Archiv der Kategorie: Peters Reiseberichte 2020

Warten in Brindisi

Nr.3

Montag der 10.08.2020

Buongiorno

Jörg und ich sind morgens so aufgestanden , dass die Mechaniker um 08:00 Uhr mit der Arbeit am Wärmetauscher, der sich unter Jörgs Koje befindet, anfangen können. Frühstücken werden wir, wenn ich wiederkomme. Jörg bleibt an Bord und ich gehe in den größeren 3 km entfernten Supermarkt in Brindisi. Hier bekomme ich Obst, Gemüse, Fleisch etc. alles was man so braucht. Bei meiner Rückkehr nach 2 h sind die Mechaniker noch nicht da. Wir frühstücken, keine Mechaniker. Wir warten den ganzen Tag, mahnen über die Marina an, nichts passiert.

Gegen 18:00 Uhr hab ich die Faxen dicke und begebe mich auf das ziemlich große Werftgelände um ihn zu suchen, finde ihn aber nicht. Finde aber das Office und dort ist auch Claudia, unserer telefonischer Kontakt auf der Werft. Sie spricht gut Englisch und verspricht mir das selbe wie schon seit Tagen, diesmal aber ins Angesicht und nicht nur am Telefon, der Mechaniker ist in einer Stunde da. Sollte das nicht der Fall sein so möchte ich Sie heute abend wieder persönlich ansprechen, sie ist auf einer Feier in der Marina. Wollen mal sehen!!!

Natürlich ist er nicht nach einer Stunde da. Um 20:00 Uhr erscheint er, freundlich lächelnd. Ich führe ihn unter Deck, zeige ihm wie vor3 Tagen denn Schaden am Wärmetauscher und er sagt „Pot“ und verschwindet wieder mit der Bemerkung Claudia.

Was soll ich dazu sagen? Wir können auch nicht zu einer anderen Werft mit dem Schaden, wenn wir den Motor anschmeißen säuft die Yssabeau ab, da die Kühlerpumpe das Kühlwasser direkt in die Bilge pumpt.

Weinchen trinken, und den Puls runterfahren.

 

Dienstag der 11.08.2020

Nicht gut geschlafen. Die Temperaturen gehen auch nicht mehr unter 28 Grad und kein Windhauch kühlt nachts den aufgeheizten Rumpf der Yssabeau. Ich gehe nach dem Duschen ins Marina Cafe und trinke einen Espresso. Meine Gelassenheit stellt sich irgendwie nicht so recht ein.

Frisches Brot kaufen, frühstücken, Claudia anrufen, werden auf 11:30 Uhr vertröstet, er kommt wieder nicht. Jörg bleibt weiter an Bord und ich fahre mit dem Bus in die Stadt Brindisi. Bei knappen 30 Grad stellt sich keine große Entspannung ein.

Das Städtchen ist hübsch aber gegen Mittag ist es fast gänzlich ausgestorben. Es ist wie überall sehr leer, Cafés haben fast alle geschlossen, keine Touristen. Ich suche eines mit schöner Aussicht, finde aber keins, also kaufe ich noch etwas ein und fahre mit dem Bus gegen 18:00 Uhr zurück. Das Schiff ist zu einem Wäschetrockenplatz geworden, Jörg hat gewaschen und es war kein Mechaniker an Bord, anrufen und vertrösten auf morgen. Jörg macht uns Huhn auf Reis und wir begrüßen eine Deutsche Familie die neben uns an Bord gehen, klönen ein bisschen und genießen den Abend bei einem Bierchen. Ich bin müde vom Tag und gehe früh in die Koje.

 

Mittwoch der 13.08.2020

Moin allen Reisebegleitern.

Noch einen Hinweis an alle. Wenn Ihr eine Mitteilung an mich habt, schreibt mir auf meiner Adresse „Peter Haslbeck“,  wenn Ihr einfach auf Reisebegleiter antwortet lesen das ALLE Reisebegleiter.

Stehe früh auf und gehe Kaffee trinken. Schreibe am Reisebericht und genieße die Ruhe des anbrechenden Tages. Als ich an Bord komme ist tatsächlich ein Mechaniker da und baut den Wärmetauscher aus, nach 5 Tagen. Er braucht eine halbe Stunde. Der Wärmetauscher hat im Boden ein Loch, der Fehler. Er nimmt das Teil und verschwindet lächelnd. Mal sehen wie lange er für das Schweißen braucht?

Es ist auch heute ziemlich heiß. Wir machen ein paar kleine Reparaturen, dösen etwas, essen nachmittags ein Eis in der Gelateria und lassen die ruhige Atmosphäre auf uns wirken. Die Crew einer Segelschule übt im Hafenbecken, ein paar wenige Menschen schlendern über den Steg, irgendwo klappert ein Fall (das Tau mit dem man das Segel hochzieht und wieder fallen lässt), eine Möwe schwimmt im Hafenbecken, Jörg legt seine Wäsche zusammen, eine andere Segelyacht legt irgendwo an, entspannen!

17:30 Uhr das Loch ist nicht mehr zu schweißen, der Wärmetauscher muss neu gefertigt werden, jetzt kann es eng werden für das Aufsteigen der neuen Crew Rico + Max.

Wir haben aber wie immer einen Plan B. Wenn wir einen Nacht Törn über den Golf von Tarento einlegen und Gas geben würden, wird die Strecke in der Hälfte der Zeit zu schaffen sein. Vorausgesetzt, der Wärmetauscher würde in dieser Woche noch kommen, mal sehen und die Hoffnung nicht verlieren.

Essen erst einmal Tortellini mit einem leckeren Salat und lauschen an Deck einer Jazz Band die auf dem Gelände ein Konzert gibt. Gute Musik bis 24:00 Uhr. Jörg geht schlafen und ich genieße noch die nächtliche Ruhe.

Gute Nacht und bis dann.

Peter


Die leere Marina


Spaziergang durch die Stadt

Villanova bis Brindisi

Samstag der 08.08.2020

Moin Ihr Lieben.

Die Nacht unter Anker war sehr erholsam und der Morgenspaziergang fällt wegen mangelnder Landberührung aus. Dank des Spirituskochers gibt es aber Kaffee und nach einem ausgiebigen Frühstück heißt es um 10:20 Uhr Anker auf.

Der Wind ist mit uns und bläst mit gemütlichen 3Bft aus NE (Nord Osten) so das wir bei raumen Wind ( er kommt von der Seite)und leichter Bewölkung bei angenehmen 25 Grad nach Brindiesi segeln.

Für die nicht Segler:

Ein-und auslaufen passiert immer unter Maschine. So auch heute: Genua (das kleine Vorsegel) einrollen, Großsegel runter und am Baum befestigen, Motor an, in den Hafen einlaufen und festmachen. So auch heute in Brindisi.

Was anders ist? Das Schiff ist voller Wasser, bis über die Bodenbretter. Sch………. bedeutet: Bilsch Pumpe anmachen, Schiff leer pumpen, den Rest ca 100 L. mit Schwamm und Eimer  nach Außenbords befördern und vor allen Dingen schauen, wo kommt das Wasser her.

Technik: Wasser zum kühlen des Motors wird natürlich warm. Über einen Wärmetauscher wird es mit Meerwasser gekühlt. Vermutung: Dieser Wärmetauscher ist leck und die Pumpe pumpt das Wasser nicht ins Meer sondern ins Schiff. Der angerufene Mechaniker kommt schnell und wir vermuten dass er unsere Vermutung teilt. Fremdsprachen spricht in diesem Teil Italiens so gut wie keiner. Da morgen Sonntag ist wird er Montag um 08:00 Uhr kommen und den Wärmetauscher ausbauen. Das bedeutet für uns, mehrere Tage im Hafen bleiben. Und für Jörg Kosten.

Nächstes Desaster, gegen die Auswahl im hiesige Minimarket ist meine Speisekammer zu Hause ein Schlaraffenland. Bedeutet: Montag in den 3 km entfernen Supermarkt gehen und Vorräte auffüllen. Darauf gönnen wir uns eines der letzten Biere. kratzen die letzten Reste der Vorräte zusammen und brutzeln uns was zum Abendessen.

Gute Nacht.

 

Sonntag der 09.08.2020

Erwache gerädert vom Vortag. Da der Mechaniker um den Schaden zu lokalisieren die Maschine gestern noch einmal eine Minute laufen lassen mußte haben wir wieder 60 L Wasser im Schiff, schwamm, Eimer und die selbe Prozedur wie gestern. Natürlich haben wir erstmal ausgiebig gefrühstückt.

Am Nachmittag habe ich mein schlosserisches Wissen für ein paar  Bastelarbeiten welche an Bord immer anfallen, wie der Aufmerksame Leser meiner Berichte weiß, genutzt und Abends sind wir mangels Vorräten in das Restaurant auf dem Gelände gegangen und haben hochpreisig aber gut gegessenen.

Anreise, Bari bis Villoanova

Mittwoch 05.08.2020

Nach einem guten Flug über Paris in Bari gelandet.Das Flugzeug war nicht ausgebucht und somit hatte ich immer einen Platz neben mir frei. In Paris und in Bari wurde beim ein- und aussteigen Fieber gemessen. Ich habe mich Corona mäßig sicher gefühlt.

In Bari erwartet mich Italien mit Gewitter und Platzregen, also Taxi und ab zur Yssabeau.

Werner war schon abgeflogen und ich heuerte auf einem dry shipp an. Weder Bier, Kaffee, noch Brot an Bord, also?? Das Gewitter und den Regen abwarten. Erst Einkaufen und anschließend fantastischEssen gehen. In einer kleinen Trattoria do Pesce in der Altstadt Wein und Polpo. An Bord noch ein Weinchen und ab in die Koje.

 

Donnerstag 06.08.2020

Morgens wieder in die erwachende Stadt gegangen. Ihr wisst es Schon, schlendern, Käffchen, schauen, es mir gut gehen lassen.

An Bord zurückgekehrt, schön frühstücken und den Plan für heute besprechen.

Wir segeln nach Polignano a Mare ca. 17SM. Die Küste ist hier sehr bebaut, das wird sich aber, je weiter wir nach Süden kommen, ändern. Bei achterlichem Wind Stärke 5 Bft. geht es anfangs nur mit der Genua 3 ( kleines vorsegel) in 3h in die Marina. Guter erster Tag. Die Marina ist sehr komfortabel und lange nicht voll belegt. Am nächsten Tag erfahren wir auch Warum. 110€ für eine Nacht möchte nicht jeder bezahlen. Abends kochen wir an Bord, Koteletts mit Zwiebeln, Kartoffeln und einem leckeren Salat.

 

Freitag 07.08.2020

Um 06:00 Uhr ausgeschlafen und ab in die 3km entfernte Stadt Pilognano a Mare. Eine alte auf hohen Felsen gelegene Stadt.

Es ist auch die Heimatstadt von Domenico Moduclo, der Namen sagt euch nichts? Mir auch nicht. Aber das Lied mit dem er einen Welt Hit landete kennen zumindest die Älteren unter uns „Volare“

Die Stadt hat ihm ein Denkmal gesetzt.

Ist zur Zeit mein Persönliches ProfilBild bei WATSAP.

Ich gehe durch alte sehr, sehr schmale Gassen, immer wieder einen Blick auf das Meer erhaschend, der aus dieser Höhe umwerfend ist, schlängel ich mich durch die schöne und sehr saubere Stadt. Zum Schluss ein Käffchen plus einem Hörnchen. Urlaub.

Zurück, Früstücken und weiter den Italienischen Stiefel entlang gen Südosten nach Villanova do Ostuni.

Bei gutem Wind segeln wir gemütlich immer an der Küste entlang. Gegen 16:00 Uhr laufen wir nach 23 SM und 5h in den Hafen der kleinen Stadt Vilanova ein.

Rappeldickevoll mit einheimischen Booten belegt. Da wo noch ein Plätzchen frei zu sein scheint, werden wir abgewiesen. Zu flach, wir brauchen 2 Meter Wassertiefe, oder das ist ein Eigner Platz und der kommt später noch.

Was Tun? Sichere Ankerbuchten  gibt es an diesem Küstenabschnitt nicht. Einziger Ausweg….. im Hafen Ankern, gesagt getan. Mitten im Hafen werfen wir auf 2,60 m den Anker.

Anlegerbierchen, schauen und Wohlfühlen. Jörg macht uns Spagetti Bolo und wir genießen den Sonnenuntergang. Ach so ja

Sonne, die Temperaturen liegen für Italiens Süden bei sehr angenehm 25 Grad.