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Teil 6: Segeln im Mittelmeer

14.05.2019

Von Lavrion nach Korinth

Michael Harden und sein Sohn Johannes trafen wie geplant am Samstag den 04.05. auf dem Boot ein. Die Leute von HDM Sailing waren immer noch mit diversen Reparaturen beschäftigt, vor allem die Elektrik machte Probleme. Irgendwann bekamen die das aber wohl in den Griff.

Wir gingen erst einmal im Supermarkt einkaufen, da Sonntags die Läden geschlossen hatten. Nachdem die Handwerker auf dem Schiff fertig waren, konnten wir unseren vom Supermarkt angelieferten Proviant auch stauen. Zum Abendessen ging’s in die Taverne. 

Für Sonntag war Starkwind angesagt und so kam es dann auch. Wir blieben im Hafen, was auch gut so war. Selbst im Hafen baute sich eine Welle auf, so dass das Schiff am Steg ganz schön zu Kehr ging. Weise Entscheidung.

Am Montag, den 06.05. ging`s dann los Richtung Äegina. Bei anfänglich moderatem Wind querten wir die Traffic Route nach Athen. Der Wind nahm ständig ab und drehte auf SW, also genau in die Richtung, in die wir wollten, um dann wieder zuzulegen. An kreuzen war nicht zu denken. Wir rollten die Genua ein und motorten gegen immer mehr zunehmenden Wind und Wellen. Das war kein Spaß! Unter der Südküste Äginas blies es dann mit 17 bis 25 Knoten, so dass wir uns entschlossen, auch das Großsegel wegzunehmen.

Nach einer Weile Bolzerei gegenan, wobei wir kaum voran kamen, entschlossen wir uns, nach Methana ab zu laufen. Das hatte den Vorteil, dass wir mit Genua III segeln konnten.

Das letzte Stück nach Methana mußten wir dann doch noch gegenan motoren und wir wurden ordentlich naß.

Das war schon ein starker Auftakt der Segelsaison, vor allem für Johannes, der ja noch nie vorher gesegelt war. Er hat sich aber tapfer geschlagen.

Michael und Johannes harden

Am nächsten Tag, dem 07.05. sollte es nach Nea Epidauros gehen. Ich startete den Motor, der ein paar Sekunden lief, um dann gleich wieder auszugehen. Nach einigen vergeblichen Startversuchen war klar, das die Maschine keinen Treibstoff bekam. Ein Blick in den Motorraum und ein wenig pumpen an der Kraftstoffpumpe bestätigte das, spritzte der Diesel doch aus dem Schlauch dierekt vor der Pumpe. Der Schaden war schnell behoben. Gut dass das nicht gestern unterwegs passiert ist.

Unter moderaten Bedingungen segelten wir dann nach Nea Epidauros in einen fast leeren Hafen.

Für den darauf folgenden Tag war die Durchfahrt durch den Kanal von Korinth angesagt. Anfänglich hatten wir noch guten Wind zum segeln, der aber nach und nach abflaute, so dass wir die letzten Meilen zur Kanaleinfahrt motorten, um nicht all zu spät in Korinth an zu kommen.

Das Einklarierungsprozedere verlief unkompliziert, 155,67 € bezahlt, und nach einer Stunde warten, konnten wir den Kanal durchqueren. Für mich nun das dritte Mal, aber doch immer wieder faszinierend. Vom Kanalausgang motorten wir das kurze Stück zum Hafen von Korinth.

Warten auf die Freigabe zur Einfahrt in den „Mythos“ Kanal von Korinth
Kanal von Korinth

Vor uns lief gerade eine Flotille ein und auf dem Molenkopf stand ein wild gestikulierender Grieche, der uns bedeutete, nicht ein zu fahren. Das ineressierte mich aber nicht, da mir klar war, dass der Typ nichts zu sagen hatte. Ich hatte mir bereits überlegt, an der mittleren Innenpier des Hafens an zu legen, da ich den Platz ja von früher her kannte. 

Der Typ rannte um den ganzen Hafen herum, um unsere Leinen an zu nehmen, hatte aber offensichtlich keine Ahnung, wie man ein Segelboot anbindet. Mir war klar, dass das einer der im Hafen herumlungernden Existenzen war, die fürs Leinenannehmen ein Trinkgeld erwarteten. 

Ich war mit dem Platz nicht so richtig glücklich, da wir immer wieder leicht mit dem Kiel auf Grund aufsetzten.

Ich wollte da wieder weg aber der Typ beteuerte in miserablen Englisch immer wieder, dass dies ein guter Platz sei und das Schiff sicher sei. 

Da ich an der Kaimauer sehen konnte, dass das Wasser wieder steigen würde, entschloß ich mich, erst einmal dort zu bleiben, da es hier Strom und Wasser gab, was im anderen Teil des Hafens nicht der Fall war.

Mit einer Penetranz ohnegleichen redete der Typ auf uns ein, bis Michael ihm fünf Euro gab. Dann war er erst einmal weg, um nach einiger Zeit, bei der er sich bei der Flottille herumgetrieben hatte, mit einer weiteren, ebenso dubiosen Gestalt wieder zu kommen.

Keiner von denen konnte vernünftig Englisch aber sie versuchten uns klar zu machen, dass sie zu der Flotille gehörten und wir gut und sicher liegen würden. Denen glaubte ich kein Wort. 

Als sie merkten, dass bei uns nichts mehr zu holen war, zogen die beiden ab. Später stellte sich heraus, dass zumindest einer von denen sich auf einem kleinen Fischerboot, das im inneren Teil des Hafens lag, zu schaffen machte. Von wegen Flottilenmitarbeiter. Die haben uns die Hucke voll gelogen.

Einer von denen kam dann nochmals vorbei, um uns ein Bier ab zu schwatzen, welches er dann auch bekam, nur um ihn endlich los zu werden.

Einer derartige Dreistigkeit, wie sie diese beiden Typen an den Tag legten, war mir bisher noch nicht untergekommen.

Wegen der Entfernung zur Stromversorgungssäule mußten wir unsere beiden Kabel auslegen und mit einem Adapterkabel verbinden, um an die Steckdose zu kommen. 

Am nächsten Morgen dann die böse Überraschung. Unser erstes Kabel nebst Adapterkabel war weg. Geklaut! Das erste Mal in Griechenland, dass ich bestohlen wurde. Der Verdacht fiel natürlich sofort auf die beiden Typen, die wieder im Hafen herumlungerten; zu beweisen war das nicht.

Wir beschlossen in Korinth zu bleiben, da an diesem Tag das Bezahlsystem für die neue Steuer (TEPAI) funktionsfähig sein sollte und ich diese bei der Port Authority bezahlen wollte. Ein neues Kabel nebst Steckern brauchten wir natürlich auch.

Den Diebstahl wollte ich natürlich zur Anzeige bringen, aber der Polizist, den wir vor der Polizeistation trafen, verwies uns an die Hafenpolizei.

Also wir dort hin. Da konnten wir gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche erschlagen, dachte ich.

Wir waren in Griechenland! Selbstverständlich funktionierte das Bezahlsystem nicht, von Barzahlung wollte der Beamte nichts wissen und für die Diebstahlsanzeige wurden wir, nachdem der Beamte ein längeres Telefongespräch geführt hatte, auf den Abend verwiesen. 

Bei einem Eiskaffe Frapé beschlossen wir, uns ein Taxi zu nehmen und das antike Korinth zu besichtigen, der der Elektroladen, in dem wir nach Kabel und Stecker fragten zwar elektrische Haushaltsgeräte verkaufte, aber keine dreißig Meter langen Stromkabel nebst Steckern.

Für zehn Euro brachte uns eine Taxifahrerin bis an die antike Stätte und wir vereinbarten, dass sie uns in zwei Stunden dort wieder abholen sollte. 

Die römische geprägte Tempelanlage war ganz nett anzusehen und der Rundgang bot interessante Fotomotive, aber es waren eben antike Trümmer und die sehen nunmal für einen Laien mehr oder weniger gleich aus.

Nach etwas über einer Stunde waren wir damit durch und hatten noch Zeit für ein hopfenhaltiges Kaltgetränk in einer Taverne.

Das antike Korinth

Die Taxifahrerin kam auch pünktlich und wir fragten sie, ob sie uns zu einem Marineshop fahren könnte, dessen Anschrift Johannes vorher gegoogled hatte. 

Nach längerer Fahrt stellte sich jedoch heraus, dass dieser Laden in Isthmia war, was offenbar vorher nicht klar war. Kabel und Stecker gab’s dort jedenfalls nicht.

Wir erklärten der Taxifahrerin was wir suchten und sie fuhr uns zurück nach Korinth zu einem offenbar speziellen Elektrofachhandel. Hier gab’s alles, was wir brauchten. Wir mußten das nur noch irgendwann zusammenbasteln.

Nettes – griechisches – Erlebnis nebenbei: Als wir vor dem Laden in das Taxi stiegen und die Fahrerin den Zündschlüssel umdrehte, ging die Alarmanlage des Autos an. Mehrere Versuche mit dem Schlüssel das Auto zu starten, ohne die Alarmanlage in Gang zu setzen, scheiterten. Nunsaßen wir da und warteten auf den Chef des Taxiunternehmens den die Fahrerin angerufen hatte, damit er einen neuen Schlüssel brachte. Der kam dann auch, brachte einen neuen Schlüssel und schon hörte das gehupe auf. Wir fuhren in Richtung Schiff, wurden aber durch eine Straßensperrung umgeleitet, so dass wir nicht bis vor die Hafenmole fahren konnten.

Dies wiederum hatte den Vorteil, dass ich es nicht mehr so weit zur Port Police hatte, wo ich ja meine Diebstahlsanzeige aufgeben wollte. 

Während Michael und Johannes unsere Einkäufe zum Schiff brachten, suchte ich die Port Police auf.

Zwei nette junge Beamte nahmen sich meiner an, wußten aber auch nicht so recht, was sie machen sollten, nachdem ich geschildert hatte, was ich wollte.

Nach deren Aussage gab es zwei Möglichkeiten: Die erste sei, dass ich eine Verlustanzeige aufgebe und ich einen Nachweis für die Versicherung bekäme – was in meinem Fall keinen Sinn machte, lag der Schaden doch unter 50,- Euro – und die zweite Variante sei, ich gäbe eine Anzeige auf, dafür müßte ich im vorhinein erst einmal 50,- Euro bezahlen, die Sache würde dann vor Gericht gehen, wo ich dann persöhnlich hätte erscheinen müssen, um überhaupt eine Strafverfolgung in Gang zu bringen. Dazu hatte ich erst recht keine Lust, hatte die Ersatzbeschaffung des Kabels doch gerade einmal 34,- Euro gekostet.

Ich schilderte den beiden Beamten noch den Vorfall mit den beiden Typen im Hafen ohne diese direkt des Diebstahls zu bezichtigen, was ein gewisses Maß an Heiterkeit hervorrief. Die beiden waren wohl Drogenabhängig und den Jungs von der Polizei bekannt.

Ich zog zwar unverrichteter Dinge von der Polizeistation ab, war aber doch irgendwie zufrieden, auf Gehör gestoßen zu sein.

Demnächst geht’s weiter.