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Teil 5: Segeln im östlichen Mittelmeer

15.07.2018

Auch wenn dieser Text nicht mehr ganz aktuell ist. Ich hatte ihn bereits vor einiger Zeit geschrieben, aber hatte keine Gelegenheit mehr, ihn auf dieser Homepage einzustellen. Nun also jetzt:

07.07.2018

Nun habe ich ja gewaltig lange nichts mehr auf meiner Homepage eingestellt. Jetzt habe und nehme mir auch die Zeit, ein paar Sätze los zu werden. Meine für Naxos bestimmte Crew hat die Fähre verpaßt und kommt erst morgen an. Zeit für mich.

In Skopelos verbrachten wir vier Hafentage, nicht nur um Fußball zu gucken, sondern auch wegen des Wetters. Tagsüber war es schwül-warm und gegen Nachmittag oder frühen Abend gab es dann Gewitter mit reichlich Blitz und Donner und wolkenbruchartige Regenfälle. Da wäre beim Segeln wohl nicht die rechte Freude aufgekommen. Das Wasser stand im Cockpit Zentimer hoch, bevor es abfloß, was auch dazu führte, dass sich eine Undichtigkeit unter der Steuersäule zeigte, die mir in meiner Koje nasse Füße bescherte.

Ich hatte sowieso vor, Lavrion anzulaufen, da konnte George mit seiner Truppe gleich nachbessern.

Die Zeit in den Sporaden war leider viel zu kurz. In dem wirklich niedlichen Örtchen Elios an der Südküste der Insel Skorpelos gönnten wir uns einen relaxten Hafentag, um dann die zwei Meilen nur unter Genua I in die s.g. „Schwarzwaldbucht“ (Ormos Panormos) zu segeln, wo man wirklich – fast wie im Schwarzwald – in einer von Pinien umstandenen Bucht vor Anker geht. Leider waren andere Segler auch schon auf die Idee gekommen und so ankerten wir direkt neben einer deutschen Yacht, deren Eigner uns sogar freundlicher Weise mit seinem Dingi die Heckleine ans Ufer aus brachte. Er und seine Frau kamen aus Bremerhaven und segelten schon eine ganze Weile in dem Revier. Netter Kontakt.

Wir ankerten in wirklich schönen Ankerbuchten (wie gesagt: Ormos Panormos, Ormos Patitiri auf der Insel Alonisos oder Ormos Peristeri. Ein Highlight war sicherlich die Ankerbucht Ormos Kyra-Panagias auf der gleichnamigen Insel im Naturschutzgebiet). Ich denke, Andreas und Udo kamen mit ihren Schnorchelaktivitäten auf ihre Kosten.

Die vier Tage, die wir in Skopelos verbrachten, blieben allerdings auch nicht ohne Folgen. Nunmehr mußten wir uns sputen, um rechtzeitig zum geplanten Crewwechsel in Porto Rafti zu sein. Geplant hatte ich ursprünglich über die beiden südlich gelegenen Sporadeninseln Skantzoura und Skyros nach Kymi an der Ostküste Euböas zu segeln; dazu langte die Zeit nun nicht mehr.

Vier Tage `rumschlaffen auf Skopelos und ein verlorenes Fußballspiel mußten bestraft werden. Weil es sich gerade so ergab und es ohnehin fällig war, wurden von einem gerade auf der Pier vorbei fahrenden Tankwagen noch 70 Liter Diesel gebunkert. Zum sagenhaften Preis von 1,69 €/L, was sich im Nachhinein als wahrer Segen entpuppte (nicht der Preis!).

Wir starteten in Richtung Kymi bei Totenflaute. Zu allem Überfluß ging die Logge nicht. In den vier Hafentagen hatte wohl ein wenig Dreck den Impeller blockiert. Motoren war angesagt. Den ganzen Tag über rührte sich kein Lüftchen und so blieb uns nichts anderes übrig, als die vierzig Meilen nach Kymi zu motoren. Meine Welt!

Kymi erwies sich als ein ziemlich ausgestorbener Fischereihafen. Wir erwischten einen Platz an einer kahlen Betonpier, Strom und Wasser gab es nicht. Morgens um 09:00 h parkte allerdings dann eine nette Dame ihren Kleinwagen neben uns auf der Pier und stellte sich als Vertreterin der Port Authority vor und kassierte 09,32 €.

Die 16 Meilen zum nächsten Hafen Petries legten wir am nächsten Tag so zu sagen „auf einer Rasierklinge“ dahin. Der Wind wehte aus Nordost, beginnend mit 3 Bft und letztendlich mit 5 Bft.

Petries ist ein reiner Fischereihafen und der war voll. Ich versuchte, in alle möglichen Lücken hinein zu kommen, wurde aber entweder von unfreundlichen Fischern abgewiesen oder es ging einfach nicht, entweder weil es zu flach war oder zu eng oder, oder, oder. Nachdem wir ca. eine Stunde in dem Hafen herumgekurvt waren, bedeutete uns ein Fischer, dass wir neben einem offensichtlich nicht einsatzbereiten Fischtrawler festmachen könnten. Das war die einzige Chance auf einen Liegeplatz, die wir nutzten.

Strom und Wasser gab es nur über Chipkarte (hatten wir nicht), aber immerhin lagen wir einigermaßen komfortabel.

Mit zuerst vier, dann fünf Bft, von hinten ging es am nächsten Tag die ca. 45 Meilen in Richtung Karystos an der Südküste Euböas. Das kannte ich ja nun schon. Sechs Stunden Rauschefahrt, herrliches Segeln. Meine beiden Mitsegler empfanden das hoffentlich auch so, sicher bin ich mir da nicht. Positiver Effekt: Die Logge hatte sich wieder frei geschaufelt und zeigte die Geschwindigkeit wieder an.

Wir legten längsseits der Fischerpier an – ich hatte keine Lust auf Ankermanöver rückwärts zur Pier und es gab nur ein einziges Fischerboot, welches dort lag – und prompt kam auch ein Grieche und brabbelte etwas von „Fischboat“ und „go Anker“. Das war kein Hafenmeister, und obwohl er etwas von „Port Police“ brabbelte bedeutete ich ihm, dass ich dort bleiben würde, wo ich bin und dass er mich in Ruhe lassen sollte, was er dann auch tat. Interessant ist ja, dass solche Typen immer erst dann auftauchen, wenn man sich mit dem Boot weitgeh

end etabliert hat. Vor- Achter- und Springleinen gesetzt hat, das Elektrokabel angeschlossen hat, inklusive Buchung des zu zahlenden Geldkontingents von der Chipkarte, die am nahe gelegenen Kiosk zu erwerben ist. Da hat man wenig Neigung, noch einmal den Liegeplatz zu wechseln, nur weil irgendein Hayopei da `rumlamentiert.

Wir verbrachten eine ruhige Nacht, streßfrei. Das vor uns liegende Fischerboot war weg, eine andere, größere Yacht machte noch vor uns fest. Das war’s.

Zum Abschluss wollte ich meinen beiden Mitseglern noch eine nette Ankerbucht gönnen. Bis zum Crewwechsel hatten wir nun noch einen Tag Luft. Zwischen Karystos auf Euböa und Porto Rafti auf Attika gibt es die Insel Megalo und an deren Südküste die Ankerbucht Ormos Vasiliko. Bei nördlichen Winden liegt man dort wie in Abrahams Schoß. Das waren von Karystos aus ca.10 Meilen und wir verbrachten dort noch einen sehr geruhsamen Nachmittag, den meine beiden Mitsegler mit Schnorcheln und Inselerkundung verbrachten.

Am nächsten Tag segelten wir bei mäßigem Wind aus SSE nach Porto Rafti, wo wir dann an einem bis dato nicht vorhandenen Schwimmponton längsseits festmachten. Bei meinen vorherigen Aufenthalten gab`s diesen Ponton noch nicht. Dieser erwies sich als wahrer Segen, hätten wir sonst doch keinen Liegeplatz gefunden. Ein bisschen wackelig, aber o.k.

Hier, in Porto Rafti, verließen dann am Samstagmorgen Udo und Andreas das Schiff und plangemäß stieg Edwin Mang dann dazu. Perfekt.

17.06.2018

Segeln in den Sporaden? Heute ist Fußball angesagt – Deutschland gegen Mexiko. Meine Crew und ich sitzen in einer Kneipe vor der Glotze, erstere um Fußball zu gucken, ich, um E-Mails zu schreiben und ein paar Sätze auf der Homepage.

Um es kurz zu machen: Nochmals nach Norden zu segeln, war eine gute Entscheidung. Stellte sich der Golf von Volos schon als ein nettes Revier dar (sieht man einmal von Volos-Stadt ab) so entpuppten sich die Sporaden als echtes Kleinod.

Die Insel und der Hafen von Skyathos war unser erstes Anlaufziel. Wie kann es anders sein, im Hafen von Skyathos haben sich schon diverse Charterfirmen ausgebreitet, so dass für einzelne Segler kaum noch Platz ist. Wir hatten Glück. Nach einer etwas ausgedehnteren Hafenrundfahrt, bei der wir bei diversen Anlegeversuchen von irgendwelchen unfreundlichen Mitarbeitern von Charterfirmen abgewiesen wurden, erwischten wir eine Lücke zwischen den an der Pier liegenden Charteryachten und das auch nur, weil gerade eine Yacht diesen Platz verließ. Dies aber auch nur Dank meiner Hartnäckigkeit und viel Geschrei.

Die Mitarbeiter der Charterfirmen schließen jede frei werdende Lücke, indem sie die Boote auseinander ziehen und so die Pier derart großzügig belegen, dass kein anderes Schiff mehr dazwischen paßt.

Ich bin frech in die gerade entstandene Lücke hinein gefahren, so dass die Charterjungs keine Möglichkeit hatten, ihre Schiffe zusammen zu legen. Wir wurden nicht gerade Freunde!

So, Fußball ist zu Ende. Deutschland hat 1 zu 0 verloren. Meine Crew will auf’s Schiff. 

Mehr gibt’s später.

03.06.2018

Seit gestern sind wir in Volos, einem der größten Häfen Griechenlands. Die Verhältnisse sind eher bescheiden. Die Pier des riesigen Stadthafens ist entweder von heimischen Dauerliegern oder von Charterfirmen belegt. Obwohl zwischen den hier liegenden Yachten hier und da noch ein Plätzchen frei wäre, werden wir bei unseren Anlegeversuchen mehrfach vertrieben. Nach einstündiger Hafenrundfahrt entdecken wir in einer Ecke eine Anlegemöglichkeit. Ein einziges Segelboot liegt an einem Piervorsprung und beim Näherkommen stellt sich heraus, das es die „Mentor“ von Wolfgang und Waltraud ist. Große Freude.

Der Hafen bietet nichts für uns, kein Strom, kein Wasser, aber dort, wo wir liegen, soll die Gästepier sein. Allerdings ist die Verkehrsanbindung nach Athen und Thessaloniki recht gut, also ideal für einen Crewwechsel.  Erwin und die beiden Michaels sind heute schon ausgestiegen, Jasmin, Udo und Andreas werden heute Abend ankommen.

Blick zurück: Nachdem Erwin und Michael in Nea Artaki zu uns gestoßen waren, segelten wir dann bei ständig wechselnden Windverhältnissen den Golf von Euböa entlang mit Stationen in Limni, einem sehr netten malerischen Dörfchen mit einem kleinen Hafen, dann über Loutra nach Oreos. Hier hat sich mittlerweile eine Charterbasis breit gemacht und dadurch war das Liegeplatzangebot  doch etwas knapp, auch wenn der Hafen recht groß ist.

Von Oreon aus segelten wir in den Golf von Volos zu der kleinen Insel Palaio Trikeri. Michael Bringmann hatte hier deutsche Freunde, die er aus Irland kannte und die wir treffen wollten. Wie sich herausstellte, hatten die beiden gerade auf der Insel ein Haus gekauft, um hier mehrere Wochen im Jahr zu verbringen. 

Wir trafen Peter und Marion mit ihrer Tochter und deren Freund und verbrachten einen sehr netten Abend in einem  von den  zwei in dem Örtchen vorhandenen Restaurants.

Mit achterlichen drei bis vier Windstärken ging es dann am nächsten Tag nach Volos, herrliches Segeln, so richtig zum „abgewöhnen“ für die dann scheidende Crew.

Saisonauftakt

27.05.2018

Endlich ist die „Yssabeau“ im Wasser. Natürlich mit entsprechender Verzögerung. Es waren noch reichlich „Restarbeiten“ zu erledigen.

Michael Harden kam planmäßig am Donnerstag an Bord, allerdings konnten wir erst am Samstag aus Lavrion lossegeln. Erste Station war Porto Rafti. Bei 3 bis 4 Bft. gerade richtig zum angewöhnen.

Auf dem Weg nach Karystos auf der Insel Euböa hat Michael die Vorschiffsluke nicht richtig geschlossen und das Vorschiff geflutet, inklusive seiner Tasche mit Wäsche. Das bescherte uns einen Hafentag zum Polster spülen und trocknen und Wäsche waschen.

Am Dienstag liefen wir bei moderaten 3 Bft. aus Karystos aus, aber kaum waren wir aus der Bucht heraus um die Ecke gebogen erwischte es uns mit vollen 6 Windstärken, natürlich aus der Richtung, in die wir wollten. Am Ende legte der Wind auf 26 bis 30 Knoten zu und wir rollten die Genua ein. Wir beschlossen in der Bucht Oreos Vasiliko auf der Insel Nisos Megalo Petali vor Anker zu gehen und befanden uns mit dieser Entscheidung in bester Gesellschaft.

Am nächsten Tag legten wir vorsichtshalber zwei Reffs ins Groß ein und setzten die Genua III, um dann in einer Flaute zu enden. Ausreifen half auch nicht so richtig, also mußte der Motor ran.Nach 1 1/2 Stunden motoren konnten wir wieder segeln und landeten dann in dem Hafen von Karavos/Euböa.

Nach einigem suchen trieben wir einen jungen Mann auf, der uns für 20,- € einen Chip verkaufte, mit dem wir an einer Servicesäule Strom und Wasser freischalten können sollten. Strom gabs dann auch, Wasser nicht.

Auf dem Weg nach Chalkis segelten wir erst bei moderaten 2 bis 3 Windstärken, um dann bei zunehmenden Wind auf die Genua III zu reffen. Das letzte Stück im Channel Steno Motoren wir dann und machten dann in der kleinen Marina südlich der Brücke von Chalkis fest.

Da wir ohnehin nicht am selben Abend durch die Brücke wollten, etablierten wir einen Stromanschluss und Michael suchte die Hafenbehörde auf, um die Brückenpassage für die nächste Nacht zu klären. Enttäuscht kam er wieder zurück, der Hafenbeamte wollte uns erst am nächsten Tag klarieren. Griechische Bürokratie!

Am nächsten Tag also noch einmal, 35,- € berappt und mit der Nachricht, dass die Brücke um 00:30 h öffnen würde konnten wir den Tag relaxt verbringen.

Um 00:15 h legten wir dann in der Marina ab, fuhren eine halbe Stunde vor der Brücke auf und ab, um selbige dann um 00:45 h mit etlichen anderen Yachten zu passieren. 

Den Rest der Nacht verbrachten wir längsseits der Pier nördlich der Brücke um uns dann am Freitag nach Nea Ataki drei Meilen nördlich von Chalkis zu verholen.

Und hier sind wir immer noch. Wir haben keine Lust gegen einen sehr wechselhaften und böigen Meltemi an zu kreuzen. Hier warten wir auch auf unsere beiden neuen Mitsegler Michael Bringmann und Erwin Gruber.

 

 

Teil 4: Segeln im östlichen Mittelmeer

09.09.2017

Das Wichtigste in aller Kürze: Nachdem die Väter und Söhne Crew in Lavrion ausgestiegen war – ich durfte dort wieder bei HDM Sailing liegen – kam Werner als Mitsegler hinzu. Wir segelten erst einmal ans Kap Sounion und ankerten in einer Bucht unterhalb des Poseidontempels, wo wir eine partielle Mondfinsternis über der Tempelanlage beobachten durften. Das hat man nicht alle Tage.

Es folgte entspanntes Segeln im Saronischen Golf, bis zu der Insel Poros, wo Peter und Sabine dann die Crew vervollständigten. Bei moderaten Windverhältnissen – manchmal auch zu moderat, sprich: Flaute – segelten wir entlang der Halbinseln des Peloponnes in Richtung Kalamata. Das war ganz was anderes, als die Höllenritte in den Kykladen.

In Porto Heli trafen wir Waltraud und Wolfgang wieder. Die beiden hatten Werner und ich 2014 in Cartagena/Spanien kennengelernt und dann in Torrevieja im Winterlager wiedergetroffen. Die hatten es in diesem Jahr endlich auch in die Ägäis geschafft. Wir verbrachten einen sehr netten Abend in einer Taverne auf der Hafenmeile. Leider konnten wir die dann als E-Mail übermittelte Einladung zu einem Sundowner auf ihrem Boot am nächsten Tag nicht mehr wahrnehmen, da wir bereits am Morgen Porto Heli verlassen hatten. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Werner stieg nach einer Woche aus, übrig blieben Sabine, Peter und ich. Es stellte sich heraus, dass unser Ziel Kalamata unter den herrschenden Windverhältnissen doch etwas ambitioniert war. Wir mußten uns sputen, was dazu führte, das der Motor häufiger zum Einsatz kam.

Bei einer dieser Motorstrecken passierte dann etwas, mit dem ich nie gerechnet hätte:

Wir haben eine Schildkröte (Caretta Caretta) überfahren!

Man glaubt es kaum, aber während wir bei völliger Flaute so dahin Motoren, verspürte ich plötzlich einen kräftigen Schlag am Ruder. Ich dachte zuerst wir hätten ein Stück Treibholz oder etwas Ähnliches, was unter Wasser schwamm, getroffen. Aber als ich dann die Fahrt aus dem Schiff nahm, tauchte im Kielwasser diese Schildkröte auf. Ich wendete und wir fuhren ein paar Kreise um das Tier, das nach Augenschein offenbar keinen größeren Schaden erlitten hatte. Jedenfalls paddelte die Schildkröte an der Wasseroberfläche herum, ohne vor uns abzutauchen, was diese Tiere normalerweise tun, wenn man ihnen zu nahe kommt. Ich hoffe, das ihr Panzer die Schildkröte vor größerem Schaden bewahrt hat. Tun konnten wir eh nichts.

In Kalamata ist Sabine dann ausgestiegen und Rico kam hinzu. Rico hatte sich auf Empfehlung eines Bekannten bei mir gemeldet, um mit zu segeln. Ihn kannte ich nur über den Austausch von E-Mails.

Wir beschlossen, rund um den Peloponnes zu segeln, also an der Westküste entlang und dann durch den Kanal von Korinth. Das kannte ich ja schon.

Erwähnenswert ist der Ort Pilos, wo man uns aus dem Stadthafen vertrieb und auf die nahegelegene Marina verwies. Diese war, wie so Vieles in Griechenland, nicht fertig gebaut und bereits schon wieder dem Verfall preisgegeben. Es gab kein Wasser und keinen Strom, sanitäre Einrichtungen sowieso nicht, dafür kostete es auch nichts.

Über Patras ging es nach Trizonia, wo immer noch die versunkene Ketsch im Hafen lag, und dann über Korinth durch den gleichnamigen Kanal. Es gab noch eine Station im Saronischen Golf, Palaia Epidaurus, bevor wir in Aigina festmachten, wo Rico uns heute verließ. Nun segeln Peter und ich erst einmal wieder eine Woche alleine zusammen.

11.09.2017

Wir sind von Aigina aus nach Korfous gesegelt, einem sehr beschaulichen Ort auf dem Peloponnes. Heute sind wir in Vathi auf der Halbinsel Methani, noch idyllischer. Sehr, sehr nettes Ambiente.

Und nun ist der Rest der diesjährigen Südlandreise sozusagen auch in Sack und Tüten. Am 15.09. werde ich wieder in Lavrion sein und Peter wird von Bord gehen und Ina und ihre Schwester nebst Schwager werden für 14 Tage aufsteigen. 

Ich darf wieder am Steg von HDM Sailing liegen, so dass der Crewwechsel unkompliziert vonstatten gehen kann.

Der letzte Teil der Reise wird dann als Crew von Jasmin und ihrem Freund Udo bestritten und dann geht das Schiff ins Winterlager an Land.

George, von HDM Sailing hat mir in Lavrion auf der dort ansässigen Werft einen Winterliegeplatz besorgt. Preislich bisher ungeschlagen und, nachdem ich die Arbeitsleistungen von seiner Truppe selber zu meiner Zufriedenheit in Anspruch genommen habe, denke ich, dass auch die Winterarbeiten ordentlich erledigt werden.

04.08. 2017

Es ist viel Zeit vergangen. Aber keine Zeit zum Schreiben. Zwischenzeitlich gab’s neue Mitsegler/Innen und damit verbunden einige Erlebnisse. 

Eine Woche segeln mit Katrin, wie immer nett und entspanntes Segeln, dann die Erweiterung der „Mädelstruppe“ mit Chris und Sybille, wieder einmal fröhlich entspanntes Segeln mit „buchteln“ und gutem Leben, baden in angeblich verjüngenden Schwefelquellen oder sonst irgendwelchen heißen Quellen vulkanischen Ursprungs. Das mit dem „Verjüngen“ hat wohl nicht so ganz geklappt, die Stimmung war trotzdem gut.

Crewwechsel in der Zea Marina in Piräus. Volker und Christian kommen mit Ihren 16 und 17 jährigen Söhnen an Bord. Das Leben verändert sich. Verglichen mit den beiden Halbwüchsigen herrschte unter der Mädelstruppe geradezu eine preußische Ordnung verbunden mit Krankenhaussterilität. Nun herrscht im Salon Sodom und Gomorrha.

Wir segeln bei gemäßigtem bis flauen Winden  in Richtung Peloponnes, ankern in Buchten und landen an der Stadtpier von Hydra, wo wir mit einigem Mut wirklich den allerletzten Liegeplatz ergattern.

Meiner Mitsegeltruppe sind die Windbedingungen in dieser Gegend zu moderat. Entgegen der ursprünglichen Planung ist Segeln entlang des Peloponnes nicht mehr gefragt. Knackiges Segeln ist erwünscht. In den Kykladen bläst der Meltemi. Also auf in Richtung Norden. Von Hydra nach Kea in einer Rutsche. Ein schöner Segeltag, alle sind’s zufrieden. 

Einige der nördlichen Kykladeninseln werden abgeklappert, mit ankern in schönen Buchten oder auch in den Stadthäfen. Für die beiden Jungen muß das Dingi natürlich zum Einsatz kommen, mit Außenbordmotor, versteht sich. Die haben ihren Spaß und nehmen auch die Mühsal des Auf- und Abbauens in Kauf.

In der Hauptstadt von  Syros, Euphemia, erwischt uns der Meltemi mit aller Macht, ein Hafentag, den wir mit der Besichtigung des Greenpeaceschiffes „Rainbowwarrier“ verbringen, das gerade dort im Hafen liegt um eine Kampagne gegen Plastikmüll im Mittelmeer durchzuführen. Sehr interessant.

Euphemia ist eigentlich eine recht schöne und für den Segler auch relativ komfortable Stadt. Allerdings verursacht stetiger Schwell, verursacht durch Wind, aber auch durch die permanent ein- und auslaufenden Fähren eine derartige Unruhe an der Hafenmole, das es kaum zu ertragen ist.

Obwohl es am nächsten Tag mit 6 bis 7 Windstärken bläst, beschließen wir, auszulaufen. welch ein Wahnsinn! Den Versuch, nach Norden zu segeln geben wir kurz hinter der Hafenmole auf und suchen uns eine vor dem Maltemi geschützte Ankerbucht.

Fortsetzung folgt

07.07.2017

Ich habe ‚mal ein paar Erlebnisse und Gedanken unter „Jörgs Reiseberichte“ niedergeschrieben.

03.07.2017:

Nun ist die erste Woche meines Alleinseins vorüber und ich muß sagen, über Langeweile kann ich nicht klagen. Es gibt reichlich zu tun, sowohl am Boot, als auch sonstwie. 

Die erste Horrormeldung war ja die, dass trotz winterlicher Motorinstandsetzung und neuem Getriebe wieder einmal Öl in der Bilge war.

Mit Pedros, dem hiesigen Stützpunktleiter von der Yachtcharterfirma HDM Sailing, habe ich  offenbar einen guten Griff getan. Der besorgte gleich, nachdem ich ihm mein Schicksal geklagt hatte, einen Motormechaniker, der mit einem Gehilfen innerhalb von zweieinhalb Tagen den Motor vom Getriebe trennte, und einen neuen Dichtungsring in den Motor einbaute. Das war genau das Teil, was eigentlich im Winter auf Samos hätte ausgetauscht werden sollen. War es wohl aber nicht! Nun mache einmal Regressansprüche bei dem Slatko geltend, wie soll das gehen?

Jedenfalls bewundere ich diesen Motormechaniker, der bei brüllender Hitze in diesem klitzekleinen Motorraumverschlag da rumwerkelte. 

Und hier muß ich auch einmal eine Lanze für die Griechen brechen: Die arbeiten wirklich! Pedros hatte den Motormechaniker  für 17:00 h angekündigt. Ich war noch im Supermarkt einkaufen und als ich um 20 Min. vor 17:00 h an Bord kam, hatten die beiden schon den ganzen Cockpitbereich mit Pappe zum Schutz abgeklebt und saßen sozusagen schon in den Startlöchern. Um 21:00 h !!! hatten die beiden Motor und Getriebe getrennt und ich konnte den alten, defekten Simmering begutachten. Das Teil mußte dann erst aus Athen herangeschafft werden, so dass der Zusammenbau von Motor und Getriebe erst am nächsten Tag am Nachmittag erfolgen konnte. Das dauerte ebenfalls bis in die Abendstunden. 

Restarbeiten und Probelauf fanden dann am darauffolgenden Tag statt. Soweit scheint als alles in Ordnung zu sein.

Nebeneffekt 1.: Es wurde festgestellt, dass der Flansch zwischen Getriebe und Welle dabei war, ein nicht ordentlich gesichertes Elektrokabel „durchzusägen“. Das war dann Sache für einen Elektriker.

Nebeneffekt 2.: Beim Reinigen der Motorbilge stellte ich fest, dass das Frischwasserzulaufventil für das Klo undicht ist. Es dröppelt Dropche für Dropche. Nächste Baustelle.

Bemerkenswert finde ich, dass ich an keinem der Abende die beiden Jungs zu einem Feierabendbier überreden konnte. Begründung: Der nächste Job würde schon auf sie warten. Das spricht für sich!

Dann verbrachte ich einen Gutteil eines Tages mit dem Ausbau des defekten Wasserschlauches (Dusche) im  Kloraum (Harnsteinzimmer). Man wird immer klüger: Never touch a running System! Die Metallummantelung des Schlauches war zwar defekt, der Schlauch aber noch heil. Ich wollte aber etwas Heiles und vor allem auch einen längeren Schlauch. Also nahm ich das Ganze auseinander. Es war völlig klar, dass die Waschbecken- amaturen eingebaut worden waren, bevor der ganze Waschbeckenkomplex ins Boot eingebaut wurde. 

Diese Erkenntnis kam aber deutlich zu spät! Schweißtriefend gelang es mir schließlich den Schlauch von der Mischbatterie abzuschrauben und Teil zwei des Abenteuers konnte folgen.

Bei brüllender Hitze irrte ich auf der Suche nach einem neuen Schlauch durch Lavrion um festzustellen, das eventuell in Frage kommende Geschäfte aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen geschlossen hatten oder dass es einen derartigen Schlauch nicht gab. 

Wie kann man auch nur so naiv sein zu glauben, man würde in Griechenland für ein englische Segelboot passende Ersatzteile finden.

Ich klagte mein Leid Pedros. Es dauerte keine zwanzig Minuten, da stand George, sein Sohn, auf der Matte, begutachtete das Desaster und versprach eine Problemlösung. 

Zwei Tage später kam er mit einem nunmehr langem Schlauch mit passenden Anschlüssen an, und brauchte kaum eine halbe Stunde, um das von mir hinterlassene Desaster wieder zu beseitigen. Auf meine Frage hin, wie er das denn bewerkstelligt habe, kam die simple Antwort: We made it. Ich kann jetzt ganz bequem, ohne mir die Glieder zu verrenken, oben an Deck Duschen!

Das sind jetzt nur ‚mal ein paar „Highlights“ der vergangenen Woche. Es gibt an Bord genug zu tun. Der Pflege- und Instandhaltungrückstau ist doch recht groß. Die Hitze aber auch. Selbst die Griechen stöhnen unter den Temperaturen. Alle warten auf den Meltemei, der aus Norden kommend, wohl etwas Abkühlung verspricht. Warten wir’s ab.

 

Abschiedsessen in Nea Artaki

 

22.06.2017

Gestern sind Peter und ich in Lavrion angekommen und haben erst einmal an der Stadthafenpier festgemacht. Die vergangenen Wochen und Tage sind wie im Fluge vergangen.

In Thessaloniki kamen verabredungsgemäß Jutta und Vera an Bord. Obwohl beide über keinerlei Segelerfahrung verfügten, haben sie sich sehr schnell in das Bordleben eingefügt und stellten eine echte Bereicherung der Crew dar. Bei meistens sehr moderaten Winden segelten wir von Thessaloniki aus Richtung Euböa, wo die beiden dann in Nea Artaki ausstiegen, um noch eine Woche Landurlaub zu machen. Die hatten sich dort eine recht schöne Ferienwohnung gemietet, sogar mit Waschmaschine, die wir dann auch kräftig nutzten.

Einzelheiten dieses Teils der Reise sind unter dem Menüpunkt Reiseberichte sowohl von Jutta, als auch von Peter, nach zu lesen.

Peter und ich sind dann weiter nach Süden an der Küste Euböas längsgesegelt, um dann über Andros und Kea nach Lavrion zu fahren, wo Peter dann morgen aussteigen wird.

Auf Andros haben wir wegen Regens einen Hafentag eingelegt. Das war das erste Mal in Griechenland, dass ich erlebt habe, das es fast einen ganzen Tag lang regnete.

Meine Anfrage bei der Olympic Marina in Lavrion ergab, dass die für die Zeit vom 22.06. bis zum 09.07., in der ich dort mangels Crew liegen wollte, über 780,- € haben wollten. Das war deutlich zu viel. Also liefen wir erst einmal den Stadthafen an, wo ich dann mit Hilfe der Port Authority bei der Yachtcharterfirma HDM Sailing zum Preis von 400,- € einen Liegeplatz für diese Zeit erhielt. Immer noch viel Geld, aber rund um Athen sind die Preise nun einmal so.

Jedenfalls liege ich hier einigermaßen bequem – auch wenn die sanitären Einrichtungen eher rudimentär sind – und vor allem auch mit Wasser- und Stromanschluss. Stadtnah ist es auch.

Nun werde ich erst einmal die Zeit bis zum 08.07. hier alleine verbringen und auf Katrin, meine nächste Mitseglerin warten.

Übrigens: Es gibt sie wieder, die beliebten „Peters Reiseberichte“. Zu finden, unter dem Menüpunkt Reiseberi

05.07.2017
Gedanken übers Bootfahren, Schiffe, andere Segler oder auch solche, die meinen es zu sein und vor Allem: Stegimpressionen und Anekdoten.
Griechische Elektrifizierung
Ein Essay?

Jetzt liege ich schon 12 Tage seit Peters Abreise allein hier am Steg der Yachtcharterfirma HDM Sailing und ich muß sagen, so ganz schlecht habe ich es hier nicht ge­troffen. Pedros, offenbar der Chef hier, und sein Sohn George tun alles, was zur Lösung meiner Probleme bei­trägt. Der Motor scheint tatsächlich nun in Ordnung zu sein, für das Leck an dem Seeventil für die Klospülung scheint es auch eine Lösung gegeben zu haben, aber einige Dinge, wie die Installation bzw. Vernetzung des neuen Loganzeigeinstruments oder die Reparatur des Autopiloten scheinen aufgrund von Kapazitätsengpäs­sen nicht lösbar. Naja, so sei’s denn.

Aber derartiges soll nur bedingt Thema dieses Beitrages sein (s. Überschrift).

Erste Episode:

Eine ca. 13 m lange Yacht, ein ziemliches Trumm (Malö oder Najad o.ä.) unter Deutscher Flagge, gesteuert von einem älteren deutschen Ehepaar, hat neben mir an Steuerbordseite festgemacht. Sie stammen aus Frank­furt, leben aber dauerhaft auf Mallorca, wo auch das Schiff registriert ist und verbringen ihren Sommer mit dem Schiff in Griechenland, da Malle zum Segeln zu teuer ist.

Dies einmal vorweg.

Jeden Abend, aber auch wirklich immer, bis jetzt, be­ginnt so ziemlich ab 20:00 h eine Art Völkerwanderung auf unserem Steg. Alt und Jung promenieren bis ans Ende des Steges – also bis zu unser beider Liegeplätze – schwadronieren, lachen, telefonieren mit dem Handy, schauen aufs Wasser und tun sonst noch alles Mögli­che. Vornehmlich junge Leute, Männlein und Weiblein gemischt, aber auch nur Girlies oder Minimachomänner versammeln sich am Stegende zum harmlosen, aber lauten Klönschnack, Handyspielen oder herumalbern. Was die dazu treibt, auf einem wackligen Steg, mit Blick auf ein Fähranlegerverladeterminal und entsprechenden Hintergrundgeräuschen und auf harten Holzplanken sitzend ihre abendliche Freizeit zu verbringen, ist mir schleierhaft. Das dauert pro Gruppe so ca. 20 Min. bis 1 1/2 Stunden, dann geht die eine Gruppe und die nächste erscheint, mit ähnlichen Attitüden. Das scheint so Lavrions Freizeitmeile für noch nicht discoreife Nachtschwärmerteenies zu sein.

Mich stört’s eher nicht, gehe ich doch kaum vor 12:00 h ins Bett.

Meine beiden Nachbarn störte dies jedoch gewaltig in ihrer Nachtruhe, so nach dem Motto: Das sei ja wohl eine Unverschämtheit, derartige Treffen in quasi „ihrem Vorgarten“ stattfinden zu lassen. Grund genug, am nächsten Tag auf den freien Platz an meiner Backbord­seite zu verholen. Ob’s denn der Ruhefindung diente, wage ich nicht zu beurteilen.

Zweite Episode:

Ich habe einen Fehler gemacht: Ich hätte es wissen müssen! Das Wochenende ist nicht nur bei den Charter­firmen Großkampftag, sondern auch in den Supermärk­ten. Nachdem ich nun den ganzen Samstag über das Gewusel hier am Steg erleben durfte – Schiffe kamen rein, Crews stiegen aus, Pedros und seine Mannschaft rotiertierten mit Reinigungszeugs, Ersatzteilen, Diesel- und Wasserschläuchen, frischem Bettzeug und was weiß ich noch allem, Hektik all over the Place – fiel mir dann noch ein, zum Supermarkt zu laufen und dort ein­zukaufen. Ich hatte aber auch schlicht und ergreifend nichts mehr zum Essen.

In dem Moment, wo ich den Supermarkt betrat, war mir der gemachte Fehler klar. Der Laden, insbesondere der Kassenbereich, war rappelvoll. Die Chartercrews kauf­ten, was das Zeugs hielt. Es gab noch nicht einmal eine freie Einkaufskarre. Nachdem ich meinen Einkaufsruck­sack an der Information abgegeben hatte, machte ich mich auf die Suche nach einer Einkaufskarre und fand dann auch nach einigem Suchen ein Exemplar.

Das, was ich befürchtet hatte, war auch eingetroffen. Der Laden – und der ist gewiß nicht klein – war ausge­räubert. Ich ergatterte noch fünf 0,5 l Mythosbierdosen und ergänzte das Sixpack durch ein Alphabier, das mußte erst einmal reichen. Klopapier und einiges Andere, was ich so brauchte, wie Rotwein, Wurst und Fleisch und Gemüse, gab’s dann doch noch.

Das Gewusel vor den Kassen war unidentifizierbar. Ich stellte mich einfach in eine Reihe, von der ich annahm, dass diese schnell abgefertigt werden würde. So war’s dann auch. Nur, diese Kasse war die s.g. Schnellkasse für bis zu zehn Teile und als ich anfing, mein ganzes Zeugs auf das Transportband zu laden, wurde ich von dem Kassierer erst auf griechisch und dann auf englisch darauf hingewiesen. An der Decke über der Kasse, weit oben, hing auch ein dementsprechendes Hinweisschild, allerdings auf griechisch. Wer kann das schon? Mein Griechisch ist eher rudimentär.

Der Kassierer verlangte glatt von mir, mein ganzes Zeugs wieder von seinem Band räumen und mir eine andere Kasse zu suchen. Was blieb mir Anderes übrig. Ich war sauer und reihte mich in irgendeine der mir am komfortabelsten erscheinenden Reihen ein.

Nach 1 1/2 Std., und auch einer Klimaanlage dankend, schleppte ich dann mein Einkaufszeugs, mit Unterbre­chung und unter Genuß zweier Biere in mittlerweile zu meiner Stammkneipe gewordenen Taverne „Petrino“, auf’s Boot.

Dritte Episode:

Wie immer, sitze ich abends an Deck, habe gerade mein Abendessen beendet. Der Wind hat aufgebrist. So wie es der griechische Wetterbericht „Poseidon“ vorherge­sagt hat, kommt es auch. Die nächsten Tage wird der Meltemi aus nördlichen Richtungen blasen und zwar kräftig.

Ich habe es fast kaum bemerkt, dass neben mir eine Yacht anlegen will. Ich helfe natürlich beim Anlegen. Der Skipper, ein Grieche, ist mit seiner 36 Fuß Yacht alleine unterwegs und will hier eine Crew übernehmen.

Diese besteht, wie sich dann zeigt, aus vier jungen Män­nern, die offenbar vom Segeln nicht so die rechte Ah­nung haben. Großspurig erklären die auf meine Anfrage, dass sie auch bei diesen Wetterbedingungen losfahren würden.

Ich messe bei meinem „Frühstücksfernsehen“ so zwischen 15 und 25 Knoten Wind! Und das im Hafen.

Die sind dann auch losgefahren, 6 Bft, Chaoscrew, ich bewundere den Skipper. Ich hätt’s nicht getan.

Vierte Episode:

Nachdem meine deutschen Nachbarn an Backbordseite meinten, sie müßten den angekündigten Starkwind besser in Kalamaki, auf der anderen Seite von Attika abwettern, lag ich dann wieder goßzügig alleine an diesem Stegende.

Ich hatte den ganzen Tag mit irgendwelchen kleineren Reparaturen eingeplant, saß beim Frühstück, oder zu­mindest, was es hätte werden sollen, das Brötchen brut­zelte im Backofen, der Kaffee war gerade aufgebrüht, Pedros und Dimitri erschienen. „Wie want to fix the leak in the valve“. Also, kein Frühstück! Das war so nicht ein­geplant.

Da die Motorreparatur als abgeschlossen galt, hatte ich am Abend zuvor die Matratzen und mein ganzes Zeugs wieder in die Achterkabine geräumt und dort geschlafen. Nun mußte ich ein Gutteil von dem wieder rausräumen, damit Dimitri mit der Reparatur beginnen konnte.

Diese bestand darin, dass er, nachdem er die Stelle rund um den Borddurchlaß mit Aceton (von mir) gerei­nigt hatte, eine Art zweikomponentige Knetmasse um den Ventilsockel schmierte, die angeblich wasserbestän­dig sein sollte. War sie dann auch, wie sich später her­ausstellte.

Da hätte ich auch selber drauf kommen können, so’n Zeugs habe ich auch an Bord.

Nun endlich Frühstück! Backofen wieder angeschmis­sen, das ganze Frühstückszeugs wieder an Deck ge­stellt und, wie konnte es anders sein, George erschien mit dem nächsten Besucher.

Frühstück: Kommando zurück!

Der war dann von der Firma, die im Winterlager 2014/15 meine Ankerwinde überholt hatte und die ich jetzt direkt nach meiner Ankunft bzgl. meines neuen Loganzeigein­strumentes angemailt und von denen ich aus Kapazi­tätsengpassgründen eine Absage bekommen hatte. Die arbeiten wohl auch mit HDM zusammen und George hatte die für mich aktiviert, nicht wissend, dass ich die schon kontaktet hatte. Schief gelaufen, das Ganze.

Nachdem ich geschildert hatte was ich wollte und wir die gesamte Situation geklärt hatten, war das Ergebnis wie gehabt. Keine Zeit, in der nächsten Woche würde es vielleicht gehen. Eine Alternative gibt es angeblich nicht.

Sorry, da bin ich dann hoffentlich nicht mehr hier.

Jetzt endlich Frühstück, das eher zu einem Brunch wurde. Der Kaffee lauwarm, das Brötchen konnte ich noch retten, aber mit der Ruhe war’s vorbei. Dimitri erschien zwischenzeitlich, um eine zweite Lage seines „Knetgummies“ um das Ventil zu plazieren. Ich früh­stückte!

Fünfte Episode:

Wie ich erfahren sollte, war dieser Tag noch lange nicht zu Ende, jedenfalls was Unwägbarkeiten anging.

Es gibt, wie wohl auf jedem langzeitsegelnden Schiff, unendlich viel zu tun. Das, was man zu Hause im Win­terlager oder bei der Außer- und Indienststellung erle­digt, kommt hier einfach zu kurz. Tausend Kleinigkeiten, die sich im Laufe der Zeit subsummieren. Auch finanzi­ell!

Nichts Kriegsentscheidendes, dem Segelvergnügen oder der Schiffssicherheit tut das nicht unbedingt einen Abbruch.

Von schlichten Reinigungsarbeiten, polieren von Be­schlägen, über lockere Schrauben,die festgezogen werden müssen, losgelöstem Decks­belag, der wieder angeklebt werden muß, warten und schmieren von Rollreffanlage und Ankerwinde und, und, und.

Ein Highlight: Ich reinige die Deckenverkleidung in der Achterkabine und schon kommt mir diese entgegenge­fallen. Der Kleber hat sich schlicht und ergreifend im Laufe der Jahre aufgelöst. Was soll man davon halten?

Ich habe mir für die Zeit, die ich hier in Lavrion verbrin­gen muß, um auf meine nächste Mitseglerin zu warten, vorgenommen, jeden Tag einige dieser Kleinreparaturen ab zu arbeiten, was mir mitnichten gelingt. Den Gang in den voll klimatisierten Supermarkt mit anschließendem eiskaltem Bier in meiner „Stammkneipe“ ziehe ich alle­mal jedem reinigungs-/polier oder sonstwie schweißtrei­benden Job vor.

Nunja, an diesem besagten Tag war die Reparatur bzw. Optimierung des Verschlusses von Niedergangsschot und Schiebeluk angesagt. Da hatten die Handwerker der Samosmarina ziemlich gepfuscht (Wofür gibt man da eigentlich so viel Geld aus?). Das Schloß klemmte, das Schließblech war falsch herum eingesetzt und die Stopper für das Schiebeluk waren zu weit nach hinten montiert. All das sollte nun gerichtet werden, zumal auch eine Schraube der Verbindung des Schlosses mit dem Steckschot absolut nicht mehr halten wollte.

Und danach wäre Supermarkt und Stammkneipe ange­sagt.

Ich hatte gerade Werkzeug, Schraubenkiste, Steckschot und was sonst so benötigt wurde ins Cockpit geschafft, als Pedros erschien und mir erklärte, ich müßte mein Schiff um einen Liegeplatz nach Backbord verlegen, weil ein Katamaran den Platz neben mir an Steuerbord bele­gen wollte.

Eigentlich kein Problem, es wehte nur mit sechs Wind­stärken von vorne!

Ich ging davon aus, dass ich das Manöver in Ruhe vor­bereiten könnte, so, wie ich das gewohnt war, Leinen klarieren, Hilfsleinen ausbringen, neue Mooringleine am Bug befestigen usw. Vor Allem auch Stromanschluß und die Gangway abbauen, nichts von alledem.

Auf einmal war Hektik angesagt. Da kam ein Riesen­trumm von einem Katamaran angefahren, die Größe eines mittleren Eigenheims, bedient von zwei Leuten! So schien es jedenfalls.

Und nun beginnt das Desaster. Pedros Englisch ist nicht aller bestens und so gab es echte Kommunikationspro­bleme. Plötzlich wuselte irgendein dunkelhäutiger Mensch (was nichts mit Rassismus zu tun hat, sondern, ich hatte den nie zuvor gesehen und war der Annahme, dass er zu Pedros Mannschaft gehörte) auf meinem Schiff herum und löste die Vorleinenmooring, ohne vor­her eine andere Verbindung hergestellt, geschweige denn, mit mir kommuniziert zu haben.

Weil ich mit dem Klarieren der Heckleinen beschäftigt war, ich hatte da ja so meine Vorstellungen, wie so ein Manöver abzulaufen hatte, kriegte ich das erst mit, als „Yssabeau“ mit dem Heck gegen den Steg rummste. Pedros und noch ein anderer Helfer versuchten mein Schiff vom Steg ab zu halten, während es quer gegen das an Backbord liegende Nachbarschiff trieb.

Wer zum Teufel hatte diesem Idioten gesagt, er solle meine Vorleine lösen? Wieso war der überhaupt auf meinem Schiff?

An Steuerbord, dieses Ungeheuer von einem Katama­ran, der mit Hilfe seines Bugstrahlpropellers versuchte, sich gegen den Wind von mir frei zu halten und mich damit nur noch mehr auf das Nachbarschiff drückte. Mangels Mannschaftskapazitäten hatten die noch keine Mooringleine zu fassen. Die Fender vom Typ „Heißluft­ballon“ waren da zwar hilfreich, was die Schadensbe­grenzung an ging, nützten aber nichts, da sie an Fäd­chen vom Typ „Häkelgarn“ angebunden waren. Einer riß dann auch prompt ab.

Ich muß gestehen, hier war ich nicht mehr Herr der Situa­tion.

Während es Pedros gelang, einen dicken Fender, den er von einem der Charterboote geholt hatte, zwischen „Yssabeaus“ Heck und Steg zu plazieren, fürchtete ich um meine Badeleiter.

Der Typ auf meinem Vorschiff war sichtlich bemüht mittels seiner Armkraft zu verhindern, dass mein Anker das Nachbarschiff zersägen würde. Das bei sechs Windstärken!

Pedros und ich schafften es dann, eine meiner vorher gelösten Achterleinen auf dem Vorschiff des neben mir liegenden Schiffes auszubringen und die „Yssabeau“ vorzuziehen, so dass wenigstens das Heck meines Schiffes vom Steg frei kam.

So langsam klärte sich die Situation. Es gab eine neue Mooringleine, an der ich die „Yssabeau“ vorziehen und festmachen konnte.

Es stellte sich heraus, dass der Typ, der da auf meinem Vorschiff herumwuselte, ein Besatzungsmitglied des Ka­tamarans war und auf Anweisung des Katamaranskip­pers handelte. Das hätte ich ‚mal vorher wissen sollen!

Um es kurz zu machen – es gab noch einiges Hin und Her – hatte ich dann zwei Mooringleinen zu fassen, die ich unter Zuhilfenahme von Stoppersteg und Ankerwin­de so dicht gezogen habe, dass ich nicht befürchten mußte, mit „Yssabeaus“ Heck gegen den Steg zu trei­ben.

Der vor sich hin grinsende Mitarbeiter des Katamaranka­pitäns wollte das per Hand machen! Wie bekloppt muß man da eigentlich sein, sechs Tonnen Boot gegen sechs Windstärken Meltemi mit der Hand zu ziehen. Ich hab‘ den vom Acker gejagt.

Mit all den Arbeiten (Leinen klarieren, Stromanschluß neu verlegen, Gangway neu fixieren etc.), die dieses Chaosmanöver mit sich brachte, verbrachte ich also einnen Gutteil des Nachmittages. Nichts mit Erledigung meines s.g. Kleinkrams. Jedoch, das angefangene Steckschot-Schiebeluk-abschließ Projekt sollte zu Ende gebracht werden.

Das war dann der Rest meines „beschaulichen“ Nach­mittags. Nach einigem Werkeln passen Steckschot, Schiebeluk und Schloß nunmehr zusammen.

Ich habe keine Lust mehr auf irgendwas. Ich gieße zwei Gin-Tonics in mich hinein, schlachte eine, noch aus 2014 stammende Dose Ebsensuppe und „I called it a day“.

Sechste Episode:

Während ich das hier nun schreibe, tauchen zwei junge Mädel auf dem Steg am Heck der „Yssabeau“ auf, so ir­gendwie zwischen 13 und 15 Jahre alt. Es ist so rounda­baut 22:00 h. Ich hatte ja schon Eingangs erwähnt, dass diese Steganlage eine Art Teenietreff ist.

Ganz vorsichtig und zurückhaltend fragt eine von Ihnen, ob ich Englisch sprechen würde. Nachdem ich dies bejaht habe, schildern die mir ihr Problem: Eine von de­nen hat ihr Handy am Steg versenkt. Ob ich da helfen könne.

Das kommt mir irgendwie bekannt vor, habe ich doch 2014 mein Handy in Gosport im Hafen versenkt.

Leider muß ich denen erklären, dass bei hier ungefähr 6 Metern Wassertiefe kaum noch etwas zu machen sei.

Ich rate, sich am nächsten Tag noch einmal mit Pedros in Verbindung zu setzen. Ziemlich geknickt zogen die beiden von dannen.

So weit erst einmal. Vielleicht kann ich mit weiteren ähnlichen Geschichten ja irgendwann einmal fortfahren.

 

06.06.2017

Plangemäß sind wir am 31.05. in der Marina Aretsou in der Nähe von Thessaloniki eingelaufen, wo  dann einen Tag später Jutta und Vera die Crew bereichern. Mit denen ging’s dann über verschiedene Häfen an der Thessalischen Küste entlang nach Süden Richtung Euböa (Evvoia).  Mangels Wind mußten wir dann doch hin und wieder längere Strecken motoren. 

Meine hochgradig motivierte Segeltruppe

Gestern sind wir in Oreoi, einem kleinen beschaulichen Örtchen auf Griechenlands zweitgrößter Insel angekommen, wo wir einen Hafentag einlegen. Badestrand, Internetcafe, Strom und Wasser auf der Pier, nettes Ambiente, nette Leute, was will man mehr. Das Leben kann so schön sein!

30.05.2017

Heute sind wir in der Marina Sani auf dem westlichsten Finger (Kassandra) der Halbinsel von Chalkidiki angekommen. Bis jetzt die teuerste Bleibe in Griechenland. Aber alles vom Feinsten. Service, Sanitäranlagen, Ambiente etc.

Morgen geht’s nach Thessaloniki Marina Aretsou, wo Jutta und Vera am Donnerstag zu steigen werden.

27.05.2017

Es ist geschafft. Slatko hat den Auspuffkrümmer repariert. mit von der Planung abweichender Verspätung von sechs Tagen sind wir in Richtung Chios aufgebrochen. Es bleibt leider keine Zeit für irgendwelche Besichtigungstouren. 

Auslaufen aus Chios bei gutem räumen Wind, bis an die Nordspitze der Insel, dann Flaute. Der Rest der Strecke nach Lesbos wurde unter Motor zurückgelegt. Slatkos Reparatur hat sich bewährt

Auch auf Lesbos kein Sightseeing, was wir mehr als bedauern. Wir wollten in dem kleinen Hafen von Sigri an der Westküste von Lesbos übernachten, aber man verweigerte uns die Einfahrt mit der Begründung, der Hafen sei nur für Militär und Polizei zugänglich. Also hinter der Nordmole in der Bucht frei ankern. Ging auch.

Dann mit fantastischem raumen Wind in Richtung Lemnos. Segeln vom Feinsten. Etliche Meilen vor der Insel drehte der Wind auf West, um dann nach und nach gänzlich zu erschlaffen. Also den Rest der Strecke nach Myrinai motort. Wir ergattern den letzten freien Liegeplatz an der Stadthafenmole und beschließen, am nächsten Tag einen Hafentag einzulegen. Es zeichnet sich ab, dass wir nun genügend Zeit haben, um Thessaloniki rechtzeitig zum Crewwechsel zu erreichen.

21.05.2017

Shit happens! Bei Supersüdwind sind wir heute aus der Samos Marina ausgelaufen, um nach ca. zwei Meilen motoren wieder zurückzukehren. Die Temperaturanzeige der Maschine  kletterte in den roten Bereich. Irgendetwas stimmte mit der Kühlung nicht.  Slatko, der Motormechaniker, war sofort zur Stelle, konnte aber erst einmal auf Anhieb das Problem auch nicht lösen. Nun ist uns mindestens ein weiterer Tag in der Samos Marina vergönnt. 

Am 12. Mai bin ich nach Samos geflogen, um die „Yssabeau“ aus dem Winterschlaf zu erwecken.

Die Marina hat gut gearbeitet. Das Unterwasserschiff ist frisch gemalt, sogar den Rumpf haben die Marinaleute poliert.

Die Maschine ist frisch überholt und ein neues Getriebe eingebaut.

Das Schiebeluk wurde auch repariert, aber da mußte ich dann doch noch auf Nachbesserung bestehen.  Mit dem „Kleinkram“ haben die Griechen es offenbar nicht so.

Wie geplant ging „Yssabeau“ am 15.05.  zu Wasser.  Der Meltemi blies mit 5, in Böen bis zu 6 Bft. und ich war  wirklich dankbar, dass mir zwei Deutsche, die ihr Schiff auch hier überwintert hatten, beim Verholen zum Liegeplatz halfen.

Eigentlich sollte Peter heute auf Samos ankommen. Aber: In Athen streikt irgendwelches Flughafenpersonal und Peters Flug vom Hamburg nach Athen wurde gestrichen. Nun Kommt er einen Tag später an. Damit verschiebt sich wohl auch unser Termin zum Lossegeln. Macht nichts, es gibt immer noch genügend zu tun.

Teil 3: Segeln im östlichen Mittelmeer

09.10.2016: Entgegen unserer vorherigen Planung sind wir bereits gestern auf Samos angekommen und haben in der Marina Fest gemacht. (s. Peters Reisebericht)

Am 16.10. geht es mit zwei Fliegern von Samos über Athen nach Hamburg.

Bis dahin werden wir uns hier auf Samos vergnügen. Am Schiff gibt’s ja für die Außerdienststellung auch noch genügend zu tun.

03.10.2016: Wir sind jetzt wieder in Griechenland. Das Winterlager ist in der Marina auf der Insel Samos für den 15.10. gebucht. Jetzt sind wir in Lakki auf der Insel Leros und werden uns Insel für Insel in Richtung Samos begeben. Auch hier wird es langsam Herbst. Ab 20:00 h ist es bereits stockfinster und die Temperaturen sinken auch. Trotzdem, noch ist’s hier herrliches Segeln – der Meltemi hat uns bisher weitgehend verschont – und abends im T-Shirt sitzen geht auch noch.

Mit dem Flieger von Samos aus nach Hause gestaltet es sich z.Zt. etwas problematisch. Alles, was gut und günstig ist, ist ausgebucht. Entweder man fliegt für über 500,- € nach Hamburg oder man ist stundenlang unterwegs. Auf beides haben Peter und ich keine Lust. Schau’n wir ‚mal, was sich in den nächsten Tagen so tut.

O1.09.2016: Nun bin ich in Göcek und wir haben in der D-Marina festgemacht. Sehr hochpreisig, aber das Geld wohl wert. Ruth ist heute morgen um 05:00 h von Bord gegangen und nun warte ich hier auf Peter und Sabine.

Von Bosburun aus sind wir direkt nach Ekincik gesegelt. Man kann dort an der Pier eines Nobelrestaurants festmachen und wenn man dort im Restaurant einkehrt, zahlt man keine Liegegebühren. Ansonsten kostet es 70,- TL, was zu vertreten ist. Wir verzichteten auf den Restaurantbesuch. Der wäre deutlich teurer gekommen.

Was das Anlegen dort interessant macht, ist der Ausflug zu der alten lykischen Stadt Kaunos (Trümmer besichtigen), die Flussfahrt den Daliyan hinauf durch das Delta, ein Blick auf die lykischen Gräber hoch oben in den Felsen und natürlich ein Stadtbummel durch die Stadt Daliyan, wo gerade ein Bauernmarkt stattfand, mit einem Angebot an Obst und Gemüse zu Preisen, von denen man anderenorts nur zu träumen wagt.

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Lyrische Felsengräber am Ufer des Dalyan

Mit dem Segelboot kann man nicht direkt hin fahren. Man ist auf das Angebot der in Ekincik ansässigen Kooperative der Besichtigungsbootanbieter angewiesen und muß sich von denen für ca. 100,- bis 140, Euro – je nach dem welche Tour man da so bucht – zu den antiken Attraktionen schippern lassen.

Wir hatten Glück und erwischten einen sehr netten älteren Herrn, der seine etwas rudimentären Deutschkenntnisse durch einen mehrjährigen Arbeitsaufenthalt in Olpe im Sauerland erworben hatte.

Der holte uns morgens zur vereinbarten Zeit vom Boot ab, schipperte uns an der Küste entlang in das Flussdelta und setzte uns an einem Steg ab, von dem es dann zu Fuß zu den antiken Stätten ging.

Ich war dort ja schon einmal vor irgendwie 20/ 25 Jahren dort und es hatte sich Einiges geändert. Die Wege waren vorgegeben, man mußte Eintrittsgeld bezahlen, aber der Besichtigungsparcours war auch deutlich organisierter, mit Hinweistafeln und Erklärungen, worauf man gerade herumkletterte.

Natürlich erklommen wir das alles in brüllender Mittagshitze, aber anders als damals, kletterte keiner von uns bis auf die höchste Erhebung dieser Ansiedlung. Die Hälfte reichte. Man hatte auch so eine schöne Aussicht über das Flussdelta.

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Amphitheater von Kaunas

Unser Ausflusskipper erwartete uns sozusagen am anderen Ende des Besichtigungsparcours und schipperte uns dann an einen Restaurantsteg in Daliyan, wo wir erst einmal einen kleinen Imbiss und ein kaltes Bier zu uns nahmen.

Und dann: Stadtbesichtigung! Es wurde eingekauft, was der Bauernmarkt so her gab. Wer sollte das essen?

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Bauernmarkt in Dylan

Auf dem Rückweg hielt unser Bootsführer noch bei einem Fischerboot an, bei dem wir auf dem Hinweg drei Portionen gekochte Krebse geordert hatten ( so ähnlich, wie auf Helgoland die Kniepers) und damit war unser Abendessen für jeweils 20,- TL/ Person gesichert. Wir brauchten das Nobelrestaurant in Ekincik nicht.

18.08.2016: Ich weiß, lange habe ich mich nicht mehr um die Pflege der Homepage gekümmert. Ausreden hätte ich genug, warum ich die Berichterstattung habe schludern lassen. Einzige Erklärung: Es ist das Tier in mir. Es ist nämlich ein Faultier!

Dies zur Erklärung.

Nun segele ich schon eine geraume Zeit in der Türkei. Dieter Memmeler ist von Bodrum aus gut nach Hause gekommen und meine drei Kieler Mädels sind in Turgutreis dazu gestiegen. Ina kam dann eine Woche später nach Ören und wir hatten eine schöne Segelzeit miteinander. Mir hat die Segelei mit den Vieren wieder einmal gut gefallen, entspanntes Buchtenbummeln, ankern, Besichtigung von alten Trümmern (Knidos), und leckeres Essen.

Von Turgutreis ging es in den Gökova Golf, dort hin und her und kreuz und quer, dann um die Datca Halbinsel herum nach Data und dann wieder zurück nach Bodrum, von wo aus die Vier nach Hause flogen und Ruth und Lothar als Nachfolgecrew einstiegen.

Alles verlief sehr unproblematisch. Die Ein- und Ausklarierei übernahm ein Agent – ohne den geht hier gar nichts – der natürlich seinen Obolus haben wollte. Das alles verläuft aber entspannter, als man denkt, wenn’s auch Zeit und Geld kostet.

Ansonsten ist hier von irgendwelchen politischen Wirren nichts zu spüren. Allerdings ist der Tourismus wohl deutlich eingebrochen, was man vor allem in den Ankerbuchten und an den Restaurantstegen merkt. Für uns nur gut, es gibt ausreichend Platz, die Kneipenwirte reißen sich um Einen, was sich aber leider nicht im Preisniveau niederschlägt. Die Türkei ist ein richtig teures Land geworden. Vorbei die Zeiten, wo man sich für zwanzig Mark vollfressen konnte, inklusive Wein und Schnaps. Unter dreißig Euro sind wir selten aus der Kneipe gekommen.

Auch Lebensmittel sind nicht gerade preisgünstig, vor allem Wein und Schnaps sind überdimensional teuer. Das schmälert die Lebensfreude.

Mit Ruth und Lothar gab’s dann auch noch ‚mal einen kurzen Abstecher in den Gökova Golf, dann um die Datca Halbinsel herum in den Hisarönü Golf nach Orhaniye, wo wir von einem perfekt Deutsch sprechenden Restaurantbesitzer bewirtet wurden. Nicht billig, aber sehr nett.

Auch hier wieder Anker- und Badebuchten zwischendurch, dann in den Yesilova Golf nach Bosburun, wo wir einen Hafentag einlegten, um mit dem Bus nach Marmaris zu fahren.

Ein Tag in einer pulsierenden Stadt. Die Basare waren allerdings nicht so mit Menschen angefüllt, wie man es erwartet hätte, die Restaurants fast leer und die Güllets, die sonst die Touristen über den Golf von Marmaris schippern, lagen verwaist an der Pier. Da macht sich dann doch wohl die Weltpolitik irgendwie bemerkbar. Uns tangiert das weniger, auch wenn Lothar vor Beginn seiner Reise arge Bedenken hatte, in die Türkei zu fliegen. Aber nun ist alles gut, alle Bedenken zerstreut und wir genießen das Leben hier, 28 Grad warmes Wasser, so zwischen 35 und vierzig Grad Lufttemperatur – was doch ein wenig reichlich ist, aber auf dem Wasser merkt man es nicht so.

Ein Tag Marmaris mit Erklimmen der Festung und Altstadtbummel reicht uns. Viel hatte ich nicht mehr aus unserer Charterzeit vor zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren in Erinnerung. Die Netzel Marina hat sich kaum verändert, die Promenade wohl auch nicht viel, aber die Stadt allgemein kommt mir moderner und „businessorientierter“ vor , als damals, auch wenn der Muezzin immer noch genauso vom Minarett plärrt.

Die Busfahrt nach und von Marmaris war auch interessant, führte sie doch durch eine schöne Gebirgslandschaft mit häufigem Blick auf das Meer – alles in allem ein gelungener Ausflug.

Nun sind wir von Bosburun aus unterwegs in Richtung Fethye, wobei wir Marmaris mit dem Boot auslassen werden.

Eine Ankerbucht, Bozukkale, haben wir ohne Festmachen am Kneipensteg besucht, heute ist wieder ein Restaurantsteg im Ciftlik Limani angesagt. Mal sehen, wie’s Essen wird.

04.07.2016: Es ist geschafft: wir sind gestern auf Mykonos angekommen. Gestern sind wir von Nausa auf der Insel Paros gestartet. Lange haben wir mit uns gerungen, ob wir überhaupt los segeln sollten. Alle Wetterberichte und auch die Einheimischen warnten uns vor dem herannahenden Meltemi, der angeblich dann mehrere Tage wehen sollte. Allerdings erst ab Sonntagnachmittag. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder tagelang in Nausa im Hafen liegen und damit den anstehenden Crewwechsel verlegen zu müssen oder das Zeitfenster nutzen und gegen den herrschenden Nordwind, der Sonntagmorgen noch moderat blies, anzukreuzen, in der Hoffnung, noch vor dem Starkwind die Tourlos Marina auf Mykonos zu erreichen.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wir starteten. Es wurde ein langes Bein gen Norden bei 12 bis 16 Knoten Wind aus nordwestlichen Richtungen, alles ganz entspannt mit gereffter Genua und vollem Großsegel. Wir konnten sogar fast die Einfahrt zwischen den Inseln Mykonos und Delos anliegen.

Kurz nach 15:00 h, wir waren schon unter der Südküste von Mykonos, ging’s dann los. Der Wind legte schlagartig zu, das zweite Reff folgte umgehend dem ersten, jetzt wurde es knackiges Segeln. Aufkreuzen zwischen den beiden Inseln, zunehmender Wind und damit verbunden zunehmender Seegang, wir spielten U-Boot. Wir hatten locker sechs Windstärken, in den Böen auch sieben. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich eine derartig steile und grobe See aufgebaut, wie ich mir das hier zwischen den Inseln kaum vorstellen konnte. Aber wir segelten, sogar nach Luv und wir schafften es, am späten Nachmittag in der Tourlos Marina unter den Augen kritischer Beobachter ohne Komplikationen vor Buganker rückwärts an die Pier zu gehen. Kein Hafenkino!

Nun sitzen Peter und Ich hoch über der Marina im Hafenkaffee und schauen auf die Bucht von Mykonos, wo die Wellen sich mit weißen Schaumkronen an der Hafenmole brechen und wo dann doch noch hin und wieder eine Yacht einläuft, je nach den Fähigkeiten des Skippers mit Hafenkino oder auch ohne.

So langsam habe ich mich auch daran gewöhnt, dass die „Yssabeau“ meistens das kleinste Schiff mit dem kürzesten Mast zwischen all den Charterbombern ist – unter 40 Fuß geht offenbar gar nichts, ganz zu schweigen von diesen Riesenkatamaranen von der Größe eines mittleren Eigenheims. Da frage ich mich, was ist hier noch Segeln?

So, das Wichtigste ist erzählt. Peter wird am 08.07. plangemäß von hier nach Hause fliegen und Dieter und Wolf werden am Mittwoch zu steigen. So lange darf der Meltemi blasen so viel wie er will.

….. und dann gibt’s doch noch eine Geschichte: (Rückblick)

Beim Auslaufen aus dem Hafen von Paronikia auf der Insel Paros am Samstagmorgen gerieten wir zwischen eine einlaufende und eine auslaufende Fähre. Die passierten uns im Abstand von wenigen zig Metern und wir gerieten in die sich kreuzenden Heckseen der beiden. Ein gewaltiger Wasserberg überspülte das Vorschiff der „Yssabeau“, allerdings ohne uns besonders naß zu machen.

Erst eine ganze Zeit später, als Peter unter Deck ging, offenbarte sich das Unheil. Er hatte vergessen, das Vorluk zu verriegeln und die von uns eingefangene Welle hatte das ganze Vorschiff unter Wasser gesetzt. Da blieb im wahrsten Sinne des Wortes kein Auge mehr trocken.

Peters Nachmittagsbeschäftigung dann in Nausa: Polster mit Süßwasser spülen und zum Trocknen an Deck drapieren; meine Beschäftigung: Literweise Wasser aus der Bilge auffeudeln – kennt man ja. Wir nahmen es mit Gelassenheit.

Jetzt ist erst einmal Touriprogramm auf Mykonos angesagt.

27.06.2016: Wir sind auf der Insel Milos. Aber vorher :

Wer braucht schon die Karibik? Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.

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Ankerbucht Menolonisi auf Nisos Polagios

Lufttemperatur: 29 Grad; Wassertemperatur: 23 Grad

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….. und die Ziege stört auch nicht so richtig!

22.06.2016: Nachdem wir an der Bootstankstelle 67 Liter Diesel getankt hatten, war die Insel Kalymnos unsere nächste Station.

Bei anfangs moderaten zwei, später vier Windstärken war es schönes Segeln dort hin, nur kam der Wind leider aus der falschen Richtung. Also wieder einmal volle Kreuz.

Trotzdem genossen wir es. Es war warm, die Sonne schien, die Inseln Kos, Psarimos und Kalymnos und auch das türkische Festland boten optisch einen reizvollen Anblick und bei einem kalten Bier ließen wir es uns gut gehen.

Zusammen mit einer Chartercrew erreichten wir den Hafen von Kalymnos, wo wir bereits von dem Hafenmeister und einem „Mooringman“ erwartet wurden. Es war viel Platz an der Pier, den die Chartercrew dann auch benötigte, da rückwärts fahren offenbar nicht ihr Ding war und da sie ihren Anker viel zu kurz geworfen hatten, schickte der Hafenmeister sie gleich wieder los, um ein neues Manöver zu fahren.

Wir bekamen beim Anlegen allerdings auch Probleme. Die Ankerwinde gab wieder einmal ihren Geist auf, abwärts ging’s, aufwärts nicht mehr.

Zu allem Übel verhedderte sich auch noch die Ankerkette im Ankerkasten vor der Winde, so das unser Anlegemanöver sich auch ein wenig zum Hafenkino gestaltete.

Schließlich hatten wir es mit Hilfe des „Mooringman“ und des Hafenmeisters geschafft und lagen fest.

Wir klagten dem Hafenmeister unser Leid und am nächsten Morgen stand Nicos, der sich als ein Elektriker zu erkennen gab, auf der Pier, der die Winde ausbaute und mit nahm. Nach einiger Zeit kam er mit der zerlegten Winde zurück und zeigte uns das „Innenleben“, welches vorwiegend aus einer Mischung aus Dreck, Salz, Rost und irgendwelchen verkokelten Drähten bestand.

Der gute Mann war zuversichtlich, dass er die Winde reparieren könne; uns verschaffte das zwei weitere Hafentage, was wir auch nicht als so schrecklich empfanden.

Tatsächlich brachte Nicos das reparierte und vor allem auch restaurierte Teil am nächsten Tag zurück und baute es ein.

Es stand ein wenig Schwell auf die Pier und der gute Mann wurde beim Einbau auch noch Seekrank. Kein Wunder, es ist sicherlich kein Vergnügen kopfüber im Ankerkasten zu hantieren

Ärgerlich ist allerdings, dass die Ankerwinde oder irgendwelche Teile drumherum immer wieder ihren Geist aufgeben. Das Ding, bzw. die Platzierung im Ankerkasten ist eine völlige Fehlkonstruktion. Ich hatte gerade im Winterlager in Lavrion die Winde für teures Geld komplett überholen lassen. Das Windengehäuse ist nicht Wasserdicht und die Unterbringung direkt im Ankerkasten unter dem Loch im Deck, wo die Kette durchläuft und damit auch Wasser, im wahrsten Sinne des Wortes eher suboptimal.

Langfristig muß da eine andere Lösung her. Nur welche?

Mit reparierter Ankerwinde und um 100,- Euro ärmer machten wir uns bei anfänglich gutem Wind auf in Richtung Leros. Nach und nach ließ der Wind nach bis zur Flaute, so dass wir hin und wieder den Motor anschmissen, um überhaupt vorwärts zu kommen.

In der Bucht von Lakki gibt es zwei Marinas und wir entschlossen uns, in der Leros Marina festzumachen.

Es war wie immer: Anmelden über UKW-Funk, zwei freundliche Marineros wiesen uns einen Platz zu und halfen beim Festmachen.

Leros ist eine moderne Marina mit reichlich Winterlagerfläche für Boote und ordentlichen Sanitäreinrichtungen. Nur, wieder einmal gibt es keinerlei Sitzgelegenheiten in den Duschen.

Die Marina liegt etwas außerhalb des Städtchens, das ohnehin nicht all zu viel zu bieten hat. Uns hielt hier nichts und am nächsten Tag ging es gen Westen in die Kykladen zurück.

Auf dem Weg dorthin liegt die Insel Levitha mit ihrer hervorragenden Ankerbucht in der von der die Insel bewohnenden Familie Mooringtonnen ausgebracht wurden. Ich war ja vorher schon auf dem Weg nach Rhodos mit Jasmin da gewesen. Nur diesmal nahmen wir den von dem Tavernenwirt angebotenen „Shuttleservice“ mit dem Boot in Anspruch und gingen abends in der einzigen Taverne essen.

Allein der Weg vom Anleger zum Restaurant war schon ein Abenteuer, glich er doch mehr einem ausgetretenen Ziegenpfad als einem begehbaren Weg. Mir graute vor dem Rückweg.

Die Küche bot Landestypisches, für mich gab’s Ziege. Bekommt man auch nicht alle Tage, schmeckte aber sehr gut und war nicht überteuert. Alles in Allem zahlten wir für das Essen inklusive Vorspeisen und reichlich Getränken 58,- Euro.

Neben uns am Nachbartisch hatte sich auch eine dreiköpfige Crew niedergelassen, die uns dann auch ansprachen und fragten, ob wir die Segler seien, die in Nisiros die allseits bewunderten Manöver gefahren hätten, was wir ja dann auch nicht verneinten.

Offenbar hatten wir auch bei diesen Leuten einen tiefen Eindruck hinterlassen hinsichtlich unserer Segelkünste.

Irgendwie scheint es so zu sein, dass man von vielen Seglern hier vor Ort, schon geradezu als Held zur See angesehen wird, fährt man mit dem Boot auch nur halbwegs vernünftige Hafenmanöver, was ja auch bei den Kathastrophenmanövern, die hier einige Chartercrews bieten, kein Wunder ist.

Es wurde noch ein netter Abend mit Günter, Bärbel und Renate und wir waren dann auch die letzten Gäste, die übrig geblieben waren.

Ich verspürte wenig Neigung den Ziegenpfad in der Dunkelheit zum Anleger zu Fuß zurück zu legen und fragte den Tavernenwirt, der uns ja ohnehin zum Boot übersetzten mußte, ob er mich auf seinem Motorroller mitnehmen könne. Daraufhin bot er uns an, uns alle auf dem Anhänger seines Traktors zur Ankerbucht zu fahren, was wir auch dankend annahmen.

Es ging nicht über den Ziegenpfad zurück, aber viel besser war der Weg den der Traktor nahm, auch nicht, nur länger. Wir holperten langsam durch die Nacht und bekamen auf diese Weise noch einen kleinen Eindruck von der Insel.

Für diesen Service wollte der Wirt noch nicht einmal Geld annehmen. Dafür sparte er dann den Bootsshuttle, weil Günter uns mit seinem Dingi zur „Yssabeau“ brachte.

Leider ist die Insel Levitha als Geheimtip nicht mehr so geheim, aber sei’s drum, uns hat’s gefallen.

Nachdem wir am nächsten Tag unsere Mooring verlassen und unseren deutschen Freunden noch einmal zugewunken hatten, ging es mit kräftigen vier Windstärken aus nordwestlichen Richtungen nach Amorgos. Auch hier wieder unspektakuläres Segeln bis der Wind dann im Laufe des Tages abnahm und wir wieder einmal ein Stück motoren mußten.

Seltsames Kabbelwasser und drehende unstete Winde vermiesten diverse Segelversuche so dass wir die letzten Meilen nach Katapola auf der Insel Amorgos motorten.

Für 8,- Euro die Nacht inklusive Strom und Wasser durften wir dann vor Anker an der Stadtpier von Katapola liegen.

Der nächste Tag war „Sightseeing“-Tag. Für 25,- Euro plus 10 Liter Sprit, den wir kaufen mussten, mieteten wir ein Auto und klapperten die Insel ab.

Überall durchzogen Steinmauern die steilen Berghänge, Ziegen liefen auf den Straßen herum und machten keine Anstalten einem Auto auszuweichen, so dass man langsam an ihnen vorbei fahren mußte und von den Höhen hatte man einen herrlichen Blick über die Insel und das Meer.

Wir ließen es ruhig angehen, tranken in dem kleinen Hafenort Aegiali einen Eiskaffefrappè, stoppten in dem alten verlassenen Dorf Astodillitis, wo angeblich nur noch ein einsamer Ziegenhirte leben sollte und relaxten dann noch einmal am anderen Ende der Insel bei einem Dosenbier am Strand von Kalotaritissa.

Höhepunkt diese Ausfluges war sicherlich der Besuch des Klosters von Panagia Hozoviotissa, das sich hoch über dem Meer an einen steilen Berghang schmiegt und nur über einen mehr oder weniger steilen Treppenweg zu erreichen ist.

Ich sparte mir den Weg da oben hoch und blieb bei dem Devotionalienhändler – der mir dann, in der Hoffnung, ich würde eine Flasche von dem Zeug kaufen, auch noch einen inseltypischen Raki spendierte – am Parkplatz sitzen, während Peter das Kloster erklomm.

Unsere Tour endete mit dem Kauf einer Box Rotwein in dem Supermarkt der Inselhauptstadt Chora und – unsere gute Tat des Tages – in der Mitnahme eines trampenden Jungen, der von Chora aus nach Katapola wollte.

Amorgos ist eine schöne Insel, hat mir gut gefallen.

Eigentlich wollten wir von Amorgos aus nach zu der Insel Ios segeln, aber angesichts anhaltender Flaute bzw. schwachen Windes entschlossen wir uns, die 15 Meilen nach Koufonisios zu gehen.

Begrüßt wurden wir dort von einem Großen Bagger, der irgendwelche Arbeiten an der Hafenmole verrichtete und dem Hafenmeister, der mich von meinem letzten Aufenthalt mit Jasmin her wiedererkannte.

Auch hier hielt uns nichts, auch angesichts des auch am nächsten Tag herrschenden Baulärms und wir machten uns nun auf nach Ios.

Auch wieder anfänglich ein schöner Segeltag mit anfänglich gutem Wind aus Nordost, der dann immer weiter abnahm.

Wir erwischten tatsächlich noch eine freie Mooringleine und gleich beim Festmachen an der Pier von Ios Hafen begrüßte uns ein Deutscher und gab uns den Rat, guten Abstand von der pier zu halten. Die Fähren würden hier einen derartigen Schwell verursachen, so dass man unter Umständen mit dem Heck auf die Pier gedrückt würde. So stand es auch in den Hafenhandbüchern.

So kam es, dass wir mit reichlich Abstand zur Pier an der Mooringleine festmachten, um dann fest zu stellen, dass unsere Gangwayplanke zu kurz war und wir so nicht an Land gelangen konnten.

Also blieb uns nichts anderes übrig, als unser Dingi aufzublasen und es als Fender und Überstiegshilfe zu verwenden.

Diese Maßnahme erwies angesichts der Temperaturen zwar als schweißtreibend, aber genau richtig. Die Fähren verursachen hier beim Ein-und Auslaufen wirklichen einen derartigen Schwell, dass es nur so in den Festmacherleinen kracht.

Der Meltemi bläst! Gestern blieben wir im Hafen und heute auch. Es ist auch gar nicht schlecht, einmal nichts zu machen oder irgendetwas, was nichts mit Segeln zu tun hat. Im Kafenion sitzen und Eiskaffefrappè zu trinken, dank WiFi im Internet ‚rumzustöbern und auch ‚mal wieder die Homepage zu pflegen.

Hafenkino ist auch nicht schlecht. Bei manchen Leuten, die ein Segelboot bewegen, fragt man sich wirklich, ob die noch alle Tassen im Schrank haben. Zwischen unserem Liegeplatz und unserem nächsten Nachbarn gab es eine Lücke, da entweder die Mooringleine weg ist oder irgendjemand in der Reihe zwei Leinen beansprucht. Alle Mooringleinen sind an einer Kette auf dem Hafengrund befestigt, deren Verlauf durch eine gelbe Boje markiert ist, auf der dann auch noch ein ankern verboten Zeichen aufgemalt ist. Und so steht’s auch im Handbuch.

Da kommt dann tatsächlich eine Yacht unter amerikanischer Flagge mit einem älteren Ehepaar in die Lücke gefahren, obwohl wir signalisiert haben, dass es keine Mooring gibt und ohne überhaupt eine Leine auf dem Vorschiff klar zu haben und fragen, ob sie bei uns festmachen dürfen. Ja, wie denn, ohne Vorleine? Die Olle sitzt dick und bräsig achtern im Cockpit und klammert sich an die nicht ausgebrachte Achterleine und der „Skipper“ hantiert heftig mit dem Gashebel. Keiner von denen macht Anstalten, auch nur irgendetwas zur Sicherung des Bootes bei zu tragen. Und der Nachbar auf der anderen Seite hat schon das große „P“ in den Augen und schwingt mutig einen Fender, um zu verhindern, dass der Anker des Schiffes dieses Seehelden sein Boot aufschlitzt.

Unser Vorschlag, doch vielleicht erst einmal den Anker weit über die Mooringkette auszubringen und dann in die Lücke zu fahren, wird mit der Erwiderung abgelehnt, das ankern erstens verboten sei und zweitens hätten sie nur 40 Meter Ankerkette. Da fällt einem nichts mehr dazu ein.

Die sind dann auch wieder weggefahren und wir waren froh, dass wir die nicht bei uns am Schiff festmachen mußten. Bei dem Schwell, den die Fähren verursachen wäre dies eher grenzwertig geworden.

Einige Minuten später kam dann eine Charteryacht mit einer deutschen Crew rückwärts auf die Lücke zu gesteuert, die dann, nachdem wir sie vor der fehlenden Mooring gewarnt hatten, locker sagten: „Dann fahren wir eben wieder ‚raus und schmeissen den Anker!“. So taten die das auch und fuhren unter den Augen eines gerade vorbei kommenden Beamten der Port Police einen souveränen Anleger. ….. und wir bekamen zur Belohnung ein kaltes Bier herübergereicht. So kann’s auch gehen.

Morgen soll der Meltemi immer noch mit sechs Windstärken blasen. Eigentlich kein Problem, wenn die Richtung stimmt. Entschlossen unentschlossen wollen wir eigentlich nach Milos hinüber. Schau’n wir ‚mal, wie’s morgen wird.

11.06.2016: Peter, Erwin und Michael sind plangemäß in Rhodos zugestiegen. Wir gönnten uns einen Tag Sightseeing in Rhodos-Stadt.

Von Rhodos aus ging es dann wieder nach Symi auf der gleichnamigen Insel. Nächste Station war dann die Insel Tilos und danach ging es nach Nisiros.

Von Silos nach Nisiros hatten wir richtigen starken Wind und wir kreuzten unter gereffter Genua und mit dem ersten Reff im Großsegel bis kurz vor den Hafen. Dieser war bereits rappelvoll und wir hatten Schwierigkeiten einen Liegeplatz zu finden.

Auf der Pier standen reichlich Leute und signalisierten uns, wo wir denn überall ‚reinfahren sollten. Schließlich machte eine Deutsche Chartercrew und ein deutscher Langzeitkipper eine Lücke zwischen ihren Booten frei, indem sie die Landleinen etwas verlegten. Unser Anker fiel zwischen die ihrigen und mit Hilfe vieler Hände landeten wir zwischen den beiden. Das war nette, freundliche Hilfsbereitschaft, die bei dem starken Seitenwind sehr willkommen war.

Später erfuhren wir, dass man uns wohl allgemein bewundert hat, dass wir bei dem Starken Wind (zwischen 17 und 24 Knoten) von Tilos herüber gesegelt waren. Unsere Chartercrewnachbarn waren die gleiche Strecke voll motort.

Am nächsten Tag gingen wir bei 14 Knoten Wind Anker auf, drehten in dem nunmehr fast leeren Hafenbecken ein paar Runden um das Schiff zu klarieren und setzten dann auch noch das Großsegel im Hafenbecken um dann mit achterlichem Wind hinaus zu segeln, was offenbar wieder allgemeines Staunen bei den im Hafen Hinterbliebenen auslöste, wie ich dann später in Kos erfuhr, wo die besagte Chartercrew dann einen tag später eintraf.

Die Strecke nach Kos gestaltete sich dann doch im Laufe des Tages etwas mühsam, da der Wind stetig zu nahm und zum guten Schluß mußten wir mit dem zweiten Reff und Genua III noch voll gegenan bis zur Marineeinfahrt kreuzen. Das reichte dann auch. Eine Woche Starkwind war genug.

Zu allem Überfluß erwies sich das hintere Salonfenster über der Navigation auch noch als undicht. Über das Marinabüro in Kos konnte dann sogar ein Handwerker aufgetrieben werden, der das Fenster dann ausgebaut, abgedichtet und wieder eingebaut hat. Kostete natürlich auch eine Stange Geld. Hoffentlich hälts.

Nun sind Erwin und Michael abgereist und Peter und ich segeln erst einmal alleine weiter, nachdem wir uns heute einen Hafentag gegönnt haben.

02.06.2016: Gestern sind wir auf Rhodos angelandet. Eine Nacht verbrachten wir auf der Insel Symi in dem gleichnamigen wunderschönen Ort. Das war wirklich Griechenland pur, allerdings auch von der touristischen Seite. Die Tagesausflügler von Rhodos überfielen den Ort und wir flüchteten.

Dann ging’s in eine nette Ankerbucht namens Panormitis auf der Südwestseite der Insel – Ruhe, bis auf die morgendlichen liturgischen Gesänge der Mönche aus dem nahe gelegenen Kloster.

Nun liegen wir in der nagelneuen und auch noch nicht ganz fertigen Marina Rhodos, etwas ab vom Schuß, aber dafür ruhig und mit allem Komfort.

Heute war Stadtbesichtigung von Rhodos. Gut das wir nicht in die Marina Mandraki eingelaufen sind. Eng, laut, keine Infrastruktur, allerdings stadtnah.

Rhodos Stadt ist ein Touristenmekka ohne Gleichen. Die alten Kreuzritter würden sich wohl im Grabe umdrehen, wüßten sie von dem heutigen Treiben. Man kann wirklich keinen Schritt gehen, ohne dass man von irgendwelchen Leuten angemacht wird, in deren Restaurant einzukehren oder irgendwelchen Touritinnef zu kaufen.

Die beeindruckenden Festungsmauern und die Paläste der Kreuzritter fallen vor lauter Touristenrummel kaum noch ins Auge.

Ein Tag Rhodos Stadt hat uns gereicht.

Die Rücktour zur Marina mit dem öffentlichen Bus gestaltete sich zwar preiswert, aber auch abenteuerlich. Der Bus brach einfach mitten auf der Strecke unter Ausstoß diverser Rauchwolken zusammen. Ein Ersatzfahrzeug brachte uns dann nach einiger Wartezeit zurück in die Marina. Wir nahmen es mit südländischer Gelassenheit.

Jasmin fliegt morgen nach Hause. Wir gönnten uns ein Abschiedsessen beim direkt der Marina gegenüber liegenden Griechen und haben es nicht bereut. Ursprüngliche griechische Küche, lecker, preiswert und nettes Ambiente.

Samstag kommt die nächste Crew und dann geht’s weiter.

28.05.2016: Gestern abend sind wir auf der Insel Kos in der gleichnamigen Stadt angelandet. Die Marina bietet alles, was das Seglerherz begehrt.

Von Levitha aus ging es wieder mit 4, 5, in Böen auch 6 Windstärken in die Dodekanes, eben nach Kos.

Wir haben beschlossen, angesichts der anhaltenden Starkwindsituation einen Tag hier zu verbringen. Wir haben jetzt genügend Zeit, um nach Rhodos zu gelangen, wo der nächste Crewwechsel stattfinden wird.

Die Wettersituation ist wirklich erstaunlich. Seit drei Tagen gibt es Starkwind aus nördlichen Richtungen, kein Meltemi, und zwischendurch immer wieder schwache Winde aus Süd. Wie soll man da vernünftig planen? Außerdem ist der Norwind auch noch recht frisch, ein wärmendes Jäckchen ist angesagt.

Allerdins regnet es nicht und Segeln mit Wind von hinten bei strahlend blauem Himmel hat ja auch ‚was.

Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen.

26.05.2016: Nach zwei Tagen Starkwindaufenthalt auf Serifos ging’s dann endlich weiter nach Paros. Wir wurden belohnt. Wind aus NW, drei, vier Windstärken, Sonnenschein, Segeln wie man es sich erträumt.

Wir steuerten die Marina Nausas an, wo es laut Hafenhandbuch angeblich alle den Segler erfreuende Einrichtungen geben sollte. Aber Nichts da. Es gab wieder einmal keine Klos, keine Duschen, keinen Strom, aber Wasser, das aus irgendwelchen Gründen dann nur sporadisch aus den Hähnen floß und von mir quasi zufällig entdeckt wurde.

Wir ergatterten hier mit Hilfe einer französischen Seglerin die wohl letzte freie Mooringleine, die allerdings vom Durchmesser her einen wenig vertrauenswürdigen Eindruck machte. Hat aber bis zu unserer Abfahrt gehalten.

Immerhin wurde auch kein Hafengeld fällig.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag zwischen den Inseln Paros und Naxos in Richtung Süden segeln.

Wir starteten auch bei moderaten Windbedingungen aus SSE aber kaum steckten wir unsere Nase aus der Bucht von Naousa hinaus, bekamen wir satte 5 Windstärken auf die Nase, aus genau der Richtung, in die wir wollten.

Es reichte gerade zu einem Anlieger nach Naxos auf der gleichnamigen Insel. Zum Kreuzen hatten wir keine Lust.

So kam es, das wir bereits zu früher Mittagsstunde in der Marina von Naxos vor eigenem Anker fest machten. Wir nutzten die Gelegenheit zu einem ausgiebigen Stadtbummel, was dieser auch wert war.

Die Altstadt von Naxos zieht sich labyrinthartig einen Berg entlang, verwinkelte enge Gassen mit Souvenierläden und kleinen Restaurants prägen dieses Quartier. Man kann sich hier wirklich verlaufen. Spannend ist es aber auch.

Im Zuge unserer Stadterkundung entdeckten wir auch die allgemein zugänglichen öffentlichen sanitären Einrichtungen. Das Hafenhandbuch hatte uns ja bereits schon gewarnt, aber die Realität erwies sich als jenseits aller Vorstellungskraft. Derartig heruntergekommene, verdreckte und marode Toiletten und Duschen hatte ich mein Lebtag noch nicht gesehen. Dass selbige überhaupt von irgend jemanden benutzt werden, mag man nicht glauben, aber dennoch ist es wohl so, wie die eindeutigen Hinterlassenschaften menschlicher Bedürfnisse signalisieren.

Jasmin und ich krönten unseren Stadtbummel mit einem Eis-Caffe-Frappé in einem Bistro mit Blick auf den Hafen, um uns dann in einem Supermarkt mit dem Nötigsten für die nächsten Tage zu versehen.

Der nächste Morgen wartete dann auch gleich mit Überraschungen auf. Die Erste erschien in Gestalt eines freundlichen Herrn, der unseren Bootsnamen notierte und uns dann mitteilte, dass man doch bitte noch vor 15:00 h im Büro der Port Police erscheinen sollten.

Jasmin machte sich daraufhin nach dem Frühstück mit allen erdenklichen Papieren dorthin auf, war aber nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder zurück und wir um 13,52 € ärmer. Also: Alles harmlos.

Die zweite Überraschung gestaltete sich dann doch etwas abenteuerlicher. Ich hatte mich am Abend zuvor schon gewundert, warum unser Anker bei gerade einmal zehn Meter ausgebrachter Kette derartig gut hielt. Es war mir kaum möglich gewesen, mit Maschinenkraft richtig dicht an die Pier zu gehen, so dass wir doch einen guten Abstand hatten und unsere Laufplanke (sprich Gangway) gute Dienste leistete.

Wie ich bereits vermutet hatte, zogen wir beim Ankeraufgehen mit unserem Anker irgendein nicht näher zu identifizierendes kettenartiges Eisenteil in die Höhe, allerdings nur auf ungefähr zwei Meter unter die Wasseroberfläche, dann versagte die Ankerwinde. Nun hingen wir da, fast mitten im Hafen und nichts ging mehr, kein Vor, kein Zurück, unser Anker hatte sich gut an diesem Kettenteil verhakt.

Nach kurzer Beratschlagung erklärte sich Jasmin bereit (ansonsten wäre ich es gewesen) ins Wasser zu gehen und eine Leine unter dieses Kettengedöns zu ziehen. Dazu musste man natürlich etwas abtauchen, kein besonders angenehmes Vergnügen, angesichts des ganz sicher nicht naturreinen Hafenwassers.

Das Manöver gelang. Wir fierten unseren Anker, das Kettengedöns wurde durch unsere Leine hochgehalten, unser Anker kam frei, wurde aufgeholt und der Hilfsstrick einfach losgeworfen, das war’s. Dank an Jasmins heldenhaften Einsatz.

Dafür durfte sie sich auch danach mit der Borddusche mit Süßwasser abduschen.

Nun kam der Plan vom Vortag zu tragen. Zuerst moderater Wind aus nordwestlicher Richtung, dann vier Windstärken aus West trieben uns zwischen den beiden Inseln Paros und Naxos in Richtung Süden. Wieder ein nahezu perfekter Segeltag, der in einer kleinen gleichnamigen Marina auf der Insel Koufonisos endete.

Allein die Ansteuerung dieses Hafens zwischen den Inseln Kato und Koufonisos war es wegen der malerischen Küstenformationen wert.

Ein netter hilfsbereiter Hafenmeister half uns beim Anlegen, kassierte 17,40 €, es gab Strom und Wasser und vor Allem: Ruhe. Ein wirklich netter Ort. Hat mir gut gefallen.

Gemäß Planung sollte es dann am nächsten Tag eigentlich zu der Insel Amorgos gehen. Aber direkt beim Start von Koufonisos aus wehte der Wind so verlockend mit 3 Bft. aus Nordwest, dass wir gleich auf Ostkurs gingen, wo ich mit Hilfe des Kartenmaterials und der Handbücher in 45 Meilen Entfernung die Insel Levitha aus gemacht hatte.

Das sollte uns ein gutes Stück in Richtung Dodekanes und damit nach Rhodos bringen.

Im Laufe des Tages nahm der Wind stetig zu. Wir rauschten unter Vollzeug – sprich Genua und Groß – mit raumem Wind und 6 bis 7 Knoten Fahrt an der Nordspitze von Amorgos vorbei.

Rauschefahrt! Bei zeitweilig 25 bis 27 Knoten Wind hatte Jasmin wohl auch ihre Grenzerlebnisse am Ruder, zumal die Welle von schräg von der Seite ordentlich schob. Aber sie hat sich wacker geschlagen.

Irgendwann wurde es dann auch mir zu viel und wir rollten die Genua ein.

Je mehr wir uns unserem Ziel näherten, desto mehr nahm der Wind ab. Unter Großsegel liefen wir in die Bucht von Troumpa auf der Insel Levitha ein, wo uns dann, nachdem wir das Großsegel geborgen hatten, ein netter Grieche in einem Dingi empfing und uns beim Festmachen an einer Mooringtonne behilflich war.

Für 7,- € durften wir dann an dieser Moorig in malerischer Umgebung liegen, allerdings nicht alleine, es gab noch etliche weitere Bojen, an denen andere Yachten lagen. Schön ist’s trotzdem hier. Die einzige Taverne auf der Insel könnte man ja auch noch ausprobieren, so man denn ein aufgeblasenes Dingi zur Verfügung hätte.

22.05.2016: Noch ein Hafentag!

In der Nacht vom 21.05. zum 22.05. regnete es wieder einmal. Der Tag begann mit Starkwind so um die 15/16 Knoten, der dann im Laufe des Tages auf in Böen 25 Knoten zu nahm. Erst überlegten wir, los zu segeln, aber nachdem unser englischer Nachbarlieger uns vor dem zunehmenden Wind am Nachmittag gewarnt hatte und wir auch noch Zeuge eines ziemlich abenteuerlichen Ablegers einer deutschen Chartercrew wurden, verzichteten wir auf den schnellen Rutsch nach Paros, in der Hoffnung, dass die Windbedingungen morgen moderater sind.

Jedenfalls entbehren die verschiedenen Wetterberichte nicht einer gewissen Interpretationsspanne.

Mehr demnächst.

21.05.2016: Der dritte Teil der Reise im Südland hat begonnen.

(Hier erst einmal eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse)

Wie immer, läuft alles längst nicht nach Plan. Aufgrund des griechischen orthodoxen Osterfestes, welche einen Monat nach dem unsrigen statt fand, mußte ich meinen Flug nach Athen zwei Mal verschieben. Zu diesem Zeitpunkt geht in Griechenland gar nichts, aber das haben mir die Leute von der Olympic Marina offenbar im Herbst, als ich das Schiff an Land gestellt habe, nicht mitteilen können.

So flog ich dann erst am 04.05. nach Athen und traf mich mit Lothar und dessen Bruder Peter dort auf dem Flughafen. Mit dem Bus ging es dann weiter nach Lavrion und in die Marina.

Die Werft hatte weitgehend die Arbeiten erledigt, die ich beauftragt hatte, es blieb aber trotzdem noch genug für uns zu tun.

Laurenz steß dann einen Tag später zu uns und am 06.05. ging das Schiff dann zu Wasser.

Ein paar Dinge zu tun, bei denen die Dienste der Werft in Anspruch genommen werden mußten,  blieben immer noch übrig und so konnten wir erst am Dienstag in See stechen, weil ja wieder ein Wochenende dazwischen lag.

Nick, ein griechischer Kollege von Lothar, hat uns am Freitagabend in ein Restaurant in Lavrion eingeladen und wir haben wirklich gespeist, wie die Götter, alles was die griechische Küche an Spezialitäten so her gab.

Den Sonntag nutzten wir allerdings zu einem kleinen Probeschlag in den Gewässern vor der Marina.

Unser erster Anlaufpunkt war dann die Insel Kea. Wir drehten die Runde über die Inseln Kythnos, Syros, Tinos, Andros und dann wieder Kea zurück in die Olympic Marina.

Eine nette Tour zum angewöhnen, auch wenn das Wetter noch nicht so richtig südländisch war, wie man es eigentlich hätte erwartet.

Am letzten Tag fabrizierten wir noch beim Reffen einen Riß ins Großsegel, so dass es wieder einen Aufenthalt in der Olympic Marina gab, bis das Segel repariert war. Außerdem mußte wieder einmal der „Up“- Knopf der Ankerwinde repariert werden und zu allem Überfluß hatte der Betriebsstundenzähler des Motors auch noch seinen Geist aufgegeben, da waren wieder einmal einige Kabel weggerottet. Die Elektrik auf dem Schiff ist wirklich eine Katastrophe, aber der Elektriker der Werft hatte es drauf.

Jasmin erwartete uns bereits und nach einer Nacht zu Fünft an Bord verließen Lothar, Peter und Laurenz die „Yssabeau“ und flogen nach Hause.

Alles in Allem war es ein sehr netter Auftakt mit der ersten Crew und nun geht es mit Jasmin als einzige Mitseglerin erst einmal gen Rhodos.

Wir mußten noch einen Tag in der Marina verbringen bis alle Reparaturen vollbracht waren und wir uns im Supermarkt in Lavrion für die nächsten Tage mit Vorräten eingedeckt hatten.

Der Lieferservice des Supermarktes brachte unsere Einkäufe, die wir allein kaum hätten schleppen können, samt uns zur Marina zurück und das abends um 20:00 h. So etwas nenne ich Service.

Unsere erste Station war diesmal die Insel Kythnos, wo wir dann nach einem herrlichen Segeltag die Nacht verbrachten, um dann am nächsten Tag zur Insel Seriphos zu segeln.

Dieser Tag war allerdings wettermäßig eher bescheiden. Der Himmel war grau und von Wolken bedeckt, Wind eher mäßig aus wechselnden südlichen Richtungen, also von dort, wo wir hin wollten, und zum guten Schluß mußten wir noch rund zwei Stunden motoren, um überhaupt noch unser Ziel zu erreichen. Und so richtig südländisch warm war es auch nicht.

Seriphos verfügt mittlerweile über eine richtig nette kleine Marina, die noch nicht im Hafenhandbuch verzeichnet ist, die aber auch noch nicht so ganz fertig ist. Es gibt  Moorings, Trinkwasser, aber noch keinen Strom und sanitäre Einrichtungen.

Des Nachts regnete es in Strömen, um dann gegen Morgen in Starkwind über zu gehen. Für uns ein Grund, einen Hafentag ein zu legen.

Mehr demnächst.