Archiv der Kategorie: 2021

Ricos Reiseberichte 2021

23.8.2021
Moin aus Nizza! Es sind schon wieder 30 Grad und es ist etwas gewittrig.
Heute wird das Schiff weiter vorbereitet und die letzten Einkäufe werden in Kürze via Lieferservice gebracht.
Morgen geht es dann los.
Leider ist beim Einbau des Plotters irgendetwas schief gegangen.
Das Gerät funktioniert nicht mehr und wir müssen via Internet ein neues Gerät beschaffen.

24.8.2021
Heute sind heute nach einem turbulenten Segeltörn von drei Windstärken bis Gewitter mit Böen bis zu 34 Knoten in einer kleinen beschaulichen Marina in La Figueirette angekommen.
Unterwegs waren die Küste und sämtliche Ankerplätze voll mit Luxus-Yachten. Vom Flughafen Nizza flogen pausenlos Privat-Hubschrauber über unsere Köpfe zu ihren Anwesen oder Schiffen.
Der Reichtum in dieser Gegend im Vergleich zu der Hungersnot in anderen Gebieten macht einem schon etwas nachdenklich.
Jetzt wird erstmal gekocht. Es gibt Steak mit Blumenkohl.

25.08.2021
Salut! Wir sind heute nach einem sehr ruhigen Segeltag in den Hafen von Les Issambres eingelaufen.
Das ist ein kleiner Ort in der Nähe von Saint Tropez.
Das Wetter hat sich wieder beruhigt, die Sonne scheint bei 27 Grad und das Wasser hat noch super 25 Grad.
Wir trinken jetzt ein Hafenbier und dann gehe ich erstmal baden.

26.08.2021
bonne soirée, so kann sich das Blatt wenden….
Wir sind heute nach einem turbulenten Segeltag in Grande Plage du Lavandou angekommen.
Bei Gewitter-Böen bis 39 Knoten stampfte die Yssabeau schwer in der See.
Es wurden zwei Reffs am Großsegel und eins am Genuasegel fällig.
Die Gangway ist durch die Welle zerbrochen und wir treten mit dem Schiff bei um Ordnung an Deck zu schaffen.
Unter Deck sah es aus als wäre eine Horde Wildschweine durchgelaufen.
Wir müssen uns nun eine neue Bohle besorgen denn die alte ist nicht mehr zu reparieren.
Außerdem wurde am Mast der Einfädler durch den enormen Druck der Segellatte beschädigt und muss ersetzt werden.

27.8.2021
Bonsoir aus dem schönen Süd-Frankreich!
In Anbetracht der Segler-Ereignisse ist nun auch mal wieder ein kleiner Reisebericht fällig.
Nach den ersten Starkwind-Törns beruhigt sich das Wetter langsam wieder und es gibt sehr angenehme Temperaturen und den zugehörigen Segelwind.
Wir sind heute von Hyeres nach Saint Mandriersur – Mer … gegenüber von Toulon gesegelt.
Hyeres ist ein sehr schönes Segel-Revier auf dem auch die legendären 12er und andere wunderschöne Segel-Klassiker zu Hause sind.
Es ist faszinierend diese Schiffe unter Segeln zu beobachten, auch wenn sie ziemlich langsam sind.
Jetzt liegen wir mit der Yssabeau in Saint Mandriersur Mer, einem herrlichen, französisch-typischen Hafenort.
Wir haben lecker mediterran gegessen (außer Jörg) und genießen den schönen Abend.

Eine 12er
Leider hat sich vor dem beschriebenen erlebten eine Katastrophe im Hafen von Hyeres  ereignet.
Während unseren Reparaturen am Mast im Hafen flog, vermutlich durch eine Gasflasche ausgelöst, ein Motorboot nicht weit von uns in die Luft.
Der Knall war unbeschreiblich laut und erinnerte irgendwie an die Explosion einer Weltkriegsbombe.
Die Trümmer flogen einige hundert Meter durch die Luft und es waren Schreie zu hören.
Was dann folgte kann sich wohl nur ein Feuerwehrmann vorstellen…
Das Motorboot brannte in sehr kurzer Zeit lichterloh und entzündete auch die nebenliegenden Segler.
Die GFK-Bootskörper und auch die Segel entzündeten sich in unglaublich kurzer Zeit.
Nachdem die Feuerwehr den Brand nicht mehr unter Kontrolle bekam, wurde das brennende Boot schließlich auf das offene Meer geschleppt, wo es dann unterging.
Das zeigte mir das mit Propangas aber nicht wirklich zu spaßen ist…

30.8.2021
Wir befinden uns nun in einem wunderschönen Stadthafen in La Ciotat und haben auf unserer Strecke Nizza, Saint Tropez, Cannes und Toulon hinter uns gelassen.
In Toulon liegt die legendäre Westwind-Flotte der Französischen Marine mit imposanten Flugzeugträgern und Fregatten.
Das Segeln gegen die hier vorherrschenden Mistral-Winde ist zeitweise knackig – gegenan und mit nur mit Reff machbar.
Ab Marseille wird sich der Wind aber dann erwartungsgemäß drehen und achterlich uns voranschieben.
Die Temperaturen werden auch hier nun langsam moderat und man muss Abends und beim Segeln was überziehen.
Aber wir genießen die schöne Landschaft, die sehr netten Leute und die vielen kleinen Hafenstädtchen…
Jörg treibt etwas Sport …

Toulon


La Ciotat

31.08.2021
Salut, heute wieder ein kleiner Reisebericht vom Segel-Törn an der Mittelmeerküste in Frankreich!
Wir haben nun so langsam das Gebiet um die Cote d’Azur verlassen und sind gestern in einem kleinen Hafen gegenüber von Marseille in Port du Friol eingelaufen.
Leider müssen wir zunächst einen ca, 24 x25 cm großen Flicken beidseitig auf das Großsegel nähen.
Die letzten Törns waren zu vie für das Material.
Aber ich habe auch Material für den Bau einer neuen Gangway gefunden und werde diese in den nächsten Tagen zusammenbauen.
Vor Marseille wird man neben der imposanten Großstadt mit dem Station und den vielen Kreuzfahrern zuerst auf das berüchtigte Gefängnis Château d’If, eine Festung auf der Insel Île d’If vor der Küste von Marseille, aufmerksam.
Hier soll der Graf von Monte Christo eingesperrt gewesen sein nachdem er als Seemann am Tage seiner Verlobung verhaftet wurde.
Von dieser Stelle sind wir heute mit angenehmen halben Wind weiter Richtung Carro – sozusagen in die Provence gesegelt.

Château d’If

04.09.2021
Nachdem wir uns von Marseille entfernten lies auch der Mistral nach und es dominierte halber- oder achterlicher Wind der uns in zwei Tagen 50 Seemeilen voran brachte.
Dabei ging es immer an den Mündungsarmen der Rhone im respektvollen Abstand entlang.
Die Rhone schwemmt Unmengen von Sedimenten in das Mittelmeer und daraus entstehen riesige Sandbänke.
Eine Navigation entlang der vielen Untiefen-Tonnen mit Seekarten, GPS und Tiefenmesser waren unbedingt notwendig um nicht auf Grund zu laufen.
In der Camargue findet man noch Wildpferde und auch Flamingos.
Zwei von diesen schönen Flamingos habe ich auch zum ersten Mal fliegen sehen.
Beim diesem Anblick stellte sich bei mir eine Gänsehaut auf.
Auf unserer letzten Etappe nach Montpellier wurden wir von einem großen Gewitter-Gebiet mitten auf See überrascht.
Nach unserer schlechten Erfahrung wurden die Segel diesmal sofort eingeholt beziehungsweise auf kleinste Stufe gerefft.
Der Wind verhielt sich diesmal jedoch moderat aber es regnete in Strömen, blitzte und donnerte und unsere Ölzeug wurde so langsam auch innen nass.
Jetzt liegen wir erstmal bis Montag in Montpellier, reparieren ein paar Sachen an der Yssabeau und machen auch mal Reinschiff, denn am Montag kommen die Mädels an Bord.
Ich liege am herrlichen Sandstrand und schaue mir das Meer mal von der anderen Seite an…

8.9.2021
Nach dem Crew-Wechsel in Montpellier wurden zunächst neben einigen kleineren Reparaturen am Schiff die Vorräte aufgefüllt, neues Frischwasser an Bord genommen und dann ging es am Dienstag los Richtung Cap d’ Agde.
Die 30 Seemeilen bis dahin waren für unsere Mädels gleich eine erste Herausforderung.
Wir teilten uns die Aufgaben wie Navigation, Steuern gut untereinander ein und erlebten bei halben Wind einen sehr schönen Segeltag.
Abends erkundeten wir den tollen Strand der mich irgendwie an den Atlantik erinnert und gingen natürlich auch baden.
An Bord wurde von der restlichen Crew ein leckeres Abendessen zubereitet und es wurde ein schöner Abend mit viel Spaß und dem dazugehörigen französischen Wein.
Am nächsten Morgen schliefen alle erstmal richtig aus, und gegen Mittag machten wir uns auf Richtung Gruissan.
Wir entschieden uns bei den vorherrschenden Winden nur das Genua-Segel gerefft zu setzen und waren damit auf der richtigen Seite.
Die Winde gingen achterlich bis auf 20 Knoten und die Welle baute sich gerade in den geringeren Tiefen mächtig auf.
Nachdem wir die schmale Hafeneinfahrt von Gruissan mit Maschine und Genua-Segel sowie seitlicher Welle gut passierten, konnten wir im gut geschützten Hafen direkt längs neben einigen Hafenkneipen fest machen.
Leider ist für heute Nacht und auch morgen Sturm und Gewitter angesagt und es blitzt bereits rund um uns.
Wir haben noch das Schiff mit zusätzlichen Leinen – den Springs – gesichert und gehen so langsam in die Kojen.
Ich habe mich über die Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung informiert und hoffe das wir dazu morgen etwas Zeit und gutes Wetter finden …

Die Bucht von Cap d’ Agde


Die Altstadt von Gruissan mit ihren davor gelagerten Salz-Lagunen.

12.09.2021
Wir verlassen nun morgen das mir so an das Herz gewachsene Frankreich und werden planmäßig den ersten Hafen in Spanien erreichen.
Vorher haben wir jedoch den Ort Gruissan mit seiner wunderschönen in Schnecken-Form angelegten Altstadt um die Burgruine, der Meeres-Salz-Gewinnung und Banyuls, eine noch schönere alte Hafenstadt mit einem direkt angrenzenden Uni-Meeres-Forschungsinstitut kennengelernt.
Hier gefällt es mir auf unserer Reise besonders gut.
Die Mischung aus Meer, den hier beginnenden Pyrenäen, den freundlichen Menschen, dem herrlichen Wein sowie der Meeres-Forschung begeistern mich.
Ich konnte mir nicht die Gedanken unterdrücken hier zu bleiben.
Das gemeinsame heutige Muschel-Abendessen an Bord passte gut zu diesem Gedanken.
Wir zirkelten noch einmal unsere bevorstehenden Seemeilen auf den Seekarten ab und beschlossen, dass noch genügend Zeit für einen Besuch der Meeres-Aquarien in Banyuls drin ist.
Auch das Segel-Wetter passte in die schönen Erlebnisse der letzten Tage mit halben Wind ohne Welle ganz gut als Urlaubs-Segel-Wetter…

Banyuls mit seinem Viadukt

19.09.2021
Adios Spanien … nachdem wir den Golf von Leon bis zur Costa Brava durchsegelten, endet nun die abenteuerliche Reise für mich nach 483 Seemeilen – das sind ca. 895 Kilometern in Barcelona.
Dabei habe ich von wunderbaren Seegeltagen, Starkregen, Windböen bis 39 Knoten alles erlebt was man sich im Wassersport vorstellen kann.
Wir haben Spanien mit seinen sehr sauberen und gepflegten Marinas sowie der herrlichen Landschaften entlang Port de la Selva, L’Escala Port d’Aro bis Port Balis kennengelernt.
Lediglich die stellenweise Betonklotz-artigen Hotelanlagen an einigen Küsten trübten die ansonsten wunderschönen Eindrücke.
In Barcelona angekommen gönnten wir uns noch einige Stunden am Strand bis zu unseren gestrigen Abflug in die doch ziemlich kalte Heimat …

Teil 8: Segeln von Pisa nach Saint-Laurent-du-Var (bei Nizza)

So wie geplant ging es nun am 09.07. los. Ohne Komplikationen mit dem Lufthansaflieger nach Frankfurt, umsteigen in einen Flieger von Air Dolomiti (hatte ich bisher auch noch nie gehört) und dann planmäßige Landung in Pisa. Sogar unser Gepäck landete mit uns in Pisa, was ja nicht unbedingt immer so klappt.

Wir hatten einen Mietwagen gebucht, den wir dann nach längerem Suchen auf einem Riesenparkplatz auch fanden. So gelangten wir ziemlich unkompliziert nach Arnovecchio, wo die Yssabeau schon auf uns wartete. Das Unterwasserschiff war mit Antifouling gestrichen, der Rumpf poliert, nur das Deck war völlig verdreckt. Da gab es dann außer den üblichen Arbeiten wie Segel anschlagen, Bimini und Sprayhood anbauen etc. noch einiges zu tun.

Das Schiff sollte dann am Montag ins Wasser, so dass wir Samstag und Sonntag Zeit hatten, einige Dinge zu erledigen, wobei sich unser Mietwagen als wahrer Segen entpuppte. Wir konnten in die Stadt fahren und beim Lidl unseren Proviant für die kommende Zeit einkaufen. Vor allem mußten wir die Getränke nicht durch die Gegend schleppen.

Hatten wir am Freitagabend noch Glück, dass wir nach zwei Versuchen einen Platz in einem Restaurant ergattern konnten, so erwies sich das am Samstag als unmöglich. Ohne Reservierung ging da gar nichts. Die Rettung war dann eine Dönerbude, von wo wir ein Takeaway Kebab mit aufs Schiff nahmen.

Am Montagnachmittag wurde die Yssabeau dann ins Wasser gekrant und wir verholten auf einen Liegeplatz an einem Steg. Werner brachte das Auto zum Vermieter am Flughafen und ich kümmerte mich ums Schiff. Beim Blick in den Motorraum stellte sich heraus, dass die Kühlwasserpumpe leckte und jede Menge Wasser in der Bilge stand. Somit war ich erst einmal damit beschäftigt, die Bilge zu lenzen.

Auf einen Motormechaniker, der die Kühlwasserpumpe abdichten sollte, mußten wir dann einen Tag warten, was aber nicht besonders schlimm war, hatten wir doch ohnehin noch genug zu tun.

Man glaubt’s ja nicht, aber aus nicht so richtig nachvollziehbaren Gründen funktionierten einige Dinge nicht mehr, die vor der Außerdienststellung noch funktioniert hatten.

So verbrachten wir fast einen ganzen Tag damit, die LED-Leuchte über der Pantry wieder zum leuchten zu bringen. Die Stromverteilung und das Kabel waren völlig marode und wurde von Werner und mir erneuert.

An Arbeit mangelte es nicht, was dazu führte, dass wir erst am Freitag den 16.07. los kamen. Für die drei Tage, die wir nach dem Slippen auf dem Wasserliegeplatz gelegen haben, durften wir dann nochmal 30,- € pro Tag extra bezahlen.

Bei mäßigem Wind ging es dann elf Meilen nach Viareggio. Unterwegs stellten wir dann fest, dass weder die Logge noch der Drehzahlmesser des Motors irgendetwas anzeigten. Der Ausfall der Logge ist zwar ärgerlich aber nicht so dramatisch. Das hatten wir ja schon öfter, wenn sich irgendein Treibgut im Impeller festgesetzt hatte. Der Drehzahlmesser machte mir da größere Sorgen. Auch mit reichlich Kontaktspray war das Ding nicht wieder zum Leben zu erwecken.

Beim Bilgencheck in Viareggio fand ich wieder Kühlflüssigkeit in der Motorbilge, nicht mehr so viel wie vorher, aber doch mehr als nur ein paar Tropfen. Da war ich dann wieder mit Bilge trocknen beschäftigt.

In der Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch am Samstag ein Monteur für den Motor findet, verbrachten wir den Samstag in der Marina, wieder mit diversen Arbeiten am Boot.

Natürlich läßt sich am Wochenende kein Handwerker auftreiben und so beschließen wir, am Sonntag nach Carrara zu fahren.

Den größten Teil der 13 Meilen Strecke segeln wir bei abflauenden drei Windstärken, da ich den Motor nicht beanspruchen will. Man weiß ja nicht, was da mit der Kühlung ist.

Carrara ist ein großer Hafen – immerhin werden hier die Marmorblöcke verschifft – und es dauert eine ganze Weile, bis ich über UKW einen Marinero vom Club Nautico zu fassen kriege, der uns dann einen Liegeplatz zuweist. Wir schildern ihm unser Problem und er verspricht, sich am Montag darum zu kümmern. Also wieder ein Hafentag.

Am Montagmorgen, auf dem Rückweg von den Sanitäranlagen, treffe ich Luciano (so heißt der Marinero von gestern) zufällig bei der Krananlage. Auf meine Nachfrage bezüglich eines Motormechanikers greift er zum Telefon und unternimmt offenbar mehrere Versuche, einen Mechaniker zu organisieren, was ihm aber nicht gelingt. Die sind angeblich alle ausgebucht und beschäftigt.

Mittlerweile haben sich noch zwei weitere Personen zu uns gesellt und machen Vorschläge, wen man noch alles anrufen könnte. Einer von denen spricht ganz gut Englisch, so dass eine Verständigung über unser Problem zustande kommt.

Tatsächlich findet sich dann doch noch ein Mechaniker, der verspricht, irgendwann im Laufe des Nachmittags am Schiff vorbei zu kommen. Und tatsächlich, er taucht dann wirklich auf, stellt sich als Fillipo vor und erklärt gleich in gut verständlichem Englisch, dass er, weil er ein paar Jahre in Amerika gelebt hat, Amerikanisch spricht und mit Englisch nichts zu tun haben will.

Mir war das egal, konnte man doch ganz gut mit ihm auf Englisch kommunizieren.

Nachdem ich ihm unsere Probleme – glibberiges Wasser in der Motorbilge und ein nicht funktionierender Drehzahlmesser – geschildert hatte, machte er sich gleich daran, den Motor zu checken, um nach einiger Zeit des Suchens festzustellen, dass nirgendwo eine Undichtigkeit zu finden war. Um sicher zu gehen meinte er, müßten wir aus dem Hafen rausfahren und den Motor unter Last prüfen.

Für den Drehzahlmesser fühlte er sich nicht so richtig zuständig, da er kein Elektriker sei.

Also fuhren wir erst einmal vor den Hafen und drehten dort Kreise unter Motor. Irgendwelche Undichtigkeiten an der Maschine konnten wir nicht feststellen und nach einigen Überlegungen kamen wir zu dem Schluß, dass die Firma, die in Arnovecchio den Motor gewartet hatte, wohl mit dem Auffüllen des Kühlmittels etwas großzügig verfahren war und der Überschuß in die Bilge gedrückt worden war. Also, das Problem war gelöst.

Während wir unsere Kreise drehten, erhielt unser Mechaniker mehrere Anrufe auf seinem Handy und er fragte dann, ob wir ein Segelboot mit Motorschaden, welches irgendwo vor dem Hafen herumsegelte, abschleppen könnten. Keine Frage, das wollten wir dann wohl machen.

Unser Mechaniker Fillipo hatte schon angekündigt, dass wir es wohl mit einer ziemlichen Chaotencrew zu tun bekämen. Und so war’s dann auch.

Die kamen dann mit zwei Mann Besatzung angesegelt und hatten – bevor sie überhaupt irgendwelche Vorbereitungen für einen Schlepp getroffen haben – nichts besseres zu tun, als ihr nachgeschlepptes Dingi an Deck zu hieven. Das dauerte und derweil fuhren wir neben denen her.

Warum die sich nicht selbst mit ihrem Dingi abschleppen konnten, ist mir auch nicht klar geworden. Jedenfalls konnten wir nach einiger Zeit die von uns vorbereitete Schleppleine übergeben und dann langsam in Richtung Hafen motoren.

Der Steuermann der geschleppten Yacht fuhr hinter uns wilde Kurven nach links und rechts hinter uns her, bis Fillipo ihm lautstark klar machte, das er gefälligst geradeaus hinter uns Kurs halten solle.

So schafften wir es dann die beiden „Helden“ in den Hafen bis kurz vor die Werft zu schleppen, wo die die Schleppverbindung dann loswarfen. Fillipo hatte telefonisch schon ein paar Leute aktiviert, die dann das langsam auf die Pier zu treibende Segelboot in Empfang nahmen. Für uns war’s das und wir fuhren zu unserem Liegeplatz beim Club Nautico.

Mit dem Hinweis, er hätte noch etwas anderes zu tun, verabschiedete sich Fillipo von uns, versprach aber, sich hinsichtlich der Elektrik für den Drehzahlmesser zu informieren und am nächsten Tag wieder zu kommen. Für uns hätte das ggf. einen weiteren Hafentag bedeutet.

Werner und ich beschlossen, den Tag als erledigt zu betrachten und uns erst einmal einen Gin Tonic zu gönnen.

Kaum stand das Getränk bereit, erschien Fillipo mit noch einem Menschen, den er als Elektriker ausgab. Dieser Mensch verstand offenbar etwas von seinem Handwerk. Nachdem die beiden das Instrumentenpanel aus- und auseinandergebaut hatten und an allen möglichen Kabelverbindungen an und vom Motor mit einem Meßgerät geprüft hatten, kam man zu dem Schluß, das die sich am Instrumentenpanel befindliche Steuereinheit kaputt sei. Ein Ersatz sei auf die Schnelle ohnehin nicht zu beschaffen, aber sie hätten die elektrischen Funktionen soweit wieder hergestellt, dass zumindest der Alarmpieper und die Leuchten wieder funktionieren. Auf den Drehzahlmesser müßten wir allerdings verzichten.

O.K., damit mußten wir dann leben. Man kann den Motor auch nach Gehör fahren.

Für die ganze Aktion zahlte ich dann 90,- €, was angesichts der Zeit die Fillipo und auch der Elektriker verbracht hatten durchaus angemessen war.

Eine angenehme Überraschung erlebten wir dann am nächsten Tag im Marinabüro beim ausklarieren. Für die zwei Tage im Club Nautico zahlten wir gerade einmal 20,- € pro Tag, also 40,- €. Das war mit Abstand der billigste Tarif der ganzen Reise.

Die nächsten Tage verliefen mehr oder weniger ereignislos. Der Wind schwächelte so dass wir etliche Meilen unter Motor zurücklegen mußten.

Von Carrara aus ging es über Lavagna Marina, Marina di Varazza, Marina di Loarno und Marina Andora nach San Remo.

In der Marina di Loarno erhielten wir sogar 10% Rabatt auf die Liegegebühren. Bei der Anmeldung im Hafenbüro entdeckte die Mitarbeiterin meinen Mitgliedsausweis der DSV Kreuzerabteilung zwischen den Schiffspapieren und bot von sich diesen Rabatt an. Mit 52,75 € war’s immer noch teuer genug.

Gekrönt wurde unser Aufenthalt in der Marina di Loarno noch von einem abendlichen Rockkonzert in unmittelbarer Nähe unseres Liegeplatzes, welches auf einer großen Freifläche in luftiger Höhe vor dem Hafenbüro statt fand. Mein Musikstil war das nicht unbedingt, aber dafür war es ziemlich laut und nach gut einer Stunde auch schon vorbei.

Alles in allem verlief der Törn wenig aufregend, da der Wind eher mäßig blies und der Motor häufiger zum Einsatz kam. Unterwegs zeigte die Logge dann auf einmal wieder die Geschwindigkeit an, ohne dass wir etwas daran gemacht hatten. Geht doch, warum nicht gleich so?

In San Remo hatten wir die Wahl zwischen der Marina oder dem Porto Communale. Wir entschieden uns für letzteren, auch weil er näher an der Altstadt liegt.

Wir guckten uns einen freien Platz an der Südmole aus, an der schon zwei Schiffe lagen und quetschten uns mit Hilfe eines Crewmitgliedes der hinter uns liegenden französischen Yacht zwischen die beiden. Die Möglichkeiten zum Festmachen waren sehr begrenzt, die wenigen Poller standen weit auseinander und die Ringe an der Hafenmauer waren durchgerostet. Nach einigem Gefummel hatten wir die Yssabeau dann ganz gut festgemacht, um dann festzustellen, dass es weder Strom noch Wasser gab und auch die Sanitäranlegen verschlossen waren.

Dafür haben wir dann auch kein Liegegeld bezahlt, obwohl Werner pflichtschuldigst das Hafenbüro aufgesucht hat, welches allerdings geschlossen und niemand erreichbar war.

Zum Abendessen gingen wir in die Stadt. San Remo ist selbstverständlich ein von Touristen bevölkerter Ort. Aber auch die Italiener selbst tragen dazu bei, dass es in der gesamten Altstadt von Menschenmassen nur so wimmelt. Es war schon schwierig, ein für uns passendes Restaurant zu finden. Schließlich gelang uns das in einer relativ engen Gasse, wo wir dann ganz gut gegessen haben und das auch noch für Italienische Verhältnisse zu halbwegs vernünftigen Preisen.

Am nächsten Morgen – es war Sonntag – unternahmen wir erst gar nicht den Versuch, im Hafenbüro Liegegeld zu bezahlen und machten uns einfach vom Acker.

Der Wind wehte mäßig bis gar nicht, so dass wir erst einmal eine ganze Weile motorten. Irgendwann kam dann doch etwas Wind auf, so dass wir über die immaginäre italienisch-französische Grenze segeln konnten. Wir waren in Frankreich.

Das machte sich sofort bemerkbar, als wir in den Hafen von Menton einliefen. In der Marina Menton Garavan gab es eine Anmeldepier neben der Tankstelle, an der man zuerst festmachen mußte, um sich dann im Hafenbüro anzumelden. Hier bekam man dann einen Liegeplatz zugewiesen, an den man dann verholen konnte, was wir dann auch taten. Ein junger Mann stand schon dort und war uns beim anlegen behilflich.

Von Menton aus ging es dann die Küste entlang, an Monaco vorbei in Richtung Nizza. Wir konnten sogar segeln.

Aus der Ferne machte Monaco keinen besonders guten Eindruck auf mich. Von der Altstadt, so es denn eine gibt, war von See aus nicht allzuviel zu erkennen. Das imposanteste Gebäude war das Meeresmuseum, welches direkt am Ufer steht. Ansonsten ragen Hochhäuser in den Himmel und ein paar Super-Motoryachten, die vor und im Hafen lagen, zierten die Stadtansicht. Wohnen möchte ich dort nicht, aber ich brauche auch kein Steuerparadies.

Wir passierten Nizza in nicht all zu weitem Abstand, so dass wir einen schönen Blick auf die Stadt hatten und segelten parallel zur Landebahn des Flughafens nach Saint Laurent du Var.

Da unser Dieseltank ziemlich leer war, machten wir erst einmal an der Tankstelle fest und bunkerten 70 Liter Diesel.

Die Tankstellenpier war auch gleichzeitig Einklarierungspier. Das Hafenbüro war gleich nebenan.

Wir hatten uns zwar übers Internet angemeldet, aber offenbar war die Mail nicht auffindbar. So dauerte es ein wenig bis man einen Liegeplatz für uns gefunden hatte.

Wir verholten dorthin und wurden von einem hilfreichen Marinamitarbeiter in Empfang genommen.

Hier endete dann erst einmal der Sommersegeltörn. Die Nachfolgecrew hatte abgesagt und Werner und ich flogen am 29.07. nach Hause.

Ich fand den Reiseabschnitt von Pisa nach Nizza eigentlich recht schön. Die Küstenlandschaft ist von grüner Vegetation geprägt, obwohl natürlich auch bebaut.

Nach meinem Empfinden lebt hier auch ein ganz anderer Menschenschlag, als in Süditalien. Wir begegneten immer freundlichen und hilfsbereiten Leuten und irgendwie machte die ganze Atmosphäre in den Häfen und auch in den Orten einen entspannteren Eindruck. Ich hatte nie das Gefühl, über den Tisch gezogen zu werden, eher das Gegenteil war der Fall.

Alles in allem war es ein ganz netter Saisonauftakt, sieht man einmal von den Reparaturen ab, die trotz der teuren Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen im Winterlager dann doch noch unterwegs anfielen.