe ich, seit ich mit Jörg segel, noch nie erlebt. Er findet sonst immer eine kleine Briese. Nach achteinhalb Stunden motoren kommen wir in Chios – Stadt an, finden einen Liegeplatz an der Pier und legen „Römisch Katholisch“ an, bedeutet: wir liegen mit zwei Festmacher Leinen, mit dem Heck an der Pier und haben am Bug ebenfalls eine Leine die im Hafenbecken fest verankert ist oder den Anker ausgeworfen. Fragt mich nicht woher dieser Ausdruck stammt. Habe bisher noch keinen getroffen der, außer div. Vermutungen, mir das erklären konnte. Hat einer ein Erklärung? Dann könnt ihr sie mir schicken. Nach dem obligatorischen Anleger gehe ich die Einkaufsmöglichkeiten erkunden und Jörg macht Spaghetti Bolo.
Neben uns liegt ein alter Motorsegler mit zwei Schotten an Bord und der amerikanischen Frau des einen. Sie laden uns auf einen Drink ein. Mein Englisch bessert sich von Jahr zu Jahr, so daß ich den Gesprächen ganz gut folgen kann, ohne das es mich anstrengt. Die Drei sind sehr unterhaltsam. Um 12:00 Uhr geht’s dann in die Koje.

Do. 25.05.2017

Stehe schon um 06:15 Uhr auf und mache meinen Besuch in der Stadt. Sie zieht sich die ganze recht große Bucht entlang. Hier pulsiert schon um 07:00 Uhr das Leben.
Setze mich in ein Café direkt am Hafen, der Greec Koffee wird mir in einem kleinen, mit einem Stiel versehenen Topf serviert, aus dem ich dann meine Tasse fülle. Diese traditionelle Art der Kaffee Bereitung ist in den touristischen Orten fast ausgestorben. Lecker. Lasse beim genießen das Leben an mir vorbeitreiben und fühle mich sehr gut.
Wir Frühstücken und legen ab. Wollen heute nach Lesbos, es werden 54,5 sm. Brauchen also lange, selbst bei gutem Wind. Diese ersten 15 sm ist schönes Segeln bei 3-4 Bft angesagt. Wir sehen sogar eine Delphinfamilie. Die Ersten in Griechenland. Sie sind hier sehr, sehr selten geworden. Jörg ist auf Samos von zwei Französinnen angesprochen worden, die freiwillig für eine Delphin Schutz Organisation ECO Navigation arbeiten. Wir werden die Sichtung melden.
Danach kommt die Flaute, spiegelglatte See.
Motor an und 10 h motoren. Kommen um 19:00 Uhr an und dürfen nicht in den völlig leeren Hafen einlaufen. Aus Sicherheitsgründen, unbegreiflich. Wir ankern in der Bucht daneben und essen die aufgepeppten Reste der Spaghetti.

Jetzt sende ich die Mail an Euch ab.
Kallinichta

Peter

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Fr. 19.05.2017
Stehe noch etwas erschöpft um 08:00 Uhr auf. Nach dem Duschen sieht die Wellt schon anders aus. Gehe einen doppelten Greec Kaffee in der einzigen aber guten Taverne in der Marina trinken. Genieße die Ruhe und die Gelassenheit Griechenlands. Brötchen holen und das erste Frühstück an Bord. Heute ist polieren der VA Teile an Bord angesagt und noch so anderer Kleinkram. Die Sonne scheint, wir arbeiten in aller Ruhe, das Bier am Nachmittag ist gut gekühlt, das Leben ist schön. Abends einen guten griechischen Salat und lecker Oktupusstifado, dazu Retsina und ab in die Koje.

Sa. 20.05.2017
Habe bis um 09:00 Uhr geschlafen. War wohl nötig! Jörg hat schon Kaffee gekocht und eingedeckt. Nach einem ausgiebigen Frühstück begeben wir uns an unsere „Tagesbastelei“, um auf den Elektriker, der sich für 11:00 Uhr angekündigt hat, zu warten. Er soll ein elektronisches Gerät anschließen. Wer nicht kommt, ist der Elektriker. Macht erst einmal nichts, wir haben noch genug „Füllarbeiten“, aber nachmittags wird’s dann doch langsam ärgerlich. Die Segel sind angeschlagen, das Schiff ist aufgeräumt, Wasser gebunkert, der neue Staubsauger hat seine Arbeit verrichtet und wir müssen noch mit dem Mietauto den Proviant für die nächsten Wochen einkaufen. Wir hängen einen Zettel ans Schiff und kaufen bei LIDL für 286€ ein.
Bei unserer Rückkehr ist ein neuer Zettel am Schiff. Das Gerät kann nicht eingebaut werden da nicht kompatibel. Shit Happens. Was soll’s. Fahren in den Nachbarort und essen lecker Lammkotelett.

So. 21.05.2017
Heute soll’s losgehen. Segeln!! Der Wind bläst mit 4 Bft. aus Süden, sehr selten in diesem Revier. Da wir nach Norden segeln wollen, ideal. Um 11:45 Uhr werfen wir die Leinen los. Wir Motoren aus dem Hafen. Nach ca. einer sm läuft der Motor heiß. Sch…. Jörg tel. mit dem Motormenschen, der ihm im Winter ein neues Getriebe eingebaut hat. Der sagt, langsam zurück. Gesagt, getan. Motor geht in den roten Bereich, Alarm fängt an zu piepen, Motor aus, Küste kommt näher, Genua hoch und ab zurück in den Hafen. Motormensch kommt, tauscht den Impeller ( Wasserpumpe) aus. Probefahrt vorm Hafen: Motor wird heiß, zurück. Analyse, Ergebnis: Da heute Sonntag, kommt er morgen um 11:00 Uhr wieder, hat auch einige Ideen. Jetzt hilft nur noch ein frisch Gezapftes.
Ich mach jetzt Schluss.

Peter

 

In Athen streikt irgendwelches Flughafenpersonal und der Flug von Hamburg nach Athen wurde gestrichen.
Moin.
Südlandreise die 2.
Ich hoffe inbrünstig, dass die Reise besser verläuft, als der Start. Von vorne: wegen eines Fluglotsenstreiks in Griechenland wurde mein Flug (16.05.2017) nach Athen gestern Abend um 22:00 Uhr abgesagt, 8 Std. vorm Abflug. Anschlussflug nach Samos nicht möglich. Nach einer langen Nacht im Internet habe ich zum Glück Ersatz gefunden.

HH 17.05.2017 20:55 ab HH – Ankunft Sofia 22:55 -Umsteigen nach Athen, Ankunft Athen 18.05. 2017 03.00 h.

Aufenthalt in Athen 11 Std. 35 Min. (Schließfach und Athen beim Erwachen zuschauen)
Athen Abflug 14:35
Samos Ankunft 15:30
Sofern alles glatt geht.
Mit optimistischen Grüßen.

Peter

Do.18:05
Bin heute Morgen um 03:00 h gut in Athen gelandet und um 04:00 Uhr mit dem Bus nach Athen reingefahren, 1h Fahrtzeit. Athen erwacht im strömenden Regen. Sch……. dunkel und Regen, nehme gleich den nächsten Bus wieder zurück. 8 h auf dem Flughafen, so hatte ich mir den Zwischenstop nicht vorgestellt. Was soll’s. Da ich auf Renate gehört und mir ein Buch mitgenommen habe, lese ich ein bischen in der Highlandsaga von Diana Gabaldon. Die Augen sind aber nach 2h kaum noch auf zu halten, also: Nickerchen in den weichen Sesseln der E-Longe = unumgänglicher Raum um sein Handy aufzuladen, den Laptop anzuschließen usw.usf. Danach den ersten Greec Kaffee mit Brötchen und ran ans schreiben. Wie immer auf meinem Handy.

Um 14:45 Uhr geht endlich mein Flug nach Samos, gut. Nach 11 h Aufenthalt kenne ich fast jede Ecke auf dem Flughafen.

Jörg holt mich nach einer Stunde Flug ab und wir fahren zur Yssabeau die schon im Wasser liegt. Klasse Wetter, Sonnenschein und um die 20 Grad. Duschen, Oktopusstifado, Bierchen, ein Ouzo und ab in die Koje. Ich schlafe gefühlt schon bevor ich meine Strümpfe ausgezogen habe.

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Teil 4: Segeln im östlichen Mittelmeer

09.09.2017

Das Wichtigste in aller Kürze: Nachdem die Väter und Söhne Crew in Lavrion ausgestiegen war – ich durfte dort wieder bei HDM Sailing liegen – kam Werner als Mitsegler hinzu. Wir segelten erst einmal ans Kap Sounion und ankerten in einer Bucht unterhalb des Poseidontempels, wo wir eine partielle Mondfinsternis über der Tempelanlage beobachten durften. Das hat man nicht alle Tage.

Es folgte entspanntes Segeln im Saronischen Golf, bis zu der Insel Poros, wo Peter und Sabine dann die Crew vervollständigten. Bei moderaten Windverhältnissen – manchmal auch zu moderat, sprich: Flaute – segelten wir entlang der Halbinseln des Peloponnes in Richtung Kalamata. Das war ganz was anderes, als die Höllenritte in den Kykladen.

In Porto Heli trafen wir Waltraud und Wolfgang wieder. Die beiden hatten Werner und ich 2014 in Cartagena/Spanien kennengelernt und dann in Torrevieja im Winterlager wiedergetroffen. Die hatten es in diesem Jahr endlich auch in die Ägäis geschafft. Wir verbrachten einen sehr netten Abend in einer Taverne auf der Hafenmeile. Leider konnten wir die dann als E-Mail übermittelte Einladung zu einem Sundowner auf ihrem Boot am nächsten Tag nicht mehr wahrnehmen, da wir bereits am Morgen Porto Heli verlassen hatten. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Werner stieg nach einer Woche aus, übrig blieben Sabine, Peter und ich. Es stellte sich heraus, dass unser Ziel Kalamata unter den herrschenden Windverhältnissen doch etwas ambitioniert war. Wir mußten uns sputen, was dazu führte, das der Motor häufiger zum Einsatz kam.

Bei einer dieser Motorstrecken passierte dann etwas, mit dem ich nie gerechnet hätte:

Wir haben eine Schildkröte (Caretta Caretta) überfahren!

Man glaubt es kaum, aber während wir bei völliger Flaute so dahin Motoren, verspürte ich plötzlich einen kräftigen Schlag am Ruder. Ich dachte zuerst wir hätten ein Stück Treibholz oder etwas Ähnliches, was unter Wasser schwamm, getroffen. Aber als ich dann die Fahrt aus dem Schiff nahm, tauchte im Kielwasser diese Schildkröte auf. Ich wendete und wir fuhren ein paar Kreise um das Tier, das nach Augenschein offenbar keinen größeren Schaden erlitten hatte. Jedenfalls paddelte die Schildkröte an der Wasseroberfläche herum, ohne vor uns abzutauchen, was diese Tiere normalerweise tun, wenn man ihnen zu nahe kommt. Ich hoffe, das ihr Panzer die Schildkröte vor größerem Schaden bewahrt hat. Tun konnten wir eh nichts.

In Kalamata ist Sabine dann ausgestiegen und Rico kam hinzu. Rico hatte sich auf Empfehlung eines Bekannten bei mir gemeldet, um mit zu segeln. Ihn kannte ich nur über den Austausch von E-Mails.

Wir beschlossen, rund um den Peloponnes zu segeln, also an der Westküste entlang und dann durch den Kanal von Korinth. Das kannte ich ja schon.

Erwähnenswert ist der Ort Pilos, wo man uns aus dem Stadthafen vertrieb und auf die nahegelegene Marina verwies. Diese war, wie so Vieles in Griechenland, nicht fertig gebaut und bereits schon wieder dem Verfall preisgegeben. Es gab kein Wasser und keinen Strom, sanitäre Einrichtungen sowieso nicht, dafür kostete es auch nichts.

Über Patras ging es nach Trizonia, wo immer noch die versunkene Ketsch im Hafen lag, und dann über Korinth durch den gleichnamigen Kanal. Es gab noch eine Station im Saronischen Golf, Palaia Epidaurus, bevor wir in Aigina festmachten, wo Rico uns heute verließ. Nun segeln Peter und ich erst einmal wieder eine Woche alleine zusammen.

11.09.2017

Wir sind von Aigina aus nach Korfous gesegelt, einem sehr beschaulichen Ort auf dem Peloponnes. Heute sind wir in Vathi auf der Halbinsel Methani, noch idyllischer. Sehr, sehr nettes Ambiente.

Und nun ist der Rest der diesjährigen Südlandreise sozusagen auch in Sack und Tüten. Am 15.09. werde ich wieder in Lavrion sein und Peter wird von Bord gehen und Ina und ihre Schwester nebst Schwager werden für 14 Tage aufsteigen. 

Ich darf wieder am Steg von HDM Sailing liegen, so dass der Crewwechsel unkompliziert vonstatten gehen kann.

Der letzte Teil der Reise wird dann als Crew von Jasmin und ihrem Freund Udo bestritten und dann geht das Schiff ins Winterlager an Land.

George, von HDM Sailing hat mir in Lavrion auf der dort ansässigen Werft einen Winterliegeplatz besorgt. Preislich bisher ungeschlagen und, nachdem ich die Arbeitsleistungen von seiner Truppe selber zu meiner Zufriedenheit in Anspruch genommen habe, denke ich, dass auch die Winterarbeiten ordentlich erledigt werden.

04.08. 2017

Es ist viel Zeit vergangen. Aber keine Zeit zum Schreiben. Zwischenzeitlich gab’s neue Mitsegler/Innen und damit verbunden einige Erlebnisse. 

Eine Woche segeln mit Katrin, wie immer nett und entspanntes Segeln, dann die Erweiterung der „Mädelstruppe“ mit Chris und Sybille, wieder einmal fröhlich entspanntes Segeln mit „buchteln“ und gutem Leben, baden in angeblich verjüngenden Schwefelquellen oder sonst irgendwelchen heißen Quellen vulkanischen Ursprungs. Das mit dem „Verjüngen“ hat wohl nicht so ganz geklappt, die Stimmung war trotzdem gut.

Crewwechsel in der Zea Marina in Piräus. Volker und Christian kommen mit Ihren 16 und 17 jährigen Söhnen an Bord. Das Leben verändert sich. Verglichen mit den beiden Halbwüchsigen herrschte unter der Mädelstruppe geradezu eine preußische Ordnung verbunden mit Krankenhaussterilität. Nun herrscht im Salon Sodom und Gomorrha.

Wir segeln bei gemäßigtem bis flauen Winden  in Richtung Peloponnes, ankern in Buchten und landen an der Stadtpier von Hydra, wo wir mit einigem Mut wirklich den allerletzten Liegeplatz ergattern.

Meiner Mitsegeltruppe sind die Windbedingungen in dieser Gegend zu moderat. Entgegen der ursprünglichen Planung ist Segeln entlang des Peloponnes nicht mehr gefragt. Knackiges Segeln ist erwünscht. In den Kykladen bläst der Meltemi. Also auf in Richtung Norden. Von Hydra nach Kea in einer Rutsche. Ein schöner Segeltag, alle sind’s zufrieden. 

Einige der nördlichen Kykladeninseln werden abgeklappert, mit ankern in schönen Buchten oder auch in den Stadthäfen. Für die beiden Jungen muß das Dingi natürlich zum Einsatz kommen, mit Außenbordmotor, versteht sich. Die haben ihren Spaß und nehmen auch die Mühsal des Auf- und Abbauens in Kauf.

In der Hauptstadt von  Syros, Euphemia, erwischt uns der Meltemi mit aller Macht, ein Hafentag, den wir mit der Besichtigung des Greenpeaceschiffes „Rainbowwarrier“ verbringen, das gerade dort im Hafen liegt um eine Kampagne gegen Plastikmüll im Mittelmeer durchzuführen. Sehr interessant.

Euphemia ist eigentlich eine recht schöne und für den Segler auch relativ komfortable Stadt. Allerdings verursacht stetiger Schwell, verursacht durch Wind, aber auch durch die permanent ein- und auslaufenden Fähren eine derartige Unruhe an der Hafenmole, das es kaum zu ertragen ist.

Obwohl es am nächsten Tag mit 6 bis 7 Windstärken bläst, beschließen wir, auszulaufen. welch ein Wahnsinn! Den Versuch, nach Norden zu segeln geben wir kurz hinter der Hafenmole auf und suchen uns eine vor dem Maltemi geschützte Ankerbucht.

Fortsetzung folgt

07.07.2017

Ich habe ‚mal ein paar Erlebnisse und Gedanken unter „Jörgs Reiseberichte“ niedergeschrieben.

03.07.2017:

Nun ist die erste Woche meines Alleinseins vorüber und ich muß sagen, über Langeweile kann ich nicht klagen. Es gibt reichlich zu tun, sowohl am Boot, als auch sonstwie. 

Die erste Horrormeldung war ja die, dass trotz winterlicher Motorinstandsetzung und neuem Getriebe wieder einmal Öl in der Bilge war.

Mit Pedros, dem hiesigen Stützpunktleiter von der Yachtcharterfirma HDM Sailing, habe ich  offenbar einen guten Griff getan. Der besorgte gleich, nachdem ich ihm mein Schicksal geklagt hatte, einen Motormechaniker, der mit einem Gehilfen innerhalb von zweieinhalb Tagen den Motor vom Getriebe trennte, und einen neuen Dichtungsring in den Motor einbaute. Das war genau das Teil, was eigentlich im Winter auf Samos hätte ausgetauscht werden sollen. War es wohl aber nicht! Nun mache einmal Regressansprüche bei dem Slatko geltend, wie soll das gehen?

Jedenfalls bewundere ich diesen Motormechaniker, der bei brüllender Hitze in diesem klitzekleinen Motorraumverschlag da rumwerkelte. 

Und hier muß ich auch einmal eine Lanze für die Griechen brechen: Die arbeiten wirklich! Pedros hatte den Motormechaniker  für 17:00 h angekündigt. Ich war noch im Supermarkt einkaufen und als ich um 20 Min. vor 17:00 h an Bord kam, hatten die beiden schon den ganzen Cockpitbereich mit Pappe zum Schutz abgeklebt und saßen sozusagen schon in den Startlöchern. Um 21:00 h !!! hatten die beiden Motor und Getriebe getrennt und ich konnte den alten, defekten Simmering begutachten. Das Teil mußte dann erst aus Athen herangeschafft werden, so dass der Zusammenbau von Motor und Getriebe erst am nächsten Tag am Nachmittag erfolgen konnte. Das dauerte ebenfalls bis in die Abendstunden. 

Restarbeiten und Probelauf fanden dann am darauffolgenden Tag statt. Soweit scheint als alles in Ordnung zu sein.

Nebeneffekt 1.: Es wurde festgestellt, dass der Flansch zwischen Getriebe und Welle dabei war, ein nicht ordentlich gesichertes Elektrokabel „durchzusägen“. Das war dann Sache für einen Elektriker.

Nebeneffekt 2.: Beim Reinigen der Motorbilge stellte ich fest, dass das Frischwasserzulaufventil für das Klo undicht ist. Es dröppelt Dropche für Dropche. Nächste Baustelle.

Bemerkenswert finde ich, dass ich an keinem der Abende die beiden Jungs zu einem Feierabendbier überreden konnte. Begründung: Der nächste Job würde schon auf sie warten. Das spricht für sich!

Dann verbrachte ich einen Gutteil eines Tages mit dem Ausbau des defekten Wasserschlauches (Dusche) im  Kloraum (Harnsteinzimmer). Man wird immer klüger: Never touch a running System! Die Metallummantelung des Schlauches war zwar defekt, der Schlauch aber noch heil. Ich wollte aber etwas Heiles und vor allem auch einen längeren Schlauch. Also nahm ich das Ganze auseinander. Es war völlig klar, dass die Waschbecken- amaturen eingebaut worden waren, bevor der ganze Waschbeckenkomplex ins Boot eingebaut wurde. 

Diese Erkenntnis kam aber deutlich zu spät! Schweißtriefend gelang es mir schließlich den Schlauch von der Mischbatterie abzuschrauben und Teil zwei des Abenteuers konnte folgen.

Bei brüllender Hitze irrte ich auf der Suche nach einem neuen Schlauch durch Lavrion um festzustellen, das eventuell in Frage kommende Geschäfte aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen geschlossen hatten oder dass es einen derartigen Schlauch nicht gab. 

Wie kann man auch nur so naiv sein zu glauben, man würde in Griechenland für ein englische Segelboot passende Ersatzteile finden.

Ich klagte mein Leid Pedros. Es dauerte keine zwanzig Minuten, da stand George, sein Sohn, auf der Matte, begutachtete das Desaster und versprach eine Problemlösung. 

Zwei Tage später kam er mit einem nunmehr langem Schlauch mit passenden Anschlüssen an, und brauchte kaum eine halbe Stunde, um das von mir hinterlassene Desaster wieder zu beseitigen. Auf meine Frage hin, wie er das denn bewerkstelligt habe, kam die simple Antwort: We made it. Ich kann jetzt ganz bequem, ohne mir die Glieder zu verrenken, oben an Deck Duschen!

Das sind jetzt nur ‚mal ein paar „Highlights“ der vergangenen Woche. Es gibt an Bord genug zu tun. Der Pflege- und Instandhaltungrückstau ist doch recht groß. Die Hitze aber auch. Selbst die Griechen stöhnen unter den Temperaturen. Alle warten auf den Meltemei, der aus Norden kommend, wohl etwas Abkühlung verspricht. Warten wir’s ab.

 

Abschiedsessen in Nea Artaki

 

22.06.2017

Gestern sind Peter und ich in Lavrion angekommen und haben erst einmal an der Stadthafenpier festgemacht. Die vergangenen Wochen und Tage sind wie im Fluge vergangen.

In Thessaloniki kamen verabredungsgemäß Jutta und Vera an Bord. Obwohl beide über keinerlei Segelerfahrung verfügten, haben sie sich sehr schnell in das Bordleben eingefügt und stellten eine echte Bereicherung der Crew dar. Bei meistens sehr moderaten Winden segelten wir von Thessaloniki aus Richtung Euböa, wo die beiden dann in Nea Artaki ausstiegen, um noch eine Woche Landurlaub zu machen. Die hatten sich dort eine recht schöne Ferienwohnung gemietet, sogar mit Waschmaschine, die wir dann auch kräftig nutzten.

Einzelheiten dieses Teils der Reise sind unter dem Menüpunkt Reiseberichte sowohl von Jutta, als auch von Peter, nach zu lesen.

Peter und ich sind dann weiter nach Süden an der Küste Euböas längsgesegelt, um dann über Andros und Kea nach Lavrion zu fahren, wo Peter dann morgen aussteigen wird.

Auf Andros haben wir wegen Regens einen Hafentag eingelegt. Das war das erste Mal in Griechenland, dass ich erlebt habe, das es fast einen ganzen Tag lang regnete.

Meine Anfrage bei der Olympic Marina in Lavrion ergab, dass die für die Zeit vom 22.06. bis zum 09.07., in der ich dort mangels Crew liegen wollte, über 780,- € haben wollten. Das war deutlich zu viel. Also liefen wir erst einmal den Stadthafen an, wo ich dann mit Hilfe der Port Authority bei der Yachtcharterfirma HDM Sailing zum Preis von 400,- € einen Liegeplatz für diese Zeit erhielt. Immer noch viel Geld, aber rund um Athen sind die Preise nun einmal so.

Jedenfalls liege ich hier einigermaßen bequem – auch wenn die sanitären Einrichtungen eher rudimentär sind – und vor allem auch mit Wasser- und Stromanschluss. Stadtnah ist es auch.

Nun werde ich erst einmal die Zeit bis zum 08.07. hier alleine verbringen und auf Katrin, meine nächste Mitseglerin warten.

Übrigens: Es gibt sie wieder, die beliebten „Peters Reiseberichte“. Zu finden, unter dem Menüpunkt Reiseberi

05.07.2017
Gedanken übers Bootfahren, Schiffe, andere Segler oder auch solche, die meinen es zu sein und vor Allem: Stegimpressionen und Anekdoten.

Griechische Elektrifizierung

Ein Essay?

Jetzt liege ich schon 12 Tage seit Peters Abreise allein hier am Steg der Yachtcharterfirma HDM Sailing und ich muß sagen, so ganz schlecht habe ich es hier nicht ge­troffen. Pedros, offenbar der Chef hier, und sein Sohn George tun alles, was zur Lösung meiner Probleme bei­trägt. Der Motor scheint tatsächlich nun in Ordnung zu sein, für das Leck an dem Seeventil für die Klospülung scheint es auch eine Lösung gegeben zu haben, aber einige Dinge, wie die Installation bzw. Vernetzung des neuen Loganzeigeinstruments oder die Reparatur des Autopiloten scheinen aufgrund von Kapazitätsengpäs­sen nicht lösbar. Naja, so sei’s denn.

Aber derartiges soll nur bedingt Thema dieses Beitrages sein (s. Überschrift).

Erste Episode:

Eine ca. 13 m lange Yacht, ein ziemliches Trumm (Malö oder Najad o.ä.) unter Deutscher Flagge, gesteuert von einem älteren deutschen Ehepaar, hat neben mir an Steuerbordseite festgemacht. Sie stammen aus Frank­furt, leben aber dauerhaft auf Mallorca, wo auch das Schiff registriert ist und verbringen ihren Sommer mit dem Schiff in Griechenland, da Malle zum Segeln zu teuer ist.

Dies einmal vorweg.

Jeden Abend, aber auch wirklich immer, bis jetzt, be­ginnt so ziemlich ab 20:00 h eine Art Völkerwanderung auf unserem Steg. Alt und Jung promenieren bis ans Ende des Steges – also bis zu unser beider Liegeplätze – schwadronieren, lachen, telefonieren mit dem Handy, schauen aufs Wasser und tun sonst noch alles Mögli­che. Vornehmlich junge Leute, Männlein und Weiblein gemischt, aber auch nur Girlies oder Minimachomänner versammeln sich am Stegende zum harmlosen, aber lauten Klönschnack, Handyspielen oder herumalbern. Was die dazu treibt, auf einem wackligen Steg, mit Blick auf ein Fähranlegerverladeterminal und entsprechenden Hintergrundgeräuschen und auf harten Holzplanken sitzend ihre abendliche Freizeit zu verbringen, ist mir schleierhaft. Das dauert pro Gruppe so ca. 20 Min. bis 1 1/2 Stunden, dann geht die eine Gruppe und die nächste erscheint, mit ähnlichen Attitüden. Das scheint so Lavrions Freizeitmeile für noch nicht discoreife Nachtschwärmerteenies zu sein.

Mich stört’s eher nicht, gehe ich doch kaum vor 12:00 h ins Bett.

Meine beiden Nachbarn störte dies jedoch gewaltig in ihrer Nachtruhe, so nach dem Motto: Das sei ja wohl eine Unverschämtheit, derartige Treffen in quasi „ihrem Vorgarten“ stattfinden zu lassen. Grund genug, am nächsten Tag auf den freien Platz an meiner Backbord­seite zu verholen. Ob’s denn der Ruhefindung diente, wage ich nicht zu beurteilen.

Zweite Episode:

Ich habe einen Fehler gemacht: Ich hätte es wissen müssen! Das Wochenende ist nicht nur bei den Charter­firmen Großkampftag, sondern auch in den Supermärk­ten. Nachdem ich nun den ganzen Samstag über das Gewusel hier am Steg erleben durfte – Schiffe kamen rein, Crews stiegen aus, Pedros und seine Mannschaft rotiertierten mit Reinigungszeugs, Ersatzteilen, Diesel- und Wasserschläuchen, frischem Bettzeug und was weiß ich noch allem, Hektik all over the Place – fiel mir dann noch ein, zum Supermarkt zu laufen und dort ein­zukaufen. Ich hatte aber auch schlicht und ergreifend nichts mehr zum Essen.

In dem Moment, wo ich den Supermarkt betrat, war mir der gemachte Fehler klar. Der Laden, insbesondere der Kassenbereich, war rappelvoll. Die Chartercrews kauf­ten, was das Zeugs hielt. Es gab noch nicht einmal eine freie Einkaufskarre. Nachdem ich meinen Einkaufsruck­sack an der Information abgegeben hatte, machte ich mich auf die Suche nach einer Einkaufskarre und fand dann auch nach einigem Suchen ein Exemplar.

Das, was ich befürchtet hatte, war auch eingetroffen. Der Laden – und der ist gewiß nicht klein – war ausge­räubert. Ich ergatterte noch fünf 0,5 l Mythosbierdosen und ergänzte das Sixpack durch ein Alphabier, das mußte erst einmal reichen. Klopapier und einiges Andere, was ich so brauchte, wie Rotwein, Wurst und Fleisch und Gemüse, gab’s dann doch noch.

Das Gewusel vor den Kassen war unidentifizierbar. Ich stellte mich einfach in eine Reihe, von der ich annahm, dass diese schnell abgefertigt werden würde. So war’s dann auch. Nur, diese Kasse war die s.g. Schnellkasse für bis zu zehn Teile und als ich anfing, mein ganzes Zeugs auf das Transportband zu laden, wurde ich von dem Kassierer erst auf griechisch und dann auf englisch darauf hingewiesen. An der Decke über der Kasse, weit oben, hing auch ein dementsprechendes Hinweisschild, allerdings auf griechisch. Wer kann das schon? Mein Griechisch ist eher rudimentär.

Der Kassierer verlangte glatt von mir, mein ganzes Zeugs wieder von seinem Band räumen und mir eine andere Kasse zu suchen. Was blieb mir Anderes übrig. Ich war sauer und reihte mich in irgendeine der mir am komfortabelsten erscheinenden Reihen ein.

Nach 1 1/2 Std., und auch einer Klimaanlage dankend, schleppte ich dann mein Einkaufszeugs, mit Unterbre­chung und unter Genuß zweier Biere in mittlerweile zu meiner Stammkneipe gewordenen Taverne „Petrino“, auf’s Boot.

Dritte Episode:

Wie immer, sitze ich abends an Deck, habe gerade mein Abendessen beendet. Der Wind hat aufgebrist. So wie es der griechische Wetterbericht „Poseidon“ vorherge­sagt hat, kommt es auch. Die nächsten Tage wird der Meltemi aus nördlichen Richtungen blasen und zwar kräftig.

Ich habe es fast kaum bemerkt, dass neben mir eine Yacht anlegen will. Ich helfe natürlich beim Anlegen. Der Skipper, ein Grieche, ist mit seiner 36 Fuß Yacht alleine unterwegs und will hier eine Crew übernehmen.

Diese besteht, wie sich dann zeigt, aus vier jungen Män­nern, die offenbar vom Segeln nicht so die rechte Ah­nung haben. Großspurig erklären die auf meine Anfrage, dass sie auch bei diesen Wetterbedingungen losfahren würden.

Ich messe bei meinem „Frühstücksfernsehen“ so zwischen 15 und 25 Knoten Wind! Und das im Hafen.

Die sind dann auch losgefahren, 6 Bft, Chaoscrew, ich bewundere den Skipper. Ich hätt’s nicht getan.

Vierte Episode:

Nachdem meine deutschen Nachbarn an Backbordseite meinten, sie müßten den angekündigten Starkwind besser in Kalamaki, auf der anderen Seite von Attika abwettern, lag ich dann wieder goßzügig alleine an diesem Stegende.

Ich hatte den ganzen Tag mit irgendwelchen kleineren Reparaturen eingeplant, saß beim Frühstück, oder zu­mindest, was es hätte werden sollen, das Brötchen brut­zelte im Backofen, der Kaffee war gerade aufgebrüht, Pedros und Dimitri erschienen. „Wie want to fix the leak in the valve“. Also, kein Frühstück! Das war so nicht ein­geplant.

Da die Motorreparatur als abgeschlossen galt, hatte ich am Abend zuvor die Matratzen und mein ganzes Zeugs wieder in die Achterkabine geräumt und dort geschlafen. Nun mußte ich ein Gutteil von dem wieder rausräumen, damit Dimitri mit der Reparatur beginnen konnte.

Diese bestand darin, dass er, nachdem er die Stelle rund um den Borddurchlaß mit Aceton (von mir) gerei­nigt hatte, eine Art zweikomponentige Knetmasse um den Ventilsockel schmierte, die angeblich wasserbestän­dig sein sollte. War sie dann auch, wie sich später her­ausstellte.

Da hätte ich auch selber drauf kommen können, so’n Zeugs habe ich auch an Bord.

Nun endlich Frühstück! Backofen wieder angeschmis­sen, das ganze Frühstückszeugs wieder an Deck ge­stellt und, wie konnte es anders sein, George erschien mit dem nächsten Besucher.

Frühstück: Kommando zurück!

Der war dann von der Firma, die im Winterlager 2014/15 meine Ankerwinde überholt hatte und die ich jetzt direkt nach meiner Ankunft bzgl. meines neuen Loganzeigein­strumentes angemailt und von denen ich aus Kapazi­tätsengpassgründen eine Absage bekommen hatte. Die arbeiten wohl auch mit HDM zusammen und George hatte die für mich aktiviert, nicht wissend, dass ich die schon kontaktet hatte. Schief gelaufen, das Ganze.

Nachdem ich geschildert hatte was ich wollte und wir die gesamte Situation geklärt hatten, war das Ergebnis wie gehabt. Keine Zeit, in der nächsten Woche würde es vielleicht gehen. Eine Alternative gibt es angeblich nicht.

Sorry, da bin ich dann hoffentlich nicht mehr hier.

Jetzt endlich Frühstück, das eher zu einem Brunch wurde. Der Kaffee lauwarm, das Brötchen konnte ich noch retten, aber mit der Ruhe war’s vorbei. Dimitri erschien zwischenzeitlich, um eine zweite Lage seines „Knetgummies“ um das Ventil zu plazieren. Ich früh­stückte!

Fünfte Episode:

Wie ich erfahren sollte, war dieser Tag noch lange nicht zu Ende, jedenfalls was Unwägbarkeiten anging.

Es gibt, wie wohl auf jedem langzeitsegelnden Schiff, unendlich viel zu tun. Das, was man zu Hause im Win­terlager oder bei der Außer- und Indienststellung erle­digt, kommt hier einfach zu kurz. Tausend Kleinigkeiten, die sich im Laufe der Zeit subsummieren. Auch finanzi­ell!

Nichts Kriegsentscheidendes, dem Segelvergnügen oder der Schiffssicherheit tut das nicht unbedingt einen Abbruch.

Von schlichten Reinigungsarbeiten, polieren von Be­schlägen, über lockere Schrauben,die festgezogen werden müssen, losgelöstem Decks­belag, der wieder angeklebt werden muß, warten und schmieren von Rollreffanlage und Ankerwinde und, und, und.

Ein Highlight: Ich reinige die Deckenverkleidung in der Achterkabine und schon kommt mir diese entgegenge­fallen. Der Kleber hat sich schlicht und ergreifend im Laufe der Jahre aufgelöst. Was soll man davon halten?

Ich habe mir für die Zeit, die ich hier in Lavrion verbrin­gen muß, um auf meine nächste Mitseglerin zu warten, vorgenommen, jeden Tag einige dieser Kleinreparaturen ab zu arbeiten, was mir mitnichten gelingt. Den Gang in den voll klimatisierten Supermarkt mit anschließendem eiskaltem Bier in meiner „Stammkneipe“ ziehe ich alle­mal jedem reinigungs-/polier oder sonstwie schweißtrei­benden Job vor.

Nunja, an diesem besagten Tag war die Reparatur bzw. Optimierung des Verschlusses von Niedergangsschot und Schiebeluk angesagt. Da hatten die Handwerker der Samosmarina ziemlich gepfuscht (Wofür gibt man da eigentlich so viel Geld aus?). Das Schloß klemmte, das Schließblech war falsch herum eingesetzt und die Stopper für das Schiebeluk waren zu weit nach hinten montiert. All das sollte nun gerichtet werden, zumal auch eine Schraube der Verbindung des Schlosses mit dem Steckschot absolut nicht mehr halten wollte.

Und danach wäre Supermarkt und Stammkneipe ange­sagt.

Ich hatte gerade Werkzeug, Schraubenkiste, Steckschot und was sonst so benötigt wurde ins Cockpit geschafft, als Pedros erschien und mir erklärte, ich müßte mein Schiff um einen Liegeplatz nach Backbord verlegen, weil ein Katamaran den Platz neben mir an Steuerbord bele­gen wollte.

Eigentlich kein Problem, es wehte nur mit sechs Wind­stärken von vorne!

Ich ging davon aus, dass ich das Manöver in Ruhe vor­bereiten könnte, so, wie ich das gewohnt war, Leinen klarieren, Hilfsleinen ausbringen, neue Mooringleine am Bug befestigen usw. Vor Allem auch Stromanschluß und die Gangway abbauen, nichts von alledem.

Auf einmal war Hektik angesagt. Da kam ein Riesen­trumm von einem Katamaran angefahren, die Größe eines mittleren Eigenheims, bedient von zwei Leuten! So schien es jedenfalls.

Und nun beginnt das Desaster. Pedros Englisch ist nicht aller bestens und so gab es echte Kommunikationspro­bleme. Plötzlich wuselte irgendein dunkelhäutiger Mensch (was nichts mit Rassismus zu tun hat, sondern, ich hatte den nie zuvor gesehen und war der Annahme, dass er zu Pedros Mannschaft gehörte) auf meinem Schiff herum und löste die Vorleinenmooring, ohne vor­her eine andere Verbindung hergestellt, geschweige denn, mit mir kommuniziert zu haben.

Weil ich mit dem Klarieren der Heckleinen beschäftigt war, ich hatte da ja so meine Vorstellungen, wie so ein Manöver abzulaufen hatte, kriegte ich das erst mit, als „Yssabeau“ mit dem Heck gegen den Steg rummste. Pedros und noch ein anderer Helfer versuchten mein Schiff vom Steg ab zu halten, während es quer gegen das an Backbord liegende Nachbarschiff trieb.

Wer zum Teufel hatte diesem Idioten gesagt, er solle meine Vorleine lösen? Wieso war der überhaupt auf meinem Schiff?

An Steuerbord, dieses Ungeheuer von einem Katama­ran, der mit Hilfe seines Bugstrahlpropellers versuchte, sich gegen den Wind von mir frei zu halten und mich damit nur noch mehr auf das Nachbarschiff drückte. Mangels Mannschaftskapazitäten hatten die noch keine Mooringleine zu fassen. Die Fender vom Typ „Heißluft­ballon“ waren da zwar hilfreich, was die Schadensbe­grenzung an ging, nützten aber nichts, da sie an Fäd­chen vom Typ „Häkelgarn“ angebunden waren. Einer riß dann auch prompt ab.

Ich muß gestehen, hier war ich nicht mehr Herr der Situa­tion.

Während es Pedros gelang, einen dicken Fender, den er von einem der Charterboote geholt hatte, zwischen „Yssabeaus“ Heck und Steg zu plazieren, fürchtete ich um meine Badeleiter.

Der Typ auf meinem Vorschiff war sichtlich bemüht mittels seiner Armkraft zu verhindern, dass mein Anker das Nachbarschiff zersägen würde. Das bei sechs Windstärken!

Pedros und ich schafften es dann, eine meiner vorher gelösten Achterleinen auf dem Vorschiff des neben mir liegenden Schiffes auszubringen und die „Yssabeau“ vorzuziehen, so dass wenigstens das Heck meines Schiffes vom Steg frei kam.

So langsam klärte sich die Situation. Es gab eine neue Mooringleine, an der ich die „Yssabeau“ vorziehen und festmachen konnte.

Es stellte sich heraus, dass der Typ, der da auf meinem Vorschiff herumwuselte, ein Besatzungsmitglied des Ka­tamarans war und auf Anweisung des Katamaranskip­pers handelte. Das hätte ich ‚mal vorher wissen sollen!

Um es kurz zu machen – es gab noch einiges Hin und Her – hatte ich dann zwei Mooringleinen zu fassen, die ich unter Zuhilfenahme von Stoppersteg und Ankerwin­de so dicht gezogen habe, dass ich nicht befürchten mußte, mit „Yssabeaus“ Heck gegen den Steg zu trei­ben.

Der vor sich hin grinsende Mitarbeiter des Katamaranka­pitäns wollte das per Hand machen! Wie bekloppt muß man da eigentlich sein, sechs Tonnen Boot gegen sechs Windstärken Meltemi mit der Hand zu ziehen. Ich hab‘ den vom Acker gejagt.

Mit all den Arbeiten (Leinen klarieren, Stromanschluß neu verlegen, Gangway neu fixieren etc.), die dieses Chaosmanöver mit sich brachte, verbrachte ich also einnen Gutteil des Nachmittages. Nichts mit Erledigung meines s.g. Kleinkrams. Jedoch, das angefangene Steckschot-Schiebeluk-abschließ Projekt sollte zu Ende gebracht werden.

Das war dann der Rest meines „beschaulichen“ Nach­mittags. Nach einigem Werkeln passen Steckschot, Schiebeluk und Schloß nunmehr zusammen.

Ich habe keine Lust mehr auf irgendwas. Ich gieße zwei Gin-Tonics in mich hinein, schlachte eine, noch aus 2014 stammende Dose Ebsensuppe und „I called it a day“.

Sechste Episode:

Während ich das hier nun schreibe, tauchen zwei junge Mädel auf dem Steg am Heck der „Yssabeau“ auf, so ir­gendwie zwischen 13 und 15 Jahre alt. Es ist so rounda­baut 22:00 h. Ich hatte ja schon Eingangs erwähnt, dass diese Steganlage eine Art Teenietreff ist.

Ganz vorsichtig und zurückhaltend fragt eine von Ihnen, ob ich Englisch sprechen würde. Nachdem ich dies bejaht habe, schildern die mir ihr Problem: Eine von de­nen hat ihr Handy am Steg versenkt. Ob ich da helfen könne.

Das kommt mir irgendwie bekannt vor, habe ich doch 2014 mein Handy in Gosport im Hafen versenkt.

Leider muß ich denen erklären, dass bei hier ungefähr 6 Metern Wassertiefe kaum noch etwas zu machen sei.

Ich rate, sich am nächsten Tag noch einmal mit Pedros in Verbindung zu setzen. Ziemlich geknickt zogen die beiden von dannen.

So weit erst einmal. Vielleicht kann ich mit weiteren ähnlichen Geschichten ja irgendwann einmal fortfahren.

 

06.06.2017

Plangemäß sind wir am 31.05. in der Marina Aretsou in der Nähe von Thessaloniki eingelaufen, wo  dann einen Tag später Jutta und Vera die Crew bereichern. Mit denen ging’s dann über verschiedene Häfen an der Thessalischen Küste entlang nach Süden Richtung Euböa (Evvoia).  Mangels Wind mußten wir dann doch hin und wieder längere Strecken motoren. 

Meine hochgradig motivierte Segeltruppe

Gestern sind wir in Oreoi, einem kleinen beschaulichen Örtchen auf Griechenlands zweitgrößter Insel angekommen, wo wir einen Hafentag einlegen. Badestrand, Internetcafe, Strom und Wasser auf der Pier, nettes Ambiente, nette Leute, was will man mehr. Das Leben kann so schön sein!

30.05.2017

Heute sind wir in der Marina Sani auf dem westlichsten Finger (Kassandra) der Halbinsel von Chalkidiki angekommen. Bis jetzt die teuerste Bleibe in Griechenland. Aber alles vom Feinsten. Service, Sanitäranlagen, Ambiente etc.

Morgen geht’s nach Thessaloniki Marina Aretsou, wo Jutta und Vera am Donnerstag zu steigen werden.

27.05.2017

Es ist geschafft. Slatko hat den Auspuffkrümmer repariert. mit von der Planung abweichender Verspätung von sechs Tagen sind wir in Richtung Chios aufgebrochen. Es bleibt leider keine Zeit für irgendwelche Besichtigungstouren. 

Auslaufen aus Chios bei gutem räumen Wind, bis an die Nordspitze der Insel, dann Flaute. Der Rest der Strecke nach Lesbos wurde unter Motor zurückgelegt. Slatkos Reparatur hat sich bewährt

Auch auf Lesbos kein Sightseeing, was wir mehr als bedauern. Wir wollten in dem kleinen Hafen von Sigri an der Westküste von Lesbos übernachten, aber man verweigerte uns die Einfahrt mit der Begründung, der Hafen sei nur für Militär und Polizei zugänglich. Also hinter der Nordmole in der Bucht frei ankern. Ging auch.

Dann mit fantastischem raumen Wind in Richtung Lemnos. Segeln vom Feinsten. Etliche Meilen vor der Insel drehte der Wind auf West, um dann nach und nach gänzlich zu erschlaffen. Also den Rest der Strecke nach Myrinai motort. Wir ergattern den letzten freien Liegeplatz an der Stadthafenmole und beschließen, am nächsten Tag einen Hafentag einzulegen. Es zeichnet sich ab, dass wir nun genügend Zeit haben, um Thessaloniki rechtzeitig zum Crewwechsel zu erreichen.

21.05.2017

Shit happens! Bei Supersüdwind sind wir heute aus der Samos Marina ausgelaufen, um nach ca. zwei Meilen motoren wieder zurückzukehren. Die Temperaturanzeige der Maschine  kletterte in den roten Bereich. Irgendetwas stimmte mit der Kühlung nicht.  Slatko, der Motormechaniker, war sofort zur Stelle, konnte aber erst einmal auf Anhieb das Problem auch nicht lösen. Nun ist uns mindestens ein weiterer Tag in der Samos Marina vergönnt. 

Am 12. Mai bin ich nach Samos geflogen, um die „Yssabeau“ aus dem Winterschlaf zu erwecken.

Die Marina hat gut gearbeitet. Das Unterwasserschiff ist frisch gemalt, sogar den Rumpf haben die Marinaleute poliert.

Die Maschine ist frisch überholt und ein neues Getriebe eingebaut.

Das Schiebeluk wurde auch repariert, aber da mußte ich dann doch noch auf Nachbesserung bestehen.  Mit dem „Kleinkram“ haben die Griechen es offenbar nicht so.

Wie geplant ging „Yssabeau“ am 15.05.  zu Wasser.  Der Meltemi blies mit 5, in Böen bis zu 6 Bft. und ich war  wirklich dankbar, dass mir zwei Deutsche, die ihr Schiff auch hier überwintert hatten, beim Verholen zum Liegeplatz halfen.

Eigentlich sollte Peter heute auf Samos ankommen. Aber: In Athen streikt irgendwelches Flughafenpersonal und Peters Flug vom Hamburg nach Athen wurde gestrichen. Nun Kommt er einen Tag später an. Damit verschiebt sich wohl auch unser Termin zum Lossegeln. Macht nichts, es gibt immer noch genügend zu tun.

Peters Reisebericht 2016

Do. 23.6.:

Morgens `mal wieder um 06:30 h in die erwachende Stadt gegangen. Brauche Schmerztabletten. Habe, glaube ich, eine Schleimbeutelentzündung in der linken Schulter. Trinke erst einmal einen Frapè, mein neues Getränk auf dieser Reise. Sitze in einem kleinem Kaffee am Fährhafen und telefoniere mit Sabine, schön ihre Stimme zu hören.

Die Stadt Ios liegt oberhalb des Hafens. Als ich die Treppe sehe, beschließe ich, den Buss zu nehmen. Ein Müllwerker zeigt mir den Weg zur Haltestelle und sagt mir, ich bräuchte nur die Hand hoch zu halten und der Buss würde überall halten. Gesagt getan. Oben in der Stadt angekommen setze ich mich vor die Kirche. Da es schon sehr heiß ist, genieße ich erst einmal den Wind. Gehe durch sehr enge Gassen treppauf, treppab, verweile, Leute auf dem Weg zur Arbeit begegnen mir. Kallimera (guten Tag). Ich kaufe mir eine Flasche Wasser und der Verkäufer sagt mir, dass die Apotheke um 09:00 h aufmacht. Hab also noch 1 h. Klasse, schlendernd schaue ich mir die weiß blauen Häuser an und genieße. Im Gegensatz zu den Dodecanes, wo die Häuser überwiegend ocker gestrichen sind, sind sie hier auf den Cycladen blauweiß. Weißes Haus und die Türen und Fenster meist blau. Kaufe mein Diglofenac in der Apotheke und gehe jetzt die Treppe langsam 15 Minuten runter. Diese Richtung stimmt. An der Yssabeau angekommen, hat Jörg das Frühstück schon fertig. Segeln nur kurz nach Sikinos. Der Hafen ist völlig versandet. Laufen auf Grund, kommen frei und legen uns längsseits an eine Yacht mit 10 Spaniern an Bord. Das kleine Dorf weist einen Laden und eine Taverne auf, idyllisch.

Fr. 24.06.:

Morgens wie gehabt, ab ins Dorf, schlendern, viel ist da nicht. Eine Frau macht gerade die Taverne sauber. Ich setze mich in die Taverne mit dem Rücken zur Wand und einem guten Rundumblick. Das ist der Tisch der alten griechischen Männer, kurzes nicken, Kallimera und schon bin ich von ihnen umringt. Hier fühle ich mich wohl.

Eine Treppe weiter gibt es um 09:15 h frisches Brot und ab zum Frühstück. Wird ein kurzes. Die Spanier wollen ablegen. Da wir im Pack liegen, gehen wir mit raus und segeln Richtung Poliagos, eine kleine Insel mit einer guten Ankermöglichkeit. Nach 30 sm bei zum Teil knackigem Wind, sind wir die einzigen, die hier ankern. Türkisblaues Wasser, Sandstrand und Tuffsteinfelsen an denen die Erosion alle möglichen Formen hinterlassen hat. Ziegen erscheinen am Abend am Strand. Decken ihren Tagesbedarf an Salz, indem sie Salzwasser schlabbern und verschwinden wieder. Warum will man da in die Südsee?

Ab ins Wasser und erst einmal bei 23° Abkühlung verschaffen. Ein zweites Schiff ankert auch und so schwojen (da das Schiff nur an einem Anker befestigt ist dreht es sich um diesen) wir um unseren Anker in die sternenklare Nacht.

Sa. 25 06.:

Morgens baden, Frühstück, genießen. Und dann kommt noch ein Segelboot unter Motor mit 13 Personen auf dem Deck in die Bucht. Ankerwerfen, baden, an den Strand gehen und Robinson spielen, an Bord gehen, Anker auf und nach einer dreiviertel Stunde ist der Spuk vorbei.

Sind nach einem kurzen, aber schönen Segelschlag auf Milos angekommen. Nettes Städtchen. Liegen mitten drin. Jörg braucht umbedingt eine Wäscherei, und unsere Vorräte sind auch am Ende. Also Hafentag. Abends bläst der Meltemi so in den Hafen, daß wir die Yssabeau noch etwas vom Anleger wegziehen, um Schaden zu vermeiden. Nachts ist dann schaukeln angesagt. Uns stört das absolut nicht, im Gegenteil, ich lasse mich in meine Traumwelt schaukeln.

So. 26. 06.:

Der Meltemi soll heute noch stärker blasen und an der Hafeninnenseite des Anlegers ist ein Platz frei geworden, also verholen. Bedeutet: das Boot auf den freien Platz fahren und festmachen. Danach Sonnensegel, sprich quasi ein Zelt über den Baum spannen und den ganzen Tag Schatten genießen. So können wir am Spätnachmittag den Mast über die Wanten optimaler einstellen, sprich trimmen. Dauert 3 h. Sind aber mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Herrausstellen wird sich das beim nächsten am Wind Kurs.

Mo. 27.06.:

Stehe früh auf und erkunde die Oberstadt, was man bei 33° Tagestemparatur nur morgens oder abends tun sollte. Käffchen trinken, suche ich nicht nur nach der Gemütlichkeit des Caffees aus, sondern auch nach der Stärke und der Sicherheit des Wifis.

Frühstück und Entscheidingsfindung. Was tun? Beschluß: Hafentag. Nettes Städchen, guter Liegeplatz, Wasser einmalig 5 €. Somit Wasserschlauch schon gestern aufs Vorschiff ausgrollt und Duschen jederzeit an Deck. Klasse bei den Temperaturen.

Noch ein Wort zu den Häfen in Griechenland: Sie sind preisgünstig zwischen 0 ind 20 € die Nacht. Allerdings fast immer ohne Sanitäranlagen, oft ohne Strom und Wasser. Somit haben wir es hier mit “ Dusche“ an Bord sehr komfortabel.

Nachmittags in die Stadt. Im Eiskaffe Frapè trinken, abkühlen, Einkaufen und Katakomben aus der frühen Christenzeit (300 n.C.) besichtigen. Die Höhle stellt sich als Bunker der Deutschen aus dem 2 ten Weltkrieg heraus. Besichtigung fällt aus.

Die Hitze macht mir heute zu schaffen. Mir ist schlecht. Nehme ein homeopatisches Mittel und lege mich in die Koje. Abends zum Glück alles ok. Mache uns einen Salat und genieße.

Di. 28.06.:

06:00 h. Hab` ausgeschlafen. Dusche an Deck und schlender durch die jetzt noch schlafende Stadt. Einige wenige Frühaufsteher sind aber schon unterwegs. Die Bäckerei hat schon auf und ich trinke einen griechischen Kaffee, schreibe am Tagebuch, beobachte immer mehr Menschen auf der Straße. Zwei junge Katzen haben die Nacht anscheinend gut gekühlt auf dem Deckel einer Eistruhe verbracht. Ich kaufe Brot und arbeite den Einkaufszettel ab, schlendere zum Schiff zurück, frühstücken. Ich mache uns Spiegelei mit Tomaten Zwiebeln und Bacon, abwaschen, Schiff segelklar machen und nach 3 Hafentagen heißt das Kommando endlich wieder: Segel hoch. Viel Wind 4-5 Bft. Gegenan, kleine Genua (3), erstes Reff, 1/2 Stunde zweites Reff und trotzdem 6 kn. Fahrt. Klasse. Auf Sifnos in Kamares angekommen ist der Hafen voll. Die Ferienzeit hat begonnen, werden wir jetzt öfter erleben. Also ankern wir in der Bucht vorm Hafen. Das Handbuch verspricht bei der Windrichtung Fallwinde. Mal sehen.

Mi. 29.06.:

Die Nacht war sehr unruhig, habe aber trotzdem gut geschlafen. Der Meltemi hat geblasen wie nichts Gutes. Die Yssabeau ist mehrfach um 360° um den Anker geschwojt und frag` nicht, in welcher Geschwindigkeit. Ich kam mir vor wie in einem Kinderkarussel und er kommt in Böen, heisst: Völlig Windstill und eine Sekunde später kannst du dein eigenes Wort nicht mehr verstehen und jedes Mal aus wechselnden Richtungen. Da Jörg das aber geahnt hat, haben wir gestern den Anker tief eingefahren, heisst: 5 m. Ankertiefe = 10 m. Kette raus, einrucken, nochal 10 m. zugeben, warten und eimschwojen, Ankerkette dabei mit der Hand anfassen und fühlen ob sie noch ruckelt, wenn nicht, nochmal 5 m. zugeben sprich: stecken. Es gibt die Faustregel: Ankertiefe X 3, bei Starkwind X 5. Dabei muss natürlich vermieden werden, den Anker über einen anderen oder dessen Kette zu werfen. Es muss der eigene Schwojkreis und der der anderen Schiffe um dich herum beachtet werden, damit die Schiffe nicht zusammenkrachen. Das lerne ich hier an Bord immer besser. Jetzt wisst ihr warum ich trotzdem gut geschlafen habe. Auf Jörg ist verlass.

Frühstücken, Schiff seeklar machen und ab zur nächsten Insel. Ist das nicht klasse. Die Inseln liegen hier nur 20-30 sm auseinander, somit brauchen wir, da wir Zeit haben, nur rauszufahren, schauen wo der Wind herkommt und los. Bei knackigem Wind 4-5 Bft. 20 sm gekreuzt, klasse. Sind nach 4 h in Livardi auf der Insel Serifos eingelaufen. Neuer Hafen. Da wir schon so früh einlaufen 14:30 h ist kein Mensch an der Pier zu sehen. Das Hafenhandbuch beschreibt ihn ganz anders, also erst einmal Krimgel fahren und orientieren. Da keine helfende Hand an Land ist und der Hafen sehr eng ist, muss ich übersteigen und die Yssabeau irgendwie festmachen. Zweite Leine über und dann von Platz zu Platz verholen bis wir eine Muringleine zu fassen bekommen. Angelegt. Schiff aufklaren, Anlegerbierchen, Mittagschlaf und ab zum Einkauf.

Oberhalb des beschaulichen Örtchens liegt die Hauptstadt der Insel Chora. Wie Schwalbennester sind die in der Sonne strahlend weißen Häuser an den Berg geklatscht. Der Einkauf ist Dank gut ausgestattetem Supermarkt schnell erledigt und wir schlendern durch das Örtchen. Am Ende, direkt am Wasser, sitzen in einer Taverne nur griechische Arbeiter und Fischer. Wir setzen uns dazu, trinken ein Bierchen und beschließen hier zu essen. Das erste Mal esse ich Giros in Griechenland, schmeckt wie beim Griechen.

Am Schiff zurück, immer noch kein Strom. Nur Starkstromanschlüsse und kein Marinero weit und breit. Ok. die Stromversorgung übernimmt das Solarpanel und der Windgenerator. Wasser gibt`s. Alles im grünen Bereich. Einen Ouzo ( Grüße an Rolf) nach dem Giros und den, für mich auf dieser Reise obligatorischen Retsina.

Der Hafen ist jetzt bis auf den letzten Platz belegt. Es kehrt Ruhe ein. Ab in die Koje.

Fr. 30.06.:

Vor dem Frühstück schlendern, Brot kaufen, frühstücken und dann Entscheidung fällen. Wir legen einen Hafentag ein. Heißt: schreiben, gammeln, Schläfchen, und Hafenkino schauen. Ins Caffee einem Frapè mit Vanilleeis. Kann es Schöneres geben? Am frühen Abend mit dem Buss nach Chora.

Do. 30.06.:

Der Frapè war lecker. Der Bus kommt und wir fahren in das Bergdorf. Ich komme mir wirklich vor wie in einem Schwalbennest. Sehr eng, nur Treppen, hoch, runter. Hier ist der Wind angenem kühl. Die weißen Häuser strahlen in der Nachmittagssonne. Eine Frau streicht ihre Haustür in einem neuen Blau. Der Ausblick über die Insel und den Hafen ist einfach grandios, innehalten, genießen und sich bewußt machen, dass man das erleben darf!

Weiter langsam treppauf, treppab. Am Marktplatz ein kühles Bierchen, natürlich mit etwas zum knabbern als Gabe des Hauses. Wenn jemand ein alkoholisches Getränk in Griechenland bestellt, muss etwas zum essen dabei sein. Oft Chips, aber auch Oliven, Käse oder etwas Gulasch. So erklärt es uns der Wirt, der als Fernfahrer ein paar Brocken Deutsch gelernt hat. Wir fahren mit dem Bus zurück und es gibt Karbonade mit Möhren zum Abend. Weinchen, klönen, schauen und ab in die Koje.

Fr. 01.07.:

Stehe früh auf und verabschiede mich von dem schönen Fleckchen. Frühstücken, Schiff klar machen und ablegen. Motor an, Leinen los, Mooringleine versenken und? Motor geht aus. Scheiße, wir kommen nicht von der Pier weg. Die Hilfsleine der Moorig,  die an der Pier angebunden ist, hat sich um die Schraube gewickelt. Achterleinen wieder über, Mit dem Bootshaken versuchen sie lose zu bekommen, keine Chance. Tauchen. Taucherbrille hat Jörg aber meine Kontaktlinsen liegen in Großensee und Jörg ist ohne seine Brille noch blinder als ich.

Da kommt unser Neuseeländischer Nachbar und bietet seine Hilfe an. Nach einer halben Stunde hat er die Mooringleine aus der Schraube gewickelt. Danke. Segeln bei 4 Bft. von achtern übers Wasser. So laß ich es mir gefallen.

Da wir durch das morgendliche Malör später losgekommen sind laufen wir einen anderen Hafen auf Paros an, als geplant. Den Hafen Paronikia.

Der ist rappel dicke voll, da, im Handbuch nicht erwähnt, hier eine Charterbasis neu aufgemacht hat und morgen Samstag ist. Crewwechsel. Wir finden aber noch den letzten freien Platz, müssen also nicht Ankern und ich kann duschen. Schön.

Nach der üblichen Prozedur, Segel einpacken, kurze Erkundung. Wo ist der Bäcker, Supermarkt etc. Macht Jörg eines seiner Standards. Chinesisch süßsauer mit Reis. Abwaschen, Weinchen, schlafen.

Sa. 02.07.:

Früh in die Stadt. Ein kleines ehemaliges Fischerdorf mit engen Gäschen.

Verhältnismäßig viele Menschen um 06:30 h auf den Straßen, Kaffeechen und etwas schreiben. Zurück zum Schiff und die hier an der Pier vorhandenen Toiletten aufsuchen. Nach vier Wochen das erste mal rasieren und an Bord die Schlauchdusche. Der Tag fängt gut an.

Etwas im Cockpit sitzen, ein Segler geht raus, schwups, geht ein anderer rein. Menschen gehen mit Klopapierrollen Richtung W C. Frühstück vorbereiten, Jörg wecken, frühstücken und Entscheidung fällen. Was passiert heute. Beschluss: Mykonos!

Da ein Meltemi angesagt wird wollen wir versuchen vorher die 40 sm. Nach Mykonos zu machen.

Auslaufen, Segel hoch und? Werden von zwei Schnellfähren in die Zange genommen. Unfreiwillige Dusche auf dem Oberdeck. Sch… Der Wind gegenan, die Welle gegenan. Ich gehe nach unten um, wie jede Stunde, einen Ort zu machen. Sch…. Was ist das? Ein Wasserfall stürzt ins Vorschiff meine Koje geflutet, und das wohl nicht das erste mal. Hab vergessen die Luke zu schließen. Der Tag ist ein Gebrauchter, sollte man streichen.

Haben in 2 h. gerade mal 4 sm. gemacht. Ankunftzeit Mykonos voraussichtlich 00:00 h. Besprechung und Entscheiding. Wir segeln mit halben Wind nach Paros in den für gestern geplanten Hafen Nausa. Nach 3 1/2 Stunden Segeln und 11 sm. anlegen, festmachen und Segel einpacken.

Zum Glück giebt es hier Wasser am Steg. Wo ist der Gardena Adapter? Suchen. In die Backskiste abtauchen, alle Segel raus, nicht da. Ich muss ihn morgens am Wasserhahn an der Pier stecken gelassen haben. Ein freundlicher englischer Segler leiht mir seinen bis morgen.

Also Polster aus dem Vorschiff und das Salzwasser aus den Matratzen waschen, da Salzwasser gewässerter Stoff immer wieder Feuchtigkeit zieht und somit nicht trocken wird.

Gewaschene Schaumstoffmatratzen brauchen aber auch bei 28° mindestens 2 Tage. Also werde ich in den Salon ziehen.

Meine Klamotten sind auch durchnässt. Erst mal alles ans Oberdeck und trocknen. Bei so viel Wasser an Bord muss auch die Bilge entwässert werden. Ich bin fertig. Jörg schnappt sich den Schwamm und taucht ab in die Bilge. Der Nachmittag ist vorbei und wir haben ihn in dem saunaartigen Unterschiff verbracht.

Schweißgebadet, abduschen mit dem Schlauch und ein Bierchen trinken. Ein? Das erste ist schon beim aufmachen verdunstet. Abends lade ich Jörg zum Essen in ein, für hiesige Verhältnisse, teures Fischrestaurant ein. Für Jörg ein sehr übersichtliches Essen aber klasse. Vorspeise teilen wir uns. Ein spitzen Salat mit einer klasse Vinaigrette, das Olivenoel ist unschlagbar, es kommt vom Pelopones, außerdem ist Queller im Salat. Hab ich noch nie gegessen. Schmeckt sehr sehr lecker. Der Ober erklärt uns, dass das so genannter Seespargel ist und eine Spezialität der Küche hier sei. Sie ernten es hier in der Bucht. Queller ist ein Gewächs, welches bei uns an der See als Dünenbefestigung gesetzt wird. Werde ich mir zu Hause auch holen. Als Hauptspeise wählt Jörg Callamaris umd ich Oktopus auf Reis, genial. Wenn man dann bedenkt, dass wir als Gabe des Hauses vorweg Tarama mit Brot und zum Schluß Wassermelone, Honigmelone und einen guten Tresterschnaps bekommen haben, war für mich 70 € für uns beide zusammen, absolut angemessen.

Ab in die Koje.

So. 03.07.:

Hab` schlecht geschlafen, da wir gestern abend beschlossen haben, heute nach Mykonos zu segeln. Hab`

einfach Schiß wegen des Meltemis. Jörg hat sich während des Fußballspieles im Internet 3 Wetterberichte angesehen und meint, für uns beide ungefährliches knackiges Segeln und die letzte Möglichkeit noch vor dem Meltemi nach Mykonos (meinem Abflughafen) zu kommen.

Trotzdem habe ich von Skylla und Charybtis geträumt. Die tauchen in der Sage von Odysseus auf und da wird von einer schäumenden, felsenumrandeten Meerenge (die Straße von Messina) berichtet.

Jörg hat mal wieder Recht. Seine Seemanschaft ist klasse. Er schätzt seine Crew und die Wetterbedingungen richtig ein. Die Überfahrt wird zum Erlebnis für mich. Volle Kreuz bei bis zu knappen 7 kn. Die Wellen sind zum Schluss gute 2 m hoch. So segelt mann nicht jeden Tag. Klasse. Anker raus, rückwärts an die Pier, Polster zum trocknen aufs Vorschiff, Resteessen, Weinchen, Polster unter Deck, wegen der nächtlichen Feuchtigkeit und ab ins Mittelschiff, Polster sind ja noch nicht trocken.

Mo. 04.07.:

Stehe um 07:00 h auf. Dusche an Bord und gehe in die Stadt. Welche Stadt? Wir liegen in Tourlos Marina ca. 6 km von Mykonos Stadt entfernt. Da hab ich mich ganz schön verrechnet. Der Fährhafen hier und die Kreuzfahrtschiffe, die hier liegen. Ich dachte wir sind in der Stadt. Also: Umdisponieren. Bäcker und ein Caffe suchen, welches mir um diese Zeit einen Frapè einschenkt.

Fischer gibt es im Färhafen nicht, die liegen im, für Sportboote gesperrten, Stadthafen. Also: Busshaltestelle, da gibts auch immer eine Kantina die früh öffnet. Treffer. Frapè gut, langsam aufwachen, schreiben und der Tag fängt gut an. Aufs Schiff zurück.Frühstück ist fertig, so ist`s gut. Faulenzen ist angesagt!

Matratzen nochmal an Deck zum trocknen, Salzwasser aus meinen gefluteten Klamotten waschen und aufhängen, Jörg repariert die WC Pumpe, so ist das Bordleben.

Der Meltemi bläst mit 26 kn. Gut zum Wäschetrocknen aber ich möchte nicht auf See sein, wenn er im Hafen schon so stark ist.

Nachmittags gehen wir in ein Caffee etwas trinken. Jörg gibt seine Wäsche zum waschen. Ein bischen im Internet surfen.

Ein großes gezapftes Bierchen für 4,50 €. Willkommen auf Mykonos.

Schon ist Essenszeit. Wir hatten als eiserne Reserve, falls wir irgendwo ungeplant ankern müssen, Hack angebraten. Das wird jetzt zu Spaghetti Bolo verwurschtelt. Abends noch etwas an Deck sitzen, Hafenkino ansehen, klönen bei einem Glas Retsina und in die Koje. Natürlich wieder im trockenen Vorschiff.

Di. 05.07.:

Bin gerade dabei, in mein Morgencaffee zu gehen. Unsere Nachbarn, ein Charterboot voller Österreicher hat abgelegt und bekommt den Anker nicht frei. Sie tauchen und es scheint nicht zu funktionieren. Gehen wieder steuerbord in die Lücke. Ich bin ihnen an der Pier behilflich. Ich will euch die Einzelheiten ersparen. Nur so viel: Beim gestrigen Manöver war das schon eine Katastrophe. Heute steigern sie das.

Östereicher sollten doch lieber bergsteigen. Gehe meinen Frapè trinken und genieße den anbrechenden Tag. Fühstück ist fertig, aber, das sei vorweggenommen, wir werden es erst 3 h später essen. Was ist der Grund? Ankerketten Chaos.

Einige Schiffe wollen auslaufen. Eines nach dem anderen bekommt den Anker nicht frei, weil sie die Regel beim Einlaufen den Anker in gerader Flucht (90°Winkel) zur Pier zu werfen, nicht beachtet haben. Die werfen hier einfach Anker und warten ab, wohin der Wind sie drückt. Kreuz und Quer liegen die Anker über Ketten von anderen Schiffen. Dazu kommt, daß mitten im Hafenbecken eine schwere alte Muringkette an Betonklötzen versenkt ist und man sich auch darin verfangen kann. Wenn die Schiffe ablegen, schmeißen sie erst die Achterleinen los und holen dann den Anker ein. Das ist seemänisch richtig. Wenn dann aber deren Anker unter einer anderen Kette liegt, kann das Manöver nicht bis zum Anker zu Ende gefahren werden und bei dem starken Wind werden sie auf die anderen Schiffe getrieben.

Wir sind die ganze Zeit damit bschäftigt die Yssabeau vor Schäden zu schützen indem wir mit Fendern den Aufprall vermindern. Dazwischen kommt ein neues Schiff, fährt Kreise und, mann glaube es nicht, wirft seinen Anker ca. 3 m vor dem Bug der Yssabeau (da hängt unsere Ankerkette), fährt dann rückwärts von uns weg und dabei hat er natürlich unsere und die Kette der Östereicher erwischt.

Inzwischen in der Hafenmitte angelangt holt er seinen Anker hoch und hat die Kette der Östereicher und unseren Anker mit seinem über die Wasseroberfläche gezogen. Er hat 0 Ahnung was er tun soll, driftet auf einen Katamaran zu. Die Kat. Besatzung ist aber auf Zack und sie holen den Chaoten längseits. Wenn mir das jemand erzählen würde, würde ich es für Seemansgarn halten.

Anstatt jetzt ein Tau um unseren Anker in die Kette der Östereicher zu legen, dieses dann an der Klampe seines Schiffes festzumachen, seinen Anker zu fieren, so dass der unter dem Anker und der Kette loskommt, dann das Tau lösen und er ist frei, läßt er seinen Anler wieder fallen, mitsamt der Kette und unserem Anker. Ich fasse es nicht. Nach einer 3/4 h hat er es endlich begriffen, wir sind los und er fährt in eine andere Lücke.

Inzwischen ist ein Taucher dabei, den ersten Havaristen zu befreien. Wir Frühstücken endlich. Abwaschen ausruhen und beschließen, nicht mehr wie geplant, nach Mykonos Stadt zu fahren, da wir die Yssabeau nicht alleine lassen wollen. Ich schnappe mir JörgsTaucherbrille und Schnorchel, um unseren Anker und das ganze Gewusel in Augenschein zu nehmen damit wir uns ein eigenes Bild machen können.

Einer vonden Östereichern war zwar unten, aber eineigenes Bild ist sicherer. Tauche und das Ergebnis: Unser Anker liegt zur Zeit sicher und frei von anderen Ankerketten.

Der Östereicher ist nicht von einer anderen Kette, wie sie sagten, überworfen sondern hängt in der versenkten Mooringkette fest. Empfehlung: Taucher bestellen. Der hat sie dann auch nach 2 1/2 Stunden befreit und ihre Bordkasse um 150 € erleichtert. Ruhe, nach unten und das alles aufschreiben.

Rums, krach, bum. Eine Polnische Chartercrew hat uns gerammt. Nach oben, das andere Schiff wegdrücken. Wie gesagt: Kein Seemansgarn. Die Plätze neben uns sind belegt, wir gehen ein Bierchen trinken. Von der Taverne können wir auf die Liegeplätze schauen und, was nicht eintreten möge, in einer Minute an Bord sein. Anschließend Abendbrot, Retsina und ab in die ………

Mi. 06.07.:

Ich könnte fast sagen: Siehe gestern, nur dass die Yssabeau nicht gerammt wurde und wir nur mit einer Stunde Verspätung frühstückten. Der Taucher war wieder den ganzen Tag beschäftigt, Anker zu befreien und es kamen nicht so viele Schiffe rein. Nachmittags ins Kaffee und Bierchen, ins Internet Wetter schauen. Ich brauche gar nicht zu fragen, Jörgs Gesicht sagt alles. Der Meltemi bläst in voller Stärke weiter. Da Wolf noch nie, und Dieter sehr sehr lange nicht gesegelt sind, wird er bei der Windstärke nicht auslaufen, so dass er noch länger hier liegen wird. Gute Seemanschaft macht aus, seine Crew richtig einzuschätzen. Wir gehen zur Yssabeau und kurze Zeit später sind die Zwei auch schon da. Ein Begrüßungsbier und ab in die Taverne. Beim lecker Essen lerne ich die Zwei kennen. Mit denen würde ich auch Segeln. So vergeht die Zeit wie im Fluge und ab ins Bett.


Do. 07.07.: Gestern abend ist es doch etwas später geworden, so dass ich auch später zu meinem morgendlichen Frappé komme. Im Kaffee sitzend und auf die immer noch vom Meltemi aufgewühlte See blickend, ruft Sabine an, um mir von daheim zu berichten. Schön das es sie gibt. Gehe gegen 09:30 h Brot, Käse und Wurst kaufen, die Crew hat sich ja nun verdoppelt, und danach an Bord. Frühstück ist fast fertig, aber der Kaffee noch nicht da kein Strom. Ich suche eine funktionierende Steckdose und Jörg macht uns den Kaffee. Frühstücken und besprechen den Tag. Wir mieten uns einen Wagen, um die Insel zu erkunden. Mykonos Stadt ist voll. Auf den Wegen und auf der Straße. Stau.Langsam geht es voran, bloß raus hier. Wollen in einen kleinen beschaulichen Ort, wahrscheinlich alle anderen auch. Wieder Stau, ich glaub es nicht. Bin ich ich in Hamburg zur Rushhour? Nächster Anlauf, das selbe, also umkehren und ins Innere der Insel. Hier wird es etwas ruhiger aber es ist überall bebaut. Schon beim Anlaufen von Mykonos ist uns aufgefallen dass es, im Gegensatz zu allen anderen 18 von uns besuchten Inseln, kaum ein Fleckchen unbebautes Land gab. Wir fahren jetzt allerdings durch kleine Dörfer mit sehr engen Straßen, die zum Teil große Schlaglöcher aufweisen, deshalb nur mit um die 20 km. Hier gefällt es uns. In einem Bergdorf trinken wir Frappé. Fahren weiter. In einer wunderschön gelegenen Bucht, ein Bierchen. Dieter möchte unbedingt auf einen Berg, deshalb peilen wir die Nord West Spitze der Insel an, da steht ein Leuchtturm. Um den zu erreichen muss unser Kleinwagen viel leisten. Um die 20% Steigung Haarnadelkurven, die man nur am äußersten Rand nehmen kann, da sonst das Auto aufsetzen würde. Das alles auf engstem Raum und immer wieder wenden, da Straße zu Ende.

Letztlich finden wir aber den richtigen Weg und landen, teils wegen der Steigungen mit Vollgas im ersten Gang, am Leuchtturm. Das hat sich gelohnt. Neben uns nur drei andere Besucher. Die Gespräche verstummen eine Weile. Hier überkommt einen die ganze Kraft der Schöpfung. Der Ausblick ist gewaltig man möchte sich gar nicht trennen. Trotzdem treibt uns der Magen. Wir fahren, am Hafen vorbei, die Yssabeau liegt noch da, nach Mykonos Stadt zum Abendessen. Nach einer halben Stunde Parkplatzsuche in der nähe der Altstadt, finden wir einen und in der zweiten Reihe auch eine bezahlbare Taverne, wo das Essen auch sehr gut schmeckt. Zurück aufs Schiff, einen Ouzo zur Verdauung und ab zum Fußball Deutschland Frankreich. Dazu schreibe ich nichts. Ergebnis bekannt. Aufs Schiff. Die anderen trinken noch ein Frustbier. Ich stelle meinen Seesack bereit. Kurze Verabschiedung und um 00:45 h bin ich in der Koje.

Fr. 08.07.: Bin um 00:03 h aufgewacht. Aufregung, Unruhe? Egal, döse noch eine 1/2 h in der Koje und stehe dann auf. Den Rest der Klamotten in den Seesack gepackt, aufs Oberdeck gebracht, mich nochmal in aller Stille von der Yssabeau verabschiedet und da ich noch Zeit habe gehe ich zur Straße, vielleicht kommt ja ein Taxi vorbei. Tatsächlich, nach einer Minute halte ich ein Taxi an.

Wolf und Dieter haben 29 € für die Fahrt vom Flughafen zur Marina bezahlt. Ich frag, ob er den Taxameter aus lässt und mit 20€ zufrieden ist. Er lehnt freundlich ab und sagt das sei viel zu viel und ich möge ihm doch das geben was ich möchte. So habe ich Griechenland oft erlebt. Freundliche, ehrliche Menschen, er fährt mich zum Flughafen und gebe ihm 15 € bedanke mich und er wünscht mir einen guten Heimflug und weiterhin ein gesundes Leben.

Es ist 04:15 h, der Flughafen noch verschlossen. Bin viel zu früh, und das mir. Ein paar Menschen sitzen schon davor. Werden langsam mehr und einige junge Männer sind ziemlich betrunken, ist eben eine Party Insel. Nach 1.1/2 h öffnet er. Ich checke ein und hebe pünktlich mit der Hilfe eines A 320 ab. Ich bin so müde das ich die beiden lehren Plätze neben mir okkupiere und mich lang mache, etwas kurz, aber geht. Übrigens das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir die Aussicht entgehen lasse und schlafe. Drei stunden Aufenthalt in Barcelona werden genutzt, um diesen, zunächst letzten Bericht, zu verfassen. Pünktlicher Weiterflug nach Hause. Um 14:25 h Lande ich in Hamburg, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Großensee zu fahren. Um 17:00 h liege ich in der Badewanne und bin angekommen.

Wenn alles gut geht, werde ich Euch im September/Oktober aus der Türkei und Griechenland wieder berichten können.

Mit seglerischem Gruß.

Peter

2. Teil: September bis Oktober

Moin, Moin
Es ist wieder so weit. Vom 03.09. 2016 bis zum 24.09 segel ich mit Jörg und Sabine die Lykische Küste (südlich von Rhodos die türkische Küste entlang. Am 24. muß Sabine leider nach Hause fliegen. Jörg und ich werden dann nach Griechenland segeln, um da Mitte Oktober die Yssabeau auf zu legen (an Land zu legen)

Sa. 03.09.:
Nach einem unspektakulären Flug sind Sabine und ich in Dalaman gelandet und mit dem Taxi zur Marina Göcek gefahren, wo uns Jörg mit einem kühlen Blonden die 32 Grad etwas erträglicher machte. Nach einem leckeren Essen im Restaurant noch einen Raki als Absacker und ab in die Koje.

So.04.09.:
Gut ausgeschlafen, herrlich geduscht und gut gefrühstückt. So beginnt der erste Urlaubstag. Bei 30 Grad, leichtem kühlenden Wind gehen wir in die Stadt. 10 min Fußweg und wir sind in Götcek. Ein kleiner sehr sauberer Ort. Der Muezin begrüßt uns vom Minarett aus plärrenden Lautsprechern. Sabine und Jörg besichtigen das Örtchen, während ich beschließe, die mir fremde Kultur da kennen zu lernen, wo sie noch am ursprünglichsten ist. Beim Friseur.

Meine galizische Erfahrung (das blutende Ohr) noch im Gedächtnis,setze ich mich, erwartungsfroh aber auch etwas skeptisch in den Salon. Dem Kunden vor mir wird eine grünliche dickflüssige Masse mit Qu-Tips in die Nase geschmiert. Vergisst der Friseur etwa die Qu-Tips aus der Nase zu ziehen? Nein. In jedes Nasenloch kommt noch ein zusätzliches, so das 4 Qu-Tips aus der Nase schauen. Was wird das? Das Rätsel wird nach 5 min. brutal gelöst. Mit einem kurzen Ruck werden die Qu-Tips mitsamt der Grünen Masse inklusive aller daran klebenden Nasenhaare herausgezogen. Autsch! Und schon bin ich dran. Seit meiner Reise im Frühjahr trage ich einen Vollbart, also einmal Haare und Bart schneiden. Nach einer Stunde habe ich erfahren, das man die grüne Masse (übrigens irgend so ein Kautschuk Zeugs) außer in die Nase, auch auf die Wangenknochen und in die Ohren schmieren kann um alles zu enthaaren. Nase und Wangen taten nicht weh. Ohren aber schon.

Völlig glatt bei einem Tee vor dem Geschäft beobachte ich das Treiben auf dem Platz. Sabine und Jörg kommen, bewundern die Friseurkunst und wir schlendern zurück zum Boot. Ein Bierchen an Bord gegen die Nachmittagshitze, Hafenkino ansehen, das angefangene Buch weiterlesen. Nichtstun kann auch anstrengend sein. Sabine macht abends Ratatouille und wir Männer essen noch ein paar Fleischspieße dazu. Sitzen nach dem Abwasch noch gemütlich bei einem Glas Wein im Cockpit und schon ist es 24 Uhr vorbei. Gute Nacht.

Mo. 05.09.:
Haben heute „viel vor“. Wollen ganze 6 sm. in eine Ankerbucht. Haben also alle Zeit der Wellt und beschließen die von uns mitgebrachte Windmessanlage am Top des Mastes zu montieren. Ich steige in den Bootsmannstuhl und Jörg zieht mich mit dem Großfall 14 m in die Spitze des Mastes. Klasse Rundumsicht hier oben. Statt auf die Aussicht hätte ich mich doch besser auf die Arbeit konzentrieren sollen. Ein Teil der Windmessanlage entgleitet meinen Fingern und ab ins Wasser. Sch…. Also Tauchen, ich komm nicht auf den Grund. Jörg gibt mir den Reserveanker der mich schneller runterziehen soll, klappt auch nicht. Das Wasser ist hier 14 m tief da hilft nur ein Profi mit Flasche. Sabine treibt einen netten Marinero auf, der uns einen Taucher besorgt. 15 min. später habe ich das Teil wider in der Hand, 50 € weniger im Portemonnaie und Jörg darf mich ein zweites Mal in den Mast
ziehen. Jetzt klappt alles und die Windmessanlage funktioniert wieder.

Wir legen ab und nach knappen 2 h fällt der Anker in einer Bucht vor einer kleinen Taverne auf der Insel Tersane. Sabine schwimmt mit einer Achterleine an Land, bindet sie um einen Stein und kommt zurück an Bord, um die zweite Heckleine auszubringen. Wir liegen jetzt sicher mit dem Bug vor Anker auf 10m Grund mit 40m Kette und zwei Heckleinen an Land fest. Ab ins gut 25 Grad warme Wasser und erfrischen. Jörg macht uns süßsaueres Rindfleisch und wir geniessen die Natur, das Grün, das klare türkise Wasser, den lauen Abend. Einfach alles. Die Türkei ist hier an der Küste unheimlich grün. Die Pinienwälder reichen bis ans Wasser. Das bis zu 3000 m hohe Taurusgebirge zieht sich die ganze Küste entlang und die Wolken, die im Winter hier ankommen, regnen an der Küste ab. Wassermangel gibt es hier zur Zeit nicht, trotzdem trinken wir unser Weinchen.

Di. 06.09.:
Nach dem morgendlichen Bad und dem anschließenden Frühstück segeln wir weiter in die nächste Ankerbucht nach Kalevezi Koyu. An alle die es genau wissen möchten: Last es sein! Die Inseln und Buchten sind hier so klein und zahlreich und somit nur auf Seekarten oder in sehr kleinem Maßstab zu finden. Wir segeln die kommende Woche von Göcek gen Süden und wenn es wieder nach Norden geht, sag ich Bescheid.

Bei moderaten 2-3 Bft segeln wir immer an der Küste entlang, das Taurusgebirge an Backbordseite gen Süden. Nach 15 sm liegen wir mit noch einer anderen Segeljacht in einer Traumbucht. Diesmal bringe ich nach dem Ankermanöver die Achterleine an Land, Puh, ist das anstrengend. Sabine wird das jedenfalls nicht mehr machen. Die Bucht ist so klein, das selbst die kleineren Gulets mit ihrer Discobeschallung an ihr vorbeifahren. Gott sei Dank. Sabine kocht Spaghetti mit Kapern, Oliven und den hier so göttlichen Tomaten. Lecker Freßchen. Wein, schwimmen, die Luft erfüllt mit dem Zirpen der Zikaden und dem Duft der Pinien und Gewürze. Klasse.

Mi. 07.09.:
Nach dem morgendlichen Bad, welches selbst Sabine nimmt, frühstücken wir in aller Ruhe, an Land schwimmen, Achterleinen rein, Anker auf und Segel setzen. Bei moderatem Wind kommen wir gut voran  und nach 30 sm finden wir in Kalkan einen überfüllten Stadthafen vor, kein Platz. Der Hafenkapitän weist uns ab. Doch plötzlich erkennt er Jörg,der hier schon 2 X im Hafen lag, und verholt zwei, drei Schiffe, um die Yssabeau in die entstandene kleine Lücke einzuweisen. Jörg schafft es genial in dem engen Hafen bei regem Guletverkehr (Türkischer Ausflugsverkehr) in die Lücke zu manövrieren. Der Ort ist sehr touristisch, aber auch malerisch. Er zieht sich den Berg hoch und abends muss Jörg dann doch die „Bergziege“ spielen, um mit Sabine und mir in einem Restaurante spitzenmäßig zu essen.

Do. 08.09.:

wieder ein toller Segeltag wie bisher eigentlich alle). Nach nur 4h landen wir in der Kas Marina. Duschen einkaufen und den Abend an Bord im Cockpit genießen. Hätte nicht gedacht das es hier in der Türkei so schön ist.

Fr.09.09.:
Nach einer angenehmen Nacht in der Kas Marina, klimatisiert geduscht, sofort wieder durchgeschwitzt, eingekauft und ausgelaufen. Bei raumen 3 Bft segeln wir an der griechisch türkischen Grenze gen Süden entlang.

Backbordseitig die Türkei, Steuerbordseite Griechenland und das alles gerade mal 1 sm (1836 m) auseinander.

Auch hier, wie auf der ganzen Reise, ist von Flüchtlingen zum Glück nichts zu spüren. Sabine ist hier oft am Ruder. So auch jetzt: Und was ist: ein anderer Segler taucht vor uns am Horizont auf. Zwei Schiffe, eine Regatta so o.Ton Sabine.  Nach zwei Stunden haben wir ihn Querachse. Sabine hat gewonnen! Nach 23 sm segeln wir in eine traumhafte Bucht. Ich denke das bei jeder Bucht. Jedes mal glaube ich, es gibt keine Steigerung und trotzdem gibt es sie. Anker auf 5 m, 20 m Kette, Peter mit Achterleine ins Wasser, ausbringend, zum Schiff zurück, zweite Achterleine, zurück aufs Schiff und ein verdientes gekühltes Bier. Abends lecker Lammkoteletts, die ich morgens schon in Marinade eingelegt hatte. Dazu allerlei frisches Gemüse mit Kartoffeln. So lasse ich es mir gefallen.

Sa. 10.09.:
Morgens werden wir mal ausnahmsweise nicht vom Muezin geweckt, da die Insel nicht bewohnt ist. Nicht desto trotz meckern Ziegen am Ufer so laut, dass die Nacht um 07:00 zu Ende ist. Ins türkisblaue Wasser gesprungen und Dosenbrot aufgemacht (haben vergessen Brot ein zu kaufen). Gut das Jörg für alles vorgesorgt hat. Heute haben wir nur 6 sm vor uns, da wir zu Hassan wollen. Ein Restaurante welches Jörg vor ca. 30 Jahren angelaufen hat. Wir kennen den Nahmen des Ortes nicht genau aber das Handbuch kennt diesen Hassan auch und weist uns den Weg. Wir laufen in eine Fjord ähnliche Landschaft ein. Sehr, sehr malerisch. Vorbei an alten lykischen Ruinen, kleinen Dörfern gelangen wir an einen kleinen Hafen an dem Hasan sein Restaurant betreibt.

Bin wieder online.

Sa.10.09.:

Zweiter Teil.
Dieses Örtchen heißt übrigens Ücagiz und es wird wahrscheinlich der südlichste Punkt unserer Reise sein. Er ist noch sehr ursprünglich. Gehen nachmittags durch den Ort. Die Menschen sind sehr bäuerlich gekleidet, sitzen vor den Häusern auf der Erde und schlagen Kerne aus irgendwelchen Schoten, sortieren Kräuter, grüße freundlich ( Mer Haba) Guten Tag, lächeln mich an, sehr willkommen. Könnte mir vorstellen hier einen Hafentag einzulegen, mal sehen was der Rest der Crew dazu sagt. Trinken bei Hassan, der ein sehr gutes Deutsch spricht, einen Kaffee bzw. ein Bier und verabreden uns mit ihm zum Abendessen. Auf der Yssabeau beschließen wir einen Hafentag einzulegen.
Das Essen am Abend bei Hassan ist vorzüglich. Vorspeisenteller : je 15 Tl. = 5 €, Sabine und ich teilen uns eine Riesen Dorade 80 Tl = 26,50 €. Schauen auf die abendliche Bucht und ich wundere mich zum x-ten Mal wie schnell und wie früh es hier dunkel wird. Eine halbe Stunde Dämmerung und um 20:00 h ist es stockfinster. Jeder noch einmal auf die Keramik (muss man ausnutzen, da der Abwassertank auf der Yssabeau nur 60 L faßt) und aufs Schiff. Noch einmal die abendliche Stimmung im Cockpit geniessen und ab in die Koje.

So.11.09.:

Gün Nakem „guten Morgen“ wünsche ich Euch.
Gehe gegen 07:30 h durch das kleine schon überraschend wache Dorf, Dusche bei Hassan, kaufe uns Brot und bereite uns das Frühstück vor ,während Sabine und Jörg zum Waschen sind. Sabine und ich essen wie jeden morgen unser mediterranes Frühstück. Weißbrot, welches so viel Luft enthält, dass man das ganze Brot mühelos auf 5×5 cm zusammendrücken kann. Jörg nennt es “ den Haslbeckschen Tomato Burger“. Und so wird’s gemacht: Weißbrot mit Olivenöl getränkt salzen, mit Tomaten belegen, ich zusätzlich Zwiebeln und leckere Käsestückchen. Sabine natürlich vorweg den leckeren 12% Joghurt und einem Pfirsich. Feigen und, Pfirsiche sind zur Zeit reif.

Da wir heute hier bleiben, montiere ich das  große Sonnensegel während Jörg die Bilge und den Motor kontrolliert. Danach faulenzen lesen, Bericht schreiben, Bilder am PC sortieren. Jeder nach Lust und Laune. Wir segeln schon die ganze Zeit östlich von Marmaris und uns sind die alten Städte und Felsengräber des antiken Volkes der Lykier aufgefallen. Das kleine Volk lebte hier schon ca. 1500 v. Christus in einer Gemeinschaft von 20 Städten. Werden uns heute nachmittag einige Sarkophage und Überreste einer Stadt ansehen. Alle, die Homers Ilias Dichtung über den Krieg um Troja gelesen haben, wird dieses Volk etwas sagen. Ich habe hier das erste mal von dem Land Lykien gehört. Es gibt noch viel auf der Welt zu entdecken.

Nach der größten Hitze zu Hassan auf einen Kaffee, durch das Dorf schlendern, hier schauen, da stehen bleiben.   Überall im Dorf sind Überreste aus der Zeit der
Lykier. Sarkopharge mitten auf dem Parkplatz, hinter einem Haus als Abstellkammer genutzt usw. Schlendern an kleinen Tavernen vorbei, die fast alle direkt am Wasser liegende Terrassen haben. Hinter der letzten Taverne liegt die Lykische Ruinenstadt. Wir kraxseln  über Stock und Stein und beschließen, nach ziemlich kurzer Zeit, das Kraxseln sein zu lassen und die leichter zugänglichen Überreste im Dorf anzuschauen. Abends gehen wir wieder zu Hassan essen, seinen schon seit Jahrzehnten berühmten Fischeintopf. War ganz lecker, aber Sabines schmeckt besser. Danach auf die Yssabea und ab in die Koje.

Mo. 12.09.:
Ab jetzt geht es wieder gen Norden, bedeutet: Es wird wahrscheinlich kälter als 30-33 Grad werden und bis in die Bucht von Fethiye wird es voller werden. Wenn ich voller sage, so meine ich, dass wir uns die eine oder andere Bucht mit einer anderen Jacht teilen müssen. Bei guten 5 Bit ankern wir nach 4h und 15 sm gegenüber von Kas in der schönen Bucht  Bayindir Limani.

Di. 13.09.:

Nach dem morgendlichen Bad und dem Frühstück geht’s  weiter gen Norden. Natürlich gegenan, volle Kreutz bei guten 5 Bft. Knackiges Segeln mit viel Schräglage. Kommen aber, da es nur 18 sm waren, frühzeitig im Stadthafen von Kalkan an und bekommen problemlos einen Liegeplatz. Gehen in die Stadt, schlendern, kaufen kleine Notwendigkeiten ein, trinken einen Kaffee. Langsamkeit ist angesagt. Sabine bekommt bei einem Uhrmacher ein weißes Lederarmband, welches sie schon Monate vergebens in Deutschland gesucht hat. Abends gibt es Lammkoteletts mit frischen Bohnen. Lecker.  Teschekür (Danke) an die Köchin.

Mi.14.09.:
Unsere heutige Strecke weist keine Ankerbuchten auf einer Länge von 28 sm auf, wollen deshalb früher starten. Stehe um 07:00h auf und sehe ein Schild an der bordeigenen Toilette „WC defekt, bitte nicht benutzen“.  Scheiße. WC Leitung ist verstopft. Rein in die Backskiste und die Leitung zwischen WC und Fekalientank kontrolieren. Dabei bricht ein Verbindungsstück und wir stellen fest, das das PE-Rohr dichtgewachsen ist, und das obwohl die gesamte Anlage erst 4 Jahre alt ist. Der Hafenmeister besorgt einen Klempner und der ist in 5 Minuten da. Er muss 3 1/2 Meter geruchsundurchlässigen Schlauch bestellen und baut den heute abend um 24 h ein kostet 290 €. Bedeutet weiterer Hafentag. Ohne Klo ist es sch…… auf See. Wir demontieren die Leitungen selber damit, er nicht das ganze Schiff einsaut, man weiß ja nie. So geht der Tag dahin, bei 32 Grad schwitzen wir im Schiff. Abends gibt es Reste und einen wohlverdienten Wein zum Sonnenuntergang. Ob der Klempner noch kommt? Sabine und ich gehen schlafen, Jörg wartet. Und? Er kommt um 23:30 h und baut die Leitung ein.

Do.15.09.:

Wollen früh los und was ist? Am Klo ist eine Dichtung undicht. Klempner  angerufen, der kommt und Klo dicht. Verzögerung 2 h. Ablegen und volle Kreuz 7 1/2 h und wir können die Yssabeau noch kurz vor Sonnenuntergang mit Anker und zwei Heckleinen in der Schildkrötenbucht Karacaören festmachen.

Fr.16.09.:

Nach einer ruhigen Nacht halte ich die ganze Zeit Ausschau nach Schildkröten, sehe aber keine. Wir frühstücken und gegen 10:30 h geht der Anker auf Richtung Fethiye Flauer Wind, gemütliches Segeln. In der Bucht von Fethyie geht meine nicht gesicherte Badehose über Bord. Mann (Badehose) über Bord Manöver gefahren, Badehose abgesoffen. Verluste gibt es überall.

In Fethiye machen wir am Hotelsteg des Classig Yacht Hotels fest. Wenn wir hier im Hotel essen, kostet der Liegeplatz 19 €, wenn nicht, 54 €. Wir essen hier abends in einem 5 Sterne Ambiente ein 3 Sterne Menü inkl. Getränke, für 36 € Pp. Vorher erkunden Sabine und ich die Stadt. Ist eine ganz nette Stadt mit einem sehr schönen und üppig bestücktem Markt.

Sa. 17.09.:
Morgens gehe ich mit Sabine vor dem Frühstück auf den Markt und wir kaufen Obst, Gemüse, frischen Tunfisch und Sepia ein. Frühstücken gemütlich und beschließen, einen Hafentag zum bummeln und relaxen. Einen Fruchtcoctail an der Poolbar und mein türkisches Wort für mein Lebensmotto hier im Südland vom Barkeeper erfragt.
Javas Javas, langsam  langsam.

Sa. 17.09.:

Yavas, hier bin ich wieder. Nach dem Cocktail erst einmal Siesta, abhängen und genießen. Wir haben übrigens Wolfgang wiedergetroffen. Einen Deutschen Skipper der hier seit 10 Jahren Charter mit seiner Yacht fährt. Er hat eine Kuh im Rigg (der Masttakelung) hängen. Ein sehr interessanter und unterhaltsamer Mensch. Hat uns einige Tips für das Segelrevier gegeben. Abends gehen wir im Hotel essen, Pasta können die ganz gut.

So. 18.09.:

Jörg hat sich eine Erkältung eingefangen, das erste Mal, dass ich ihn krank erlebe. Wir lassen ihn schlafen und gehen in den firstclass Duschen duschen. Ist schon eine klasse Anlage hier. Palmen, gepflegte blühende Gartenanlage mit mehreren Pools, die direkt an die Bar reichen, so dass du im Pool sitzend deinen Cocktail schlürfen kannst. Abends sind nicht nur die Pools unter Wasser beleuchtet, sondern entlang der gesamten Wasserkante der ganze kleine Hafen. Wir frühstücken gemütlich und nutzen das Wifi, um in einer Marina auf Samos für die Yssabeau das Winterlager zu buchen.

Somit werden Jörg und ich von Samos aus wohl zurückfliegen. Danach ablegen und bei 4 Bft und voller Kreuz in eine Ankerbucht, die sogenannte Drachenbucht, Sharp Limari, ca 13 SM entfernt. Schöne Bucht mit sehr klarem Wasser, aber leider auch anderen Seglern bekannt.  Anker aus und Peter darf ins Wasser und die Achterleinen ausbringen. Nicht, dass ihr das falsch versteht, es ist eine sehr angenehme Aufgabe nach der Hitze ins Wasser schwimmen zu gehen.

Ich koche danach Cambas mit Kartoffeln. Ein griechisches Eintopfgericht. Jörg ißt wenig, aber uns schmeckt es lecker. Ich erlebe es das erste Mal, dass Jörg nur Wasser zum Abendbrot trinkt und vor mir ins Bett geht. Ihn hat es richtig erwischt. Er hat Fieber und ist völlig schlapp. Sommergrippe. Drei Tage kommt sie, drei Tage ist sie da und drei Tage geht sie. Sabine geht in die Koje, zum lesen und ich schreibe euch noch meine Zeilen in einer an und für sich traumhaften Bucht, aber unter dem Lärm der Nachbarschiffe. Gehe auch unter Deck. Gute Nacht.

Mo. 19.09.:

Nach dem morgendlichen Bad bei, die ganze Zeit schon angenehmen 26 Grad Wassertemperatur, frühstücken wir. Jörg hat die ganze Nacht geschwitzt, die Erkältung scheint raus zu kommen. Landleinen „erschwimmen“, Anker auf und ab nach Ekincik. Ein Flussdelta, ca 25 SM Richtung Norden. Wir segeln bei gutem Wind die ersten Stunden an malerischer Landschaft vorbei. Steile, senkrecht abfallende Felswände wechseln mit Pinien bewachsenen Tälern. Leider verlässt uns der Wind, so daß wir die letzten 9 SM motoren müssen.  Wir legen am Kai einer Kooperative von Fischern in der Bucht von Ekincik an. Sie haben sich zusammengeschlossen, um Touristen in das unter Naturschutz stehende Flussdelta zu fahren. Die Fahrt kostet 120, € für uns beide, aber soll sehr lohnend sein. Sabine und ich bestellen uns für morgen eine Tour. Jörg hat diese Tour schon vor 6 Wochen gemacht und wird morgen seine Erkältung auskurieren können.  Der Hafen ist ein ruhiges und malerisch gelegenes Fläckchen. Einfache, aber saubere Sanitäranlagen. Brate Tunfischsteaks, Jörg hat es völlig erwischt und er geht früh ins Bett.  

Di. 20.09.:

Sabine und ich wollen nach dem Frühstück die 5 1/2 h Bootsfahrt in das Flussdelta machen. Jörg lassen wir schlafen. Leider regnet es in Strömen. Der erste Regen hier seit Mai. Unser Türkischer Bootsführer verschiebt die Abfahrt um 1 1/2 h und tatsächlich hört der Regen auf.

Wir fahren in das riesige schilfbewachsene Deltagebiet. Der Himmel ist bewölkt bei angenehmen 24 Grad, genau richtig für so eine Tour. Nach ca.1 h machen wir an einem Steg fest und der Bootsführer erklärt uns, dass wir an einer alten antiken Hafenstadt namens Kaunos sind und 1 h Zeit haben sie zu besichtigen. Die 8 TL = 2,80 € lohnen sich. Das Gelände ist von Ruinen und Gebäuden aus lykischer und römischer Zeit übersät. Der alte Versammlungsplatz ist 36 m lang und war mit einem Säulendach versehen.

Auf einer Anhöhe thront ein Tempel und das Amphitheater faßte 4000 Menschen. Zwischen den Trümmern laufen Ziegen, Schafe und viele Landschildkröten. Da nur wenige Menschen unterwegs sind, hat das Ganze eine ruhige und beschauliche Athmosphäre.

Zurück auf dem Boot gelt es weiter durch das Deltagebiet, in dem das Schilf immer höher wird. Der Bootsführer erklärt uns, dass wir jetzt die Brackwasserzone verlassen haben. Schilf wächst im Süßwasser höher, als im Brackwasser. Er fährt uns jetzt zu den alten Lykischen Königsgräbern.

Hoch oben an der senkrecht abfallenden Felswand sind sie in den Fels gemeißelt. Sie sehen aus wie der Eingang von alten griechischen Hallen. Links und rechts mit riesigen Säulen versehen, erinnern sie mich ein bisschen an Abbildungen der Akropolis.

Solche Grabstätten gibt es in dieser Gegend viele, allerdings nicht in dieser Größe. Sie wurden an unzugänglichen Stellen  möglichst hoch in den Berg geschlagen, damit geflügelte Wesen, so glaubten die Menschen damals, die Verstorbenen ins Totenreich holen konnten. Ist schon faszinierend.

Wir fahren weiter nach Daliyan. Einer Stadt im Delta zu Füßen der Felsengräber. Sabine war hier vor ca. 30 Jahren. Der Ort hat sich doch sehr verändert. Überall an den meandernden Flussufern sind Häuser gebaut worden, die sich aber sehr gut in die Landschaft einfügen. Der Bootsführer macht an einem Restaurantsteg fest und wir essen jeder einen Vorspeisenteller, gehen danach noch im Ort einkaufen und machen uns mit dem Boot an die Rückfahrt. Halten mitten im Deltagewirr noch mal an, um bei einem Fischer drei Portionen Krebse zum Abendessen zu kaufen. Dieser Ausflug hat sich sehr gelohnt.

Mi. 21.09.:

Gehe morgens vor dem Frühstück in das kleine Dorf. Das ist sehr, sehr, sehr, sehr ursprünglich. Erinnert mich ein klein wenig an Nicaragua. Viel Kleintierhaltung, Landwirtschaft, sehr ärmlich und kein Tourismus.

Frühstücken, legen ab und: Der Impeller (der Geber des Geschwindigkeitsmessers) der unter dem Schiffsrumpf sitzt,  geht nicht. Was tun? Peter ins Wasser tauchen und den Impeller von Verunreinigungen säubern. Geht doch. Wir segeln danach mit guten 6,5 Knoten Wind in Richtung Marmaris und nach 5 h machen wir im Stadthafen von Icmeler fest. Nur Hotels und Tourismus. Hier gibt es nichts zu berichten.

Do. 22.09.:

Legen nach dem Frühstück ab und machen die 4 SM nach Marmaris nur mit der großen Genua. Haben um 14:00 h in der Marina von Marmaris festgemacht.

Sabine und ich erkunden die Möglichkeiten, wie sie zum Flughafen nach Dalaman kommen kann. Es gibt hier einen Bus, der direkt zum Flughafen in 1 1/2 h fährt. Klasse. Auf dem Rückweg vom Busbahnhof erkunden wir etwas die Stadt und ergänzen unseren zur Neige gehenden Bordproviant. Während Jörg uns Spaghetti Bolo kocht. Abends geht es, wie die letzten Tage auch, früh ins Bett. Die halbe Nacht werden wir von einer Diskothek beschallt, klasse, hier würde ich gerne 6 Wochen „Urlaub“ machen.

Fr. 23.09.:

Heute morgen gehen wir für 10 € klasse in der Marina essen. Danach ist Stadtbesichtigung angesagt. Sabine und ich suchen den großen Markt, ist nicht zu finden. Ihn gibt es nur Donnerstags und Sonntags, Pech gehabt.

Kaffee trinken, schlendern und auf die Einkaufsmal begeben. Hier auf dem Basargelände kann man alles kaufen, was man nicht braucht. Ein Türkischer Händler spricht mich mit „Hey, da kommt ja Popey“ auf perfektem Deutsch an. Wir kommen ins Gespräch, er zeigt uns stolz sein Juweliergeschäft. Alles mit Schiffsplanken ausgelegt, rustikal aber edel.

Nebenan hat er noch eine Modebuotik, auch sehr Geschmackvoll. Bei einem Tee erzählt er uns, dass er in Thüringen zu DDR Zeiten groß geworden ist und jetzt als Dozent für Modediseign in Münchengladbach an einer Privatuniversität lehrt.  Mit einem Ledergürtel verlassen wir das Geschäft. Alles weitere Später. Wir schlendern weiter durch den Basar zurück zum Schiff. Abends gehen wir zusammen schön Essen. Sabine und ich lecker Fisch und Jörg Lammkebab. Danach ab in die Koje.

Sa. 24.09.:

Bringe Sabine früh an die Busstation. Schade, dass sie schon abfliegen muß, aber leider vergehen Urlaubstage so schnell. Auf dem Rückweg schlendere ich durch die Stadt. Trinke eine Tasse Kaffee, trauer noch ein wenig Sabine hinterher, schaue mir die Leute an, kaufe etwas Gemüse auf einem kleinen Markt für wenig Geld und begebe mich langsam zurück zum Schiff.

Nach dem Frühstück werden die üblichen Rituale vorm Auslaufen wie: Wasser in den Tank füllen, Fenster schließen, Sonnensegel abbauen, Baum absenken, Großfall anschlagen, Segel auspacken, Segelroute besprechen Bilge nachsehen, Ölstand prüfen, Segelklamotten anziehen, etc. erledigt. Erst einmal zur Tanke, 78 Liter Diesel gebunkert und dann  bei schwachen 2-4 Bft. kreuzten wir an der Küste entlang. Traumwetter, aber wenig Wind. Da wir kein Ankermanöver im Dunkeln fahren wollen, steuern wir gegen 15:00 h eine kleine Ankerbucht an und liegen im 17:10h fest vor Anker auf 8 m Grund und 26 m Kette. Sehr schöne Bucht. Außer ein paar Ziegen und zwei Jungbullen ist keiner an Land. Zum Abendessen gibt es Köfte ( kleine Frikadellen) mit Salat und Brot. Ein Weinchen dazu rundet den Abend ab.

So. 25.09.:

Stehe um 07:30 h auf und genieße den Sonnenaufgang in der Bucht. Außer uns liegen noch drei andere Segelschiffe hier, aber alle sind sehr ruhig. Das Wasser ist so schön klar. Kein Müll, wie aber fast überall auf unserer Reise in der Türkei. Ziegen Kraxseln über die Felsen am Ufer. Eine byzantinische Kirchenruine wird von der aufgehenden Sonne beleuchtet. Ein Traum. Nach dem Waschen ( rein ins Wasser, ums Schiff schwimmen und von der Sonne abtrocknen lassen) gemütlich frühstücken und Anker auf. Wenig Wind, aber wir haben ja Zeit. Nach einer Stunde haben wir ganze 1,5 SM geschafft und der Wind verlässt uns gänzlich. Also in der Dünung schaukeln, ein Bierchen öffnen und abwarten. Ein anderes Segelschiff unter Motor überholt uns, mann grüßt sich und er fährt weiter. Nach 10 Minuten kommt er zurück und fragt ob wir Probleme mit unserer Maschine haben. Ich verneine und bedanke mich für die Nachfrage. So etwas ist gute Seemannschaft. Kurz darauf rollen wir die Genua ( Vorsegel) ein und werfen den Motor an. Wie so oft kommt dann aber nach einer viertel Stunde der Wind zurück und wir segeln bei anfänglich 4 Bf weiter. Kurz vor unserem Ziel, einer Ankerbucht namens Bozukkale, wird es böig. Der Wind kommt in Böen von 5 Bft. Und das bei ungereftem Großsegel und der großen Genua. Ich stehe am Ruder und segel genau an der Windkante. Das bringt Freude. Nach geschätzten 18 sm, unsere Logge hat wieder `mal ihren Geist aufgegeben, laufen wir in die schon gut belegte Bucht ein. Anker fallen, Badehose an, Achterleine ausbringen, Anlegerbierchen und Lammkotelett mit Bohnen auf unserem Petroleumkocher zubereitet. Weinchen dazu, den traumhaften Sternenhimmel anschauen und ab in die Koje.

Mo. 26.09.:

Stehe zum Sonnenaufgang auf und setze mich ins Cockpit. Esel weiden am Ufer der hier sehr kargen Landschaft. Die Bucht kurz vor der Westspitze des Kaps der Bozburun- Halbinsel ist immer dem Wind ausgesetzt, so dass hier wenig gedeiht. Nach dem Frühstück bauen wir erst einmal den Loggeber im Vorschiff aus. Jörg zieht ihn raus, Springbrunnen, da Loch im Schiff. Blindstopfen rein, Springbrunnen aus. Wir befreien den Geber von Seepocken und selbe Prozedur rückwärts. Danach die Bilge vom Wasser befreien und ab die Post durch die Straße von Rhodos gen Norden. Ab jetzt haben wir Griechenland immer in Sichtweite, 4-5 sm an Backbord.

Es geht weiter.

Mo.26.09.:

Sind in den kleinen, sehr schönen Stadthafen von Bozburun eingelaufen. Wenig touristisch. Und daher auch von den Preisen etwas niedriger. Hafengebühr 20 € und abends gehen Jörg und ich für je 30 € sehr, sehr gut essen. Gebackenen Pulpo mit Salat, gefüllte Paprika und selbstgemachte Pomesfrites. Nach einem Glas Wein an Deck gehe ich noch einmal zum Marktplatz auf der eine Hochzeitsfeier statt findet. Ca. 400 Gäste tanzen nach der Musik einer trommelnden und pfeifenden Band während um den Platz extra Stühle für vorbeikommende Zuschauer  aufgestellt wurden. Das Ganze strahlt sehr viel Lebensfreude aus.

Beschallt von der türkischen Band schlafe ich dann ein.

Di. 27.09.:

Heute gehen wir frühstücken. 20 m vom Schiff entfernt ist ein kleines Restaurant. Das englische Frühstück, welches ich bestelle, ist aber nicht meins. Bleibe doch besser bei meinem Olivenöl, Tomaten Frühstück. Nach dem Frühstück ergänzen wir noch die Bordvorräte. Wasser, Bier, Spülmittel. Beim Schlachter kaufe ich Lammfilet und frisch durchgedrehtes Hack. Ca. 1 km außerhalb des Dorfes findet heute ein Bauernmarkt statt. Ich schlendere über den orientalischen Markt, kaufe Gemüse und entdecke einen Gewürzstand. Unsere, bei einem Schlachter vor 3 Wochen erworbene Lammgewürzmischung ist alle. Also kaufe ich Neue und noch so einige andere Gewürze, die ich alle vorher probieren darf. Mache mich langsam auf den Rückweg und ab geht’s. Wollen nach Datca und segeln bei gutem Wind, aber natürlich gegenan, 28 sm volle Kreuz. Der Wind und die Welle nimmt auf den letzten Seemeilen immer mehr zu. Jörg möchte nicht reffen, da wir ja gleich da sind. Die Stadt ist schon zu sehen aber für die letzten 4 SM brauchen wir geschlagene 2 h. Wir kämpfen uns im wahrsten Sinne des Wortes in den Hafen, wo uns der Hafenmeister im Stadthafen freundlich beim Anlegen hilft. Die Promenade, an der wir direkt liegen, ist sehr schön angelegt und passt sich gut in das Stadtbild ein. Nach dem Anlegebierchen mache ich uns Spaghetti mit Lammhack und dem neuem Gewürz. Lecker. Ein Weinchen und dann erschöpft in die Koje.

Mi. 28.09.:

Erwache heute erst um 08:00 h und gehe in die lebendige Stadt. Kaffee in einer Bäckerei an der Hauptstraße. Das geschäftige Treiben beobachten. Weiter schlendernd zum Schiff zurück. Haben heute nur 23 sm vor uns. Wir wollen nach Knidos, die Dorische Stadt aus dem 4. Jh. v. Chr., wird auch die Stadt der Aphrodite Euploia „oben ohne“ die Beschützerin der Seefahrt genannt. Ihr nackter Busen lockte damals viele Schaulustige an, bis die Statue auf nimmer Wiedersehen verschwand. Eine Kopie ist im Louvre zu besichtigen.

Der heutige Segeltörn bietet alles. Von null Wind übers Reffen der Segel bis zu guten 5 Bft. Wind. Wir kommen aber noch vor Dunkelwerden im Naturhafen von Knidos an und da kaum ein Schiff am Steg liegt  machen wir längseits fest. Traumlandschaft. Ich mache uns Lammfilet mit Blumenkohl und Kartoffeln, mal was ganz anderes, lecker. Gehen heute schon um 9 h ins Bett sind geschafft.

Do. 29.09.:

Beim Sonnenaufgang bin ich draußen. Traumhafte Kulisse. Mitten in einem Freilichtmuseum. Durch die Trümmer der durch ein Erdbeben zerstörten Stadt zu gehen. Die Ruhe des erwachenden Tages begleitet mich. Kein Muezin stört. Setze mich in das Restaurant, trinke einen Kaffee und schreibe diese Zeilen. Nach dem Frühstück legen wir ab und wollen nach Turgutreis, um dort aus der Türkei auszuklarieren. Da die griechisch türkische Grenze hier sehr dicht am türkischem Festland verläuft, müssen wir einen Umweg von mehreren SM machen und das bei immer stärkerem Wind und hoher Welle.  Also: Genua reffen, 1/2 h später Großsegel reffen, dazu muss ich an den Mast und bekomme eine unfreiwillige Dusche. Hab doch heute morgen schon gebadet. Bis auf die Unterhose durchnässt klettere ich zurück ins Cockpit. Das ist Segeln. Der Wind lädt nicht nach. Wir bemerken einen, nein, beim genauerem hinsehen drei kleine Risse im Großsegel. Sch…. Beschließen nach Bodrum zu segeln, um einen Segelmacher mit dem Ausbessern des Segels zu beauftragen. Sehr gute Marina dort, aber auch extrem teuer. Bei dem Wind schaffen wir es nicht auf der türkischen Seite der Grenze zu bleiben, also segeln wir illegal durch griechische Gewässer. In Bodrum angekommen werden wir vom Pilotboot in Empfang genommen und in die Box geleitet. Segel abschlagen und bei einem Bierchen warten wir auf den Segelmacher, der auch nach 1 h kommt, noch einen Riss entdeckt und mit der Zusage, es morgen früh um 09:00 h zu bringen, mit dem Segel verschwindet. Jörg meldet uns an und ich kaufe Hack und mache uns eine schnelle Nr. mit Spaghetti. Der Abend wird kurz, da wir beide von dem Tag geschafft sind.

Fr. 30.09.:

Stehe mit der Sonne um kurz vor 7 h auf, benutze die vorzüglichen Sanitäranlagen und gehe nach Bodrum in die Stadt rein. Nach 10 Minuten habe ich die Tourimeile hinter mir gelassen und streife durch die kleinen sehr geschäftigen Gassen, setze mich vor ein kleines Bistro und genieße die Handwerker um mich herum. Bin wahrscheinlich in einem Arbeiterviertel gelandet. Schlüsseldienste, Autowerkstätten, Schlosserei, Bäckereien, auf einmal steigt mir ein bekannter Geruch in die Nase. Da hat einer eine Esse angeschmissen, also gibt es hier auch einen Schmied, klasse, wenn Karsten jetzt hier bei mir währe, würden wir nicht mehr aus diesem Viertel rauskommen. Liebe Grüße an dich Karsten. Trinke meinen türkischen Kaffee und schreibe diese Zeilen. Schlendere weiter und stoße auf eine riesige Markthalle. Ein Gebrabbel und Treiben hier, faszinierend. Da ich meine letzten türkischen Lira in der Tasche habe, ist nicht viel mit Einkaufen. An einigen Gewürzen kann ich dann aber doch nicht vorbeigehen. Langsam zurück zum Schiff. Segel anschlagen, frühstücken und ab Richtung Turgutgreis. Bei 0 Wind treiben wir in der Flaute. Der Wind kommt nach einer halben Stunde mit voller Wucht und ist sehr unstet von 1- 6 Bit. ist alles drin. Zum Glück nicht ganz von Vorn, so dass wir gut vorankommen und schon nach 5 h in Turgutreis festmachen.

Gehen nach den üblichen Arbeiten nach dem Festmachen und dem bestellen des Agenten zum Ausklarieren aus der Türkei (kostet übrigens 100 €!!!) mit Jörg in die Stadt und wir landen in einem Viertel, wo es nur Fisch zu essen gibt. Klasse für mich und Jörg muss da durch. In der Türkei ist es nicht unüblich, das man den Fisch, den man im Restaurant essen möchte, in einem benachbarten Fischgeschäft selber kauft und dann für 5 TL im Restaurant zubereiten läßt. So auch hier. Sehr frisch. Gut gesättigt und äußerst lecker gespeist verlassen wir das  Restaurant. Der Abend hat uns zusammen 50 € gekostet inkl. Kaffe, Bier, Vorspeise, und einem Tee zum Abschied. Das ist ok. Außerdem kann ich jetzt den Bericht an Euch abschicken.

Es grüßt Euch der Peter.

Sa.01. 10

Sind nach einem verglichen mit den letzten Tagen kommoden Segeln in Kalymnos eingelaufen. Die Insel ist auch bekannt als die Insel der Schwammtaucher. Die Menschen hier haben, als ich 1996 meine erste Griechenland Reise hierher gemacht habe, damals noch, obwohl es verboten war, viel mit Dynamit gefischt. Ich habe hier damals viele alte Männer gesehen, denen die Hand oder einige Finger fehlten,  zu früh gezündet. Das ist heute anders.

Janis, der Hafenmeister, erkennt uns und weist uns einen Platz an der Mole mitten in der Stadt zu. Da ich im Frühjahr und Jörg auch zwischendurch den Hafen angelaufen haben, ist uns vieles schon vertraut. Kalymnos ist ein „Port of entry“ und wir müssen den ganzen Papierkrieg erst erledigen, da wir aus einem nicht EU Land kommen.

Hafengeld, Port Polizei, Zoll, ja da merkt man, wie verwöhnt wir in der EU sind. Das Ganze dauert gut 2 h. Wir schlendern durch die Stadt, trinken einen Kaffee, ergänzen den Proviant und als wir an Bord sind, ist es auch schon bald Zeit zum Essen. Da wir die letzten Wochen türkische Preise gewohnt sind, beschließen wir den direkten Vergleich und gehen essen. Wir werden wie Familienmitglieder begrüßt, da Jörg hier schon des Öfteren war, ja die Griechen. Beim ersten Mal sind sie freundlich zurückhaltend, beim zweiten Mal erkennen sie dich wieder und begrüßen dich sehr freundlich und beim dritten Mal gehörst du zur Familie. Wir essen vorzügliche Leber mit Salat und Zatziki. Trinken Wein (ich Retzina) bekommen noch einen Nachtisch vom Haus und das Ganze kostet 31 € ist das nicht klasse? Aufs Schiff zurück und eine Nacht ohne Muetzingeplärre erwartet uns.

So.02.10

Stehe früh auf und gehe durch die Stadt noch mal zur Port Polizei einen Stempel abholen, ganz schöner Aufwand aber dafür günstig. Das ganze Einklarieren hat uns nur 15 € gekostet. Schlendere langsam zurück und trinke in „meinem“ Kaffee denselben. Hier sitzen, wie im Frühjahr auch, die gleichen alten Männer (ungefähr mein Alter). Ich beobachte, genieße und freue mich des Tages. Nach dem Frühstück an Bord kommt die alle drei Tage übliche Prozedur. Ich befreie die Bilge vom Wasser und schaue nach dem Motor und Jörg repariert wieder mal die gestern ausgefallene Ankerwinsch. Janis bringt uns gegen 1/2 12 Uhr die ihm gestern überlassene Schmutzwäsche sauber zurück und wir legen ab. Da wir hier im Frühjahr schon gesegelt sind, wollen wir jetzt die uns noch nicht bekannten Ostküsten der Inseln abfahren. Bei kaum Wind -1 Bft. – lassen wir uns langsam vorantreiben und entschließen uns nach 4 1/2 h und gerade mal 6 sm in den Vathy Fjord zu gehen. Ein sehr enger, von steil abfallenden Felswänden eingerahmter Schlauch, an dessen Ende sich ein fruchtbares Tal öffnet. Da es für mich keine Steigerung von traumhaft gibt, ist es auch dieser Hafen. Plätze für maximal 10 Jachten, sehr ursprünglich und um diese Jahreszeit auch nicht touristisch. Wir klarieren das Schiff, trinken einen Anleger und ich bereite aus den Resten an Bord ein Abendessen. Jörg ist völlig erstaunt, dass ich danach schon bei völliger Dunkelheit um 20:00 h in die Koje gehe. Ich bin einfach müde.

Mo. 03.10.

Habe sehr gut bis 07:00 h geschlafen und gehe in die einzige aber saubere Dusche, kalt, sehr erfrischend. Schlendere durch das kleine Dorf, finde die Pension von Manolis, bei dem ich bei meinem ersten Griechenland Aufenthalt gewohnt habe. Schlendere weiter, ein Greek Kaffee. Den Sonnenaufgang genießen. Müssen uns leider aus dieser schönen Bucht verabschieden. Und segeln gen Norden. Bei gutem Wind kommen wir gut voran. Und sind um 17:00 h in Lakki auf Leros. Laufen aber im Gegensatz zum Frühjahr den Stadthafen an. Wenig Schiffe, wenig Menschen und zur Zeit kein Tourismus mehr. Der Hafenmeister, ein gefühlter spät 68ziger (lange blonde Haare und verkifftes Gesicht) nimmt freundlich unsere Leine an und wir klaren das Schiff auf. Danach versuche ich unseren Bordproviant zu ergänzen. Gestaltet sich schwierig. In einer fremden Stadt, zu Fuß und mit wenig  griechischen Sprachkenntnissen kann man lange unterwegs sein.

Di.4.10.

Versuche es heute morgen noch einmal. Setze mich in ein Kaffee. Beobachte die Menschen aus welcher Richtung sie mit ihren Einkaufstüten kommen. Es klappt. Ich finde einen Fleischer und einen sehr gut sortierten Gemüsemann. Wir legen ab Richtung Patmos, wollen in den Stadthafen von Skala. Moderate Winde von 3-4 Bft. tragen uns voran. Beim Einlaufen in die Bucht dürfen wir nochmal kreuzen und dabei einem Kreuzfahrer ausweichen und machen am frühen Nachmittag fest. Die Kreuzfahrer werden ausgebootet und bevölkern die Stadt. Zwei deutsche Frauen sprechen uns von der Pier aus an und fragen uns ganz ungläubig, ob wir wirklich aus Kiel kommen. Sie kommen vom Kreuzfahrtschiff und erzählen, dass sie ganze 4 h Zeit für die Insel haben. Schlendere langsam zur Port Polizei zum Anmelden, bekomme freundlich mitgeteilt, dass das auf Patmos nicht nötig sei und werde mit einem Lächeln verabschiedet. In Griechenland macht, glaube ich, jeder das, was er will. Abendstimmung an Bord genießen und um 09:00 h in die Koje.

Mi.5.10

Der Kreuzfahrer ist gestern um 21:00h ausgelaufen und heute morgen ist kaum ein Tourist unterwegs. Ein ruhiges kleines Städtchen, dieses Skala. Sitze bei meinem Morgenkaffee in einem vom Sonnenaufgang beschienenen Kaffee und genieße das Leben. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus zum Kloster Agios Ioanis Theologos und besichtigen dasselbe. Es liegt natürlich auf einem Berg. Wir haben das Kloster und die vielen weißen Häuser schon stundenlang bei der Ansteuerung der Insel gestern gesehen. Hier hat der Evangelist Johannes  96 nach Christi gewirkt und in der Cave of the Apokalypsis seine Vision von der Apokalypse gehabt. In der Zeit der türkischen Besetzung Konstantinopels haben sich um das Kloster Vertriebene angesiedelt und die Stadt Horas gegründet.

Jörg fährt mit dem Bus zurück und ich schlendere durch die mittelalterlichen Gassen von Horas. Trinke ein Bierchen und genieße die wunderbare Aussicht von hier oben. Gehe danach den Eselspfad zur Grotte, die ist natürlich geschlossen. Na ist vielleicht auch gut so. Hab keine Lust auf Apokalyptische Visionen. Weiter den alten Eselspfad in die Stadt und zum Schiff. Jörg ist schon da und wir gehen in eine Taverne. Bei einen Eiskaffee versuchen wir einen Flug nach Hause zu Buchen. Ist schon verrückt. Die Preise schwanken innerhalb einer Stunde um bis zu 50 €. Für 328 € schlagen wir dann zu. Mal sehen ob es geklappt hat. Ich gehe langsam zum Schiff und mache unser Abendessen, ganz deutsch, Kotelett Kartoffeln und Möhren. Die Möhren sind sowas von Zuckersüß, klasse. Der Gemüsehändler hat ein Bio Schild dranstehen. Ich war skeptisch. Jetzt glaub ich das. Weinchen im Cockpit, die wenigen Menschen an der Pier beobachten und die Koje ruft.
Do.6.10.

Gehe früh in „mein Kaffee“. Trinke einen griechischen Kaffeeund empfange Mails. Ein guter Freund von uns ist in der vorletzten Nacht verstorben. Rufe Sabine an und versuche sie zu trösten. Ja, so ist das, es macht vor keinem halt. Für Michael ist es aber wohl das Beste.

Nach dem Frühstück gehe ich zum Frisör und Jörg ins Kaffee, um zu sehen, was aus unserer Buchung geworden ist. Der junge Frisör macht seinen Job, ich bin zufrieden und der Flieger ist ausgebucht. Sch…. weiter versuchen.

Do.6.10. zweiter Teil.

Jörg versucht weiter in dem Kaffee übers Internet einen günstigen Flieger zu bekommen, während ich zum Schiff zurückschlendere und erst einmal Siesta mache. Danach langsam wach werden, den fast verwaisten Kai beobachtend, und mich langsam ans Essen zubereiten mache. Einen Bio Grünhöker vor dem Steg hat man nicht alle Tage. Also Blumenkohl, Kartoffeln und Kotelett auf griechisch. Jörg kommt zurück. Kein Flieger, ganz schön frustig. Morgen weitersehen. Aber das Essen schmeckt, Abwaschen, Weinchen, abhängen und ab in die Koje.

Fr.7.10.

Gehe wieder mal in die erwachende Stadt, Kaffe, E-Mails checken, einkaufen, frühstücken, und? Jörg gelingt es Flüge zu buchen. Samos Athen und Athen Hamburg. Für um und bei 290 €. Kommen am Sonntag den 16.10 h um ca 13:55h an. Geschafft!!!!!

Können jetzt die letzten Tage in aller Ruhe nach Samos segeln. Bei sehr wenig Wind geht es rüber zur nächsten Insel nach Lipso, wo wir nach 17 sm im Hafen der sehr kleinen und beschaulichen Stadt anlegen.

Sa. 8.10.

Wir kommen morgens, für unsere Verhältnisse schon früh, um 10:30 h los. Wollen nach A. Georgiou auf  Agathonisi. Der Wind ist uns hold und wir segeln bei raumen Wind (schräg von achtern) mit 7 Knoten und die ziemlich hohen Wellen schieben auch noch, klasse. Sind schon um 13:30h in dem kleinen Ort. Kein anderes Segelboot liegt hier an der Pier. Kein Wunder bei der Welle die hier rein steht. Mit viel Mühe und gehörigem Respekt steige ich mit der Vorleine auf die Pier über. Wir versuchen das Schiff sicher zu vertäuen.

Die Yssabeau tanzt an der Pier Rock’n Roll. Ich gelange, wieder mit großem Respekt, an Bord. Das Schiff zerrt und ruckt an den Leinen, so dass wir Angst um die Klampen (Befestigungsteile der Leinen am Schiff) bekommen. So geht das nicht. Wenn der Wind etwas auffrischt, wird die Yssabeau  zertrümmert. Geschweige denn, dass wir an Land kommen. Blick in die Seekarte, Alternative suchen. Beschlussfassung: der Wind steht gut und wir werden versuchen die 18 SM nach Samos zu kommen. Aber erst müssen die Leinen los. Ich habe sie mit Palstegen an der Pier vertäut muss also zurück auf die Pier. Und dann? Wie zurück an Bord? Jörg muß das Schiff, wenn die Leinen los sind, sofort von der Pier wegbringen. Also: Vorleine auf Slip legen wenn sie lang genug ist. Heißt: ich kann dann das Ablegemanöver von Bord aus tätigen. Während die Yssabeau immer noch Rock’n Roll tanzt steige ich auf die Pier und es gelingt mir, die völlig zusammengezogenen Knoten zu lösen und die Leinen auf Slip zu legen. Respektvoll zurück an Bord, kommen wir von der Pier frei. Außer schwarzen Streifen am Rumpf der Yssabeau ist kein Schaden entstanden. Bei weiterhin raumen Wind, sind wir um 17:30 h in der Samos Marina.

Sie liegt fußläufig von der Stadt Pythagoreion entfernt. Da ich uns nachmittags, während Jörg am Ruder war, schon aus den Resten im Kühlschrank ein warmes Essen auf dem Petroleumkocher gezaubert habe, lassen wir das Abendessen ausfallen. Duschen nach langer Zeit mal wieder, ah tut das gut. Erkunden die wichtigen Sachen wie: WC, Wifi, Supermarkt und ob ich hier auch morgens meinen griechischen Kaffee bekomme. Alles Ok und bei einem Glas Wein lassen wir den Tag ausklingen. Kali Nichta (gute Nacht).

So.9.10

Duschen ist angesagt, morgens, mittags, abends. Wenn du so viele Tage nicht geduscht hast, ist das einfach Sch…. Danach einen Kaffee im Marinacafe, Wifi Code.

Der Supermarkt ist ziemlich ausverkauft aber es ist hier in der Marina auch tote Hose angesagt. Das stört uns aber gar nicht, wir genießen die Ruhe. Kein Muezzin Geplärre, keine Discobeschallung.

Jörg hat mich gefragt ob ich Ihm ein Frühstück mit Eiern machen könnte. Also essen wir heute früh deftig. Speck, Tomate, Zwiebeln, Ei. Danach ist Faulenzen angesagt den ganzen Tag.

Abends gehen wir lecker essen in dem einzigen kleinen Restaurant hier in der Marina. Salat, Lamm und dazu einen Retzina, danach aufs Schiff und etwas mit dem Nebenlieger klöhnen, einem Deutschen, der sein Schiff hier auflegt und ab in die Koje.

Mo.10.10.

Gehe morgens in die Nahe kleine Stadt Phytagoreion um Lamm zu kaufen. Nach 15 Minuten immer am Wasser entlang komme ich in dem kleinem Hafenort an. Die Sonne geht gerade auf und taucht ihn in ein sehr schönes Licht. Durch die engen Gassen schlendernd finde ich auch einen Fleischer. Kaufe Lamm, gehe gemütlich weiter, setze mich in ein Kaffee am Hafen und trinke einen griechischen Kaffee, der wie fast immer mit einem Glas Wasser gereicht wird. Übrigens, der türkische Gürtelverkäufer hat Sabine und mir dazu eine interessante Geschichte erzählt:

Wenn früher in der Zeit der Byzantiner am Hof des Kalifen weitgereiste Gäste ankamen, wurden diese als erstes mit einem Kaffee und einem Glas Wasser bewirtet. Griffen die zuerst zum Wasser, so waren sie hungrig und ihnen wurde etwas zu essen bereitet. Tranken sie erst den Kaffee konnte man damit noch warten und sie gleich zum Kalifen vorlassen. Es galt zu der Zeit als unhöflich einen Gast zu fragen, ob er hungrig sei. Interessant nicht war?

Ich schlendere weiter und begebe mich auf den Rückweg zum Schiff. Die nächsten drei Tage werden wir die Yssabeau winterklar machen. Nach dem Frühstück steht der Wind genau von vorne. Sehr günstig um die Genua vom Salz zu befreien. Also Genuafall fieren (das Segel runterlassen) und mit Schrubber und Wasserschlauch an die Arbeit. Langsam die Genua wieder hochziehen und danach im Wind trocknen lassen.

Alle Schoten und Festmacherleinen sind durch das Salzwasser unheimlich steif geworden, also auch die wässern. Alles was an Deck aus Stoff ist wird erst von Salz befreit. Sprayhood und Bimini dafür abgebaut. Vorschiff schrubben usw. So geht der Tag, angefüllt mit Arbeit, schnell ‚rum.

Um die Mittagszeit ein bisschen Siesta und schon ist alles trocken. Genua abschlagen und für die Segelmacherin einpacken welche abends um 19:00 h kommt, um das Segel wieder auf Vordermann zu bringen.

Wir müssen unsere Vorräte an Bord langsam aufbrauchen und so mache ich uns ein Schmorgemüse aus viel Paprika, kleinen Gurken und Zwiebeln. Dazu Lammfrikadellen und Reis. Da es hier um 19:20 h schon stockdunkel ist, hängen wir über dem Tisch eine elektrische Arbeitslampe auf, wie sie Autoschlosser bei Reparaturen im Motorraum verwenden (ich grüße dich Tomas). Es wird hier jetzt abends doch schon etwas kühler (22 Grad). Jörg zieht sich seinen „Flauschi“ über und wir essen gemütlich an Deck und lassen den Tag bei einem Weinchen ausklingen.

Di. 11.10.

Nach dem Duschen (immer wieder schön) gehe ich in das kleine Café Marina und genieße den Sonnenaufgang über Samos bei meinem

üblichen Morgenkaffee.

Dezente Musik im Hintergrund, der einzige Gast, so ist’s gut. Telefoniere mit Sabine (über Face Time geht das klasse und umsonst) und stelle bei mir fest, jetzt ist es auch Zeit nach Hause zu kommen. Heute ist nochmals Klarschiff angesagt. Großsegel entsalzen, trocknen, Ankerkasten und Kette spülen etc. Wir machen das aber in griechischer Geschwindigkeit, Sigar, Sigar. Langsam, langsam. Abends an Deck die Ruhe genießen und ab in die Koje.

Mi.11.10.

Es hat heute Nacht ordentlich gekachelt. Das Rauschen der Brandung hat mich schlecht schlafen lassen und so stehe ich erst um 08:00 h auf. Frühstück und weiter am Schiff aufklaren. Der Kühlschrank muss abgetaut werden. Der Herd aus der kardanischen Aufhängung gehoben und gründlich gereinigt werden. Alle Niro. Teile poliert werden.

Wir lassen uns die Boarding Karten bei der netten Dame in der Marinaverwaltung ausdrucken und mieten uns für die letzten Tage einen Leihwagen. Den können wir am Sonntag am Flughafen gleich stehen lassen, klasse.

Abends gehen wir im Marina Restaurant essen. Schwertfisch Steak mit einem Salat dabei und vorweg Saganaki, das ist ein spezieller gebackener Käse hier in Griechenland. Jede Region hat ihren eigenen Käse und so schmeckt er immer etwas anders, aber sehr lecker.

Ein Ehepaar aus dem Ruhrpott Gerd und Erika, die ihr Schiff an unserem Steg liegen haben und ebenfalls von hier aus nach Hause fliegen, gesellt sich zu uns. Sie lagen schon auf Patmos neben uns und bewundern Jörg und mich, dass wir uns immer was zu erzählen haben. Ein weiteres Ehepaar aus Freiburg kommt dazu. Wir klönen und tauschen unsere Erfahrungen aus. Mann kennt die Häfen und das Segelrevier. So vergeht der Abend in gemütlicher Runde.

Do.13.10

Unser Auto wird uns um 10:00 h an den Steg gebracht und nach einem Rührei Frühstück machen wir eine Inselrundfahrt. Samos ist eine sehr sehr grüne und vielfältige Insel. Von der Vegetation bis zum landschaftlichen Erscheinungsbild. Über enge Serpentinen fahren wir  durch kleine Bergdörfer von der Südseite zur Nordküste.

Samos ist im Gegensatz zu den meisten anderen griechischen Inseln dicht bewaldet. Große Pinienwälder werden unterbrochen  von Olivenhainen und terrassenartig angelegten Weinbergen. Als wir über die bis zu 1448 m hohe Bergkette kommen, tut sich uns die durch steile Felsformationen und Akazien geprägte Nordküste auf. Wir haben für die 32 km gute 2 ½ h gebraucht. Man glaubt man sei in der Toskana. Akazien prägen diese Landschaft.

In einem, von wenig Menschen bevölkertem Fährhafen, Karlovassi, trinken wir gemütlich einen Frappé. Fahren weiter. Wenn ich gedacht habe die Serpentinen vor 2 h waren eng, so ist das gar nichts gegen die Fahrt in das nächste Bergdorf. Steil windet sich die Straße den Berg hinauf. Hinter jeder Kurve erwartet einen ein noch grandioserer Blick auf das Meer.

Im Dorf angekommen, keine Menschenseele. Es liegt so an den Berg geklatscht, dass jedes Haus einen unverbaubaren Blick aufs Meer hat. Und alles ist unheimlich grün.

Wir schrauben uns den steilen Berg hinunter und fahren die Küstenstraße entlang nach Samos Stadt.  Trinken am Hafen einen Kaffee und schlendern danach durch die Stadt.

Zurück am Hafen sehen wir 2 deutsche Schiffe an der Pier liegen,vom Bundesgrenzschutz.

Bundesgrenzschutz hier in Griechenland? Wir sprechen ein Besatzungsmitglied an. Er erklärt uns das sie im Frontex Einsatz hier versuchen Griechenland  zu unterstützen, um nachts die Straße von Samos abzufahren und Flüchtlinge aufzunehmen. Er erzählt uns, das die meisten inzwischen gar nicht mehr nach Deutschland wollen und das ganze Flüchtlingsproblem in Deutschland falsch dargestellt würde. Interessant!

Wir verabschieden uns nachdem wir festgestellt haben das er und Jörg fast Nachbarn sind. Er kommt aus Eckernförde.

Auf der Rückfahrt genießen wir wieder diese wundervolle Landschaft. In Phytagoreion  gehen wir gut essen. Genießen den abendlichen Stadthafen um dann zur Marina zurück zu fahren. Setzen uns abends noch mit unseren netten Nachbarn zusammen in die Marina Bar und trinken ein Weinchen.

Fr.14.10.

Nach dem Frühstück machen wir uns an die Innenreinigung der Yssabeau. Selbstverständlich meine Kabinen, das mach ich jedesmal beim auf- und absteigen. Aber, wie ich schon öfters beim aufsteigen bemerkt habe, nicht jeder. Danach kommen die Schapps (Seitenablagen im Salon) dran und so vergeht der Vormittag.

Nachmittags fahren wir zum Hera Tempel. Hera war die Schwester und Ehefrau des Zeus. Eine gewaltige Anlage mit noch einer stehenden Säule und vielen historischen Steinen.

Weiter über unendlich viele Serpentinen fahren wir über die Insel. Trinken Kaffee, fahren weiter, genießen die nach jeder Kurve traumhafte Aussicht und gehen abends dann essen in Pytagoreion und dann ab aufs Schiff und in die Koje.

Sa.15.10.

Nach dem Frühstück geht die Yssabeau aus dem Wasser. Dazu motoren wir das Schiff unter einen Portalkran in ein rechteckiges Becken in der Kaimauer. Die Mitarbeiter legen breite Gurte unter das Schiff und ziehen es nach oben aus dem Wasser, um es dann mit einem Hochdruckreiniger abzuspritzen. Danach wird es auf einen großen Platz gefahren und auf Böcken für den Winter abgestellt. Das ganze dauert 3 h.

Wir bekommen eine Leiter, um an Bord zu gelangen Stromanschluss und Wasser, um die Ankerkette ‚runter zu lassen und sie vom Salz zu befreien.

Nachdem Jörg dem Techniker noch diverse Arbeitsaufträge für den Winter erteilt hat, gehen wir in das Marina Kaffee und essen zu Abend. Auf dem Rückweg verabschieden wir uns noch von Gerd und Erika und leeren die letzte Flasche Wein an Bord. Morgen um 08:00h steigt unser Flieger und ich verabschiede mich jetzt schon mal von Euch.

Mit seemännischen Grüßen.

Peter    

Teil 3: Segeln im östlichen Mittelmeer

09.10.2016: Entgegen unserer vorherigen Planung sind wir bereits gestern auf Samos angekommen und haben in der Marina Fest gemacht. (s. Peters Reisebericht)

Am 16.10. geht es mit zwei Fliegern von Samos über Athen nach Hamburg.

Bis dahin werden wir uns hier auf Samos vergnügen. Am Schiff gibt’s ja für die Außerdienststellung auch noch genügend zu tun.

03.10.2016: Wir sind jetzt wieder in Griechenland. Das Winterlager ist in der Marina auf der Insel Samos für den 15.10. gebucht. Jetzt sind wir in Lakki auf der Insel Leros und werden uns Insel für Insel in Richtung Samos begeben. Auch hier wird es langsam Herbst. Ab 20:00 h ist es bereits stockfinster und die Temperaturen sinken auch. Trotzdem, noch ist’s hier herrliches Segeln – der Meltemi hat uns bisher weitgehend verschont – und abends im T-Shirt sitzen geht auch noch.

Mit dem Flieger von Samos aus nach Hause gestaltet es sich z.Zt. etwas problematisch. Alles, was gut und günstig ist, ist ausgebucht. Entweder man fliegt für über 500,- € nach Hamburg oder man ist stundenlang unterwegs. Auf beides haben Peter und ich keine Lust. Schau’n wir ‚mal, was sich in den nächsten Tagen so tut.

O1.09.2016: Nun bin ich in Göcek und wir haben in der D-Marina festgemacht. Sehr hochpreisig, aber das Geld wohl wert. Ruth ist heute morgen um 05:00 h von Bord gegangen und nun warte ich hier auf Peter und Sabine.

Von Bosburun aus sind wir direkt nach Ekincik gesegelt. Man kann dort an der Pier eines Nobelrestaurants festmachen und wenn man dort im Restaurant einkehrt, zahlt man keine Liegegebühren. Ansonsten kostet es 70,- TL, was zu vertreten ist. Wir verzichteten auf den Restaurantbesuch. Der wäre deutlich teurer gekommen.

Was das Anlegen dort interessant macht, ist der Ausflug zu der alten lykischen Stadt Kaunos (Trümmer besichtigen), die Flussfahrt den Daliyan hinauf durch das Delta, ein Blick auf die lykischen Gräber hoch oben in den Felsen und natürlich ein Stadtbummel durch die Stadt Daliyan, wo gerade ein Bauernmarkt stattfand, mit einem Angebot an Obst und Gemüse zu Preisen, von denen man anderenorts nur zu träumen wagt.

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Lyrische Felsengräber am Ufer des Dalyan

Mit dem Segelboot kann man nicht direkt hin fahren. Man ist auf das Angebot der in Ekincik ansässigen Kooperative der Besichtigungsbootanbieter angewiesen und muß sich von denen für ca. 100,- bis 140, Euro – je nach dem welche Tour man da so bucht – zu den antiken Attraktionen schippern lassen.

Wir hatten Glück und erwischten einen sehr netten älteren Herrn, der seine etwas rudimentären Deutschkenntnisse durch einen mehrjährigen Arbeitsaufenthalt in Olpe im Sauerland erworben hatte.

Der holte uns morgens zur vereinbarten Zeit vom Boot ab, schipperte uns an der Küste entlang in das Flussdelta und setzte uns an einem Steg ab, von dem es dann zu Fuß zu den antiken Stätten ging.

Ich war dort ja schon einmal vor irgendwie 20/ 25 Jahren dort und es hatte sich Einiges geändert. Die Wege waren vorgegeben, man mußte Eintrittsgeld bezahlen, aber der Besichtigungsparcours war auch deutlich organisierter, mit Hinweistafeln und Erklärungen, worauf man gerade herumkletterte.

Natürlich erklommen wir das alles in brüllender Mittagshitze, aber anders als damals, kletterte keiner von uns bis auf die höchste Erhebung dieser Ansiedlung. Die Hälfte reichte. Man hatte auch so eine schöne Aussicht über das Flussdelta.

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Amphitheater von Kaunas

Unser Ausflusskipper erwartete uns sozusagen am anderen Ende des Besichtigungsparcours und schipperte uns dann an einen Restaurantsteg in Daliyan, wo wir erst einmal einen kleinen Imbiss und ein kaltes Bier zu uns nahmen.

Und dann: Stadtbesichtigung! Es wurde eingekauft, was der Bauernmarkt so her gab. Wer sollte das essen?

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Bauernmarkt in Dylan

Auf dem Rückweg hielt unser Bootsführer noch bei einem Fischerboot an, bei dem wir auf dem Hinweg drei Portionen gekochte Krebse geordert hatten ( so ähnlich, wie auf Helgoland die Kniepers) und damit war unser Abendessen für jeweils 20,- TL/ Person gesichert. Wir brauchten das Nobelrestaurant in Ekincik nicht.

18.08.2016: Ich weiß, lange habe ich mich nicht mehr um die Pflege der Homepage gekümmert. Ausreden hätte ich genug, warum ich die Berichterstattung habe schludern lassen. Einzige Erklärung: Es ist das Tier in mir. Es ist nämlich ein Faultier!

Dies zur Erklärung.

Nun segele ich schon eine geraume Zeit in der Türkei. Dieter Memmeler ist von Bodrum aus gut nach Hause gekommen und meine drei Kieler Mädels sind in Turgutreis dazu gestiegen. Ina kam dann eine Woche später nach Ören und wir hatten eine schöne Segelzeit miteinander. Mir hat die Segelei mit den Vieren wieder einmal gut gefallen, entspanntes Buchtenbummeln, ankern, Besichtigung von alten Trümmern (Knidos), und leckeres Essen.

Von Turgutreis ging es in den Gökova Golf, dort hin und her und kreuz und quer, dann um die Datca Halbinsel herum nach Data und dann wieder zurück nach Bodrum, von wo aus die Vier nach Hause flogen und Ruth und Lothar als Nachfolgecrew einstiegen.

Alles verlief sehr unproblematisch. Die Ein- und Ausklarierei übernahm ein Agent – ohne den geht hier gar nichts – der natürlich seinen Obolus haben wollte. Das alles verläuft aber entspannter, als man denkt, wenn’s auch Zeit und Geld kostet.

Ansonsten ist hier von irgendwelchen politischen Wirren nichts zu spüren. Allerdings ist der Tourismus wohl deutlich eingebrochen, was man vor allem in den Ankerbuchten und an den Restaurantstegen merkt. Für uns nur gut, es gibt ausreichend Platz, die Kneipenwirte reißen sich um Einen, was sich aber leider nicht im Preisniveau niederschlägt. Die Türkei ist ein richtig teures Land geworden. Vorbei die Zeiten, wo man sich für zwanzig Mark vollfressen konnte, inklusive Wein und Schnaps. Unter dreißig Euro sind wir selten aus der Kneipe gekommen.

Auch Lebensmittel sind nicht gerade preisgünstig, vor allem Wein und Schnaps sind überdimensional teuer. Das schmälert die Lebensfreude.

Mit Ruth und Lothar gab’s dann auch noch ‚mal einen kurzen Abstecher in den Gökova Golf, dann um die Datca Halbinsel herum in den Hisarönü Golf nach Orhaniye, wo wir von einem perfekt Deutsch sprechenden Restaurantbesitzer bewirtet wurden. Nicht billig, aber sehr nett.

Auch hier wieder Anker- und Badebuchten zwischendurch, dann in den Yesilova Golf nach Bosburun, wo wir einen Hafentag einlegten, um mit dem Bus nach Marmaris zu fahren.

Ein Tag in einer pulsierenden Stadt. Die Basare waren allerdings nicht so mit Menschen angefüllt, wie man es erwartet hätte, die Restaurants fast leer und die Güllets, die sonst die Touristen über den Golf von Marmaris schippern, lagen verwaist an der Pier. Da macht sich dann doch wohl die Weltpolitik irgendwie bemerkbar. Uns tangiert das weniger, auch wenn Lothar vor Beginn seiner Reise arge Bedenken hatte, in die Türkei zu fliegen. Aber nun ist alles gut, alle Bedenken zerstreut und wir genießen das Leben hier, 28 Grad warmes Wasser, so zwischen 35 und vierzig Grad Lufttemperatur – was doch ein wenig reichlich ist, aber auf dem Wasser merkt man es nicht so.

Ein Tag Marmaris mit Erklimmen der Festung und Altstadtbummel reicht uns. Viel hatte ich nicht mehr aus unserer Charterzeit vor zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren in Erinnerung. Die Netzel Marina hat sich kaum verändert, die Promenade wohl auch nicht viel, aber die Stadt allgemein kommt mir moderner und „businessorientierter“ vor , als damals, auch wenn der Muezzin immer noch genauso vom Minarett plärrt.

Die Busfahrt nach und von Marmaris war auch interessant, führte sie doch durch eine schöne Gebirgslandschaft mit häufigem Blick auf das Meer – alles in allem ein gelungener Ausflug.

Nun sind wir von Bosburun aus unterwegs in Richtung Fethye, wobei wir Marmaris mit dem Boot auslassen werden.

Eine Ankerbucht, Bozukkale, haben wir ohne Festmachen am Kneipensteg besucht, heute ist wieder ein Restaurantsteg im Ciftlik Limani angesagt. Mal sehen, wie’s Essen wird.

04.07.2016: Es ist geschafft: wir sind gestern auf Mykonos angekommen. Gestern sind wir von Nausa auf der Insel Paros gestartet. Lange haben wir mit uns gerungen, ob wir überhaupt los segeln sollten. Alle Wetterberichte und auch die Einheimischen warnten uns vor dem herannahenden Meltemi, der angeblich dann mehrere Tage wehen sollte. Allerdings erst ab Sonntagnachmittag. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder tagelang in Nausa im Hafen liegen und damit den anstehenden Crewwechsel verlegen zu müssen oder das Zeitfenster nutzen und gegen den herrschenden Nordwind, der Sonntagmorgen noch moderat blies, anzukreuzen, in der Hoffnung, noch vor dem Starkwind die Tourlos Marina auf Mykonos zu erreichen.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wir starteten. Es wurde ein langes Bein gen Norden bei 12 bis 16 Knoten Wind aus nordwestlichen Richtungen, alles ganz entspannt mit gereffter Genua und vollem Großsegel. Wir konnten sogar fast die Einfahrt zwischen den Inseln Mykonos und Delos anliegen.

Kurz nach 15:00 h, wir waren schon unter der Südküste von Mykonos, ging’s dann los. Der Wind legte schlagartig zu, das zweite Reff folgte umgehend dem ersten, jetzt wurde es knackiges Segeln. Aufkreuzen zwischen den beiden Inseln, zunehmender Wind und damit verbunden zunehmender Seegang, wir spielten U-Boot. Wir hatten locker sechs Windstärken, in den Böen auch sieben. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich eine derartig steile und grobe See aufgebaut, wie ich mir das hier zwischen den Inseln kaum vorstellen konnte. Aber wir segelten, sogar nach Luv und wir schafften es, am späten Nachmittag in der Tourlos Marina unter den Augen kritischer Beobachter ohne Komplikationen vor Buganker rückwärts an die Pier zu gehen. Kein Hafenkino!

Nun sitzen Peter und Ich hoch über der Marina im Hafenkaffee und schauen auf die Bucht von Mykonos, wo die Wellen sich mit weißen Schaumkronen an der Hafenmole brechen und wo dann doch noch hin und wieder eine Yacht einläuft, je nach den Fähigkeiten des Skippers mit Hafenkino oder auch ohne.

So langsam habe ich mich auch daran gewöhnt, dass die „Yssabeau“ meistens das kleinste Schiff mit dem kürzesten Mast zwischen all den Charterbombern ist – unter 40 Fuß geht offenbar gar nichts, ganz zu schweigen von diesen Riesenkatamaranen von der Größe eines mittleren Eigenheims. Da frage ich mich, was ist hier noch Segeln?

So, das Wichtigste ist erzählt. Peter wird am 08.07. plangemäß von hier nach Hause fliegen und Dieter und Wolf werden am Mittwoch zu steigen. So lange darf der Meltemi blasen so viel wie er will.

….. und dann gibt’s doch noch eine Geschichte: (Rückblick)

Beim Auslaufen aus dem Hafen von Paronikia auf der Insel Paros am Samstagmorgen gerieten wir zwischen eine einlaufende und eine auslaufende Fähre. Die passierten uns im Abstand von wenigen zig Metern und wir gerieten in die sich kreuzenden Heckseen der beiden. Ein gewaltiger Wasserberg überspülte das Vorschiff der „Yssabeau“, allerdings ohne uns besonders naß zu machen.

Erst eine ganze Zeit später, als Peter unter Deck ging, offenbarte sich das Unheil. Er hatte vergessen, das Vorluk zu verriegeln und die von uns eingefangene Welle hatte das ganze Vorschiff unter Wasser gesetzt. Da blieb im wahrsten Sinne des Wortes kein Auge mehr trocken.

Peters Nachmittagsbeschäftigung dann in Nausa: Polster mit Süßwasser spülen und zum Trocknen an Deck drapieren; meine Beschäftigung: Literweise Wasser aus der Bilge auffeudeln – kennt man ja. Wir nahmen es mit Gelassenheit.

Jetzt ist erst einmal Touriprogramm auf Mykonos angesagt.

27.06.2016: Wir sind auf der Insel Milos. Aber vorher :

Wer braucht schon die Karibik? Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.

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Ankerbucht Menolonisi auf Nisos Polagios

Lufttemperatur: 29 Grad; Wassertemperatur: 23 Grad

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….. und die Ziege stört auch nicht so richtig!

22.06.2016: Nachdem wir an der Bootstankstelle 67 Liter Diesel getankt hatten, war die Insel Kalymnos unsere nächste Station.

Bei anfangs moderaten zwei, später vier Windstärken war es schönes Segeln dort hin, nur kam der Wind leider aus der falschen Richtung. Also wieder einmal volle Kreuz.

Trotzdem genossen wir es. Es war warm, die Sonne schien, die Inseln Kos, Psarimos und Kalymnos und auch das türkische Festland boten optisch einen reizvollen Anblick und bei einem kalten Bier ließen wir es uns gut gehen.

Zusammen mit einer Chartercrew erreichten wir den Hafen von Kalymnos, wo wir bereits von dem Hafenmeister und einem „Mooringman“ erwartet wurden. Es war viel Platz an der Pier, den die Chartercrew dann auch benötigte, da rückwärts fahren offenbar nicht ihr Ding war und da sie ihren Anker viel zu kurz geworfen hatten, schickte der Hafenmeister sie gleich wieder los, um ein neues Manöver zu fahren.

Wir bekamen beim Anlegen allerdings auch Probleme. Die Ankerwinde gab wieder einmal ihren Geist auf, abwärts ging’s, aufwärts nicht mehr.

Zu allem Übel verhedderte sich auch noch die Ankerkette im Ankerkasten vor der Winde, so das unser Anlegemanöver sich auch ein wenig zum Hafenkino gestaltete.

Schließlich hatten wir es mit Hilfe des „Mooringman“ und des Hafenmeisters geschafft und lagen fest.

Wir klagten dem Hafenmeister unser Leid und am nächsten Morgen stand Nicos, der sich als ein Elektriker zu erkennen gab, auf der Pier, der die Winde ausbaute und mit nahm. Nach einiger Zeit kam er mit der zerlegten Winde zurück und zeigte uns das „Innenleben“, welches vorwiegend aus einer Mischung aus Dreck, Salz, Rost und irgendwelchen verkokelten Drähten bestand.

Der gute Mann war zuversichtlich, dass er die Winde reparieren könne; uns verschaffte das zwei weitere Hafentage, was wir auch nicht als so schrecklich empfanden.

Tatsächlich brachte Nicos das reparierte und vor allem auch restaurierte Teil am nächsten Tag zurück und baute es ein.

Es stand ein wenig Schwell auf die Pier und der gute Mann wurde beim Einbau auch noch Seekrank. Kein Wunder, es ist sicherlich kein Vergnügen kopfüber im Ankerkasten zu hantieren

Ärgerlich ist allerdings, dass die Ankerwinde oder irgendwelche Teile drumherum immer wieder ihren Geist aufgeben. Das Ding, bzw. die Platzierung im Ankerkasten ist eine völlige Fehlkonstruktion. Ich hatte gerade im Winterlager in Lavrion die Winde für teures Geld komplett überholen lassen. Das Windengehäuse ist nicht Wasserdicht und die Unterbringung direkt im Ankerkasten unter dem Loch im Deck, wo die Kette durchläuft und damit auch Wasser, im wahrsten Sinne des Wortes eher suboptimal.

Langfristig muß da eine andere Lösung her. Nur welche?

Mit reparierter Ankerwinde und um 100,- Euro ärmer machten wir uns bei anfänglich gutem Wind auf in Richtung Leros. Nach und nach ließ der Wind nach bis zur Flaute, so dass wir hin und wieder den Motor anschmissen, um überhaupt vorwärts zu kommen.

In der Bucht von Lakki gibt es zwei Marinas und wir entschlossen uns, in der Leros Marina festzumachen.

Es war wie immer: Anmelden über UKW-Funk, zwei freundliche Marineros wiesen uns einen Platz zu und halfen beim Festmachen.

Leros ist eine moderne Marina mit reichlich Winterlagerfläche für Boote und ordentlichen Sanitäreinrichtungen. Nur, wieder einmal gibt es keinerlei Sitzgelegenheiten in den Duschen.

Die Marina liegt etwas außerhalb des Städtchens, das ohnehin nicht all zu viel zu bieten hat. Uns hielt hier nichts und am nächsten Tag ging es gen Westen in die Kykladen zurück.

Auf dem Weg dorthin liegt die Insel Levitha mit ihrer hervorragenden Ankerbucht in der von der die Insel bewohnenden Familie Mooringtonnen ausgebracht wurden. Ich war ja vorher schon auf dem Weg nach Rhodos mit Jasmin da gewesen. Nur diesmal nahmen wir den von dem Tavernenwirt angebotenen „Shuttleservice“ mit dem Boot in Anspruch und gingen abends in der einzigen Taverne essen.

Allein der Weg vom Anleger zum Restaurant war schon ein Abenteuer, glich er doch mehr einem ausgetretenen Ziegenpfad als einem begehbaren Weg. Mir graute vor dem Rückweg.

Die Küche bot Landestypisches, für mich gab’s Ziege. Bekommt man auch nicht alle Tage, schmeckte aber sehr gut und war nicht überteuert. Alles in Allem zahlten wir für das Essen inklusive Vorspeisen und reichlich Getränken 58,- Euro.

Neben uns am Nachbartisch hatte sich auch eine dreiköpfige Crew niedergelassen, die uns dann auch ansprachen und fragten, ob wir die Segler seien, die in Nisiros die allseits bewunderten Manöver gefahren hätten, was wir ja dann auch nicht verneinten.

Offenbar hatten wir auch bei diesen Leuten einen tiefen Eindruck hinterlassen hinsichtlich unserer Segelkünste.

Irgendwie scheint es so zu sein, dass man von vielen Seglern hier vor Ort, schon geradezu als Held zur See angesehen wird, fährt man mit dem Boot auch nur halbwegs vernünftige Hafenmanöver, was ja auch bei den Kathastrophenmanövern, die hier einige Chartercrews bieten, kein Wunder ist.

Es wurde noch ein netter Abend mit Günter, Bärbel und Renate und wir waren dann auch die letzten Gäste, die übrig geblieben waren.

Ich verspürte wenig Neigung den Ziegenpfad in der Dunkelheit zum Anleger zu Fuß zurück zu legen und fragte den Tavernenwirt, der uns ja ohnehin zum Boot übersetzten mußte, ob er mich auf seinem Motorroller mitnehmen könne. Daraufhin bot er uns an, uns alle auf dem Anhänger seines Traktors zur Ankerbucht zu fahren, was wir auch dankend annahmen.

Es ging nicht über den Ziegenpfad zurück, aber viel besser war der Weg den der Traktor nahm, auch nicht, nur länger. Wir holperten langsam durch die Nacht und bekamen auf diese Weise noch einen kleinen Eindruck von der Insel.

Für diesen Service wollte der Wirt noch nicht einmal Geld annehmen. Dafür sparte er dann den Bootsshuttle, weil Günter uns mit seinem Dingi zur „Yssabeau“ brachte.

Leider ist die Insel Levitha als Geheimtip nicht mehr so geheim, aber sei’s drum, uns hat’s gefallen.

Nachdem wir am nächsten Tag unsere Mooring verlassen und unseren deutschen Freunden noch einmal zugewunken hatten, ging es mit kräftigen vier Windstärken aus nordwestlichen Richtungen nach Amorgos. Auch hier wieder unspektakuläres Segeln bis der Wind dann im Laufe des Tages abnahm und wir wieder einmal ein Stück motoren mußten.

Seltsames Kabbelwasser und drehende unstete Winde vermiesten diverse Segelversuche so dass wir die letzten Meilen nach Katapola auf der Insel Amorgos motorten.

Für 8,- Euro die Nacht inklusive Strom und Wasser durften wir dann vor Anker an der Stadtpier von Katapola liegen.

Der nächste Tag war „Sightseeing“-Tag. Für 25,- Euro plus 10 Liter Sprit, den wir kaufen mussten, mieteten wir ein Auto und klapperten die Insel ab.

Überall durchzogen Steinmauern die steilen Berghänge, Ziegen liefen auf den Straßen herum und machten keine Anstalten einem Auto auszuweichen, so dass man langsam an ihnen vorbei fahren mußte und von den Höhen hatte man einen herrlichen Blick über die Insel und das Meer.

Wir ließen es ruhig angehen, tranken in dem kleinen Hafenort Aegiali einen Eiskaffefrappè, stoppten in dem alten verlassenen Dorf Astodillitis, wo angeblich nur noch ein einsamer Ziegenhirte leben sollte und relaxten dann noch einmal am anderen Ende der Insel bei einem Dosenbier am Strand von Kalotaritissa.

Höhepunkt diese Ausfluges war sicherlich der Besuch des Klosters von Panagia Hozoviotissa, das sich hoch über dem Meer an einen steilen Berghang schmiegt und nur über einen mehr oder weniger steilen Treppenweg zu erreichen ist.

Ich sparte mir den Weg da oben hoch und blieb bei dem Devotionalienhändler – der mir dann, in der Hoffnung, ich würde eine Flasche von dem Zeug kaufen, auch noch einen inseltypischen Raki spendierte – am Parkplatz sitzen, während Peter das Kloster erklomm.

Unsere Tour endete mit dem Kauf einer Box Rotwein in dem Supermarkt der Inselhauptstadt Chora und – unsere gute Tat des Tages – in der Mitnahme eines trampenden Jungen, der von Chora aus nach Katapola wollte.

Amorgos ist eine schöne Insel, hat mir gut gefallen.

Eigentlich wollten wir von Amorgos aus nach zu der Insel Ios segeln, aber angesichts anhaltender Flaute bzw. schwachen Windes entschlossen wir uns, die 15 Meilen nach Koufonisios zu gehen.

Begrüßt wurden wir dort von einem Großen Bagger, der irgendwelche Arbeiten an der Hafenmole verrichtete und dem Hafenmeister, der mich von meinem letzten Aufenthalt mit Jasmin her wiedererkannte.

Auch hier hielt uns nichts, auch angesichts des auch am nächsten Tag herrschenden Baulärms und wir machten uns nun auf nach Ios.

Auch wieder anfänglich ein schöner Segeltag mit anfänglich gutem Wind aus Nordost, der dann immer weiter abnahm.

Wir erwischten tatsächlich noch eine freie Mooringleine und gleich beim Festmachen an der Pier von Ios Hafen begrüßte uns ein Deutscher und gab uns den Rat, guten Abstand von der pier zu halten. Die Fähren würden hier einen derartigen Schwell verursachen, so dass man unter Umständen mit dem Heck auf die Pier gedrückt würde. So stand es auch in den Hafenhandbüchern.

So kam es, dass wir mit reichlich Abstand zur Pier an der Mooringleine festmachten, um dann fest zu stellen, dass unsere Gangwayplanke zu kurz war und wir so nicht an Land gelangen konnten.

Also blieb uns nichts anderes übrig, als unser Dingi aufzublasen und es als Fender und Überstiegshilfe zu verwenden.

Diese Maßnahme erwies angesichts der Temperaturen zwar als schweißtreibend, aber genau richtig. Die Fähren verursachen hier beim Ein-und Auslaufen wirklichen einen derartigen Schwell, dass es nur so in den Festmacherleinen kracht.

Der Meltemi bläst! Gestern blieben wir im Hafen und heute auch. Es ist auch gar nicht schlecht, einmal nichts zu machen oder irgendetwas, was nichts mit Segeln zu tun hat. Im Kafenion sitzen und Eiskaffefrappè zu trinken, dank WiFi im Internet ‚rumzustöbern und auch ‚mal wieder die Homepage zu pflegen.

Hafenkino ist auch nicht schlecht. Bei manchen Leuten, die ein Segelboot bewegen, fragt man sich wirklich, ob die noch alle Tassen im Schrank haben. Zwischen unserem Liegeplatz und unserem nächsten Nachbarn gab es eine Lücke, da entweder die Mooringleine weg ist oder irgendjemand in der Reihe zwei Leinen beansprucht. Alle Mooringleinen sind an einer Kette auf dem Hafengrund befestigt, deren Verlauf durch eine gelbe Boje markiert ist, auf der dann auch noch ein ankern verboten Zeichen aufgemalt ist. Und so steht’s auch im Handbuch.

Da kommt dann tatsächlich eine Yacht unter amerikanischer Flagge mit einem älteren Ehepaar in die Lücke gefahren, obwohl wir signalisiert haben, dass es keine Mooring gibt und ohne überhaupt eine Leine auf dem Vorschiff klar zu haben und fragen, ob sie bei uns festmachen dürfen. Ja, wie denn, ohne Vorleine? Die Olle sitzt dick und bräsig achtern im Cockpit und klammert sich an die nicht ausgebrachte Achterleine und der „Skipper“ hantiert heftig mit dem Gashebel. Keiner von denen macht Anstalten, auch nur irgendetwas zur Sicherung des Bootes bei zu tragen. Und der Nachbar auf der anderen Seite hat schon das große „P“ in den Augen und schwingt mutig einen Fender, um zu verhindern, dass der Anker des Schiffes dieses Seehelden sein Boot aufschlitzt.

Unser Vorschlag, doch vielleicht erst einmal den Anker weit über die Mooringkette auszubringen und dann in die Lücke zu fahren, wird mit der Erwiderung abgelehnt, das ankern erstens verboten sei und zweitens hätten sie nur 40 Meter Ankerkette. Da fällt einem nichts mehr dazu ein.

Die sind dann auch wieder weggefahren und wir waren froh, dass wir die nicht bei uns am Schiff festmachen mußten. Bei dem Schwell, den die Fähren verursachen wäre dies eher grenzwertig geworden.

Einige Minuten später kam dann eine Charteryacht mit einer deutschen Crew rückwärts auf die Lücke zu gesteuert, die dann, nachdem wir sie vor der fehlenden Mooring gewarnt hatten, locker sagten: „Dann fahren wir eben wieder ‚raus und schmeissen den Anker!“. So taten die das auch und fuhren unter den Augen eines gerade vorbei kommenden Beamten der Port Police einen souveränen Anleger. ….. und wir bekamen zur Belohnung ein kaltes Bier herübergereicht. So kann’s auch gehen.

Morgen soll der Meltemi immer noch mit sechs Windstärken blasen. Eigentlich kein Problem, wenn die Richtung stimmt. Entschlossen unentschlossen wollen wir eigentlich nach Milos hinüber. Schau’n wir ‚mal, wie’s morgen wird.

11.06.2016: Peter, Erwin und Michael sind plangemäß in Rhodos zugestiegen. Wir gönnten uns einen Tag Sightseeing in Rhodos-Stadt.

Von Rhodos aus ging es dann wieder nach Symi auf der gleichnamigen Insel. Nächste Station war dann die Insel Tilos und danach ging es nach Nisiros.

Von Silos nach Nisiros hatten wir richtigen starken Wind und wir kreuzten unter gereffter Genua und mit dem ersten Reff im Großsegel bis kurz vor den Hafen. Dieser war bereits rappelvoll und wir hatten Schwierigkeiten einen Liegeplatz zu finden.

Auf der Pier standen reichlich Leute und signalisierten uns, wo wir denn überall ‚reinfahren sollten. Schließlich machte eine Deutsche Chartercrew und ein deutscher Langzeitkipper eine Lücke zwischen ihren Booten frei, indem sie die Landleinen etwas verlegten. Unser Anker fiel zwischen die ihrigen und mit Hilfe vieler Hände landeten wir zwischen den beiden. Das war nette, freundliche Hilfsbereitschaft, die bei dem starken Seitenwind sehr willkommen war.

Später erfuhren wir, dass man uns wohl allgemein bewundert hat, dass wir bei dem Starken Wind (zwischen 17 und 24 Knoten) von Tilos herüber gesegelt waren. Unsere Chartercrewnachbarn waren die gleiche Strecke voll motort.

Am nächsten Tag gingen wir bei 14 Knoten Wind Anker auf, drehten in dem nunmehr fast leeren Hafenbecken ein paar Runden um das Schiff zu klarieren und setzten dann auch noch das Großsegel im Hafenbecken um dann mit achterlichem Wind hinaus zu segeln, was offenbar wieder allgemeines Staunen bei den im Hafen Hinterbliebenen auslöste, wie ich dann später in Kos erfuhr, wo die besagte Chartercrew dann einen tag später eintraf.

Die Strecke nach Kos gestaltete sich dann doch im Laufe des Tages etwas mühsam, da der Wind stetig zu nahm und zum guten Schluß mußten wir mit dem zweiten Reff und Genua III noch voll gegenan bis zur Marineeinfahrt kreuzen. Das reichte dann auch. Eine Woche Starkwind war genug.

Zu allem Überfluß erwies sich das hintere Salonfenster über der Navigation auch noch als undicht. Über das Marinabüro in Kos konnte dann sogar ein Handwerker aufgetrieben werden, der das Fenster dann ausgebaut, abgedichtet und wieder eingebaut hat. Kostete natürlich auch eine Stange Geld. Hoffentlich hälts.

Nun sind Erwin und Michael abgereist und Peter und ich segeln erst einmal alleine weiter, nachdem wir uns heute einen Hafentag gegönnt haben.

02.06.2016: Gestern sind wir auf Rhodos angelandet. Eine Nacht verbrachten wir auf der Insel Symi in dem gleichnamigen wunderschönen Ort. Das war wirklich Griechenland pur, allerdings auch von der touristischen Seite. Die Tagesausflügler von Rhodos überfielen den Ort und wir flüchteten.

Dann ging’s in eine nette Ankerbucht namens Panormitis auf der Südwestseite der Insel – Ruhe, bis auf die morgendlichen liturgischen Gesänge der Mönche aus dem nahe gelegenen Kloster.

Nun liegen wir in der nagelneuen und auch noch nicht ganz fertigen Marina Rhodos, etwas ab vom Schuß, aber dafür ruhig und mit allem Komfort.

Heute war Stadtbesichtigung von Rhodos. Gut das wir nicht in die Marina Mandraki eingelaufen sind. Eng, laut, keine Infrastruktur, allerdings stadtnah.

Rhodos Stadt ist ein Touristenmekka ohne Gleichen. Die alten Kreuzritter würden sich wohl im Grabe umdrehen, wüßten sie von dem heutigen Treiben. Man kann wirklich keinen Schritt gehen, ohne dass man von irgendwelchen Leuten angemacht wird, in deren Restaurant einzukehren oder irgendwelchen Touritinnef zu kaufen.

Die beeindruckenden Festungsmauern und die Paläste der Kreuzritter fallen vor lauter Touristenrummel kaum noch ins Auge.

Ein Tag Rhodos Stadt hat uns gereicht.

Die Rücktour zur Marina mit dem öffentlichen Bus gestaltete sich zwar preiswert, aber auch abenteuerlich. Der Bus brach einfach mitten auf der Strecke unter Ausstoß diverser Rauchwolken zusammen. Ein Ersatzfahrzeug brachte uns dann nach einiger Wartezeit zurück in die Marina. Wir nahmen es mit südländischer Gelassenheit.

Jasmin fliegt morgen nach Hause. Wir gönnten uns ein Abschiedsessen beim direkt der Marina gegenüber liegenden Griechen und haben es nicht bereut. Ursprüngliche griechische Küche, lecker, preiswert und nettes Ambiente.

Samstag kommt die nächste Crew und dann geht’s weiter.

28.05.2016: Gestern abend sind wir auf der Insel Kos in der gleichnamigen Stadt angelandet. Die Marina bietet alles, was das Seglerherz begehrt.

Von Levitha aus ging es wieder mit 4, 5, in Böen auch 6 Windstärken in die Dodekanes, eben nach Kos.

Wir haben beschlossen, angesichts der anhaltenden Starkwindsituation einen Tag hier zu verbringen. Wir haben jetzt genügend Zeit, um nach Rhodos zu gelangen, wo der nächste Crewwechsel stattfinden wird.

Die Wettersituation ist wirklich erstaunlich. Seit drei Tagen gibt es Starkwind aus nördlichen Richtungen, kein Meltemi, und zwischendurch immer wieder schwache Winde aus Süd. Wie soll man da vernünftig planen? Außerdem ist der Norwind auch noch recht frisch, ein wärmendes Jäckchen ist angesagt.

Allerdins regnet es nicht und Segeln mit Wind von hinten bei strahlend blauem Himmel hat ja auch ‚was.

Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen.

26.05.2016: Nach zwei Tagen Starkwindaufenthalt auf Serifos ging’s dann endlich weiter nach Paros. Wir wurden belohnt. Wind aus NW, drei, vier Windstärken, Sonnenschein, Segeln wie man es sich erträumt.

Wir steuerten die Marina Nausas an, wo es laut Hafenhandbuch angeblich alle den Segler erfreuende Einrichtungen geben sollte. Aber Nichts da. Es gab wieder einmal keine Klos, keine Duschen, keinen Strom, aber Wasser, das aus irgendwelchen Gründen dann nur sporadisch aus den Hähnen floß und von mir quasi zufällig entdeckt wurde.

Wir ergatterten hier mit Hilfe einer französischen Seglerin die wohl letzte freie Mooringleine, die allerdings vom Durchmesser her einen wenig vertrauenswürdigen Eindruck machte. Hat aber bis zu unserer Abfahrt gehalten.

Immerhin wurde auch kein Hafengeld fällig.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag zwischen den Inseln Paros und Naxos in Richtung Süden segeln.

Wir starteten auch bei moderaten Windbedingungen aus SSE aber kaum steckten wir unsere Nase aus der Bucht von Naousa hinaus, bekamen wir satte 5 Windstärken auf die Nase, aus genau der Richtung, in die wir wollten.

Es reichte gerade zu einem Anlieger nach Naxos auf der gleichnamigen Insel. Zum Kreuzen hatten wir keine Lust.

So kam es, das wir bereits zu früher Mittagsstunde in der Marina von Naxos vor eigenem Anker fest machten. Wir nutzten die Gelegenheit zu einem ausgiebigen Stadtbummel, was dieser auch wert war.

Die Altstadt von Naxos zieht sich labyrinthartig einen Berg entlang, verwinkelte enge Gassen mit Souvenierläden und kleinen Restaurants prägen dieses Quartier. Man kann sich hier wirklich verlaufen. Spannend ist es aber auch.

Im Zuge unserer Stadterkundung entdeckten wir auch die allgemein zugänglichen öffentlichen sanitären Einrichtungen. Das Hafenhandbuch hatte uns ja bereits schon gewarnt, aber die Realität erwies sich als jenseits aller Vorstellungskraft. Derartig heruntergekommene, verdreckte und marode Toiletten und Duschen hatte ich mein Lebtag noch nicht gesehen. Dass selbige überhaupt von irgend jemanden benutzt werden, mag man nicht glauben, aber dennoch ist es wohl so, wie die eindeutigen Hinterlassenschaften menschlicher Bedürfnisse signalisieren.

Jasmin und ich krönten unseren Stadtbummel mit einem Eis-Caffe-Frappé in einem Bistro mit Blick auf den Hafen, um uns dann in einem Supermarkt mit dem Nötigsten für die nächsten Tage zu versehen.

Der nächste Morgen wartete dann auch gleich mit Überraschungen auf. Die Erste erschien in Gestalt eines freundlichen Herrn, der unseren Bootsnamen notierte und uns dann mitteilte, dass man doch bitte noch vor 15:00 h im Büro der Port Police erscheinen sollten.

Jasmin machte sich daraufhin nach dem Frühstück mit allen erdenklichen Papieren dorthin auf, war aber nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder zurück und wir um 13,52 € ärmer. Also: Alles harmlos.

Die zweite Überraschung gestaltete sich dann doch etwas abenteuerlicher. Ich hatte mich am Abend zuvor schon gewundert, warum unser Anker bei gerade einmal zehn Meter ausgebrachter Kette derartig gut hielt. Es war mir kaum möglich gewesen, mit Maschinenkraft richtig dicht an die Pier zu gehen, so dass wir doch einen guten Abstand hatten und unsere Laufplanke (sprich Gangway) gute Dienste leistete.

Wie ich bereits vermutet hatte, zogen wir beim Ankeraufgehen mit unserem Anker irgendein nicht näher zu identifizierendes kettenartiges Eisenteil in die Höhe, allerdings nur auf ungefähr zwei Meter unter die Wasseroberfläche, dann versagte die Ankerwinde. Nun hingen wir da, fast mitten im Hafen und nichts ging mehr, kein Vor, kein Zurück, unser Anker hatte sich gut an diesem Kettenteil verhakt.

Nach kurzer Beratschlagung erklärte sich Jasmin bereit (ansonsten wäre ich es gewesen) ins Wasser zu gehen und eine Leine unter dieses Kettengedöns zu ziehen. Dazu musste man natürlich etwas abtauchen, kein besonders angenehmes Vergnügen, angesichts des ganz sicher nicht naturreinen Hafenwassers.

Das Manöver gelang. Wir fierten unseren Anker, das Kettengedöns wurde durch unsere Leine hochgehalten, unser Anker kam frei, wurde aufgeholt und der Hilfsstrick einfach losgeworfen, das war’s. Dank an Jasmins heldenhaften Einsatz.

Dafür durfte sie sich auch danach mit der Borddusche mit Süßwasser abduschen.

Nun kam der Plan vom Vortag zu tragen. Zuerst moderater Wind aus nordwestlicher Richtung, dann vier Windstärken aus West trieben uns zwischen den beiden Inseln Paros und Naxos in Richtung Süden. Wieder ein nahezu perfekter Segeltag, der in einer kleinen gleichnamigen Marina auf der Insel Koufonisos endete.

Allein die Ansteuerung dieses Hafens zwischen den Inseln Kato und Koufonisos war es wegen der malerischen Küstenformationen wert.

Ein netter hilfsbereiter Hafenmeister half uns beim Anlegen, kassierte 17,40 €, es gab Strom und Wasser und vor Allem: Ruhe. Ein wirklich netter Ort. Hat mir gut gefallen.

Gemäß Planung sollte es dann am nächsten Tag eigentlich zu der Insel Amorgos gehen. Aber direkt beim Start von Koufonisos aus wehte der Wind so verlockend mit 3 Bft. aus Nordwest, dass wir gleich auf Ostkurs gingen, wo ich mit Hilfe des Kartenmaterials und der Handbücher in 45 Meilen Entfernung die Insel Levitha aus gemacht hatte.

Das sollte uns ein gutes Stück in Richtung Dodekanes und damit nach Rhodos bringen.

Im Laufe des Tages nahm der Wind stetig zu. Wir rauschten unter Vollzeug – sprich Genua und Groß – mit raumem Wind und 6 bis 7 Knoten Fahrt an der Nordspitze von Amorgos vorbei.

Rauschefahrt! Bei zeitweilig 25 bis 27 Knoten Wind hatte Jasmin wohl auch ihre Grenzerlebnisse am Ruder, zumal die Welle von schräg von der Seite ordentlich schob. Aber sie hat sich wacker geschlagen.

Irgendwann wurde es dann auch mir zu viel und wir rollten die Genua ein.

Je mehr wir uns unserem Ziel näherten, desto mehr nahm der Wind ab. Unter Großsegel liefen wir in die Bucht von Troumpa auf der Insel Levitha ein, wo uns dann, nachdem wir das Großsegel geborgen hatten, ein netter Grieche in einem Dingi empfing und uns beim Festmachen an einer Mooringtonne behilflich war.

Für 7,- € durften wir dann an dieser Moorig in malerischer Umgebung liegen, allerdings nicht alleine, es gab noch etliche weitere Bojen, an denen andere Yachten lagen. Schön ist’s trotzdem hier. Die einzige Taverne auf der Insel könnte man ja auch noch ausprobieren, so man denn ein aufgeblasenes Dingi zur Verfügung hätte.

22.05.2016: Noch ein Hafentag!

In der Nacht vom 21.05. zum 22.05. regnete es wieder einmal. Der Tag begann mit Starkwind so um die 15/16 Knoten, der dann im Laufe des Tages auf in Böen 25 Knoten zu nahm. Erst überlegten wir, los zu segeln, aber nachdem unser englischer Nachbarlieger uns vor dem zunehmenden Wind am Nachmittag gewarnt hatte und wir auch noch Zeuge eines ziemlich abenteuerlichen Ablegers einer deutschen Chartercrew wurden, verzichteten wir auf den schnellen Rutsch nach Paros, in der Hoffnung, dass die Windbedingungen morgen moderater sind.

Jedenfalls entbehren die verschiedenen Wetterberichte nicht einer gewissen Interpretationsspanne.

Mehr demnächst.

21.05.2016: Der dritte Teil der Reise im Südland hat begonnen.

(Hier erst einmal eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse)

Wie immer, läuft alles längst nicht nach Plan. Aufgrund des griechischen orthodoxen Osterfestes, welche einen Monat nach dem unsrigen statt fand, mußte ich meinen Flug nach Athen zwei Mal verschieben. Zu diesem Zeitpunkt geht in Griechenland gar nichts, aber das haben mir die Leute von der Olympic Marina offenbar im Herbst, als ich das Schiff an Land gestellt habe, nicht mitteilen können.

So flog ich dann erst am 04.05. nach Athen und traf mich mit Lothar und dessen Bruder Peter dort auf dem Flughafen. Mit dem Bus ging es dann weiter nach Lavrion und in die Marina.

Die Werft hatte weitgehend die Arbeiten erledigt, die ich beauftragt hatte, es blieb aber trotzdem noch genug für uns zu tun.

Laurenz steß dann einen Tag später zu uns und am 06.05. ging das Schiff dann zu Wasser.

Ein paar Dinge zu tun, bei denen die Dienste der Werft in Anspruch genommen werden mußten,  blieben immer noch übrig und so konnten wir erst am Dienstag in See stechen, weil ja wieder ein Wochenende dazwischen lag.

Nick, ein griechischer Kollege von Lothar, hat uns am Freitagabend in ein Restaurant in Lavrion eingeladen und wir haben wirklich gespeist, wie die Götter, alles was die griechische Küche an Spezialitäten so her gab.

Den Sonntag nutzten wir allerdings zu einem kleinen Probeschlag in den Gewässern vor der Marina.

Unser erster Anlaufpunkt war dann die Insel Kea. Wir drehten die Runde über die Inseln Kythnos, Syros, Tinos, Andros und dann wieder Kea zurück in die Olympic Marina.

Eine nette Tour zum angewöhnen, auch wenn das Wetter noch nicht so richtig südländisch war, wie man es eigentlich hätte erwartet.

Am letzten Tag fabrizierten wir noch beim Reffen einen Riß ins Großsegel, so dass es wieder einen Aufenthalt in der Olympic Marina gab, bis das Segel repariert war. Außerdem mußte wieder einmal der „Up“- Knopf der Ankerwinde repariert werden und zu allem Überfluß hatte der Betriebsstundenzähler des Motors auch noch seinen Geist aufgegeben, da waren wieder einmal einige Kabel weggerottet. Die Elektrik auf dem Schiff ist wirklich eine Katastrophe, aber der Elektriker der Werft hatte es drauf.

Jasmin erwartete uns bereits und nach einer Nacht zu Fünft an Bord verließen Lothar, Peter und Laurenz die „Yssabeau“ und flogen nach Hause.

Alles in Allem war es ein sehr netter Auftakt mit der ersten Crew und nun geht es mit Jasmin als einzige Mitseglerin erst einmal gen Rhodos.

Wir mußten noch einen Tag in der Marina verbringen bis alle Reparaturen vollbracht waren und wir uns im Supermarkt in Lavrion für die nächsten Tage mit Vorräten eingedeckt hatten.

Der Lieferservice des Supermarktes brachte unsere Einkäufe, die wir allein kaum hätten schleppen können, samt uns zur Marina zurück und das abends um 20:00 h. So etwas nenne ich Service.

Unsere erste Station war diesmal die Insel Kythnos, wo wir dann nach einem herrlichen Segeltag die Nacht verbrachten, um dann am nächsten Tag zur Insel Seriphos zu segeln.

Dieser Tag war allerdings wettermäßig eher bescheiden. Der Himmel war grau und von Wolken bedeckt, Wind eher mäßig aus wechselnden südlichen Richtungen, also von dort, wo wir hin wollten, und zum guten Schluß mußten wir noch rund zwei Stunden motoren, um überhaupt noch unser Ziel zu erreichen. Und so richtig südländisch warm war es auch nicht.

Seriphos verfügt mittlerweile über eine richtig nette kleine Marina, die noch nicht im Hafenhandbuch verzeichnet ist, die aber auch noch nicht so ganz fertig ist. Es gibt  Moorings, Trinkwasser, aber noch keinen Strom und sanitäre Einrichtungen.

Des Nachts regnete es in Strömen, um dann gegen Morgen in Starkwind über zu gehen. Für uns ein Grund, einen Hafentag ein zu legen.

Mehr demnächst.