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Juttas Reisebericht 2017

Urlaub 2017, 10 Tage „Segelleben“ vom 01. bis zum 10. Juni

Prolog

Segeln ist nicht meine Welt. Petroleum- und Dieselgeruch, die Enge von Koje und Kajüte, die ständige Angst vorm Untergang bei Schräglage des Schiffes unter Segeln und die gefühlte Klammheit aller Klamotten haben nichts Attraktives für mich. Zudem ist mir der Seglerjargon völlig fremd, und von Knoten und Segeln habe ich nicht die geringste Ahnung. Dennoch möchte ich mich auf 10 Tage „Segelleben“ einlassen, und zwar auf dem Boot meines alten Freundes Jörg, Eigner und Skipper einer Sigma 362, einem 36 Fuß Schiff, auf dem er mit wechselnder Crew den Sommer auf dem Mittelmeer verbringt. Geplant ist eine Tour in der nördlichen Ägäis von Thessaloniki vorbei an den nördlichen Sporaden bis Nea Artakis auf Euböa, wo ich das Segelschiff verlassen werde, um im Anschluss eine Woche Strandurlaub zu machen. Dies ist für mich ein echtes Abenteuer, von dem ich hier berichten möchte in einer Art Tagebuch aus der Sicht einer absoluten Laiin in Sachen Segeln. Wer es gerne professioneller hätte sollte sich die Berichte von Peter und Jörg für denselben Zeitraum ansehen.

 

Donnerstag, 01. Juni 2017

Seit Neuestem bietet Ryanair recht preiswert einen Direktflug von Dortmund nach Tessaloniki an. Also machen wir, Vera und ich, uns am frühen Morgen mit ÖPNV auf zum
Flughafen in Dortmund. Boarding und Flug verlaufen reibungslos, an Wegzehrung haben wir auch gedacht, Thessaloniki erreichen wir so satt und zufrieden nach ca 3 Stunden gegen 14:15 h. Die Marina Aretsou in Kalamaria ist dem Taxifahrer bekannt, und so kutschiert er uns für € 16 vom Flughafen direkt bis zum Hafenmeister. Nach kurzer Rückfrage wird uns die Richtung zum Liegeplatz 157 gewiesen.

Jörg und Peter haben aus einem gelben Bettlaken den perfekten Sonnenschutz gebaut, in
dessen Schatten sie uns sehr herzlich empfangen. Vera und ich sind von der Hitze (ca 25
Grad) so verschwitzt, dass wir ohne Umschweife gleich ins Badezeug schlüpfen und uns auf der Pier mit kaltem Wasser aus einem Wasserschlauch abkühlen. Erst dann sind wir in der Lage, das Begrüßungsbier zu genießen.

Nach einem ersten Austausch von Neuigkeiten und Einrichten unserer Klamotten in der
Vorschiffskoje stellen wir einen Essensplan für die nächsten 3 Tage auf. Mit der daraus
resultierenden Einkaufsliste ziehen Vera, Peter und ich los. Der erste Mini Market, den wir
anlaufen, hat zwar 24 Stunden geöffnet, ist aber wirklich mini. Obst, Gemüse und Fleisch gibt es dort nicht. Wir fragen uns also zu einem Supermarkt durch und haben Glück: 3 übervolle Einkaufskörbe mit fast allem Gewünschten werden uns sogar bis ans Schiff geliefert. Allein Fleisch muss in einer Metzgerei besorgt werden, was Vera und Peter übernehmen. Sie kommen mit derartig viel Fleisch zurück, dass wir den Vorsatz am heutigen Abend essen zu gehen fallen lassen, und Peter sich ans Kochen macht Das Menue besteht aus Salat, Spaghetti Bolo mit Parmesan und Wein und Bier.In der Abendsonne wird es auf dem Schiff serviert. Müde und erschöpft von den arbeitsreichen Tagen vor unserer Abfahrt und dem Krafttraining nach dem Abendessen (einige Gläser feinsten Ouzos, Marke Plomari, gilt es zu stemmen) sinken wir in unsere Koje.

 

Freitag, 02. Juni 2017

Die Nacht war ein wenig unruhig. Nicht wegen der Mücken (die hatten wir mittels einer Art
Gardine über der geöffneten Luke weitestgehend ausgesperrt), sondern wegen eines herumstreunenden Katers auf Veras Bettseite. Als sie den endlich erlegt hatte war es bis
Sonnenaufgang noch schön muckelig (warm) in der Koje. Nach einem üppigen Frühstück
erfolgt zunächst eine umfangreiche Sicherheitseinweisung und das Anpassen der
Rettungsweste durch den Skipper Jörg. Ich wähle das etwas schlichtere Modell einer Art
Gummikragen. Gegen 11:30 h heißt es Leinen los und mit dem Motor auf durch den
„Ententeich“ wie Peter das ruhige Meer bezeichnet. Vera wird eingewiesen am Steuer des
Schiffs und übernimmt unter Jörgs wachsamem Auge das Ruder. Nach ca. einer Stunde
frischt der Wind auf etwa Stärke 3 auf, so dass Segel gesetzt werden. Welch ein Gefühl! Die
Sonne scheint und die Sonnencreme klebt: das richtige Urlaubsfeeling stellt sich ein. Als
dann noch an backbord Delphine auftauchen ist der Tag perfekt. Den ersten sich
anbietenden Hafen (Limáni KÍTROUS) in 20 sm Entfernung lassen wir liegen, um als Tagesziel den zweiten (Lemenískos PARALÌA KATERÌNI) anzusteuern. Angekündigt als „one of the most touristic parts of Greece“ mit „good life“ scheint uns dieser als angemessen. Zu unserem Schrecken jedoch vereitelt Niedrigwasser unsere Einfahrt in den Hafen, wir laufen im Schlick auf. Seemännisch erfahren meistert Jörg die Situation mit Bravour, also soll´s Lemenískos LÌTORCHO werden. Allerdings stellt der Navigator Peter schnell fest, dass wir hier ähnliche Wassertiefen vorfinden werden wie soeben. Inzwischen ist es 17:00 h, und es wird entschieden, unter Motor doch die Marina Platamon anzufahren. Steuerbord grüßt der Olymp und wir schwadronieren ein wenig über den Schlawiner Zeus und phantasieren zum Leben der Götter. Fast halb neun erreichen wir den Hafen und werden zum Anlegen an
einen Pier direkt vor der Bar eingewiesen, Beschallung inklusive. Dies ist ein absoluter, gut
besuchter Touri-Ort. Jörg zaubert als Abendessen noch ein „Hähnchen süß-sauer“, und
geschafft von der Aufregung und dem anstrengenden Tag fallen Vera und ich ins Bett,
bewehrt mit Ohrstöpseln und Kopfhörer. Jörg und Peter nehmen noch ihren „night cup“ und genießen die Barmusik.

 

Samstag, 03. Juni

Nicht besonders früh, aber noch bevor das Städtchen und die Bar zu Leben erwachen, ist
Peter schon unterwegs zum Kaffeetrinken und Vera zum Schwimmen. Glockengeläut von der nahegelegenen Kirche spielt um 7:30 h und um 8:30 h eine helle Melodie, und etwas
zerknittert krabbel ich zum Cockpit des Schiffes. Eine Abkühlung im Meer ist unbedingt
nötig. Am Strand sind nur wenige „Frühaufsteher“ unterwegs, ein Fischer ordnet seine Netze und ein Angler träumt vor sich hin. Das Wasser ist angenehm kühl, so dass der Kreislauf langsam in Schwung kommt. Nach der Dusche im Gebäude der Bar sind auch alle wieder auf dem Boot und um den Frühstückstisch versammelt. Peter hat wie allmorgentlich alles vorbereitet (Kaffee, Tee, Wurst, Käse, Tomaten, leckeres Brot und alles was dazu gehört). Beim Frühstück erfahren wir, dass Vera mittels der an der Spitze der Koje befindlichen Fernbedienung in der Nacht das Fußende ihres Bettes höher stellen wollte. Jörg wird blass und fragt nach. Nein, es sei nichts passiert, nichts hätte sich bewegt, es habe nur ein lautes „Klock“ oder „ Klack“ gegeben. Kein gequältes „ouioiuuoioiooii“ ? fragt Jörg nach und ist beruhigt als dies verneint wird. Bei der Fernbedienung handelte es sich mitnichten um eine zum Verstellen des Bettes, sondern um die zur Bedienung der Ankerwinde. Und Weiteres lernen wir nach dem Frühstück, nämlich, dass „der Nüschel in der Backs“ läge. Es stellt sich heraus, dass Peter zum Befüllen des Wassertanks die Spritzdüse für den Wasserschlauch sucht und diese in der Backskiste liegt.

11:20 h legen wir ab mit Ziel Agiokampus ca. 20 sm südlich. Die Sonne ist uns hold, und ein
(sehr) leichter Wind weht. Wir können auch heute Segel setzen und setzen die Fahrt
gemächlich mit 2 bis 3 Knoten fort. Als der Wind zu einem Lüftchen abflaut gönnen wir,
Vera, Jutta und Peter, uns ein Bad im tiefen Meer. Nacktbaden ist in Griechenland eigentlich nicht erlaubt, aber hier, fern aller Zivilisation, genießen wir ein Stückchen Freikörperkultur. Das Wasser hat 21 Grad und ist angenehm erfrischend. Aus der Idee, sich am Fender hinter dem Boot herziehen zu lassen, wird leider nichts, denn es steht, weil der Wind sich gänzlich verflüchtigt hat. Also planschen wir ein wenig herum und genießen die Abkühlung. Nicht lange nachdem wir wieder an Bord und bekleidet sind frischt der Wind wieder auf, so dass es unter Segeln weitergeht. An Steuerbord begleiten uns Delphine, das Plätschern des Wassers ist einlullend, ein Mittagsschläfchen ist angesagt, und so kreuzen wir unserem Ziel entgegen. Um nicht erst in der Dunkelheit anzukommen, wirft Jörg gegen 17:30 h den Motor an und eine Stunde später erreichen wir unser Ziel Agiokampus. Der Hafen besteht aus einem Nord- und einem Südhafen, wobei der Nordhafen kleineren Booten vorbehalten ist. Im Südhafen legen wir längsseits an der Mole an. Unsere Nachbarn sind drei Fischkutter, die in den Augen einer Landratte wie ich es bin eher wie „Seelenverkäufer“ aussehen bestückt mit „Gerümpel“ und auf der Backbordseite mit großen Lampen. Auf den Booten sind die Männer mit dem Flicken von Netzen oder mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt. Es riecht nach Fisch, auf einem Schiff werden Eisblöcke angeliefert, und die „Hafenkneipe“ (bestehend aus einer Art Wohnwagenkiosk mit Tischen und Sonnenschirmen davor) ist gut besucht. Auf der Kaimauer hocken etliche Angler, die auf einen Fang hoffen. Auf unserem Boot bereitet Peter ein köstliches Lammgericht zu und serviert dazu Kartoffeln und Bohnen. Wir laden die Hafenpolizistin ein, die aus ihrem Auto steigt und um die Papiere sowie den Befähigungsnachweis des Kapitäns bittet. Sie lehnt dankend ab, alles ist in Ordnung, und wir verputzen die Köstlichkeiten bis auf den letzten Rest. Auch den Digestif, einen Ouzo, schaffen wir noch bevor das nahende Gewitter sich mit Regen entlädt.

 
 

 

Pfingstsonntag, 04. Juni

Die Nacht war kühl, und als ich mich um 7 Uhr im Cockpit niederlassen will sind Bänke und Boden nass, so dass ich mich zum Schreiben an den Navigationsplatz setzen muss. Die Kaimauer ist bereits besetzt von etlichen alten Männern, die wohl ausgesandt waren, den Fisch fürs Mittagessen aus dem Hafenbecken zu ziehen. Alle schlafen noch, und so setze ich mich auf den Navi-Platz und lasse den Vortag Revue passieren. Ich wandere auf der Kaimauer bis zum Nordhafen und sehe, dass die „Hafenkneipe“ bereits gut besetzt ist. Den Abfallcontainer finde ich auch. Sein Deckel ist zu Zweidritteln weggerostet, so dass mit einem Blick in die Tonne deren Zweck erst verifiziert werden muss. Auf meinem Weg zurück zum Boot vorbei an den Fischern werde ich fragend angeflüstert „fish?“ Ich gehe vorbei mit dem Hinweis der Kapitän sei zu fragen und komme rechtzeitig zum Frühstück beim Boot an. Peter hat in bewährter Weise alles vorbereitet, das Frühstück ist köstlich und insbesondere Jörgs liebevoll dekorierte Brote auf dem Frühstücksteller eine Augenweide, der Abwasch ist flott gemacht und die Reling klariert von Handtüchern und Wäsche. Vera ist mehr als tatendurstig, greift sich Gummihandschuhe, Eimer (Pütz!) und Schwamm und säubert die Bilge. Mehrfach entleert Jörg den Pütz über die Reling, es scheint sich einiges angesammelt zu haben. Bevor wir starten begeben Peter und ich uns derweil auf „Fischfang“ fürs Abendessen. Ein wenig warten müssen wir noch, denn so lange der Hafenpolizist auf dem Kai Patrouille fährt ist kein Handel möglich. Am ersten Kutter wird uns eine Plastiktüte mit einer Art Sardinen angeboten. So hatte ich mir eine Fischmahlzeit nicht vorgestellt. Also auf zum nächsten Schiff; auf dem dritten, der rostigsten dieser Rostlauben gibt es Makrelen, 5 für € 1 wie Peter verstanden hatte. Es stellt sich heraus, dass tatsächlich € 5 gemeint sind. 5 Fischlein zu diesem Preis sind uns zu wenig, weshalb wir um 8 bitten. 9 werden es dann, die aber wiederum € 7 kosten sollen. Das zu zahlen bin ich nicht bereit, also greife ich in die Tüte, um dem Fischer 1 Makrele zurückzugeben. Entnervt winkt dieser ab, und so ziehen wir mit unseren 9 Makrelen für € 5 von dannen. Um 10:40 h endlich legen wir ab. Totale Flaute zwingt uns zum Motoren. Wir laufen den ersten sich anbietenden Hafen Aigo Ioannis 20 sm südlich unseres Starthafens an. Es ist ein Winzding, und zu unserem Bedauern (?) schnappt uns eine Motoryacht den letzten verfügbaren Anlegeplatz vor den Nase weg. Nicht allzu traurig drehen wir ab, um weitere 18 sm bis Katigiorgis zurückzulegen. An Segel setzen ist nach wie vor nicht zu denken. Nach einer Runde Gerstenkaltschale und Kartoffelchips (Peter macht sich über den Rest Hähnchen süß-sauer her) erliegen alle bis auf den Steuermann dem postprandialen Erschlaffungssyndrom. In Katigioris angekommen liegen am Kai eine Reihe von Kleinmotor- und Schlauchbooten und zwei große Motoryachten. Die einzig freie Stelle scheint ein gelb markierter Bereich des Kais zu sein, der aber – wie sich herausstellte- für das Wassertaxi frei bleiben muss. Eine weitere Runde durch den kleinen Hafen lässt einen schmalen Spalt zwischen Motoryacht und Motorbötchen
erkennen. „Never“ denke ich, doch Jörg setzt beherzt zu Einparken an. Peter wirft auf Kommando den Anker ins Wasser und Vera und ich werden mit dem Werfen der Festmacherleinen beauftragt und damit, Abstand zu halten zu den Nachbarbooten. Leider ist niemand da, der die Leinen am Kai entgegennehmen kann. Also muss Vera an Land springen und sie selbst festmachen. Ein Mann mit Handy am Ohr erbarmt sich, legt das Mobiltelefon auf den Boden und greift sich die zweite Leine. Es ist vollbracht, die schmale Baubohle wird als Gangway ausgelegt, Vera und ich organisieren im Mini-Market eine Flasche Gin und an Bord gibt es nun den Anlegerdrink Gin-Tonic. Die Bucht diente vormals als Anlandeplatz für Fische, die für …. bestimmt waren. Aus dieser Zeit übrig geblieben ist eine berühmte Fischsuppe namens Kakaviar. Also beschließen wir, diese in einem der vier Restaurants am Strand als Abendessen einzunehmen. Der Nachbartisch ist belegt mit mehreren deutschen Familien mit ihren Kindern. Und so genießen wir „Zukunftsmusik“ und unser Essen. WiFi, das wir hier gern in Anspruch genommen hätten, ist derartig lahm, dass wir nach kurzer Zeit unsere Bemühungen aufgeben. Ein letzter Drink an Bord ist die Überleitung zur Nacht.

 

Pfingstmontag, der 05. Juni

In der Nacht hatte sich eine aufdringliche Fliege ins „Schlafzimmer“ verirrt mit dem Ergebnis, dass ich oft unvermittelt um mich schlug. Erholsamer Schlaf stellt sich erst am frühen Morgen ein. Alle, auch die Jungs, schlafen heute etwas länger. Um wach zu werden beschließt Peter, sich ins kühle Nass zu begeben und klettert über die Badeleiter ins Wasser. Mir ist das zu unheimlich zwischen den Booten hindurch ins Hafenbecken zu schwimmen, und so nehme ich den Weg über die Slipanlage. Hier muss ich aufpassen, unbeschadet an den Seeigeln vorbei zu kommen, doch es gelingt. Vera bevorzugt den Weg ins Wasser über den Strand, wo wir beiden uns dann treffen. Peter ist längst zurück auf dem Boot und kümmert sich in bewährter Weise um das Frühstück. Jörgs Stirn wird kraus und krauser ob des Sandes, den wir inzwischen alle an Bord geschleppt haben, doch Vera greift sofort zum Handfeger, um das Problem zu lösen. Peter und ich begeben uns mit den Makrelen an eine steinige Stelle des Ufer, wo wir die Fische ausnehmen und für die Zubereitung präparieren, um dies nicht auf dem Schiff erledigen zu müssen.

Bereit zum Auslaufen entscheiden wir uns für ein Ziel auf der Insel Evia, den Hafen von Oreoi, ca. 16 sm entfernt. Sonnenschein und eine Brise mit 3 Windstärken von hinten (achtern) garantieren eine „lady´s tour“. Die Segel werden gesetzt, Vorsegel und Großsegel in „Schmetterlings-Stellung“ gebracht, und mit einer Geschwindigkeit von ca. 6 Knoten gleiten wir zur Insel hinüber. Tiefe Zufriedenheit und Glücklichsein breiten sich auf dem Schiff aus. Mit Gerstensaft in der Rechten, dem Steuer in der Linken stimmt Jörg das Lied an von der Dame, die sein Herz am Band an der Taille trägt, an, nämlich die Kanaille (*). Vera wird überredet, das Steuer auch einmal unter Segeln zu übernehmen und erweist sich auch diesmal als sehr gelehrig, so dass Jörg und Peter sich zu einer kleinen Meditation zurückziehen können. Recht früh, so gegen halb vier, erreichen wir unser Ziel und finden einen wunderbaren Anlegeplatz direkt gegenüber dem Eingang zum Strand. Der Buganker hält, die Leinen sind fest, die Gangway ist ausgebracht, und dem Anlegerdrink steht nichts im Weg. Vera, Jörg und ich schlendern anschließend durch das Städtchen, um die Einkaufsmöglichkeiten auszubaldowern, während Peter auf dem Schiff Waschtag hat. Später treffen wir uns im Café am Anfang des Kais und setzen erste Mails ab, denn hier endlich gibt es mal vernünftiges WLan. Ein Bad im Meer schließt sich an mit einer schön warmen Dusche danach am Strand bevor es an die Zubereitung des Abendessens geht. Heute gibt es Makrele mit griechischem Salat und Brot. Drei Crewmitglieder genießen die Mahlzeit, während Jörg schon ein wenig säuerlich reagiert als der leckere Schafskäse im Salat unter Veras Rühren ziemlich zermanscht. Beratungsresistent lässt er sich nicht zeigen wie frau einen Fisch filetiert und die Gräten entfernt. Das Ergebnis ist ein Haufen total zerrissener Makrele auf dem Teller mit Gräten überall, die Jörg bei jedem Bissen aus den Zähnen pult. Nein, wenn überhaupt Fisch, dann nur grätenfreies Thunfischsteak oder Fischstäbchen! Dennoch findet der Abend ein versöhnliches Ende, denn sowohl der Retsina wie auch Rot- und Weißwein sind bekömmlich.

(*)
Refrain
Schön wie eine Blume war die Kanaille,
eine Kanaille als Blume getarnt.
Sie trug mein Herz am Band um die Taille,
ich armer Wicht, ich war nicht gewarnt.

 

Dienstag, der 06. Juni, Hafentag

Peter ist längst unterwegs als ich mich fürs morgendliche Bad im Meer rüste. Einige Nachbarschiffe sind bereits verschwunden und die ersten Neuankömmlinge steuern den Hafen an. Vera hat Kaffee und Tee gekocht und alles fürs Frühstück Notwendige in Position gebracht. Was fehlt ist Peter mit dem Brot. Wir bringen den genialen Sonnenschutz, das wunderbar gelbe, alte Betttuch an, damit wir im Schatten sitzen können. Wir trinken Tee und Kaffee und warten auf Peter. Um 10 h mache ich mich auf den Weg („der Herr, der schickt den Jockel aus,…“) und finde ihn im Café am Eingang zum Kai. Überrascht nimmt er zur Kenntnis, dass es bereits 10 h ist und verspricht sofort zu kommen. Das Frühstück mundet wie immer, Vera befürchtet, von den „alten“ Eiern Salmonellen zu bekommen, und im Übrigen wird es auch heute natürlich wieder gewittern 😉 (schmunzel). Nach dem Frühstück bastelt Vera einen Sonnenschutz in Verlängerung des Bimini (ein Sonnenverdeck, das aber nur dem Steuernden Schatten spendet). Ich nehme derweil eine Nachhilfestunde in Sachen Tauwerk. Ich lerne es gibt keine Stricke an Bord. Stattdessen haben wir Leinen, so zum Beispiel Reff- und Festmacherleinen, Schoten, Taue, Trosse, Fallen, Bensel, Zeisige und „Nursodas“. Besonders gefallen mir auch die Übungen zu den Seemannsknoten. Einen beherrsche ich ja schon ganz gut, den Webleinsteg. Damit bin ich geradezu dafür prädestiniert, die Fender anzubringen … . Einen anderen, den Palstek, liebe ich ganz besonders, weil ich auch hier wieder Überraschende lerne: ein „Öhrchen“ gibt es nicht dafür ein „Auge“. Das sieht zwar genauso aus wie das „Öhrchen“, heißt aber anders. Also: erst ein „Auge“, dann die „Schlange“, die eigentlich eine „Nursoda-Leine“ ist, von unten durch den
„Teich“ (der gerade noch Auge hieß). Die Schlange, die eigentlich die „Nursoda-Leine“ ist, sieht mich, bekommt Angst und läuft in einem großen Bogen, der später die Arbeitsschlaufe wird, weg vor mir (hahaha: die Leine sieht mich, bekommt Angst und läuft weg!). Dann schleicht sie von hinten unter Daumen und Zeigefinger durch und schlängelt sich von oben wieder in den Teich. Ich greife den Kopf der Schlange zusammen mit dem Ufer des Teiches und ziehe beides in die entgegengesetzte Richtung als den Schwanz der Schlange. Und schon habe ich die Arbeitsschlaufe, die ich nun um einen „Pal“ legen kann ohne dass sie sich zuzieht (im Ernstfall natürlich nicht die „Nursoda“-, sondern die Festmacherleine). So oder so ähnlich, der Palstek ist fertig.

Wir bleiben heute hier im Hafen und begeben uns in unser Lieblingscafé. Schreibzeit ist angesagt, zwischendurch ein Spaziergang zum Stier im Glaskasten, eine Postkarte für die Lieben daheim ohne Mailadresse erstehen wir auch. Die Wirtin des Cafés freute sich sehr über unsere Anwesenheit und sorgt für unser Wohlbefinden. Café Frappé, Eis, Baklava, Bier, Wasser mit Eis, Blätterteigtasche mit Füllung und alles, was das Herz begehrt verzehren wir während Peter, Jörg und ich Reiseberichte schreiben. Es ist heiß, 35 Grad, ich begebe mich zu einem Mittagsschlaf zum Boot, Peter und Vera gehen einkaufen und Jörg? Er bleibt noch ein wenig im Café. Kaum die richtige Schlafposition gefunden kommen die Einkäufer zurück, mit der Ruhe ist es vorbei. Die Einkäufe für die nächsten Tage werden angeliefert und müssen verstaut werden. Zur Abwechslung wird danach an Deck geduscht, Jörg zuerst (von Vera eingeseift, grins), dann Vera, und ich schließe mich an, nachdem ich mir das Vergnügen angesehen hatte. Steuerbord legen Bayern an, die sich das Schauspiel auf unserem Boot ansehen und dabei über Biersorten schwadronieren. Im Anschluss an das Duschvergnügen wird das Cockpit noch ausgepritzt, und nachdem die Sitzbänke wieder trocken sind wird Gemüse geschnitten für das Abendessen. Heute gibt es Aubergineneintopf mit Hackfleisch. Es sieht von der Menge her so aus als würde es die nächsten 3 Tage davon geben.

 

Mittwoch, 07. Juni

Ich wache auf und genieße wie die aufgehende Sonne das Vorstak mit der eingerollten Genua von der Spitze her mit goldenem Licht überzieht, was ich aus geschützter Position durch die Luke der Bugkajüte sehr schön beobachten kann. Alles ist ruhig, und so drehe ich mich noch einmal um. Wenig später wecken mich Regentropfen, die durch die weit geöffnete Luke fallen. Schnell sammle ich Sitzkissen, Handtücher, unser „Sonnensegelbetttuch“ und was sonst noch draußen herum liegt ein und bringe alles ins Trockene. Peter kommt vom Einkaufen zurück, muss aber sofort wieder los, weil er die Tüte mit der Wurst und den Käse in der Gemüseabteilung des Ladens hat liegen lassen. Inzwischen fallen nur noch ab und zu ein paar Tropfen, so dass wir beschließen, draußen im Cockpit zu frühstücken. Die Bänke und der Tisch sind schnell trocken gewischt, und alles ist aufgetischt. Um uns vor kleineren Regenschauern zu schützen, die ab und zu herunter kommen, bedienen Vera und ich uns zum Vergnügen der Jungs zweier Regenschirme. „Regenschirm auf einem Schiff, hahaha!“ Wir kümmern uns nicht darum was üblich ist und was nicht. Während wir lecker frühstücken legt unser Nachbarboot ab. Ein Ruck geht durchs Schiff. Sie haben unseren Anker „gefangen“. Jörg und Peter gehen nach vorn an die Bugspitze und beobachten das Manöver. Das Ende vom Lied ist, dass wir in aller Eile alles zusammenräumen und das Schiff zum Auslaufen klar machen müssen. Jörg hatte es geahnt: der, der unseren Anker anheben musste um freizukommen hat ihn über einen anderen gezogen und dann fallen lassen. So dürfen wir uns ebenfalls erst befreien bevor wir die Fahrt fortsetzen können. Jörg führt Vera und mir eindrucksvoll als Warnung vor Augen was er beabsichtigt mit Meuterinnen zu tun, die sich seinen Befehlen widersetzen würden, indem er einen Galgenstrick knotet, an dem selbige dann am Großmast hängen würden. Die Fahrt führt uns entlang der Küste von Euböa, mal unter Motor, zeitweise unter Segeln. Als (weit weg, ich geb´s ja zu) hinter uns eine Fähre ablegt, scheint mir, sie steuere direkt auf uns zu. Niemand beantwortet meine Frage nach den Vorfahrtsregeln. Beide Jungs grinsen sich eins, und ich verhalte mich wie der Strauss, der den Kopf in den Sand steckt, um nicht gesehen zu werden, indem ich meine Augen schließe und mich dem Schicksal ergebe. Natürlich steuert die Fähre weit hinter uns ihren Zielhafen an, aber wie ich im Prolog schon sagte: auf einem Segelboot wittere ich stets Untergang und Gefahr und fürchte mich dann.

Die Sonne scheint, und zu Jörgs Zufriedenheit können wir ein paar Meilen unter Segeln weiterschippern. Wieder wird ein Lied angestimmt von den Haien und den Walen, die sich an der Südpolachse aalen (*). Jörgs Laptop gibt dann noch den Song „Ich geh segeln“ und andere her, die Stimmung ist gelöst und sommerlich heiter. Eine Wassermelone wird verputzt, und Jörg übt sich im Kerneweitspucken. Wir müssen kreuzen, um unser heutiges Ziel LOUTRÁ AIDIPSOÙ anzusteuern. Der Hafen ist voll mit Fischkuttern und kleineren Fischerbooten. Wir loten die Wassertiefe an verschiedenen Stellen aus und ergattern den letzten freien Platz längsseits der Pier hinter einem Berliner. Gegenüber haben zwei große Fähren angelegt. Auf der Kaimauer befinden sich die üblichen Säulen für Strom und Wasser, die jedoch mit einer Geldkarte zu bedienen sind. In der Annahme, uns anmelden zu müssen, und mit der Absicht eine solche Karte zu kaufen, im Supermarkt noch fehlendes Gemüse zu erstehen sowie vielleicht irgendwo vorhandene Sanitäre Anlagen zu suchen, machen Vera und ich uns mit dem Päckchen der üblichen „Paper“ unterm Arm auf zur „Harbour Authority“. Einem Polizisten mit dürftigen Englischkenntnissen legen wir diese vor mit dem Hinweis wir hätten soeben angelegt. Zwei weitere Kollegen von ihm gesellen sich dazu, und nun beginnt eine Befragung nach woher und wohin und wohin danach, nach Crewliste und Passnummern, nach angeblich fehlenden Hafenstempeln usw. . All diesem fühlen Vera und ich uns nicht gewachsen, so dass Jörg übernehmen muss und die Angelegenheit zur Zufriedenheit aller regelt. Der Supermarkt ist schnell gefunden, auf die Karte für Wasser und Strom verzichten wir dankend (sie soll € 12 kosten und wäre nur dieses eine Mal zu verwenden), und die im Hafen vorhandenen WCs sind abgeschlossen. Nun denn,… Während Peter und Jörg das Abendessen vorbereiten sehen Vera und ich uns die Stadt an. Es handelt sich offenbar um eine Art Seebad mit warmer Heilquelle gegen Rheuma und sonstige Beschwerden. Wir verzichten auf das Bad im Mineralschlamm, suchen einen Schiffsausrüster und gehen zurück zum Boot. Heute gibt es Hähnchencurry mit scharfem Abgang, so dass mein Getränkebedarf zum Löschen des Feuers heute etwas höher ist. Irgendwie macht mich der Tag an frischer Meeresluft sehr müde, so dass ich mich trotz des Protestes der Jungs, die noch unterhalten werden möchten, früh in die Koje verabschiede.

(*)

Übers weite grüne Meer
Wo die Wasserkühe brüll´n
Wo die Nixen sich mit Well’ n
Und Schaum umhüll’ n
Wo die Haie mit den Walen
Sich an der Südpolachse aalen,
und wo der kleine Pinguin
einen Rollmops verdrückt,
oh, yeah, oh yeah

 

Donnerstag, der 08. Juni

Angesichts des Vollmondes und der Fische, die an der Wasseroberfläche im Hafen nach Insekten schnappten vermutete Peter gestern schon das Wetter würde umschlagen. In der Nacht hat es nun geregnet. Eine Mücke hatte sich trotz des Mückennetzes in unsere Koje eingeschlichen und sich an uns delektiert. Peter kommt, als wir dann wach sind, gut gelaunt mit frischem Brot zurück aus der Stadt. Er hatte auch bereits ein „Rheuma-Bad“ am Strand in der Nähe des Wellness Hotel genommen und gibt sich wie runderneuert. Vera wird von Jörg zum Kämmen „ihres güldenen Haars“ aufs Vorschiff verbannt, da Haare Gift für … (ja für was eigentlich?) sind. Ich suche derweil die Pier noch einmal nach einer Möglichkeit ab, Wasser zu bunkern und kann bei der Gelegenheit auch gleich den Fischern beim Flicken der Netze zusehen und ein paar Fotos machen.

Nach dem Frühstück gehen Peter und ich noch einmal in die Stadt zum Geldautomaten und um nach dem (nicht vorhandenen) Schiffsausrüster zu forschen. Wir könnten gut eine neue Klobrille gebrauchen, denn die alte war unter den Anforderungen einer Crew von vier Menschen mit ihren Bedürfnissen auch in Schräglage des Schiffes aus der Halterung gebrochen. Peter und ich sind allerdings nicht erfolgreich, und so müssen wir unverrichteter Dinge ablegen. Inzwischen lacht die Sonne auch wieder. Ich nerve Jörg so lange bis er mir tatsächlich noch einmal den Refrain des Liedes von der Kanaille vorsingt, das ich gern auf Video aufnehmen möchte. Er hat danach seine Ruhe und ich einen Ohrwurm.

Heute Abend möchten wir in einer Bucht ankern, schön einsam und ohne Lärm. So geht die Fahrt teils bei Sonne, teils bei Regen, teils unter Segeln, teils unter Motor entlang der Küste des Festlands. 27 sm südlich von Loutra Aidipsou soll die erste Anlaufstelle sein (Nsis lagonis). Peter macht Schnittchen, Vera übt sich weiter am Steuer . Bereits vor der Bucht reihen sich Fischfarmen eine nach der anderen. Unweit der Einfahrt sehen wir sogar eine Fischfabrik und, was uns abschreckt, am Ende der Bucht eine Industrieanlage, aus deren Schornstein grau-gelbe Wolken quellen. Was ist das? Auch ohne eine Antwort auf diese Frage zu finden entscheiden wir uns weitere 8 sm Richtung Süden zurückzulegen und Plan B umzusetzen. Da wir dort wohl etwas später eintreffen werden, bereiten Vera und ich die Bohnen und Kartoffeln für das für heute Abend vorgesehene Lammgericht schon einmal vor. Beim Einbiegen in O. Scorpon’eri sehen wir am gegenüber liegenden Hang verstreut einzelne Häuser oder Villen (wir vermuten Ferienhäuser, denn Menschen sind nicht zu sehen). Auch hier gibt es 2 kleine Fischzuchten. In der ihm eigenen Art erkundet der Skipper das Revier. Eine erste Möglichkeit zu ankern oder gar anzulegen an einem alten Pier bietet sich in einer Einbuchtung mit einem aufgegebenen Anwesen. Die Vermutung liegt nah es sei eine Kneipe gewesen mit benachbartem Wohnhaus, denn der Grill steht, nun verrostet, noch auf der ehemaligen Terrasse. Echolot und Peters scharfe Augen stellen fest, dass Felsen dicht unter der Wasseroberfläche ein Anlegen unmöglich machen. Also spähen wir weiter aus nach Anker- und Festmachermöglichkeiten. Vera ist das Geisterdorf ohnehin zu unheimlich. Windrichtung und Wassertiefe müssen wohl ebenfalls berücksichtigt werden, ein erster Versuch zu ankern scheitert, wir tasten uns weiter vor. Diese Stelle erweist sich, so attraktiv sie auch anfangs schien, als nicht geeignet für weitere Versuche. Unweit unserer jetzigen Position weist die Seekarte eine Einbuchtung zwischen einer kleinen Halbinsel und dem Festland als Ankerplatz aus, den wir nun ansteuern. Hier scheint alles zu passen, der Anker wird ausgeworfen und Peter macht sich bereit, an Land zu schwimmen und die Festmacherleinen (drei! Leinen müssen aneinander geknotet werden, um die passende Länge zu erreichen) dort um Steine zu legen. An Land zu kommen ist schwierig, denn die Steine sind hier scharfkantig und spitz, doch Peter bewältigt die Herausforderung zweimal mit Bravour, erklimmt nach der Aktion erschöpft die Badeleiter und braucht nun dringend ein Bier. Es dämmert bereits als wir unseren „Anleger“ (Gin Tonic) einnehmen. Während des Abendessens schütteln Wellen das Boot unerwartet durch. Ratlos rätseln wir herum woher dieser starke Schwell so plötzlich kommt. Wie dem auch sei: Digestif und ein Gläschen Wein genießen wir trotzdem, und eine Klönrunde beschießt den Tag in dieser einsamen Bucht.

 

Freitag, der 09. Juni

Während der Nacht hatte sich die Dünung gelegt, das Wasser ist wieder ruhig und Peter hechtet von der Bordwand beherzt mit einem Kopfsprung ins 22 Grad warme Nass. Wenig später sind wir anderen auch dabei und vergnügen uns beim Planschen um das Boot herum. So unbewohnt wie wir dachten scheinen die Häuser am Hang doch nicht zu sein denn drei Angler suchen Petri Heil bereits am Ufer als wir aufstehen. Nach unserem Badevergnügen trocknen wir in der Sonne, und wie am Vorabend setzt plötzlich wieder diese Dünung ein. Wir sind des Rätsels Lösung keinen Schritt näher gekommen. Vielleicht können wir der Sache bei nächster Gelegenheit mit Hilfe von Tante Google auf den Grund gehen. Während des Frühstücks beschließen wir, diesen Tag doch nicht hier in der Bucht zu verbringen, sondern das Endziel Nea Artaki 15 sm südlich schon anzusteuern. Der Hafen soll klein und von örtlichen Fischerbooten überlaufen sein. Wir hoffen, bei früher Ankunft doch irgendwie einen Liegeplatz zu ergattern. Wir legen ab, diesmal schwimmt Vera zum Ufer und löst die Festmacherleinen unter den zweifelnden Augen der Jungs. Wir lichten den Anker, setzen die Segel und prompt setzt Flaute ein. Wir dümpeln vor uns hin in Erwartung von viel Wind, wenn wir nur erst „um die eine Felsnase“ herum seien. Die Hoffnung erfüllt sich nicht, und so wird der Motor wieder angeworfen. Es ist die letzte Fahrt für Vera und mich, denn nach einer weiteren Nacht auf dem Boot im Hafen werden wir aussteigen und unsere gebuchte Ferienwohnung beziehen.

Gemütlich nähern wir uns unserem Reiseziel. In Erwartung eines überfüllten Hafens steht Peter am Bug bereits vor der Einfahrt einen möglichen Anlegeplatz auszumachen. Viele Masten sind allerdings nicht zu sehen, und, surprise, surprise, es gibt Platz ohne Ende. Der Hafen ist irgendwie zweigeteilt: im Becken zur Stadt hin liegen all die angekündigten kleinen Fischerboote und ein, zwei Kutter. Im anderen Teil haben wir die Qual der Wahl. Diese Überraschung schreiben wir zunächst unserer frühen Ankunft zu. Es stellt sich aber heraus, dass es auch später und während der Folgetage recht beschaulich zugeht. Das übliche Anlegemanöver wird gefahren, das Boot wird festgemacht, das „Sonnensegel“ ausgebracht, und wir suchen die nächste Taverne auf. Die mit der Bestellung des Frappés oder Bieres gekoppelte Frage nach dem WiFi-Code wird positiv entschieden, so dass wir eingegangene Mails beantworten und Reiseberichte schreiben können während wir auf den Hafenmeister warten, der irgendwann auftauchen soll.

Nun, da wir an unserem Urlaubsort angekommen sind, ist Vera neugierig auf die von uns bei air bnb gemietete Ferienwohnung und macht sich auf den Weg. Peter, Kavalier der er ist, begleitet sie, um ihr im Zweifelsfall in dieser fremden Stadt beizustehen. Jörg und ich suchen derweil nach günstigen Flügen von Deutschland nach Athen für denjenigen, der nach uns das Boot besteigen soll (Crewwechsel). So kurzfristig ist allerdings nichts Preiswertes mehr zu finden von der Rhein-Main-Schiene nach Athen. Was bin ich froh, dass wir uns trotz aller Unwegbarkeiten recht früh festgelegt und gebucht hatten! Vera und ich bezahlen für unseren Flug von Athen nach Düsseldorf (nonstop) zusammen € 514. Nun aber liegt der günstigste Preis für ein Einzelticket bei über € 400!

Vera und Peter kommen zurück, Vera etwas skeptisch weil die Vorderseite der Hauses, in dem unsere Ferienwohnung sein soll, an einer viel befahrenen Straße liegt, und Peter… – WOW! – gestylt mit einem gepflegten Bart! Das macht schon was her! Jörg ist an einem solchen Upgrading als Mann nicht interessiert, schade…

Appetit stellt sich ein, und der Wirt bietet an, uns unsere Wünsche zu erfüllen, eine Karte gibt es nicht. Wir ordern Sardinen, Meeresfrüchte und Salat und erhalten das schlechteste Essen des ganzen Törns. Der Hafenmeister ist immer noch nicht aufgetaucht, und wir lassen den Tag in der von allen geschätzten Weise an Bord ausklingen. 

 

Samstag, der 10. Juni, Sonntag, der 11. Juni

Time to say good bye.

Vera und ich räumen die Damenkabine und packen unsere Sachen zusammen. Da wir auf unsere schönen Hartschalenkoffer verzichten mussten und im Packen von Reisetaschen und Seesäcken nicht geübt sind, wird entsprechend chaotisch gestopft. Nächstes Mal werden wir uns mit Handgepäck begnügen, denn Standard in den letzten Tagen war sowieso immer dasselbe: Badeanzug oder Bikini, kurze oder Schlabberhose, T-Shirt, Pullover und Sandalen. Die Kultur lässt sich beschränken auf Zahnpflege, Duschgel und Sonnencreme. Eine Regenjacke für den Fall des Falles würde wohl auch noch passen. Fertig.

Vera und ich genießen noch einmal das Frühstück an Bord, dann lässt sich der Aufbruch nicht weiter hinaus schieben. Da sich in unserem Luxus-Appartement (das übrigens nicht zur Straße, sondern zum Meer hinaus geht) eine Waschmaschine befindet, beschließen wir einen Waschtag für die „Jungs“. Und so machen wir uns mit Sack und Pack auf den Weg. Bei den warmen Temperaturen trocknet die Wäsche auf dem Balkon sehr schnell, so dass alles trocken wieder an Bord geschafft werden kann.

Für den Abend hat Vera im Internet eine Restaurantempfehlung gefunden, der wir folgen. Die Terrasse ist gut besucht, und wir entern einen Tisch direkt am Wasser. Nicht einmal unsere Getränkebestellung versteht die Wirtin (man spricht nichts anderes als griechisch!), die uns eine Menuekarte (immerhin mit englischen Untertiteln…) dann auch mehr oder weniger gleichgültig auf den Tisch wirft. So bringt das alles nichts, scheint sie zu denken und spricht jemanden vom Nachbartisch an. Und siehe da: ein Deutscher, der der Landessprache mächtig ist (oder vielleicht ein Grieche, der sehr gut Deutsch spricht?) kommt auf ihr Geheiß an unseren Tisch und nun wird´s richtig familiär und wir fühlen uns willkommen und gut aufgehoben. Eine üppige Speisen- und Getränkebestellung wird aufgenommen, und der freundliche (sehr charmante  ) Gast erzählt uns, dass er und seine Freunde öfter eigens aus Athen in dieses Lokal zum Essen fahren. Er soll recht behalten mit seinen Empfehlungen, das Essen ist perfekt. Garnelen in zwei verschiedenen Soßen, Tintenfisch, Sardinen, legendäre Pommes, Wein, rot und weiß, Ouzo. Wir sind mehr als zufrieden.

Jörg und Peter werden noch einen Tag länger in Nea Artaki bleiben, um in Ruhe die Yacht zu wienern, was wir vom Balkon unserer Ferienwohnung mit dem Fernglas gut beobachten können. Wir schauen am Sonntag noch einmal bei ihnen vorbei und verabreden uns ein weiteres Mal zum Essen am Abend. Morgen, am Montag, werden die beiden ihre Fahrt fortsetzen und uns Wassertaxi-Dienste nach Chalkida leisten. Vera steht ein letztes Mal am Ruder. In Chalkida muss Jörg allerdings wieder ´ran und den Kampf mit dem „mad water“ (https://en.wikipedia.org/wiki/Trela_nera) aufnehmen, eine legendäre Strömung unter der alten Brücke hindurch, die wohl auch der Grund für den Schwell in unserer Bucht war. Die Brücke öffnet nur einmal am Tag um 23:00 h. Und hier winken wir unserm Skipper und seinem „ersten Offizier“ zu letzten Mal zu. Danke für 10 wunderbar entspannte, für uns abenteuerliche Tage, gute Fahrt, und stets eine Hand breit Wasser unterm Kiel!

 

Urlaub 2017, 10 Tage Segel-Leben

Fazit oder „bitte geben Sie eine Beurteilung ab“: highly recommended!

Wie eingangs betont bin ich was Segeln anbelangt eine totale Laiin mit „Schiss inne Büx“
vorm Untergehen. Diese Segeltour würde ich jedoch jederzeit wiederholen!

Sicher hatte ich großes Glück, dass das Wetter uns hold war und wir fast nur Sonne und wenig Wind hatten, was eine gemütliche Seefahrt garantierte. Ambitionierte Segler wären sicher vor Langeweile gestorben. Ich jedoch habe das „easy going“ richtig genossen.

Voraussetzung für ein solches Unterfangen war für mich auch, dem Skipper vertrauen zu können. Und hier muss ich Jörg ein riesiges Kompliment machen: es gab nicht eine einzige Situation, die er nicht mit Ruhe und Professionalität gemeistert hat, sei es das Festsitzen im Schlick oder „gefangene Anker“ oder Ausloten von Anlegemöglichkeiten, oder, oder, oder. Darüber hinaus erklärte er mit einer Engelsgeduld und ohne ein einziges Mal laut zu werden seine Kommandos, wiederholte zum x-ten Mal geduldig was zu tun sei und übersetzte unsere Alltagssprache wie links, rechts, Strick oder Leine, ziehen oder losbinden geduldig in den Seefahrerjargon auf dass wir es am Ende noch lernen würden. Bereitwillig überließ er Vera auf ihren Wunsch hin das Ruder, nachdem er sie ausführlich instruierte und jederzeit mit Support und Tipps zur Verfügung stand.

Ihm zur Seite stand mit Peter ein ebenfalls erfahrener Segler, der es neben der Unterstützung des Skippers zudem übernahm, uns mit Köstlichkeiten zu verwöhnen. Beide „Jungs“ haben uns wirklich entspannte Tage bereitet. Keine(r) der Crew war ein Erbsenzähler, der sein eines Wasser gegen drei Bier des anderen aufgerechnet hätte, niemand nörgelte herum, kein Kommandoton verdarb die Stimmung, es war einfach rundherum perfekt. Dafür noch einmal ganz herzlichen Dank. Ich hoffe, ich darf noch einmal wieder an Bord kommen, obwohl ich eine Klampe immer noch nicht belegen kann 😉 …

 

Peters Reisebericht 2017

Mo. 19.06.2017

Setze mich um 06:30 Uhr wieder in „meine“Taverne. Kaffee, Internet und ausgiebig mit Sabine telefonieren. Wir freuen uns schon aufeinander.

An Bord zurück, frühstücken wir wieder unter Deck. Diesmal nicht wegen des Regens, die Sonne strahlt. Nein, der Wind ist so stark, daß Jörg fast die Wurst vom Brot fliegt. Beim Frühstück taucht die Frage nach unserem heutigen Ziel auf. Ich schlage Vourkari auf der Insel Kea vor. Dann können wir uns vor den morgen blasenden Meltemi hängen und werden schnell voran gebracht. Gesagt, getan. Nur mit der Genua 3 (das kleine Vorsegel). Mit 6 Knoten kommen wir sehr schnell voran. Der Wind bläst konstant aus nördlicher Richtung. Das bedeutet aber auch Welle von schräg achtern. Die muss ausgesteuert werden. Bedeutet: Mann muß die Welle mit dem Arsch spüren, wenn sie rankommt und, je nach Druck am Ruder, entsprechend gegenhalten. Das bringt Spaß. Kannst du das nicht, fährst du der Seeschlange, die dich verfolgt, um dich zu fressen, einen Knoten in den Hals.

Die Sonne verschwindet hinter einer bösen Wolkenformation. Wir beschließen, dass der Regen, der in den Wolken steckt, uns nicht trifft. Und? Es klappt. Die Wolken ziehen an uns vorbei und die Sonne kommt wieder hervor. Der Wind schlafft etwas. Großsegel setzen, Genua 1 hoch und wir kommen zu einer moderaten Zeit in Vourkari an. Vor Buganker legen wir an der Pier an. Kleiner niedlicher Ort. In der Bucht liegen einige Yachten vor Anker. Wir gehen in eine Taverne direkt am Kai. Essen jeder einen Salat vorweg, in sauer eingelegten Pulpo. Ich Dorade, vorzüglich, Jörg, Baby Kallamari und jeder ein Bier. An den Preisen merkt man dann aber doch die Nähe zu Athen. 70, €. Da haben wir schon für die Hälfte genau so gut gegessen. was solls, gut gesättigt begeben wir uns an Bord, noch einen Retsina und um 22:00 Uhr liege ich in der Koje.

Di.20.06.2017

Stehe wieder früh auf und erkunde das Dorf. Es ist so klein, daß ich in 10 Minuten rum bin. Drei ziemlich teure Klamotten Läden, vier Kaffees, zwei Tavernen. Das wars. Nicht nur die Taverne gestern abend ist hochpreisig.

Ich beschließe, um die Bucht herum zu gehen. Sehr ländlich. Am Ende der Bucht gibt es wieder mal „alte Trümmer“, wie Jörg so schön sagt. Eine bronzezeitliche Ansiedlung liegt hinter einem Zaun geschützt.

Gehe weiter und mache ein paar Fotos. Zwei schwarz bunte Kühe verlassen eigenständig ihren Stall auf einem Berg und weiden. Gänse kreuzen meinen Weg. Setze mich auf eine Bank und genieße die Morgenstimmung. Es ist inzwischen 08:00 Uhr geworden und ich setze mich in eines der drei Kaffees, bestelle einen Kaffee, bekomme einen echten, griechischen, natürlich mit Wasser und diesmal Nichtmitglieder Kekse dazu, sondern auch noch selbst gebackenen Kuchen. Sehr schön.

Ein Deutscher Segler, der in Athen gechartert hat. Spricht mich an, wo es denn hier eine Absaugestation für den Fäkalientank gibt. Zur Erklärung: Es ist EU weit vorgeschrieben, das Fäkalien nicht in das Meer geleitet werden dürfen. So etwas gibt es aber im gesamten Mittelmeerraum nicht. Ich erkläre ihm das und sage ihm, daß es an Bord einen Schalter geben muss, mit dem er den Tank auf See abpumpen muss. So weit zu Theorie und Praxis. Auch unser 60 Liter Tank ist sehr schnell voll, Mann muss ja auch spülen.

Ich helfe ihm beim ablegen und begebe mich an Bord zum Frühstück. Wir beschließen, heute schon nach Lavrion in den Stadthafen zu segeln und morgen in die Lavrion Marina, wo Jörg die 14 Tage auf seine nächste Crew warten muss.

Bei guten Segelbedingungen schaffen wir es um 17:00 Uhr anzulegen. Alles OK, finden einem freien Platz und gehen nach dem Anleger in die Stadt.

Lavrion ist, wie hier alle Küstenorte, touristisch, aber doch dabei ursprünglich geblieben. Viele Tavernen, man wird auch angesprochen einzukehren, aber alles griechisch moderat. Wir gehen in ein Restaurant, welches Jörg noch vom letzten Jahr kennt. Die Portionen sind groß, aber meine Spaghetti Meeresfrüchte sind so, das ich die Muscheln aussortiere. Jörg schafft seine Portion nicht. Er bekommt eine Mail von der Marina, 56, € der Tag. Dafür kann Mann hier ein Hotel Zimmer bekommen. Inakzeptabel. Der Abend endet in der Suche nach einer anderen Marina. So kann es gehen. Kali Nichta.

Mi. 21.06.2017

Gehe in die erwachende Stadt. Auch in Lavrion merkt man die Krise. Viel Leerstand, Gebäude sind nicht fertig gebaut und es ist auch ungewöhnlich, das Griechen dich anbetteln.

Ich gehe einen Kaffee trinken und finde auch das Hafenbüro, hat aber noch geschlossen.

Nach dem Frühstück gehen Jörg und ich da hin und Jörg bekommt einen Liegeplatz für 20 ,€ am Tag. Er ist doch sehr erleichtert. Wir verholen die Yssabeau auf den Liegeplatz. Es ist sehr heiß und ich mache erst ein mal Siesta. Danach ab in eine Taverne und einen Frappé trinken. Weiter zum Supermarkt mit einem sehr guten Fleischer. Jörg möchte von mir nochmal Lamm. Es ist inzwischen nicht mehr so heiß, so dass Jörg mich mit dem Bootsmannstuhl in den Mast ziehen kann und ich das defekte Dampferlicht reparieren kann. Mann hat eine klasse Aussicht von hier oben auf den Hafen und die doch von hier sehr marode Stadt.

Lamm essen, abwaschen und den Abend an der Pier genießen. Morgen ist mein letzter Tag hier an Bord. Werde versuchen online ein zu checken.

Do. 22.06.2017

Dusche morgens in den doch gewöhnungsbedürftigen Sanitäranlagen. Aber es gibt sie. Gehe in die Stadt. Ein Markt wird aufgebaut. Richtig etwas los. Setze mich in ein Café gegenüber des Marktes und beobachte das Treiben. Sehe, wo der Bus abfährt, der mich morgen zum Flughafen nach Athen bringen wird und kaufe noch mal Lamm für heute abend, hat Jörg sich noch mal zum Abschied gewünscht.

Wir Frühstücken und ich mache mich langsam daran, die Klamotten in den Seesack zu verstauen und meine Kabine aufzuklaren.

Wieder einen Frappé in der Taverne, den letzten Tag dieser Reise genießend sitze ich, bei griechischen Klängen im leichtem Seewind, der die Hitze erträglich macht. Freue mich auf Sabine und unser Zuhause, in der Gewissheit, in 7 Wochen wieder an Bord zu sein. Dann mit Sabine.

So vergeht der Nachmittag. Abends essen wir bei angenehmen 24 Grad das letzte mal gemeinsam Lamm, ein Bierchen und ab in die Koje.

 

Fr. 23.06.2017

 

Habe doch nicht so gut geschlafen wie sonst. Stehe um 05:45 Uhr auf, packe noch mein Bettzeug in den Seesack, verabschiede mich vom verschlafenen Jörg und gehe zur Busstation. ich habe etwas Zeitpuffer, 1 1/2 Std., eingebaut, da ich nicht genau weiß, wo der Bus abfährt und wie lange er zum Flughafen braucht. Einen Kaffee, zwei belegte Baguette als Reiseproviant. Ich stelle mich da hin, wo viele Menschen stehen und siehe da, der Buss kommt. Airoport? der Fahrer nickt und ab gehts. Einmal umsteigen und schon bin ich nach 70 Minuten an dem mir, von der Hinreise wohlvertrauten Flughafen Athen. Der Flug findet statt, er startet pünktlich, er landet pünktlich, alles klar?

Nein!!!!!!!

Wir dürfen aus „Sicherheitsgründen“, wie der Kapitän selber verkündet, nicht aussteigen.

Nach ca. 10 Minuten kommen zwei Polizisten an Bord, zählen die Reihen ab und nehmen eine ca. 50jährige Frau mit von Bord. Jetzt dürfen wir auch und ich bin in meinem Hamburg.

Bis in 7 Wochen

Peter

 

Kali Mera wünsche ich.

Fr. 09.06.2017 Fortsetzung.

Die Taverne erweist sich als Wifi und Frappé tauglich. Bei 35 Grad sitzen wir im Schatten und werden die Welt nicht retten, aber den Reisebericht habe ich gleich abgeschickt. Angeblich soll der Hafenmeister heute abend kommen. Vera ist ganz unruhig, sie möchte sich ansehen, wo ihre Ferienwohnung liegt. Ich begleite sie. Es sind nur ein paar hundert Meter. Hausnummern sind hier in Griechenland nicht immer üblich, aber wir glauben es gefunden zu haben. Der Eingang liegt an einer viel befahrenen Straße, die Balkone gehen jedoch direkt zum Meer. Vera, unsere Bedenkenträgerin, hat Angst daß das Apartement zur Straße raus geht. Ich glaube nicht daran und versichere ihr, dass sie morgen ein Wunderschönes Apartement mit Meerblick bekommen wird.

Auf dem Rückweg zum Schiff spiegelt sich mein Gesicht in einer Scheibe. Was schaut mich denn da an? Mein Gesicht ist völlig zugewachsen. Ich habe meinen Rasierer gleich im ersten Hafen, auf dem Weg zur Dusche verloren und in den Spiegel auf der Yssabeau habe ich seit dem nicht mehr geschaut. Ich brauche eine Bartpflege. Der nächste Frisör ist meiner. Ein sehr stilistisches Friseurgeschäft spricht mich an und ich gehe rein. Fünf junge, sehr gut aussehende Frisörinnen, könnten gut meine Enkeltöchter sein, lächeln mich an und bitten mich, Platz zu nehmen. Ich erkläre, daß ich nur den Bart gestutzt haben möchte. Elfengleich umschweben mich gleich zwei von ihnen. Legen mir Schminkpads auf die Augen. Mit zarten Händen massieren sie mir gut riechende Flüssigkeiten ins Gesicht. Stutzen den Bart. Geben ihm noch mit dem Rasiermesser Form. Zwischendurch werden die entfernten Stoppeln mit einem weichen Pinsel von meinem Gesicht entfernt. Massieren nochmals mit zarter Hand eine gut riechende Paste ins Gesicht. Nehmen die Schminkpads von meinen Augen. Fragen mich, ob ich zufrieden sei und diese ganze Wellness Behandlung kostet mich gerade mal 5 €.

Bei meiner Rückkehr im Eiskaffee, wird mein formschöner Bart von den beiden Damen entsprechend gewürdigt. Ich schlage Jörg vor, doch auch so eine Wellnesskur zu machen. Seine Antwort: „Den Bart kann ich mir auch alleine schneiden. Jörg weiß gar nicht was ihm alles entgeht. Abends essen wir in der Taverne ganz ok. gehen auf einen Ouzo an Bord und ab in die Koje.

Sa. 10.06.2017

Stehe um 06:00 Uhr auf und schlendere wieder mal durch die erwachende Stadt. An der Hafenmeile ist alles noch ruhig. Vor einer kleinen Taverne sitzt ein alter Mann, Kalimera.

Ich setze mich an einen Tisch, bestelle einen Greec Kaffee und wir  beiden genießen die Ruhe. Wir beobachten einen Spatzen, wie er zwischen unseren Füßen Krümel aufpickt, wegfliegt, wiederkommt, immer wieder. Der alte Mann erklärt mir mit Händen und Füßen, dass der Spatz jeden Morgen kommt und die Krümel seinen Jungen ins Nest bringt.

Gelassenheit zwischen uns. Schreibe ein bisschen mein Tagebuch, schaue in meine Mails. A pro pro. Danke an Euch für Eure Rückmeldungen. Es freut mich immer, wenn ich merke, daß die Berichte gelesen werden und es ist natürlich auch schön, auf diesem Weg Verbindung in die Heimat zu haben.

Kaufe Brot und schlendere zur Yssabeau zurück. Da der Hafenmeister sich noch nicht blicken gelassen hat, er wird sich die ganzen 3 Tage nicht blicken lassen, so dass wir hier 3 Tage umsonst liegen, eben griechisch, teste ich die verschiedensten E.  Anschlüsse am Kai, und siehe da, einer geht, wir haben Strom. Sehr gut. Ein letztes gemeinsames Frühstück mit den Mädels, da sie heute um 12:00 Uhr ihre Ferienwohnung übernehmen. Sie packen ihre Sachen zusammen, ich befreie das Deck vom Salz. Jörg und ich packen unsere schmutzige Wäsche, um sie in der Wohnung zu waschen und wir ziehen alle zusammen los. Die Ferienwohnung ist spitze. Ca 80 Quadratmeter groß, komplett ausgestattet, Meerblick, riesiger Balkon. Die Waschmaschine arbeitet und wir verbringen den ganzenTag klönend und dösend, nur vom Aufhängen der Wäsche unterbrochen, auf demselben. Abends gehen wir in eine Fischtaverne am Hafen. Die Chefin ist ein Trude Herr Typ. Gewöhnungsbedürftig. Kann kein Englisch. Brummelt vor sich hin, macht komische Grimassen, spricht uns an, wedelt mit den Armen. Wir wissen nicht so recht, wo wir dran sind. Bestellen dann mit der Hilfe eines anderen Gastes, der sehr gut Deutsch spricht. Er ist, mit dem Auto und seiner Familie aus Athen hier her gefahren, um in dieser Taverne zu speisen, macht er öfter. Wir nehmen seine Empfehlungen aus der Speisekarte an. Salat, Sardinen, Shrimps und Feta in roter Sauce, Shrimps und Feta in Zitronensauce, Muscheln, eine Riesen Portion Pomesfrites  in Olivenöl gebraten und dem Hauswein. Habe selten so gut gegessen. Die Rechnung: 50 € für alles, kann man nicht meckern, oder? Wir verabschieden uns herzlich von den Mädels. Gehen an Bord, noch einen Ouzo, beschließen morgen noch hier zu bleiben, da wir planen müssen, wie es weiter geht. Nördliche Sporaden, oder gleich Richtung Athen.

So.11.06.2017

Schlafe bis um 10:00 Uhr!!!!! Bin ziemlich erschrocken. Frühstücken und dann an die Arbeit. Jörg in das so genannte “ Harnsteinzimmer“ und ich ziehe wieder in das Vorschiff.

Staubsauger an und die Polster saugen. An die Hausfrauen unter euch: Stellt euch vor, ihr habt eine Wohnung direkt am Strand und Tag und Nacht alle Fenster und Türen auf. Der Beutel im Staubsauger wurde ziemlich an seine Grenzen gebracht. Die Mädels kommen uns besuchen und testen das frisch gereinigte WC. Wir verabreden uns für den Abend in unserem Fisch Restaurant.

Jetzt an die Törn Planung.

Um die Insel Euböa herum, in die nördlichen Sporaden würde mindestens 6 Tage dauern. Richtung Athen wesentlich kürzer. Da Jörg, wenn ich absteige 14 Tage keine Crew hat, möchte er gerne in einen Hafen oder Marina liegen, wo er eine gute Versorgung hat. Wasser, Strom, Dusche, gut sortierter Supermarkt. Also nehmen wir die kürzere Strecke und erkunden gemütlich die Häfen. Gehen in eine Taverne, Frappé trinken und ich telefoniere lange mit Sabine über FaceTime. Wir freuen uns beide auf unser Wiedersehen.

Die Mädels rufen an und wir verabreden uns wieder in der „Trude Herr“ Taverne. Eben solch Spitzenessen wie gestern. Trude erkennt uns, freut sich und es wird ein entspannter, gemütlicher Abend, sogar noch mit Lachjoga am Ende. Am Nachbartisch sitzen drei sehr fröhliche junge Frauen. Eine von ihnen hat eine unwiderstehliche Lache. Wir fallen mit ein, und beim weggehen werden wir fröhlich verabschiedet.

Mo. 12.06.2017

Stehe um 05:45 Uhr auf, hab ausgeschlafen. Es kachelt draußen ganz schön. Der angesagte Meltemi bläst mit guten 6 Bft. Gehe mich am Strand duschen und schlendere durch die erwachende Stadt. Finde eine schon geöffnete Bäckerei, trinke einen Kaffee, schaue dem beginnenden Verkehr zu, kaufe um 08:00 Uhr noch etwas Proviant und kehre zur Yssabeau zurück. Werden heute die Negro Point Bridge passieren. Sie verbindet die Insel mit dem Festland, da liegen nur 30 m dazwischen. Wird nur 1 X am Tag geöffnet und zwar nachts. Machen die Yssabeau nach dem Frühstück klar und gehen noch einen Frappé trinken. Die Mädels werden mit uns, die drei sm nach Chalki mitfahren, wo wir am Kai festmachen, um auf die Öffnung der Brücke zu warten. Sie möchten sich die Stadt und vor allen Dingen die „mad Water“ ansehen. Ein Phänomen, über das schon Aristoteles geforscht hat und welches bis heute noch nicht erklärbar sei. Diese Wasser haben es wirklich in sich, steht auch im Hafenhandbuch. Und wir müssen da mit der Yssabeau durch. Aber davon im nächsten  Bericht

Von einer schönen Reise

Peter

Gesendet mit der WEB

 

So. 04.06.2017

Der Ort ist mir hier zu weit vom Hafen entfernt, gute 2 km. Also schlafe ich aus. Es hat einen gut Teil der Nacht geregnet. Das Cockpit ist noch etwas naß, aber die Sonne strahlt schon wieder und trocknet es im nu, so dass ich das Frühstücksgeschirr an Deck stelle und Kaffee kochen kann. Die Mädels haben gestern auf einem Fischkutter, der heute Nacht rausgefahren ist, Fisch geordert. Jutta und ich gehen zum Kutter. So wie der aussieht, wundert es mich, daß der überhaupt noch schwimmt. Wir möchten 5 kleine Makrelen. Pro Makrele 1 € das ist Jutta zu viel sie möchte mehr. Er packt noch 2 dazu und möchte 7 €. Jutta gibt im die Makrele zurück. Er packt noch eine dazu und so geht es hin und her bis wir mit 9 Makrelen für 5 € abziehen. Klasse Jutta. Da wir heute nur ca. 24 sm vor uns haben, lassen wir uns beim Frühstück Zeit. Auf dem Wasser verlässt uns der Wind völlig. Werden den ganzen Tag motoren müssen. Die Mädels werden immer besser und es sind ja auch 4 Hände mehr an Bord. Vera ist sehr oft am Ruder und somit kann ich dösen, die Landschaft entspannt an mir vorüber ziehen lassen und, wie sagen die jungen Leute? Abchillen. Als wir in Agioiannis einlaufen, stellt sich heraus, daß der Hafen voll ist. Kein Liegeplatz. Also weiter motoren bis nach Karigiorgis. Finden da auch noch einen Liegeplatz mit Buganker am kleinen Kai vor einem sehr kleinen Örtchen in einer Bucht. Sehr idyllisch. Wir haben zwar heute morgen frischen Fisch gekauft, werden jedoch von Vera und Jutta zum Essen eingeladen. Es soll hier eine vorzügliche Fischsuppe geben. Der Kühlschrank an Bord funktioniert sehr gut und so bleibt der Fisch eben bis morgen da drinnen.
Leider haben wir wohl das falsche Restaurant erwischt. Die Suppe schmeckt zwar sehr gut, aber meine Shrimps sind doch weit von vorzüglich entfernt. Trotzdem ist es ein gemütlicher Abend. Und wir genießen. Den schönen Blick über die Bucht, das laue Wetter und die nette Unterhaltung. Einen Ouzo und ab in die Koje.

Mo. 05.06.2017

Gehe nach dem Erwachen in das nette Dörfchen und setze mich in ein kleines Restaurant. Schreibe etwas und warte, bis die Besitzerin öffnet, trinke einen Kaffee, kaufe Brot und schlendere zum Schiff zurück. Gehe in dem türkiesfarbenen Wasser schwimmen und bereite uns dann das Frühstück.

Wir schauen was der Wind macht und entscheiden uns für die gemütliche Variante. Segeln mit achterlichem Wind nach Oreoi auf Evvoia, die zweitgrößte Insel Griechenlands. Zur Erklärung: Wir segeln seit die Mädels aufgestiegen sind von Thessaloniki immer Richtung Süden an dem griechischen Festland entlang und werden die beiden in Nea Artaki auf Evvoia absetzen, wo sie noch eine Woche Strandurlaub machen werden. Jörg und ich werden dann mal schauen, wo der Wind uns hin bläst.

Die Entscheidung uns vor den Wind zu hängen ist goldrichtig. Gute Fahrt im Schiff, kaum Welle, bedeutet kein Schaukeln im Schiff, so daß die Mädels auch unter Deck gehen können, ohne das Ihnen schlecht wird. Besonders Vera leidet unter Deck sonst immer. Sowie sie aber am Ruder oder auf Deck ist, geht es Ihr gut.
Gegen 15:30 machen wir in Oreoi fest.

Klasse. Wir liegen vor Buganker an der Kaimauer und schauen auf den direkt dahinter liegenden Strand. Nach dem Aufklaren der Yssabeau und dem obligatorischen Anleger gehen die Mädels und ich gleich schwimmen. Sehr erfrischend. Direkt am Strand befindet sich auch eine funktionierende Dusche, besser kann’s doch nicht werden, oder? Jörg geht mit den Mädels das Städtele erkunden, ich entsalze meine Klamotten, indem ich sie in der Spüle wasche. Danach gehe ich in ein 50 m vom Schiff entferntes Eiskaffee, wo der Rest der Crew sitzt. Es gibt da sogar schnelles WiFi, klasse. Wir sitzen und schauen. Genießen. Lassen das hier sehr sehr ruhige Leben an uns vorbeiziehen und beschließen, morgen hier zu bleiben und einen Hafentag einzulegen.

An Bord zurück, bereite ich die Makrelen in der Pfanne zu, Vera macht einen leckeren Salat und Brot haben wir auch noch. Bis auf Jörg, der lange Zähne bekommt und natürlich andauernd Gräten aus seinen Zähnen pult, schmeckt es allen vorzüglich. Jutta behauptet: Wer seinen Fisch so wie Jörg “ massakriert“, der muss ja Gräten im Mund haben. Weinchen und Plomary runden den Abend ab.

Di. 06.06.2017

Gehe früh in die Stadt und erkunde sie. Kaufe Brot und setze mich in das Eiscafé, um zu genießen. Mein Zeitgefühl geht dabei völlig verloren. Plötzlich klingt ein Gesang in meinen Ohren. „Wir haben Hunger, Hunger, Hunger, haben Hunger, Hunger, Hunger, haben Durst“.
Jutta steht vor mir. Es ist 10:00 Uhr.

Ich reiche ihr das Brot, gehe noch einmal in die Keramikabteilung des Kaffees und setze mich an den gedeckten Frühstückstisch. Danach machen Jörg und ich die Törnplanung für die nächsten 3 Tage bis die Mädels aussteigen. Welche Häfen können wir bei unserem Tiefgang von 2 m anlaufen? Wie weit liegen sie auseinander? Wenn zu weit, welche Ankerbuchten sind bei welcher Windrichtung sicher? In den Gewässern, in denen wir uns zur Zeit bewegen, gibt es Tide und der Strom setzt auch. Das scheint windabhängig zu sein, und deshalb gibt es keinen Tidenkalender und die Tiefenangaben in den Karten stimmen auch des öfteren nicht mit der Wirklichkeit überein. Also, Häfen unter 3 m werden nicht angelaufen.
Gehe danach baden und treffe die Crew wieder in der Eisbar, wo wir den ganzen Tag bei 35 Grad abhängen.

Frappé, zwischendurch Backlava, Kaffee, andere Schiffe kommen und gehen, ein Stückchen Gebäck gefüllt mit Schafskäse und Schinken. Es wird Nachmittag, ein Bierchen. Die Hitze wird etwas erträglicher und Vera und ich gehen einkaufen für die nächsten drei Tage.

Jörg duscht danach mit dem Schlauch an Deck. Die Mädels möchten ihm den Schlauch halten und es wird ein wildes Gespritzte und Gekreische daraus. Lachend und pudelnass, bis das Wasser in der Hitze verdampft ist, machen wir uns an die Vorbereitung für das Abendessen.

Vera bereitet uns einen vorzüglichen Zuchinieintopf. Der Abend wir etwas kühler und wir sitzen nach dem Abwasch Geschichten erzählend fröhlich bei Weinchen, Retsina und Ouzo im Cockpit.

Mi.07.06.2017

Heute geht’s weiter. Bade und dusche am Strand. Gehe Brot kaufen und einen Kaffee trinken in unserer Eisbar. Schreibe ein bisschen und hole noch frische Wurst und Käse ein, um danach, heute rechtzeitig, an Bord zum Frühstück zu erscheinen. Während des Frühstücks legen unsere Nachbarn ab und da haben wir das Maleur. Sie haben unsere Ankerkette erwischt. Bekommen sie aber nicht hoch. Einer der Besatzung taucht, kommt aber nicht bis zum Grund. Sie sind der Meinung es sei die Ankerkette eines anderen Schiffes, aber unsere Kette ruckelt eindeutig, sie glauben uns nicht, ok dann sollen sie zusehen, wie sie klar kommen.

Wir behalten Sie weiter im Auge und siehe da, sie haben nicht nur unse Kette sondern den ganzen Anker aus dem Grund gezogen. Schitt. Sie befreien sich aus unserem Anker und schmeißen unseren Anker einfach wieder auf den Grund. Da sie in der Zwischenzeit aber vertrieben sind, fällt der genau über die Kette eines englischen Schiffes. Nicht sehr seemännisch. Jetzt sollten wir aber schnell loskommen. Mädels runter zum Abwasch, Jörg und ich machen die Yssabeau an Deck klar und ablegen. Fender bleiben noch draußen, wer weiß, was noch passiert. Jörg am Ruder, ich an der Ankerwinsch. Ankertaue und? Ich merke wir haben die englische Ankerkette. Zum Glück schaft unsere Winsch es, die Kette über die Wasseroberfläche zu ziehen. Tauwerk von achtern holen, an der Klampe belegen, Palsteg ans andere Ende, mit Hilfe des Boothakens das Tau unter die englische Kette unter durch, Palsteg raus, das Ende auch auf der Klampe belegen, unseren Anker fieren (runterlassen) einen Augenblick später ist er frei. Anker aufholen und das belegte Tau lösen. Die englische Kette rauscht wieder auf den Grund. Wir sind nach 10 Minuten frei.

Die nördliche Ägäis ist, zumindest zur Zeit, kein gutes Revier zum segeln. Kaum Wind und wenn Wind, dann aus der falschen Richtung. So auch heute. Wir motoren 2 h, dann 2,5 h segeln und wieder 1 h motoren. Das macht uns aber gar nichts aus. Die Sonne scheint. Wir singen und lachen, erzählen uns Geschichten. Mittags gibt es aufgewärmte Reste von gestern. Vera ist, auch beim Motoren nicht vom Ruder weg zu bekommen.

Einige dösen, andere schreiben und so vergeht der Tag schnell.

Gegen 18:00h legen wir in Loutra Adiposi an. Jörg kocht Thai Huhn Die beiden Mädels kommen zum Abendessen von ihrem Gang durch Städtele zurück. Essen, Abwaschen, Weinchen und ab in die Koje.

Do. 08.06.2017

Stehe relativ früh auf und schlendere durch die erwachende Stadt. Hier soll es eine Therme geben, deren Wasser sehr gut gegen Rheuma helfen soll. Ich schlendere an der Promenade entlang und tatsächlich, am Ende steht ein sehr schönes Wellnesshotel und gleich dahinter sehe ich einen kleinen Strand, wo sich Menschen in meinem Alter im Wasser und in kleinen wassergefüllten Felsbecken tummeln. Hin, Badehose an, rein ins Becken. Aua! Das ist mir zu heiß. Also eine Stufe tiefer wo das heiße Wasser sich mit Meerwasser vermischt. Sehr angenehm. Unterhalte mich mit einem neben mir sitzenden Rumänen, der sehr gut Deutsch spricht.

Nach ca. 20 Minuten verlasse ich dieses warme Örtchen und suche einen Bäcker. Zwischendurch ein Käffchen, etwas Schreiben und ab zum Frühstück.

Gegen 11:00 Uhr legen wir ab, um in eine ca. 23 sm Ankerbucht zu Segeln. Etwas schwacher Wind, aber er dreht nach einer Stunde in unsere Richtung, so dass wir mit knappen 4 Kn ( 7 kmh ) gemütlich segeln. Vera steht wie immer am Ruder, sie hat richtig gefallen gefunden am Segeln. Möchte gerne mit Jörg und mir über den Atlantik in die Karibik segeln. Ich mache uns Schnittchen, essen gemütlich und genießen. Der Wind dreht so, daß wie wieder kreuzen müssen. Am Festland zieht ein Gewitter auf und wir bekommen einen Regenschauer ab. Aber das Gewitter bleibt über dem Festland.

Wir kommen der geplanten Ankerbucht näher. Motor an, Segel runter. Was ist das? Eine riesige Fabrik mit rauchenden Schloten beherrscht die ganze Bucht, ist aber auf der anderen Seite. Vor der von uns ausgewählten Bucht ist eine große Fischzuchtanlage und in der Bucht die dazugehörige Fischverarbeitung. Da möchten wir nicht Ankern.

Kurze Besprechung, Plan B, weiter zur nächsten Bucht.

10 sm motoren und nächster Versuch. Hier wird das Ufer von einer völlig verfallenen Taverne beherrscht, sonst nichts. Wir fahren die Bucht ab und entscheiden uns vor der Ruine zu ankern. Ziemlich Tiefer Grund also viel Kette. Anker fällt, mehr Kette, er greift nicht, fühlt sich wie Felsgrund an. Abbrechen, Anker auf und auf die andere Seite der Bucht. Der Grund besteht hier aus Sand und Bewuchs. Gut. Anker raus und mit dem Heck näher ans Ufer. Badehose und Schwimmflossen habe ich vorher bereitgelegt. Achterleinen um den Körper gelegt und ans Ufer schwimmen, um einen geeigneten Fels zum befestigen zu finden. Es erweist sich als schwierig die messerscharfen Felsen zu erklimmen, aber es ist nicht unmöglich. Wieder zum Schiff zurück, zweite Leine und alles noch einmal, diesmal weiter Steuerbord. Die Festmacherleinen liegen ziemlich parallel. Ideal währe ein gleichseitiges Dreieck, aber es ist ok. Anker straffen und jetzt wünsche ich mir ein Bier als Anleger, gegen das Salzwasser. Danach koche ich uns Lamm mit Bohnen auf dem Petroleumkocher und wir verspeisen alles in der einsamen Bucht.

Fr. 09.06.2017

Stehe um 07:00 Uhr auf und merke, so einsam ist diese Bucht gar nicht. Drei Angler waren schon vor mir auf. Springe ins Wasser, 22 Grad Wassertemperatur und schwimme ein wenig. Langsam wird auch der Rest der Crew wach. Macht seine Morgentoilette ebenfalls beim Baden und beim Frühstück entscheiden wir nach Nea Artaki zu Segeln, wo morgen die Mädels absteigen werden, um Ihre eine Woche Strandurlaub zu machen.
Aus dem Segeln wird nichts. Kein Wind kein Segeln. Also motoren wir die 15 sm und landen zufrieden in Nea Artaki. Festmachen, Anleger und danach in die Taverne.

 

Di. 30.05.2017

Das Örtchen stellt sich mir auch bei meinem morgendlichen Rundgang als sehr gemütlich dar. Müssten wir nicht am Donnerstag die beiden Frauen Jutta und Vera in Thessaloniki an Bord nehmen, könnte man ohne weiteres hier einige Hafentage verbringen, da Kassandra auch Landschaftlich bestimmt einiges zu bieten hat. So ist das aber nun mal. Rentner haben eben wenig Zeit. Aber im Ernst. In Griechenland könnte man ein Leben lang segeln und würde immer noch nicht alle schönen bzw. sehenswerten Fleckchen kennen. Nach meinem obligatorischen mit Olivenöl getränkten Brot mit Tomate, Zwiebel und Schafskäse belegt, legen wir in die Flaute ab. Wie so oft, setzen wir mehrfach Segel, wenn die Hoffnung auf Wind am Windanzeiger erscheint. Nützt aber wenig. Also weiter motoren. Die letzten 2 h fangen wir aber doch etwas Wind und segeln gemütlich Richtung Sani Marina. Riesiger künstlich angelegter Hotel Komplex mit einer Marina in der wir wieder mal der kürzeste Mast sind. Hier herrscht der Mammon. Ein Motorboot größer als das andere. Macht sich auch in den Liegegebühren bemerkbar. 70 € die Nacht. Dafür kann ich endlich mal wieder duschen. Herrlich. Habe in Nea Skioni Koteletts gekauft und die kommen nach dem Duschen in die Pfanne. Hatte, beim Kauf, anscheinend Hunger. Selbst Jörg wird nachher von dem großen Fre…. sprechen. Dazu gibt es viele Zwiebeln, Kartoffeln und, ist zu dieser Jahreszeit hier überall zu bekommen, einem Blumenkohl. Bekomme beim Gemüseputzen Besuch von zwei deutschen Kindern auf dem Steg. Drei und vier Jahre alt. Sind mit Opa und Mamma auf einem Eigner Schiff und haben auch schon mal Fender ins Wasser geworfen, wie sie mir berichten. Sie unterhalten mich und fragen mir Löcher in den Bauch. Ob ich eine Kapitänsmütze auf habe? Warum wir so viele Bänder an Bord haben? Wie wir aufs Schiff kommen? Usw. und so fort. Sehr angenehme und freundliche kleine Menschen. Da wir morgen 42 sm nach Thessaloniki vor uns haben, gehen wir nach dem Abwasch schon um 23:00 Uhr in die Koje.

Mi. 31.05.2017

Duschen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen, bei mir macht es eher die Gelenke gangbar. Haben mir früher immer die alten Leute erzählt. Heute erzähle ich es Euch. Wie sich die Zeiten doch ändern.
Frühstücken, Schiff klar machen und raus auf die große weite See. Um 12:30 Uhr kommt auch Wind auf und sogar aus der richtigen Richtung und wir ziehen die Segel auf, machen gute Fahrt und genießen die doch sehr ruhige See, das langsam vorbeiziehende Ufer und die Sonne. Außer uns wird uns bis Thessaloniki kein anderes Segelschiff begegnen. Das Segelrevier ist hier nicht so befahren. Ab und zu segeln wir, an von Fischern ausgelegten Bojen vorbei, wahrscheinlich mehrere hundert Meter lange Grundangeln, da immer Zwei gleich beflaggte Bojen in großem Abstand vorbei schwimmen. Nach einem erholsamen Segelttörn erreichen wir gegen 18:00 Uhr Marina Aretsou in Kalamaria bei Thessaloniki. Die Marina. Der Stadthafen ist der Berufsschifffahrt vorbehalten. Schiff aufklaren, duschen, und beim Essen (alles was noch da ist) an Deck den Joggern zusehen, die vor unserem Kai um einen kleinen Park ihre Runden laufen. Gefühlte Hunderte. Gehen früh ins Bett, da morgen das ganze Schiff aufgeklart werden soll. Die Mädels landen Nachmittags und steigen auf.

Do. 01.06.2017

Nach dem Duschen und „Restefrühstück“ geht’s an die Arbeit. Ich Deck schrubben, Jörg die Küche und das Klo einer Generalreinigung unterziehen. Pause. Dann, staubsaugen, mit meinen Sachen in den Salon umziehen und die Vorschiffs Kajüte gründlich aufklaren. Schon sind Jutta und Vera da. Die Duschen erst mal mi dem Wasserschlauch auf dem Kai. Es ist heiß geworden, um die 28 Grad. Ein willkommen Bierchen und erzählen. Gegen 18:00 Uhr besprechen wir den Einkauf. Verpflegung für die nächsten drei Tage und ab in die Stadt. Wir Finden nach mehreren Anläufen einen gut ausgestatteten Supermarkt, der alles hat, was wir brauchen, außer Fleisch. Jutta fährt mit dem Lieferservice und dem Einkauf zum Schiff und Vera und ich machen uns auf die Suche nach einem Schlachter. Sie kommt dabei nicht an dem fliegenden Händler mit frischen Kirschen vorbei. Da der Händler kein Wechselgeld hat, bekommt sie den Wechselbetrag in Aprikosen zurück. Wir fragen nach einem Schlachter. Es stellt sich heraus, dass die sehr freundliche Dame, die wir befragen, deutsch spricht. Das passiert hier des Öfteren. Das wir jedoch gleich auf einen Kaffee in die Wohnung eingeladen werden ist mir noch nicht passiert. Lehnen bedauernd ab, da wir ja an Bord erwartet werden. Sie erzählt uns, daß sie sich hier eine Eigentumswohnung von dem Geld, was sie in Deutschland verdient hat, gekauft hat. Freundlich plaudernd begleitet sie uns zur nächsten Ecke und weist uns den Weg.
Wir ordern Lammkotelett, Hühnerbrust und Hack. Der Schlachter packt noch eine undefiniert aussehende riesige Wurst als Geschenk dazu, freut sich über unsere erstaunten Gesichter und bekommt von uns auch noch zwei Aprikosen.
Beim Schiff angekommen entscheiden wir uns, von den 1 1/2 kg Hackfleisch die Hälfte zu. Spaghetti Bolo zu machen. Der Abend wird lang und der Ouzo trägt zum kennenlernen gut bei.

Fr. 02.06.2017

Erster Segeltag mit der neuen Crew. Haben uns nur 20 sm vorgenommen. Jörg macht mit den Damen eine Sicherheitseinweisung. Schwimmweste anlegen, wo befinden sich die Feuerlöscher, Handhabung der Seeventile etc. Einweisung in die Bordtoilette. Die Bucht vor Thessaloniki ist so spiegelglatt wie ein Ententeich. Nach einer Stunde briest es auf und wir kommen unter Segeln gut voran. Die beiden Mädels stellen sich sehr gut an. Und dann sind sie auch wieder da. 5 Delphine. Sie begleiten uns kurz und verschwinden wieder. Um kurz nach fünf erreichen wir die Hafeneinfahrt.
Segel runter, Fender raus, Festmacher Leinen bereitmachen und…………… Ein Ruck geht durch das Schiff. Wir sind mitten in der Hafeneinfahrt aufgelaufen. Ich glaub das nicht. Was Tun? Rückwärts Fahren. Nichts tut sich, die Yssabeau liegt fest. Jörg schickt uns alle auf die der Welle abgewandte Seite, die Yssabeau neigt sich etwas zur Seite, somit wird der Tiefgang etwas verringert und wir kommen frei. Puh. Noch mal gut gegangen. In den Hafen kommen wir jedenfalls nicht rein. Überlegen. Entscheidung treffen. In den nächsten 10 sm entfernten Hafen. Ich runter an die Navi, gleiche Hafentiefe angegeben wie hier. Schlecht. Nächster Hafen ist gut, aber 20sm entfernt. Würden gerne vorm dunkel werden anlegen, könnte knapp werden. Jörg und ich setzen uns kurz zusammen und entscheiden uns für die sichere Variante. Also Motor an, da der Wind genau von vorne kommt, und Strecke machen. Wir schaffen die 45 Sm gut vorm Dunkelwerden, und machen in der Marina von Platamon fest. Da ich schon auf See mit dem Gemüse putzen angefangen habe, kann Jörg sofort mit dem Kochen anfangen. Es gibt Huhn süß sauer. Mit dem Abwasch sind wir um 23:10 Uhr fertig und suchen dann auch die Koje auf.

Sa.03.06.2017

Gehe morgens wieder einmal in die erwachende Stadt. Trinke meinen obligatorischen Kaffe und fühle mich einfach nur wohl. Frühstück und ablegen. Wir versuchen auch zu segeln, kommen aber kaum voran. Irgendwann gar nicht mehr. Gute Gelegenheit zum BADEN. Also: Fender an eine Festmacherleine, auf der Klampe belegen, über Bord damit, Klamotten vom Leib und hinterher. Klasse, das Wasser hat 21 Grad und ist sehr erfrischend. Vera, Jutta und ich Baden eine halbe Stunde. Wieder an Bord sehen wir doch tatsächlich wieder Delfine. Sö schön kann Segeln im Mittelmeer sein. Etwas Wind kommt auf und wir kreuzen gegen den Wind. Ich stehe am Ruder, der Rest döst so vor sich hin, herrlich. Gegen 18:30 Uhr legen wir in dem kleinen Fischereihafen von Agiokampos längseits an der Pier neben drei Fischer Booten an und es gibt Lamm mit Bohnen. Allerdings müssen wir den obligatorischen Ouzo im Salon einnehmen, da das Wetterleuchten und die Blitze, welche schon seit einer Stunde zu sehen waren, sich in Regen entlädt. Ist auch Zeit für die Koje.

Ich habe gerade Internet
Liebe Grüße Peter

 

Fr. 26.05.2017

Stehen um 06:00 Uhr auf, um die 58 sm nach Myrina auf Limnos hoffentlich zu segeln. Machen bei gutem raumen Wind ( schräg von achtern) sehr gute Fahrt. Die Welle schiebt und läuft unter dem Schiff untendurch, kommen wir auf 7 kn. Klasse, so macht Segeln Spaß. Ich ärgere mich immer noch ein bisschen darüber, daß ich meinen Fuß nicht auf die Insel setzen konnte, von der mein Lieblingsouzo stammt. Was soll’s, wegpacken und genießen. Um 14:30 Uhr kommt eine, über den ganzen Horizont reichende waltzenartige Wolkenfront auf uns zu. Kein Regen, kein Gewitter. Ok. Unter der Wolke dreht der Wind und flaut völlig ab. Also, der interessierte Leser ahnt es schon, Motor an und die letzten 3 1/2 h Motoren. Legen dann an der Stadtpier vor Buganker an. Der Ort ist sehr beschaulich und wir beschließen einen Hafentag einzulegen. Abends gehen wir in einer Hafentaverne essen. Der Oktopus in Essig und meine 16! gegrillten Sardinen sind spitze, Jörgs Mixetgrillteller unter aller S… 1 kaltes Suflaki und 2 kleine Frikadellen mit 10? Pommes. Das sagen wir auch. Kein Trinkgeld. Auf dem Schiff gibt es noch einen Wein und schlafen.

Sa. 27.05.2017

Schlafen bis 10:00 Uhr. Ich wußte gar nicht, dass ich das noch kann, aber die letzten Tage waren auch anstrengend. Frühstücken und melden uns beim Hafenmeister an. Pro Tag kostet uns der ganze Spaß hier, 6 € Liefergebühren und 2,5 € Strom und Wasser, Griechenland ist günstig für uns. In so manch einem Hafen kommt aber auch gar keiner zum Kassieren. Bunkern Wasser und 60 Liter Diesel. Bei den Motorstrecken unumgänglich. Ich mache eine kleine Handwäsche und kaufe danach Lammfleisch beim Schlachter. Der holt ein ganzes Lamm aus der Kühlung und zerlegt es vor meinen Augen für 1 1/2 Kg 10€. Kann man nicht meckern. Auf der Yssabeau lege ich es in Öl und viel Gewürz mit Knoblauch ein. Danach durch die Stadt, die im Siestakoma liegt und um 15:45 Uhr habe ich einen Termin. Muß doch meinen obligatorischen Friseurbesuch machen. Der macht seine Sache inkl. Bartschneiden sehr, sehr gut. Den obligatorischen Frappé nehmen wir am Hafen ein. Natürlich mit Wifi Anschluss. Ich bereite Lamm mit Blumenkohl und Kartoffeln. Schmeckt allen Beteiligten gut, äußerst zart. Obwohl, oder besser, gerade weil es doch sehr viel Fett hatte. Zum Nachtisch einen Ouzo und ab in die Koje.

So. 28.05.2017

Der Wecker klingelt um 06:00 Uhr. Wollen heute nach Chalkidiki auf der mittleren Finge (Sithonia), sind gute 60 sm. Wir rechnen durchschnittlich 5 sm in der Stunde macht um und bei 12 h segeln. Da Anlegen bzw.. Ankern im dunkeln ziemlich schlecht ist, möchten wir im hellen ankommen. Das kann knapp werden da wir erst um 08:10 Uhr ablegen. Außer uns läuft heute, glaube ich, keiner aus. Der Wetterbericht sagt Meltemi, Wind bis zu 6 ktn und Regen voraus, aber eben aus der richtigen Richtung. Der Regen setzt schon mal kurz im Hafen ein. Wir setzen vorsichtshalber nur die Genua 3, also die Kleinste. Holen aber das Großsegel ohne ein Reff hoch. Wird sich später als nicht gut herausstellen. Kaum aus dem Lee der Insel heraus, geht der Windmesser hoch. Die Wellen nehmen auch zu. Ich sitze im Cockpit und schaue nach achtern. So manch eine Welle schaut über Jörgs Kopf gute 2 m hinaus. Sie rollen von achtern auf uns zu und unter der Yssabeau untendurch. Der Wind bläst zwar aus der richtigen Richtung, von schräg achtern, sogenannter raumer Wind, aber mit guten 6 Bft. Der Seemann spricht hier von Starkwind. Die Yssabeau ist bei der Welle schwer zu halten. Das heißt: wenn die Welle kommt muss der Rudergänger sie vorher spüren und das Ruder scharf gegenhalten, da die Welle, wenn sie unter dem Schiff durchläuft, das Schiff in eine andere, nichtgewollte, Richtung drückt. Wir hätten doch lieber das erste Reff ins Groß setzen sollen obwohl Jörg die Wellen sehr gut aussegelt. Der Wind nimmt zu, geht auf über 30 ktn. Windstärke 7. Hier spricht der Seemann, verniedlichend von steifem Wind. Mag auf großen Schiffen nicht so schlimm sein, aber bei der Besegelung ist das einfach zu viel. Der Baum pflügt schon das Wasser. reffen, nein zu schwierig. Das ganze Großsegel runterholen. Das wird nass für mich, da ich nach vorne an den Mast muss. Also Ölzeug, Schwimmweste und Lifebelt an. Das dauert gute 10 Min. Während sich der Windmesser um die 30 ktn einpendelt. Also: Manöver durchgehen, einpicken, sprich: mich mit zwei an meiner Schwimmweste befestigten Sicherheitsleinen am Schiff so festmachen, dass ich möglichst, wenn ich den Halt verliere, nicht über Bord gehe und mich gleichzeitig gut beim Manöver bewegen kann. Jörg bekommt das Großfall in die Hand. Langsam zum Mast kriechen, hinstellen, Jörg läßt das Groß fallen und ich versuche es an den Baum zu binden. Schwerstarbeit. Immer wieder reißt der Wind oder eine Welle mir das Segel aus der Hand. Nach einer schier unendlichen Zeit bringe ich es dann doch zu Wege. Hinsetzen, verschnaufen und langsam, mich immer wieder umpickend krieche ich zum Cockpit zurück. Ich fühle mich als hätte ich einen LKW einen Berg hinaufgeschoben. Das Schiff liegt aber jetzt ruhiger und reagiert auch besser aufs Ruder. Wir laufen unter der kleinen Genua gute 7 ktn. Nach gut einer viertel Stunde fühle ich mich wieder wie ein Mensch.

Der Wind flaut etwas ab, so um die 27 ktn aber die Wellen sind immer noch um die 2 m. Ich übernehme das Ruder und freue mich daran. Das bringt richtig Spaß. Die Wellen auszusteuern, auf ihnen zu reiten aber auch Anstrengend, das Ruder dabei zu halten, ganz schön Druck drauf und das über Stunden.

Langsam taucht Steuerbord voraus der Berg Arthos auf. Er begleitet uns über mehrere Stunden, wir kommen immer näher. Gigantisch. Ein steiler Fels der mehrere hundert Meter aus dem Wasser ragt. Die Spitze ist von einer Wolkenkappe bedeckt. Wie eine Mönchskappe. Passt zu den Bewohnern. Es gibt nirgends auf der Welt so viele Klöster so nahe beieinander. Außerdem gibt es viele von Einsiedler Mönchen bewohnte Höhlen an den steil zum Meer abfallenden Felsen. Oft ist für Sie die einzige Verbindung zur Außenwelt ein Seil, an dem die Kloster Mönche ihnen Essen und Trinken herunter lassen. Unvorstellbar für mich. Jahrelang alleine in einer Höhle. Langsam entschwindet der Berg -Achttausender – im Dunst.

3 1/2 h später kommen Delfine. Eine ganze Familie. Ich finde es immer wider faszinierend wie kraftvoll und gleichzeitig elegant sie in unserer Bugwelle schwimmen. Sie springen vor und neben dem Schiff. Es macht ihnen anscheinend richtig Spaß. Nach einer 1/2 h verschwinden sie wider um nach 1 1/4 h noch einmal mit der Yssabeau zu spielen. Der Wind „flaut“ Um 16:00 Uhr auf um die 16 ktn ab. Trotzdem machen wir mit der kleinen Genua gute 6,5 kn.

Um 18:45 Uhr machen wir in Porto Koufu auf Sithonia am letzten noch freien Liegeplatz fest. Geschaft, im Hellen angelegt, sicher angekommen und Spaß gehabt. In 10 h knappe 60 sm zurückgelegt.

Essen zu Abend noch mal Lamm und gehen dann aber doch rechtzeitig in die Koje.

Mo.29.05.2017

Heute haben wir nur 20 sm vor uns. Wollen nach Kassandra rüber, genauer nach Nea Skioni.

Sollte doch schnell gehen bei dem Wind. Denkste, heute genau das Gegenteil von gestern, null Wind. Wir motoren an der bewaldeten schönen Küste von Kassandra entlang und erfreuen uns an der herrlichen Landschaft. Kommen zu einer moderaten Zeit um 16:35 Uhr im Hafen an. Ein ursprünglicher Ort mit etwas Tourismus. Ich gehe in denselben und ergänze unsere Bordküche. Danach essen wir vegetarisch!!!!!!! Spaghetti mit viel Knoblauch in leckerem Olivenöl und dazu Salat. Einen Ploumari danach und ich verschwinde im Vorschiff zum Schlafen.

Soweit erst einmal.

Peter

 

Mo.22.05.2017

Um 06:30 Uhr geht ein heftiges Gewitter bei uns herrunter. Sitze gerade im Marina Café und schaue den Blitzen über dem Meer zu. Nach einer Dreiviertelstunde ist der Spuk vorbei und nach einer weiteren Stunde wieder alles trocken. Gehe Brötchen holen und aufs Schiff
Nach dem Frühstück kommt Slatko, der Motormensch. Er meint, dass der Auspuffkrümmer verstopft ist. Baut ihn in wenigen Minuten aus, und? Er hat recht! Er könnte einen Ersatz bekommen. Telefoniert und? Das Ersatzteil muß in England bestellt werden, Lieferzeit, 2 Wochen! Was tun? Slatko wird versuchen den Krümmer zu reinigen und ihn heute nachmittag einbauen.
Wir benutzen den Motor fast nie, sind ja Segler, aber beim an- und ablegen und im Notfall ist er, in der heutigen Zeit, unumgänglich. Wir nutzen die Zeit. Jörg poliert das Cockpit und ich die Relingsstützen. Zwischendurch ein Käffchen in der Taverne, die Sonne scheint bei 22 Grad. Ist doch schön.
Slatko kommt mit dem reparierten Teil zurück und baut es in kurzer Zeit ein. Er garantiert aber nur für 1 Jahr, dann sollte es doch dringend gewechselt werden. Da er mit Silikon gearbeitet hat, können wir erst morgen früh um 10:00 Uhr eine Testfahrt unternehmen. Also erst einmal Dusche und dann ganz gemütlich zu Fuß nach Pytagoreon, suchen uns eine Taverne in der zweiten Reihe und essen vorzüglich. Auf dem Weg zum Taxistand treffen wir ein Paar aus Schwaben, die auch einSchiff in der Marina liegen haben. Wir gehen noch mit Ihnen in ihre „Stamm“ Crepbar. Treffen da noch zwei weitere Schwaben, trinken dort noch ein Bierchen und haben alle zusammen noch einen lustigen und sehr unterhaltsamen Abend. Auch wenn es bei der Unterhaltung mit Schwaben oft, für uns Norddeutsche, an der Verständigung scheitert. Taxi, Schiff, Koje.

Di. 23.05.2017

Schlafe wieder bis um 08:00 Uhr. Jörg ist wieder vor mir wach. Um 10:00 Uhr ist Slatko an Bord, wir hatten vorher die Yssabeau startklar gemacht. Die Probefahrt verläuft zum Glück für uns alle sehr erfolgreich. Der Motor überhitzt nicht, alles ok. Slatko verläßt doppelt erleichtert die Yssabeau, er hatte schon eine Tablette gegen Seekrankheit genommen, ihm wurde aber doch bei spiegelglatter See schlecht.
Wir legen wieder ab und haben 40 sm nach Karlovasi vor uns. Ein ziemlich trostloser Fährhafen an der Nordseite von Samos. Letztes Jahr waren wir mit dem Auto da. Da wir aber morgen vor haben, nach Chios Stadt auf der Insel Chios zu segeln und das nochmals 45 sm sind, ist dieser Zwischenstop notwendig.
Endlich rauscht die Yssabeau unter Segeln durch das Wasser. Erst einmal ist der Wind uns günstig gesonnen, was sich aber nach einer Stunde abrupt ändert. Starke Fallböen bis zu 6 Bft aus immer wieder wechselnden Richtungen. Er dreht dabei um bis zu 180 Grad. Da das in den Handbüchern auch so beschrieben wurde, sind wir auch schon mit der kleinen Genua 1 und dem erstem Reff im Großsegel ausgelaufen, was für ein Glück. Allerdings hatte ich nicht mit so starken Drehungen gerechnet. Es geht weiter so. Als wir um die Westspitze von Samos zwischen Samos und einer vorgelagerten Insel segeln, kommt auch noch Welle von vorne. Wir haben gute 5 Bft aber die See kommt so stark von vorne, das die Yssabeau kaum noch Fahrt macht. Wenden und anderer Bug. Die Yssabeau kommt nicht durch den Wind. Ein Schiff reagiert auf das Ruder nur, wenn es auch fährt. Wir versuchen es immer wieder. Wenden, Halsen, geht alles nicht. Die Wellen schlagen alles kaputt. Wir treiben immer näher auf das Land zu. Was tun? So kommen wir erst morgen in Karlovasi an. Motor an, Fahrt aufnehmen, wende gelingt und auf dem anderen Bug kommt die Welle von der Seite und wir können wieder segeln. Schön. Ab jetzt läuft alles nach Plan. Wir kommen zu einer moderaten Zeit im Hafen an, legen uns längsseits an die Pier. Sind der einzige Segler im Hafen. Sonst nur Fischerboote. Ich mache uns Koteletts mit Broccoli und wir lassen den Tag bei einem Wein ausklingen.

Mi. 24.05.2017

Gehe heute das erste Mal in die erwachende Stadt. Bin schnell wieder an der Pier, nichts zu sehen. Setze mich auf einen Greec Koffe vor eine Taverne, WiFi vorhanden, Kaffee klasse und als ich die Bedienung nach einem Bäcker frage, hält sie kurze Zeit später einen zahnlosen alten Mann auf einem Moppet an und der zaubert ein Brot aus seinen diversen Plastiktüten hervor und verkauft es mir. Der Fährhafen ist zwar nicht sehenswert, aber die Menschen, wie fast überall in Griechenland, sehr freundlich und hilfsbereit.
Nach dem Frühstück legen wir ab und erleben genau das Gegenteil von gestern. Null Wind. Das habe ich, seit ich mit Jörg segel, noch nie erlebt. Er findet sonst immer eine kleine Briese. Nach achteinhalb Stunden motoren kommen wir in Chios – Stadt an, finden einen Liegeplatz an der Pier und legen „Römisch Katholisch“ an, bedeutet: wir liegen mit zwei Festmacher Leinen, mit dem Heck an der Pier und haben am Bug ebenfalls eine Leine die im Hafenbecken fest verankert ist oder den Anker ausgeworfen. Fragt mich nicht woher dieser Ausdruck stammt. Habe bisher noch keinen getroffen der, außer div. Vermutungen, mir das erklären konnte. Hat einer ein Erklärung? Dann könnt ihr sie mir schicken. Nach dem obligatorischen Anleger gehe ich die Einkaufsmöglichkeiten erkunden und Jörg macht Spaghetti Bolo.
Neben uns liegt ein alter Motorsegler mit zwei Schotten an Bord und der amerikanischen Frau des einen. Sie laden uns auf einen Drink ein. Mein Englisch bessert sich von Jahr zu Jahr, so daß ich den Gesprächen ganz gut folgen kann, ohne das es mich anstrengt. Die Drei sind sehr unterhaltsam. Um 12:00 Uhr geht’s dann in die Koje.

Do. 25.05.2017

Stehe schon um 06:15 Uhr auf und mache meinen Besuch in der Stadt. Sie zieht sich die ganze recht große Bucht entlang. Hier pulsiert schon um 07:00 Uhr das Leben.
Setze mich in ein Café direkt am Hafen, der Greec Koffee wird mir in einem kleinen, mit einem Stiel versehenen Topf serviert, aus dem ich dann meine Tasse fülle. Diese traditionelle Art der Kaffee Bereitung ist in den touristischen Orten fast ausgestorben. Lecker. Lasse beim genießen das Leben an mir vorbeitreiben und fühle mich sehr gut.
Wir Frühstücken und legen ab. Wollen heute nach Lesbos, es werden 54,5 sm. Brauchen also lange, selbst bei gutem Wind. Diese ersten 15 sm ist schönes Segeln bei 3-4 Bft angesagt. Wir sehen sogar eine Delphinfamilie. Die Ersten in Griechenland. Sie sind hier sehr, sehr selten geworden. Jörg ist auf Samos von zwei Französinnen angesprochen worden, die freiwillig für eine Delphin Schutz Organisation ECO Navigation arbeiten. Wir werden die Sichtung melden.
Danach kommt die Flaute, spiegelglatte See.
Motor an und 10 h motoren. Kommen um 19:00 Uhr an und dürfen nicht in den völlig leeren Hafen einlaufen. Aus Sicherheitsgründen, unbegreiflich. Wir ankern in der Bucht daneben und essen die aufgepeppten Reste der Spaghetti.

Jetzt sende ich die Mail an Euch ab.
Kallinichta

Peter

Gesendet mit der WEB.DE Mail App

 

Fr. 19.05.2017
Stehe noch etwas erschöpft um 08:00 Uhr auf. Nach dem Duschen sieht die Wellt schon anders aus. Gehe einen doppelten Greec Kaffee in der einzigen aber guten Taverne in der Marina trinken. Genieße die Ruhe und die Gelassenheit Griechenlands. Brötchen holen und das erste Frühstück an Bord. Heute ist polieren der VA Teile an Bord angesagt und noch so anderer Kleinkram. Die Sonne scheint, wir arbeiten in aller Ruhe, das Bier am Nachmittag ist gut gekühlt, das Leben ist schön. Abends einen guten griechischen Salat und lecker Oktupusstifado, dazu Retsina und ab in die Koje.

Sa. 20.05.2017
Habe bis um 09:00 Uhr geschlafen. War wohl nötig! Jörg hat schon Kaffee gekocht und eingedeckt. Nach einem ausgiebigen Frühstück begeben wir uns an unsere „Tagesbastelei“, um auf den Elektriker, der sich für 11:00 Uhr angekündigt hat, zu warten. Er soll ein elektronisches Gerät anschließen. Wer nicht kommt, ist der Elektriker. Macht erst einmal nichts, wir haben noch genug „Füllarbeiten“, aber nachmittags wird’s dann doch langsam ärgerlich. Die Segel sind angeschlagen, das Schiff ist aufgeräumt, Wasser gebunkert, der neue Staubsauger hat seine Arbeit verrichtet und wir müssen noch mit dem Mietauto den Proviant für die nächsten Wochen einkaufen. Wir hängen einen Zettel ans Schiff und kaufen bei LIDL für 286€ ein.
Bei unserer Rückkehr ist ein neuer Zettel am Schiff. Das Gerät kann nicht eingebaut werden da nicht kompatibel. Shit Happens. Was soll’s. Fahren in den Nachbarort und essen lecker Lammkotelett.

So. 21.05.2017
Heute soll’s losgehen. Segeln!! Der Wind bläst mit 4 Bft. aus Süden, sehr selten in diesem Revier. Da wir nach Norden segeln wollen, ideal. Um 11:45 Uhr werfen wir die Leinen los. Wir Motoren aus dem Hafen. Nach ca. einer sm läuft der Motor heiß. Sch…. Jörg tel. mit dem Motormenschen, der ihm im Winter ein neues Getriebe eingebaut hat. Der sagt, langsam zurück. Gesagt, getan. Motor geht in den roten Bereich, Alarm fängt an zu piepen, Motor aus, Küste kommt näher, Genua hoch und ab zurück in den Hafen. Motormensch kommt, tauscht den Impeller ( Wasserpumpe) aus. Probefahrt vorm Hafen: Motor wird heiß, zurück. Analyse, Ergebnis: Da heute Sonntag, kommt er morgen um 11:00 Uhr wieder, hat auch einige Ideen. Jetzt hilft nur noch ein frisch Gezapftes.
Ich mach jetzt Schluss.

Peter

 

In Athen streikt irgendwelches Flughafenpersonal und der Flug von Hamburg nach Athen wurde gestrichen.
Moin.
Südlandreise die 2.
Ich hoffe inbrünstig, dass die Reise besser verläuft, als der Start. Von vorne: wegen eines Fluglotsenstreiks in Griechenland wurde mein Flug (16.05.2017) nach Athen gestern Abend um 22:00 Uhr abgesagt, 8 Std. vorm Abflug. Anschlussflug nach Samos nicht möglich. Nach einer langen Nacht im Internet habe ich zum Glück Ersatz gefunden.

HH 17.05.2017 20:55 ab HH – Ankunft Sofia 22:55 -Umsteigen nach Athen, Ankunft Athen 18.05. 2017 03.00 h.

Aufenthalt in Athen 11 Std. 35 Min. (Schließfach und Athen beim Erwachen zuschauen)
Athen Abflug 14:35
Samos Ankunft 15:30
Sofern alles glatt geht.
Mit optimistischen Grüßen.

Peter

Do.18:05
Bin heute Morgen um 03:00 h gut in Athen gelandet und um 04:00 Uhr mit dem Bus nach Athen reingefahren, 1h Fahrtzeit. Athen erwacht im strömenden Regen. Sch……. dunkel und Regen, nehme gleich den nächsten Bus wieder zurück. 8 h auf dem Flughafen, so hatte ich mir den Zwischenstop nicht vorgestellt. Was soll’s. Da ich auf Renate gehört und mir ein Buch mitgenommen habe, lese ich ein bischen in der Highlandsaga von Diana Gabaldon. Die Augen sind aber nach 2h kaum noch auf zu halten, also: Nickerchen in den weichen Sesseln der E-Longe = unumgänglicher Raum um sein Handy aufzuladen, den Laptop anzuschließen usw.usf. Danach den ersten Greec Kaffee mit Brötchen und ran ans schreiben. Wie immer auf meinem Handy.

Um 14:45 Uhr geht endlich mein Flug nach Samos, gut. Nach 11 h Aufenthalt kenne ich fast jede Ecke auf dem Flughafen.

Jörg holt mich nach einer Stunde Flug ab und wir fahren zur Yssabeau die schon im Wasser liegt. Klasse Wetter, Sonnenschein und um die 20 Grad. Duschen, Oktopusstifado, Bierchen, ein Ouzo und ab in die Koje. Ich schlafe gefühlt schon bevor ich meine Strümpfe ausgezogen habe.

Gesendet mit der WEB.DE Mail App

 

Teil 4: Segeln im östlichen Mittelmeer

09.09.2017

Das Wichtigste in aller Kürze: Nachdem die Väter und Söhne Crew in Lavrion ausgestiegen war – ich durfte dort wieder bei HDM Sailing liegen – kam Werner als Mitsegler hinzu. Wir segelten erst einmal ans Kap Sounion und ankerten in einer Bucht unterhalb des Poseidontempels, wo wir eine partielle Mondfinsternis über der Tempelanlage beobachten durften. Das hat man nicht alle Tage.

Es folgte entspanntes Segeln im Saronischen Golf, bis zu der Insel Poros, wo Peter und Sabine dann die Crew vervollständigten. Bei moderaten Windverhältnissen – manchmal auch zu moderat, sprich: Flaute – segelten wir entlang der Halbinseln des Peloponnes in Richtung Kalamata. Das war ganz was anderes, als die Höllenritte in den Kykladen.

In Porto Heli trafen wir Waltraud und Wolfgang wieder. Die beiden hatten Werner und ich 2014 in Cartagena/Spanien kennengelernt und dann in Torrevieja im Winterlager wiedergetroffen. Die hatten es in diesem Jahr endlich auch in die Ägäis geschafft. Wir verbrachten einen sehr netten Abend in einer Taverne auf der Hafenmeile. Leider konnten wir die dann als E-Mail übermittelte Einladung zu einem Sundowner auf ihrem Boot am nächsten Tag nicht mehr wahrnehmen, da wir bereits am Morgen Porto Heli verlassen hatten. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Werner stieg nach einer Woche aus, übrig blieben Sabine, Peter und ich. Es stellte sich heraus, dass unser Ziel Kalamata unter den herrschenden Windverhältnissen doch etwas ambitioniert war. Wir mußten uns sputen, was dazu führte, das der Motor häufiger zum Einsatz kam.

Bei einer dieser Motorstrecken passierte dann etwas, mit dem ich nie gerechnet hätte:

Wir haben eine Schildkröte (Caretta Caretta) überfahren!

Man glaubt es kaum, aber während wir bei völliger Flaute so dahin Motoren, verspürte ich plötzlich einen kräftigen Schlag am Ruder. Ich dachte zuerst wir hätten ein Stück Treibholz oder etwas Ähnliches, was unter Wasser schwamm, getroffen. Aber als ich dann die Fahrt aus dem Schiff nahm, tauchte im Kielwasser diese Schildkröte auf. Ich wendete und wir fuhren ein paar Kreise um das Tier, das nach Augenschein offenbar keinen größeren Schaden erlitten hatte. Jedenfalls paddelte die Schildkröte an der Wasseroberfläche herum, ohne vor uns abzutauchen, was diese Tiere normalerweise tun, wenn man ihnen zu nahe kommt. Ich hoffe, das ihr Panzer die Schildkröte vor größerem Schaden bewahrt hat. Tun konnten wir eh nichts.

In Kalamata ist Sabine dann ausgestiegen und Rico kam hinzu. Rico hatte sich auf Empfehlung eines Bekannten bei mir gemeldet, um mit zu segeln. Ihn kannte ich nur über den Austausch von E-Mails.

Wir beschlossen, rund um den Peloponnes zu segeln, also an der Westküste entlang und dann durch den Kanal von Korinth. Das kannte ich ja schon.

Erwähnenswert ist der Ort Pilos, wo man uns aus dem Stadthafen vertrieb und auf die nahegelegene Marina verwies. Diese war, wie so Vieles in Griechenland, nicht fertig gebaut und bereits schon wieder dem Verfall preisgegeben. Es gab kein Wasser und keinen Strom, sanitäre Einrichtungen sowieso nicht, dafür kostete es auch nichts.

Über Patras ging es nach Trizonia, wo immer noch die versunkene Ketsch im Hafen lag, und dann über Korinth durch den gleichnamigen Kanal. Es gab noch eine Station im Saronischen Golf, Palaia Epidaurus, bevor wir in Aigina festmachten, wo Rico uns heute verließ. Nun segeln Peter und ich erst einmal wieder eine Woche alleine zusammen.

11.09.2017

Wir sind von Aigina aus nach Korfous gesegelt, einem sehr beschaulichen Ort auf dem Peloponnes. Heute sind wir in Vathi auf der Halbinsel Methani, noch idyllischer. Sehr, sehr nettes Ambiente.

Und nun ist der Rest der diesjährigen Südlandreise sozusagen auch in Sack und Tüten. Am 15.09. werde ich wieder in Lavrion sein und Peter wird von Bord gehen und Ina und ihre Schwester nebst Schwager werden für 14 Tage aufsteigen. 

Ich darf wieder am Steg von HDM Sailing liegen, so dass der Crewwechsel unkompliziert vonstatten gehen kann.

Der letzte Teil der Reise wird dann als Crew von Jasmin und ihrem Freund Udo bestritten und dann geht das Schiff ins Winterlager an Land.

George, von HDM Sailing hat mir in Lavrion auf der dort ansässigen Werft einen Winterliegeplatz besorgt. Preislich bisher ungeschlagen und, nachdem ich die Arbeitsleistungen von seiner Truppe selber zu meiner Zufriedenheit in Anspruch genommen habe, denke ich, dass auch die Winterarbeiten ordentlich erledigt werden.

04.08. 2017

Es ist viel Zeit vergangen. Aber keine Zeit zum Schreiben. Zwischenzeitlich gab’s neue Mitsegler/Innen und damit verbunden einige Erlebnisse. 

Eine Woche segeln mit Katrin, wie immer nett und entspanntes Segeln, dann die Erweiterung der „Mädelstruppe“ mit Chris und Sybille, wieder einmal fröhlich entspanntes Segeln mit „buchteln“ und gutem Leben, baden in angeblich verjüngenden Schwefelquellen oder sonst irgendwelchen heißen Quellen vulkanischen Ursprungs. Das mit dem „Verjüngen“ hat wohl nicht so ganz geklappt, die Stimmung war trotzdem gut.

Crewwechsel in der Zea Marina in Piräus. Volker und Christian kommen mit Ihren 16 und 17 jährigen Söhnen an Bord. Das Leben verändert sich. Verglichen mit den beiden Halbwüchsigen herrschte unter der Mädelstruppe geradezu eine preußische Ordnung verbunden mit Krankenhaussterilität. Nun herrscht im Salon Sodom und Gomorrha.

Wir segeln bei gemäßigtem bis flauen Winden  in Richtung Peloponnes, ankern in Buchten und landen an der Stadtpier von Hydra, wo wir mit einigem Mut wirklich den allerletzten Liegeplatz ergattern.

Meiner Mitsegeltruppe sind die Windbedingungen in dieser Gegend zu moderat. Entgegen der ursprünglichen Planung ist Segeln entlang des Peloponnes nicht mehr gefragt. Knackiges Segeln ist erwünscht. In den Kykladen bläst der Meltemi. Also auf in Richtung Norden. Von Hydra nach Kea in einer Rutsche. Ein schöner Segeltag, alle sind’s zufrieden. 

Einige der nördlichen Kykladeninseln werden abgeklappert, mit ankern in schönen Buchten oder auch in den Stadthäfen. Für die beiden Jungen muß das Dingi natürlich zum Einsatz kommen, mit Außenbordmotor, versteht sich. Die haben ihren Spaß und nehmen auch die Mühsal des Auf- und Abbauens in Kauf.

In der Hauptstadt von  Syros, Euphemia, erwischt uns der Meltemi mit aller Macht, ein Hafentag, den wir mit der Besichtigung des Greenpeaceschiffes „Rainbowwarrier“ verbringen, das gerade dort im Hafen liegt um eine Kampagne gegen Plastikmüll im Mittelmeer durchzuführen. Sehr interessant.

Euphemia ist eigentlich eine recht schöne und für den Segler auch relativ komfortable Stadt. Allerdings verursacht stetiger Schwell, verursacht durch Wind, aber auch durch die permanent ein- und auslaufenden Fähren eine derartige Unruhe an der Hafenmole, das es kaum zu ertragen ist.

Obwohl es am nächsten Tag mit 6 bis 7 Windstärken bläst, beschließen wir, auszulaufen. welch ein Wahnsinn! Den Versuch, nach Norden zu segeln geben wir kurz hinter der Hafenmole auf und suchen uns eine vor dem Maltemi geschützte Ankerbucht.

Fortsetzung folgt

07.07.2017

Ich habe ‚mal ein paar Erlebnisse und Gedanken unter „Jörgs Reiseberichte“ niedergeschrieben.

03.07.2017:

Nun ist die erste Woche meines Alleinseins vorüber und ich muß sagen, über Langeweile kann ich nicht klagen. Es gibt reichlich zu tun, sowohl am Boot, als auch sonstwie. 

Die erste Horrormeldung war ja die, dass trotz winterlicher Motorinstandsetzung und neuem Getriebe wieder einmal Öl in der Bilge war.

Mit Pedros, dem hiesigen Stützpunktleiter von der Yachtcharterfirma HDM Sailing, habe ich  offenbar einen guten Griff getan. Der besorgte gleich, nachdem ich ihm mein Schicksal geklagt hatte, einen Motormechaniker, der mit einem Gehilfen innerhalb von zweieinhalb Tagen den Motor vom Getriebe trennte, und einen neuen Dichtungsring in den Motor einbaute. Das war genau das Teil, was eigentlich im Winter auf Samos hätte ausgetauscht werden sollen. War es wohl aber nicht! Nun mache einmal Regressansprüche bei dem Slatko geltend, wie soll das gehen?

Jedenfalls bewundere ich diesen Motormechaniker, der bei brüllender Hitze in diesem klitzekleinen Motorraumverschlag da rumwerkelte. 

Und hier muß ich auch einmal eine Lanze für die Griechen brechen: Die arbeiten wirklich! Pedros hatte den Motormechaniker  für 17:00 h angekündigt. Ich war noch im Supermarkt einkaufen und als ich um 20 Min. vor 17:00 h an Bord kam, hatten die beiden schon den ganzen Cockpitbereich mit Pappe zum Schutz abgeklebt und saßen sozusagen schon in den Startlöchern. Um 21:00 h !!! hatten die beiden Motor und Getriebe getrennt und ich konnte den alten, defekten Simmering begutachten. Das Teil mußte dann erst aus Athen herangeschafft werden, so dass der Zusammenbau von Motor und Getriebe erst am nächsten Tag am Nachmittag erfolgen konnte. Das dauerte ebenfalls bis in die Abendstunden. 

Restarbeiten und Probelauf fanden dann am darauffolgenden Tag statt. Soweit scheint als alles in Ordnung zu sein.

Nebeneffekt 1.: Es wurde festgestellt, dass der Flansch zwischen Getriebe und Welle dabei war, ein nicht ordentlich gesichertes Elektrokabel „durchzusägen“. Das war dann Sache für einen Elektriker.

Nebeneffekt 2.: Beim Reinigen der Motorbilge stellte ich fest, dass das Frischwasserzulaufventil für das Klo undicht ist. Es dröppelt Dropche für Dropche. Nächste Baustelle.

Bemerkenswert finde ich, dass ich an keinem der Abende die beiden Jungs zu einem Feierabendbier überreden konnte. Begründung: Der nächste Job würde schon auf sie warten. Das spricht für sich!

Dann verbrachte ich einen Gutteil eines Tages mit dem Ausbau des defekten Wasserschlauches (Dusche) im  Kloraum (Harnsteinzimmer). Man wird immer klüger: Never touch a running System! Die Metallummantelung des Schlauches war zwar defekt, der Schlauch aber noch heil. Ich wollte aber etwas Heiles und vor allem auch einen längeren Schlauch. Also nahm ich das Ganze auseinander. Es war völlig klar, dass die Waschbecken- amaturen eingebaut worden waren, bevor der ganze Waschbeckenkomplex ins Boot eingebaut wurde. 

Diese Erkenntnis kam aber deutlich zu spät! Schweißtriefend gelang es mir schließlich den Schlauch von der Mischbatterie abzuschrauben und Teil zwei des Abenteuers konnte folgen.

Bei brüllender Hitze irrte ich auf der Suche nach einem neuen Schlauch durch Lavrion um festzustellen, das eventuell in Frage kommende Geschäfte aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen geschlossen hatten oder dass es einen derartigen Schlauch nicht gab. 

Wie kann man auch nur so naiv sein zu glauben, man würde in Griechenland für ein englische Segelboot passende Ersatzteile finden.

Ich klagte mein Leid Pedros. Es dauerte keine zwanzig Minuten, da stand George, sein Sohn, auf der Matte, begutachtete das Desaster und versprach eine Problemlösung. 

Zwei Tage später kam er mit einem nunmehr langem Schlauch mit passenden Anschlüssen an, und brauchte kaum eine halbe Stunde, um das von mir hinterlassene Desaster wieder zu beseitigen. Auf meine Frage hin, wie er das denn bewerkstelligt habe, kam die simple Antwort: We made it. Ich kann jetzt ganz bequem, ohne mir die Glieder zu verrenken, oben an Deck Duschen!

Das sind jetzt nur ‚mal ein paar „Highlights“ der vergangenen Woche. Es gibt an Bord genug zu tun. Der Pflege- und Instandhaltungrückstau ist doch recht groß. Die Hitze aber auch. Selbst die Griechen stöhnen unter den Temperaturen. Alle warten auf den Meltemei, der aus Norden kommend, wohl etwas Abkühlung verspricht. Warten wir’s ab.

 

Abschiedsessen in Nea Artaki

 

22.06.2017

Gestern sind Peter und ich in Lavrion angekommen und haben erst einmal an der Stadthafenpier festgemacht. Die vergangenen Wochen und Tage sind wie im Fluge vergangen.

In Thessaloniki kamen verabredungsgemäß Jutta und Vera an Bord. Obwohl beide über keinerlei Segelerfahrung verfügten, haben sie sich sehr schnell in das Bordleben eingefügt und stellten eine echte Bereicherung der Crew dar. Bei meistens sehr moderaten Winden segelten wir von Thessaloniki aus Richtung Euböa, wo die beiden dann in Nea Artaki ausstiegen, um noch eine Woche Landurlaub zu machen. Die hatten sich dort eine recht schöne Ferienwohnung gemietet, sogar mit Waschmaschine, die wir dann auch kräftig nutzten.

Einzelheiten dieses Teils der Reise sind unter dem Menüpunkt Reiseberichte sowohl von Jutta, als auch von Peter, nach zu lesen.

Peter und ich sind dann weiter nach Süden an der Küste Euböas längsgesegelt, um dann über Andros und Kea nach Lavrion zu fahren, wo Peter dann morgen aussteigen wird.

Auf Andros haben wir wegen Regens einen Hafentag eingelegt. Das war das erste Mal in Griechenland, dass ich erlebt habe, das es fast einen ganzen Tag lang regnete.

Meine Anfrage bei der Olympic Marina in Lavrion ergab, dass die für die Zeit vom 22.06. bis zum 09.07., in der ich dort mangels Crew liegen wollte, über 780,- € haben wollten. Das war deutlich zu viel. Also liefen wir erst einmal den Stadthafen an, wo ich dann mit Hilfe der Port Authority bei der Yachtcharterfirma HDM Sailing zum Preis von 400,- € einen Liegeplatz für diese Zeit erhielt. Immer noch viel Geld, aber rund um Athen sind die Preise nun einmal so.

Jedenfalls liege ich hier einigermaßen bequem – auch wenn die sanitären Einrichtungen eher rudimentär sind – und vor allem auch mit Wasser- und Stromanschluss. Stadtnah ist es auch.

Nun werde ich erst einmal die Zeit bis zum 08.07. hier alleine verbringen und auf Katrin, meine nächste Mitseglerin warten.

Übrigens: Es gibt sie wieder, die beliebten „Peters Reiseberichte“. Zu finden, unter dem Menüpunkt Reiseberi

05.07.2017
Gedanken übers Bootfahren, Schiffe, andere Segler oder auch solche, die meinen es zu sein und vor Allem: Stegimpressionen und Anekdoten.
Griechische Elektrifizierung
Ein Essay?

Jetzt liege ich schon 12 Tage seit Peters Abreise allein hier am Steg der Yachtcharterfirma HDM Sailing und ich muß sagen, so ganz schlecht habe ich es hier nicht ge­troffen. Pedros, offenbar der Chef hier, und sein Sohn George tun alles, was zur Lösung meiner Probleme bei­trägt. Der Motor scheint tatsächlich nun in Ordnung zu sein, für das Leck an dem Seeventil für die Klospülung scheint es auch eine Lösung gegeben zu haben, aber einige Dinge, wie die Installation bzw. Vernetzung des neuen Loganzeigeinstruments oder die Reparatur des Autopiloten scheinen aufgrund von Kapazitätsengpäs­sen nicht lösbar. Naja, so sei’s denn.

Aber derartiges soll nur bedingt Thema dieses Beitrages sein (s. Überschrift).

Erste Episode:

Eine ca. 13 m lange Yacht, ein ziemliches Trumm (Malö oder Najad o.ä.) unter Deutscher Flagge, gesteuert von einem älteren deutschen Ehepaar, hat neben mir an Steuerbordseite festgemacht. Sie stammen aus Frank­furt, leben aber dauerhaft auf Mallorca, wo auch das Schiff registriert ist und verbringen ihren Sommer mit dem Schiff in Griechenland, da Malle zum Segeln zu teuer ist.

Dies einmal vorweg.

Jeden Abend, aber auch wirklich immer, bis jetzt, be­ginnt so ziemlich ab 20:00 h eine Art Völkerwanderung auf unserem Steg. Alt und Jung promenieren bis ans Ende des Steges – also bis zu unser beider Liegeplätze – schwadronieren, lachen, telefonieren mit dem Handy, schauen aufs Wasser und tun sonst noch alles Mögli­che. Vornehmlich junge Leute, Männlein und Weiblein gemischt, aber auch nur Girlies oder Minimachomänner versammeln sich am Stegende zum harmlosen, aber lauten Klönschnack, Handyspielen oder herumalbern. Was die dazu treibt, auf einem wackligen Steg, mit Blick auf ein Fähranlegerverladeterminal und entsprechenden Hintergrundgeräuschen und auf harten Holzplanken sitzend ihre abendliche Freizeit zu verbringen, ist mir schleierhaft. Das dauert pro Gruppe so ca. 20 Min. bis 1 1/2 Stunden, dann geht die eine Gruppe und die nächste erscheint, mit ähnlichen Attitüden. Das scheint so Lavrions Freizeitmeile für noch nicht discoreife Nachtschwärmerteenies zu sein.

Mich stört’s eher nicht, gehe ich doch kaum vor 12:00 h ins Bett.

Meine beiden Nachbarn störte dies jedoch gewaltig in ihrer Nachtruhe, so nach dem Motto: Das sei ja wohl eine Unverschämtheit, derartige Treffen in quasi „ihrem Vorgarten“ stattfinden zu lassen. Grund genug, am nächsten Tag auf den freien Platz an meiner Backbord­seite zu verholen. Ob’s denn der Ruhefindung diente, wage ich nicht zu beurteilen.

Zweite Episode:

Ich habe einen Fehler gemacht: Ich hätte es wissen müssen! Das Wochenende ist nicht nur bei den Charter­firmen Großkampftag, sondern auch in den Supermärk­ten. Nachdem ich nun den ganzen Samstag über das Gewusel hier am Steg erleben durfte – Schiffe kamen rein, Crews stiegen aus, Pedros und seine Mannschaft rotiertierten mit Reinigungszeugs, Ersatzteilen, Diesel- und Wasserschläuchen, frischem Bettzeug und was weiß ich noch allem, Hektik all over the Place – fiel mir dann noch ein, zum Supermarkt zu laufen und dort ein­zukaufen. Ich hatte aber auch schlicht und ergreifend nichts mehr zum Essen.

In dem Moment, wo ich den Supermarkt betrat, war mir der gemachte Fehler klar. Der Laden, insbesondere der Kassenbereich, war rappelvoll. Die Chartercrews kauf­ten, was das Zeugs hielt. Es gab noch nicht einmal eine freie Einkaufskarre. Nachdem ich meinen Einkaufsruck­sack an der Information abgegeben hatte, machte ich mich auf die Suche nach einer Einkaufskarre und fand dann auch nach einigem Suchen ein Exemplar.

Das, was ich befürchtet hatte, war auch eingetroffen. Der Laden – und der ist gewiß nicht klein – war ausge­räubert. Ich ergatterte noch fünf 0,5 l Mythosbierdosen und ergänzte das Sixpack durch ein Alphabier, das mußte erst einmal reichen. Klopapier und einiges Andere, was ich so brauchte, wie Rotwein, Wurst und Fleisch und Gemüse, gab’s dann doch noch.

Das Gewusel vor den Kassen war unidentifizierbar. Ich stellte mich einfach in eine Reihe, von der ich annahm, dass diese schnell abgefertigt werden würde. So war’s dann auch. Nur, diese Kasse war die s.g. Schnellkasse für bis zu zehn Teile und als ich anfing, mein ganzes Zeugs auf das Transportband zu laden, wurde ich von dem Kassierer erst auf griechisch und dann auf englisch darauf hingewiesen. An der Decke über der Kasse, weit oben, hing auch ein dementsprechendes Hinweisschild, allerdings auf griechisch. Wer kann das schon? Mein Griechisch ist eher rudimentär.

Der Kassierer verlangte glatt von mir, mein ganzes Zeugs wieder von seinem Band räumen und mir eine andere Kasse zu suchen. Was blieb mir Anderes übrig. Ich war sauer und reihte mich in irgendeine der mir am komfortabelsten erscheinenden Reihen ein.

Nach 1 1/2 Std., und auch einer Klimaanlage dankend, schleppte ich dann mein Einkaufszeugs, mit Unterbre­chung und unter Genuß zweier Biere in mittlerweile zu meiner Stammkneipe gewordenen Taverne „Petrino“, auf’s Boot.

Dritte Episode:

Wie immer, sitze ich abends an Deck, habe gerade mein Abendessen beendet. Der Wind hat aufgebrist. So wie es der griechische Wetterbericht „Poseidon“ vorherge­sagt hat, kommt es auch. Die nächsten Tage wird der Meltemi aus nördlichen Richtungen blasen und zwar kräftig.

Ich habe es fast kaum bemerkt, dass neben mir eine Yacht anlegen will. Ich helfe natürlich beim Anlegen. Der Skipper, ein Grieche, ist mit seiner 36 Fuß Yacht alleine unterwegs und will hier eine Crew übernehmen.

Diese besteht, wie sich dann zeigt, aus vier jungen Män­nern, die offenbar vom Segeln nicht so die rechte Ah­nung haben. Großspurig erklären die auf meine Anfrage, dass sie auch bei diesen Wetterbedingungen losfahren würden.

Ich messe bei meinem „Frühstücksfernsehen“ so zwischen 15 und 25 Knoten Wind! Und das im Hafen.

Die sind dann auch losgefahren, 6 Bft, Chaoscrew, ich bewundere den Skipper. Ich hätt’s nicht getan.

Vierte Episode:

Nachdem meine deutschen Nachbarn an Backbordseite meinten, sie müßten den angekündigten Starkwind besser in Kalamaki, auf der anderen Seite von Attika abwettern, lag ich dann wieder goßzügig alleine an diesem Stegende.

Ich hatte den ganzen Tag mit irgendwelchen kleineren Reparaturen eingeplant, saß beim Frühstück, oder zu­mindest, was es hätte werden sollen, das Brötchen brut­zelte im Backofen, der Kaffee war gerade aufgebrüht, Pedros und Dimitri erschienen. „Wie want to fix the leak in the valve“. Also, kein Frühstück! Das war so nicht ein­geplant.

Da die Motorreparatur als abgeschlossen galt, hatte ich am Abend zuvor die Matratzen und mein ganzes Zeugs wieder in die Achterkabine geräumt und dort geschlafen. Nun mußte ich ein Gutteil von dem wieder rausräumen, damit Dimitri mit der Reparatur beginnen konnte.

Diese bestand darin, dass er, nachdem er die Stelle rund um den Borddurchlaß mit Aceton (von mir) gerei­nigt hatte, eine Art zweikomponentige Knetmasse um den Ventilsockel schmierte, die angeblich wasserbestän­dig sein sollte. War sie dann auch, wie sich später her­ausstellte.

Da hätte ich auch selber drauf kommen können, so’n Zeugs habe ich auch an Bord.

Nun endlich Frühstück! Backofen wieder angeschmis­sen, das ganze Frühstückszeugs wieder an Deck ge­stellt und, wie konnte es anders sein, George erschien mit dem nächsten Besucher.

Frühstück: Kommando zurück!

Der war dann von der Firma, die im Winterlager 2014/15 meine Ankerwinde überholt hatte und die ich jetzt direkt nach meiner Ankunft bzgl. meines neuen Loganzeigein­strumentes angemailt und von denen ich aus Kapazi­tätsengpassgründen eine Absage bekommen hatte. Die arbeiten wohl auch mit HDM zusammen und George hatte die für mich aktiviert, nicht wissend, dass ich die schon kontaktet hatte. Schief gelaufen, das Ganze.

Nachdem ich geschildert hatte was ich wollte und wir die gesamte Situation geklärt hatten, war das Ergebnis wie gehabt. Keine Zeit, in der nächsten Woche würde es vielleicht gehen. Eine Alternative gibt es angeblich nicht.

Sorry, da bin ich dann hoffentlich nicht mehr hier.

Jetzt endlich Frühstück, das eher zu einem Brunch wurde. Der Kaffee lauwarm, das Brötchen konnte ich noch retten, aber mit der Ruhe war’s vorbei. Dimitri erschien zwischenzeitlich, um eine zweite Lage seines „Knetgummies“ um das Ventil zu plazieren. Ich früh­stückte!

Fünfte Episode:

Wie ich erfahren sollte, war dieser Tag noch lange nicht zu Ende, jedenfalls was Unwägbarkeiten anging.

Es gibt, wie wohl auf jedem langzeitsegelnden Schiff, unendlich viel zu tun. Das, was man zu Hause im Win­terlager oder bei der Außer- und Indienststellung erle­digt, kommt hier einfach zu kurz. Tausend Kleinigkeiten, die sich im Laufe der Zeit subsummieren. Auch finanzi­ell!

Nichts Kriegsentscheidendes, dem Segelvergnügen oder der Schiffssicherheit tut das nicht unbedingt einen Abbruch.

Von schlichten Reinigungsarbeiten, polieren von Be­schlägen, über lockere Schrauben,die festgezogen werden müssen, losgelöstem Decks­belag, der wieder angeklebt werden muß, warten und schmieren von Rollreffanlage und Ankerwinde und, und, und.

Ein Highlight: Ich reinige die Deckenverkleidung in der Achterkabine und schon kommt mir diese entgegenge­fallen. Der Kleber hat sich schlicht und ergreifend im Laufe der Jahre aufgelöst. Was soll man davon halten?

Ich habe mir für die Zeit, die ich hier in Lavrion verbrin­gen muß, um auf meine nächste Mitseglerin zu warten, vorgenommen, jeden Tag einige dieser Kleinreparaturen ab zu arbeiten, was mir mitnichten gelingt. Den Gang in den voll klimatisierten Supermarkt mit anschließendem eiskaltem Bier in meiner „Stammkneipe“ ziehe ich alle­mal jedem reinigungs-/polier oder sonstwie schweißtrei­benden Job vor.

Nunja, an diesem besagten Tag war die Reparatur bzw. Optimierung des Verschlusses von Niedergangsschot und Schiebeluk angesagt. Da hatten die Handwerker der Samosmarina ziemlich gepfuscht (Wofür gibt man da eigentlich so viel Geld aus?). Das Schloß klemmte, das Schließblech war falsch herum eingesetzt und die Stopper für das Schiebeluk waren zu weit nach hinten montiert. All das sollte nun gerichtet werden, zumal auch eine Schraube der Verbindung des Schlosses mit dem Steckschot absolut nicht mehr halten wollte.

Und danach wäre Supermarkt und Stammkneipe ange­sagt.

Ich hatte gerade Werkzeug, Schraubenkiste, Steckschot und was sonst so benötigt wurde ins Cockpit geschafft, als Pedros erschien und mir erklärte, ich müßte mein Schiff um einen Liegeplatz nach Backbord verlegen, weil ein Katamaran den Platz neben mir an Steuerbord bele­gen wollte.

Eigentlich kein Problem, es wehte nur mit sechs Wind­stärken von vorne!

Ich ging davon aus, dass ich das Manöver in Ruhe vor­bereiten könnte, so, wie ich das gewohnt war, Leinen klarieren, Hilfsleinen ausbringen, neue Mooringleine am Bug befestigen usw. Vor Allem auch Stromanschluß und die Gangway abbauen, nichts von alledem.

Auf einmal war Hektik angesagt. Da kam ein Riesen­trumm von einem Katamaran angefahren, die Größe eines mittleren Eigenheims, bedient von zwei Leuten! So schien es jedenfalls.

Und nun beginnt das Desaster. Pedros Englisch ist nicht aller bestens und so gab es echte Kommunikationspro­bleme. Plötzlich wuselte irgendein dunkelhäutiger Mensch (was nichts mit Rassismus zu tun hat, sondern, ich hatte den nie zuvor gesehen und war der Annahme, dass er zu Pedros Mannschaft gehörte) auf meinem Schiff herum und löste die Vorleinenmooring, ohne vor­her eine andere Verbindung hergestellt, geschweige denn, mit mir kommuniziert zu haben.

Weil ich mit dem Klarieren der Heckleinen beschäftigt war, ich hatte da ja so meine Vorstellungen, wie so ein Manöver abzulaufen hatte, kriegte ich das erst mit, als „Yssabeau“ mit dem Heck gegen den Steg rummste. Pedros und noch ein anderer Helfer versuchten mein Schiff vom Steg ab zu halten, während es quer gegen das an Backbord liegende Nachbarschiff trieb.

Wer zum Teufel hatte diesem Idioten gesagt, er solle meine Vorleine lösen? Wieso war der überhaupt auf meinem Schiff?

An Steuerbord, dieses Ungeheuer von einem Katama­ran, der mit Hilfe seines Bugstrahlpropellers versuchte, sich gegen den Wind von mir frei zu halten und mich damit nur noch mehr auf das Nachbarschiff drückte. Mangels Mannschaftskapazitäten hatten die noch keine Mooringleine zu fassen. Die Fender vom Typ „Heißluft­ballon“ waren da zwar hilfreich, was die Schadensbe­grenzung an ging, nützten aber nichts, da sie an Fäd­chen vom Typ „Häkelgarn“ angebunden waren. Einer riß dann auch prompt ab.

Ich muß gestehen, hier war ich nicht mehr Herr der Situa­tion.

Während es Pedros gelang, einen dicken Fender, den er von einem der Charterboote geholt hatte, zwischen „Yssabeaus“ Heck und Steg zu plazieren, fürchtete ich um meine Badeleiter.

Der Typ auf meinem Vorschiff war sichtlich bemüht mittels seiner Armkraft zu verhindern, dass mein Anker das Nachbarschiff zersägen würde. Das bei sechs Windstärken!

Pedros und ich schafften es dann, eine meiner vorher gelösten Achterleinen auf dem Vorschiff des neben mir liegenden Schiffes auszubringen und die „Yssabeau“ vorzuziehen, so dass wenigstens das Heck meines Schiffes vom Steg frei kam.

So langsam klärte sich die Situation. Es gab eine neue Mooringleine, an der ich die „Yssabeau“ vorziehen und festmachen konnte.

Es stellte sich heraus, dass der Typ, der da auf meinem Vorschiff herumwuselte, ein Besatzungsmitglied des Ka­tamarans war und auf Anweisung des Katamaranskip­pers handelte. Das hätte ich ‚mal vorher wissen sollen!

Um es kurz zu machen – es gab noch einiges Hin und Her – hatte ich dann zwei Mooringleinen zu fassen, die ich unter Zuhilfenahme von Stoppersteg und Ankerwin­de so dicht gezogen habe, dass ich nicht befürchten mußte, mit „Yssabeaus“ Heck gegen den Steg zu trei­ben.

Der vor sich hin grinsende Mitarbeiter des Katamaranka­pitäns wollte das per Hand machen! Wie bekloppt muß man da eigentlich sein, sechs Tonnen Boot gegen sechs Windstärken Meltemi mit der Hand zu ziehen. Ich hab‘ den vom Acker gejagt.

Mit all den Arbeiten (Leinen klarieren, Stromanschluß neu verlegen, Gangway neu fixieren etc.), die dieses Chaosmanöver mit sich brachte, verbrachte ich also einnen Gutteil des Nachmittages. Nichts mit Erledigung meines s.g. Kleinkrams. Jedoch, das angefangene Steckschot-Schiebeluk-abschließ Projekt sollte zu Ende gebracht werden.

Das war dann der Rest meines „beschaulichen“ Nach­mittags. Nach einigem Werkeln passen Steckschot, Schiebeluk und Schloß nunmehr zusammen.

Ich habe keine Lust mehr auf irgendwas. Ich gieße zwei Gin-Tonics in mich hinein, schlachte eine, noch aus 2014 stammende Dose Ebsensuppe und „I called it a day“.

Sechste Episode:

Während ich das hier nun schreibe, tauchen zwei junge Mädel auf dem Steg am Heck der „Yssabeau“ auf, so ir­gendwie zwischen 13 und 15 Jahre alt. Es ist so rounda­baut 22:00 h. Ich hatte ja schon Eingangs erwähnt, dass diese Steganlage eine Art Teenietreff ist.

Ganz vorsichtig und zurückhaltend fragt eine von Ihnen, ob ich Englisch sprechen würde. Nachdem ich dies bejaht habe, schildern die mir ihr Problem: Eine von de­nen hat ihr Handy am Steg versenkt. Ob ich da helfen könne.

Das kommt mir irgendwie bekannt vor, habe ich doch 2014 mein Handy in Gosport im Hafen versenkt.

Leider muß ich denen erklären, dass bei hier ungefähr 6 Metern Wassertiefe kaum noch etwas zu machen sei.

Ich rate, sich am nächsten Tag noch einmal mit Pedros in Verbindung zu setzen. Ziemlich geknickt zogen die beiden von dannen.

So weit erst einmal. Vielleicht kann ich mit weiteren ähnlichen Geschichten ja irgendwann einmal fortfahren.

 

06.06.2017

Plangemäß sind wir am 31.05. in der Marina Aretsou in der Nähe von Thessaloniki eingelaufen, wo  dann einen Tag später Jutta und Vera die Crew bereichern. Mit denen ging’s dann über verschiedene Häfen an der Thessalischen Küste entlang nach Süden Richtung Euböa (Evvoia).  Mangels Wind mußten wir dann doch hin und wieder längere Strecken motoren. 

Meine hochgradig motivierte Segeltruppe

Gestern sind wir in Oreoi, einem kleinen beschaulichen Örtchen auf Griechenlands zweitgrößter Insel angekommen, wo wir einen Hafentag einlegen. Badestrand, Internetcafe, Strom und Wasser auf der Pier, nettes Ambiente, nette Leute, was will man mehr. Das Leben kann so schön sein!

30.05.2017

Heute sind wir in der Marina Sani auf dem westlichsten Finger (Kassandra) der Halbinsel von Chalkidiki angekommen. Bis jetzt die teuerste Bleibe in Griechenland. Aber alles vom Feinsten. Service, Sanitäranlagen, Ambiente etc.

Morgen geht’s nach Thessaloniki Marina Aretsou, wo Jutta und Vera am Donnerstag zu steigen werden.

27.05.2017

Es ist geschafft. Slatko hat den Auspuffkrümmer repariert. mit von der Planung abweichender Verspätung von sechs Tagen sind wir in Richtung Chios aufgebrochen. Es bleibt leider keine Zeit für irgendwelche Besichtigungstouren. 

Auslaufen aus Chios bei gutem räumen Wind, bis an die Nordspitze der Insel, dann Flaute. Der Rest der Strecke nach Lesbos wurde unter Motor zurückgelegt. Slatkos Reparatur hat sich bewährt

Auch auf Lesbos kein Sightseeing, was wir mehr als bedauern. Wir wollten in dem kleinen Hafen von Sigri an der Westküste von Lesbos übernachten, aber man verweigerte uns die Einfahrt mit der Begründung, der Hafen sei nur für Militär und Polizei zugänglich. Also hinter der Nordmole in der Bucht frei ankern. Ging auch.

Dann mit fantastischem raumen Wind in Richtung Lemnos. Segeln vom Feinsten. Etliche Meilen vor der Insel drehte der Wind auf West, um dann nach und nach gänzlich zu erschlaffen. Also den Rest der Strecke nach Myrinai motort. Wir ergattern den letzten freien Liegeplatz an der Stadthafenmole und beschließen, am nächsten Tag einen Hafentag einzulegen. Es zeichnet sich ab, dass wir nun genügend Zeit haben, um Thessaloniki rechtzeitig zum Crewwechsel zu erreichen.

21.05.2017

Shit happens! Bei Supersüdwind sind wir heute aus der Samos Marina ausgelaufen, um nach ca. zwei Meilen motoren wieder zurückzukehren. Die Temperaturanzeige der Maschine  kletterte in den roten Bereich. Irgendetwas stimmte mit der Kühlung nicht.  Slatko, der Motormechaniker, war sofort zur Stelle, konnte aber erst einmal auf Anhieb das Problem auch nicht lösen. Nun ist uns mindestens ein weiterer Tag in der Samos Marina vergönnt. 

Am 12. Mai bin ich nach Samos geflogen, um die „Yssabeau“ aus dem Winterschlaf zu erwecken.

Die Marina hat gut gearbeitet. Das Unterwasserschiff ist frisch gemalt, sogar den Rumpf haben die Marinaleute poliert.

Die Maschine ist frisch überholt und ein neues Getriebe eingebaut.

Das Schiebeluk wurde auch repariert, aber da mußte ich dann doch noch auf Nachbesserung bestehen.  Mit dem „Kleinkram“ haben die Griechen es offenbar nicht so.

Wie geplant ging „Yssabeau“ am 15.05.  zu Wasser.  Der Meltemi blies mit 5, in Böen bis zu 6 Bft. und ich war  wirklich dankbar, dass mir zwei Deutsche, die ihr Schiff auch hier überwintert hatten, beim Verholen zum Liegeplatz halfen.

Eigentlich sollte Peter heute auf Samos ankommen. Aber: In Athen streikt irgendwelches Flughafenpersonal und Peters Flug vom Hamburg nach Athen wurde gestrichen. Nun Kommt er einen Tag später an. Damit verschiebt sich wohl auch unser Termin zum Lossegeln. Macht nichts, es gibt immer noch genügend zu tun.